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Mittwoch, 1. Februar 2012

Weihelied zum Ziel und Ende

Herr, Gott, dich will ich preisen,
Solang mein Odem weht,
O hör auf meine Weisen,
O sieh auf mein Gebet.
Bin ich im Himmel oben,
Da lern ich andern Sang,
Da will ich hoch dich loben
Mein ewig Leben lang.



Jetzt lass dir wohlgefallen
Mein treu einfältig Lied
Muss doch ein Kindlein lallen,
Wenn es die Mutter sieht.
Nun hab ich auch gesehen,
Wie du so väterlich,
Will nun nichts mehr verstehen
Als dich, mein Vater, dich.



Ich saß in meiner Kammer,
Sah trüb ins Leben hin,
Die Seele rang in Jammer,
Voll Sorge war mein Sinn;
Da floss ein heilig Sehnen
Mir in das öde Herz,
Da brach mein Blick in Tränen
Und schaute himmelwärts.



Da war dein Himmel offen,
Stern traf in Augenstern,
Mein Glauben, Lieben, Hoffen
Fand Gnade vor dem Herrn.
Das Lied, das ich verschwiegen,
Das Lied, das leis ich sang,
Sah ich die Engel wiegen
In Davids Harfenklang.



Und sah, den ich gerühret
Mit meinem Lerchensang,
Zum Herrn von mir geführet
Auf einem Dornengang.
Er sang mit mir zusammen
Mit selgem Flug und Fall,
In Gottes Liebesflammen,
Trotz Lerch, trotz Nachtigall!




Clemens Brentano ( 1778- 1842)

Clemens Brentano und der Muttersegen

Clemens Brentano
Der berühmte deutsche Dichter Brentano, der 1842 zu Aschaffenburg starb, hatte eine brave katholische Mutter. Diese pflegte ihn in seiner Jugend jedesmal vor dem Schlafengehen mit Weihwasser zu besprengen und ihm dann noch ein Kreuz auf die Stirn zu machen.

Brentano geriet in seinem späteren Leben auf Abwege und verlor seinen Glauben. Eines Nachts kam er von einem Zechgelage nach Hause in seine Wohnung. Als er sich zu Bett gelegt hatte, kam es ihm plötzlich vor, als ob seine verstorbene Mutter bei ihm stünde, sich über ihn hinneigte, ihn mit Weihwasser besprengte und ein Kreuz auf seine Stirne machte.

Lebhaft erschüttert, konnte er die ganze Nacht das Bild seiner Mutter nicht aus dem Sinn bringen. Er erinnerte sich an jene Zeit, wo er täglich mit seiner Mutter betete und bedauerte nun, daß er durch seine Leidenschaften ein gottloser Mensch geworden war; gleichzeitig faßte er den festen Entschluß, sein sündhaftes Leben aufzugeben und wieder zu den seligen Gewohnheiten seiner Kindheit zurückzukehren.

Diesen Entschluß hat der Dichter tatsächlich ausgeführt. In seinem späteren Leben erklärte Brentano öfter, daß seine eigentliche Bekehrung nicht etwa der Seherin Katharina Emmerich zuzuschreiben sei, daß sie vielmehr in jener Nacht erfolgte, als ihm seine Mutter so deutlich vor die Seele getreten sei.

aus: Leopold Schwarz: Steh' fest im Glauben! Bd. II, S. 531 (s. Quellen)
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