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Dienstag, 18. November 2014

Bischof Oster: Glaubensmangel führt zur Entfremdung von Gott und zu Unverständnis für ein Leben aus dem Glauben


Seit gut einem halben Jahr ist der Salesianer Don Boscos und Dogmatiker Dr. Stefan Oster Bischof des Bistums Passau. Seitdem meldet sich der derzeit jüngste deutsche Oberhirte immer wieder mit deutlichen Klartexten zu Wort, sei es in Predigten oder in kurzen schriftlichen Erklärungen zu derzeit diskutierten und hinterfragten Haltungen und Lehren der Kirche.

Nun hat sich Bischof Oster zur Sexualmoral der Kirche geäußert: Er sei wiederholt - auch auf FB - gefragt worden, wie er denn zu den verschiedenen Spielarten der sexuellen Praxis der Menschen stünde. Er folge, so Oster, in seiner Antwort mit Überzeugung der Position der Kirche...

Bischof Oster führt die Schwierigkeiten, die viele Gläubigen mit einem Leben nach Gottes Geboten und der Lehre der Kirche haben, zurück auf einen Mangel an christlichem Glauben, Mangel an realer Erfahrung von Bekehrung und Verwandlung in den "neuen Menschen" und einer nicht vollzogenen konkreten Erneuerung des Lebens in der Nachfolge Christi. Bischof Oster schreibt:

Der Glaube daran, dass Gott in Christus wirklich da ist, dass er uns real und schon in diesem Leben, berühren, heilen, verwandeln kann in neues, besseres, gottbezogenes und gottgefälliges Leben, dieser Glaube scheint, in unseren Breiten in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr zu verdunsten. Wie viele glauben wirklich noch, dass Christus das Leben eines Einzelnen tatsächlich im Hier und Jetzt spürbar erneuern kann? Wie viele glauben wirklich noch, dass sie durch Christus „neu geboren“ (Joh 3,3) sind, tatsächlich „neue Schöpfung“ (2 Kor 5,17) sind? Und zwar so, dass sie es an realen und konkreten Lebensvollzügen festmachen können? Die Schrift ist aber voll davon, dass die Brüder und Schwestern jetzt wo sie, den Glauben angenommen haben, ihrem alten Leben entronnen sind, ihrer Gefangenschaft in solchen Bedürfnissen, Trieben und Egoismen, die auf alles mögliche, aber nicht auf Gott hin orientiert waren (vgl. 1 Petr 1,14; 2 Petr 1,9, Hebr 10,32; 1 Thess 1,9; Kol 3,7; Eph 4,17-­‐20 u.a.).

Wer hat in volkskirchlichen Breiten, in denen der Glaube von Jahr zu Jahr, von Generation zu Generation schwindet, denn noch die reale Erfahrung von Bekehrung und wer hätte konsequent auch noch zusätzlich das Bestreben, kraft einer geduldigen, beständigen, alltäglichen Bekehrung mit der Hilfe Gottes ein neuer Mensch, ein echter Christ zu werden? Einer, der Gott, der Christus kennt, der ihm wirklich nachfolgen, der sein Kreuz tragen will? Einer, der von ihm die Fülle und die Freude erwartet und diese nicht leicht verwechselt mit den Freuden, die nur diese´Welt gibt?,All das ist Kern einer christlichen Anthropologie und des christlichen Menschenbildes, von dem wir – ohne diesen Kern wahrzunehmen -­‐ all zu schnell und damit oft auch allzu weich gespült in unserem gesellschaftlichen Diskurs reden.

Bischof Oster entlarvt auch das Gerede von einem anspruchs-losen Gott und seiner bedingungs-losen Erlösung des Menschen aus seiner misslichen Lage, aus  der Verstrickung in Sünde und Schuld. Es reicht nicht aus, zu wissen und wahrzunehmen, dass Gott uns Erlösung geschenkt hat. Der Mensch muss die Erlösung auch annehmen, indem er sich bekehrt und umwandeln lässt. Nicht Gott muss sich dem Menschen anpassen, sondern der Mensch ist gerufen, Gottes Anspruch zum Heil(ig)-Werden ernstzunehmen. Das heißt nicht, dass Gott zwingt - nein, seine Liebe ist absichtslos -, aber wenn der Mensch ergriffen ist von der Liebe Gottes, so ist ihm Gottes Gesetz und Wille das Mittel, um dem Geliebten nahe zu sein, sich Gottes Willen anzugleichen und heil(ig) zu werden:

Wer hätte denn noch wirklich Ehrfurcht vor der Gegenwart Gottes in einem Gotteshaus? Wer fällt hier wirklich angesichts seiner Gegenwart noch voller ernsthafter Demut auf die Knie, weil er weiß, wer Gott ist und wer er selbst im Verhältnis zu diesem Gott ist? Und wer blendet umgekehrt nicht gerne die Tatsache aus, dass der vermeintlich so liebe Jesus in etwa einem Drittel seiner Worte im Neuen Testament Gerichtsworte spricht oder Gerichtsgleichnisse erzählt? Es sind Worte, in denen er den Menschen zur Entscheidung auffordert für ihn und zwar ganz und entschieden. Wer müht sich denn noch „mit Furcht und Zittern“ (Phil 2,12) um sein Heil, wie es Paulus nahe legt, weil nach der Schrift und aus der Sicht Jesu völlig ohne Zweifel die Möglichkeit besteht, auch verloren zu gehen? Viel mehr aber noch ist Paulus von der Hoffnung getragen, dass er, der Allmächtige, uns aus Liebe zu neuen Menschen machen will und schon damit begonnen hat.
In dem Augenblick aber, wo alle diese Erfahrungen eben keine mehr sind, nicht mehr nachvollziehbar sind, nicht mehr im Kirchenvolk erlebt, erzählt, tradiert werden, in dem Augenblick kann es im Grunde auch gar nicht mehr sein, dass wir einen Anspruch von Gott selbst an uns wahrnehmen. Einen Anspruch von dem, der uns heiligen will. Der Anspruch wird verdünnt und reduziert auf ein nur mehr gedachtes Gesetz, und von hier ist der nächste Schritt nur ein ganz kleiner, der dann sagt: „Das gedachte Gesetz hat sich die Kirche aus-­‐gedacht, um uns zu knechtenUnd jetzt wo die Zeiten sich ändern, muss sie das Gesetz auch ändern!“ Der Anspruch,in der Kirche durch Gottes Gegenwart geheiligt zu werden, ist fast gänzlich in Vergessenheit geraten. Gutes Leben ist jetzt, was alle gut finden; die Gesellschaft als Messlatte für einen, hoffentlich nicht allzu zu anspruchsvollen Humanismus. Und nur die Kirche ist dann schlecht und von gestern, weil sie uns unser gutes, heutiges Leben nicht gönnt!
Säkularisierung bedeutet auch, "dass der innere Abstand der Menschen von Gott heute offenbar wieder größer geworden" sei. Dies bedeute eine Entfremdung von Gott, die aus Osters Sicht durch Bekehrung und erneute Hinwendung zum Gott des Lebens und das Bekenntnis zum menschgewordenen Gott in Jesus Christus überwunden werden kann.

Osters Bekenntnis im Hinblick auf die Sexuallehre der Kirche ist eindeutig:

[M]enschliche Sexualität [ist] in diese Bewegung der Heilung und Heiligung mit hineingenommen und bleibt gerade nicht davon unberührt. Und von diesem Anspruch her gibt es von Gott bejahte und konkret vollzogene sexuelle Aktivität in ihrer ganzheitlichen Zielrichtung auch nur ganz oder gar nicht. Das heißt nur und ausschließlich in einer Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, mit der Offenheit auf Lebensweitergabe, mit Verbindlichkeit und Treue und der Sorge um das gegenseitige Wohl der Ehepartner – bis zum Lebensende wenigstens eines der Partner.
Und:
Analoges zu dem, was eben über christliche Ehe gesagt wurde, gilt nun aber auch für diejenigen, die an Christus glauben, die seine Realpräsenz in unserer Welt bejahen, und beispielsweise keinen Partner finden oder etwa einen gleichgeschlechtlichen Partner ersehnen, weil sie Menschen mit homosexuellen Neigungen  sind. (...)

Ehrlicher, tiefer Glaube kann also beispielsweise dem Single helfen, ein froher Single zu bleiben und er kann dem Menschen mit homosexueller Neigung helfen, auch ohne die volle sexuelle Erfahrung erfüllt zu leben bzw. sich von Gott in ein Leben hinein führen zu lassen, das seinem Willen entspricht. Und er kann auch einem von seinem Partner getrennt lebenden Verheirateten die Kraft geben, diese Situation mit ihm zu tragen.

Damit bestätigt Bischof Oster die Feststellung Kardinal Scheffczyks in dessen Auseinandersetzung um Eucharistie, Ehesakrament und Zulassung zur Kommuniomn, dass es hier um eine Frage des Glaubens und des Unglaubens - bzw. des Glaubensmangels - geht. Was Scheffczyk mit Blick auf die Frage der Unauflöslichkeit der Ehe sagt, beklagt Oster in Bezug auf die Gesamthaltung des weitgehend von Gott entfremdeten Menschen zur Lehre der Kirche. Kardinal Scheffczyk schrieb in seiner Untersuchung "Eucharistie und Ehesakrament" Folgendes:

Wenn die Kirche dieser Haltung stattgeben und die Kommuniongemeinschaft erlauben würde, gäbe es in der Kirche Eheleute, die die Unauflöslichkeit der Ehe mit allen ihren bisweilen bis zur menschlichen Tragik reichenden Konsequenzen um der göttlichen Wertordnung willen festhalten, und andere, die überzeugt einer anderen Wertordnung folgen.

Hier stehen sich tatsächlich nicht mehr zwei verschiedene Gewissensentscheidungen gegenüber (was auch schon für das Wesen der Kirche manche peinliche Frage zuließe), sondern zwei veschiedene Wert- und Glaubensordnungen. Es stehen sich im Grunde Glaube und Unglaube (oder Glaubensmangel) gegenüber.

Die Kirche kann es nicht zulassen, daß in ihr völlig verschiedene Wertordnungen Geltung haben und verschiedene Glaubensauffassungen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Es ist dann nicht nur die Gefahr gegeben, daß die leichtere Praxis zahlenmäßig die Oberhand gewinnt, sondern daß aus dem materiellen Unglauben ein formaler wird.

Die Kirche könnte sich aber auch bei Gleichstellung des Glaubens mit dem materiellen Unglauben nicht mehr als Gemeinschaft der Glaubenden, der an einem Glauben Festhaltenden (vgl. Eph 4,5) bezeichnen.

Es lohnt sich, die "unzeitgemäßen Gedanken" des Bischofs von Passau in voller Länge zu lesen (ebenso wie die Lektüre von Kardinal Scheffczyk). Es wird sich zeigen, ob Bischof Oster seine Überzeugung auch gegen eine Bischofskonferenz, deren Bischöfe in der Mehrheit den Positionen Kardinal Walter Kaspers zustimmen und das Problem des Unglaubens bei Kirchenvolk und -leitung nicht sieht oder sehen wollen, durchsetzen kann. Vielleicht aber finden nun auch andere Bischöfe wieder Mut und folgen seinem guten Beispiel, die Lehre der Kirche authentisch zu verkünden, so wie es ihre Aufgabe wäre.


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Samstag, 23. August 2014

Die Rettung des Menschen, der in seiner Würde bedroht ist - In Maria erkennen wir Ziel und Sinn unseres irdischen Lebens


In unserer Zeit bewegt sich alles um den Menschen. Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit sind die großen Leitworte unserer Zeit. Aber genauer besehen, bleiben es doch nur Worte; denn in Wirklichkeit hat man das Wissen um die Größe und Würde des Menschen verloren. Im Grunde versteht man in der Freizeit-, in der Erlebnis- und Spaßgesellschaft den Menschen vor allem von seiner Fähigkeit her, Lust zu erleben und genießen zu können. Wenn er das noch nicht oder nicht mehr kann, wie im Mutterleib oder im Greisenalter, dann darf man ihn auch beseitigen.

So bestätigt sich bei allem Gerede von Freiheit und Würde des Menschen die Erkenntnis, dass die Gesellschaft dem Menschen die Freiheit und die Würde tatsächlich aberkennt. Deshalb darf man unter christlichem Blickwinkel von der heutigen Zeit sagen: Es geht in ihr um die Rettung des Menschen, der in seiner Würde bedroht ist. Man kann dem Menschen aber seine unbedingte Würde nur erhalten, wenn man ihn von Gott her und auf Gott hin denkt; denn vollkommene, unbedingte Würde kann dem Menschen nur von einem vollkommenen und unbedingten Wesen her kommen. Das freilich ist nur Gott.

An der Gestalt Marias, der in den Himmel Aufgenommenen, geht uns nun aber die höchste Würde des Menschen auf, der von Gott her kommt und für die Vereinigung mit Gott geschaffen ist; denn das selige Einssein mit Gott ist der Himmel. Auf dieses Ziel hin muss auch unser Leben ausgerichtet sein. Sonst gleichen wir Wanderern, die nicht wissen, wohin sie gehen, deren Leben deshalb ziel- und sinnlos wird. Leider leben viele in dem Irrtum, dass der Gedanke an den Himmel das irdische Dasein irgendwie behindere, es schmälere oder es untüchtig mache. Sie lassen sich nicht beeindrucken von dem Wort des Dichters: „Wir bauen hier so feste, und sind doch nichts als Gäste. Doch, wo wir werden ewig sein, da richten wir uns wenig ein“.

Der Blick auf die verherrlichte Gottesmutter, die auch uns das Ziel weist, sollte uns wieder überzeugen: Das Wissen um die zukünftige restlose Gemeinschaft mit dem Herrn ist dem irdischen Dasein nicht hinderlich. Im Gegenteil: Es bewahrt uns vor der Verkrampfung in diese Welt, als ob sie das Ein‑und‑Alles wäre; es gibt uns Kraft, Zuversicht und Hoffnung auf das eigentliche vollendete Leben bei Gott.

Diese Hoffnung sollte am heutigen Festtag (Anm.: Maria Himmelfahrt) mit neuer Kraft in uns aufbrechen; denn Maria zeigt uns nicht nur das Vollendungsziel auf; nach einem uralten marianischen Titel ist sie auch die „Himmelsleiter“, die uns mit dem himmlischen Leben verbindet und uns zum Himmel führt. Vertrauen wir uns heute wieder dieser Leiter an. Dann wird uns dieses Leben gelingen und für uns die Vorstufe zum eigentlichen Leben werden, das uns Maria durch die Gnade Christi schenken will.


aus der Predigt von Leo Kardinal Scheffczyk zum Fest Mariä Himmelfahrt im Jahre 2001 (Quelle: Das Werk FSO)

Donnerstag, 17. April 2014

Will Kardinal Kasper die Sexualmoral der Kirche revolutionieren?

Bloggerkollege Michael Schäfer (Theodor) von "Summa summarum" hat einen offenen Brief an Kardinal Kasper gschrieben und ihm einige wesentliche Fragen bezüglich des "Evangeliums von der Familie" gestellt. Dann beschreibt er die drastischen Konsequenzen für die Kirche, wenn diese den Vorstellungen des Kardinals folgen würde:
"Erlauben Sie mir abschließend noch einen Blick auf die systematischen Folgen der von Ihnen vorgeschlagenen geänderten Praxis im Umgang mit den Wiederverheirateten Geschiedenen. Mir scheint es so zu sein, dass die Kirche nur die Wahl hat, den Vollzug der „Akte, die Eheleuten vorbehalten sind“ außerhalb der sakramentalen Ehe weiterhin als Ehebruch zu betrachten (mit den bisherigen Folgen) oder eine moralische Legitimität solcher Akte auch außerhalb dieser Ehe für grundsätzlich möglich zu halten.

Diese moralische Legitimität muss dann an etwas anderem als der sakramentalen Ehe festgemacht werden, z.B. am Bestehen einer „personalen Liebesbeziehung“, eines Sachverhaltes, der nicht mehr den Charakter eines öffentlichen Vertrages hat, sondern letztlich nur vor dem „forum internum“ überprüft werden kann. Mir ist nicht klar, mit welchem Argument man anderen Formen der außerehelichen „gelebten Sexualität“ eine so verstandene Legitimität grundsätzlich absprechen wollte. Die Forderung des Zweiten Vatikanischen Konzils nach einer „sauberen Brautzeit“ (Gaudium et Spes 49) wäre keine schlechthin verpflichtende Norm mehr.

In der Konsequenz würde die Kirche dann auf die Verkündigung einer verbindlichen Sexualmoral im überkommenen Sinne ganz verzichten. Ihre Lehre wäre dann nicht mehr Verkündigung eines objektiven „Gebotes vom Herrn“ (1 Kor 7,10), sondern „Orientierungshilfe“ für eine subjektive Gewissensentscheidung, die von ihr in jedem Fall zu respektieren wäre."

Diese Erkenntnis ist erschütternd und zeigt, wie selbst auf hoher hierarchischer Ebene der Glaube in Gefahr gebracht wird. Der Dogmatiker Leo Kardinal Scheffczyk, der nachgewiesen hat, dass es sich bei der Frage der Zulassung von zivil wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten (ob Bußsakrament oder der heiligen Kommunion ist im Grunde eins) um eine dogmatische Frage handelt, und die deswegen nicht "pragmatisch" zu lösen ist, schließt seine Untersuchung mit den Worten:
"So weist diese Fragestellung (Anm.: der Zulassung der zivil wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion) auf ein tiefer liegendes Problem hin, das heute untergründig viele Auseinandersetzungen in der Kirche bestimmt. Es liegt genauerhin in der Frage, welcher Wert dem lehrhaften Glauben und seiner Durchsetzung in der Praxis zukommt. Wenn an dieser Stelle Konzessionen gemacht werden, erledigt sich natürlich auch das hier behandelte Problem. Wenn man dazu bereit ist, sollte man aber auch weiterfragen und zusehen, wie vieles andere im Glauben und Leben der Kirche "erledigt" werden wird."

Das heißt, wenn eine Relativierung des lehrhaften Glaubens stattfindet und alles der subjektiven Gewissensentscheidung des (Un-)Gläubigen überlassen würde, dessen Gewissen sich aber nicht an der Wahrheit, sondern an eigenen Wertesystemen orientiert, dann ist die Aufgabe des gesamten Lehramtes die Folge.

Aber so weit wird es selbstverständlich nicht kommen, denn dem kirchlichen Lehramt ist die Leitung durch den Heiligen Geistes zugesagt. Die Kirche ist und bleibt die "Säule und das Fundament der Wahrheit" (1 Tim 3,15). Dem Lehramt folgend können wir sicher sein, die Wahrheit zu leben und dem Wort Gottes zu folgen. Wer also gerettet werden will, der folgt der Stimme des guten Hirten Jesus Christus in der Kirche, denn es ist gewiss, dass nur im Glauben der Kirche das Heil erlangt werden kann (vgl. II. Vatikanisches Konzil "Ad gentes" 7). Fürchtet euch also nicht!

Der vollständige Wortlaut des offenen Briefes an Kardinal Kasper hier auf "Summa summarum" oder auch hier auf kath.net.


Dazu die vielleicht einzige vernünftige Lösung dieser ganzen unseligen Diskussionen:


Weiteres zum Thema:

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Dienstag, 4. Februar 2014

Fehlentwicklungen im Bistum Limburg: Kirchenhistoriker Walter Brandmüller bestätigt Kircherechtler Georg May

Am vergangenen Samstag veröffentlichte "Die Tagespost" einen Beitrag des Kirchenhistorikers Walter Brandmüller über die Vorgeschichte des derzeit in der Diözese Limburg bestehenden Konfliktes über die Richtung der Pastoral und dem Selbstverständnis von Kirche generell. Der Kardinal und ehemalige "Chefhistoriker der vatikanischen Kurie" legt dar, dass es sich von Seiten einer laiendemokratischen Bewegung im Bistum - leider  oftmals mit klerikaler Unterstützung bzw. Duldung - um eine verhängnisvolle Fehleinschätzung und einem Unverständnis des tatsächlichen Wesens der von Christus gegründeten Verfassung der Kirche handelt. Brandmüller schreibt über dieses Missverständnis:
Es ging nicht so sehr um das Apostolat in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur, sondern – wie es einmal formuliert wurde – um das „Apostolat der Laien in (Anm.: innerhalb) der Kirche“.

Dem entsprach dann auch die Präambel zum Entwurf dieser „Synodalordnung“: „Das Volk Gottes im Bistum Limburg ... gibt sich folgende Grundordnung ...“. Das allerdings war auch Ausdruck eines Verständnisses von Kirche, das nicht mit dem Glauben der Kirche vereinbar war: die sakramental-hierarchische Verfassung war hier durch ein demokratisches Modell ersetzt. „Alle Gewalt geht vom Volke aus“, hieß es da, während Jesus zu den Aposteln sagt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch ...“. Gegen diese verfälschende Umdeutung erhob der bedeutende Münchener Kirchenrechtler und Konzilsperitus Klaus Mörsdorf entschiedenen Protest: 'Vorstellungen dieser Art stehen in offenem und unlöslichem Widerspruch zu der vom Konzil vorgetragenen Lehre von der Kirche als dem neuen Gottesvolk.'

Die Errichtung verschiedener Laiengremien, die von vornherein ihre Aufgabe darin sahen, der kirchlichen Hierarchie das alleinige (göttliche) Recht des Leitungsamtes streitig zu machen, führten trotz Widerstand des damaligen Diözesanbischofs Kempf und manch anderer warnenden Stimmen zu Parallelstrukturen, nicht nur von Räten und sogenannten "Versammlungen", sondern auch eine Parallelstruktur des (klerikalen und/oder laikalen) Räte-, Vertammlungs- und Gremienwesens neben dem der kirchlichen Hierarchie göttlichen Rechtes. Kardinal Brandmüller führt aus:
Bezeichnend hierfür war die Präambel zum ursprünglichen Entwurf der „Synodalordnung“, wo man – wie erwähnt – tatsächlich hatte lesen können: „Das Volk Gottes im Bistum Limburg ... gibt sich folgende Grundordnung ...“

Auch wenn dieser Text schließlich geändert wurde, lässt er doch die im Folgenden keineswegs preisgegebenen Ideen seiner Verfasser erkennen: Das Bistum Limburg – die Kirche – ist eine parlamentarische Demokratie. Deswegen auch die limburgische Parallelstruktur von Räten und Versammlungen, die genau das Gegenüber von Regierung und Parlament im demokratischen Staat widerspiegelt. Da ist dann auch ständig von „Amtsträgern“, „Mandatsträgern“ und ihrem Verhältnis zueinander die Rede. Die „Mandatsträger“ werden als durch Wahl legitimierte Vertreter des (Kirchen-)Volkes angesehen.

Bezeichnend ist die Feststellung: „Allein die Tatsache, dass nunmehr von Amtsträgern und Mandatsträgern gesprochen wird (und nicht etwa von Priestern und Laien) war (und ist noch immer) neu in der Kirche.“ Wenn man dann überdies noch liest: „Die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören, ebenso wie die Kapläne, eindeutig auf die Seite des Amtes ... Sie haben Anteil an der Leitung der Pfarrgemeinde“, dann erheben sich erneut schwerwiegende theologische Bedenken. Unterschiedslos Priester und pastorale Mitarbeiter nebeneinander und beide gleichermaßen den gewählten Mandatsträgern gegenüberzustellen, bedeutet nichts anderes, als dass das Weihesakrament in der Sicht der Verfasser für den Dienst in der Kirche kaum noch Bedeutung besitzt. So aber lesen wir schon bei Martin Luther in seinen Kampfschriften des Jahres 1520. Wiederum sieht Klaus Schatz richtig: „Manche Wunschvorstellungen über die Beteiligung der Mandatsträger an Entscheidungen der Amtsträger standen im Widerspruch zu den kirchenrechtlichen“ (und, so ist hinzuzufügen: dogmatischen, der Verfasser) Gegebenheiten. Es wundert, wie unbekümmert man über kirchenrechtliche Bestimmungen hinweggehen zu können glaubte.“ (Quelle: "Die Tagespost" am 01.02.2014; hier via kath.net)

Damit kommt der Kirchenhistoriker zu denselben Ergebnissen, wie der Mainzer Kirchenrechtler em. Georg May. Dieser hatte sich bereits in einer 1997 erschienenen Schrift, die bezeichnenederweise den Titel "Die andere Hierearchie" trägt, mit den bedenklichen Entwicklungen innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland auseinandergesetzt. Darin stellt May fest: "Der Aufbau der anderen Hierarchie ist am weitesten fortgeschritten in der Diözese Limburg...". Allerdings ist dies Entwicklung nicht beschränkt auf das Bistum Limburg. Auch andernorts gibt es gleiche oder ähnliche demokratisierende Strukturen, die der kirchlichen Verfassung fremd sind.

May weist auf den Unterschied hin, zwischen dem Amt in der Welt, das allein Träger von Funktionen, aber nicht an die Person gebunden ist (diese ist vielmehr austauschbar) und dem wesentlich anderen Amt in der Kirche, das durch das Weihesakrament an die Person gebunden ist und deren Träger durch dessen Repräsentation Jesu Christi nicht (durch Nichtgeweihte) austauschbar ist:
Das Amt in der Welt ist eine Bündelung von Funktionen, Funktionen sind Verrichtungen innerhalb eines Sozialgebildes, die dem Funktionsträger von diesem zugewiesen werden. An sich ist das Sozialgebilde Urheber und Besitzer der Verrichtungen, die lediglich aus Gründen der Ordnung und der Übersichtlichkeit bestimmten Personen auferlegt werden. Der Träger der Funktionen ist grundsätzlich auswechselbar.
Die Funktionen verleihen nicht bleibende, unaufhebbare Autorität und keine echte, wesenhafte Repräsentation. Der Funktionsträger ist lediglich der äußere Vollzieher von Augaben und Tätigkeiten. Er muss gewiss fachlich für seine Aufgabe ausgebildet sein, aber er benötigt nicht eine bleibende Prägung seiner Person.
Anders in der Kirche. Das priesterliche Amt unterscheidet sich wesentlich von Ämtern in der Welt. Denn es geht nicht in Bezügen und Funktionen auf, die beliebig verteilt und ausgetauscht werden können. Das Amt ist vielmehr personal gebunden, eben an die Person Jesu Christi, dem der Amtsträger angeglichen wird.
Das priesterliche Amt geht darum weit über die bloße Funktionalität hinaus. Der Geweihte empfängt eine personale Prägung, die das Sein bestimmt; er erhält ein unauslöschliches Zeichen, das die unverzichtbare Grundlage für jede im Namen Christi vollzogene Funktion ist. (Quelle)

Ebenso wie der Kirchenhistoriker Brandmüller und der Kircherechtler Georg May sah der bereits verstorbene Kardinal und Dogmatiker Leo Scheffczyk ein Problem in der Demokratisierung der Kirche. Er sprach angesichts der parallelhierarchischen Bestrebungen von einem "gärenden Revolutionismus" in der Kirche, demzufolge "ein für den unversehrten Fortbestand der Catholica entscheidungsvoller Kampf entbrannt ist". Diesen Kampf erleben wir momentan öffentlich in der Diözese Limburg, dessen rechtgläubiger Bischof  (ganz abgesehen von möglichen persönlichen Verfehlungen, denen wir alle einmal erliegen) Opfer der Revolutionäre ist.

Rom hat das Übel, dass vor allem in den reichen Kirchen des Westens ein Problem darstellt, erkannt und im Jahre 1997 die "Instruktion über die Mitwirkung der Laien am Dienst der Priester" veröffentlicht. Dieses Dokument wurde von acht Kongregationen und Räten des Heiligen Stuhls unterzeichnet und von Papst Johannes Paul II. am 13. August 1997 "in forma specifica", 'in besonderer Form', approbiert. Dies zeigt die Bedeutung und Dringlichkeit dieser Verlautbarung, die freilich in deutschen Landen auf taube Ohren gestoßen zu sein scheint. Es wäre im deutschen Katholizismus dringend notwendig, umzukehren und sich im Sinne der genannten Instruktion neu zu orientieren. Die Krise im Bistum Limburg könnte ein Wendepunkt für diese ansonsten verhängnisvolle Fehlentwicklung sein.




    Weiteres zum Thema "Demokratisierung der Kirche":




    Mittwoch, 16. Oktober 2013

    Barmherzigkeit und reduzierter Gottesglaube

    Die heutige Berufung auf die "Barmherzigkeit Gottes" zum Zwecke der Zulassung zur Eucharistie ist aber nicht nur von der Sakramentenlehre her abzuweisen sondern auch vom Gottesglauben her. Hinter dieser Berufung steht nämlich ein (auch in der heutigen Frage nach Buße und Gericht und letztlich auch nach dem endgültigen Heil zutage tretendes) "hominisiertes"  Gottesbild, nach welchem Gott im Grunde nichts anderes vermag als zu verzeihen.

    Hier kommt ein reduzierter Gottesglaube zum Vorschein, der die geheimnishafte Größe Gottes auf das Mitleid beschränkt. Demgegenüber ist daran festuhalten, daß zum Geheimnis Gottes auch seine fordernde Heiligkeit und Gerechtigkeit gehört. Wer diese "Attribute" nicht beachtet, kann im Grunde den Menschen auch die Barmherzigkeit Gottes nicht nahebringen. (...)

    Vor der Gefahr "praktischer" Lösungen sollte man die Augen nicht verschließen. Zumal wenn die Zahl solcher "eheähnlicher" Verhältnisse in Zukunft größer werden sollte (wie von den Statistikern immer wieder gesagt wird), müßte die Zulassung der geschiedenen Wiederverheirateten zur Eucharistie eine tiefgehende Dissoziierung in den Glauben und das Glaubensleben der Kirche hineintragen.

    Freilich wird diese Gefahr nur von denjenigen als solche gesehen und empfunden werden, die die Integrität auch des dogmatischen Lehrglaubens als ein wesentliches Gut der Kirche verstehen und hier keine Abstriche gelten lassen.

    So weist diese Fragestellung auf ein tieferliegendes Problem hin, das heute untergründig viele Auseinandersetzungen in der Kirche bestimmt. Es liegt genauerhin in der Frage, welcher Wert dem lehrhaften Glauben und seiner Durchsetzung in der Praxis zukommt.


    Weiteres zum Thema "Bistum Freiburg auf dem Holzweg":



     

    Donnerstag, 20. September 2012

    Aspekte gegen eine Zulassung der sog. "wiederverheirateten Geschiedenen" zu den Sakramenten

    "Wenn die Kirche dieser Haltung (Anm.: daß dem Gläubigen suggeriert wird, er könne nach seinem irrigen Gewissen entscheiden; s. hier) stattgeben und die Kommuniongemeinschaft erlauben würde, gäbe es in der Kirche Eheleute, die die Unauflöslichkeit der Ehe mit allen ihren  bisweilen bis zur menschlichen Tragik reichenden Konsequenzen um der göttlichen Wertordnung willen festhalten, und andere, die überzeugt einer anderen Wertordnung folgen.

    Hier stehen sich tatsächlich nicht mehr zwei verschiedene Gewissensentscheidungen gegenüber (was auch schon für das Wesen der Kirche manche peinliche Frage zuließe), sondern zwei veschiedene Wert- und Glaubensordnungen. Es stehen sich im Grunde Glaube und Unglaube (oder Glaubensmangel) gegenüber.

    Die Kirche kann es nicht zulassen, daß in ihr völlig verschiedene Wertordnungen Geltung haben und verschiedene Glaubensauffassungen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Es ist dann nicht nur die Gefahr gegeben, daß die leichtere Praxis zahlenmäßig die Oberhand gewinnt, sondern daß aus dem materiellen Unglauben ein formaler wird.

    Die Kirche könnte sich aber auch bei Gleichstellung des Glaubens mit dem materiellen Unglauben nicht mehr als Gemeinschaft der Glaubenden, der an einem Glauben Festhaltenden (vgl. Eph 4,5) bezeichnen."



    Leo Scheffczyk in: Eucharistie und Ehesakrament; Glaube als Lebensinspiration - Gesammelte Schriften zur Theologie; Johannes Verlag Einsiedeln AD1980


    Weiteres zum Thema:



    Sehr empfehlenswert und unmissverständlich auch ein Artikel von Prof. Johannes Stöhr:



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    Mittwoch, 5. September 2012

    Der Primat des Petrus

    Dem Petrus war in der jungen Christengemeinde das Amt des sichtbaren Stellvertreters Christi auf Erden anvertraut. Wenn man die Schriftstelle "Du bist Petrus..." (Mt 16,18) einmal daraufhin betrachtet,  was für einen damaligen gläubigen Israeliten das Symbol des Felsens bedeutete, wird das sehr klar.

    Leo Kardinal Scheffczyk schreibt in seiner Abhandlung über den Primat ("Das Unwandelbare im Petrusamt", Morus Verlag Berlin 1971):
    Geht man auf eine solche symbolgeschichtliche Betrachtung des Felsenwortes ein ( die sich bei den Forschern wie J. Jeremias, O. Cullmann (1), J. Ringger findet), dann empfängt dieses Wort eine einzigartige Bedeutung, die allerdings so anspruchsvoll erscheint, daß man an ihm Anstoß nehmen könnte.

    Mit der Bezeichnung des Petrus als "Felsengrund" der Gemeinde und des Gottesvolkes wurde das jüdische Symbol vom kosmischen Felsen auf Petrus übertragen (2). Das Wort erinnerte den Juden an den Fels in Jerusalem, der den Tempel und das Allerheiligste trug. Dieser Fels galt dem Israeliten als der Stuhl und der Thronsitz Gottes, als Zentrum und Grundstein der Welt, aber auch als Verschlußstein der Unterwelt, der das Emporkommen der Todesmächte unterband.

    Mit diesem Wort wurde nach der jüdischen Symbolsprache dem Petrus also die Stellung des kosmischen Felsens zugesprochen, die nach einer anderen alttestamentlichen Überlieferung (Is 28) dem Messias selbst zukommt. Damit wurde ihm eine Aufgabe übertragen, die nichts Geringeres als eine Fortsetzung des Werkes des Messias selbst beinhaltete.

    In dieser Symbolik fügt sich auch der Ausdruck von den "Pforten der Unterwelt" ein, deren Macht die Festgkeit des Felsens nicht brechen wird. Dabei ist vor allem an die Macht des Todes und der Vergänglichkeit gedacht, die sich nach israelitischem Verständnis mit der Vorstellung vom Totenreich verknüpfte.

    So gesehen, wird das Petrusamt und mit ihm die Gemeinde der Gläubigen der Macht der Vergänglichkeit entzogen und die Gründung Christi als endgültig und bleibend erklärt.

    Es schließt sich eine Erklärung über die Bedeutung des anderen Bildwortes an, in dem Jesus Petrus die "Schlüssel des Himmelreiches" übergibt.
    "Die sogenannte Schlüsselgewalt macht Petrus sozusagen zum menschlichen Werkzeug der Auferstehung. Er soll das Gottesvolk in das Reich der Auferstehung führen. Ebenso liegt hier der Gedanke an die Mission und an die Verkündigung nahe, mit der Petrus den Menschen Zugang zum Himmelreich verschaffen wird", so Scheffczyks Folgerung. Dann folgt eine Betrachtung der Schriftstellen Lk 22.32 (Bestärkung der Brüder im Glauben) und Joh 21,15 über das "Weiden der Lämmer und Schafe".

    Kard. Scheffczyk:
    Im Lichte dieser Worte gewinnt die Primatsverheißung erst ihre eigentümliche Fülle. Sie wird nicht nur inhaltlich weiter differenziert, indem die Funktion des Petrus als verantwortungsvoller Dienst an den Brüden und an der ganzen Herde Christi  gekennzeichnet wird. Sie wird vor allem in ihrem primatialen Charakter verstärkt. Das leistet besonders das feierliche Wort des johanneischen Christus an Petrus mit der Dreiheit des "Weide meine Lämmer".
    "Der Akt, den Jesus mit diesen Worten vollzog, besaß eine enorme Tragweite. Jesus erfüllte damit seine früher gemachte und von Matthäus aufgezeichnete Verheißung (Mt16,17-19) und machte den Simon zum Kepha oder Fels der Kirche. Denn sind auch Bilder, Fels und Hirt, verschieden, so treffen sie sich doch ganz offensichtlich in ihrer  Bedeutung als Prinzip des Bestandes und der Einheit.

    Mit Joh 21,15-17 wurde dieser Apostel der stellvertretende Lenker der Gesamtkirche, indes Jesus selbst ihr unsichtbares Fundament blieb... diese Amtsübertragung war in höchstem Maße offiziell" (3).

    Mit gutem Grund sieht P. Gächter in der feierlich-rechtlichen Form der Übertragung des Amtes, wie sie in dieser Szene geschildert wird, einen Hinweis darauf gegeben, "daß Jesus tatsächlich eine Kirche mit Rechtsnormen gestiftet hat, indem er ihr durch einen feierlichen Aktder Rechtsübertragung einen sichtbaren Stellvertreter gab" (4). (...)
    Daß den Aposteln insgesamt einige dieser Funktionen auch zukommen, spricht nicht gegen den Sondercharakter der Berufung des Petrus. Im Lichte des ihn allein betreffenden "Felsenwortes" wird deutlich, daß ihm eine andere Weise der Verwirklichung der apostolischen Vollmacht zukommt: Er allein hat diese Vollmacht in der Weise der des letzten zusammenfassenden Prinzips inne.
    Er steht als "Hausverwalter" in besonderer Weise in der Nachfolge des Messias, der freilich allein der "Hausherr" bleibt. Aber daß ihm ein besonderes messianisches Vikariat zukommt, ist nicht zu bezweifeln. So scheut sich auch der evangelische Theologe J. Ringger nicht, Petrus als "Stellvertreter des 'heiligen Berges' Christus" zu bezeichnen (5)...
    (1)  Allerdings fällt auf, daß Cullmann die symbolgeschichtliche Deutung des "Felsens" nur in seinem Artikel im ThWNT (VI) behandelt, sie aber im "Petrusbuch" nicht auswertet.
    (2)  Vgl. zum folgenden J. Ringger, Petrus der Fels: Begegnung der Christen, 279ff.
    (3)  P. Gächter, Petrus und seine Zeit, Innsbruck 1958, 22.
    (4)  Ebd., 30.
    (5)  J. Ringger, a.a.O., 282

    Dienstag, 26. Juni 2012

    Gewissensfreiheit?!

    "Es gibt Gewissensfreiheit – aber nicht Freiheit der Gewissensbildung. Das heißt: die Bildung des Gewissensurteils ist abhängig vom Gesetz Gottes, das bei der konkreten Urteilsbildung nicht übersehen werden darf.

    Und weil nun Gottes Gesetz auf tausenderlei verschiedene Umstände und Lebensverhältnisse angewendet werden muß, so spricht hier auch die Kirche in ihrem Lehramt ein bestimmendes und klärendes Wort, das der Verwirklichung unseres wahren Menschentums dient."





    Oder wie schon Prof. Hauke nach Leo Kardinal Scheffczyk sagt:

    "Ein weiterer beliebter Einwand macht die "persönliche Gewissensentscheidung" geltend, worin ein jeder über den Kommunionempfang entscheiden könne.

    Diese Argumentation ist unsinnig, weil das Gewissen für einen Christen ein praktisches Urteilen im Horizont des Glaubens bedeutet. Das Gewissen ist kein Organ für die Beurteilung  von Glaubenswahrheiten."  (s. HIER)

    (Hervorhebungen durch Fettdruck von Administrator)



    Linkliste zum Thema "Gewissen" 





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