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Samstag, 10. August 2013

Missbräuche und Priesterjahr

Die Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen waren im Priesterjahr 2009/2010 in aller Munde, besonders die durch katholische Priester begangenen. Zwar bewegen sie sich quantitativ, verglichen mit der vermuteten Gesamtzahl, in einem eher kleinen Rahmen. Und doch beschäftigten sie die Öffentlichkeit mehr als derartige Vergehen durch Lehrer, Psychotherapeuten oder Sporttrainer.

Das kann man auch verstehen. Denn obgleich die meisten unserer Zeitgenossen keine gläubige Auffassung vom Priestertum haben, betrachten sie dieses eben doch nicht als „Job wie jeden anderen“. Daher wächst dem sexuellen Missbrauch durch den Priester auch in den Augen glaubens- und kirchenfremder Menschen eine weitere, besonders schwerwiegende Dimension zu. Unvergleichlich hoch ist nun einmal der moralische und geistliche Anspruch eines Mannes, der zum „Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes“ (1 Kor 4,1) geweiht wurde und der die heiligsten Handlungen „in persona Christi“ vollzieht. Hat der Bischof nicht seine Hände gesalbt, „auf dass alles, was sie segnen, gesegnet, und was sie weihen, geweiht sei“ (Ritus der Priesterweihe)? So wiegt ein Verbrechen, begangen durch solche Hände, nochmals schwerer. Der fürchterliche Vertrauensbruch, die triebhaft-abartige Ausbeutung eines jungen Menschen, ja oftmals die Zerstörung seines Lebens durch einen Priester ist eine Schandtat, die zum Himmel schreit!

Die berechtigte Entrüstung über die Vorkommnisse wurde durch eine gezielte Aktion der Medien erkennbar verschärft. Deren kirchenfeindliche Absicht war und ist leicht durchschaubar: „Écrasez l’infame! - Macht sie nieder, die Schändliche“, so hatte schon vor gut 250 Jahren der französische Freidenker Voltaire gefordert und damit zum Vernichtungskampf gegen die katholische Kirche aufgerufen. In den Pressebüros des Kommunismus und Nationalsozialismus wurde das Unternehmen getreulich fortgesetzt. Die heutige Medienwelt steht weitgehend in dieser Linie.

Aber kann man es dem Journalistenheer, das sich längst von der Religion entfernt hat und zur Dienerin der öffentlichen Sensationslust geworden ist, ernsthaft verübeln, wenn es sich den Skandal – auch unter Verzerrung vieler Tatsachen – zunutze macht? Das wäre wohl zu hoch vom Berufsethos dieser Leute gedacht (von denen sich einige bekanntermaßen vor nicht allzu langer Zeit selbst noch für einen freieren sexuellen Umgang mit Minderjährigen einsetzten). Außerdem müsste solche Medienkritik fast zwangsläufig als Ablenkungsmanöver aufgefasst werden: Priester missbrauchen Kinder, und ihr Katholiken habt nichts anderes zu tun, als die Berichterstatter zu beschimpfen...

Zu welchen Gedanken aber geben die Vorkommnisse uns Anlass? Wir erinnern uns nicht ohne schmerzliche Empfindung daran, dass die Wellen im „Jahr der Priester“ besonders hoch schlugen. Ausgerechnet! Doch vielleicht liegt in diesem unglücklichen Zusammenfall auch eine heilsame, wenngleich überaus bittere Lehre beschlossen?

Angesichts der Missbrauchsfälle stellt sich unausweichlich die Frage: Wie konnte es dazu kommen? Die verbreitete Antwort, die versucht, die verbrecherische Perversion als giftige Frucht kirchlicher Sexualmoral im allgemeinen und der Zölibatsverpflichtung im besonderen hinzustellen, erweist sich im Blick auf das authentische Lebenszeugnis so vieler vorbildlicher Priester als irrig. Auch anerkanntermaßen unbefangene, nichtkatholische Fachleute haben der Verknüpfung Zölibat-Kindsmissbrauch ihre Berechtigung abgesprochen.

Aber wie steht es in diesem Zusammenhang mit den innerkirchlichen Entwicklungen der zurückliegenden Jahrzehnte; mit jenen Umtrieben, die keinen Glaubenssatz, kein sittliches Gebot und keine disziplinäre Maßnahme der Kirche unbekrittelt und unangetastet ließen? Kann es verwundern, dass die Leugnung der sakramental-übernatürlichen Identität des Priesters, die Entsakralisierung der Kirchen und Gottesdienste, die Umgestaltung der Priesterseminarien in freie Wohngemeinschaften usw. ihre Spuren im Leben der Kleriker hinterlassen hat? Wo die Ausrichtung auf den heiligen Sinn des Berufes, die Vermittlung zwischen Gott und den Menschen in Gebet und Opfer, verlorengeht, da brechen bald andere Mächte ein: „Die verwaisten Altäre sind von Dämonen bewohnt.“ (Ernst Jünger)

Eine kirchliche Besinnung müsste heute wohl Fragen wie diesen nachgehen: Was können wir tun, um unter den Bewerbern für das Priestertum den guten Weizen von der Spreu zu trennen? Welche geistliche und asketische Formung, welches Maß an Strenge und Nüchternheit ist dabei vonnöten, um labile und krankhafte Persönlichkeiten rechtzeitig auszuscheiden? Welche Irrlehren an den Fakultäten, welche Missstände in den Seminaren bedrohen den Glauben und die Sittlichkeit der künftigen Priester? Wie können wir die uns anvertrauten Berufungen besser als bisher zu einem frohen, erfüllten Leben der Hingabe an Gott und des apostolischen Dienstes führen?

Allgemein ist es die Frage, ob die jungen Männer genügend vorbereitet werden auf das, was ihnen der Bischof in der Weiheliturgie auftragen wird: „Bewahret in euren Sitten unversehrt ein keusches und heiliges Leben. Erkennet, was ihr tut, ahmet nach, was ihr verrichtet! Wenn ihr also das Geheimnis des Todes des Herrn feiert, so seid bedacht, in euren Gliedern alle Laster und Lüste zu ertöten. Eure Lehre sei eine geistliche Medizin für das Gottesvolk, der Wohlgeruch eures Lebens eine Erquickung für die Kirche, damit ihr durch Predigt und Vorbild das Haus, das die Familie Gottes ist, erbauet und weder wir dafür, dass wir dieses Amt euch übertragen, noch ihr dafür, dass ihr es übernommen habt, vom Herrn verdammt, sondern vielmehr belohnt zu werden verdient...“

Nein, wir wollen keineswegs behaupten, das gesamte Desaster sei durch die Beantwortung dieser Fragen zu überwinden. Sicher ist aber, dass es sich hier um einen neuralgischen Punkt handelt. Ihn nicht anrühren zu wollen würde bedeuten, die Augen vor den Tatsachen zu verschließen.

P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad



Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)




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Montag, 18. März 2013

Schönheit und Pracht der Kirchen und evangelische Armut


"Wenn die Priester zur evangelischen Armut zurückkehren wollen, dann sollten sie bedenken, daß in den Vereinigten Staaten und in Deutschland der Klerus vielfach die elegantesten Wägen, die besten Kameras, die modernsten Fernsehgeräte besitzt. Viel zu trinken und zu rauchen steht in eindeutigem Gegensatz zur evangelischen Armut - doch sicher nicht die Schönheit und Pracht der Kirchen."


Dietrich von Hildebrand in: "Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes"; EOS-Verlag AD 1992, Seite 296


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Foto: Wieskirche; © FW

Samstag, 2. Februar 2013

Klerikale Kleidung

P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

„Der Priester muss vor allem durch sein Verhalten erkennbar sein, aber auch durch seine Bekleidung, so dass jedem Gläubigen und überhaupt jedem Menschen seine Identität und seine Zugehörigkeit zu Gott und zur Kirche unmittelbar erkenntlich ist.“

Eine reichlich unrealistische Forderung! Aber so steht es geschrieben, und zwar im „Direktorium über Dienst und Leben der Priester Dives Ecclesia“, von der Kleruskongregation mit Autorisierung Papst Johannes Pauls II. veröffentlicht am 31. Januar 1994 (Nr.66). Das Dokument kann sich auf das Kirchenrecht stützen, das in can. 284 vorschreibt: „Die Kleriker haben gemäß den von der Bischofskonferenz erlassenen Normen und den rechtmäßigen örtlichen Gewohnheiten eine geziemende kirchliche Kleidung zu tragen.“

Nun könnte man natürlich einwenden, die Bischofskonferenzen im deutschsprachigen Raum – und nicht nur in diesem – hätten nun einmal offensichtlich keine besonderen Normen erlassen (was übrigens gar nicht stimmt!), und die „örtliche Gewohnheit“ sei doch heute im Welt- wie im Ordensklerus gerade die, keine spezifisch geistliche Kleidung zu tragen.

Aber auch dazu weiß das Direktorium etwas zu sagen: „Das bedeutet, dass diese Bekleidung, falls sie nicht die Soutane (Anm.: Talar, Habit) ist, verschieden von der Art der Kleidung der Laien zu sein hat und konform der Würde und Sakralität des Amtes. Schnitt und Farbe müssen von der Bischofskonferenz festgelegt werden, immer in Übereinstimmung mit den Vorlagen des allgemeinen Rechts. Wegen ihrer Inkohärenz mit dem Geist solcher Disziplin, können entgegengesetzte Praktiken nicht als rechtmäßige Gewohnheiten angesehen werden und müssen daher von den zuständigen Autoritäten abgeschafft werden.“

Man lese und staune: Die Formulierung „Falls sie nicht die Soutane ist“ legt nahe, dass das schwarze Gewand, dieses klassische „Outfit“ des römischen Priesters, noch immer als Normalfall zu betrachten ist. Und sollte es nicht die Soutane sein, dann muss sich die klerikale Kleidung dennoch eindeutig von derjenigen der Laien unterscheiden. Der sog. Clergyman (schwarzer Priesteranzug mit weißem Kragen) erfüllt diese Forderung eindeutig. Aber gilt das wohl auch von einem Ansteckkreuz am Revers eines hellblauen oder beige-grün gestreiften Sakkos? Man darf daran zweifeln.

Die Kleruskongregation ruft in dem zitierten Abschnitt auch die Pflicht der zuständigen Autoritäten, also der Bischöfe, in Erinnerung, eine Praxis abzuschaffen, die den genannten Normen widerspricht. Dem hat die z.B. die Deutsche Bischofskonferenz im September 1995 mit Ausführungsbestimmungen zu dem zitierten can. 284 des Kirchenrechtes zu entsprechen versucht, die das Tragen des Oratorianerkragens, des römischen Kollars oder – „in begründeten Ausnahmefällen“ – eines dunklen Anzugs mit Kreuz einfordern. Aber sind diese Normen denn auch mit der Kraft des Leitungsamtes durchgesetzt worden? Ja, wie lange bereits wäre das fällig gewesen... Wer darüber nachdenkt, kann sich die Tatsache nicht verhehlen, dass es in der Kirche nicht nur ein Gehorsamsproblem in den „unteren Rängen“, sondern auch eine Autoritäts- und Führungskrise bis weit nach „oben“ gibt...

Doch nun genug damit. Diese Ausführungen riechen ohnehin schon zu sehr nach selbstgerechter Schelte von Mitbrüdern. Genau das wollen sie aber gar nicht sein. Sie möchten nur auf einen bedauerlichen Widerspruch zwischen Gesetz und Vorschrift hinweisen, dessen Hintergrund eine Art Sinnverlust bildet: Viele haben den Sinn für die Bedeutung der Kleidung im allgemeinen (in der Bibel ein Thema vom Paradies bis zum Himmlischen Jerusalem!) und für das geistliche Gewand im besonderen verloren. Sie bedenken nicht mehr den Zusammenhang zwischen dem Anziehen des kirchlichen Kleides und dem Anziehen des neuen Menschen, nämlich Jesu Christi selbst (vgl. Gal 3,27; Eph 4,24; Kol 3,10), durch, mit und in dem doch der Priester seinen heiligen Dienst vollzieht.

Hinter diesem Sinnverlust freilich liegt oft noch ein anderer. Das Dokument der Kleruskongregation formuliert vorsichtig: „Abgesehen von ganz außergewöhnlichen Situationen, kann der Nichtgebrauch der kirchlichen Kleidung seitens des Klerikers einen schwachen Sinn für die eigene Identität als ganz dem Dienst der Kirche ergebener Hirte manifestieren.“

Es geht also um eine Identitätskrise. Deren Ursache liegt im Verlust der übernatürlichen Dimension des Priestertums. Namhaften Theologen ist es über Jahrzehnte hin gelungen, durch geschickte „Neuinterpretation“ die katholische Glaubenswahrheit vom unauslöschlichen Prägemal der Weihe auszuhöhlen. Wen wundert es, wenn Männer, die nicht mehr darum wissen, dass ihr Priestersein zwar in der Welt, aber nicht von der Welt ist, sich dann auch nicht mehr von der Welt unterscheiden wollen? So schwindet das frohe Bewusstsein, als Zeuge des Herrn und Seines Reiches zu den Menschen gesandt zu sein, und man vergisst, für wie viele der Anblick eines Geistlichen, der als solcher erkennbar ist, eine Einladung, eine Stärkung, einen Halt und Trost, gegebenenfalls auch eine Mahnung bedeuten kann.

Um abzuschließen: Wir suchen in vielen Verlautbarungen vergebens nach einer klaren und kraftvollen Theologie des Priestertums, und wir vermissen weithin die warmen und werbenden Worte, mit denen die Oberhirten ihren Priestern den Sinn des geistlichen Kleides erschließen und sie zum Tragen ermuntern. Zugleich aber freuen wir uns, dass dennoch immer mehr – insbesondere junge – Geistliche in priesterlicher Kleidung zu sehen sind! 


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS) 
 
- Foto: Pentauro


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Der französische Priester Michel-Marie Zanotti-Sorkine über das Tragen der Soutane:



Donnerstag, 10. Januar 2013

Ministranten ersetzen in der Liturgie fehlende Kleriker

In seiner Erwiderung auf die Reformvorschläge des Einsiedler Abtes Martin Werlen OSB, die dieser in einer seiner "Pro-Vokationen" veröffentlichte, geht Michael Gurtner der Frage nach, was die Ursache der unterschiedlichen Beurteilung (dessen, was der Kirche Not tut) ist. Dabei kommt er zu der - nicht sehr überraschenden - Erkenntnis, dass unterschiedliche Gruppen in der Kirche von unterschiedlichen Grundannahmen, von einem unterschiedlichen Kirchenverständnis, ausgehen. Die Krise ist also "schwerpunktmäßig eine ekklesiologische".

Konkret stellt Gurtner dem bisherigen "theologischen Grundansatz" einem heute verbreiteten "anthropologischen Grundansatz" gegenüber. Gurtner macht dies am Beispiel der Entwicklung des Ministrantendienstes deutlich, zu dem seit der Liturgiereform auch Mädchen zugelassen werden. Mit der Neuordnung der Liturgie ging eine Umdeutung des Priesteramtes und des Altardienstes einher: 

(...) Die Ministranten sind von ihrer Funktion her tatsächlich der „niedere Klerus“, auch wenn sie gleichsam dessen „Ersatz“ in Abwesenheit sind. Dies findet zurecht, ja geradezu notwendiger Weise auch seinen Niederschlag in der praktischen Handhabung: in deren Kleidung, in der Art und Weise wie die liturgischen Funktionen verrichtet werden, ja auch in der Tatsache, daß es von der Sache her tatsächlich angemessen und richtig ist, diesen Dienst jenen vorzubehalten, welche zumindest theoretisch das werden könnten, was sie ersetzen, nämlich Kleriker.

Man hat diese theologische Herleitung jedoch fallengelassen und die Ministranten somit auf eine rein funktionale Ebene gestellt, wodurch die Zuordnung von Ministrant und Priester einerseits aufgebrochen war, andererseits aber doch nicht ganz aufgehoben, weil sich zugleich auch das ontologische Verständnis des Priestertums in Richtung einer speziellen Funktion eines allen gemeinsam zukommenden Priestertums verlagerte.

Die Sichtweise von Ministrant und Priester hat sich zugleich mit der Auflösung der Zuordnung und als Konsequenz von dieser in dieselbe (falsche) Richtung verlagert. Der Ministrant war somit nicht mehr der „kleine Kleriker“, weil auch der Priester nicht mehr als „Kleriker“ verstanden wurde, sondern als eine reine Funktion (oder ein „Dienst“, was nicht in sich selbst falsch ist, aber falsch wird wenn es auf dieses Moment verkürzt wird), der speziell aus der Taufe entwächst und daher irgendwie allen gemeinsam ist, ohne zwischen dem allgemeinen und dem speziellen Priestertum noch genau zu differenzieren. 

Somit wurde auch aus dem Ministranten als dem „niedrigen Kleriker“ eine rein funktionale Einrichtung, wie auch der Priester eine reine Funktion wurde. Der Ministrant wurde zum Handlanger dieser „Funktion“, nicht zum Ersatz des nicht vorhandenen niederen Klerus. Es fand also eine Verlagerung von einer theologisch-ontologischen Ebene auf eine funktionale Sichtweise statt.

Das führte in weiterer Folge dazu, daß man plötzlich auch meinte: wenn das ein rein funktionaler Dienst ist, bei dem es nur auf das „Können“ ankommt und nicht auf das „Sein“, dann kann dieser auch von Frauen ausgeübt werden. Dasselbe rein funktionale, von jeglicher Theologie abgelöste Denken findet sich jedoch auch in der Forderung nach dem Frauenpriestertum, der Pfarreileitung durch Diakone bzw. Laien oder nach der Laienpredigt wieder.

Was man für das Priestertum wünschte, nämlich die Öffnung für die Frauen, versuchte man im Kleinen zu beginnen, indem man bei den Ministranten begann. Dadurch wurde aber auch der Idee des Frauenpriestertums der Weg ein Stück weit geebnet. Wir erkennen also dieselbe denkerische Grundlage, und von daher eine gewisse Logik, wenn man von der Forderung nach Ministrantinnen auf die Weihe von Frauen zu Priesterinnen „hinarbeitet“.

Michael Gurtner in einer Antwort auf die "Pro-Vokation - Miteinander die Glut unter der Asche entdecken" (21.10.2012) des Abtes  Martin Werlen OSB von Einsiedeln in der Schweiz (Quelle: kath.net 30.11.2012)

Die Frage, die man stellen müsse, schreibt der katholischer Theologe aus der Erzdiözese Salzburg weiter, sei die: "Waren die bisherigen Änderungen sinnvoll oder gerechtfertigt?" und "Führen (geplante) Veränderungen näher zur Wahrheit?"

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Der hl. Franziskus und die Schönheit der Kirchen

"Der heilige Franziskus, der in seinem eigenen Leben die evangelische Armut aufs äußerste befolgte, hat niemals behauptet, daß die Kirchen trocken, kahl und ohne Schönheit sein sollten. Im Gegenteil. Kirche und Altar konnten ihm nie schön genug sein. Dasselbe kann man etwa auch vom hl. Pfarrer von Ars oder von der hl. Theresia von Avila sagen. (1)

Es entsteht ein lächerlicher Widerspruch, wenn um der evangelischen Armut willen künstlerisch wertvollste Kirchen niedergerissen und - unter großen Kosten - durch prosaische und kahle Gotteshäuser ersetzt werden. (2)

Nicht die Schönheit und der Glanz der Kirche ist unverträglich mit dem Geist der evangelischen Armut und gibt den Armen Ärgernis, sondern vielmehr der unnötige Luxus und Komfort, der heute so weit verbreitet ist.

Wenn die Priester zur evangelischen Armut zurückkehren wollen, dann sollten sie bedenken, daß in den Vereinigten Staaten und in Deutschland der Klerus vielfach die elegantesten Wägen, die besten Kameras, die modernsten Fernsehgeräte besitzt. Viel zu trinken und zu rauchen steht in eindeutigem Gegensatz zur evangelischen Armut - doch sicher nicht die Schönheit und Pracht der Kirchen.

Einerseits behauptet man, die Kirchen sollten kahl sein, andererseits errichtet man in Pfarren und auf den Campus katholischer Colleges häßliche Gebäude für Gesellschaftszwecke, die mit jeder Art von unnötigem Luxus ausgestattet sind; und dies tut man im Namen der sozialen Fürsorge und des Gemeinschaftsgeistes. Sogar in Klöstern kann man ähnliche Entwicklungen finden..."


(1) Vgl. Theresia vom Kinde Jesu 'Leben' (München 1960) 9. Kap. u. a.
(2) Vgl. Michel de Saint Pierre "Sainte Colère" (Paris: Editions de la Tabl Ronde, 1965) S. 175

Dietrich von Hildebrand in: "Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes"; EOS-Verlag AD 1992, Seite 296f


Heiliger Franziskus, bitte für uns!

Mittwoch, 18. Juli 2012

Die Laien


 I.  Die Aufgabe

Die Kirche hat die Aufgabe, "allen Menschen den Heilsweg zu verkünden" (GE 3). An ihr haben sämtliche Glieder der Kirche Anteil.

Die Sendung der Kirche ergreift also auch die nichtgeweihten Glieder des Gottesvolkes. Alle Christen tragen Verantwortung für die Kirche. Sie wird grundlegend wahrgenommen durch den täglichen Einsatz für Gottes Ehre und das Heil der Menschen.

Den Laien ist das Zeugnis des Glaubens aufgetragen. Sie sollen ihren Glauben in der Welt leben und bekennen. Sie sollen "für Christus Zeugnis geben und allen, die es fordern, Rechenschaft ablegen von der Hoffnung auf das ewige Leben, die in ihnen ist" (LG 10).

Die Laien sollen mit den Priestern und Bischöfen am Aufbau des Volkes Gottes mitarbeiten. Sie sollen die Kirche in der Gesellschaft und in der Welt der Arbeit präsent machen und die irdischen Wirklichkeiten aus dem Glauben gestalten. Die Laien sind aufgerufen, am Evangelisierungswerk der Kirche mitzuwirken (AG 41).


II.  Die Wirklichkeit

1. Bewährung

Wer die vergangenen 40 Jahre überdenkt, kommt um das Urteil nicht herum, daß es in dieser Zeit zahlreiche Laien gegeben hat, die sich dem Abbau und der Auflösung in unserer Kirche entgegengestemmt haben. Ja, man muß es aussprechen: Am besten haben sich in dieser Wirrnis die gläubigen Laien gehalten, häufig besser als der Klerus.

Es sind jene Gläubigen, die heute wegen ihrer Treue zur Kirche beschimpft werden. Es ist soweit gekommen: Wer am unversehrten katholischen Glauben festhält, wird als Traditionalist oder Fundamentalist verunglimpft. Fundamentalismus ist ein Totschlagwort; es ist zu dem Zweck erfunden, unangenehme Wahrheiten der Glaubens- und Sittenlehre und deren Bekenner bzw. Verkündiger unschädlich zu machen.

Es darum an dieser Stelle gesagt: Das unbedingte Festhalten an der Wahrheit ist kein verwerflicher Fundamentalismus sondern Treue zu unserem Herrn und Heiland Jesus Christus.

Jawohl, wir hängen an der Tradition, weil wir beim Apostel Paulus gelesen haben: " Ich mache euch, Brüder, aufmerksam auf die Heilsbotschaft, die ich euch verkündet habe. Sonst hättet ihr ja vergebens geglaubt" (1 Kor 15,1-2). Tradition heißt für uns nicht Asche verwahren, sondern eine Flamme am Brennen erhalten.


2. Zerstörung

Die Schar gläubiger Laien, auf die Verlaß ist, hat sich freilich in den letzten Jahrzehnten stark vermindert, und zwar in der Hauptsach durch die Schuld der Theologen und des Klerus. Es steht außer jedem Zweifel, daß beispielsweise der Umgang mit der Heiligen Schrift, wie er seit über 30 Jahren in unserer Kirche üblich geworden ist, den Glauben zahlreicher katholischer Christen zerstört hat.

Um nur ein Beispiel dieses Verlustes anzuführen: Der Initiator des Kirchenvolksbegehrens in Österreich, Plankensteiner, hält die Auffassung der Protestanten von der Kirche für "evangeliumsgemäßer" als die katholische Lehre. (1) Das ist die Sprache des Abfalls.

Das Glaubenswissen der meisten Christen ist erschreckend gering. "Der Katholik weiß nicht mehr, was katholisch ist" (2).  Den meisten Christen fehlt auch das gottgeschenkte Selbstbewußtsein, einen Schatz zu besitzen, der über jeden irdischen Besitz geht und darum wert ist, allen anderen vermittelt zu werden.

Die Attacken gegen das Kreuz in Schulzimmern offenbaren etwas von der inneren Schwäche des deutschen Katholizismus. Es gibt einzelne Laien, welche die Kirche mit dem Heiligen Vater in der Öffentlichkeit verteidigen. Viele, allzu viele Laien aber scheuen sich, ihre katholische Überzeugung vernehmlich zu bekunden. Das Verlangen nach Bequemlichkeit und Ruhe ist stärker als die Erinnerung an ihre Sendung.

Die geistige Auszehrung ist am meisten fortgeschritten bei der Jugend. Es ist nicht übertrieben, festzustellen: Das Gros der Jugend ist für Glauben und Kirche verloren, und zwar durch eigene Schuld der irrlichternden Prediger und Religionslehrer.


3. Die hauptberuflichen Laien

Seit dem Konzil (GS 62) hat sich in den deutschsprachigen Ländern ein neuer Stand von theologisch ausgebildeten kirchlichen Laienfunktionären gebildet. Ich meine die Pastoral- und Gemeindereferenten. Ich denke nicht daran, über diese viele tausende Personen den Stab zu brechen. Ich billige allen guten Willen zu. Darunter sind manche, die echt aufbauend arbeiten.

Doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen: Es gibt zahlreiche hauptamtliche kirchliche Bedienstete aus dem Laienstand, die nicht mehr voll im Glauben stehen*. Die modernistischen Theologen haben ihnen den Glauben zerstört. Die an der Lehre teilhabenden Laien wie Pastoral- und Gemeindereferenten sind mindestens so hilflos den verwirrten Aufstellungen vieler theologischer Lehrer ausgeliefert wie die Priester.

Wie kann die Sendung der Kirche von ihnen erfüllt werden? Welchen Glauben verkündigen sie? An den Einsatz hauptamtlicher Laien im Dienst der Kirche hatte man die Erwartung geknüpft, sie würden die Botschaft des Evangeliums zu den entchristlichten Massen tragen. Diese Erwartung wurde bitter enttäuscht.

Wer unsicher im Glauben ist, vermag weder apostolisch zu wirken, noch Mission zu betreiben. Die meisten hauptamtlichen Laien gehen nicht zu den abständigen und abgefallenen Christen, um sie  zur Herde Christi zurückzuholen. Sie beschäftigen sich lediglich mit den Gutwilligen, die aus eigenem Antrieb die Kirche aufsuchen. Allzu viele verfassen Papiere, um die Existenz ihres Schreibtisches zu rechtfertigen.


(1) Kirche heute Nr. 11 /November 1987 S. 5.
(2) Löwenstein, Endlich Ruhe am Stammtisch 44.

* Anm.: s. z. B.: Kiliansnotizen: Schizophrenien. 

Prof. Georg May: Die Sendung der Kirche; Editiones Una Voce Deutschland e.V., AD 1999; S. 37- 40




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