Freitag, 11. November 2011

Radio Vatikan Blog und Weltbild-Skandal

"Schämt euch, Journalisten, schämt euch!"

Als ich heute Morgen (10.11.2011) auf dem Blog von Radio Vatikan im Post von P. Bernd Hagenkord SJ las, an wen sich dieser Zuruf (auch) richtet, war ich doch einigermaßen geplättet:

Unter den Bösewichtern des Journalismus ärgert sich P. Hagenkord ganz besonders über die Herausgeber des "PUR magazins". Er schreibt:
"Noch ein Beispiel gefällig? Das ‚Pur’ Magazin, das sich katholisch nennt, fragt auf der Titelseite ‚Bischöfe als Porno-Produzenten?’, schön mit Fragezeichen versehen, dass das nicht als üble Nachrede zu bezeichnen ist. Meinen die tatsächlich ‚Produzenten’? Doch wohl kaum!"
Das sei "Irreführung" und "unprofessionell", meint P. Hagenkord um den Redakteuren dann noch einmal ein "Schämen Sie sich!" zuzurufen. Dazu gibt es Folgendes zu sagen:


Sehr geehrter Pater Hagenkord,

Wer das "PUR magazin" kennt, weiß, dass dies eine Zeitschrift ist, die kirchlich zwar nicht liberal oder modernistisch einzuordnen, dafür aber rechtgläubig, papsttreu und marianisch ist, also eher konservativ, eben fundiert katholisch. Wer die Müller-Brüder Bernhard und Martin kennt (ich kenne sie nicht gut, aber immerhin persönlich), der weiß, dass sie ihren katholischen Glauben mit Herz und Verstand leben und eine antikirchliche Agitation allein von daher schon unwahrscheinlich ist.

Wenn nun die Redaktion von PUR mit solch einem Titelblatt auffällt, muss man sich fragen, was eigentlich passiert ist. Ich gebe zu, dass auch ich über das Cover einigermaßen befremdet war und es verschämt unter die anderen Zeitungen geschoben habe, um es den Blicken neugieriger Heranwachsender zu entziehen. Und ich dachte: "Ist das nun wirklich nötig?"

Was also war passiert?

Schlägt man das "PUR magazin" November 2011 auf, so fällt einem als erstes folgender groß und in Rot gedruckter Satz auf:
"Es tut weh, die Bischöfe öffentlich so massiv auffordern zu müssen, ihrer Verantwortung nachzukommen."

Das zeigt, dass sich die Redaktion sehr wohl bewusst ist, dass diese Art, auf etwas aufmerksam zu machen, eigentlich die Schmerzgrenze übersteigt. Ist das wirklich nötig?

"Zahlreiche engagierte Katholiken, die schon seit mehr als zehn Jahren ihre Oberhirten so unermüdlich wie erfolglos auf den Skandal WELTBILD aufmerksam machen", sind  entsetzt "ob solcher Scheinheiligkeit" heißt es dann im PURtitel-Beitrag. Gemeint sind hier die Reaktionen der Bischöfe auf die neuerlichen alten Vorwürfe, diesmal durch das Fachmagazin "buchreport", gegen das Gebaren des WELTBILD-Unternehmens. Zehn Jahre?

Der Leser  erfährt (sollte er es noch nicht wissen), dass im Jahr 2008 allen deutschen Diözesanbischöfen eine 70seitige Dokumentation über das fragwürdige Angebot des katholischen WELTBILD Verlages zugesandt wurde. Die Initiative der engagierten Katholiken nannte sich "Katholisches! Weltbild" und forderte die Bischöfe zum sofortigen Handeln auf.

PUR dokumentiert sodann die (Nicht-)Reaktionen der informierten Bischöfe sowie weitere, aus katholisch-christlicher Sicht fragwürdige Machenschaften des WELTBILD Verlags. PUR berichtet auch über einen katholischen Buchhändler, in dessen Straße ein WELTBILD-Laden eröffnet hatte. Der Unternehmer wirft den deutschen Bischöfen - wohl nicht zu Unrecht - Bigotterie vor. Nicht einmal das Sonntagsgebot gelte für den bischöflichen Laden, obwohl sein Ortsbischof, der auch Medienbischof sei, in seinem Fastenhirtenbrief die Gemeinde aufgefordert habe, sich nicht an einem verkaufsoffenen Sonntag zu beteiligen. Er, der Buchhändler, würde sich daran halten, das WELTBILD-Unternehmen nicht.

Nach der Lektüre, die im Übrigen mit interessanten, symbolhaften Fotos von deutschen Bischöfen während des Papstbesuches in Deutschland gespickt ist, kann man eigentlich nur den Kopf schütteln über soviel Ignoranz seitens des deutschen Episkopats. Seit Jahren wissen die Bischöfe nun Bescheid, Köln ist bemüht, aus der Beteiligung auszusteigen, kein anderes Bistum. Alles läuft wie gehabt weiter, nichts ändert sich.

Zehn Jahre? Seit zehn Jahren vertreibt und verbreitet der WELTBILD Verlag im Namen der deutschen Bischöfe, also im Namen der Kirche, "Sexbücher, Gewaltverherrlichung, Esoterik, Magie und Satanismus" sowie "kirchenfeindlichen Schriften", Produkte also, die in eindeutiger Weise dem christlichen Menschenbild und dem katholischen Glauben widersprechen. Durch seine 50prozentige Teilhabe an der Verlagsgruppe Droemer Knaur sind die Bischöfe "nicht bloß Verkäufer sondern auch Produzent" und indirekt Verleger von  Pornoartikeln. Das ist den Bischöfen seit - mindestens - zehn Jahren bekannt. Ist das die Vorstellung der Bischöfe von christlicher Mission und Christsein in der Gesellschaft?

2004 nach dem fragwürdigen Waren-Angebot des WELTBILD Verlags gefragt, antwortete der Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, damals noch Vorsitzender der DBK, im Interview mit dem „Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel“:
„Ob dieses oder jenes Buch nun wirklich den Werten entspricht, die die Kirche fördern möchte - diese Frage sorgt natürlich immer wieder für Diskussionen. Ich denke aber, die Möglichkeit, durch Weltbild mit der ganzen Gesellschaft zu kommunizieren, ist dieses Wagnis wert.“

Nach zehn Jahren also muss man wohl davon ausgehen, dass die übewiegende Zahl der betreffenden Bischöfe die Ausrichtung des WELTBILD Verlags nicht nur billigt, sondern - durch (Re-)Investitionen - auch noch fördert.

Wie, Pater Hagenkord, kann man die Bischöfe dazu bewegen, bei diesem, die Gesellschaft verderbenden, Spiel mitzumachen? Wer trägt die Verantwortung für die zahlreichen Seelen, die nicht nur durch die Produkte des WELTBILD Verlags, sondern auch durch die dadurch entstehende Unglaubwürdigkeit der Kirche Schaden nehmen?

Zehn Jahre? Jetzt reicht es. "Bischöfe als Pornoproduzenten?" Bischöfe, wacht endlich auf und handelt, wie es sich für katholische Männer, Männer Gottes, gehört! Lasst den Mammon und sorgt euch um die Heiligung der euch anvertrauten Seelen!

Jetzt aktuell, am 10.11.2011 bei WELTBILD.de : allein über 1100 Treffer zu "Buddhismus", 3600 Artikel unter dem Stichwort "Esoterik", 3800 Artikel zum Stichwort "Engel", die man dann vielleicht doch besser als "Jahresendfiguren mit Flügeln" bezeichnen sollte, darunter auch dieses Schutzengel-Prachtexemplar...
Update am 06.10.2013: Bücher zu "Buddhismus 908 Treffer; Bücher zu "Esoterik" 1310 Treffer; Bücher zu "Engel" 2611 Treffer; das Prachtexemplar ist noch immer im Angebot;

Mit Vertuschung, Schönreden und Verdrängung des WELTBILD-Skandals ist der Kirche nicht geholfen. Nach den Missbrauchsskandalen und anderen Missständen wie Konkubinat und Ungehorsam gegen das Lehramt seitens nicht weniger Kleriker ist dies für viele Gläubige ein weiterer Anlass, die Kirche nicht mehr ernst zu nehmen.

Also. Diese Vorwürfe an die Adresse unserer Bischöfe, ihr Nichtstun und Zusehen - seit mindestens zehn Jahren! - das rechtfertigt meiner Meinung nach das Titelblatt des "PUR magazins"  Nr. 11. Das ist keine "Irreführung" und schon garnicht "unprofessionell". Ganz im Gegenteil. Die Redakteure des "PUR magazins" nehmen ihre Verantwortung wahr als katholische Christen und Journalisten. Selbst dann, wenn es weh tut, "die Bischöfe öffentlich so auffordern zu müssen", ihrerseits "ihrer Verantwortung nachzukommen". Ein Grund, sich schämen zu müssen, ist das wahrhaftig NICHT!

Was Ihr Post auf dem Blog von Radio Vatikan betrifft, so hätte ich mir etwas mehr Objektivität - vor allem gegenüber Journalisten-Kollegen aus dem eigenen Lager (ist es doch, oder?) - gewünscht. Und vielleicht auch einen Blick nicht nur auf, sodern auch hinter das Titelblatt einer ohne Zweifel katholischen Zeitschrift!

Und was "sauberen Journalismus" betrifft, verweise ich auf  HIER!

Mit freundlichen Grüßen

Frischer Wind

Screenshot PUR magazin, Archiv: Ausgabe November 2011

Weiteres um Thema "Weltbild-Verlag":


Foto: privat










Kommentare:

  1. Frischer Wind, danke für diese klare, deutliche Stellungnahme, der ich eigentlich nur noch zustimmen kann. Eine Anmerkung möchte ich allerdings noch hinzufügen:

    Bevor ich mich überwinden konnte, einen katholischen Priester zwecks Übertritt zu kontaktieren, glaubte ich eigentlich bereits seit 18 Monaten die ganze Lehre der Kirche. Die Verzögerung entstammte einer tiefsitzenden Abneigung gegen die offensichtlich in der deutschen Kirche vorherrschende Bigotterie. Der aktuelle "Weltbild-Skandal" ist das perfekte Beispiel dafür.

    Wie viele Seelen haben die Chance zur Konversion verstreichen lassen, weil sie sich nicht haben überwinden können? Weil die DBK offensichtlich ihren eigenen Glauben nicht ernst nimmt? Weil ihr weltliche Schätze wichtiger sind als geistliche Schätze?

    Und dann regen die Leute sich darüber auf, wenn ein katholisches Magazin manche dieser Tatsachen beim Namen nennt und ein plakatives Titelbild dazu macht? Warum regt man sich bei Radio Vatican nicht lieber darüber auf, dass die DBK durch ihr sträfliches Verhalten die mehr als 25 Millionen Seelen, für die sie als Hirten verantwortlich sind, in ernstliche Gefahr des ewigen Todes bringt?

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  2. @Catocon

    Haben Sie vielen Dank für Ihren Kommentar.
    Ich sehe die Sache genauso.
    Es ist wirklich ein unverantwortliches Verhalten der Bischöfe gegnüber Gläubigen und der Gesellschaft.

    "Als Führer zur Vollkommenheit seien die Bischöfe darauf bedacht, die Heiligkeit der Kleriker, Ordensleute und Laien nach der Berufung eines jeden zu fördern" sagt das II.Vatikanum in dem Dekret Christus Dominus.

    Das geht aber nicht mit einem glaubensverzerrenden, glaubenswidersprechenden oder glaubensfeindlichen Bücher- und Krims-Krams-Angebot von Weltbild.

    Hoffen wir, dass trotz dieser menschlichen Schwächen und trotz allem Unheiligen in der Kirche viele das Mysterium erkennen, dass hinter dieser Fassade tatsächlich die heilige Kirche, die reine und makelose Braut Christi steht. Und dass viele Menschen, wie Sie es getan haben, mutig den Schritt in dieses Mysterium wagen.

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