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Donnerstag, 4. September 2014

Den Kosmos zum Klingen bringen

Grundlagen der Erneuerung einer angemessenen Kirchenmusik

Inspiriert vom Geistbraus, der die zeitgenössische Kirchenmusik beleben retten und mit sphärischen Harmonien Großes schaffen möchte, versuche ich für mich selbst einmal, die Grundlagen liturgischer Musik freizulegen. Sicher mehr als ein Aspekt findet sich zu diesem Thema in einem Beitrag von Joseph Kardinal Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., aus dem Jahre 1980. Daraus ein Zitat, das Wesentliches aufzeigt:
Man hat im Judentum immer, auch nach der Zerstörung des Tempels festgehalten, dass die Herrlichkeit Gottes nur im Tempel von Jerusalem weilt. Die Christen sind demgegenüber der Auffassung, dass Gottes Herrlichkeit bei der Kreuzigung Christi, als der Vorhang des Tempels zerriss, von dort auszog und nun da weilt, wo Jesus Christus ist, also im Himmel und in der Kirche, die sich mit Christus versammelt.

Demgemäß werden jetzt Himmel und Erde als Ort des Lobgesangs angegeben (1). Das aber bedeutet, dass die Kirche nun doch etwas ganz anderes ist als die Synagoge, die im Judentum nach der Zerstörung des Tempels übrig blieb und nie den Tempel ersetzen wollte und konnte.

Die Synagoge ist der Ort eines reinen Laiengottesdienstes, der als solcher auch ein reiner Wortgottesdienst ist. Wer die Kirche auf Laiengottesdienst und Wortgottesdienst reduzieren möchte, der betreibt nicht das christlich Neue, sondern der setzt sie mit der Synagoge gleich und lässt gerade den Weg zu Christus aus.

Als Kirche übernimmt sie mit Christus in einer veränderten Weise auch das Erbe des Tempels; liturgisch drückt sich dies darin aus, dass sie nicht nur zu Lesung und Gebet, sondern zum eucharistischen Opfer zusammenkommt. Aber das heißt dann auch, dass sie in der Gestalt ihrer Feier Anspruch auf das Erbe des Tempels erheben darf und muss. Das bedeutet, dass die kirchliche Liturgie, die nun den Kosmos als Tempel betrachtet, selbst kosmischen Charakter haben, den Kosmos zum Klingen bringen muss. (...)
(1) vgl. E. Peterson, Von den Engeln, In: ders. Theologische Traktate. München 1951, S. 323-407, hierzu 356

und Kardinal Ratzinger resümiert:
Liturgie verlangt die aus dem Geist des Glaubens kommende künstlerische Transposition der Musik des Kosmos in die menschliche Musik der Verherrlichung des fleischgewordenen Wortes. Solche Musik folgt einem strengeren Gesetz als die Musik des Alltags, sie ist dem Wort verpflichtet und der Führung zum Geist.

Kirchenmusik muss daher immer wieder in einem Ringen nach zwei Seiten hin ihren Weg suchen: Sie muss dem puritanischen Hochmut gegenüber die notwendige Inkarnation des Geistes  im musikalischen Geschehen rechtfertigen; sie muss der Alltäglichkeit gegenüber die Richtung des Geistes und des Kosmos auf das Göttliche suchen.

Wo solches gelingt, ist es allemal ein Geschenk; aber das Geschenk wird nicht gegeben ohne die Bereitung, die wir ihm durch unsere Mühe entgegenbringen. Wo solches geschieht, wird aber vor allem nicht bloß ein unverbindliches Hobby ausgeübt , sondern eine notwendige Dimension des Christusglaubens gelebt und darin zugleich eine notwendige Dimension des Mensch-Seins festgehalten, ohne deren Gegenwart Kultur und Humanität von ihrer Mitte her unaufhaltsam zerfallen.


Joseph Kardinal Ratzinger: "Grundlegung der Kirchenmusik im Wesen der Liturgie" in "Theologische Probleme der Kirchenmusik"; Musicae sacrae ministerium; Anno XXVI-XXVII, No. 1&2: Congressus Generalis Augus. Vindelicorum a die 31 m. Maii usque ad diem 3 m. Iunii A.D. 1990 (Nachdruck aus Communio 9/2 (1980), 148ff)


 Ensemble "Sonoritas", Innsbruck:


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Dienstag, 2. September 2014

GLORIA Augsburg: Kirchenbedarf von A - Z, christliche Persönlichkeiten und Glaubenskultur

Kirchen-Messe GLORIA: Die besondere Messe für Christen

Vom 23.-25. Oktober öffnet in der Augsburger Schwabenhalle die 15. Kirchen-Messe "GLORIA" ihre Pforten. Die einzige Fach- und Publikumsmesse für Kirchenbedarf im deutschen Sprachraum wurde im vergangenen Jahr von mehr als 3.300 Priestern und Gläubigen besucht. Es spreche sich herum, dass die GLORIA einen besonderen Charakter habe, sagt Projektleiterin Bettina Reiter. "Weihrauchduft, Glocken- und Orgelklang erfüllen den Raum, Morgen- und Mittagsgebete segnen Aussteller und Besucher, spannende Gespräche mit christlichen Persönlichkeiten und die vielfältigen Angebote der Aussteller inspirieren zu einer Vertiefung des christlichen Lebens."

Zum Sehen und Ausprobieren findet man auf der GLORIA zum Beispiel Elektronische Orgeln, Glocken, Kirchbänke, Beschallungs- und Tontechnik, Kelche, Paramente und andere Erzeugnisse zur Ausstattung von Kirchen und Klöstern. Fachleute für die Restauration alter Fenster und Türen, für Holzgestaltung oder Denkmalpflege, nehmen sich Zeit zum Gespräch mit Pfarrern, Mesnern oder anderen interessierten Besuchern.

Auch für den einzelnen Gläubigen ist die GLORIA eine Fundgrube und Inspiration für das Leben als Christ im Alltag. Er kann sich an den mehr als hundert Messeständen zum Beispiel über Pilgerreisen, Ikonenmalerei, Bildungsangebote oder neue Entwicklungen der Begräbnis- und Trauerkultur informieren, Kerzen, Devotionalien, religiöse Kunst, Musik und Literatur erwerben oder mit Mitarbeitern christlicher Radio- und Fernsehsender sprechen. Auch Klosterprodukte und Erzeugnisse des fairen Handels spielen auf der ökumenisch ausgerichteten Kirchenmesse traditionell eine wichtige Rolle.

Bunt, spannend, inspirierend – das Begleitprogramm der GLORIA

Auf dem "Kirchplatz"-Podium inmitten der Ausstellungshalle präsentiert die Messe ein durchgängiges und abwechslungsreiches Programm. Dort können sich die Besucher von den Lebensberichten bekannter christlicher Persönlichkeiten unterhalten und inspirieren lassen. Zu den Gesprächsgästen gehören etwa der Bestsellerautor und äthiopische Prinz Asfa-Wossen Asserate, die Sängerin Patricia Kelly, der Weihbischof des Bistums Rottenburg-Stuttgart, Thomas Maria Renz und der Altabt des Klosters Heiligenkreuz bei Wien, Gregor Henckel-Donnersmarck, der vor seinem Eintritt in den Orden in der Wirtschaft Karriere gemacht hatte. 

Die GLORIA möchte aber nicht nur eine "Wohlfühl-Parallelwelt" für Gläubige aus den deutschsprachigen Ländern sein, sondern den Blick auch in die Weltkirche richten. So spricht schon am Eröffnungstag der Vorsitzende der pakistanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Joseph Coutts, über die explosive Lage in seinem Land. Der Erzbischof von Karachi ist aus Anlass des Sonntags der Weltmission mit dem Internationalen Katholischen Missionswerk "Missio" unterwegs. Der Geschäftsführende Präsident der Päpstlichen Stiftung "Kirche in Not", Johannes Freiherr von Heereman, wird von seiner Reise ins irakische Kurdengebiet berichten. Michael Ragg von der Agentur "Ragg´s Domspatz", der das Begleitprogramm im Auftrag der Messe zusammengestellt hat, zeigt Bilder der ersten Begegnungsreise des Bayerischen Pilgerbüros zu den Christen in China. Angela Jacobi, Preisträgerin der "Goldenen Bild der Frau", gibt Einblick in den Kampf der Christen für Gleichberechtigung in Burma.

Als Publikumsmagnet erwies sich schon im letzten Jahr die weltweit renommierte Psychologin Elisabeth Lukas. Die bekannteste Nachfolgerin des Begründers der Logotherapie, Viktor Frankl, kann man gleich an zwei Messetagen hören. Am Freitag spricht sie über "Quellen sinnvollen Lebens – Woraus wir Kraft schöpfen können". Am Samstag ist sie Gesprächsgast einer live vor dem GLORIA-Publikum produzierten Rundfunksendung zum Thema "Rendezvous mit dem Leben – wie wir unserem Ängsten trotzen und das Leben meistern".

Das GLORIA-Programm dient auch der weiterführenden Information und dem vertieften Nachdenken über Fragen, die sich in der Vielfalt der Messestände widerspiegeln. In lebendig moderierten Gesprächen mit führenden Fachleuten geht es etwa um Trends bei Pilgerreisen oder bei der Beerdigungs- und Trauerkultur, um die Restaurierung historischer Fenster und Türen an Kirchbauten oder die Bedeutung der Kirchenglocken. Zum Verweilen laden das GLORIA-Café und der große Kunst-Platz ein. Besonderer Blickfang wird eine Miniaturkapelle des Unternehmers Thomas Villing sein, der mit seinen kleinen Kapellen und Bildstöcken für Haus und Garten helfen will, Glaubenszeugnis in der Welt von heute zu geben. 

Konzerte der namhaften christlichen Liedermacher Siegfried Fietz und Andi Weiss, Lesungen christlicher Schriftsteller und die Präsentation christlicher Kunst runden ein Begleitprogramm ab, das nach Überzeugung der Messeleitung verstärkt auch Pfarreien dazu anregen wird, einen Tagesausflug zur GLORIA zu unternehmen.

Für die geistliche Mitte der ökumenischen Kirchenmesse sorgen das tägliche Morgenlob und Mittagsgebet auf der "Kirchplatz"-Bühne, das abwechselnd von katholischen, evangelischen und orthodoxen Geistlichen geleitet wird. Am Eröffnungstag gestalten Bischofsvikar Prälat Bertram Meier vom Bistum Augsburg und der evangelische Regionalbischof Michael Grabow mit einem ökumenischen Morgenlob gemeinsam den Auftakt. Nach dem Besucheranstieg im vergangenen Jahr soll die GLORIA 2014 einen weiteren großen Schritt machen auf dem Weg zu einer Messe für christliche Lebenskultur, die ihren festen Platz im Kalender vieler engagierter Christen und sinnsuchender Menschen findet.

Erstmals gibt es, begleitend zur GLORIA, auch einen Fachkongress "Zukunft der Kirchenimmobilien". Der Kongress unterstützt Kirchenverantwortliche bei der Verwaltung und Betreuung kirchlicher Liegenschaften. Bei der Kongress-Premiere am 23. Oktober steht die "Architektur, Umnutzung und Nutzungserweiterung sakraler Gebäude" im Mittelpunkt. Außerdem werden gelungene Beispiele kirchlicher Immobilienverwaltung vorgestellt und ausgezeichnet. 

Die Kirchenmesse in der Halle 1 der Messe Augsburg, der Schwabenhalle, Am Messezentrum 5, 86159 Augsburg, dauert vom 23.-25. Oktober, ist am Donnerstag und Freitag von 9-17 Uhr, am Samstag vom 9-16 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet zehn Euro, ermäßigt 8 Euro. Kinder unter vierzehn Jahren zahlen keinen Eintritt.

 

Weitere Informationen:


Berichte von der GLORIA 2013 (Auswahl):

Samstag, 24. Mai 2014

Erste Begegnung mit der "alten Messe"

Ein Gastbeitrag von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

Es sind allem voran bestimmte Begegnungen, die unserem Leben Richtung und Prägung geben. Begegnungen, die aus dem flüchtigen Grau-in-Grau des Alltags hervorstechen. Die ihr Zeichen tief in Seele und Herz drücken. Und die uns wie verwandelt entlassen. Rückblickend erkennen wir sie als Fügungen göttlicher Vorsehung; als Wege der Gnade hin zum Leben in Fülle.

Die bescheidene Begegnung, von der hier die Rede sein soll, ereignete sich vor bald 3 Jahrzehnten in einer Kapelle. Deren Besonderheit liegt nicht in hohem Alter und bedeutenden Kunstschätzen, sondern darin, daß sie zur Versammlungsstätte jener Katholiken geworden ist, die die heilige Messe im "alten Ritus" besuchen wollen.

Der Verfasser dieser Zeilen hatte eigentlich keine Veranlassung, sich in den Kreis solcher Außenseiter zu begeben. Selbst Ministrant in seiner Pfarrei und aktiv in deren Jugendgruppen, war er im "normalen" kirchlichen Leben zuhause und vertraut mit der Form des Gottesdienstes, die er von Kindertagen an als einzige kennengelernt hatte. Warum etwas Neues, auch wenn es das Ältere wäre?

Aber einige Vorkommnisse, teils abschreckender, teils erfreulicher Art, trieben zur Suche an und drängten mit wachsender Eindeutigkeit auf den Pfad der Tradition. So erlebte er auf der einen Seite die offene In-Frage-Stellung von Glaubenswahrheiten im Religionsunterricht und Abstoßendes in der Jugendarbeit und in Jugendgottesdiensten, an deren Gestaltung er selbst Anteil hatte. Auf der anderen Seite standen Begebenheiten, die neue Horizonte eröffneten: eine intensiv religiöse Wallfahrt, die Entdeckung und Pflege "altertümlicher Frömmigkeitsformen" (besonders des Rosenkranzgebetes) sowie die Lektüre wahrhaft katholischen Schrifttums.

Zum ersten Mal wurde der Glaube hier in seiner erregenden Größe und Schönheit, in seinem bindenden und bannenden Anspruch erfahren. Schwindelerregend hoch und abgrundtief, erhaben und innig zugleich erschien die Lehre von der eucharistischen Gegenwart Jesu und von der unblutigen Vergegenwärtigung Seines Liebes- und Lebensopfers in der heiligen Messe. Warum nur waren dem praktizierenden und engagierten Jugendlichen alle diese Wahrheiten so lange beinahe vollständig vorenthalten geblieben? Und wo fanden sie überhaupt einen angemessenen Ausdruck? Im gewohnten gottesdienstlichen Leben jedenfalls war davon wenig auszumachen. Trotz - oder vielmehr: wegen? - der vielgepriesenen "Verständlichkeit" der neuen Liturgie.

So wurde der Wunsch unabweislich, das, was bisher nur vom Hörensagen her bekannt war, mit eigenen Augen und Ohren mitzuerleben: die "alte Messe". War sie, die von den Bauleuten Verworfene, nicht schon durch die bloße Kunde zum Eckstein im Herzen des Suchenden geworden?

Fast immer erspäht der junge Mensch in neuer Umgebung zuerst, was er denn da für Leute um sich habe. Erfreulich war die Entdeckung, daß sich in der Kapelle alle Altersstufen einfanden; und daß es sich keineswegs um lauter religiöse Fanatiker und frömmelnde Exzentriker (die es natürlich auch gab) handelte. Die Formen der Ehrfurcht, im pfarrlichen Leben auf ein kaum noch zu unterbietendes Minimum reduziert und nur von wenigen Randexistenzen beibehalten, hatten bei diesen Gläubigen so gar nichts Übertriebenes an sich. Reine Selbstverständlichkeiten.

Und dann die heilige Messe selbst. Der Neuling sah sich einer eigenen Welt gegenüber. Die war ihm noch weithin verschlossen. Aber in ihrer erfüllten Stille und im erahnten Tiefsinn der Zeichen übte sie eine unaufdringliche und zugleich kraftvolle Anziehung aus. Bis auf die Predigt, weit und wogend wie das Meer, machte dieser Gottesdienst nicht den Eindruck eines Vortrages von Mensch zu Mensch, sondern einer Handlung, genauer noch: einer Begegnung.

Die Haltung und Ausrichtung des Zelebranten, der Ministranten und Gläubigen ließen keinen Zweifel mehr darüber, wer da im Mittelpunkt stand. Es fiel gar nicht schwer, an die wirkliche und persönliche Gegenwart des Erlösers in Seinem Opfer zu glauben. Alles redete ja davon. Alles lenkte die Aufmerksamkeit auf Ihn hin.

Anstatt seine Person hervorzuheben, verschwand der Priester nahezu. Er tauchte gleichsam in dem liturgischen Vollzug unter und ging völlig auf in der Stellvertretung des einen Hohenpriesters Jesus Christus. Aus der Hinwendung zum "Geheimnis des Glaubens" heraus wandte er sich dann auch den Gläubigen zu. Aber ohne den Blick auf den Herrn zu verstellen. Keine störenden subjektiven Einlagen. Die heilige Messe hatte nicht das Gesicht ihres menschlichen Zelebranten. Sie war theozentrisch, christozentrisch.

Endlich hatte der Sucher den Ausdruck jenes eucharistischen Glaubens, der aus den Worten und Gebeten der Heiligen spricht, gefunden! Wohl waren die Zelebrationsrichtung, die lateinische Kultsprache und die lang empfundenen Phasen des Schweigens für den an Verständlichkeit und Abwechslung gewöhnten Meßbesucher zunächst fremdartig. Durch den Entzug äußerer Beschäftigungen sah er sich plötzlich auf sein eigenes, armes Inneres zurückgeworfen: auf die Leere, den schwachen Glauben, die verkümmerte Fähigkeit zur Anbetung...

Doch gerade dadurch kam auch die Einsicht: Die heilige Messe ist eben ein Mysterium; ein Geheimnis, das nicht dem Fassungsvermögen des Menschen angepaßt werden darf, sondern dem sich dieses Fassungsvermögen durch die Gnade und eigenes Bemühen mehr und mehr anpassen soll. Der innerste Mittelpunkt des Glaubenslebens kann nicht nach den Maßstäben Fernstehender gestaltet werden. Nur dem gläubigen Mitvollzug erschließt er sich nach und nach. In das wahrhaft Große wächst man erst mit der Zeit hinein. Der Blick muß geläutert, das übernatürliche Sensorium geschärft werden. Dann beginnt das Abenteuer immer neuer, immer noch herrlicherer Entdeckungen.

Diese erste Begegnung läutete für den Verfasser eine Entdeckungsreise ein, die bis heute kein Ende gefunden hat. Auch die spätere "Gewöhnung" an den traditionellen Meßritus im Priesterseminar und als Priester hat daran nichts geändert. Während das Moderne in seiner Ausrichtung auf den "Menschen von heute" veraltet, offenbart das Alte sich in ewiger Jugend, denn es ist in erster Linie ein "Hintreten zum Altare Gottes, zu Gott, der meine Jugend erfreut" (Stufengebet der hl. Messe). In der Begegnung mit diesem Wunderwerk des Glaubens findet das abenteuerliche Herz, was es sucht: den unerschöpflichen Reichtum des Lebens in der Begegnung mit dem Herrn.



Auflistung der Orte und Zeiten, zu denen die "alte Messe" gefeiert wird: 


Donnerstag, 3. April 2014

Reform der Kirche und der Ruf nach Armut



Wenn die Forderungen nach einer Reform der Kirche in der Öffentlichkeit mit dem Ruf nach Armut und Bescheidenheit verbunden wird, geht es nicht selten um ein ganz anderes Ziel: nämlich darum, im Rahmen eines Kulturkampfes das kirchliche Leben, wo es sich nicht auf den caritativen Bereich reduzieren lässt, ins Private oder in gesellschaftliche Randbereiche abzudrängen.

Natürlich kann die Kirche auch in Hausgemeinden und Hinterhöfen gedeihen. Bisweilen hat sie ihre größte Stärke in Katakomben und Konzentrationslagern entwickelt. Und natürlich ist es richtig, wenn Priester, wie von Papst Franziskus gefordert, in die Favelas gehen und die Messe in Scheunen und Garagen lesen. Vollzieht sich die Liturgie würdig und recht, so kann auf diese Weise die Herrlichkeit Gottes durchaus in die Armut der Welt hineingetragen werden. Dann kann selbst eine KZ-Baracke zur Kirche und eine Scheune zum Thronsaal Gottes werden.

Doch wenn wir die Liturgie nicht angemessen feiern, wenn unsere Priester aus Anbiederung, Eigensinnigkeit oder falscher Scham die Liturgie ihrer Schönheit und Erhabenheit berauben, dann geschieht das Gegenteil. Dann wird Gott in einer selbstherrlichen Welt arm gemacht. Dann läuft selbst der Petersdom Gefahr, zu einer Garage zu werden. Dann lassen wir zu, dass die Basiliken Gottes, die seit jeher auch die Paläste der Armen und Schwachen waren, zu Scheunen herabsinken, während die Thronsäle der Reichen und Mächtigen, in denen das Gewand Christi zerschnitten wird, zu Tempeln neuer Götzen werden...


Peter Stephan, "Ein ästhetisches Manifest: Keine Angst vor der Pracht! - Sinn und Schönheit des liturgischen Ornats"; UNA VOCE Korrespondenz 2013/4 (z. Z. hier online zu lesen);



Siehe auch: 


 
Foto: Kardinal Francis Alphonsus Bourne, Erzbischof von Westminster, beim Besuch Irischer Truppen ca. 1918, flickr commons

Samstag, 25. Januar 2014

REGINA - ein katholisches Life-Style-Magazin

Seit Februar 2013, nun also bereits seit fast einem Jahr, gibt es ein ausgesprochen interessantes und niveauvolles katholisches Life-Style-Internet-Magazin namens REGINA. "Katholischen Geschichten" will man dort eine Plattform bieten, mit überzeugenden  Beispielen aus einer vom Glauben geprägten Welt und aus dem großen Schatz der christlichen Kultur.

So finden z. B. auch Beiträge über Esskultur und über Mode, die im Gegensatz zu vielen gegenwärtigen Modetrends Würde, Anmut und Schönheit der Frau unterstreicht, ihren Platz.  Das Gute, Wahre und Schöne soll sich in dem Magazin widerspiegeln und (wieder) Thema werden. So fehlt es neben Berichten aus dem Alltag auch nicht an Betrachtungen über die Schöpfung, über Kunst und Liturgie.

Die inzwischen in Deutschland lebende Herausgeberin der Quartalsschrift, Beverly De Soto, hat der ersten Ausgabe folgendes Editorial mitgegeben:

Erstes Quartal 2013

Unser erstes Titelblatt ehrt eine Kaiserin, zwei Königinnen, eine Prinzessin, eine First Lady, zwei Ordensgründerinnen und eine außergewöhnliche Wissenschaftlerin – jede für sich eine geschichtsträchtige, katholische Frau.

Als sich das Pontifikat Benedikts XVI. dem Ende zuneigt, versammelt REGINA außergewöhnliche katholische Autoren mit einem lebendigen Glauben und weit gefächerten Interessen.

Wir erzählen katholische Geschichten und berichten über katholische Filme und Bücher, die sonst wohl weitgehend unbeachtet blieben. Wir sind an allem unter der katholischen Sonne interessiert – von der Arbeit und Familie bis zum religiösen und ewigen Leben.

Wir streben nach dem Guten, dem Schönen und dem Wahren – innerhalb der Tradition und mit unserem gottgegeben Verstand. Wir glauben an die eine, heilige katholische und apostolische Kirche und sind loyal gegenüber dem Lehramt. Wir sind stolz auf unser geistiges und kulturelles Erbe und bemühen uns den authentischen Glauben zu leben und weiter zu geben.

Es ist offensichtlich, dass für die Kirche eine neue Zeit anbricht. Die ersten zarten Pflänzchen einer katholischen Erneuerung entstehen in der gegenwärtigen Generation und versprechen den Frühling, den Papst Johannes Paul II. vorhersah und für den sein Nachfolger Benedikt XVI. im Weinberg gearbeitet hat.

Der Platz für katholische Frauen ist im Herzen der Familie – und an der Spitze von Unternehmen und Staaten. Doch das ist altbewährt.

Wir haben immer die Herausforderung angenommen uns selbst und die Familie zu leiten und Verantwortung zu übernehmen, durch die Gnade unseres Herrn Jesus Christus.

Dankbar sind wir für diesen Schatz, der uns durch die Kirche über 2000 Jahre überliefert wurde, durch ihre Liturgie, ihre Geistlichkeit, ihrem großen Geschenk des Christentums und der katholischen Kultur.

Wir stellen REGINA unter das Patronat der allerheiligsten Jungfrau Maria. Wir beten, dass sie unsere bescheidene Arbeit ihrem Sohn zu Füßen legen möge und dass Sein Wille geschehe. Auch beten wir, dass sie die Kardinäle anleite einen guten, neuen Papst für die Heilige Mutter Kirche zu wählen.
Beverly De Soto
Herausgeberin, REGINA
Rom, Februar 2013

Die ersten beiden Ausgaben sind erfreulicherweise auch in deutscher Sprache erschienen; es ist zu hoffen, dass auch weitere Ausgaben von REGINA ins Deutsche übersetzt werden. Jedenfalls kann man dem Magazin nur einen möglichst großen, interessierten Leserkreis wünschen. 


1. Ausgabe: Februar 2013 als pdf (deutsch)

2. Ausgabe: Frühjahr 2013 als pdf (deutsch)

Weitere Ausgaben in englischer Sprache als pdf oder im Flip-Modus: bitte hier klicken!
(durchblättern lohnt sich selbst dann, wenn man kein Englisch versteht), z. B.:

6. Ausgabe (vol6): Dezember 2013  Special zum Thema Priester


Weitere Informationen auf reginamag.com


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Donnerstag, 17. Oktober 2013

Schwäbischer "Prunk und Protz" (3) - Schluss jetzt!


Nochmals die Basilika St. Alexander und St. Theodor in Ottobeuren - 
 
Prunk und Protz ohne Worte
(zum Vergrößern bitte das jeweilige Foto anklicken)


































Ende des Protz- und Prunk-Rundgangs...


Schwäbischer Prunk und Protz Teil 1 und Teil 2



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Mittwoch, 16. Oktober 2013

Schwäbischer "Prunk und Protz" (2)

Weitere Bilder aus der spätbarocken Benediktinerabtei Ottobeuren

Basilika St. Alexander und St. Theodor


O A M D G


Marienaltar im linken Querschiff

































Dienstag, 15. Oktober 2013

Schwäbischer "Prunk und Protz" (1)

Im Beiboot Petri hat man "Prunk- und Protzwochen"  ausgerufen und manch ein Blogger übertrumpfte das dort Gebotene mit noch Prunkvollerem in Bild (z. B. hier hier hier hier hier hier hier), Ton (hier) oder Wort (hier). Wenigstens einer protzte gleich stündlich (hier), denn schließlich muss man solche Gelegenheiten des unverschämten Protzens nutzen. Und selbst der Pfarrer von Wien Ars gewährt Einblick in seinen prunkvollen Paramentenschatz - alles das zur größeren Ehre Gottes und zur Erbauung der reichen und armen Gläubigen!

So poste ich, was ich schon seit fast fünf Monaten posten wollte: schwäbischer (!) Prunk aus Ottobeuren. Wen es interessiert, kann hier mehr über das Benediktinerstift im Allgäu bei Memmingen erfahren. Neben der Prachtbasilika gibt es unter den klösterlichen Räumlichkeiten außerdem u.a. eine Barockbibliothek, einen Theatersaal und einen Kaisersaal. Prunk und Protz pur! Ein Besuch lohnt sich allemal - auch wegen des Prunk und Protzes...






































Fortsetzung: 
Prunk und Protz in Ottobeuren Teil 2 und Teil 3 
 

Freitag, 5. Juli 2013

Die christliche Sicht des Menschen ist ein großartiges ›Ja‹ zur Würde des Menschen - Gender Mainstreaming ist unchristlich



"In der Tat ist die christliche Sicht des Menschen ein großartiges ›Ja‹ zur Würde des Menschen, der zu inniger Gemeinschaft mit Gott berufen ist, zu einer kindlichen Gemeinschaft, demütig und vertrauensvoll. Der Mensch ist kein unabhängiges Individuum noch anonymes Element einer Kollektivität, sondern ein einzigartiger, unwiederholbarer Mensch, der seinem Wesen nach zur Beziehung mit anderen Menschen und zum Gemeinschaftsleben veranlagt ist.

Daher bekräftigt die Kirche ihr großes ›Ja‹ zur Würde und Schönheit der Ehe als dem Ausdruck der treuen und fruchtbaren Verbindung zwischen Mann und Frau. Und ihr ›Nein‹ zu Philosophien wie etwa der »Gender«-Philosophie gründet auf der Tatsache, daß die Wechselseitigkeit von männlich und weiblich Ausdruck der Schönheit der Natur ist, die der Schöpfer gewollt hat."


Papst Benedikt XVI., Ansprache an die Mitglieder der Vollversammlung des Päpstlichen Rats Cor Unum am 19. Januar 2013


 (Hevorhebungen durch Fettdruck durch FW)


Weiteres zum Thema:

Was ist "Gender-Mainstreamig"?



Buchempfehlungen: 

Manfred Spreng - Harald Seubert (Hrsg. Andreas Späth):
Vergewaltigung der menschlichen Identität - Über die Irrtümer der Gender-Ideologie

Gabriele Kuby
Die globale sexuelle Revolution  - Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit
Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Robert Spaemann
ISBN 978-3-86357-032-3

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz
Frau – Männin – Menschin. Zwischen Feminismus und Gender
Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 2009
Rezension von Barbara von Wulffen, KAS

 

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Dienstag, 14. Mai 2013

"Wir" vom Seelsorgeamt

Reserviert für... :-)

Das Bloggertreffen in Bonn ist inzwischen vorbei und es gibt schon etliche Teilnehmerberichte, weshalb ich mich mit einigen persönlichen Ergänzungen begnügen möchte:

Es war schön, liebe, mir schon bekannte Bloggerkollegen wiederzutreffen und neue kennenzulernen, gemeinsam zu beten, zu essen und zu feiern - und zu wissen, dass uns alle das Anliegen verbindet, von unserem Glauben Zeugnis zu geben und ihm eine Stimme im World Wide Web zu geben.

Gelegentlich wird in anderen Berichten auf die kritische Distanz zu offiziell kirchlichen Medien in unseren Landen, hier konkret zum offiziellen "Internetauftritt der katholischen Kirche in Deutschland: katholisch.de" hingewiesen. Es war erfreulich, dass für "katholisch.de" (als genannter Mitausrichter des vom Referat Medienpastoral des Bistums Freiburg veranstalteten Bloggertreffens) immerhin drei Redakteure, darunter einer der beiden Geschäftsführer des Portals, Dr. David Hober, den Bloggern für Rede und Antwort zur Verfügung standen.

Dass auf den Seiten von "katholisch.de" neben -  aus katholischer Sicht* - manch fragwürdigem oder verwirrendem  Beitrag sowie fragwürdigen Formulierungen (z. B. die "mystisch aufgeladene Geschichte" von Fatima" oder der Satz im Artikel über die katholische Marienverehrung: "Abseits des Offiziellen erfreut sich Maria auch im Volksglauben einer großen Beliebtheit.")  mitunter auch sachliche Fehler, z. B. im Bereich der katechetischen "Erklär-Artikel" unters Volk gebracht werden, ist ein offensichtlicher Mangel. Als Katholik ist man schlichtweg verwundert, wenn nicht verärgert über die Ahnungslosigkeit mancher Mitarbeiter des von den Bischöfen hochgelobten Projektes.

Ein weiteres von noch vielen anderen Beispielen: An einer Stelle wird behauptet, im niederrheinischen Wallfahrtsort Kevelaer hätten  Marien-Erscheinungen stattgefunden. Vielleicht kann ich demnächst an dieser Stelle vermerken, dass diese offensichtliche Desinformation behoben wurde, denn auf Nachfrage eines Bloggers bejahte "katholisch.de" die generelle Bereitschaft, Hinweisen aus dem Blogger- bzw. Gottesvolk nachzugehen und gegebenenfalls die Texte zu korrigieren. Wäre schön, wenn das gelingen würde, dann wäre demnächst vielleicht auch zuverlässig katholisch drin, wo katholisch draufsteht, und das Portal infolgedessen dann auch vertrauenswürdig und empfehlenswert. (Update: Der Artikel wurde um den Halbsatz "...wo ein gewisser Hendrick Busman im Jahr 1641 Maria gehört haben will" ergänzt.)

Die Kurzreferate von bzw. Aussprache mit dem Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz Matthias Kopp und dem Publizisten Andreas Püttmann waren sehr interessant und bereichernd und man hätte gerne noch "Mehr" davon gehabt. Nochmals Dank an die Organisatoren, insbesondere an Norbert Kebekus. Vieles andere kann man bei den Kollegen nachlesen:



Ach ja, die zum Haus gehörige, architektonisch wohl in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zu verortende, jetzt allerdings leergeräumte, im Jahr 1999 für schlappe 700.000 Euro umgestaltete und mit mobilen Sitzhockern bestückte Kapelle hat eine wunderbare Akustik und eine sehr anmutige Marienstatue aus (wahrscheinlich) Terracotta (s.u.). 1971 wurde die katholische Bildungsstätte des Bistums Köln von "Liebfrauenhaus" in "Haus Venusberg" umbenannt (schade eigentlich - ebenso wie die Tatsache, dass es, zumindest im Altbau, weder auf den Fluren noch in den Zimmern Bilder oder anderen Wandschmuck und auch kein Kreuz gab - außer im Speisesaal):
















Hier noch Impressionen von der Heimfahrt (ich habe noch schönere Regenbogen gesehen als den auf dem ersten Foto, hatte aber leider keine Gelegenheit zum Anhalten):


Zeichen des Friedens zwischen Gott und den Menschen



unterwegs...



wieder daheim...


Samstag, 30. März 2013

Liturgie und Armut

Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

Im beginnenden 13. Jahrhundert entstanden fast zeitgleich die Bettelorden der Dominikaner und der Franziskaner. So verschieden die beiden Gründer in mancherlei Hinsicht auch waren, in der Forderung strenger Armut für ihre Gemeinschaften stimmten sie überein.

Freilich besitzt die Armut in ihrem Leben und Selbstverständnis eine jeweils unterschiedliche Bedeutung. Während Dominikus für seine Brüder eine Armut anstrebte, die dem Ordensmann Freiheit für seinen apostolischen Dienst schaffen und seine Predigttätigkeit glaubwürdiger machen sollte, hatte die „heilige Armut“ bei Franziskus einen geradezu mystischen Klang, verstand er sie doch als den Weg zur bräutlichen Vereinigung mit dem armen, entblößten Jesus in Seinen Geheimnissen von Krippe und Kreuz und im Sakrament des Altares.

Trotz der verschiedenen Akzentsetzung war die gelebte Armut beiden Heiligen aber überaus wichtig. Deshalb erstaunt es nicht wenig, wenn Dominikus und Franziskus in einer praktischen Frage, die durchaus mit der Armut zusammenhängt, recht gegensätzliche Vorstellungen hatten und entsprechend andersartige Anordnungen erließen.

Über Dominikus lesen wir in den Akten seiner Heiligsprechung: „Die Armut ging ihm über alles, und zwar in bezug auf die Lebensweise, wie etwa die Kleider seiner Brüder, als auch bezüglich der Häuser, der Kirchen, des Kults, wie was den Schmuck der liturgischen Gewänder anging. Er verwendete zu seiner Zeit viel Mühe daran, dass die Brüder im Gottesdienst weder purpurne noch seidene Stoffe als Gewänder oder Altartücher verwendeten und keine goldenen noch silbernen Gefäße außer den Kelchen hatten.“

Ganz anders der Poverello von Assisi. Für gewöhnlich stuft man seine Armut als besonders radikal – radikaler auch als die des heiligen Dominikus – ein. Dennoch lesen wir in einem Brief des heiligen Franziskus die Anweisung: „Die Kelche, die Korporalien, den Altarschmuck und alles, was zum eucharistischen Opfer in Beziehung steht, sollen sie (die Brüder) in kostbarer Ausführung haben.“ Und der erste Biograph des heiligen Franziskus, Thomas von Celano, erzählt: „Einmal wollte er Brüder mit kostbaren Gefäßen durch die Welt schicken, damit sie überall, wo sie gewahr würden, dass der Preis unserer Erlösung ungeziemend aufbewahrt werde, ihn an dem würdigsten Ort bergen sollten.“

Liturgie und Armut – man darf sich wohl die Frage stellen, welcher der beiden großen Ordensgründer die Sache richtiger gesehen hat. Zugunsten des heiligen Dominikus könnte man die ebenso spitze wie tieftraurige Bemerkung des heiligen Bernhard von Clairvaux anführen, in der frühen Kirche seien die Kelche aus Blech, die Herzen der Priester aber aus Gold gewesen, während nun die Kelche aus Gold, die Priesterherzen hingegen aus Blech seien. Aber bei allem Respekt vor dem „honigfließenden Lehrer“ muss doch die Frage erlaubt sein, ob denn der Blechkelch das Herz des Priesters automatisch vergolde; und ob nicht die heilige Wirklichkeit der eucharistischen Gegenwart Jesu geradezu danach rufe, kostbare Gefäße für dieses Kostbarste zu verwenden.

So wenigstens dürfte, gemeinsam mit dem heiligen Franziskus, der weitaus größere Teil anerkannter Glaubenszeugen gedacht haben. Persönlich schlichte und bescheidene Priester ließen sich, wenn es um die Gestaltung der Altäre, die Beschaffung edler Gegenstände ging, vom Eifer für das Haus des Herrn verzehren (vgl. Ps 68,9; Joh 2,17). Demütige, verborgene Ordensschwestern arbeiteten über Jahre und Jahrzehnte, damit die Priester bei der Darbringung der „reinen, heiligen und makellosen Opfergabe“ (Römischer Kanon) in würdige, ja herrliche Kleider gehüllt seien. Und gläubige Laien beteiligten sich hingebungsvoll daran, die Kirchen zu schmücken und in leuchtendem Glanz erstrahlen zu lassen – auch heute noch gibt es viele Beispiele dafür.

Aber leider hat sich seit Jahrzehnten insgesamt eine entgegengesetzte Tendenz ausgebreitet. Während Prachtstücke der Goldschmiedekunst und Paramentik unbenutzt in Sakristeien oder Museen stehen, setzt man in der Liturgie vorwiegend dürftige und nichtssagende Massenprodukte ein, die oft nicht einmal billig oder wenigstens preiswert sind. An die Stelle evangelischer, franziskanischer Armut ist so die zur Schau gestellte Armseligkeit einer im Übrigen sehr wohlhabenden Kirche getreten...

Man verstehe mich nicht falsch: Nicht einer sakralen Glitzerwelt voller Prunk und Protz soll hier das Wort geredet werden. Gerade das Vorbild des heiligen Franziskus zeigt uns, dass es nicht hohle Veräußerlichung, nicht überfeinerter Ästhetizismus, auch nicht der Drang zu klerikaler Selbstdarstellung sein darf, der sich für die Schönheit der Liturgie und des Gotteshauses einsetzt, vielmehr die gläubige und liebende Betrachtung des geopferten Jesus in der schlichten Brotsgestalt. Rufen wir uns in diesem Zusammenhang nur die Gestalt des armen und demütigen Pfarrers von Ars in Erinnerung: ein Priester mit goldenem Herzen und goldenem Kelch! 


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- dieser Beitrag erschien zuerst am 20.06.2010 im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS) Nr. 12/2010!   :-)

 

Mittwoch, 20. März 2013

"Forza - vorwärts!" - Papst Franziskus für Weitergabe der Weisheit an die jungen Menschen

"Liebe Mitbrüder, vorwärts! Die Hälfte von uns steht in fortgeschrittenem Alter: Das Alter ist – gern drücke ich es so aus – der Sitz der Weisheit des Lebens. Die Alten haben die Weisheit, im Leben ihren Weg zurückgelegt zu haben wie der greise Simeon, wie die greise Anna im Tempel. Und genau diese Weisheit hat sie Jesus erkennen lassen. 

Schenken wir diese Weisheit den jungen Menschen: Wie der gute Wein, der mit den Jahren immer besser wird, so schenken wir den jungen Menschen die Weisheit des Lebens. Mir kommt in den Sinn, was ein deutscher Dichter [Friedrich Hölderlin] über das Alter gesagt hat: „Es ist ruhig das Alter und fromm.“ –Es ist die Zeit der Ruhe und des Gebets.

Und es ist auch die Zeit, den jungen Menschen diese Weisheit zu geben. Ihr werdet jetzt an eure jeweiligen Orte zurückkehren, um euren Dienst fortzuführen, und seid dabei bereichert durch die Erfahrung dieser Tage voll des Glaubens und der kirchlichen Gemeinschaft. Diese einzigartige und unvergleichliche Erfahrung hat uns erlaubt, die ganze Schönheit der kirchlichen Wirklichkeit in ihrer Tiefe zu begreifen, die ein Widerschein des Glanzes des auferstandenen Christus ist; eines Tages werden wir jenes wunderschöne Antlitz des auferstandenen Christus schauen!"




Wie respekt- und herzlos, entwürdigend und diskriminierend dagegen die Meinung mancher unerleuchteter Mainstream-Journalisten... Sie können einem leid tun. Mögen auch sie ein bisschen von der Weisheit des katholischen Glaubens verstehen lernen. Kyrie eleison.


Weiteres zum Thema:

Dienstag, 12. März 2013

Winter und Frühlingsboten

 Heute Morgen:  Eisblumen am Fenster:











Frühlingsboten:

























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