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Montag, 21. Juli 2014

Prof. Georg May: Die andere Hierarchie - Teil 42: Das Kirchenvolksbegehren von 1995

Prof. Dr. Georg May

Die andere Hierarchie


Teil 42


Verlag Franz Schmitt Siegburg AD 1997


Fortsetzung von hier

§  14  Das sogenannte Kirchenvolksbegehren

Neben den von den Bischöfen eingeführten demokratischen Strukturen gibt es die Basisdemokratie, die sich von den Bischöfen emanzipiert hat. Sie wird von progressistischen Theologen gesteuert und hat ihren vorläufigen Höhepunkt in dem sogenannten "Kirchenvolksbegehren" (Anm.: von 1995) (1) gefunden.

I.  Inhalt und Beurteilung

1.  Inhalt

Der Inhalt des Volksbegehrens ist "eine bewusst unklar gehaltene demagogische Mischung aus Selbstverständlichkeiten, Zweideutigkeiten und einigen Forderungen, die mit dem katholischen Glauben schlicht unvereinbar sind" (2). Manche Äußerungen, die in dem Kirchenvolksbegehren enthalten sind, lassen sich richtig verstehen; aber im Mund der Initiatoren und Propagandisten des Volksbegehrens sind sie mit Sicherheit falsch gemeint. Die aufgeworfenen Fragen sind längst erschöpfend und schlüssig beantwortet, aber den Initiatoren passt die Antwort nicht. Deswegen treten sie an zum Umsturz des Gefüges Kirche.

a) Glaube

Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Initiatoren den katholischen Glauben in wesentlichen Punkten zerstören wollen. Wer Erbsünde, Gericht und Verdammnis aus dem katholischen Bekenntnis streichen will (3), der hat sich vom katholischen Glauben verabschiedet. Wenn die Kirche alles das abschaffen wollte, was heute angeblich oder wirklich nicht mehr verstanden wird, bliebe vom Christentum nicht mehr viel übrig.

"Die Forderungen des Kirchenvolksbegehrens sind nichts anderes als die Symptome einer Glaubenskrise" (4). Leo Scheffczyk hat zu dem Kirchenvolksbegehren festgestellt, "dass es sich hier um eine totale Verkehrung des katholischen Glaubens handelt und um eine Zuspitzung der jahrzehntelangen Glaubenskrise, die nun zu einer nicht mehr zu leugnenden inneren Spaltung der Kirche dieses Landes geführt hat" (5). Kurt Krenn schrieb richtig: "Es steht die Unversehrtheit des Glaubens und die Identität der römisch-katholischen Kirche auf dem Spiel" (6).

b)  Sittlichkeit

Das Kirchenvolksbegehren steht im Dienst der Entschärfung der Botschaft Jesu Christi, es ist ein Unternehmen zur Herstellung größtmöglicher Bequemlichkeiten auf Erden. Sein Ziel ist der Abbau alles Beschwerlichen im Glaubensbekenntnis, in der Sittenlehre und in der Disziplin der Kirche. Was die Masse der Menschen begehrt, weiß man, bevor sie ihr Begehren äußern.

Die Kirchenvolksbegehrer wollen es den Katholiken abnehmen, sich als Katholiken behaupten zu müssen. Wer Warnungen und Hinweise auf die bevorstehenden Übel als Drohungen auffasst, der mag dies tun. Nur richtet sich dann sein Vorwurf gegen den Begründer der christlichen Religion.

Den Kirchenvolksbegehrern ist der Gott des Christentums verlorengegangen. Sie haben sich einen Gott nach ihrem eigenen Bilde geschaffen. Das Kirchenvolksbegehren ist eine Neuauflage des Abfalls der Israeliten von Jahwe und der Zuwendung zum goldenen Kalb.

Hinter dem Schlagwort von der "positiven Bewertung der Sexualität" steht der sexuelle Libertinismus, verbirgt sich nach Robert Spaemann "weltfremde Häresie" (7). Nicht die kirchliche Verkündigung ist auf die Sexualmoral fixiert, sondern die Phalanx ihrer Gegner. "Wenn die Autoren die eindeutige und exklusive Hinordnung der menschlichen Sexualität auf die Ehe im Christentum als einen zu hohen Anspruch ablehnen, dann sollen sie das sagen" (8).

Die Propagierung naturwidriger Empfängnisverhütung, vor- oder außerehelichen Geschlechtsverkehrs und homosexueller Betätigung ist nicht positive Bewertung der Sexualität, sondern Verkehrung der Schöpfungsordnung.

c)  Kirchenverfassung

Das Kirchenvolksbegehren ist der organisierte Aufstand gegen Glauben und Verfassung der Kirche. Die Forderung, die angeblich bestehende "Kluft" zwischen Klerus und Laien zu beseitigen, kann wohl nur dahin verstanden werden, die Struktur der Kirche zu zerstören. Denn in dieser Kirche liegt nun einmal die Leitung beim Klerus.

Mit der "Überwindung der Kluft zwischen Klerus und Laien" ist nicht weniger angezielt als die Eliminierung des sakramental-hierarchischen Priestertums, das nach dem letzten Konzil "dem Wesen nach" vom allgemeinen Priestertum verschieden ist (Lumen gentium Nr. 10).

Wer nicht mehr weiß, was eine sakramentale Weihe ist, vermag allerdings keinen Unterschied zwischen Geweihten und Nichtgeweihten zu erkennen. Hinter dem Begriff der "geschwisterlichen" Kirche verbirgt sich die Attacke auf das Amt göttlichen Rechtes. Übrigens steht die Macht der Räte zu der geschwisterlichen" Kirche, die sich durch herrschaftsfreie Beziehungen auszeichnen soll, im Widerspruch. Wenn es nur noch Gleiche gibt, dann können nicht die Mitglieder des Pfarrgemeinderates Bestimmungen über andere treffen.


II.  Die Wurzeln des Begehrens

1.  Die progressistischen Theologen

Das Kirchenvolksbegehren ist nicht dem gläubigen Volk entsprossen. Hinter ihm stehen vielmehr Theologen, die Falsches lehren.

Das Kirchenvolksbegehren ist der vorläufige Höhepunkt der seit Jahrzehnten ungestörten Wirksamkeit der progressistischen und modernistischen Theologen; die Aktion ist ihr Werk. Die beiden Initiatoren des Kirchenvolksbegehrens in Österreich und Deutschland, Thomas Plankensteiner und Christian Weisner, wurde nicht umsonst der Preis des abgefallenen Theologen Herbert Haag verliehen (9). Die Initiatoren sind verführte Verführer. Zahlreiche Theologen haben ihnen Beifall gespendet und die Menschen zur Unterstützung aufgerufen.

Die Theologen Fuchs, Mette, Greinacher und Steinkamp begrüßten die Zustimmung zu dem Kirchenvolksbegehren und sahen darin eine Parallele zu dem Aufstand gegen das Regime in der DDR (10). Wer die Namen Küng, Drewermann, Greinacher, Zulehner, Eicher und Mette als Befürworter liest, weiß, wohin die Reise geht. "Die alten Geister des Modernismus" (11) kehren zurück und wollen sich durchsetzen.

Bei diesem Begehren wird aus dem Volke heraus gefragt, was die progressistischen und modernistischen Theologen seit Jahrzehnten pausenlos und ohne die Behinderung durch die Bischöfe in das Volk hineingerufen haben, was sogenannte katholische Verlage seit Jahrzehnten an Publikationen in das Volk geworfen haben, die den Glauben zersetzen, die Sittenordnung zerstören und das Recht der Kirche entnerven, was aus sogenannten Katholischen Akademien und sogenannten katholischen Bildungsanstalten an Verführung in das katholische Volk geträufelt worden ist.

2.  Protestantismus

Alle Feinde und Gegner der Kirche stimmten dem Volksbegehren zu. Der "Spiegel" witterte Morgenluft. Die Altkatholiken boten sich offen an als Heimstätte für unzufriedene Katholiken. Selbstverständlich wurde das Kirchenvolksbegehren von protestantischer Seite begrüßt (12). Das ist begreiflich. Denn das Unternehmen nährt sich zur Gänze aus protestantischen Vorstellungen und führt zu protestantischen Verhältnissen; es besorgt die Geschäfte des Protestantismus.

Alle Punkte des sogenannten Volksbegehrens tendieren zum Protestantismus. Die sogenannten Reformer haben keinen einzigen selbständigen Gedanken hervorgebracht; alle ihre Aufstellungen sind Anleihen beim Protestantismus. Nicht zuletzt der massiv betriebene Ökumenismus hat das katholische Volk anfällig gemacht für die Forderungen des Kirchenvolksbegehrens.


( 1)  Aus der beträchtlichen Literatur erwähne ich "Wir sind Kirche". Das Kirchenvolks-Begehren in der Diskussion; Freiburg i. Br. 1995
( 2)  Rheinischer Merkur Nr. 46 vom 17. November 1995 S. 26
( 3)  Deutsche Tagespost Nr. 4 vom 9. Januar 1996 S. 9
( 4)  Deutsche Tagespost Nr. 153 vom 23. Dezember 1995 S. 9
( 5)  Plettenberg, Die Saat geht auf 223
( 6)  Der Fels 27, 1996, 57
( 7)  Rheinischer Merkur Nr. 46 vom 17. November 1995 S. 26
( 8)  Rheinischer Merkur Nr. 46 vom 17. November 1995 S. 26
( 9)  Der Fels 27, 1996, 56
(10)  Fuchs u. a., Das Neue wächst 163-165
(11)  Deutsche Tagespost Nr. 153/4 vom 23. Dezember 1995 S.4
(12)  Materialdienst 146, 1995, 105f


Fortsetzung folgt


Übersicht: Zu den bisher erschienenen Fortsetzungen


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Einige Früchte aus dem Geist des Kirchenvolksbegehrens:

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Weiteres zum Thema "Kirchenvolksbegehren von 1995":

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Mittwoch, 2. Juli 2014

Pfr. Michael Theuerl: Pladoyer für die sakramental-hierarchisch verfasste Kirche

Der Priester Michael Theuerl, Pfarrer der Pfarrei Sanctissima Eucharistia in Teltow, hat mit Datum vom 29.05.2014 (und einen kurzen Anhang vom 03.06.2014) einen offenen Brief an den Bischof von Berlin,  Rainer Maria Kardinal Woelki, geschrieben. In diesem Schreiben warnt er vor der Aufgabe der hierarchischen Verfasstheit der katholischen Kirche durch eine Säkularisierung der Kirche einerseits und einer Klerikalisierung der Laien andererseits und plädiert für eine Umkehr. Pfr. Theuerl schreibt unter anderem:
In der neuen „kooperativen Pastoral“ einer geschwisterlichen Kirche seien alle Seelsorgerinnen und Seelsorger. Der Runde Tisch – ein politisches, weltliches Modell – soll an die Stelle der katholischen Kirche treten. Auf allen Ebenen der Kirche laufen Bemühungen, dieses neue Kirchenmodell durchzusetzen.

Man kann es als die Grundhäresie der westlichen Kirche bezeichnen: die theoretische und faktische Abschaffung des Hirtenamtes, des Apostolischen Amtes und der sakramental-hierarchischen Grundstruktur, die zum Wesen der göttlichen Stiftung Kirche gehört und ohne die man nicht mehr von Katholischer Kirche sprechen kann. 
Genauso wie wir argumentieren, dass mit der Aufwertung der „Homo-Ehe“ die Ehe und Familie relativiert und letztlich zerstört wird, muss man sagen, dass mit der angeblichen Aufwertung der Laien das Apostolische Amt relativiert und die Ortskirche zu Grunde gerichtet wird. Man kann nicht etwas zugestehen, was dem anderen objektiv nicht gegeben ist.

Die Feststellungen von Pfr. Theuerl decken sich mit denen des Kirchenrechtlers Prof. em. Georg May (Mainz), die dieser bereits im Jahre 1997 in dem auch als Buch veröffentlichten Vortrag über "die andere Hierarchie" äußerte und der (nicht als Einziger) vor einer Protestantisierung der katholischen Kirche warnte - freilich ohne bei Bischöfen und Funktionären der Kirche in Deutschland Gehör zu finden.

Mit der "anderen Hierarchie" ist gemeint die Etablierung einer Parallelstruktur von Laien auf allen Ebenen - neben der in der Kirchenverfassung verankerten Hierarchie göttlichen Rechts, die durch geweihte Amtsträger, nämlich durch den Priester bzw. den Bischof als Haupt und Hirte der Gemeinde, verwirklicht ist (vgl. z. B. hier).

Der Priester aus dem Bistum Berlin schreibt weiter:
Letztlich wird die Einbindung des Priesters in eine sog. Pastoral des Runden Tisches zum Ende des Priestertums führen, denn welcher Priester oder Priesterkandidat möchte sich ständig herumärgern mit Leuten, die auch jetzt schon ihre „Informationen“ und „Ideen“ aus Internetforen (auch kirchenfeindlichen) beziehen und einbringen werden; man denke nur an „Kinderkirche“, Liturgiekreise, Kampf um die Durchsetzung des Diakonats der Frau …

Es macht keinen Sinn, schon beim Stand 2014, wo viele sich nicht mehr einig darüber sind, was katholischer Glaube ist, solche Runden Tische zu organisieren, wo offensichtlich zusehends die gemeinsame Basis schwindet und man nicht bereit ist, sich am Katechismus und an der Lehre der Kirche zu orientieren.

Man mag noch so oft betonen, das Hirtenamt werde nicht beschädigt – das Gegenteil ist der Fall bei der „Pastoral des Runden Tisches“. Denn schon rein menschlich wird der Pfarrer auf Dauer sich nicht gegen die Leute am Tisch stellen wollen. Bestenfalls wird er die Rolle als Moderator einnehmen. Das ist aber nicht das Hirtenamt. De facto liegt eine Amtsbehinderung des Pfarrers durch selbstgeschaffene Strukturen vor, die dem Kirchenrecht widersprechen. Jeder, der ein bisschen Ahnung von den jetzigen Problemen beim Personal in den Pfarreien hat, weiß, dass der beabsichtigte Plan rein psychologisch niemals funktionieren wird und darüber hinaus dem Wesen der Kirche widerspricht.

Das Resultat wird kein anderes sein als Streit, Sich Zurückziehen, Dienst nach Vorschrift, Verantwortungslosigkeit oder Burn out und gänzliches Weggehen. Man kann nicht in protestantischen (?) Strukturen katholisch bleiben, selbst dann nicht, wenn die Leute alle ganz nett sind.

Auch dies entspricht dem, wovor Prof. May immer wieder seine Stimme erhob (vgl. z. B. hier). Die neugeschaffenen Strukturen, die es so auch nur in der deutschen bzw. deutschsprachigen Kirche gibt, sind mit dem Kirchenrecht und der hierarchischen Verfassung der Kirche nicht vereinbar. 

Bis jetzt hat sich an der Situation nichts geändert, außer, dass man den falschen Weg noch immer weiter gegangen ist. Es wird Zeit sich zu besinnen und sich endlich aus dieser Schieflage zu befreien. 

Pfr. Theuerl sieht denn auch eine Lösung der zweifelsohne verfahrenen Situation: eine Re-form die sich an der Form orientiert, wie sie war, bevor die große Verwirrung begann:

Man muss nicht neue Strukturen (Pastoraler Raum) oder neue Titel (Pfarrvikar, der nicht mit dem gleichnamigen Titel im CIC identisch ist!) erfinden – Eigenschöpfungen, theologisch und kirchenrechtlich nicht vorgesehen – , sondern man kann ganz normal alle katholischen Strukturen und Titel verwenden, z. B. auch für das Gebiet eines Dekanates: Es gibt einen Pfarrer, mehrere Kapläne, die sich wieder Helfer suchen, sie vor Ort schicken und Anweisungen geben (dazu braucht man keine Pastoralreferenten, die sich im Vespermantel auf den Priestersitz setzen und sich freuen, einen Gottesdienst „selbständig“ zu leiten – nein da betet man Rosenkranz, Laudes, Vesper, oder eine Andacht aus dem Gotteslob, um den falschen Eindruck zu vermeiden, Gottesdienst sei Gottesdienst).

In den Zeiten der Verfolgung in Russland haben sich gläubige Laien beim Vorbeten, Beerdigen, Taufen … immer als Provisorium, als Platzhalter für den Priester verstanden. Dass das hier heute auch so ist, kann man bezweifeln. Auch eine Pfarrei mit über 36.000 Katholiken kann man auf katholische Weise leiten.

Auch der Hinweis und die Beherzigung der Konzilstexte, wie auch der "Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit von Laien am Dienst der Priester"von 1997, können hier, wie Pfr. Theuerl anmerkt, hilfreich sein, um zum katholischen Wesen des Priestertums und zu einer Normalität kirchlicher Verhältnisse zurückzufinden. "Bei allen theologischen Fragen", so Theuerl,"muss man zuerst die Dogmatik bedenken (was ist Sache) und dann erst die Pastoraltheologie (was kann man damit machen); nicht die Frage: Wie bekommen wir alle unter einen Hut, sondern zuerst die Frage: Wo liegt der Hut." 

Oder wie es Michael Karger einmal ausdrückte: "Wenn sich die Pastoral ihre eigene Lehre schafft, wird dies mit der völligen Preisgabe des definierten Glaubens enden. Das Christentum würde zur reinen Lebenspraxis herunternivelliert. Das Handeln kann aber niemals Quelle der Wahrheit sein."

Und fast wörtlich kommt Theuerl zum gleichen Schluss wie der Kirchenrechtler May. Theuerl: "Aber selbst wenn das Verhältnis nicht sonderlich belastet ist, muss man sagen, dass man niemals auf Dauer falsche Strukturen mit guten Leuten retten kann." Und May: "Ich kann und will nicht über die Mitglieder in der Kirche den Stab brechen. Unter ihnen befinden sich zweifellos viele gutwillige, wohlmeinende Personen, welche die Intention haben, der Kirche einen Dienst zu leisten. Doch ein falsches Modell wird durch die gute Absicht von Personen, die in dieses eingefügt sind, nicht richtig."

Schließlich kommt Theuerl zum Wesentlichen: "Die Kirche wird von Christus (nicht durch menschliches Engagement) aufgebaut durch die Eucharistie: Der eucharistische Leib baut den mystischen Leib – die Kirche – auf. Der Mensch ist vor Gott ein Empfangender; Der Glaube kommt vom Hören, nicht vom Machen." Die Kirche lebe aus der Eucharistie und den Sakramenten und sei nicht Menschenwerk, "die würdige Feier der Hl. Messe" sei das Wesentliche.

Ein durch und durch lesenswerter und wichtiger Brief mit besorgniserregenden Beobachtungen zum Zustand der Kirche in Deutschland, offen und mutig vorgetragen von einem Priester, der aus eigener Erfahrung weiß, dass "man als Christ seinen Weg oft allein gehen muß und daß man verlogenen Dialogversuchen eine klare Absage erteilen muß". Ein Brief mit auch ohne großen Aufwand und ohne viel Bürokratie realisierbaren Vorschlägen, um die Misere endlich zu beenden. Noch ist es vielleicht an der Zeit, bevor es zu einem großen Schisma in der deutschen Kirche kommt (das freilich latent schon längst vorhanden ist).

Möge der Brief bei seinem Adressaten (und vielleicht auch bei anderen Verantwortungsträgern in der Kirche) nicht auf taube Ohren stoßen, sondern aufrichtig zu Einsichten führen, die wiederum dazu führen mögen, offensichtlich falsche Wege zu verlassen und mutig auf den richtigen Weg zurückzueilen, damit das Volk Gottes nicht mehr herumirren muss, sondern sicher und bald das Ziel seiner Pilgerschaft erreichen kann...


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Leseempfehlung:

Weitere Kommentare katholischer Blogs zum offenen Brief von Pfr. Theuerl:

Weiteres zum Thema "Demokratie und Hierarchie in der Kirche":


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Samstag, 30. November 2013

Prof. G. May: Die andere Hierarchie - Teil 13: Diözesanforum und Pastoralgespräche

Prof. Dr. Georg May

Die andere Hierarchie

Teil 13


Verlag Franz Schmitt Siegburg AD 1997



IV.  Diözesanforum und Pastoralgespräche

1.  Struktur

Die vielen Räte, die im Zuge der nachkonziliaren Strukturveränderungen geschaffen wurden, reichten anscheinend nicht aus, um dem Bedürfnis nach Reden Genüge zu tun. Viele deutsche Bischöfe riefen in ihrer Blindheit und Schwäche weitere Plattformen für Rederei ins Leben, die sogenannten Diözesanforen und Pastoralgespräche. Diese neuen Einrichtungen wurden geschaffen, um die strengeren Bestimmungen bezüglich der Diözesansynoden zu umgehen.

Ich erwähne das Diözesanforum in der Diözese Freiburg * (9). Das Diözesanforum ist nach der Satzung ein weiteres "Beratungsgremium". Darin vereinigen sich die Mitglieder der drei diözesanen Räte (Priesterrat, Diözesanpastoralrat und Diözesanrat der Katholiken), die Regionaldekane und die Dekane sowie berufenen Mitglieder und verantwortliche Mitarbeiter bei der Leitung der Diözese unter Vorsitz des Bischofs zur gemeinsamen Beratung. Das Diözesanforum soll dazu beitragen, das Leben in der Erzdiözese Freiburg auf der Grundlage des Glaubens zu erneuern und pastorale Orientierungen für die Evangelisierung zu erarbeiten (§1). Das Diözesanforum berät in Plenarsitzungen, Arbeitsgrupen und Kommissionen (§11). Auf die zahlreichen Einzelheiten der Ausgestaltung braucht hier nicht eingegangen zu werden. Die Ordnungen der Diözesanforen in den übrigen Diözesen sind von der Freiburger Satzung nicht wesentlich verschieden (10).


2.  Kritik

a) Einberufung

Schon die Einberufung dieser Foren war eine typische Fehlentscheidung von Bischöfen, die ihrer Führungsaufgabe nicht gewachsen sind.

Die Foren sind vom Ansatz her verfehlt. Sie vernachlässigen die grundlegende hierarchische Struktur der Kirche. Sie erwecken den falschen Anschein, als gebe es in der Kirche eine gleichberechtigte Mitbestimmung demokratisch legitimierter Kirchenglieder, die in Konkurrenz zu den Hirten der Kirche treten. Denn jedes Mitglied dieser Foren kann, wenn es genügend Unterstützung findet, Anträge einbringen und darüber abstimmen lassen. Mögen die so zustande gekommenen Beschlüsse auch lediglich als Voten oder Meinungsbilder firmieren, so erwecken  sie doch den Anschein, dadurch werde von Amts wegen etwas bewegt. Das Ergebnis einer Abstimmung steht als ein Faktum und lässt sich nicht mehr beseitigen.

Der Apostolische Stuhl hat die Gefahren, die der Kirche heute von Diözesansynoden und Diözesanforen drohen, erkannt. Die Instruktion vom 19. März 1997 (11) über die Diözesansynoden hebt hervor, dass der Bischof der einzige Repräsentant der Diözese ist, der ihr als sichtbares Prinzip der Einheit vorsteht. Die Synode als "Vertretung des Volkes Gottes" dem Bischof entgegenzusetzen, steht im Widerspruch zur hierarchischen Verfassung der Kirche. Der Heilige Stuhl hat in dieser Instruktion den lediglich beratenden Charakter von Diözesansynoden deutlich herausgestellt. Es handelt sich dabei nicht um ein sogenanntes Repräsentativorgan des Volkes Gottes, das dem Bischof entgegengestellt wird (Anm.: ebd. Nr. 1). Für die Diözesanforen gilt dasselbe.

Die Einberufung der Foren wird u. a. damit begründet, die Ansichten, die im Volke Gottes umlaufen, der "Diözesanleitung" zu Gehör zu bringen. Diese Begründung ist fadenscheinig. Um den Bischof über den Zustand und die Stimmungslage unter den nachkonziliaren Katholiken zu unterrichten, benötigt er kein aufwändiges Diözesanforum. Dazu braucht er nur die kirchlichen Statistiken anzusehen und Kontakt mit den Menschen zu halten. Wie die Masse der nachkonziliaren Katholiken denkt und was sie will, das ist jedem aufmerksamen und ehrlichen Seelsorger klar. Sie sind durch das geprägt, was die Systemveränderer unter den Theologen seit 35 Jahren in sie hineingerufen haben; nur das kann bei den Diözesanforen wieder an die Oberfläche kommen.

Manche Bischöfe meinen, in diesen Gesprächsrunden werde "Dampf abgelassen". Das soll wohl heißen, wenn man die Leute nur reden lasse, seien sie zufrieden, und die Lage werde sich beruhigen. Dieses Bild ist falsch gewählt. In den Diözesanforen werden nicht berechtigte Anliegen zur Sprache gebracht, sondern dort wird die Agitation der theologischen Falschlehrer auf einer anderen, nunmehr amtlichen Ebene fortgesetzt. Die Atmosphäre wird nicht gereinigt, sondern aufgeheizt. Der endlose Prozess des Redens führt keine einzige Frage einer sachgerechten Lösung zu, vermehrt vielmehr die Konfusion und stärkt die destruktiven Elemente. Das Gespräch klärt nichts, aber verwirrt viele. Die Kirche ist kein Sprechsaal, in dem alle, auch die abweichendsten und verworrensten Ansichten vor der Öffentlichkeit ausgebreitet werden können. Die Kirche ist der Hort der Wahrheit und der Einheit. In ihr haben allein die Wahrheit und die Ordnung Existenzberechtigung.


b)  Gegenstände

Was in den Diözesanforen zur Sprache kommen würde, war klar, bevor sie einberufen wurden. Ich habe jeweils vor ihrer Eröffnung vertrauten Freunden die Gegenstände benannt, die dort aufs Tapet gebracht werden würden, und ich bin jedesmal in vollem Umfang bestätigt worden.

Ich zähle die Punkte auf, welche diese unseligen Veranstaltungen beschäftigen: Frauenordination, Abschaffung des Zölibats der Priester, Weihe verheirateter Männer, unbeschränkte Laienpredigt, Beteiligung der Gemeinden an der Bischofswahl, unterschiedslose Zulassung von Todsündern zur hl. Kommunion (wiederverheiratete Geschiedene), beliebige Empfängnisverhütung (12), Freigabe vorehelicher Sexualität, Billigung nichtehelicher Lebensgemeinschaften, Aufwertung der Homosexualität, ökumenische Exzesse jeder Art (13), gemeinsame Gottesdienste am Sonntagmorgen, Interkommunion.

Mit all diesen Punkten griffen die Foren auf Gegenstände über, für die sie keine Kompetenz haben. Die Appelle der Bischöfe, sich auf Vorschläge und Forderungen zu beschränken, die auf der Ebene des Bistums verwirklicht werden können, blieben erwartungsgemäß ohne jeden Erfolg. Zahlreiche Texte dieser Foren und Gespräche stehen im offenen Widerspruch zu Lehre und Ordnung der Kirche. An nicht wenigen Stellen ist der Affront gegen das Lehramt des Papstes mit den Händen zu greifen (14). Die Gremien wehren  die Angriffe auf die Lehre der Kirche nicht nur nicht ab, sie verstärken sie "medienwirksam durch Voten, die teilweise in eklatantem Widerspruch zum Lehramt der Kirche stehen und schwächen dadurch... den gesamten deutschen Katholizismus zusätzlich von innen" (15).

Nach der Instruktion vom 19. März 1997 darf der Bischof auf Diözesansynoden keine Diskussion über Positionen zulassen, die zur beständigen Lehre der Kirche in Widerspruch stehen oder über die andere kirchliche Autoritäten zu befinden haben. Ebensowenig dürfen derartige Gegenstände in der Form von "Voten" zur Abstimmung gebracht werden. Für die Diözesanforen kann nichts anderes gelten. Manche Gläubigen hegen den Verdacht, dass einigen Bischöfen die gegen Lehre und Ordnung der Kirche gerichteten Anträge und Beschlüsse mancher Diözesanforen gar nicht unwillkommen sind.

Für das Bistum Münster wurde beobachtet, dass im Vorfeld des Forums ausdrücklich über die Bistumszeitung für "die antirömischen Positionen" geworben wurde (16). Teilweise machte sich auf den Foren eine radikale, ja rabiate Laientheologie bemerkbar mit scharfer Aggression gegen Klerus und Hierarchie. Joseph Overath bezeichnet richtig das Kölner Pastoralgespräch als "das Kirchenvolksbegehren auf einer 'höheren' Ebene" (17). Indem man zwischen Voten und Meinungsbildern unterschied, machte man den untauglichen Versuch, die Auflehnung gegen Lehre und Ordnung der Kirche zu verharmlosen.

Insgesamt kann man nur staunen, was für phrasenreiche Dokumente auf den Foren verabschiedet wurden. Die wirklich dringenden, ja unerlässlichen Fragen wurden kaum irgendwo angegangen, geschweige denn mit hilfreichen Vorschlägen beantwortet. Soweit überhaupt Brauchbares zur Sprache kam, war es schon vorher bekannt und wurde versucht umzusetzen. Beachtet wurde aber nicht das Richtige und Vernünftige, sondern das Falsche und Unvernünftige.


c)  Triumph der anderen Hierarchie

Die Diözesanforen sind ein zeitraubendes und kräftezehrendes, völlig überflüssiges, aber um so gefährlichereres Palaver von Leuten, die mehrheitlich weder die wahre Lage der Kirche noch die wirklichen Ursachen der Kirchenkrise zu erkennen imstande oder gewillt sind. Zu selbständiger Beantwortung der aufgeworfenen Fragen sind die Mitglieder nicht in der Lage.

Die Diözesanforen wirken daher lediglich als Lautverstärker jener zersetzenden Ansichten, die seit über 35 Jahren von missvergnügten, verirrten, dem Protestantismus zuneigenden Theologen mit voller Unterstützung der Massenmedien in das Volk hineingerufen werden. Die Diözesanforen sind weithin Tummelplätze und Spielwiesen jener Kräfte, welche die Kirche ihres katholischen Charakters entkleiden wollen; die gutwilligen Gläubigen fungieren dabei als "nützliche Idioten". Walter Hoeres sprach in bezug auf die Diözesanforen richtig von dem "Dauergerede", "das die innerkirchliche Glaubenskrise... lautstark verdeckt" (18).

Was die Foren hervorgebracht haben, sind Berge von Papier. Was sie bewirkt haben, ist Vermehrung der Unzufriedenheit und Gereiztheit, Verminderung der Bereitschaft zu Dienst und Gehorsam, Verbreitung des Verdrusses an Kirche und Religion. Die Diözesanforen und Pastoralgespräche verstärken die Verwirrung und treiben die Verirrungen weiter. Sie sind zu ihrem Teil dafür verantwortlich, dass das Kirchenvolk immer mehr katholischem Denken entfremdet wird. Die Gespräche haben den einzigen Vorteil, aller Welt zu zeigen, dass die Mehrheit der deutschen katholiken unkirchlich und papstfeindlich eingestellt ist. Die Diözesanforen zeigen aber auch den Mitgliedern der kirchlichen Hierarchie, wohin man kommt, wenn man immer neue Plattformen für die Angehörigen der anderen Hierarchie schafft.


 
 * Dem Freiburger "Diözesanforum" entspricht in etwa die derzeitige Freiburger "Diözesanversammlung"
( 9)   Archiv für katholisches Kirchenrecht 160, 1991, 135-140. Vgl. Dokumentation zum Freiburger Diözesanforum. Heft 1: Die Voten. Heft 2: Vorlagen der Kommissionen für die abschließende Sitzungsperiode vom 25. bis 29. Oktober 1992
(10)  Presseamt des Erzbistums Köln im Auftrag ders Diözesanpastoralrates, Arbeitsergebnis des Pastoralgesprächs im Erzbistum Köln, Köln 1994; Pastorales Forum 19.-21. Juni 1944. Dokumentation mit Vorlagen zur 4. Sitzung (München); Beschlüsse des Pastoralforums 1994/95 (erster Teil), Regensburg (Pfarramtsblatt 69, 1996, 306-314); Presseamt des Erzbistums Köln, Schlussvoten und Meinungsbilder. Pastoralgespräch im Erzbistum Köln,  Köln 1996
(11)  L'Osservatore Romano Nr. 29 vom 18. Juli 1997 S. 8-12. Vgl. Herder-Korrespondenz 51, 1997, 426
(12)  In München und in Augsburg lehnten die Beteiligten eine Empfehlung der Natürlichen Familienplanung ab.
(13)  Das Diözesanforum Münster ermutigte die Gatten von Mischehen, sie könnten "aufgrund ihrer Gewissensentscheidung an Abendmahl und Eucharistie der jeweils gastgebenden Kirche teilnehmen". Eine Dreiviertelmehrheit sprach sich für die "Entflechtung von Priesteramt und Zölibat", d.h. für die Beseitigung des Zölibats, aus (Informationen aus Kirche und Welt. Hrsg.: Initiativkreis katholische Laien und Priester in der Diözese Augsburg e.V. Nr.  4/97 S. 3)
(14)  Joseph Overath, Petrusamt und Kölner Pastoralgespräch. Theologisches 26, 1996, 185-192.
(15)  Deutsche Tagespost Nr. 45 vom 12. April vom 12. April 1997 S. 9
(16)  Deutsche Tagespost Nr. 52/53 vom 29. April 1997 S. 13
(17)  Overath, Petrusamt und Kölner Pastoralgespräch 192
(18)  Walter Hoeres, Im Bündel billiger. Foren und Moderatoren: Theologisches 26, 1996,  444-448, hier 444



Fortsetzung folgt in unregelmäßigen Abständen

Mittwoch, 11. September 2013

Das II. Vatikanum lehrt, die Kirche solle wie eine Demokratie sein

Deswegen gibt es Pfarrgemeinderäte...

Sollte das Konzil so etwas gelehrt haben, dann ist es selbst den scharfsichtigsten Lesern nicht gelungen, diesen Abschnitt zu finden.

Die Kirche war nie eine Demokratie und wird nie eine sein. Ihre Struktur ist der Struktur des Himmels nachgebildet, welche eine absolute Monarchie ist mit Gott auf dem Thron. Er ist der Herrscher, und wir sind seine Untertanen. Er ernannte einen Premierminister, Petrus, um in seiner Abwesenheit zu regieren, und stattete ihn mit einem großen Anteil seiner eigenen Autorität als König und Hirte aus (Mt 16,18-19; Joh 21,15-19).

Er stellte dem Petrus in den übrigen Aposteln leitende Mitarbeiter zur Seite. Dieses Regierungsmuster setzt sich heute fort in der  apostolischen Nachfolge des Papstes und der mit ihm vereinten Bischöfe.

Warum haben wir also Pfarrgemeinderäte? Nicht weil die Kirche aus einer Monarchie in eine Demokratie verwandelt worden wäre. Man sollte übrigens Bezeichnungen solcher Art besser für politische Einrichtungen verwenden. Im Hinblick auf die Kirche sind sie nicht recht passend und sollten nur in einem angepassten Sinn gebrauicht werden.

Nein, Pfarrgemeinderäte haben verschiedene praktische Zwecke - Gemeindepfarrern einen Teil der Verwaltungsangelegenheiten abzunehmen, welche genausogut und oft besser von Pfarrmitgliedern erledigt werden können; dem Pastor eine "Rückmeldung von der Basis" zu geben und einen pastoralen Plan für die Pfarrei aufzustellen.

Bei all dem ist der Pfarrgemeinderat ein beratendes, kein gesetzgebendes Organ. Er unterbreitet dem Pastor Empfehlungen, bemächtigt sich aber nicht der Autorität des Pastors oder seiner Pflichten. Der Pfarrer kann seine Autorität, die vom Bischof kommt, nicht zugunsten eines Pfarrgemeinderates niederlegen, aber er kann soviel wie nötig davon übertragen. Selbstverständlich kann er seine rein sakramentalen Funktionen, für die die Priesterweihe vorausgesetzt wird, nicht übertragen.


aus: Karl Keating: Was Katholiken wirklich glauben; Miriam-Verlag Jestetten AD 2000, S. 15/16 (s. Quellen)

 
 
Kirche ist keine Demokratie. Das ist leider ein Missverständnis. Sondern wir sind ausgerichtet auf Christus. Jeder hat seine Aufgabe, seinen Dienst, und den darf er nicht durchführen aus Selbstherrlichkeit oder Machtbewusstsein, sondern im Dienst an Christus und den Gläubigen.“

Bischof Konrad Zdarsa von Augsburg im Interview mit dem „Donaukurier“ am 26.02.2012 (s. kath.net)
 
 
Weiteres zum Thema "Demokratische Strukturen in der Kirche?":

Sonntag, 4. November 2012

Fehlentwicklungen nicht dem Konzil anlasten

"Dass die nachkonziliare Liturgieform mit ihren Fehlentwicklungen und Umbrüchen nicht dem Konzil und seiner – nach wie vor noch nicht wirklich umgesetzten – Liturgiekonstitution anzulasten ist, sei ausdrücklich bemerkt.

Die weithin erfolgte Entfernung des Latein und des Gregorianischen Chorals wie auch die nahezu flächendeckende Aufstellung von Volksaltären können sich keinesfalls auf Vorschriften des Konzils berufen.

Die Etablierung von Pfarrgemeinde-, Dekanats- und Diözesanräten hat – wo nicht mit gesundem Hausverstand durchgeführt – zu einer, wie schon Klaus Mörsdorf kritisch bemerkte, Parallelhierarchie, zu einer mit der sakramental-hierarchischen Struktur nicht zu vereinbarenden „Demokratisierung“ der Kirche und damit zu großen Problemen geführt."

Kirchenhistoriker Walter Kardinal Brandmüller im Gespräch mit Guido Horst; Die Tagespost Nr.128, 25.10.2012



Dienstag, 16. Oktober 2012

Hierarchisches Kirchenbild entspricht nicht dem Willen des Konzils?

In einer Pressemeldung vom 09. Oktober 2012 warnt der 43jährige  BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler vor "rückwärtsgerichteten Tendenzen in unserer Kirche", die seiner Meinung nach vor allem auch in der Diskussion "um die Liturgiereform und die Wiedereinführung des alten Messritus" deutlich werden. Weiter heißt es:
"Wir respektieren den Wunsch einiger, die Eucharistie nach dem früheren Ritus zu feiern. Wir betonen aber, dass das damit einhergehende hierarchische Kirchenbild nicht dem Willen des Konzils entspricht, sich der Welt zu öffnen."
Hier verrät der BDKJ-Bundesvorsitzende, dass er offensichtlich weder die Konzilstexte gelesen noch im Katechismus der Katholischen Kirche nachgeschlagen hat. 

Die Dogmatischen Konstitution Lumen gentium des II. Vatikanums über die Kirche zeichnet auf mannigfache Weise die Kirche in ihrer von Christus hierarchisch verfassten Eigenart. Das dritte Kapitel dieses Konzilsdokumentes titelt: " Die hierarchische Verfassung der Kirche, insbesondere das Bischofsamt" (LG 18ff).

Auch das Dekret Apostolicam actuositatem über das Laienapostolat befasst sich eingehend mit dem Verhältnis und der Zusammenarbeit zwischen der kirchlichen Hierarchie und den apostolischen Werken der Laien. Nicht weniger als 19mal ist darin von der Hierarchie die Rede. (Dekret AA).

Ich darf zusammenfassen, was ich schon an anderer Stelle festgestellt habe:
"Die Konzilsväter lassen keinen Zweifel daran, dass die von Christus gegründete katholische Kirche eine mit hierarchischen Organen ausgestattete Gesellschaft ist und nicht verschieden vom mystischen Leib Christi. Kirche als sichtbare Versammlung und gleichzeitig geistliche Gemeinschaft, die irdische Kirche und die mit himmlischen Gaben beschenkte Kirche sind nicht zwei verschiedene Größen sondern bilden eine einzige komplexe Wirklichkeit (vgl. LG8)
Neben den hierarchischen Organen, die der Heilige Geist dazu bestellt hat, die Kirche Gottes zu leiten, sind die Laien Teilhabende am geheimnisvollen Leib Christi indem sie am hierarchischen Apostolat, der Ausbreitung des Reiches Gottes teilnehmen und zur Ausbreitung und zum Wachstum und zur Vollendung des Volkes Gottes beitragen."

Der Katechismus der katholischen Kirche (KKK), der laut Johannes Paul II. und Benedikt XVI. "eine Frucht des II. Vatikanischen Konzils" ist, hier aber auch nichts anderes als das vorkonziliare Lehramt bestätigt, handelt in Artikel 9 des Credos (ich glaube...die heilige katholische Kirche), Absatz 4 über "die Christgläubigen - Hierarchie, Laien, Ordensleute" (KKK 871ff).

In KKK 877 heißt es unmissverständlich und sich auf das letzte Konzil und damit auch auf vorherige kirchliche Lehre berufend:
Schon zu Beginn seines Wirkens setzte der Herr Jesus die Zwölf ein als „die Keime des neuen Israel und zugleich den Ursprung der heiligen Hierarchie" (AG 5).
Die favorisierte Vision der Kirche von Dirk Tänzler als ein demokratisches Gemeinschaftsmodell dagegen gibt es nicht, weder in der Urkirche, noch vor dem II. Vatikanum und auch nicht in dessen Dokumenten. Dort finden sich keinerlei Anhaltspunkt für eine solche Vorstellung. Die Vokabel Demokratie bzw. demokratisch kommt in den Konzilsdokumenten nicht ein einziges Mal vor (s. HIER).

Schon an diesem Beispiel sieht man, wie wichtig das von Papst und Bischöfen empfohlene Studium des Katechismus und der Konzilstexte ist. Allein dadurch ließen sich viele Missverständnisse und falsche Vorstellungen über den katholischen Glauben  und die Kirche vermeiden. Auch Dirk Tänzler und viele andere - und auch Theologen und Theologinnen - sollten sich dafür nicht zu gut sein. Ein "Den Katechismus allerdings dürft ihr gerne behalten!" dürfte jedenfalls kaum die Antwort auf das große Unwissen in Glaubensfragen sein.



Weiteres zum Thema:

Freitag, 27. Juli 2012

Keine Demokratie ohne Hierarchie


"Im Zeitalter der Demokratien und Republiken wird die Tatsache gerne übersehen, daß die Struktur der Welt hierarchisch ist. Eine Gesellschaft, welche Gott nicht an oberster Stelle anerkennt, ist dem Untergang geweiht. Das beweisen die kommunistischen "Volksdemokratien" und "Volksrepubliken" (Bezeichnungen, die übrigens Pleonasmen, also "weiße Schimmel", sind, weil sowohl Demokratie als auch Republik Fremdwörter für Volksregierung beziehungsweise Volkssache sind). (...)

Da die hierarchische Struktur der Welt eine Tatsache ist, führt jeder Versuch zur Abschaffung der göttlichen Hierarchie zu pervertierten Hierarchien, wie die Terrorhierarchien von Lenin, Stalin, Hitler, Mussolini, Mao und anderen beweisen.

Eine Demokratie ist nur dann lebensfähig, wenn Gott ihr Fundament ist."

Max Thürkauf in: Liebe - Die Ohnmacht des Allmächtigen, Theodizee eines Physikers; AD 2001 (s. Quellen)

Dienstag, 17. Juli 2012

Wie oft kommt die Vokabel "DEMOKRATISCH" in den Texten des II. Vat. vor?

Immer wieder berufen sich Kreise von Katholiken auf das II. Vatikanische Konzil, wenn es darum geht, demokratische Strukturen in der Kirche zu etablieren und mehr Mitbestimmungsrecht und Macht für Laien (die es eigentlich seit dem II. Vatikanum garnicht mehr gebe) zu fordern.

Dafür gibt es aber in den Texten des letzten Konzils keinerlei berechtigende Hinweise. Die Kirche ist klar hierarchisch verfasst, Christus ist ihr Oberhaupt, die Gläubigen sind Glieder am (mystischen) Leibe Christi. Unter den Gläubigen gibt es die Mitglieder der Hierarchie (sakramental zum Dienst am Gottesvolk geweihte Bischöfe und als deren Helfer Priester und Diakone) und die (nicht sakramental geweihten) Laien.


Aber wie sieht es aus mit dem Begriff Demokratie/ demokratisch?


Eigentlich ist die Sache doch eindeutig, oder?



Weiteres zum Thema:

Montag, 21. Mai 2012

II. Vaticanum: Der Begriff "HIERARCHIE" in den Konzilsdokumenten


"Nach Ausweis der Geschichte ist die Christenheit bereits in den ersten Jahrzehnten eine sichtbar organisierte Gemeinschaft, in der alle Autorität, die ausgeübt und anerkannt wird, den Aposteln zusteht. Ihr Dasein und ihre Organisation verdankt sie in keiner Weise der Gemeinschaft, sondern Gott und Christus.

Die Kirche des Evangeliums ist nicht demokratisch oder monarchisch organisiert, sondern hierarchisch. Sie heißt darum Hierarchie = heilige Ordnung." 

Bernhard van Acken, Konvertiten-Katechismus, Verlag Bonifacius-Druckerei Paderborn AD 1952, S.77 (s. Quellen)



 
Fazit:

Die Begriffe HIERARCHIE bzw. HIERARCHISCH (sowie einmal der Begriff HIERARCHE) kommen in den Konzilsdokumenten insgesamt 64mal vor, davon 23mal in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche Lumen Gentium (LG) und 19mal in dem Dekret Apostolicam Actuositatem (AA) über das Laienapostolat.

Die Konzilsväter lassen keinen Zweifel daran, dass die von Christus gegründete katholische Kirche eine mit hierarchischen Organen ausgestattete Gesellschaft ist und nicht verschieden vom mystischen Leib Christi. Kirche als sichtbare Versammlung und gleichzeitig geistliche Gemeinschaft, die irdische Kirche und die mit himmlischen Gaben beschenkte Kirche sind nicht zwei verschiedene Größen sondern bilden eine einzige komplexe Wirklichkeit (vgl. LG8)

Neben den hierarchischen Organen, die der Heilige Geist dazu bestellt hat, die Kirche Gottes zu leiten, sind die Laien Teilhabende am geheimnisvollen Leib Christi indem sie am hierarchischen Apostolat, der Ausbreitung des Reiches Gottes teilnehmen und so zur Ausbreitung, zum Wachstum und zur Vollendung des Volkes Gottes beitragen.

Samstag, 21. April 2012

Wahrheit ist nicht auf Zustimmung angewiesen

Der Schriftsteller und Büchnerpreisträger Martin Mosebach (Jg. 1951) äußert sich in einem Interview mit "welt-online" auf die Frage, ob die Religionen angesichts des wachsenden Atheismus attraktiv genug sind für die Menschen, u. a. über das Wesen der "Wahrheit":

Mosebach: Zuerst muss ich sagen: Ich habe ganz andere Erfahrungen. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die sich haben taufen lassen. Aber wir müssen sowieso anders über Religion sprechen. Entweder die Religion besitzt die Wahrheit über das Wesen des Menschen, seine Herkunft und sein Ziel – oder sie besitzt sie nicht.

Und wenn sie diese Wahrheit besitzt, muss man nicht über sie sprechen wie über eine Kaufhoffiliale, die Kunden verliert, sodass sich der Filialleiter fragt, woran das wohl liegen kann. Die Wahrheit unterliegt nicht einer Mehrheitsabstimmung. Es ist gut für den, der sie erkennt, es ist schlecht für den, der sie nicht erkennt. Die Wahrheit ist auf Zustimmung nicht angewiesen.


Das ganze Interview: bitte HIER klicken!

Donnerstag, 21. Juli 2011

Frischer Wind - Tradition und II.Vatikanisches Konzil

Im Folgenden will ich versuchen, zu erfassen, welche Aussagen das II.Vatikanische Konzil tatsächlich macht.

Ist die römisch-katholische Kirche noch hierarchisch verfasst - oder demokratisch?

Ist die Hl. Messe noch in erster Linie ein Opfer - oder eine Tischgemeinschaft?

Gibt es noch feststehende Glaubensaussagen - oder ist erlaubt was gefällt?

Dieser Blog soll u.a. dazu dienen, frischen Wind und Licht ins Dunkel zu bringen und landläufige falsche Vorstellungen zu den Konzilsdokumenten und Konzilsaussagen zu korrigieren - jedenfalls soweit meine beschränkten Mittel und meine beschränkte Zeit das zulassen.


Spurensuche in den Texten des II. Vatikanums:

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