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Samstag, 30. August 2014

Heilmittel der Barmherzigkeit statt Waffe der Strenge?

Ein - offen erklärtes - Novum in der Kirche ist (...) die Verhaltensänderung gegenüber den Irrtümern. Die Kirche - sagt der Papst (Anm.: Johannes XXIII.) - gebe ihren Widerstand gegen den Irrtum nicht auf, noch schwäche sie ihn ab, ziehe heute aber vor, "das Heilmittel der Barmherzigkeit anzwenden statt die Waffe der Strenge" (1). Sie halte es für angemessener, "die Kraft ihrer Lehre ausgiebig zu erklären, als zu verurteilen" (AAS LIV, S. 792; Hampe, S. 39).

Diese Ankündigung des Prinzips der Barmherzigkeit, das dem der Strenge entgegengesetzt ist, geht an der Tatsache vorbei, dass nach Auffassung der Kirche gerade die Verurteilung des Irrtums ein Werk der Barmherzigkeit ist. Wird nämlich der Irrtum zu Fall gebracht, korrigiert man den Irrenden und bewahrt andere vor dem Irrtum.

Zudem kann es genaugenommen dem Irrtum gegenüber weder Barmherzigkeit noch Strenge geben, denn diese sind dem Mitmenschen zugewandte moralische Tugenden. Den Irrtum bekämpft vielmehr der Intellekt mit einem logischen Akt, der sich einem falschen Urteil widersetzt. Da Barmherzigkeit nach Summa theol. II, II, q.30, a.1 der Schmerz über das Elend des anderen ("Mit-leid") und zugleich der Wunsch ist, ihm zu helfen, kann die Methode der Barmherzigkeit nicht gegenüber dem Irrtum angewandt werden, der ein logisches Faktum jenseits des Elends ist. 

Sie kann nur dem Irrenden gelten, dem man durch Aufzeigen der Wahrheit und Widerlegung des Irrtums beisteht. Mit diesem Beistand bleibt der Papst übrigens auf halbem Wege stehen, weil er vom gesamten Dienst der Kirche am Irrenden nur noch die Präsentierung der Wahrheit übrig lässt, als ob sie allein genüge und man sie weder dem Irrtum entgegensetzen, noch diesen aus der Welt schaffen müsse. Damit würde man den logischen Vorgang der Widerlegung aufgeben, um sich nur noch der Unterweisung in der Wahrheit zu widmen, im Vertrauen auf deren Kraft, Zustimmung zu erwirken und den Irrtum hinfällig zu machen.


(1) Bereits während der Römischen Synode, die an der altbewährten Pädagogik der Kirche festhielt, hatte der Papst der Anregung zugestimmt, einige Normen milder zu gestalten. Zu Mgr. Felici (der im OR vom 25. April 1981 darüber berichtet) hatte er gesagt: "Zwang gefällt heute nicht mehr". Wohlgemerkt: "gefällt" nicht statt "nützt" nichts mehr.


aus : Romano Amerio (1905 - 1997); "Iota Unum"; Edition Kirchliche Umschau; AD 2011; S. 82f

Samstag, 22. Februar 2014

Prof. Georg May: Die andere Hierarchie - Teil 20: Schäden für die Kirche durch Theologen

Prof. Dr. Georg May


Die andere Hierarchie

Teil 20


Verlag Franz Schmitt Siegburg AD 1997


V.  Schäden


1.  Im Allgemeinen

(...) Von den theologischen Lehrstühlen nimmt das Unheil seinen Lauf. Priester und Religionslehrer, Pastoralreferenten und Erwachsenenbildner tragen die falschen Lehren in die Gemeinden. "Echte Propheten haben manchmal, falsche Propheten haben immer fanatische Anhänger" (Marie von Ebner-Eschenbach).

Sie verteufeln das Konzil von Trient, aber verstecken sich hinter dem, was sie als das Zweite Vatikanische Konzil ausgeben. Sie attackieren erbarmungslos jeden Bischof, der den Mut hat, der Zersetzung in der Kirche entgegenzutreten, aber sie berufen sich auf die Bischöfe, die in Königstein die katholische Sittenlehre verbogen haben.

Sie fallen über jeden Priester her, der, gelegen oder ungelegen, Gottes Wort verkündigt und den Gottesdienst gemäß den Vorschriften hält, aber sie weinen Krokodilstränen über jene korrupten Pfaffen, die es dahin getrieben haben, dass selbst der nachsichtigste Bischof ihrem Tun nicht länger zusehen konnte.

Dieselben Leute, die sich sonst nicht genug daran tun können, gegen die "Amtskirche" zu geifern, rufen augenblicklich die Amtskirche zu Hilfe, um Personen, Vereinigungn und Unternehmungen fernzuhalten, die nicht in ihr Konzept passen.

Die Massenmedien wie Presse, Rundfunk und Fernsehen halten sich fast ausschließlich an die progressistischen Theologen. Konsequent katholische Theologen kommen bei ihnen so gut wie überhaupt nicht zu Worte. Ich selbst habe elebt, wie ich von einem Sender eingeladen wurde, zu einer bestinmmten Frage zu sprechen, aber alsbald wieder ausgeladen wurde, als sich in der Vorbesprechung ergab, dass ich den Standpunkt der kirchlichen Autorität teilte.

Eine wichtige Position in der anderen Hierarchie nehmen auch die sogenannten Katholischen Akademien ein. Sie sind, von seltenen Ausnahmen abgesehen, Tummelplätze von Systemveränderern. Thematik, Teilnehmer und Preisgekrönte zeigen eindeutig, in welche Richtung hier gearbeitet wird.

Nach vorsichtigem Urteil wird man für den Bereich der deutschen Sprache festellen müssen, dass die Mehrheit der Theologen der Kirche Schaden zufügt und lediglich eine Minderheit Nutzen stiftet. Erzbischof Dyba sprach von einer "Vergiftung der Atmosphäre in Deutschland" (12). Ihm ist voll und ganz zuzustimmen.


2.  Im Einzelnen

Ich gebe einige Beispiele für den unermesslichen Schaden, den sogenannte katholische Theologen am Glauben anrichten. Dem Siegener Theologen Ingo Broer hat es "nie völlig eingeleuchtet", dass Theologe nur sein kann, wenn man gläubiger Christ ist. (13). Er hat offensichtlich den Zusammenhang von Glaube und Glaubenswissenschaft nicht begriffen. (Anm.: Der Exeget Broer ist Unterzeichner des Memorandums „Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch“.)


a)  Die Erklärung der Heiligen Schrift

Von grundsätzlicher bedeutung ist das, was sich weithin in der sogenannten kaatholischen Exegese tut. Diese Schriftauslegung ist von ständigem Misstrauen gegen die Zeugen des Lebens Jesu, die Gemeinde und die Autoren bzw. Redaktoren der neutestamentlichen Schriften erfüllt.

Sie betrachtet es als ihre Hauptaufgabe, angeblichen Erdichtungen, Verbildungen und Fälschungen auf die Spur zu kommen. Was von den Schrifterklärern als "später" entstanden bzw. eingefügt angesehen wird, ist regelmäßig verdächtig, unecht oder legendär. 

Der Apostel Johannes ist nicht der Verfasser des vierten Evangeliums. Der darin erwähnte Lieblingsjünger ist keine historische Person, sondern "eine fiktive Gestalt, die entsprechend den theologischen Notwendigkeiten gestaltet ist". Die Texte, die vom Lieblingsjünger sprechen, sind Fiktion, stammen nicht vom Jünger selbst, der eine unbekannte Person ist (14).

In dieser sogenannten Wissenschaft gilt regelmäßig jene Auslegung der Bibel als die treffendste, die am meisten Abstriche an der geschichtlichen Wirklichkeit und dem dogmatischen Gehalt macht. Die Ergebnisse des Wirkens der exegetischen Aufklärer sind verheerend. Alle, die unter ihren Einfluß gerieten, betrachten die Evangelien als eine Art Märchenbücher, in denen Phantasien und Interpretamente der Gemeinde ausgebreitet werden, nicht aber authentische Worte und Machttaten des Gottessohnes überliefert werden. In dieser Exegese wird den Dogmen der Kirche der Boden unter den Füßen weggezogen. Der "Großmeister" dieses Betriebs war der Freiburger Exeget Anton Vögtle (15). Das Heer seiner Gefolgsleute ist unübersehbar.


b)  Die Christologie

Die Auflösung erfasst an erster Stelle die Gestalt, das Leben und das Wirken Jesu Christi. Für Ottmar Fuchs ist die Menschwedung des Gottessohnes ein "Theologumenon" (16). Ein Theologumenon ist "ein Satz, der eine theologische Aussage macht, die nicht unmittelbar als amtliche Lehre der Kirche, als zum Glauben verpflichtender Satz des Dogmas betrachtet werden kann" (17).  (Anm.: Der Priester und Pastoraltheologe Ottmar Fuchs ist Unterzeichner des Memorandums „Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch“.)

Nach Rupert Lay war Jesus nicht der Messias, sondern erst die Theologie des Paulus machte aus dem Menschensohn Jesus "den erwarteten Christus, den Erlöser" (18). In einer fundamentaltheologischen Untersuchung, welche die Berechtigung des Christentums erweisen will, steht der enthüllende Satz: "Jesus ist... der göttliche Offenbarer... Er ist nicht mehr als ein Mensch, sondern mehr Mensch" (19).

Nach Verweyen ist es ein Bestandteil "der traditionellen, vor-neuzeitlichen Christologie", zu glauben, dass der irdische Jesus "mit besonderen göttlichen, sprich: herrscherlichen Qualitäten ausgerüstet" war. Ein solches Verständnis Jesu ist nach ihm monophysitistisch verklärte Geschichte (20). Diese Art von Wissenschaft ist nicht imstande, zu klären, ob das Grab Jesu leer war oder nicht. Nach Rupert Lay kann das Grab auch nicht leer gewesen sein (21). (Anm.: Dem Priester, Philosophen und Managerberater Rupert Lay SJ wurde im Jahre 1996 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen.)

Für Ohlig sind die Erzählungen vom leeren Grab "narrativ gehaltene Interpretationen des Osterglaubens unter veränderten kulturellen Bedingungen und somit für die historische Frage nach der Auferstehung Jesu nicht verwertbar" (22). Die Berichte von den Erscheinungen des Auferstandenen "widersprechen sich in so gut wie allen Details". Wenn sie historisch gemeint wären, "müsste man sie... für absolut unglaubwürdig halten" (23). Diese Berichte bezeugen nicht etwa das Sichzeigen des Auferstandenen, sondern lediglich "den Glauben der jeweiligen Gemeinden und Autoren an den Auferstandenen". Der Glaube wird also in (erfundene) Erzählungen umgesetzt (24). Jesus hat sein Leiden nicht angekündigt, sondern die ihm in den Mund gelegten Leidensankündigungen sind "frühchristliche Bekenntnisformeln" (25). (Anm.: Der Religionswissenschaftler Karl-Heinz Ohlig leugnet u.a. auch das Dogma der Dreifaltigkeit Gottes.)

 "Historisch greifbar" sind nach Ohlig weder das leere Grab noch die Erscheinungen des  Auferstandenen, sondern lediglich "der Glaube der Gemeinden und Redaktoren an die Auferstehung Jesu" (26). "Die Auferstehung bzw. das Zeugnis über Erscheinungen des Auferstandenen können eine Begründung von Christologie und Christentum nicht bieten" (27). Die Rede von der Auferstehung ist "metaphorische Sprache" (28). Metaphorisch heißt bildlich, übertragen. Die Rede von der Auferstehung geht nach Ohlig nicht auf ein wunderbares Geschehen, sondern auf irgendeine Bedeutsamkeit zurück.

Die Jesus gegebenen Prädikate wie Messias, Menschensohn, Gottessohn und der Auferstandene "sind nichts anderes als kulturbedingte symbolische Umschreibungen" der "Relevanz" Jesu (29). Ohlig behauptet, "dass es grundsätzlich in der Geschichte keinerlei übergeschichtliche Gewissheit geben kann, solange Geschichte fortdauert" (30). Mit dieser These werden Wirklichkeit und Wahrheit in gleicher Weise aufgehoben. (Anm.: Karl-Heinz Ohlig leitet noch heute die Arbeitstelle für Religionswissenschaft an der Universität Saarbrücken.)


c)  Die Eschata des Einzelnen

Jeder Christ, ja jeder Mensch ist brennend daran interessiert, zu erfahren, welches sein Schicksal nach dem irdischen Tod sein wird. Von den progressistischen Theologen erhält er darauf Antworten, die dem Glauben der Kirche widersprechen.

Nach Gisbert Greshake und Gerhard Lohfink geschieht im Tod des Einzelnen auch die Auferstehung (31). Die ewige Hölle wird keinem einzigen Menschen zuteil (32). Dies ist eine totale Verkehrung der christlichen Botschaft. Ihre Konsequenzen sind klar. Wenn es keine Gefahr gibt, ewig verloren zu gehen, dann bedarf es keiner Rettung vor dem ewigen Verderben, und das Christentum als Heilsveranstaltung und Heilsanstalt wird überflüssig.



(12)  Saka-Informationen 20, 1995,83
(13)  Broer, Der Glaube an die Auferstehung Jesu 51f.
(14)  Joachim Kügler, Der Jünger, den Jesus liebte. Literarische, theologische und historische Untersuchungen zu einer Schlüsselgestalt johanneischer Theologie und Geschichte. Mit einem Exkurs über die Brotrede in Joh 6 (= Stuttgarter Biblische Beiträge 16), Stuttgart 1988, 486 (Anm.: Der Priester und Neutestamentler Joachim Kügler ist Lehrstuhlinhaber an der Universität Bamberg und Unterzeichner des Aufrufs Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch)
(15)  Broer, Der Glaube an die Auferstehung Jesu 57
(16)  Fuchs, Die mythisch-symbolische Dimension 72
(17)  Karl Rahner, Theologoumenon: LThK X, 2. Aufl., 1965, 80
(18)  Lay, Nachkirchliches Christentum 125
(19)  Perry Schmidt-Leukel, Demonstratio christiana, in: Heinrich Döring, Armin Kreiner, Perry Schmidt-Leukel, Den Glauben denken. Neue Wege der Fundamentaltheologie (= Quaestiones disputatae 147), Freiburg i. Br. 1993, 49-145, hier 132
(20)  Verweyen, "Auferstehung" 113
(21)  Lay, Nachkirchliches Christentum136f
(22)  Ohlig, Thesen 84
(23)  Ohlig, Thesen 84
(24)  Ohlig, Thesen 84
(25)  Ohlig, Thesen 85
(26)  Ohlig, Thesen 85
(27)  Ohlig, Thesen 90
(28)  Ohlig, Thesen 92
(29)  Ohlig, Thesen 90
(30)  Ohlig, Thesen 91
(31)  Gisbert Greshake, Jakob Kremer, Resurrectio mortuorum, Darmstadt 1986
(32)  Medhard Kehl, Eschatologie, Würzburg 1986, 295-298; Herbert  Vorgrimler, Hoffnung auf Vollendung. Aufriss der Eschatologie (= Quaestiones disputatae 90), Freiburg i. Br. 1980, 161-163; Gisbert Greshake, Himmel - Hölle - Fegefeuer im Verständnis heutiger Theologie, in: derselbe (Hrsg.), Ungewisses Jenseits. Himmel - Hölle - Fegefeer (= Schriften der Katholischen Akademie in Bayern Bd. 121), Düsseldorf 1986, 79-86



Donnerstag, 6. Februar 2014

Zum Nachdenken - Barmherzigkeit

Gott hat mit dem irrenden Menschen ein unendliches Erbarmen, nur schlägt er oft wunderbare, geheimnisvolle Wege ein, um ihn zur Besinnung zu führen. Weil Gott so barmherzig ist, sollen wir es an Barmherzigkeit nicht fehlen lassen.




Weiteres zum Thema "Barmherzigkeit":

    Freitag, 20. Dezember 2013

    Prof. Georg May: Die andere Hierarchie - Teil 17: Die Theologieprofessoren (2)

    Prof. Dr. Georg May


    Die andere Hierarchie

    Teil 17


    Verlag Franz Schmitt Siegburg AD 1997



    II.  Die Ursurpation des Ersatzlehramtes

     1.  Ansprüche und Forderungen

    Neben und über dem autorisierten Lehramt der Bischöfe hat sich nun seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil das unautorisierte Lehramt der progressistischen Theologen etabliert.

    Es beansprucht nicht weniger, als die Inhalte der Glaubens- und Sittenlehre, aber auch der kirchlichen Disziplin zu erheben, und es erwartet von den Bischöfen, dass sie seinen Vorgaben folgen. Es will nicht etwa bloß den Trägern des Lehramtes einen technischen Dienst erweisen, es will vielmehr bestimmen, was sie zu lehren haben. Die Anmaßung dieser Leute geht so weit, dass sie erwarten, Papst und Bischöfe würden sich von ihnen sagen lassen, wie die Person Jesu, seine Reden und Taten, sein Tod und seine Auferstehung zu verstehen seien. Nicht die Schrift, nicht die Tradition, nicht das Lehramt soll bestimmen, was zu glauben ist, sondern was das Theologenkartell von der Schrift noch übrig lässt.

    Sie rufen nach Freiheit der Wissenschaft, verwechseln aber diese mit dem Recht auf unkirchliche Agitation. Die Aufforderung an das Lehramt, seine Entscheidungen "in argumentativer Weise" vorzutragen und auf "die Macht der Wahrheit und die Kraft der Argumente" zu vertrauen (3), läuft ins Leere. Denn einmal wird jedem Argument, welches das Lehramt vorbringt, ein Gegenargument entgegengestellt, und selbstverständlich finden die aufsässigen Theologen ihre Argumente stichhaltiger als die Argumente des Lehramtes.

    Sodann ist es mit der "Macht der Wahrheit" in einem Bereich, welche der Empirie und dem Experiment entzogen ist, nicht weit her. Die Behauptung, dass sich die Wahrheit des Glaubens aus eigener Kraft, ohne administrative Maßnahmen, durchsetzt, ist erwiesenermaßen falsch. Der Irrtum auf Erden ist unbesiegbar. Denn die Mehrheit der Menschen zieht den bequemen Irrtum der harten Wahrheit vor. Es trifft auch nicht zu, dass sich die theologische Wissenschaft selbst korrigiert. Vielmehr tritt ohne das Regulativ des Lehramtes eine falsche Meinung neben die andere.


    2.  Verteilung von Gunstbezeugungen

    Die Inhaber des Ersatzlehramtes verteilen ihre Gunst je nach dem Verhalten der Träger des Lehramtes. Die Bischöfe können auf Nachsicht rechnen, auch wenn sie sich noch so deutlich als ihrem Amt nicht gewachsen darstellen, solange sie den Vorgaben des theologischen Establishements von München bis Münster folgen.

    Diese Theologen vergelten den Bischöfen die Venachlässigung ihrer Pflichten, Aufsicht zu üben und den Glauben zu schützen, mit der Verleihung des Titels eines Ehrendoktors der Theologie. Ich verweise auf die Herren Lettmann in Münster und Wetter in München. Die Träger des Lehramtes stoßen dagegen sogleich auf unerbittliche Kritik, wenn sie dem Ersatzlehramt nicht folgen. Erst recht gerät der Papst in dessen Feuer, wenn er unbequeme Wahrheiten verkündet oder lästige Forderungen erhebt. 

    In Deutschland besteht beispielsweise eine regelrechte Ablehnungsfront gegen die verbindliche Lehre von der geschlechtlichen Sittlichkeit. Das Ersatzlehramt hat sich gegen das Lehramt durchgesetzt (4) (Anm.: siehe dazu z. B. auch die Theologenantwort zur Forderung einer "neuen Sexualmoral der Kirche" vom Advent (18.12.) 2013).

    Die Träger des Ersatzlehramtes wissen, dass sie unangreifbar sind, sobald sie in Massen auftreten. So bedienen sie sich der Zusammenschlüsse und der Unterschriftenaktionen, um den Trägern des Lehramtes vor Augen zu führen, was sie zu lehren haben. Von 1965 bis 1993 gab es wenigstens 37 öffentliche Erklärungen katholischer Theologen (5). In fast allen wurde gegen die Ordnung der Kirche oder gegen Maßnahmen der kirchlichen Autorität Protest erhoben.

    Ein Skandal ersten Ranges war die sogenannte Kölner Erklärung von 163 aufständischen Theologen im Jahre 1988 (6). Hier wurde der Öffentlichkeit einmal durch die Masse der Namen vorgeführt, wohin es mit der katholischen Theologie in Deutschland gekommen ist. Eine angemessene Reaktion auf dieses unerhörte Papier seitens der katholischen Hierarchie erfolgte nicht. (Anm.: Ein weiteres Beispiel ist das Theologen-Memorandum aus dem Jahre 2011, unterzeichnet von 311 Theologieprofessoren und -professorinnen - davon 240 aus dem deutschsprachigen Raum -, dem ebenfalls von bischöflicher Seite keine Konsequenzen folgten; im Gegenteil fanden einige der deutschen Bischöfe in den lehramtswidrigen Forderungen einen legitimen "Dialogbeitrag".)

    Die Fortsetzung der Kölner Erklärung mit anderen Mitteln war die Gründung der Europäischen Gesellschaft für katholische Theologie. Ihre Mitglieder können jederzeit zu ähnlichen Erklärungen aufgerufen werden. Gesellschaften für katholische Theologie aus mehreren Kontinenten schlossen sich zu einem internationalen Netzwerk zusammen (7). Der etwa fällig werdende nächste Protest kann dank dieser Vernetzung unschwer die ganze Erde erfassen.


    (1)  Fuchs, Zwischen Wahrhaftigkeit und Macht 183
    (2)  Norbert Greinacher, Kirchliches Lehramt und Theologen: Theologische Quartalschrift 160, 1980, 139
    (3)  Kern, Die Theologie und das Lehramt 235
    (4)  May, Der Glaube der nachkonziliaren Kirche 201-203
    (5)  Norbert Greinacher, Cui bono? Über Vergeblichkeit und Nutzen öffentlicher Erklärungen von Theologinnen und Theologen, in: Häring, Kuschel, Hans Küng 129-160, hier 136-153
    (6)  May, Gefahren, die der Kirche drohen 45-48
    (7)  Herder-Korrespondenz 50, 1996,486





    Weiteres zum Thema "Theologie vs Lehramt der Kirche":


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    Samstag, 9. November 2013

    Moral, Moralismus und Moralin

    Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

    Der christliche Glaube sei kein Moralsystem, sein Symbol nicht der erhobene Zeigefinger, die Kirche nicht eine Institution zur Überwachung der Sitten. Mit moralinsauren Predigten erwecke man niemanden zu Begeisterung und Hingabe. Daher solle man den Menschen nicht mit Verboten zu Leibe rücken, sondern ihnen vor allem anderen von Jesus Christus, dem Herrn und Erlöser, und von seiner barmherzigen Liebe erzählen.

    So weit, so gut. Es ist wahr, dass der Moralismus der echten Moral schadet, manchmal mehr als offene Unmoral. Denn worin liegt der Unterschied zwischen Moral und Moralismus? In einer Umkehrung der Verhältnisse. Moral richtet sich nach dem Grundsatz Agere sequitur esse, „Das Handeln folgt dem Sein.“ Christliches Handeln ergibt sich also aus dem christlichen, getauften Sein: aus der Gotteskindschaft, durch die wir Anteil an der göttlichen Natur haben (2 Petr 1,4), und aus der Gliedschaft am Leib Christi, der Kirche. Als derart erhöhte und beschenkte Geschöpfe sollen wir auch unserem neuen Sein entsprechend leben.

    Der hl. Papst Leo der Große gibt eine treffliche Zusammenfassung christlichen Moralverständnisses: „Christ, erkenne deine Würde! Du bist der göttlichen Natur teilhaftig geworden, kehre nicht zu der alten Erbärmlichkeit zurück und lebe nicht unter deiner Würde. Denk an das Haupt und den Leib, dem du als Glied angehörst! Bedenke, daß du der Macht der Finsternis entrissen und in das Licht und das Reich Gottes aufgenommen bist." (vgl. KKK 1691)

    Solchem Primat des Seins vor dem Handeln widersetzt sich der Moralismus. Er stellt die Forderung auf, wir müssten zuerst einmal als anständige, sittliche Menschen handeln, um dann auch Christen sein zu können, und verbindet damit viele Einzelforderungen, die rasch zu einem unüberschaubaren Katalog der Gebote und Verbote anschwillen. Deutlich ins Hintertreffen geraten dabei die Tatsachen, dass Gott uns zuerst geliebt hat (1 Joh 4,19) und Jesus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren (Röm 5,6), dass also die Erwählung, Erlösung und Erhöhung des Menschen – und nicht ein riesenhafter Verhaltenskodex – Grundlage, Mitte und Ziel des christlichen Lebens bilden. Unser Glaube bringt daher die Ablehnung des Moralismus mit sich und unser guter Geschmack die Abneigung gegenüber allem, was sich mit dem Kunstwort „Moralin“ verbindet: penetrante, hochdosierte, oft ungenießbar-salbungsvolle Sittenpredigt.

    Und dennoch, der christliche Glaube ist zutiefst mit sittlichen Anforderungen verbunden. Im Alten Testament tut der Herr dem erwählten Volk seinen Namen kund und schließt mit ihm seinen Bund, nicht ohne es durch sein Gesetz in die Pflicht zu nehmen. Leben mit Gott und Einhalten seiner Gebote sind seither untrennbar miteinander verbunden. Bei Jesus Christus ist es nicht anders: Nur der liebt ihn in Wahrheit, der auch seine Gebote hält (vgl. Joh 14,21); Gebote, die bekanntlich alles andere als anspruchslos sind.

    Nicht selten gewinnt man den Eindruck, manche Kirchenvertreter vermieden es tunlichst, von Moral zu sprechen (ausgenommen die Worte zu sozialer und wirtschaftlicher Moral, die niemandem wehtun), um nicht in Moralismusverdacht zu geraten. Ihre Predigten beschwören unablässig die Freude am Erlöstsein. Die „Nur keine Angst haben!“-Aufrufe und die Ermunterung, möglichst alles positiv zu sehen, erinnern an Animationen eines Psychocoachs. Vom Ernst der Gebote und den Konsequenzen ihrer Übertretung hört man in solchen Zusammenhängen wenig bis nichts.

    Mehrere Irrtümer dürften dem zugrunde liegen: a) die Verwechslung authentischer christlicher Moral mit dem beschriebenen, zutiefst unchristlichen Moralismus; b) die illusorische Meinung, mit Freudenappellen allein lasse sich die Schwerkraft der Sünde überwinden; c) das Vergessen des Verblendungszusammenhanges, in dem sich der Sünder befindet und der ihn weitgehend unfähig macht, die Herrlichkeit des Glaubens recht zu erkennen; d) das Übersehen der Tatsache, dass der heilsame Schrecken, der sich bei einer starken Verkündigung der göttlichen Gebote einstellen mag, für die Zuhörer eine lebensverwandelnde Gnade bedeuten kann.

    Jedenfalls stimmt es traurig, wenn bei katholischen Großveranstaltungen mit jungen Menschen nicht auch die Gelegenheit ergriffen wird, ihnen einige sehr konkrete Dinge für ihr christliches Leben mitzugeben. Diese könnten z.B. die Treue zum unverkürzten katholischen Glauben und den regelmässigen Gottesdienstbesuch betreffen, ebenso die Voraussetzungen für einen würdigen Kommunionempfang, den Schutz des Lebens, die gottgewollte Ordnung im Bereich des Geschlechtlichen sowie den Mut, gegen den Strom zu schwimmen. Solche moralismus- und moralinfreie Moralverkündigung ist notwendig und wendet viele Not.



    Hinweise:
    - mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
    - der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)




    Weiteres zum Thema "Moral im Christenleben":

    Freitag, 30. August 2013

    Der christliche Glaube ist keine Lehre? Doch, ist er.

    Blick in den Chorraum des Limburger Domes

    Immer wieder hört man in der letzten Zeit - selbst von katholischen Predigern, Rednern, Vortragenden, das Christentum, der christliche Glaube, sei keine Lehre - sondern: die Begegnung mit einer Person. Die "persönliche Beziehung zu Jesus Christus" sei nämlich das Eigentliche des Christseins.

    Dass der persönliche Glaube nicht möglich ist ohne das Ergriffen-worden-Sein von Jesus Christus als unserem Retter vor Sünde und Tod und ohne ihm nachzufolgen und uns in ihn umzugestalten, ist eine wahre Feststellung und wer nur nach dem Buchstaben lebt, nicht aber Christus und seine Gebote im Herzen trägt, liebt und danach lebt, der hat nicht verstanden, was es um das Christentum ist. 

    Genauso wahr ist aber, dass Christus uns "eine neue Lehre" kundgetan hat: Er selbst ist diese Lehre, so wie er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Die heilige Katharina von Siena schreibt über die von Gott in Jesus Christus zu uns gesandte Lehre:
    "Daher befestigte Er (Anm.: der Heilige Geist nach der Himmelfahrt des Herrn) den Weg der Lehre, den Meine Wahrheit (Anm.: Jesus Christus) auf Erden zurückließ, und obwohl sie ihrer Gegenwart nach schied, entzog sie weder Ihre Lehre noch die Tugenden, die in der Lehre begründeten wahren Steine. Die Lehre ist der Weg, den euch die süße glorreiche Brücke (Anm.: Jesus Christus) bereitete. Zuerst verwirklichte er sie selbst und bildete mit seinen Werken den Weg; Er vermittelte euch die Lehre durch das Vorbild mehr als durch Worte; ja Er wirkte, ehe er sprach. (vgl. Apg 1,1)

    (...) Seine Lehre ist der Weg; sie wurde, wie ich dir sagte, von den Aposteln bekräftigt, die Märtyrer haben sie mit ihrem Blute besiegelt, das Licht der Kirchenlehrer hat sie erhellt, die Bekenner haben sie bezeugt und die Evangelisten haben sie niedergeschrieben: alle walten sie als Zeugen zum Bekenntnis der Wahrheit im mystischen Leib der heiligen Kirche. Sie sind wie eine auf den Leuchter gestellte Lampe, um den Weg der Wahrheit zu weisen, der hinführt zum Leben im vollkommenen Licht."

    Und dazu gehört die ganz persönliche Begegnung, die Verinnerlichung, die Anwendung der Lehre sozusagen. Katharina von Siena fährt fort:
    "Und wie künden sie dir die Wahrheit? In der Erprobung, denn sie haben sie in sich selber durchgeprobt und bewiesen. So wird jeder Mensch zur Erkenntnis der Wahrheit erleuchtet, wenn er will und nicht durch ungezügelte Selbstsucht das Vernunftlicht sich selber entzieht. Dies ist die Wahrheit, dass Seine Lehre wahr ist und bei uns blieb als ein Boot, um die Seelen aus dem stürmischen Meere zu bergen und hinaufzuführen zum Hafen des Heils.

    So ist Er in jeder Hinsicht, sowohl im Leben wie in der Lehre, Weg, Wahrheit und Leben, und der Weg (Anm.: der Lehre) ist die Brücke, der euch zur Höhe des Himmels führt."

    Zitate aus: Caterina von Siena; Gespräch von Gottes Vorsehung; Johannes Verlag Einsiedeln; AD 1964; S. 39/40

    Die Heilige Schrift, die kirchliche Tradition, das Lehramt der Kirche, sämtliche Heilige und sonstige Zeugen der Wahrheit widersprechen der Behauptung, das Christentum sei keine Lehre...



    Schriftstellen aus dem Neuen Testament, die darlegen, dass Jesus Christus im Namen seines himmlischen Vaters seine Lehre verkündet: "Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat." Er verheißt der jungen Kirche den Beistand des des Heiligen Geistes: "Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. " Und die Apostel verkünden die  göttliche Lehre im Auftrag Jesu in aller Welt: "Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe."
    "Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel..."

    Mt 28 16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.
    17 Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.
    18 Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.
    19 Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
    20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.
    Mt 7,28 Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre

    Mt 11,1 Und es begab sich, als Jesus diese Gebote an seine zwölf Jünger beendet hatte, dass er von dort weiterging, um in ihren Städten zu lehren und zu predigen.

    Mt 22,33 Und als das Volk das hörte, entsetzten sie sich über seine Lehre.

    Mt 23,10 Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus.

    Mk 1,22 Und sie entsetzten sich über seine Lehre; denn er lehrte mit Vollmacht und nicht wie die Schriftgelehrten.

    Mk 1,27 Und sie entsetzten sich alle, sodass sie sich untereinander befragten und sprachen: Was ist das? Eine neue Lehre in Vollmacht! Er gebietet auch den unreinen Geistern und sie gehorchen ihm!

    Mk 4,1 Und er fing abermals an, am See zu lehren. Und es versammelte sich eine sehr große Menge bei ihm, sodass er in ein Boot steigen musste, das im Wasser lag; er setzte sich, und alles Volk stand auf dem Lande am See.

    Mk 6,2 Und als der Sabbat kam, fing er an zu lehren in der Synagoge. Und viele, die zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er das? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche mächtigen Taten, die durch seine Hände geschehen?

    Mk 8,31 Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.

    Mk 11,18 Und es kam vor die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und sie trachteten danach, wie sie ihn umbrächten. Sie fürchteten sich nämlich vor ihm; denn alles Volk verwunderte sich über seine Lehre.

    Lk 1,4 So habe auch ich's für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben,
    damit du den sicheren Grund der Lehre erfährst, in der du unterrichtet bist. 
    Lk 4,32 Und sie verwunderten sich über seine Lehre; denn er predigte mit Vollmacht.  
    Lk 11,1  Und es begab sich, dass er an einem Ort war und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.
    Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.
    Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag
    und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben allen, die an uns schuldig werden. Und führe uns nicht in Versuchung. 
    Joh 3 Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden.
    Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.
    Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.
    Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?
    Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.
    Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.
    Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. 
    Joh 7  14 Aber mitten im Fest ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte.
    15 Und die Juden verwunderten sich und sprachen: Wie kann dieser die Schrift verstehen, wenn er es doch nicht gelernt hat?
    16 Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.
    17 Wenn jemand dessen Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede.
    18 Wer von sich selbst aus redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm. 
    Joh 14,26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.  

    Joh 18 19 Der Hohepriester befragte nun Jesus über seine Jünger und über seine Lehre.
    20 Jesus antwortete ihm: Ich habe frei und offen vor aller Welt geredet. Ich habe allezeit gelehrt in der Synagoge und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet.
    21 Was fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe. Siehe, sie wissen, was ich gesagt habe.
    Apg 2,42 Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. 

    Apg 5 25 Da kam jemand, der berichtete ihnen: Siehe, die Männer, die ihr ins Gefängnis geworfen habt, stehen im Tempel und lehren das Volk.
    26 Da ging der Hauptmann mit den Knechten hin und holte sie, doch nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten sich vor dem Volk, dass sie gesteinigt würden.
    27 Und sie brachten sie und stellten sie vor den Hohen Rat. Und der Hohepriester fragte sie
    28 und sprach: Haben wir euch nicht streng geboten, in diesem Namen nicht zu lehren? Und seht, ihr habt Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre und wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen.
    29 Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
    Apg 5,42 und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hier und dort in den Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesus Christus.  

    Apg 13,12 Als der Statthalter sah, was geschehen war, wurde er gläubig und verwunderte sich über die Lehre des Herrn. 
    Apg 17 18 Einige Philosophen aber, Epikureer und Stoiker, stritten mit ihm. Und einige von ihnen sprachen: Was will dieser Schwätzer sagen? Andere aber: Es sieht so aus, als wolle er fremde Götter verkündigen. Er hatte ihnen nämlich das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung verkündigt.
    19 Sie nahmen ihn aber mit und führten ihn auf den Areopag und sprachen: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du lehrst? 
    Apg 19Er (Paulus) ging aber in die Synagoge und predigte frei und offen drei Monate lang, lehrte und überzeugte sie von dem Reich Gottes.
    Als aber einige verstockt waren und nicht glaubten und vor der Menge übel redeten von der Lehre, trennte er sich von ihnen und sonderte auch die Jünger ab und redete täglich in der Schule des Tyrannus. 
    Apg 22,4 Ich (Paulus) habe die neue Lehre verfolgt bis auf den Tod; ich band Männer und Frauen und warf sie ins Gefängnis...
    Röm 6,17 Gott sei aber gedankt, dass ihr Knechte der Sünde "gewesen" seid, aber nun von Herzen gehorsam geworden der Gestalt der Lehre, der ihr ergeben seid. 
    Röm 16,17 Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, dass ihr euch in Acht nehmt vor denen, die Zwietracht und Ärgernis anrichten entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und euch von ihnen abwendet. 
    1Kor 4,17 Aus demselben Grund habe ich (Paulus) Timotheus zu euch gesandt, der mein lieber und getreuer Sohn ist in dem Herrn, damit er euch erinnere an meine Weisungen in Christus Jesus, wie ich sie überall in allen Gemeinden lehre
    Kol 1,28 24 Nun freue ich mich in den Leiden, die ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleisch, was an den Leiden Christi noch fehlt, für seinen Leib, das ist die Gemeinde.
    25 Ihr Diener bin ich geworden durch das Amt, das Gott mir gegeben hat, dass ich euch sein Wort reichlich predigen soll,
    26 nämlich das Geheimnis, das verborgen war seit ewigen Zeiten und Geschlechtern, nun aber ist es offenbart seinen Heiligen,
    27 denen Gott kundtun wollte, was der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, nämlich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.
    28 Den verkündigen wir und ermahnen alle Menschen und lehren alle Menschen in aller Weisheit, damit wir einen jeden Menschen in Christus vollkommen machen.
    29 Dafür mühe ich mich auch ab und ringe in der Kraft dessen, der in mir kräftig wirkt.
    2Thess 2,15 So steht nun fest, liebe Brüder, und haltet euch an die Lehre, in der ihr durch uns unterwiesen worden seid, es sei durch Wort oder Brief von uns.
    2Thess 3,6 Wir gebieten euch aber, liebe Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr euch zurückzieht von jedem Bruder, der unordentlich lebt und nicht nach der Lehre, die ihr von uns empfangen habt. 
    1Tim 1 3 Du weißt, wie ich dich ermahnt habe, in Ephesus zu bleiben, als ich nach Mazedonien zog, und einigen zu gebieten, dass sie nicht anders lehren,
    auch nicht Acht haben auf die Fabeln und Geschlechtsregister, die kein Ende haben und eher Fragen aufbringen, als dass sie dem Ratschluss Gottes im Glauben dienen.
    Die Hauptsumme aller Unterweisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.
    Davon sind einige abgeirrt und haben sich hingewandt zu unnützem Geschwätz,
    7 wollen die Schrift meistern und verstehen selber nicht, was sie sagen oder was sie so fest behaupten.
    Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn es jemand recht gebraucht,
    weil er weiß, dass dem Gerechten kein Gesetz gegeben ist, sondern den Ungerechten und Ungehorsamen, den Gottlosen und Sündern, den Unheiligen und Ungeistlichen, den Vatermördern und Muttermördern, den Totschlägern,
    10 den Unzüchtigen, den Knabenschändern, den Menschenhändlern, den Lügnern, den Meineidigen und wenn noch etwas anderes der heilsamen Lehre zuwider ist,
    11 nach dem Evangelium von der Herrlichkeit des seligen Gottes, das mir anvertraut ist. 
    1Tim 2,7 Dazu bin ich eingesetzt als Prediger und Apostel - ich sage die Wahrheit und lüge nicht -, als Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit.  

    1Tim 4Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert.
    10 Denn dafür arbeiten und kämpfen wir, weil wir unsre Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt haben, welcher ist der Heiland aller Menschen, besonders der Gläubigen.
    11 Dies gebiete und lehre.
    12 Niemand verachte dich wegen deiner Jugend; du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit.
    13 Fahre fort mit Vorlesen, mit Ermahnen, mit Lehren, bis ich komme. 
    1Tim 4,16 Hab Acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Stücken! Denn wenn du das tust, wirst du dich selbst retten und die, die dich hören.  

    1Tim 5,17 Die Ältesten, die der Gemeinde gut vorstehen, die halte man zwiefacher Ehre wert, besonders, die sich mühen im Wort und in der Lehre
    1Tim 6,1 Alle, die als Sklaven unter dem Joch sind, sollen ihre Herren aller Ehre wert halten, damit nicht der Name Gottes und die Lehre verlästert werde.  

    1Tim 6Wenn jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unseres Herrn Jesus Christus und bei der Lehre, die dem Glauben gemäß ist,
    der ist aufgeblasen und weiß nichts, sondern hat die Seuche der Fragen und Wortgefechte. Daraus entspringen Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn,
    Schulgezänk solcher Menschen, die zerrüttete Sinne haben und der Wahrheit beraubt sind, die meinen, Frömmigkeit sei ein Gewerbe. 
    2Tim 2,2 Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.
    2Tim 3,10 Du aber bist mir gefolgt in der Lehre, im Leben, im Streben, im Glauben, in der Langmut, in der Liebe, in der Geduld...

    2Tim 3,16 14 Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast
    15 und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus.
    16 Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit...
    2Tim 4So ermahne ich dich inständig vor Gott und Christus Jesus, der da kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich:
    Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre.
    Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken,
    und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren.
    Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus. 
    Tit 1,9 er halte sich an das Wort der Lehre, das gewiss ist, damit er die Kraft habe, zu ermahnen mit der heilsamen Lehre und zurechtzuweisen, die widersprechen.  

    Tit 2Desgleichen ermahne die jungen Männer, dass sie besonnen seien
    in allen Dingen. Dich selbst aber mache zum Vorbild guter Werke mit unverfälschter Lehre, mit Ehrbarkeit,
    mit heilsamem und untadeligem Wort, damit der Widersacher beschämt werde und nichts Böses habe, das er uns nachsagen kann.
     
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    Montag, 5. August 2013

    Abt Martin Werlen von Einsiedeln: Es gibt nur eine Kirche - und die ist katholisch!


    Recht hat er! Wenigstens in diesem Punkt. Und dennoch vertritt er eine Irrlehre...

    Und auch wenn er in der SonntagsZeitung vom 04. August 2013 schreibt: "(...) von Kirchen im Plural sollten wir konsequent nur mehr sprechen, wenn wir die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche meinen" entspricht das dem, was die Kirche lehrt (nämlich die sog. Teil- oder Ortskirchen der römisch-katholischen Kirche). Allerdings fangen hier schon Zweideutigkeiten an, denn er meint damit nicht (nur) die Teil- oder Ortskirchen, sondern auch die Gemeinschaften anderer christlicher Bekenntnisse... Das widerspricht der katholischen Lehre (s. u.).

    Völlig korrekt, wenn er schreibt:
    "Paulus prägte das Bild: Kirche ist Leib Christi. Damit wird klar, warum es nicht mehrere Kirchen geben kann. Es gibt nur eine Kirche, wie es nur einen Leib Christi gibt. Und diese Kirche ist katholisch - der Begriff leitet sich vom Griechischen ab und bedeutet ursprünglich 'allumfassend'."
    Recht hat er aber auch, wenn er mit dem II. Vatikanischen Konzil feststellt, dass die Spaltung der Kirche und das Gehen eigener Wege dem Willen Christi widerspricht und ein Ärgernis für die Welt und ein Schaden für die heilige Sache ist (vgl. Dekret "Ut redintegratio", Vorwort).

    Schwieriger, um nicht zu sagen: falsch, wird es, wenn der Abt von Einsiedeln behauptet, dass die römisch-katholische Kirche Konfession lediglich eine der unzähligen Abspaltungen von der einen Kirche Jesu Christi sei. Tatsächlich: er behauptet, die heilige Mutter Kirche sei überhaupt keine Kirche, sondern nur eine von vielen "Konfessionen", die alle gemeinsam "das Profil der einen Kirche" suchen würden. Werlen geht hier den umgekehrten Weg als die, die gleich allen Konfessionen ein "Kirche-Sein" zusprechen. Sagen jene, die (römisch-) katholische Kirche ist eine unter vielen anderen Kirchen - ohne Alleinstellungsmerkmal - so bestreitet Werlen für alle christlichen Glaubensge-meinschaften, einschließlich der (römisch-) katholischen, wirklich die im Glaubensbekenntnis genannte Kirche zu sein.

    Sehr befremdlich sein Aufruf an die Gläubigen, auch die katholische Kirche nicht mehr Kirche zu nennen, weil auch sie angeblich das "Profil der einen Kirche" suchen müsse:
    "Wir alle - zu welcher Konfession auch immer wir gehören - müssen heute miteinander das Profil der einen Kirche suchen. Dafür müssen wir alle immer neu reformiert werden. Tragen wir zu dieser unaufschiebbaren Aufgabe bei, indem wir nicht mehr von Kirche schreiben und sprechen, wenn wir eine Konfession meinen!"

    Richtig ist, dass es "zur Trennung recht großer Gemeinschaften von der vollen Gemeinschaft der katholischen Kirche [kam], oft nicht ohne Schuld der Menschen auf beiden Seiten". "Wer an Christus glaubt und in der rechten Weise die Taufe empfangen hat, steht dadurch in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche". Die "katholische Kirche betrachtet sie (Anm.die Getrennten) als Brüder". Die Überwindung der nicht-katholischen Merkmale, die der vollkommenen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche entgegenstehen und die Rückkehr zur Einheit im Glauben ist das Ziel der "Ökumenischen Bewegung". (vgl UR 3)

    Werlen kann sich mit seiner These, es gebe keine Kirchen außer "der einen" (offenbar noch nicht real existierenden) Kirche, deren Profil von allen "Konfessionen", darunter auch der, die sich zur Zeit (römisch-) "katholische Kirche" nenne, gesucht werde, weder auf das II. Vatikanische Konzil, noch auf die Tradition der Kirche und ihr Lehramt berufen. Vielmehr ist seine Behauptung eine irrige Lehre, der in zahlreichen Dokumenten des Lehramtes ausdrücklich widersprochen wird.

    Aber hören wir dazu noch Erzbischof Guido Pozzo, der vor wenigen Tagen wieder zum Sekretär der unter der Glaubenskongregation stehenden Kommission "Ecclesia Dei" enannt wurde (aus einem Vortrag aus dem Jahre 2010):
    5. Um eine authentische Interpretation des Konzils auf der Linie einer Entwicklung in der wesentlichen Kontinuität mit der traditionellen Lehre der Kirche wiederzugewinnen, ist es notwendig zu unterstreichen, daß die Elemente der „Heiligung und der Wahrheit“, die die anderen Kirchen oder Gemeinschaften mit der katholischen Kirche gemeinsam haben, zusammen die Basis für die gegenseitige kirchliche Gemeinschaft und das Fundament bilden, das diese Kirche beziehungsweise Gemeinschaften in wahrhafter, authentischer und wirklicher Weise charakterisiert.

    Es wäre dennoch für die Vollständigkeit notwendig hinzuzufügen, daß, insofern jene etwas zu eigen haben, das nicht von der katholischen Kirche geteilt wird und das so diese Gemeinschaften von ihr trennt, diese Gemeinschaften als Nicht-Kirche kennzeichnet. Jene also sind „Werkzeuge des Heils“ (UR 3) für jenen Teil, den sie mit der katholischen Kirche gemeinsam haben und ihre Gläubigen können das Heil erlangen, indem sie diesem gemeinsamen Teil folgen; für jenen Teil jedoch, der der katholischen Kirche fremd oder ihr entgegengesetzt ist, sind sie nicht Werkzeuge des Heils (außer es handelt sich um das unüberwindbar irrende Gewissen; in diesem Fall ist ihr Irrtum nicht ihnen zuzuschreiben, obgleich man dennoch das Gewissen als irrend bezeichnen muß) [vgl. z. B. das Faktum der Weihe von Frauen zum Priestertum oder Episkopat oder die Weihe von homosexuellen Personen in gewissen anglikanischen oder altkatholischen Gemeinschaften].

    6. Das II. Vaticanum lehrt, daß alle Getauften als solche in Christus eingegliedert sind (UR 3), aber zugleich stellt es fest, daß man nur von einer aliqua communio, etsi non perfecta, zwischen den an Christus glaubenden und getauften Nicht-Katholiken einerseits und der katholischen Kirche andererseits sprechen könne (UR 3).

    Die Taufe begründet das sakramentale Band der Einheit der Glaubenden in Christus. Dennoch ist sie per se sozusagen nur der Beginn und Anfang, weil die Taufe innerlich danach strebt, das ganze Leben in Christus zu erlangen. Deshalb ist die Taufe auf das unversehrte Bekenntnis des Glaubens hingeordnet, auf die vollständige Gemeinschaft in der von Christus gewollten Institution des Heils, die die Kirche ist, und schließlich auf die vollständige Einfügung in die eucharistische Gemeinschaft (UR 22).

    Es ist also evident, daß die Zugehörigkeit zur Kirche nicht vollständig bewahrt sein kann, wenn das Leben der Taufe ein objektiv defektes und verfälschtes sakramentales und doktrinelles Gefolge hat. Eine Kirche ist im vollen Sinne nur da auszumachen, wo sich die notwendigen und unverzichtbaren „heiligen“ Elemente vereint finden, die sie als Kirche begründen: Die apostolische Sukzession (die die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri einschließt), die Sakramente, die Heilige Schrift. Wenn eines dieser Elemente fehlt oder mangelhaft vorhanden ist, wird die kirchliche Wirklichkeit in Proportion zum entsprechenden Mangel verfälscht.
    Insbesondere kann der Begriff „Kirche“ legitim auf die getrennten Ostkirchen angewandt werden, hingegen nicht auf die Gemeinschaften, die aus der Reformation hervorgegangen sind, weil bei jenen das Fehlen der apostolischen Sukzession und der Verlust des größten Teils der Sakramente und speziell der Eucharistie, einen wesentlichen Teil ihrer Kirchlichkeit verwunden und schwächen (cf. Dominus Iesus, 16 e 17).


    Man vergleiche die Behauptung des Einsiedelner Abtes Martin Werlen mit den Ausführungen des kirchlichen Lehramtes in den Dokumenten der Kongregation für die Glaubenslehre:

    Siehe auch:

     +      +      +


    Die einzige Kirche Christi

    Eine einzige ist die Kirche, »die unser Heiland nach seiner Auferstehung der Hirtensorge Petri übertragen hat (vgl. Joh 21, 17), in der er ihm und den anderen Aposteln ihre Ausbreitung und Leitung anvertraute (vgl. Mt 18, 18 ff.) und sie für immer zur Säule und zum Halt der Wahrheit machte (vgl. 1 Tim 3, 15)«.

    Diese Kirche Christi, »in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird«.3 Diese Erklärung des II. Vatikanischen Konzils wird vom selben Konzil durch die Worte erläutert, nach denen man »nur... durch die katholische Kirche Christi, die das allgemeine Mittel des Heiles ist, Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben kann«4 und daß dieselbe katholische Kirche »mit dem ganzen Reichtum der von Gott geoffenbarten Wahrheit und der Gnadenmittel beschenkt ist«,5 mit dem Christus die messianische Gemeinde ausstatten wollte.

    Das schließt nicht aus, daß sie während ihrer irdischen Pilgerschaft »Sünder in ihrem eigenen Schoße umfaßt. Sie ist zugleich heilig und stets der Reinigung bedürftig«.6 Ferner sind »außerhalb ihres Gefüges«, namentlich in den Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften, die nicht in vollkommener Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, »vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen«.7

    Aus diesem Grund »müssen die Katholiken die wahrhaft christlichen Güter aus dem gemeinsamen Erbe, die sich bei den von uns getrennten Brüdern finden, mit Freude anerkennen und hochschätzen«.8 Sie sollen sich in gemeinsamem Bemühen um Läuterung und Erneuerung für die Wiederherstellung der Einheit aller Christen einsetzen,9 damit sich der Wille Christi erfüllt und die Trennung der Christen nicht weiter ein Hindernis für die Verkündigung des Evangeliums in der Welt darstellt.10

    Dennoch müssen dieselben Katholiken bekennen, daß sie durch das Geschenk der göttlichen Gnade zu jener Kirche gehören, die Christus gegründet hat und die von den Nachfolgern Petri und der übrigen Apostel geleitet wird. Diese sind die Träger der unverfälschten, lebendigen und ursprünglichen Ordnung und Lehre der apostolischen Gemeinde, die das unvergängliche Erbe der Wahrheit und Heiligkeit darstellt.11

    Darum ist es den Gläubigen nicht erlaubt, sich die Kirche Christi so vorzustellen, als ob sie nichts anderes sei als irgendeine Summe – geteilt zwar, aber doch noch irgendwie eins – von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften; noch steht es ihnen frei anzunehmen, daß die Kirche Christi heute nirgends mehr wirklich existiert, so daß sie nur noch als ein Ziel aufgefaßt werden kann, das alle Kirchen und Gemeinschaften zu suchen haben.


    3 II. Vat. Konzil: Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 8; Constitutiones Decreta Declarationes, editio Secretariae Generalis, Typis Polyglottis Vaticanis, 1966, S. 104 f.
    4 II. Vat. Konzil: Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio, Nr. 3; Const. Decr. Decl., S. 250.
    5 Ebd., Nr. 4; Const. Decr. Decl., S. 252.
    6 II. Vat. Konzil: Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 8; Const. Decr. Decl., S. 106.
    7 Ebd.; Const. Decr. Decl., S. 105.
    8 II. Vat. Konzil: Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio, Nr. 4; Const. Decr. Decl, S. 253.
    9 Vgl. ebd., Nr. 6-8; Const. Decr. Decl., S. 255-258.
    10 Vgl. ebd., Nr. 1; Const. Decl. Decl., S. 243.
    11 Vgl. Paul VI., Enzykl. Ecclesiam suam, AAS 56 (1964), S. 629.

    aus: Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre "Mysterium Ecclesiae"



     Hervorhebungen durch Fettdruck von FW

    Freitag, 26. Juli 2013

    FÜR ist auch DAGEGEN...




    Die Herausstellung der Wahrheit lässt sich nicht von der Widerlegung des Irrtums trennen.


    Dietrich von Hildebrand; Ästhetik 1; Verlag W. Kohlhammer Stuttgart; AD 1977, S. 16 (s. Quellen)



    Donnerstag, 25. April 2013

    "Stellvertreter Christi auf Erden" - ein unverzichtbarer Titel des Papstes


    Der Münchner Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie, Bertram Stubenrauch, meint, der Begriff "Stellvertreter Christi", der unter anderen ein Titel des Nachfolgers Petri ist, sei missverständlich und müsse deswegen abgeschafft werden. Wo aber kämen wir hin, wenn die Kirche all die Dinge und Begriffe, die falsch (oder garnicht mehr) verstanden werden könnten, abschaffen (oder verfälschen) würde: den Begriff der "Erbsünde", z. B,. oder die "Jungfräulichkeit Mariens", usw.?

    Wohlgemerkt behauptet er nicht, dass dieser Titel falsch wäre, im Gegenteil: zu Recht nennt er selbst als Gegenargument "einen biblischen Bezug, nämlich im Johannes-Evangelium, Kapitel 21. Dort ist dem Petrus ein Hirtenauftrag im Namen Jesu zugesprochen".

    Nur wegen des möglichen Missverständnisses (es könne jemand meinen, dass jede Äußerung des Papstes unfehlbar sei, anstatt nur jene die er im Rahmen des Unfehlbarkeitsdogmas trifft), meint Stubenrauch, dass der Titel abgeschafft gehört. Diesem befürchteten Irrtum scheint der Theologe jedoch selbst zu erliegen, wenn er auf die Frage, ob das Papstamt mit jenem Titel "überhöht" würde, antwortet: "Ja. Vor allem stellt sich damit die Frage, ob alles, was der Papst tut oder lehrt, unmittelbare Lehre und unmittelbares Tun Jesu Christi ist."

    Halten wir fest: der Titel ist zutreffend und gerechtfertigt - und durch die Tradition bestätigt. Es fehlt aber an der Vermittlung vonseiten der Kirche, Klerikern wie Laien, damit die Menschen, die verstehen wollen, verstehen können. Verstehen, was es mit dem Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes auf sich hat und was der Titel "Stellvertreter Christi" oder auch "Stellvertreter Gottes auf Erden" bedeutet. Dem könnte man abhelfen, ganz einfach dadurch, dass man die fraglichen Begriffe den Menschen, die es nicht wissen, erklärt, einfach erklärt, oder z. B. indem man Katechesen darüber anbietet.

    Der Nachfolger des hl. Petrus und Bischof von Rom ist das auf Erden sichtbare Haupt der ganzen Kirche. Das Haupt aber ist er nur deswegen, weil Christus ihn als seinen Statthalter, als seinen Stellvertreter, eingesetzt hat. Wäre er nicht Stellvertreter Christi auf Erden, hätte er keine Legitimation dazu, in Christi Namen das in der Zeit und in der Welt sichtbare Haupt der Universalkirche zu sein.

    Stubenrauch beruft sich auf das Zweite Vatikanische Konzil. Hören wir, was die Dogmatische Konstitution "Lumen gentium" über die Kirche und den "Stellvertreter Christi" sagt:

    Diese Heilige Synode setzt den Weg des ersten Vatikanischen Konzils fort und lehrt und erklärt feierlich mit ihm, daß der ewige Hirt Jesus Christus die heilige Kirche gebaut hat, indem er die Apostel sandte wie er selbst gesandt war vom Vater (vgl. Joh 20,21). Er wollte, daß deren Nachfolger, das heißt die Bischöfe, in seiner Kirche bis zur Vollendung der Weltzeit Hirten sein sollten. Damit aber der Episkopat selbst einer und ungeteilt sei, hat er den heiligen Petrus an die Spitze der übrigen Apostel gestellt und in ihm ein immerwährendes und sichtbares Prinzip und Fundament der Glaubenseinheit und der Gemeinschaft eingesetzt (1). Diese Lehre über Einrichtung, Dauer, Gewalt und Sinn des dem Bischof von Rom zukommenden heiligen Primates sowie über dessen unfehlbares Lehramt legt die Heilige Synode abermals allen Gläubigen fest zu glauben vor. Das damals Begonnene fortführend, hat sie sich entschlossen, nun die Lehre von den Bischöfen, den Nachfolgern der Apostel, die mit dem Nachfolger Petri, dem Stellvertreter Christi (2) und sichtbaren Haupt der ganzen Kirche, zusammen das Haus des lebendigen Gottes leiten, vor allen zu bekennen und zu erklären.
    (1) Vgl. I. Vat. Konzil, Sess. IV, Const. Dogm. Pastor æternus: Denz. 1821 (3050f).
    (2) Vgl. Konzil v. Florenz, Decretum pro Græcis: Denz. 694 (1307) u. I. Vat. Konzil: ebd. Denz. 1826 (3059). 
    II. Vatikanum; Dogmatische Konstitution "Lumen gentium" (LG) 18

    und später in LG 22:
    Der Bischof von Rom hat nämlich kraft seines Amtes als Stellvertreter Christi und Hirt der ganzen Kirche volle, höchste und universale Gewalt über die Kirche und kann sie immer frei ausüben. Die Ordnung der Bischöfe aber, die dem Kollegium der Apostel im Lehr- und Hirtenamt nachfolgt, ja, in welcher die Körperschaft der Apostel immerfort weiter besteht, ist gemeinsam mit ihrem Haupt, dem Bischof von Rom, und niemals ohne dieses Haupt, gleichfalls Träger der höchsten und vollen Gewalt über die ganze Kirche. Diese Gewalt kann nur unter Zustimmung des Bischofs von Rom ausgeübt werden. Der Herr hat allein Simon zum Fels und Schlüsselträger der Kirche bestellt (vgl. Mt 16,18-19) und ihn als Hirten seiner ganzen Herde eingesetzt (vgl. Joh 21,15 ff).

    "Im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils wäre es eine sinnvolle Konsequenz, den Titel fallen zu lassen - was die meisten meiner Kollegen und Kolleginnen ähnlich sehen", meint Stubenrauch. Wie die Texte des II. Vatikanums, insbesondere die Dogmatische Konstitution "Lumen gentium" unmissverständlich (!) darlegen, ist das ein absoluter Trugschluss und gerade das Gegenteil, nämlich eine deutliche Bestätigung und ein Beharren auf den Titel des "Stellvertreters Christi" ist das Anliegen des II. Vatikanums - in Bestätigung der gesamten lebendigen Tradition der Lehre der Kirche über das Papstamt (*s.u.).

    Stubenrauch macht sich Sorgen um eine "Abgehobenheit" des Papstes und  mangelnden "Raum für Kollegialität": Die Kollegialität der Bischöfe ist (z. B.) im Zweiten Vatikanum eindeutig erklärt worden (vgl. LG 22) und wird durch die Sonderstellung des Nachfolgers Petri nicht beeinträchtigt. Es gibt dazu genügend Gestaltungsmöglichkeiten. Würde aber der Titel des "Stellvertreters Christi auf Erden" "gestrichen" und nicht mehr genannt, wäre es nicht mehr zu erklären, warum der Papst unter den übrigen Bischöfen eine Sonderstellung innehat, warum er "sichtbares Haupt der Universalkirche" sein soll. Denn nur durch seine - durch Christus selbst verliehene - Statthalterrolle (vgl. Mt 16,18; ) ist diese Sonderstellung begründet. 

    Sagen wir es ganz offen: Es ist für die Kirche absolut schädlich, den Nachfolger Petri nicht mehr als "Stellvertreter Christi" zu bezeichnen. Das rüttelt an den Fundamenten der Kirche, so wie sie von Christus gelegt sind. Die gesamte Lehrtradition über das Papstamt würde damit verworfen und die Kirche ihrer Identität beraubt.

    Deswegen kann die "Abschaffung" des Stellvertreter-Titels keine sinnvolle Lösung sein, sondern nur die forcierte Erläuterung dessen, was es mit diesem Titel, wie mit dem Unfehlbarkeitsdogma auf sich hat. Hier tut nicht Resignation sondern Verkündigung not. So lernen die Menschen verstehen, dass die Kirche nicht sich selbst oder die Meinung des Papstamt-Inhabers verkündet, sondern immer und ausschließlich Jesus Christus, der das Haupt seiner Kirche ist. Nichts anderes ist die Aufgabe des Papstes, als Christus zu verkünden, seine Brüder im Glauben zu stärken und "das immerwährende und sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit sowohl von Bischöfen als auch von Gläubigen" (LG 23) zu sein.


    (* s.o.)
    Berufung auf die bis auf die apostolische Lehre zurückgehende Tradition:
    Gestützt auf die offenkundigen Zeugnisse der heiligen Schriften und im Anschluss an die bestimmten und deutlichen Beschlüsse unserer Vorgänger, der römischen Päpste, wie auch der Allgemeinen Kirchenversammlungen, erneuern wir die Entscheidung der Allgemeinen Kirchenversammlung von Florenz, wonach alle Christgläubigen glauben müssen, "dass der Heilige Apostolische Stuhl und der römische Bischof den Vorrang über den ganzen Erdkreis innehat, weiter, dass dieser römische Bischof Nachfolger des heiligen Petrus, des Apostelfürdten, wahrer Stellvertreter Christi, Haupt der gesamten Kirche und vater und Lehrer aller Christen ist; dass ihm von unserem Herrn Jesus Christus im heiligen Petrus die volle gewalt übergeben ist, die ganze Kirche zu weiden, zu regieren und zu verwalten, wie es die Verhandlungsberichte der Allgemeinen Kirchenversammlungen und die heiligen Rechtssätze enthalten". (I. Vatikanum, 4. Sitzung ; 1870; DS 3059; NR 444)

     Siehe dazu auch: 

    Buchempfehlung:

    Leo Kardinal Scheffczyk:
    Das Unwandelbare im Petrusamt
    Morus Verlag Berlin 1971














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