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Montag, 28. Juli 2014

Wahrheit stört sich nicht am Willen - Primat des Logos über das Ethos

 
Die Wahrheit ist Wahrheit, weil sie Wahrheit ist. Es ist an und für sich für sie völlig gleichgültig, was der Wille zu ihr sagt und ob er mit ihr etwas anfangen kann. Der Wille hat die Wahrheit weder zu begründen, noch braucht sie sich vor ihm auszuweisen, sondern er hat sich ihr gegenüber als unzuständig zu bekennen.
Er schafft sie nicht, er findet sie. Er hat anzuerkennen, dass er blind ist und des Lichtes, der Führung, der ordnenden, gestaltenden Macht der Wahrheit bedarf. Er muss grundsätzlich den Primat der Erkenntnis über den Willen, des Logos über das Ethos anerkennen. (... Ein Vorrang der Ordnung also, nicht der Würde, Bedeutung oder gar Häufigkeit.)


Romamo Guardini in: "Vom Geist der Liturgie"; Verlag Herder Freiburg; AD 1957; S. 138/139 (s. Quellen)


Weitere Gedanken zu "Dogma und Tat", zu "Orthodoxie und Orthopraxie", "Logos und Ethos": 


Bild: hl. Bischof Hubertus; Kevelaer; ©  FW

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Die Macht und Freiheit des Menschen: Gott hat uns ohne uns erschaffen, doch er befreit uns nicht ohne uns


Fortsetzung (Teil 3) des Gebetes der hl. Katharina von Siena zum Geheimnis der Menschwerdung Gottes (Mariä Verkündigung):

O Maria, schau dieses Wort, wie es dir anvertraut wird und dir einwohnt! Trotzdem bleibt es nicht vom Vater getrennt, so wie auch das Wort, das der Mensch im Geiste bildet, keineswegs aufhört, im Innern zu sein, obgleich es nach außen anderen mitgeteilt wird. Darin zeigt sich die Würde des Menschen, für den Gott so viele große Dinge getan hat.

In dir, o Maria, zeigt sich die Macht und Freiheit des Menschen. Nach der Beratschlagung des erhabenen göttlichen Ratschlusses wurde der Engel zu dir gesandt, um dir das Geheimnis des göttlichen Ratschlusses zu verkünden und deine Zustimmung einzuholen. Der Sohn Gottes stieg nicht eher in deinen Schoß herab, bevor du nicht mit deinem Willen zugestimmt hattest. Er wartete an der Pforte deines Willens, ob du ihm öffnen würdest, wenn er zu dir kommen wollte. 

Er wäre dort nicht eingetreten, wenn du ihm nicht geöffnet hättest, als du sprachst: "Sieh, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Worte" (Luk 1,38). Hier zeigt sich offen Macht und Freiheit des Willens, ohne den weder Gutes noch Böses zustande kommen kann. Weder ein Teufel noch ein Geschöpf kann ihn zur Todsünde zwingen, wenn er nicht will, wie auch niemand ihn nötigen kann, das Unvollkommenere zu tun, wenn er sich weigert. 

Der Wille des Menschen ist also frei, da niemand ihn weder zum Guten noch zum Bösen ohne seine Zustimmung zwingen kann.

O Maria! Die ewige Gottheit klopfte an deine Pforte. Wenn du ihr nicht die Türe deines Willens geöffnet hättest, wäre Gott nicht in dir Mensch geworden. Schäme dich also, meine Seele, wenn du siehst, wie Gott in Maria einen Bund mit dir geschlossen hat. Heute zeigt er dir, wie du nicht ohne dich gerettet wirst, wenn er dich auch ohne dich erschaffen hat. Denn heute klopft er an die Tür des Willens Mariens und erwartet, dass sie ihm öffnet.

O Maria, meine süßeste Liebe!
In dich hat sich das Wort eingeprägt, das uns die Lehre des Lebens gab. Du bist die Tafel, in die er diese Lehre eingrub.

Wie ich sehe, war dieses Wort, kaum, dass es in dich eingeschrieben war, nicht ohne heilige Begierde nach dem Kreuze. Kaum war es in dir empfangen, so wurde es schon von dem Verlangen ergriffen,  für das Heil des Menschen zu sterben, für den es in dir Fleisch annahm. Daher war es ein Kreuz für ihn, dieses Verlangen so lange Zeit zu tragen, weil er gewünscht hätte, es gleich verwirklicht zu sehen.


aus: Katharina von Siena - Gebete; Übertragen und eingeleitet von P. Dr. Joseph Maria Scheller O.P.; Albertus-Magnus Verlag Vechta i.O.; AD 1936, S. 151ff, Von Mariä Verkündigung (s. Quellen)


Teil 1, Teil 2 und Teil 4 des Gebetes



Weiteres zur und von der hl. Katharina von Siena:



Freitag, 15. November 2013

Religiös unmusikalisch?

Ein befreundeter Priester, der im Ausland tätig war, berichtete von der wahrhaft beglückenden Erfahrung des Beichtehörens dort. Hier kann man die Gnade geradezu mit Händen greifen. Mit der Heilung von Taubstummen (Anm.: s. Messtexte unten) hat das deshalb etwas zu tun, weil beichten und losgesprochen werden die Wiederherstellung der Wahrnehmungsfähigkeit ist. Denn die Blockaden werden sanft und schnell gelöst. Aber nur, wenn Menschen das wollen.

Viele sagen: Aber entschuldigen Sie, Herr Professor, ich bin religiös unmusikalisch. Also treten Sie mir bitte mit diesen Dingen nicht zu nahe. Dem ist entgegenzuhalten, dass an den berühmten Wallfahrtsorten alle plötzlich in der Lage sind, zur Beichte zu gehen, eben weil alle gehen und weil es dazugehört, sodass sich niemand schämen muss.

Und was die Unmusikalität betrifft, auch damit habe ich Erfahrung. So haben meine Verwandten frühzeitig erklärt, ich sei unmusikalisch, weswegen man sich den Klavierunterricht sparte, den meine Schwester erhielt. Als ich später mit 54 Jahren die zisterziensische Gregorianik kennenlernte, war das ein tief greifendes Aha-Erlebnis, und ich habe seitdem immer wieder die heilende Kraft dieses wahrhaft therapeutischen Gesangs kennengelernt. Unmusikalisch? 

So gilt das mit Sicherheit für alle, die sich für religiös unmusikalisch halten oder sich schämen, ihre religiöse Begabung zu zeigen. Es kommt darauf an, den richtigen Augenblick nicht zu verschlafen. Das gilt auch sonst im Leben. Dann den Mut zu haben, Ja zu sagen. Ganz neue vielfältig bereichernde Möglichkeiten nicht zu verpassen.


Klaus Berger in "Die Tagespost", Donnerstag, 6. September 2012 Nr. 107

Zu den Lesungen am 23. Sonntag
im Jahreskreis (Lesejahr B)



Foto: Piano collection in the Musical Instrument Museum, Brussels, Belgium. Johann Andreas Stein, Augsburg, 1786, gemeinfrei

Mittwoch, 18. September 2013

Prinzipien des Glaubens

Die der Offenbarung Gottes entsprechende Antwort ist »der ”Gehorsam des Glaubens“ (Röm 1,5; vgl. Röm 16,26; 2 Kor 10,5-6). Darin überantwortet sich der Mensch Gott als ganzer in Freiheit, indem er sich ”dem offenbarenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwirft“ und seiner Offenbarung willig zustimmt«.(1) Der Glaube ist ein Geschenk der Gnade: »Dieser Glaube kann nicht vollzogen werden ohne die zuvorkommende und helfende Gnade Gottes und ohne den inneren Beistand des Heiligen Geistes, der das Herz bewegen und Gott zuwenden, die Augen des Verstandes öffnen und ”es jedem leicht machen muss, der Wahrheit zuzustimmen und zu glauben“«.(2)

Der Gehorsam des Glaubens führt zur Annahme der Wahrheit der Offenbarung Christi, die von Gott, der Wahrheit selbst, verbürgt ist:(3) »Der Glaube ist eine persönliche Bindung des Menschen an Gott und zugleich, untrennbar davon, freie Zustimmung zu der ganzen von Gott geoffenbarten Wahrheit«.(4) Der Glaube, der »ein Geschenk Gottes« und »eine von ihm eingegossene übernatürliche Tugend«(5) ist, führt also zu einer doppelten Zustimmung: zu Gott, der offenbart, und zur Wahrheit, die von ihm geoffenbart ist, wegen des Vertrauens, das der offenbarenden Person entgegengebracht wird. Deshalb sollen wir »an niemand anderen glauben als an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist«.(6)

Deshalb muss mit Festigkeit an der Unterscheidung zwischen dem theologalen Glauben und der inneren Überzeugung in den anderen Religionen festgehalten werden. Der Glaube ist die gnadenhafte Annahme der geoffenbarten Wahrheit, die es gestattet, »in das Innere des Mysteriums einzutreten, dessen Verständnis er in angemessener Weise begünstigt«.(7) Die innere Überzeugung in den anderen Religionen ist hingegen jene Gesamtheit an Erfahrungen und Einsichten, welche die menschlichen Schätze der Weisheit und Religiosität ausmachen, die der Mensch auf seiner Suche nach der Wahrheit in seiner Beziehung zum Göttlichen und Absoluten ersonnen und verwirklicht hat.(8)

Nicht immer wird diese Unterscheidung in der gegenwärtigen Diskussion präsent gehalten. Der theologale Glaube, die Annahme der durch den einen und dreifaltigen Gott geoffenbarten Wahrheit, wird deswegen oft gleichgesetzt mit der inneren Überzeugung in den anderen Religionen, mit religiöser Erfahrung also, die noch auf der Suche nach der absoluten Wahrheit ist und der die Zustimmung zum sich offenbarenden Gott fehlt. Darin liegt einer der Gründe für die Tendenz, die Unterschiede zwischen dem Christentum und den anderen Religionen einzuebnen, ja manchmal aufzuheben.

(1) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution Dei verbum, 5.
(2) Ebd.
(3) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 144.
(4) Ebd., 150.
(5) Ebd., 153.
(6) Ebd., 178.
(7) Johannes Paul II., Enzyklika Fides et ratio, 13: AAS 91 (1999) 15. (22) Vgl. ebd., 31-32: a.a.O. 29f.
(8) Vgl. ebd., 31-32: a.a.O. 29f.


Kongregation für die Glaubenslehre: Erklärung "Dominus Jesus" Nr. 7; AD 2000




Foto: Taufe; Relief in Kevelaer; © FW

Samstag, 24. November 2012

Gott respektiert jede Entscheidung des Menschen

Der freie Wille, der den Menschen aus der ganzen Schöpfung heraushebt, kann (...) allein darüber befinden, ob er, der Mensch, sich für oder gegen Gott entscheidet, ob er Gott lieben und ihm dienen will oder nicht.

Der freie Wille des Menschen, das einzige, was er tatsächlich besitzt und sein eigen nennen kann, ist es auch, der zur wahren Verherrlichung Gottes führen kann; denn alles andere wird ja dem Menschen in jedem Augenblick von Gott geschenkt, um darüber verfügen zu können.

Der freie Wille bleibt daher auch immer das Maß und die Grenze in der Beziehung zu Gott, auch wenn der Mensch noch so fortgeschritten wäre im geistlichen Leben und er schon ganz Liebe geworden wäre, so bleibt er doch bis an sein Ende fähig, ein Nein zu Gott zu sagen. Und der Herr respektiert dieses Nein, selbst wenn es um die Erlösung des Menschen geht. Gottes Verehrung kann eben nicht durch Marionetten geschehen, es bedarf dazu sich frei entscheidender Wesen.


Johannes Boldt OCD in: Begegnung mit Johannes vom Kreuz; Johannes Verlag Leutesdorf AD 1981; S. 20 (s. Quellen)

Bild: Johannes vom Kreuz; wikipedia commons
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