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Samstag, 4. Oktober 2014

Franz von Assisi und die Würde eines Priesters

Die üblichen Anreden der Priester mit 'Hochwürden' oder in England 'Vater' sind Ausdruck der Ehrfurcht vor dem Priester als Träger und Inhaber göttlicher Gewalten. Sie sind unabhängig von der persönlichen Heiligkeit des Priesters. Vorbild mögen hier sein jene Heiligen, die aus Ehrfurcht vor dem geistlichen Stand die Priesterwürde abgelehnt haben, wie einer der größten Heiligen aller Zeiten, Franz von Assisi, der sich nur zum Diakon weihen ließ. Gleichwohl wusste er sehr zu trennen zwischen Amt und Person.

Es ist überliefert, dass er einmal in einen Ort kam, in dem die Sekte der hochmütigen Katharer ihr Unwesen trieb. Unter der Volksmenge befand sich auch der Seelsorger des Ortes; er stand in keinem guten Ruf. Als die Irrlehrer auf diesen Pfarrer hinwiesen und den Heiligen zu einem Verwerfungsurteil über ihn drängen wollten, trat Franz auf den Verblüfften zu, kniete sich vor ihm nieder und küsste ihm die Hände mit den Worten: "Ich weiß nicht, ob diese  Hände unrein sind; aber das weiß ich, sie haben meinen Herrn berührt."

Die Ehrfurcht des Laien vor dem Priester gründet nicht in dessen  subjektiver Heiligkeit, die freilich wünschenswert und strenge Forderung der Kirche ist, sondern wesentlich in seiner objektiven Heiligkeit und Würde als Stellvertreter Christi.


aus Franz Jehle: Reich der Himmel - Idee und Gestalt der Mutter Kirche; Patria-Verlag Bad Ischl; AD 1949, S. 122

Heiliger Franz von Assisi,
bitte für uns!


Bild: Szenen aus dem Leben des hl. Franziskus von Assisi; wikimedia commons

Dienstag, 31. Dezember 2013

Weihnachtspsalm des hl. Franziskus



1 Jubelt Gott, unserem Helfer, *
jauchzt dem Herrn, dem lebendigen und wahren Gott, mit Jubelklang.

2 Denn der Herr ist erhaben, *
ist furchtgebietend, ein großer König über die ganze Erde.

3 Denn der heiligste Vater im Himmel, unser König vor Ewigkeiten, hat seinen geliebten Sohn aus der Höhe gesandt, * und er ist geboren worden von der seligen Jungfrau, der heiligen Maria.

4 Er selbst hat zu mir gerufen: Mein Vater bist du, *
und ich will ihn einsetzen als Erstgeborenen, erhaben über die Könige der Erde.

5 An jenem Tag hat der Herr sein Erbarmen entboten, *
und in der Nacht erklang sein Lobgesang.

6 Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat, * an ihm laßt uns jauchzen und jubeln.

7 Denn das heiligste, geliebte Kind ist uns geschenkt und für uns geboren am Weg und in eine Krippe gelegt, * weil es keinen Platz hatte in der Herberge.

8 Ehre sei Gott, dem Herrn in der Höhe * und auf Erden Friede den Menschen guten Willens.

9 Freuen sollen sich die Himmel, und es juble die Erde; aufwalle das Meer in seiner Wogenfülle; * freuen soll sich die Flur und was auf ihr wächst.

10 Singt ihm ein neues Lied, * singt dem Herrn, ihr Lande all.

11 Denn groß ist der Herr und hoch zu loben, * furchtgebietend über alle Götter.

12 Bringt dem Herrn, ihr Völkerstämme, bringt dem Herrn Ruhm und Ehre, *
bringt dem Herrn den Lobpreis für seinen Namen.

13 Bringt eure Leiber dar und tragt sein heiliges Kreuz *
und folgt bis zum Ende seinen heiligsten Geboten.




 Mit Schriftstellenangaben:
1 Jubelt Gott, unserem Helfer (Ps 80,2 a), * jauchzt dem Herrn, dem lebendigen
und wahren Gott, mit Jubelklang (vgl. Ps 46,2 b).
2 Denn der Herr ist erhaben, * ist furchtgebietend, ein großer König
über die ganze Erde (Ps 46,3).
3 Denn der heiligste Vater im Himmel, unser König vor Ewigkeiten (Ps
73,12 a), hat seinen geliebten Sohn aus der Höhe gesandt, * und er ist
geboren worden von der seligen Jungfrau, der heiligen Maria.
4 Er selbst hat zu mir gerufen: Mein Vater bist du (Ps 88,27 a), * und
ich will ihn einsetzen als Erstgeborenen, erhaben über die Könige
der Erde (Ps 88,28).
5 An jenem Tag hat der Herr sein Erbarmen entboten, * und in der
Nacht erklang sein Lobgesang (vgl. Ps 41,9).
1 Vgl. die Übersetzung und Textgestaltung, in: Die Schriften (s. Anm. 1), 157f.
Weihnachtspsalm '
6 Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat, * an ihm laßt uns jauchzen
und jubeln (Ps 117,24).
7 Denn das heiligste, geliebte Kind ist uns geschenkt undfür uns geboren
am Weg und in eine Krippe gelegt, * weil es keinen Platz hatte in der
Herberge (vgl. Jes 9,6; Lk 2,7).
8 Ehre sei Gott, dem Herrn in der Höhe * und auf Erden Friede den
Menschen guten Willens (vgl. Lk 2,14).
9 Freuen sollen sich die Himmel, und es juble die Erde; aufwalle das
Meer in seiner Wogenfülle; * freuen soll sich die Flur und was auf
ihr wächst (Ps 95,11-12 a).
10 Singt ihm ein neues Lied, * singt dem Herrn, ihr Lande all (Ps 95,1).
11 Denn groß ist der Herr und hoch zu loben, * furchtgebietend über
alle Götter (Ps 95,4).
12 Bringt dem Herrn, ihr Völkerstämme, bringt dem Herrn Ruhm und
Ehre, * bringt dem Herrn den Lobpreis für seinen Namen (Ps
95,7-8 a).
13 Bringt eure Leiber dar und tragt sein heiliges Kreuz (vgl. Lk 14,27) *
undfolgt bis zum Ende seinen heiligsten Geboten (vgl. 1 Petr 2,21).

ziziert nach Leonhard Lehmann, Werne: Ein Psalm des heiligen Franziskus für die weihnachtliche Zeit


Bild: Giotto di Bondone (1267-1337), Cappella Scrovegni in Padua, Leben Christi-Zyklus: Geburt Jesu im Stall zu Betlehem

Freitag, 4. Oktober 2013

Papst Franziskus in Assisi: Der wahre Friede, den nur Er uns geben kann

Wer Christus nachfolgt, empfängt den wahren Frieden, den nur er uns geben kann und nicht die Welt. Der heilige Franziskus wird von vielen mit dem Frieden verbunden, und das ist recht so, doch wenige gehen in die Tiefe. Welches ist der Friede, den Franziskus empfangen und gelebt hat und den er an uns weitergibt? Es ist der Friede Christi, der den Weg über die größte Liebe, die des Kreuzes, genommen hat. Es ist der Friede, den der auferstandene Jesus den Jüngern schenkte, als er in ihrer Mitte erschien (vgl. Joh 20,19.20).

Der franziskanische Friede ist keine Gefühlsduselei. Bitte, diesen heiligen Franziskus gibt es nicht! Und er ist auch nicht eine Art pantheistischer Harmonie mit den Energien des Kosmos… Auch das ist nicht franziskanisch. Auch das ist nicht franziskanisch, sondern eine Idee, die einige entwickelt haben! Der Friede des heiligen Franziskus ist der Friede Christi, und diesen Frieden findet, wer Christi „Joch auf sich nimmt“, nämlich sein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe (vgl. Joh 13,34; 15,12). Und dieses Joch kann man nicht mit Arroganz, mit Überheblichkeit, mit Hochmut tragen, sondern nur mit Gütigkeit und Herzensdemut kann man es tragen.


Papst Franziskus in der Predigt am 04.10.2013 in Assisi


Friedensstifter im Sinne der Seligpreisung Jesu ist derjenige, der das Wohl des anderen sucht, das umfassende Wohl von Seele und Leib, heute und morgen.

Wir alle wollen durch unser Leben sichtbar machen, daß Gott die Menschen liebt und uns in seinem Sohn Jesus Christus nahe gekommen ist. Wir wollen versuchen mitzuhelfen, daß sich der Friede auf der Erde ausbreitet. 


Weiteres zum Thema "Frieden":

Pastoralbesuch von Papst Franziskus in Assisi


Live-Übertragungen von EWTN:

Freitag, 4. Oktober 2013
Pastoralbesuch von Papst Franziskus in Assisi am Fest des hl. Franziskus


EWTN-Live-Stream: bitte hier klicken!
Live- Stream von k-tv (ohne störendes Werbeband im Bild): HIER!
 
7.30 - 8.00 Uhr
Ankunft von Papst Franziskus auf dem Sportplatz des "Istituto Serafico" in Assisi
         
8.00 - 8.45 Uhr
Begegnung mit den kleinen Patienten des Instituts "Serafico" für Blinde und Taubstumme  
mit einer Ansprache des Heiligen Vaters

9.30 - 10.00 Uhr
Begegnung mit den von der Caritas betreuten Armen im Erzbischofspalast von Assisi  
Ansprache des Heiligen Vaters

10.15 - 11.00 Uhr
Besuch der Oberkirche der Franziskus-Basilika und Gebet am Grab des hl. Franziskus in der Krypta
           
11.00 - 12.45 Uhr
Heilige Messe mit Papst Franzsikus und Segnung des Öls der Votivlampe für das Grab des hl. Franziskus, des Patrons Italiens, auf dem Franziskus-Platz in Assisi

14.45 - 15.15 Uhr
Besuch in der Einsiedelei "Eremo delle Carceri" und Gebet in der Zelle des hl. Franziskus          

14.45 - 16.15 Uhr
Begegnung  mit dem Klerus, Männern und Frauen des geweihten Lebens sowie Mitgliedern der Pastoralräte der Diözese in der Kathedrale San Rufino in Assisi mit einer Ansprache des Heiligen Vaters

16.15 - 16.45 Uhr
Gebet am Schrein der hl. Klara in der Krypta der Basilika "Santa Chiara" und stilles Gebet vor dem Kreuz des hl. Damian in der Chorkapelle von "Santa Chiara" mit Grußadresse des Heiligen Vaters an die Klausurschwestern

17.30 - 18.30 Uhr
Begegnung mit Jugendlichen aus Umbrien auf dem Platz vor der Basilika Santa Maria degli Angeli mit Antworten des Heiligen Vaters auf die Fragen von vier Jugendlichen

18.45 - 19.15 Uhr
Privater Besuch im Heiligtum Rivotorto und in der "Hütte" des hl. Franziskus und Abflug vom Sportplatz von Rivotorto  



Herzlich empfohlen sei ein Artikel von Barbara Wenz aus dem Vatican-Magazin, den sie aus gegebenem Anlass auch online veröffentlicht hat:



Heiliger Franziskus und heilige Klara von Assisi,
bittet für uns!



Mittwoch, 28. August 2013

Papsttreue


Wer dem Papst treu bleibt, erfährt, dass von seinem Amt Kraft und Sicherheit, Trost und Mut, Licht und Orientierung ausgehen. Franziskus [von Assisi] wusste, dass er nur dann segensreich für die Kirche wirken kann, wenn er den Segen des Papstes hat. Katharina von Siena nannte ihn den “süßen Christus auf Erden”. Ignatius von Loyola hat sich und seinen neuen Orden demütig dem Papst untergeordnet und sich in einer Zeit der Untreue in besonderer Weise auf die Treue zum Papst verpflichtet.

Viele Glieder der Kirche haben im Laufe der Jahrhunderte ihre Treue zum Nachfolger des Apostelfürsten auch durch Leiden und Martyrium zum Ausdruck gebracht. Sie wussten, dass der Glaube an die Kirche und an den Nachfolger des Petrus gebunden bleiben muss: “Verharrt im wahren Glauben und gründet euer Leben auf den Fels der Kirche, das heißt auf das Bekenntnis des Apostelfürsten” (Gregor der Große).

Die zweitausendjährige Kirchengeschichte sagt uns, dass die Größe des Petrusamtes trotz der menschlichen Schwäche einzelner Päpste nicht vermindert wurde. Zugleich sehen wir, dass Gott durch den Dienst der Päpste Großes für die Kirche und für die Welt gewirkt hat.

Wir dürfen dankbar sein, dass es Petrus, den Felsen, gibt: im Auf und Ab der Geschichte; im Kampf zwischen Lüge und Wahrheit und zwischen Liebe und Hass, der die Zeiten durchzieht; im Kommen und Gehen von Meinungen, Ideologien, politischen Systemen, von Völkern, Reichen und Mächten.

Petrus vergegenwärtigt Jesus Christus, den Herrn der Geschichte, der die Zeiten überdauert. Er verleiht der Kirche Beständigkeit und zugleich immer neue Lebenskraft und Dynamik.

Das Petrusamt ist nicht eine menschliche Erfindung, sondern geht auf göttliche Einsetzung zurück. Es “ist nicht auf menschliche Fähigkeiten und Kräfte gegründet, sondern auf das Gebet Christi, der den Vater darum bittet, dass der Glaube des Simon ‘nicht erlischt’ (Lk 22,32).


Bild: Schlüsselübergabe an Petrus; Pietro Perugino (1481-82)

Donnerstag, 8. August 2013

Geistreiches und Spiritouelles

Nämlich bei;





My 2 pence:


Franziskaner.

Was sonst?

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Freitag, 17. Mai 2013

Maria, Braut des Heiligen Geistes, bitte für uns!




Heilige Jungfrau Maria, unter den Frauen in der Welt ist keine dir ähnlich geboren, Tochter und Magd des erhabensten, höchsten Königs, des himmlischen Vaters, Mutter unseres heiligsten Herrn Jesus Christus, Braut des Heiligen Geistes: bitte für uns mit dem heiligen Erzengel Michael und allen Mächten der Himmel und allen Heiligen, bei deinem heiligsten, geliebten Sohn, den Herrn und Meister. Amen

Hl. Franziskus von Assisi: aus dem "Offizium vom Leiden des Herrn"

Montag, 15. April 2013

Gott allein lenkt unser Leben - Ihm gebührt Anbetung und der erste Platz

"Ich möchte, dass wir alle uns eine Frage stellen: Du, ich, beten wir den Herrn an? Gehen wir zu Gott nur um zu bitten, zu danken, oder gehen wir auch zu ihm, um ihn anzubeten? Was bedeutet denn, Gott anzubeten?

Es bedeutet zu lernen, wie wir bei ihm verweilen und innehalten können, um mit ihm zu sprechen und dabei zu spüren, dass seine Gegenwart die wahrste, beste und wichtigste aller ist.

Jeder von uns hat in seinem Leben bewusst und vielleicht manchmal unbewusst eine ganz genaue Reihenfolge der Dinge, die er für mehr oder weniger wichtig hält. Den Herrn anzubeten bedeutet, ihm den Platz zu geben, der ihm gebührt. Den Herrn anzubeten bedeutet, zu sagen und zu glauben – aber nicht nur mit Worten –, dass er allein wirklich unser Leben lenkt.

Den Herrn anzubeten bedeutet, dass wir vor ihm die Überzeugung gewinnen, dass er der einzige Gott, der Gott unseres Lebens, der Gott unserer Geschichte ist."



Papst Franziskus am 14.04.2013; Predigt in St. Paul vor den Mauern, Rom



Mittwoch, 3. April 2013

Quo vadis, MFThK?

Unter der sinnentstellenden Überschrift: "Priester der Petrusbruderschaft bringt den Heiligen Franziskus gegen Papst Franziskus in Stellung" listete das "Münsteraner Forum für Theologie und Kirche" (MFThK), das nicht viel mehr als eine Linksammlung von mehr oder weniger wesentlichen Beiträgen zur zeitgenössischen Theologie ist, einen Beitrag von P. Bernward Deneke FSSP über "Liturgie und Armut", den ich am Karsamstag (30.03.2013) auf diesem Blog veröffentlicht hatte.

Das wäre natürlich eine Ungeheuerlichkeit: .. "bringt den hl. Franziskus gegen Papst Franziskus in Stellung" (wie das überhaupt gehen soll, ist mir zwar ein Rätsel, aber nunja...). Dumm nur, dass dieser Beitrag bereits im Jahre 2010 im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS) Nr. 12/2010 erschienen und ganz allgemein der Sorge um eine angemessen würdevolle Ausstattung von Kirchenraum und Liturgie gewidmet war...

Wie weit der gute Webmaster der MFThK-Seite mit seiner Unterstellung, der Verfasser würde gegen Papst Franziskus agitieren, von der Wirklichkeit entfernt ist, zeigt die Aussage in einer Mail, die ich am 27.03.2013 - also noch vor Veröffentlichung von "Liturgie und Armut" - von P. Deneke erhielt. Darin heißt es:
"Ich halte gar nichts davon, den Papst mieszumachen, man sollte alles tun, die Verehrung im Herzen zu bewahren und ihn mit Gebet zu unterstützen."
Ich fürchte, dass ich nun wieder aus der ehrwürdigen Linksammlung des MFThK entfernt werde - aber was soll's?

Überhaupt scheint der Verantwortliche des MFThK ein neues Hobby zu haben: seit Neuestem werden dort die Aussagen von Bloggern - d. h. eigentlich nur jene von (nach Meinung des Verantwortlichen) "kath. Traditionalisten" - zum neuen Papst gesammelt und verlinkt.

Nun haben wir Blogger sicher nichts dagegen, dass für uns ein bisschen Werbung gemacht wird, wenn auch der eine überrascht war, über die Schublade, in die er gesteckt wurde (hier),  ein anderer die Nichtigkeit des Anlasses der Verlinkung (eine "Binse") bedauerte (hier), und wieder ein anderer beleidigt war, weil er - trotz tiefsinniger Betrachtungen zum Stil des neuen Papstes - leider (?) nicht verlinkt wurde...

In diesem Sinne, liebes MFThK, bleiben wir katholisch!


Update 05.04.2013:
Die Schlagzeile, unter der besagter Artikel auf der Seite des MFThK verlinkt ist, wurde inzwischen umbenannt in "Bloggerin bringt den Heiligen Franziskus gegen Papst Franziskus in Stellung". Das ist zwar immer noch und genauso absurd, trotzdem Dank für die Umbenennung!

Samstag, 30. März 2013

Liturgie und Armut

Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

Im beginnenden 13. Jahrhundert entstanden fast zeitgleich die Bettelorden der Dominikaner und der Franziskaner. So verschieden die beiden Gründer in mancherlei Hinsicht auch waren, in der Forderung strenger Armut für ihre Gemeinschaften stimmten sie überein.

Freilich besitzt die Armut in ihrem Leben und Selbstverständnis eine jeweils unterschiedliche Bedeutung. Während Dominikus für seine Brüder eine Armut anstrebte, die dem Ordensmann Freiheit für seinen apostolischen Dienst schaffen und seine Predigttätigkeit glaubwürdiger machen sollte, hatte die „heilige Armut“ bei Franziskus einen geradezu mystischen Klang, verstand er sie doch als den Weg zur bräutlichen Vereinigung mit dem armen, entblößten Jesus in Seinen Geheimnissen von Krippe und Kreuz und im Sakrament des Altares.

Trotz der verschiedenen Akzentsetzung war die gelebte Armut beiden Heiligen aber überaus wichtig. Deshalb erstaunt es nicht wenig, wenn Dominikus und Franziskus in einer praktischen Frage, die durchaus mit der Armut zusammenhängt, recht gegensätzliche Vorstellungen hatten und entsprechend andersartige Anordnungen erließen.

Über Dominikus lesen wir in den Akten seiner Heiligsprechung: „Die Armut ging ihm über alles, und zwar in bezug auf die Lebensweise, wie etwa die Kleider seiner Brüder, als auch bezüglich der Häuser, der Kirchen, des Kults, wie was den Schmuck der liturgischen Gewänder anging. Er verwendete zu seiner Zeit viel Mühe daran, dass die Brüder im Gottesdienst weder purpurne noch seidene Stoffe als Gewänder oder Altartücher verwendeten und keine goldenen noch silbernen Gefäße außer den Kelchen hatten.“

Ganz anders der Poverello von Assisi. Für gewöhnlich stuft man seine Armut als besonders radikal – radikaler auch als die des heiligen Dominikus – ein. Dennoch lesen wir in einem Brief des heiligen Franziskus die Anweisung: „Die Kelche, die Korporalien, den Altarschmuck und alles, was zum eucharistischen Opfer in Beziehung steht, sollen sie (die Brüder) in kostbarer Ausführung haben.“ Und der erste Biograph des heiligen Franziskus, Thomas von Celano, erzählt: „Einmal wollte er Brüder mit kostbaren Gefäßen durch die Welt schicken, damit sie überall, wo sie gewahr würden, dass der Preis unserer Erlösung ungeziemend aufbewahrt werde, ihn an dem würdigsten Ort bergen sollten.“

Liturgie und Armut – man darf sich wohl die Frage stellen, welcher der beiden großen Ordensgründer die Sache richtiger gesehen hat. Zugunsten des heiligen Dominikus könnte man die ebenso spitze wie tieftraurige Bemerkung des heiligen Bernhard von Clairvaux anführen, in der frühen Kirche seien die Kelche aus Blech, die Herzen der Priester aber aus Gold gewesen, während nun die Kelche aus Gold, die Priesterherzen hingegen aus Blech seien. Aber bei allem Respekt vor dem „honigfließenden Lehrer“ muss doch die Frage erlaubt sein, ob denn der Blechkelch das Herz des Priesters automatisch vergolde; und ob nicht die heilige Wirklichkeit der eucharistischen Gegenwart Jesu geradezu danach rufe, kostbare Gefäße für dieses Kostbarste zu verwenden.

So wenigstens dürfte, gemeinsam mit dem heiligen Franziskus, der weitaus größere Teil anerkannter Glaubenszeugen gedacht haben. Persönlich schlichte und bescheidene Priester ließen sich, wenn es um die Gestaltung der Altäre, die Beschaffung edler Gegenstände ging, vom Eifer für das Haus des Herrn verzehren (vgl. Ps 68,9; Joh 2,17). Demütige, verborgene Ordensschwestern arbeiteten über Jahre und Jahrzehnte, damit die Priester bei der Darbringung der „reinen, heiligen und makellosen Opfergabe“ (Römischer Kanon) in würdige, ja herrliche Kleider gehüllt seien. Und gläubige Laien beteiligten sich hingebungsvoll daran, die Kirchen zu schmücken und in leuchtendem Glanz erstrahlen zu lassen – auch heute noch gibt es viele Beispiele dafür.

Aber leider hat sich seit Jahrzehnten insgesamt eine entgegengesetzte Tendenz ausgebreitet. Während Prachtstücke der Goldschmiedekunst und Paramentik unbenutzt in Sakristeien oder Museen stehen, setzt man in der Liturgie vorwiegend dürftige und nichtssagende Massenprodukte ein, die oft nicht einmal billig oder wenigstens preiswert sind. An die Stelle evangelischer, franziskanischer Armut ist so die zur Schau gestellte Armseligkeit einer im Übrigen sehr wohlhabenden Kirche getreten...

Man verstehe mich nicht falsch: Nicht einer sakralen Glitzerwelt voller Prunk und Protz soll hier das Wort geredet werden. Gerade das Vorbild des heiligen Franziskus zeigt uns, dass es nicht hohle Veräußerlichung, nicht überfeinerter Ästhetizismus, auch nicht der Drang zu klerikaler Selbstdarstellung sein darf, der sich für die Schönheit der Liturgie und des Gotteshauses einsetzt, vielmehr die gläubige und liebende Betrachtung des geopferten Jesus in der schlichten Brotsgestalt. Rufen wir uns in diesem Zusammenhang nur die Gestalt des armen und demütigen Pfarrers von Ars in Erinnerung: ein Priester mit goldenem Herzen und goldenem Kelch! 


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- dieser Beitrag erschien zuerst am 20.06.2010 im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS) Nr. 12/2010!   :-)

 

Montag, 18. März 2013

Schönheit und Pracht der Kirchen und evangelische Armut


"Wenn die Priester zur evangelischen Armut zurückkehren wollen, dann sollten sie bedenken, daß in den Vereinigten Staaten und in Deutschland der Klerus vielfach die elegantesten Wägen, die besten Kameras, die modernsten Fernsehgeräte besitzt. Viel zu trinken und zu rauchen steht in eindeutigem Gegensatz zur evangelischen Armut - doch sicher nicht die Schönheit und Pracht der Kirchen."


Dietrich von Hildebrand in: "Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes"; EOS-Verlag AD 1992, Seite 296


Weiteres zum Thema:




Foto: Wieskirche; © FW

Dienstag, 5. Februar 2013

Reformstau - und wo es wirklich hakt...

Sie sehen nirgends einen katholischen Reformstau? 

Die Antwort darauf von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller:

"Doch, aber er besteht darin, dass man die wesentlichen Themen nicht anpackt:

-  die Teilhabe an den Sakramenten
-  die Kenntnis des Glaubens


Das Wort Reform hat in der Kirche einen guten Klang. Es darf nicht beschlagnahmt werden, um die eigentliche Erneuerung in Christus zu bremsen. Unter Reform der Kirche müssen wir die Reformen verstehen, wie sie von Reformern wie dem heiligen Franziskus betrieben wurden, mit seiner radikalen Kreuzesnachfolge, oder von Johannes vom Kreuz und Teresa von Avila, oder die Erneuerung nach dem Konzil von Trient in der Liturgie und allen Bereichen des christlichen Lebens, mit der Erneuerung der Volksfrömmigkeit. Das ist Reform der Kirche."


Weiteres zum Thema:


Bild: der hl. Franziskus vor dem Kreuz von San Damiano; Fresko in Assisi von Giotto di Bondone (1267-1337)

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Der hl. Franziskus und die Schönheit der Kirchen

"Der heilige Franziskus, der in seinem eigenen Leben die evangelische Armut aufs äußerste befolgte, hat niemals behauptet, daß die Kirchen trocken, kahl und ohne Schönheit sein sollten. Im Gegenteil. Kirche und Altar konnten ihm nie schön genug sein. Dasselbe kann man etwa auch vom hl. Pfarrer von Ars oder von der hl. Theresia von Avila sagen. (1)

Es entsteht ein lächerlicher Widerspruch, wenn um der evangelischen Armut willen künstlerisch wertvollste Kirchen niedergerissen und - unter großen Kosten - durch prosaische und kahle Gotteshäuser ersetzt werden. (2)

Nicht die Schönheit und der Glanz der Kirche ist unverträglich mit dem Geist der evangelischen Armut und gibt den Armen Ärgernis, sondern vielmehr der unnötige Luxus und Komfort, der heute so weit verbreitet ist.

Wenn die Priester zur evangelischen Armut zurückkehren wollen, dann sollten sie bedenken, daß in den Vereinigten Staaten und in Deutschland der Klerus vielfach die elegantesten Wägen, die besten Kameras, die modernsten Fernsehgeräte besitzt. Viel zu trinken und zu rauchen steht in eindeutigem Gegensatz zur evangelischen Armut - doch sicher nicht die Schönheit und Pracht der Kirchen.

Einerseits behauptet man, die Kirchen sollten kahl sein, andererseits errichtet man in Pfarren und auf den Campus katholischer Colleges häßliche Gebäude für Gesellschaftszwecke, die mit jeder Art von unnötigem Luxus ausgestattet sind; und dies tut man im Namen der sozialen Fürsorge und des Gemeinschaftsgeistes. Sogar in Klöstern kann man ähnliche Entwicklungen finden..."


(1) Vgl. Theresia vom Kinde Jesu 'Leben' (München 1960) 9. Kap. u. a.
(2) Vgl. Michel de Saint Pierre "Sainte Colère" (Paris: Editions de la Tabl Ronde, 1965) S. 175

Dietrich von Hildebrand in: "Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes"; EOS-Verlag AD 1992, Seite 296f


Heiliger Franziskus, bitte für uns!

Dienstag, 14. Februar 2012

Nicht nur zum Valentinstag: Ganzhingabe



Das hohe Maß des christlichen Lebens besteht nämlich darin, „wie" Gott zu lieben;
es ist eine Liebe, die in der treuen und fruchtbringenden Ganzhingabe seiner selbst zum Ausdruck kommt.







aus der Botschaft von Papst Benedikt XVI. zum 49. Welttag der geistlichen Berufungen vom 13.2.2012



Bild: Der hl. Franz v. Assisi empfängt die Wundmale Christi; Ludovico Cigoli 1596

Montag, 26. Dezember 2011

Lassen wir uns einfach machen von dem Gott, der sich dem einfach gewordenen Herzen zeigt...

Aus der Predigt von Papst Benedikt XVI. in der Weihnachts-Mette 2011

Foto: Darko Tepert Donatus (wikipedia)
"Wir müssen unsere falschen Gewißheiten, unseren intellektuellen Stolz ablegen, der uns hindert, die Nähe Gottes zu sehen. Wir müssen den inneren Weg des heiligen Franziskus nachgehen – den Weg zu jener letzten äußeren und inneren Einfachheit, die das Herz sehend macht.

Wir müssen uns herunterbeugen, sozusagen geistig zu Fuß gehen, um durch das Portal des Glaubens eintreten zu können und dem Gott zu begegnen, der anders ist als unsere Vorurteile und Meinungen – der sich in der Demut eines neu geborenen Kindes verbirgt.

(...)  Verzichten wir auf unsere Fixierung auf das Materielle, auf das Meßbare und Greifbare. Lassen wir uns einfach machen von dem Gott, der sich dem einfach gewordenen Herzen zeigt."


Die ganze Predigt  ist HIER nachzulesen (bitte klicken).

Sonntag, 25. Dezember 2011

Die Auferstehung setzt die Menschwerdung voraus...


"Weihnachten ist Epiphanie – Erscheinen Gottes und seines großen Lichtes in einem Kind, das uns geboren wurde. Geboren im Stall zu Bethlehem, nicht in den Palästen der Könige.

Als im Jahr 1223 Franz von Assisi in Greccio Weihnachten feierte mit Ochs und Esel und mit einer heugefüllten Futterkrippe, ist eine neue Dimension des Geheimnisses von Weihnachten sichtbar geworden. Franz von Assisi hat Weihnachten „das Fest aller Feste“ genannt – mehr als alle anderen Feste – und es mit „unaussprechlicher Hingebung“ gefeiert (2 Celano 199: FF 787). Er küßte voller Hingebung die Bilder des Kindleins und stammelte zärtliche Worte, wie Kinder es tun, erzählt uns Thomas von Celano (ebd.).

Für die alte Kirche war Ostern das Fest der Feste: In der Auferstehung hatte Christus die Türen des Todes aufgestoßen und so die Welt von Grund auf verändert: Für den Menschen hatte er in Gott selbst Platz geschaffen. Nun, Franziskus hat diese objektive Rangordnung der Feste, die innere Struktur des Glaubens mit seiner Mitte im Ostergeheimnis nicht geändert, nicht ändern wollen.

Aber etwas Neues ist dennoch durch ihn und seine Weise des Glaubens geschehen: Franz hat in einer ganz neuen Tiefe das Menschsein Jesu entdeckt. Dieses Menschsein Gottes wurde ihm am meisten sichtbar in dem Augenblick, in dem Gottes Sohn als Kind aus der Jungfrau Maria geboren, in Windeln gewickelt und in eine Krippe gelegt worden war.

Die Auferstehung setzt die Menschwerdung voraus. Gottes Sohn als Kind, als wirkliches Menschenkind – das hat das Herz des Heiligen von Assisi zuinnerst getroffen und Glaube zu Liebe werden lassen. „Erschienen ist uns die Menschenfreundlichkeit Gottes“ – dieser Satz des heiligen Paulus hatte nun eine ganz neue Tiefe bekommen. Man kann Gott sozusagen in dem Kind im Stall zu Bethlehem anfassen, liebkosen. So hat das Kirchenjahr eine zweite Mitte erhalten in einem Fest, das vor allem Fest des Herzens ist."



Bild: Giotto; Krippenfeier des hl. Franziskus; Assisi

Dienstag, 25. Oktober 2011

Franziskus interreligiös

von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

Assisi steht seit Jahrzehnten für den Frieden unter den Religionen. Diesen Symbolstatus verdankt die umbrische Stadt, die sich mit ihren Zinnen und Türmen so malerisch an den Monte Subasio schmiegt, ihrem berühmtesten Sohn, dem heiligen Franziskus (+ 1226). Er gilt vielen Christen der Gegenwart als ein Vorläufer und Vorbild des Interreligiösen Dialogs. Mit seinem ganzen Wesen, das von tiefer Ehrfurcht vor jeglicher Kreatur, insbesondere vor der Person des Nächsten, durchwirkt ist, und mit seiner leuchtenden Liebenswürdigkeit, die bis heute Menschen verschiedenster Ausrichtung zu bezaubern vermag, verkörpert er gleichsam den Gegentypus zu jenem rechthaberischen und glaubenskriegerischen Fanatismus, auf dessen Konto die meisten Scherbenhaufen zwischen den Religionen und ihren Anhängern gehen.
 
Freilich lebte der heilige Mann im christlichen Mittelalter, also in einer Zeit großer Übereinstimmung in Glaubensfragen, und daher hatte er wenig Gelegenheit zu interreligiösen Begegnungen und Gesprächen. Genaugenommen ist es denn auch nur ein einziges Ereignis, das einen Anhaltspunkt für dieses moderne Quasi-Patronat des Poverello bietet, nämlich sein Auftreten vor dem Sultan Al-Kamil Muhammad al-Malik. Das Zusammentreffen der beiden geschah anläßlich des 5.Kreuzzuges im Jahr 1219 in Damiette, nahe der Nilmündung, und ist, zumal sich Belege auch in nichtfranziskanischen Quellen finden, historisch sicher verbürgt.

Unter den berühmten Fresken des Giotto in der Oberkirche der Basilica San Francesco zu Assisi findet sich eine eindrucksvolle Darstellung der Begegnung: Auf der rechten Seite erblickt man den Sultan auf hohem Thron, umgeben von einigen Hofleuten, in der Mitte steht der Heilige mit einem seiner Minderbrüder, daneben lodert ein Feuer auf, vor dem am linken Rand des Bildes gerade einige Männer die Flucht ergreifen. Der Betrachter  kann sich über die gemalte Szene in der Legenda Maior (bekannt unter dem Titel „Der Engel des sechsten Siegels“), die der heilige Kirchenlehrer Bonaventura (+ 1274) über das Leben seines Ordensgründers abgefaßt hat, informieren (IX,8):

Franziskus, erfüllt von der Sehnsucht nach Ausbreitung des Glaubens und nach dem Martyrium, begab sich mit einem Begleiter unter die Sarazenen, welche die beiden Brüder zuerst mißhandelten, sie aber schließlich zum Sultan vorließen. Als dieser nach dem Grund ihres Kommens fragte, „gab ihm der Diener Christi freimütig zur Antwort, nicht Menschen, sondern der höchste Gott habe sie gesandt, damit er ihm und seinem Volk den Weg des Heiles zeige und das wahre Evangelium verkünde. Dann predigte er dem Sultan mit solcher Unerschrockenheit, Geisteskraft und Begeisterung den einen, dreifaltigen Gott und den Erlöser aller Menschen Jesus Christus, daß in Wahrheit an ihm das Wort des Evangeliums erfüllt schien: Ich werde euch Beredsamkeit und Weisheit verleihen, der alle eure Gegner nicht zu widerstehen und zu widersprechen vermögen (Lk 21,15).
 
Der Sultan war vom Auftreten des Heiligen beeindruckt und bat ihn zu bleiben. „Von Gott erleuchtet, gab jedoch der Diener Christi zur Antwort: Wenn du dich mit deinem Volk zu Christus bekehren willst, will ich aus Liebe zu ihm gern bei euch bleiben. Solltest du aber Bedenken tragen, für den Glauben an Christus das Gesetz des Mohammed zu verlassen, so lasse ein großes Feuer anzünden; dann werde ich mit deinen Priestern ins Feuer hineingehen, damit du wenigstens dadurch erkennen mögest, welchen sichereren und heiligeren Glauben du mit Recht annehmen mußt.“ Sowohl diese als auch eine weitere Feuerprobe, bei welcher der Heilige zum Zeugnis für seinen Herrn allein die Flammen durchqueren wollte, scheiterten an der Furchtsamkeit des islamischen Herrschers und seiner Männer. Franziskus aber wies die Geschenke, die ihm der Sultan „um des Heiles seiner Seele willen“ als Gaben für christliche Arme oder Kirchen anbot, von sich, „weil er alles Geld wie eine Last mied und erkannte, daß das Samenkorn des wahren Glaubens im Herzen des Sultans keine Wurzel fassen konnte.“ ---

Soweit diese Begegnung. Auffällig ist dabei die Selbstverständlichkeit, mit der Franziskus missionarisch zu Werke geht. Moderne Fragestellungen wie die, ob Muslime und Christen vielleicht doch irgendwie dasselbe höchste Wesen verehren, sind ihm viel zu abstrakt. Ihm kann es nur um den dreifaltigen Gott gehen; und um den Herrn, der als Mensch, „in allem uns gleich außer der Sünde“ (Hebr 4,15), in die Armut von Krippe und Kreuz herabgestiegen ist und in dessen Namen man allein das Heil finden kann (Apg 4,12).

Zugegeben, der interreligiöse Ertrag scheint hier recht dürftig zu sein. Jedenfalls hat er mit den Veranstaltungen der Gegenwart, die unter ganz anderen Vorzeichen stehen, herzlich wenig zu tun. Aber vielleicht könnte der heilige Franziskus gerade dadurch zu einem Wegweiser werden in eine Zukunft der Kirche, die zugleich friedliebend und kraftvoll-missionarisch sein muß, dabei ebenso weit entfernt von kriegerischem Fanatismus wie von jenem religiösen Indifferentismus, der die Christenheit heute schleichend zum Abfall verführen will?


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)


Bild: Fresko von Giotto: Franziskus vor dem Sultan (Assisi)

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Keine Reform der Kirche ohne Heilige

"Um zunächst bei dem Stichwort Reformer/Heiliger anzuknüpfen: Jeder Heilige ist in dem Sinn ein Reformer, daß er die Kirche neu belebt und sie auch reinigt. Aber man versteht ja unter Reformer häufiger Leute, die strukturelle Maßnahmen durchführen und die sich gleichsam im Bereich der Strukturen bewegen. Und da würde ich sagen, die brauchen wir in der Tat im Augenblick nicht so dringend. Was wir wirklich brauchen, sind Menschen, die vom Christentum innerlich erfaßt sind, die es als Glück und als Hoffnung erleben, die dadurch zu Liebenden geworden sind, und das nennen wir dann Heilige.

Die echten Reformer der Kirche, durch die sie wieder einfacher geworden ist und zugleich Zugänge zum Glauben geöffnet hat, waren immer die Heiligen. Man muß nur daran denken, daß Benedikt am Ausgang des Altertums die Lebensform schafft, durch die das Christentum dann durch die Völkerwanderung hindurchgeht. Oder wenn Sie an Franziskus und Dominikus denken – da ist in einer feudalistischen, erstarrenden Kirche ein ganz neuer Aufbruch einer evangelistischen Bewegung, die die Armut des Evangeliums, seine Einfachheit, seine Freude lebt und die dann eine wahre Massenbewegung auslöst.

Oder erinnern wir uns an das 16. Jahrhundert. Das Konzil von Trient war wichtig, aber es konnte als katholische Reform nur durchschlagen, weil es Heilige wie Theresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Ignatius von Loyola, Karl Borromäus und viele andere gegeben hat, die einfach wieder vom Glauben innerlich getroffen wurden, die ihn originell auf ihre Weise gelebt haben, ihm Formen geschaffen haben, durch die dann auch die Reformen eingetreten sind, die die notwendigen und die heilenden waren.

Deswegen würde ich auch sagen, jetzt kommen die Reformen bestimmt nicht von Foren und Synoden, die auch ihr Recht und manchmal auch ihre Notwendigkeiten haben, sondern sie werden von überzeugenden Persönlichkeiten kommen, die wir Heilige nennen dürfen."


aus:  Joseph Kardinal Ratzinger, Salz der Erde, Christentum und katholische Kirche an der Jahrtausendwende; Ein Gespräch mit Peter Seewald, Seite 220/221; AD 1996; s. Quellen
(Hervorhebungen durch Administrator)   


Bild: Giotto (1267-1337); Assisi; Hl. Franz, betend in Portiuncula

Montag, 10. Oktober 2011

Das richtige Verhältnis zu Gott

Herz Jesu, Paray le Monial (F)
 Was wir brauchen, um innerliche und zugleich aktive Menschen zu werden: Ganz kindlich dürfen wir (Gott) ... gegenüber sein, auch in unserem Beten, wir sehen am heiligen Franz, daß Kindlichkeit absolut nichts Minderwertiges ist, im Gegenteil, das stellt uns erst ins richtige Verhältnis zu Gott: Wir sind seine Kinder, in allem abhängig von ihm.


Sel. Pater Rupert Mayer SJ (1876 - 1945)

aus: Rupert Mayer, In der Ruhe des gottverbundenen Menschen, AD1987   (s. Quellen)


Dienstag, 4. Oktober 2011

Heiliger Franziskus, bitte für uns!

Foto: rogiro; Franziskus predigt den Fischen
Franz von Assisi (1181-1226) in einem 
"Sendschreiben an alle Christusgläubigen"

"Wir müssen auch fasten, müssen uns frei halten von Laster und Sünde (Eccli 3,3), vom Überfluß in Speise und Trank und müssen katholisch sein.

Wir müssen auch öfter die Kirche besuchen; müssen den Geistlichen mit Hochschätzung und Ehrfurcht begegnen, nicht allein ihrer selbst wegen, sondern - auch wenn sie selbst Sünder wären - wegen ihres Amtes. Sie verwalten den Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus, opfern ihn auf dem Altare, nehmen ihn in ihre Hände und teilen ihn anderen aus.

Fest müssen wir alle überzeugt sein, daß niemand selig werden kann als durch das Blut unseres Herrn Jesus Christus und das heilige Wort des Herrn, das die Geistlichen sprechen, predigen und verwalten. Diese Verwaltung steht niemand anderem als ihnen allein zu."

zitiert nach: Ottokar Bonmann: Die Schriften des heiligen Franziskus von Assisi (s. Quellen)
(Hervorhebungen durch Administrator)
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