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Samstag, 8. März 2014

Die Heilige Messe: Teil der himmlischen Liturgie


In einer ganz bemerkenswerten Ausarbeitung befasst sich Peter Stephan, Professor für Architekturtheorie in Potsdam und Dozent an der Baronius-Akademie Berlin, in der Ausgabe der Una Voce-Korrespondenz /4/2013 mit der Liturgie der katholischen Kirche und speziell mit der Bedeutung des liturgischen Ornats. Bevor er sich den tiefen Gedanken zur symbolträchtigen Bekleidung des Priesters bei der Liturgie widmet, gibt er eine kleine Einführung über das Wesen des heiligen Messopfers und das Missverstehen der Liturgie. Unter anderem schreibt er:

Nach katholischem Verständnis feierte Christus beim sogenannten Letzten Abendmahl nicht nur das jüdische Pascha-Fest, sondern machte auch sich selbst zum Opferlamm. Im Brechen des Brotes und in der Darbringung des Weines nahm Er Seinen Tod vorweg (1). Er setzte Sein Blut, das Er am Holz des Kreuzes vergoss, mit dem Blut gleich, mit dem Mose beim allerersten Pascha-Fest die Türpfosten der Israeliten hatte bestreichen lassen. Damals hatte das Opferblut das Gottesvolk vor der Versklavung durch den Pharao und vor der Rache des Würgeengels bewahrt. Nun sollte es die Welt aus der Knechtschaft der Sünde und aus den Banden des Todes erretten.

Anders als das jüdische Pascha-Fest und die protestantische Abendmahlfeier, die an ein einmaliges, in der Vergangenheit liegendes Ereignis erinnern, hat das katholische Messopfer eine viel weitere Dimension. Es vergegenwärtigt das Kreuzesopfer im Hier und Heute.

Darüber hinaus bestätigt es den Bund, den Gott mit Abraham geschlossen und durch Christus auf ewig erneuert hat. Durch die damit einhergehende Erneuerung der menschlichen Natur und die Versöhnung des Menschen mit Gott wird die Vollendung der Schöpfung am Ende der Zeiten vorweggenommen. Darum versteht sich die Messe auch als einen Teil der himmlischen Liturgie. Sie erfüllt die Menschen mit dem Geist Gottes, erhebt die Herzen in die Höhen des Himmels und macht so die heilige Versammlung zu einem Abbild des Ewigen Jerusalem, in dem die Menschen zusammen mit den  Chören der Engel Gott in seiner Herrlichkeit anbeten.
Der gesamte Artikel ("Ein ästhetisches Manifest - Keine Angst vor der Pracht!") befindet sich in der UVK-Ausgabe 4. Quartal 2013, S. 349-376, sowie z. Teil online auf der Internet-Seite "Summorum pontificum" hier!


Prof. Dr. Peter Stephan ist ebenfalls Referent bei der 16. Kölner Liturgischen Tagung, die vom 02.-05.April 2014 in Herzogenrath stattfindet.


Weiteres zum Thema "Göttliche Liturgie":



Foto: Wieskirche; privat

Montag, 25. November 2013

Blogparade: Mein Lieblingslied im Gotteslob - Nr. 480


Andrea vom Blog "Bachmichels Haus" fragt in der Runde nach Lieblingsliedern aus dem alten Gotteslob - bzw. einem religiösen Gesangbuch (hier) und zahlreiche Blogger und Nicht-Blogger haben bereits ihre Favoriten vorgestellt: ein schönes und interessantes Potpourri aus bekannten und weniger bekannten Kirchenliedern ist dabei herausgekommen.

Mein Lieblingslied im alten (und neuen Gotteslob) - da fällt es schwer, einen Favoriten auszumachen. Zu meinen allerliebsten Liedern gehört "O Du mein Heiland hoch und hehr..." GL... - uff, jetzt bin ich sehr erstaunt - denn: dieses Lied steht tatsächlich nicht im alten Gotteslob - und ebensowenig im neuen. Ich mache mich auf die Suche in älteren Gesangbüchern und stelle fest: auch im Interims-Gesangbuch der Diözese Essen von 1970, das ich damals zur Erstkommunion geschenkt bekam, ist es nicht enthalten.

Und weiter? Im Gesangbuch für das Erzbistum Köln von 1949 (also "vorkonziliar"): Fehlanzeige. Ebenso im "Laudate", dem Gebet- und Gesangbuch für das Bistum Münster von 1950. Selbst im 1938 erschienenen "Kirchenlied", einer überdiözesanen Sammlung von etwa 140 Kirchenliedern, quasi die Mutter des Einheitsgesangbuches deutscher Diözesen, ist das Lied unbekannt. Das verwundert mich. Wo aber kommt es dann her und woher kennen es die Gläubigen? Ich bin mit diesem Lied groß geworden und es ist seit Kindertagen "mein" Lied. Immerhin: Im "Ordo Missae"-Büchlein der Petrusbruderschaft, herausgegeben im Jahre 2012, Nr. 182, da steht es :
 
O du mein Heiland, hoch und hehr, dem sich der Himmel beuget,
von dessen Liebe, dessen Macht die ganze Schöpfung zeuget:
Christus, mein König, Dir allein, schwöre ich die Liebe
lilienrein, bis in den Tod die Treue!

Nicht alle Welt und ihre Pracht, Engel und Menschen nimmer,
o Herr mich scheidet nichts von Dir; Dein eigen bleib' ich immer!
Christus, mein König...

Du nur allein lebst nun in mir, brennst mir in Herz und Händen;
läßt mich entflammen alle Welt mit Deinen Feuerbränden.
Christus, mein König...
Text: Erich Przywara SJ (1889-1972)


GL Nr. 480 
Wir weih'n der Erde Gaben dir, Vater, Brot und Wein...

Also nun mein Lieblingslied aus dem alten Gotteslob: Ein Lied weckt in mir ganz besonders  Erinnerungen an erstes, bewusstes Mitfeiern der Heiligen Messe: Wir weih'n der Erde Gaben dir, Vater, Brot und Wein..." Im alten Gotteslob Nr. 480, im neuen wird es die Nr. 187 sein.

Ich weiß noch, dass wir dieses Lied bei meiner Erstkommunion gesungen haben. Es muss auch um diese Zeit gewesen sein, vielleicht kurz nach dem "Großen Tag", als mich meine Eltern für einige Wochen zur Luftveränderung in ein Kindererholungsheim an die Nordsee schickten. Dort wanderten wir am Sonntag - ich weiß nicht mehr wie weit - in ein kleines Kirchlein, das unsere Kinderschar zum Überlaufen brachte. So standen wir dicht an dicht und sangen dort, ganz wie so oft zu Hause, zur Opferung dieses Lied. Und ich muss sagen, dass es mir an diesem Sonntag, so weit von zu Hause weg, einen großen Trost gab, denn ich litt doch sehr an Heimweh. Und dieses Gefühl des Zu-Hause- und Geborgenseins in der Gemeinschaft des Glaubens, das empfinde ich immer dann, wenn dieses Lied in der Kirche angestimmt wird. 

Bereits im "Laudate" und im Gesangbuch für das Erzbistum Köln ist das Lied vorhanden, der Text stammt von Sr. Petronia Steiner OP (1908-1995) und ist datiert auf das Jahr 1945. Die Dominikanerin, auch Schulleiterin der Albertus-Magnus-Schule in St. Ingbert und später des Nikolaus-von-Weis-Gymnasiums in Speyer, hat in der Kriegs- und Nachkriegszeit einige Kirchenlieder gedichtet und z. B. das großartige und tiefe "Adoro te devote" des hl. Thomas von Aquin ins Deutsche übertragen (s. GL 546). Johannes und Hans haben die "eigentliche Hymne der Kirche" bereits erwähnt.

Zurück zu den Gaben, zu Brot und Wein und dem Erlösungsopfer Christi: Die Melodie wurde lt. Gotteslob schon vor 1526 gesungen und ist verzeichnet in der "Davidschen Harmonia" (Wien, 1659) und in Michael Töplers "Alten Choralmelodien" von 1832. Interessanterweise wurde das Lied nicht in das schon erwähnte Interims-Gesangbuch ("Interims" wegen der Zeit zwischen den alten, vorkonziliaren und den durch Konzil und Liturgiereform beeinflußten Gesangbüchern) der Diözese Essen (1970) aufgenommen. Ach ja, im "Ordo Missae"-Büchlein der Petrusbruderschaft ist es die Nr. 275:
Wir weih'n der Erde Gaben dir, Vater, Brot und Wein.
Das Opfer hocherhaben wird Christus selber sein.
Er schenkt dir hin sein Leben, gehorsam bis zum Tod,
uns Arme zu erheben aus tiefer Schuld und Not.

Sieh gnädig auf uns nieder, die wir in Demut nah'n,
Nimm uns als Christi Brüder mit ihm zum Opfer an!
Lass rein uns vor dir stehen, von seinem Blut geweiht,
Durch Kreuz und Tod eingehen in deine Herrlichkeit!

Hier ist das ganze Heilsgeschehen, der ganze Heilsplan Gottes für uns verwundete Menschen zusammengefasst: Christus, Gottes Sohn, ist für uns am Kreuz gestorben um uns aus Schuld und Not zu erheben; sein Leben hat er hingegeben um uns das übernatürliche Leben zu schenken. Die Kirche ermöglicht uns, Zeit und Raum zu überbrücken: In jeder Hl. Messe wird das eine Opfer Jesu Christi auf's Neue gegenwärtig, damit wir uns mit diesem einen Opfer vereinigen können. Er macht uns heil und nimmt uns auf in sein (Gottes-)Reich.



Bilder: Details der Kommunionbank in der kath. Kirche St. Vincentius, Dinslaken; eigene Fotos

Freitag, 23. August 2013

Wer das Gute, die Wahrheit und die Gerechtigkeit wählt, wird Spaltung erleben und Gewalt erleiden

"Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung" (Lk 12,51).

Der Glaube bringt es mit sich, Gott als Grundkriterium des Lebens zu wählen, und Gott ist nicht leer, er ist nicht neutral, Gott ist immer positiv, Gott ist Liebe, und die Liebe ist positiv! Nachdem Jesus in die Welt gekommen ist, kann man nicht so tun, als würden wir Gott nicht kennen.

Als sei er etwas Abstraktes, Leeres, mit einem rein nominalen Bezug. Nein, Gott hat ein konkretes Gesicht, er hat einen Namen: Gott ist Barmherzigkeit, Gott ist Treue, er ist Leben, das sich uns allen schenkt. Deshalb sagt Jesus: Ich bin gekommen, um Spaltung zu bringen. Es ist nicht so, dass Jesus die Menschen untereinander spalten will, im Gegenteil: Jesus ist unser Friede, er ist unsere Versöhnung!

Doch dieser Friede ist nicht der Grabesfriede, er ist keine Neutralität, Jesus bringt keine Neutralität, dieser Friede ist kein Kompromiss um jeden Preis. Die Nachfolge Jesu bringt es mit sich, dem Bösen, dem Egoismus zu entsagen und das Gute, die Wahrheit, die Gerechtigkeit zu wählen, auch wenn dies Opfer und den Verzicht auf die eigenen Interessen verlangt. Und das, ja das spaltet.

Wir wissen es, es spaltet auch die engsten Bande. Doch Achtung: Nicht Jesus ist es, der spaltet! Er legt ein Kriterium fest: für sich selbst leben oder für Gott und die anderen leben; sich dienen lassen oder dienen; dem eigenen Ich gehorchen oder Gott gehorchen. Ja, so ist Jesus "Zeichen, dem widersprochen wird" (Lk 2,34).

Dieses Wort aus dem Evangelium also ermächtigt mitnichten zur Anwendung von Gewalt, um den Glauben zu verbreiten. Das genaue Gegenteil ist der Fall: die wahre Kraft des Christen ist die Kraft der Wahrheit und der Liebe, was es mit sich bringt, auf jede Gewalt zu verzichten.




Weiteres zum Thema Frieden/Unfrieden:
Die neue Intoleranz


Bild: Christus Allherrscher; Ikone zum Jahr des Glaubens

Freitag, 2. August 2013

Kraft, Trost und Stärkung aus der Anbetung des eucharistischen Christus

aus der Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" von Papst Johannes Paul II. (17.04.2003):

Der Kult, welcher der Eucharistie außerhalb der Messe erwiesen wird, hat einen unschätzbaren Wert im Leben der Kirche. Dieser Kult ist eng mit der Feier des eucharistischen Opfers verbunden. Die Gegenwart Christi unter den heiligen Gestalten, die nach der Messe aufbewahrt werden – eine Gegenwart, die so lange andauert, wie die Gestalten von Brot und Wein Bestand haben (1) –, kommt von der Feier des Opfers her und bereitet auf die sakramentale und die geistliche Kommunion vor.(2)

Es obliegt den Hirten, zur Pflege des eucharistischen Kultes zu ermutigen, auch durch ihr persönliches Zeugnis, insbesondere zur Aussetzung des Allerheiligsten sowie zum anbetenden Verweilen vor Christus, der unter den eucharistischen Gestalten gegenwärtig ist.(3)

Es ist schön, bei ihm zu verweilen und wie der Lieblingsjünger, der sich an seine Brust lehnte (vgl. Joh 13, 25), von der unendlichen Liebe seines Herzens berührt zu werden. Wenn sich das Christentum in unserer Zeit vor allem durch die »Kunst des Gebetes« (4) auszeichnen soll, wie könnte man dann nicht ein erneuertes Verlangen spüren, lange im geistlichen Zwiegespräch, in stiller Anbetung, in einer Haltung der Liebe bei Christus zu verweilen, der im Allerheiligsten gegenwärtig ist? Wie oft, meine lieben Brüder und Schwestern, habe ich diese Erfahrung gemacht, und daraus Kraft, Trost und Stärkung geschöpft!

Von dieser Praxis, die das Lehramt wiederholt gelobt und empfohlen hat (5), geben uns zahlreiche Heilige ein Beispiel. In besonderer Weise zeichnete sich darin der heilige Alfons von Liguori aus, der schrieb: »Unter allen Frömmigkeitsformen ist die Anbetung des eucharistischen Christus die erste nach den Sakramenten; sie ist Gott am liebsten und uns am nützlichsten«. (6) Die Eucharistie ist ein unermeßlicher Schatz: Nicht nur ihre Feier, sondern auch das Verweilen vor ihr außerhalb der Messe gestattet uns, an der Quelle der Gnade zu schöpfen.


(1)  Vgl. Konzil von Trient, 13. Sitzung, Dekret über das Sakrament der Eucharistie, Kan. 4: DH 1654. 
(2) Vgl. Rituale Romanum: De sacra communione et de cultu mysterii eucharistici extra Missam, 36 (n. 80).
(3) Vgl. ebd., 38-39 (nn. 86-90).
(4) Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), 32: AAS 93 (2001), 288.
(5) »Außerdem sollen sie [die Gläubigen] es nicht unterlassen, das heiligste Sakrament, das an einem bevorzugten Ort und mit größter Ehrfurcht den liturgischen Gesetzen entsprechend in den Kirchen aufzubewahren ist, tagsüber zu besuchen. Ein solcher Besuch ist ein Beweis der Dankbarkeit und ein Zeichen der Liebe wie der schuldigen Verehrung gegenüber Christus dem Herrn, der hier gegenwärtig ist«: Paul VI., Enzyklika Mysterium Fidei (3.September 1965): AAS 57 (1965), 771. 
(6)  Visite al SS. Sacramento ed a Maria Santissima, Introduzione: Opere ascetiche, Avellino 2000, p. 295.


 Heiliger Alfons Maria von Liguori, bitte für uns!



Sonntag, 7. Juli 2013

Der Wille Gottes: eure Heiligung (1 Thess 4,3)


Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt. (Mt 7,21)

aus dem Evangelium zum 7. Sonntag nach Pfingsten (Mt 7,15-21) nach dem Vetus Ordo


BIld: Jesus Christus betend im Ölberg-Garten Gethsemane; Albani-Psalter, um 1130

Freitag, 14. Juni 2013

Die Wiederentdeckung der Fülle des eucharistischen Mysteriums

Ein Gastbeitrag von Pfr. i. R. Werner Wolff, Bad Waldsee

Vom 5. Bis zum 9. Juni fand in Köln ein Eucharistischer Kongress statt. Er wollte dazu hinführen, dass wir dankbar die Fülle des eucharistischen Mysteriums wieder entdecken. Der Kölner Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner, hat kürzlich in ähnlichem Zusammenhang gesagt: 
„Wir müssen Abschied nehmen von einer gewissen Selbstsäkularisation. Wir können der Entsakralisierung ein Ende machen. Das heißt: Wir müssen aus unseren Kirchen wieder Gotteshäuser machen, wo zu allererst die Liturgie das Mysterium des Glaubens feiert.
Zum Beispiel: Wir haben das eucharistische Fasten abgeschafft, wir haben (in vielen Kirchen) die Kommunionbänke abgeschafft, wir knien nicht mehr nieder – und haben nichts dagegen getan, dass damit auch Ehrfurchtslosigkeit und Banalisierung um sich griffen. Das konnte nicht gut gehen!“

Und der Kardinal hat Recht! Müssen wir nicht einen Niedergang eucharistischen Glaubens und eucharistischer Frömmigkeit wahrnehmen? Viele Katholiken wissen nicht mehr, was das Allerheiligste Altarssakrament ist.

Das beginnt damit, dass Viele beim Betreten einer Kirche keine Kniebeuge machen. Dass sich Gläubige zunächst einmal gegenseitig begrüßen und neueste Nachrichten austauschen Warum sollte man auch nicht, wenn man nicht weiß, dass Gott im Tabernakel gegenwärtig ist?

Der eucharistische Analphabetismus setzt sich fort in Predigt und Katechese. Man spricht nur von „Eucharistie“ und erklärt, das heiße „Danksagung“. Stimmt – aber das ist zu kurz gegriffen. Jesus Christus ist im Allerheiligsten Altarssakrament mit Gottheit und Menschheit, Leib und Seele, Fleisch und Blut gegenwärtig unter den äußeren Gestalten von Brot und Wein. Vor einem „Brot der Danksagung“ muss ich mich nicht niederknien – vor Gott wohl.

Es ist in den letzten 50 Jahren eine Generation herangewachsen, die nur noch vom „heiligen Brot“ hörte und vom „Mahl mit Jesus“. Auch das ist nicht falsch, spricht doch schon der römische Messkanon vom „heiligen Brot des ewigen Lebens“ (vgl. Joh 6, 51) und ist die Teilhabe an der Eucharistie doch schon Vorwegnahme des himmlischen Hochzeits“mahles“. Aber „heiliges Brot“ sagt nicht das Ganze. Es ist nur ein Aspekt. „Mahl“ ist nur die äußere Form, nicht das Wesen.

Der Inhalt der heiligen Messe müsste jeden Christgläubigen zutiefst erschaudern lassen: Sie ist nichts anderes als die unblutige Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi auf Golgotha. Messe und Kreuzesopfer sind identisch: nur die Art der Darbringung ist unterschiedlich. Der Gottmensch stirbt am Kreuz und erlöst mit seinem im Gehorsam gegenüber dem himmlischen Vater dargebrachten Opfer die Gläubigen von Sünde, Tod und Teufel.

Und was geschieht bei uns in Deutschland an Fasching bzw. Fasnet, wenn dieses Opfer Christi unter uns gegenwärtig wird? Wir stellen uns in Kostümen als Clown mit roter Nase, Prinzessin oder Narr um den Altar herum, auf dem das Sterben des göttlichen Erlösers gegenwärtig wird, und wir singen Karnevalslieder. Wo dieser Gräuel an heiliger Stätte geschieht, ist Deutschland geistig umnachtet.

Der Eucharistische Kongress in Köln ist der Aufruf zur Wiederentdeckung des Eucharistischen Mysteriums und bietet das Heilmittel gegen die eucharistische Ignoranz, die das katholische Leben im innersten Bereich infiziert und gelähmt hat. Wenn die Eucharistie tatsächlich „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (LG 11) ist, wie das Zweite Vatikanische Konzil sagt, dann bedeutet die geistliche Verwirrung, die nach dem Konzil um sich gegriffen hat, nichts anderes, als dass das christliche Leben der Gläubigen im Begriff ist, ins Koma zu verfallen. Es zeigt sich heute sehr oft, dass "fortschrittlich Glaubende" das Konzil sehr oft im Munde führen, seine Aussagen aber kaum einmal wirklich studiert haben.

Eine Verkürzung der Eucharistielehre besteht darin, dass man nur noch vom „Sakrament“ der Eucharistie spricht. Doch die Messe ist nicht nur eine Sakramentenspendung, bei der der göttliche Erlöser von den Gläubigen empfangen wird. Dies würde einem lutherischen Abendmahlsverständnis nahe kommen. Die Feier der Eucharistie ist die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi. Die Wandlungsworte, die der Priester über Brot und Wein spricht, setzen nicht nur Jesus Christus gegenwärtig, durch die Trennung von Leib und Blut Christi erfolgt vielmehr das Gedächtnis des Todes Christi auf sakramentale Weise; denn im Tod flossen aus der Seitenwunde des göttlichen Erlösers Blut und Wasser – Leib und Blut wurden getrennt.

Vielerorts verbreitete Mißstände bei der Feier der hl. Messe verbieten sich damit von selber. Nicht wir machen die Messe, vielmehr ist die Messe ein objektives Geschehen, dem wir uns nur in ehrfürchtigem Staunen nahen dürfen. Nicht wir geben der Messe ein Thema, vielmehr werden wir bei der Messe hineingenommen in das Opfer Jesu Christi am Kreuz und damit berufen, unser eigenes Tun und Leiden mit dem Opfer Christi zu vereinigen und so mitzuwirken an der Erlösung. 

Versteht man die hl. Messe nur als wöchentliche Gemeindeversammlung, bei der man ein Stück Brot empfängt, das Mahlgemeinschaft symbolisiert und Solidarität zum Ausdruck bringt, dann ist es unserem Belieben anheimgestellt, ob wir teilnehmen oder nicht. Dann bedürfte es auch nicht des Kirchengebots: An Sonn- und Feiertagen nimm regelmäßig an der Eucharistiefeier teil! (GL 67,2)
 
Erst wenn wir verstanden haben, dass die Heilige Messe die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi ist, haben wir auch den richtigen Zugang zum Empfang dieses Sakraments; denn die heilige Speise, die wir in der Kommunion empfangen ist nicht irgendein Mahl, sondern Gott selbst, der sich uns zur Speise gibt.

Hieraus ergibt sich die Frage nach der Inneren Vorbereitung auf den Empfang der Kommunion. Machen wir uns noch darüber Gedanken, was das ist, was wir empfangen haben? Paulus sagt im ersten Korintherbrief 11, 27 – 29: „Wer unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt.“ Es ist wichtig, dass diese Worte des Apostels Paulus uns Gläubigen beim Empfang präsent sind, denn sie erinnern uns daran, dass das Sakrament der Eucharistie nur dann zum Segen wird, wenn die Seele frei ist von schwerer Schuld. Sonst wird die Eucharistie nicht zum Segen, sondern zum Gericht.

Ob es nicht symptomatisch für unser heutiges Verständnis und unser Verhalten gegenüber der Eucharistie ist, dass die zitierten Verse aus dem Korintherbrief des Paulus heute bei der Lesung z.B. am Fronleichnamsfest, ausgelassen werden? Ein Prediger, der darauf hinweist, wird gern in die Fundamentalistenecke gestellt, da er ja angeblich eine Drohbotschaft verkündet.

Der Empfang der heiligen Kommunion vereinigt uns auf sakramentale Weise mit Gott – diese Vereinigung ist von solcher spiritueller Fülle, dass sie nur noch durch die ewige Gemeinschaft mit Gott im Himmel übertroffen werden kann und hier auf Erden einer Vertiefung durch Verinnerlichung und eucharistische Anbetung bedarf. Frühere Generationen wussten und schätzten dies, sie gingen nicht nur untertags zum kurzen Gebet in eine Kirche, an der sie vorbei kamen, sondern sie besuchten den unter der Gestalt des Brotes gegenwärtigen Herrn auch für eine längere Zeit, um ihn anzubeten
 
Nicht zuletzt die Weltjugendtage und in deren Folge das von Jugendlichen getragene „Nightfever“ haben vielerorts zu einer spürbaren Wiederbelebung der eucharistischen Anbetung geführt. Erst der, der die Eucharistie anbetet, wird wirklich eucharistiefähig.

Es wird Zeit, dass das katholische Deutschland wieder anfängt, wahrhaft eucharistisch zu werden. Der Eucharistische Kongress in Köln sollte der Startschuss für eine Wiederentdeckung der Fülle des eucharistischen Mysteriums werden. Amen.



Zum Thema:



Sonntag, 30. Dezember 2012

Eucharistie und Menschwerdung (1)


Die Eucharistie ermöglicht uns ein konkreteres Verständnis der Bedeutung und des Wertes der Menschwerdung. Die Gegenwart des Leibes und Blutes Christi, die von den Worten der Konsekration verkündet und als "Geheimnis des Glaubens" begangen wird, führt uns zur Realität der Menschwerdung selbst zurück; diese Realität nahm der Gottessohn als seine eigene, menschliche Wirklichkeit an.

Das Herabsteigen Gottes vom Himmel, um Mensch zu werden und ein menschliches Dasein zu führen, wird in der Eucharistie nachvollzogen. Beim Aussprechen der Worte "Das ist mein Leib", "Das ist der Kelch mit meinem Blut" macht sich der Sohn Gottes, in dessen Namen diese Worte gesprochen werden, auf der Welt gegenwärtig in dem Fleisch, das er seinerzeit von seiner Mutter Maria erhalten hatte. Die Eucharistie aktualisiert die Menschwerdung immer aufs neue.

Die Verbindung zwischen Menschwerdung und Eucharistie wird im Johannesevangelium besonders deutlich. Der Prolog zu diesem Evangelium stellt uns das Wort vor Augen, das Fleisch wurde (vgl. 1,14); dann zitiert der Evangelist die Worte Jesu in seiner Ankündigung der Eucharistie: "Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt" (6,51). 

Der Begriff "Fleisch" zur Bezeichnung zuerst der Menschwerdung und dann der Eucharistie ist kennzeichnend. Es scheint, dass Jesus selbst diesen echt semitischen Begriff während des Letzten Abendmahles verwendete. Später wurde er im Griechischen mit "Leib" übersetzt. Die Jünger hörten Jesus sagen: "Das ist mein Fleisch". Das Fleisch ist eng mit dem Begriff Fleischwerdung verbunden und legt eine enge Verknüpfung zwischen dem Geheimnis des Kommens Christi in diese Welt und dem Geheimnis der Fleischwerdung nahe.


aus: Eucharistie - Sakrament des Neuen Lebens, hrsg. v.d. Theolog.-Histor. Kommission für das Hl. Jahr 2000; Verlag Schnell und Steiner Regensburg AD 1999; S. 17f; (s. Quellen)

(Hervorhebeungen durch Fettdruck von FW)


Fortsetzung: 
Eucharistie und Menschwerdung (2)


Weiteres zum Thema Inkarnation: 
Ein Kind ist geboren!



Foto: Altar mit Krippe, Pfarrkirche Opfenbach, © FW

Montag, 25. Juli 2011

II.Vatikanum: EUCHARISTIE - MAHL - PASCHA - OPFER

Hier finden Sie die Ergebnisse zur semantischen Untersuchung der Texte des II.Vatikanums bezüglich der Begriffe Eucharistie, Mahl, Opfer und Pascha.

Alle Textstellen der Konzilsdokumente im Kontext finden Sie hier.

So oft kommen die Begriffe in den gesamten Konzilstexten vor:

Eucharistie bzw. eucharistisch:      73 mal

Mahl:                                                            10 mal

Pascha:                                                         11 mal

Opfer:                                                           52 mal  


                                                                                             

EUCHARISTIE - Ergebnis:

Die Begriffe „EUCHARISTIE“ bzw. „EUCHARISTISCH“ kommen in den gesamten Konzilsdokumenten 73x vor, davon
17x inLG,
13x in SC und
18x in PO
(insgesamt in diesen drei Schreiben 48mal).
Darüber hinaus kommt es in den einzelnen übrigen Dokumenten 7x (UR), 5x (AG), 3x (CD, AA), 2x (OE, OT, PC), 1x (DV) sowie in den übrigen fünf Dokumenten gar nicht vor.

13x bildet der Begriff „EUCHARISTISCHES OPFER“ eine Einheit.



MAHL - Ergebnis:

Der Begriff „MAHL“ kommt in den gesamten Konzilsdokumenten 10x vor, davon in SC, der Liturgiekonstitution, lediglich 4x, je einmal als „HERRENMAHL“, „ABENDMAHL“, „OSTERMAHL“ sowie in der Bezeichnung „ABENDMAHLSMESSE am Gründonnerstag“.

2x kommt der Begriff in „ABENDMAHL“ vor in UR, dem Dekret über den Ökumenismaus, als Begriff der Protestanten für die Gedächtnisfeier an Christi Leiden, Tod und Auferstehung.

In anderen Dokumenten kommt der Begriff 1x (Mysterium des Herrenmahls), 2x (Abendmahl, himmlisches Gastmahl) und 1x (eucharistisches Mahl) vor.

Somit wird klar, dass der Begriff des Mahls im Hinblick auf die Heilige Messe, die Eucharistie, von den Konzilsvätern zwar in keiner Weise abgelehnt wird, jedoch keinesfalls im Mittelpunkt des Verständnisses über das Wesen und Geschehen dieses Mysteriums steht.

Das Wesen der Hl. Messe wird von den Konzilsvätern in den Dokumenten gemäß der katholischen Tradition mit „Messopfer“, „Opfer Christi“ etc., also ganz deutlich als Sühnopfer für unsere Schuld definiert.



PASCHA - Ergebnis:

Der Begriff „PASCHA“ wird in den Konzilsdokumenten 11x verwendet,
davon 9x in SC, der Liturgiekonstitution und lediglich je 1x (Pascha Christi des Herrn, Pascha-Mysterium) in zwei anderen Schreiben.

Von den 9 Verwendungen in SC kommt es 8x in der Verbindung als „PASCHA-MYSTERIUM“ vor, 1x als „PASCHA-FASTEN“ am Karfreitag, also nicht in Bezug auf das Hl. Messopfer.

Wenn vom Pascha-Mysterium gesprochen wird, so wird damit zumeist das Erlösungswerk Christi für die Menschen gemeint, sein Leiden, Tod und Auferstehung. Oft steht es im Textzusammenhang mit dem „Opfer Christi“, „Opfer und Sakrament“, „Eucharistie“.


Daraus geht hervor, dass die Konzilsväter die Hl. Messe auch als Feier des Pascha-Mysteriums zu bezeichnen pflegen. Hier gibt es viele Parallelen zum Begriff der Feier des unblutigen Kreuzesopfers Christi sowie zum Opferlamm, das im Opfermahl verzehrt werden muss.

Es wird darauf hingewiesen, dass der Begriff „OPFER“ (in Bezug auf die Hl. Messe) in dem Dokument SC 12x vorkommt, in LG sogar 17x, der Begriff „PASCHA" dagegen dort überhaupt keine Verwendung findet.



OPFER - Ergebnis:

Der Begriff „OPFER“ in Bezug auf die Hl. Messe kommt in den Konzilsdokumenten 52x vor, davon
17x in LG und
12x in SC.

Mit „Opfer“ bezeichnen die Konzilsväter das, was wir heute meist (nur) als Eucharistie (von griech. ευχαριστία eucharistía „Danksagung“) bezeichnen und drücken damit klar und unmissverständlich das Wesen der Hl. Messe aus: Sie ist zutiefst und zuerst das Opfer Christi, unblutige Erneuerung des Kreuzesopfers, Sühnopfer für die Sünden der Menschheit.

Dass sich dieses Geschehen in Parallele zum Paschafest ereignet, indem das Paschageschehen Vorbild ist für das Opfer Jesu Christi am Kreuz, diese Deutung wird einsichtig dadurch, dass die Konzilsväter in dem Dokument SC 9x vom Pascha-Mysterium Christi in Bezug auf die Hl. Messe sprechen.

Diese beiden Begriffe, „OPFER“ und „PASCHA-MYSTERIUM“ drücken für die Konzilsväter (in Tradition zur Lehre der Kirche) das Wesen und den Charakter der Hl. Messe aus (Christus, das wahre Paschalamm).



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