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Samstag, 15. August 2015

Selig bist du, Jungfrau Maria, die du den Schöpfer des Weltalls unter deinem Herzen getragen und geboren hast!



Am 1. November 1950 verkündigte der ehrwürdige Diener Gottes Papst Pius XII. als Dogma, daß die Jungfrau Maria, »nachdem sie ihren irdischen Lebenslauf vollendet hatte, mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen worden« ist. Diese Glaubenswahrheit war der Überlieferung bekannt, wurde von den Kirchenvätern bekräftigt und war vor allem ein wesentlicher Aspekt der Verehrung, die der Mutter Christi entgegengebracht wurde.

Gerade das Element der Verehrung war sozusagen die entscheidende Antriebskraft für die Formulierung dieses Dogmas: Das Dogma ist gleichsam ein Lobpreis der allerseligsten Jungfrau. Das geht auch aus dem Text der Apostolischen Konstitution hervor, wo es heißt, daß das Dogma »zur Ehre des Sohnes, […] zur Mehrung der Herrlichkeit der erhabenen Gottesmutter, zur Freude und zum Jubel der ganzen Kirche« verkündigt wird.

So wurde in dogmatischer Form das zum Ausdruck gebracht, was bereits in Verehrung und Frömmigkeit des Gottesvolkes als höchste und beständige Verherrlichung Mariens gefeiert wurde: Der Akt der Verkündigung der Aufnahme Mariens in den Himmel erwies sich gleichsam als eine Liturgie des Glaubens. (...)

Eine Sache, eine Hoffnung ist sicher: Gott wartet auf uns, er erwartet uns, wir gehen nicht ins Leere, wir werden erwartet. Gott wartet auf uns, und wenn wir in die andere Welt gehen, finden wir die Güte der Mutter, finden wir unsere Lieben, finden wir die ewige Liebe. Gott erwartet uns: Das ist unsere große Freude und die große Hoffnung, die gerade aus diesem Fest heraus entsteht. Maria besucht uns, und das ist die Freude unseres Lebens, und die Freude ist Hoffnung. (...)

Vertrauen wir uns ihrer mütterlichen Fürsprache an, auf daß sie uns vom Herrn erlange, unseren Glauben an das ewige Leben zu stärken; sie möge uns helfen, die Zeit, die Gott uns schenkt, gut und mit Hoffnung zu leben – einer christlichen Hoffnung, die nicht nur Sehnsucht nach dem Himmel ist, sondern das lebendige und aufrichtige Verlangen nach Gott hier in der Welt, das Verlangen nach Gott, das uns zu unermüdlichen Pilgern macht und in uns den Mut und die Kraft des Glaubens nährt, die gleichzeitig Mut und Kraft der Liebe sind. Amen.





Weiteres zum Thema "Dogmen über die Gottesmutter Maria":




Dienstag, 19. August 2014

Jesus Christus, Heiland und Erlöser, König meines Herzens

Großes Leid erfahren zur Zeit unsere christlichen Brüder und Schwestern in Ländern, in denen verblendete Menschen meinen, im Namen Allahs all diejenigen foltern und abschlachten zu dürfen, die nicht ihren Glauben teilen.

Alles andere erscheint angesichts dieser Greuel und diesen Terrors durch Angehörige der Religion, die sich diejenige des Friedens nennt, nebensächlich und unwichtig. Was für ein Skandal der Menschheitsfamilie, was für ein Zeugnis für die Armseligkeit und Boshaftigkeit der gefallenen Menschheit. Einmal mehr erkennen wir, dass nur Jesus Christus die Menschen aus dieser Verstrickung der Bosheit befreien kann, nur Jesus Christus ist der Friedensfürst, durch den alle Menschen Frieden in sich und miteinander finden.

Beten wir um Starkmut für die verfolgten und bedrängten Christen. Möge Gott ihnen beistehen und ihre Leiden und ihr Lebensopfer als Kraft- und Lebensquelle für neues christliches Leben annehmen und ihnen dereinst die ewige Glückseligkeit schenken.

Dieses Video (gefunden beim Kreuzknappen) schildert auf einfache wie eindrucksvolle Weise das, was Christus denen verheißen hat, die sich zu ihm bekennen:




"Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. (...) Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater." (Mt 10, 28; 32; 33)


Siehe auch:

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Sonntag, 6. Juli 2014

Hoffnung auf die Vollendung der Kindschaft Gottes in der Erlösung auch des Leibes


Brüder! Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und harren auf die [Vollendung der] Kindschaft Gottes, die Erlösung unseres Leibes; in Jesus Christus, unserem Herrn.

Röm 8,18-23; Lesung zum vierten Sonntag nach Pfingsten


 Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung 
(Röm 8, 24)


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Vortrag (mp3) von Martin Mosebach via domradio.de:



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Donnerstag, 22. Mai 2014

Maiandacht 22. Tag - Maria, Mutter der göttlichen Gnade

Ich bin die Mutter der schönen Liebe 
und der Gottesfurcht,
der Erkenntnis und der heiligen Hoffnung.
Bei mir ist alle Gnade des Lebens und der Wahrheit,
bei mir alle Hoffnung des Lebens und der Tugend.
(Jes Sir 24,18))


Der Sündenschuld Nachtdunkel lag über der Menschheit. Da kam die Stunde, die Gott durch ewigen Ratschluss erwählt, dass "in die Finsternis das licht leuchte". Und der Engelsbote brachte das demutsvolle Ja-Wort der Jungfrau zurück, die zur Mutter des Lichtes, zur Mutter des Messias erkoren war: Maria ward Christusträgerin!

Doch zu Größerem noch hat Gott sie bestimmt: Christusbringerin sollte sie sein! Christusbringerin in vielfachem Sinne. Denn Christusbringerin wurde Maria nicht nur in jener Stunde, da sie der Welt den Heiland gebar, - Christusbringerin wurde sie in besonderer Weise unter dem Kreuz des Erlösers, da sie sich seinem Opfer zur Tilgung der Sündenschuld anschloss. - Christusbringerin war sie fortan die Jahrhunderte hindurch. Sie ist es auch heute noch, da sie einem jeden den Heiland und in ihm und durch ihn die Frucht seiner Erlösungstat, die Fülle der Gnaden bringen will.

So wird Maria als Christusträgerin zur Mutter der göttlichen Gnade. Froh wollen wir sie grüßen mit diesem Namen, der uns so vieles zu sagen hat. Denn zunächst nennen wir Maria Mutter der Gnade, weil sie den ihr Kind nennen durfte, der da ist Urquell aller Gnaden!

Mutter der göttlichen Gnade ist Maria aber auch darum, weil sie der nach Erlösung verlangenden Menschheit in ihrem Sohne die verlorene Gnade wiedergeschenkt hat. Denn das war des Heilandes Sendung: die der Sünde verfallenen Menschen wieder zu Kindern Gottes zu machen, auf dass sie seine Gnaden empfangen könnten.

Mariens Anteil an dem großen Geschehen des Heilswerkes aber ist so groß, dass wir sie preisen dürfen als helfende Weggeleiterin Christi, als dienende Miterwerberin der Frucht der Erlösung, als Mutter der Erlösungsgnade.

Für alle Zeiten ist Maria vom Lebens- und Opferweg des Heilandes nicht wegzudenken. Wie bei der heiligen Messe der Diakon dem Priester zur Seite steht in der Bereitung und Darbringung des heiligen Opfers, ihm aber auch zur Seite steht in der Austeilung der heiligen Geheimnisse, ja selber den Menschen die Opferfrucht, den Leib des Herrn reichen darf, - so ist gewissermaßen Maria Christi Diakon gewesen bei der Darbringung des Kreuzesopfers.

Darum hat sie Gottes Allweisheit auch zum Diakon bestellt in der Verwaltung und Austeilung des erworbenen Gnadenschatzes. Somit nimmt sie teil an der Begnadigung und Heiligung jeder einzelnen Seele. Einem jeden Menschen kann sie so zur Gnadenvermittlerin werden, sie, die Mutter der göttlichen Gnade.

Auch für dich, o Mensch, ist Maria zur Mutter der Gnade geworden; denn auch für dich ward das Erlösungswerk vollbracht. Auch dir will Maria Gnadenvermittlerin sein. Denn, soll dich dein Erdenweg hinführen zur Vollendung bei Gott, bist auch du der Gnade bedürftig. So öffne denn die Tore deiner Seele weit, ganz weit, auf dass Maria dir Christus bringe, Christus und seine Gnade.

Doch damit allein dürfen wir es nicht genug sein lassen. Wir selbst müssen mithelfen, dass die Gnade in uns auch wirksam werde. Wir dürfen unsere Mitwirkung nicht versagen, wenn der Heiland uns teilnehmen lassen will an dem erworbenen Gnadengut, dass es uns heilige und forme. Nehmen wir darum gerne am heiligen Opfer teil, treten wir oft hin zum Tisch des Herrn. Er selbst will zu uns kommen und uns mit Gnade erfüllen.

Du aber sei dir bewusst, dass jede Gnade eine Aufgabe in sich schließt: sie wird dir ja gegeben, dass du sie auswertest in deinem Ringen um Läuterung und Selbstheiligung, dass du sie ausnutzest, Christus gleichförmig zu werden in deinem Leben. Der feste Wille, zu diesem Ziele allzeit mitzuwirken mit der göttlichen Gnade, das sei deine Antwort auf alle Segnungen, die dir geschenkt werden in Christus Jesus durch Maria.

Wir beten ein Ave Maria, dass Maria sich uns immer als Mutter der Gnade erweise:
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir!
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: Jesus!
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Schmücke dein Brautgemch, Sion,
nimm auf Christus den König!
Umfange Maria, die da ist die Pforte des Himmels,
denn sie trägt den König der Glorie des neuen Lichtes.
(Ant. zur Prozession am Fest Mariä Lichtmess)


Gebet:
König der Herrlichkeit, Christus! König des Lichtes und der Gnade! In deiner Güte hast du deine heiligste Mutter zur Vermittlerin deiner Gnaden bestellt. Lass uns durch diese Mutter der Gnade zum Lichte deiner Herrlichkeit gelangen. Der du lebst und herrschest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.



Maiandachtsbüchlein für Kirche und Haus von Pfarrer Joseph Willmes; A. Laumannsche Verlagsbuchhandlung Dülmen /Westf.;  AD 1935; S. 67-69 (mit kleinen Änderungen); (s. Quellen)








Samstag, 8. Februar 2014

Die christliche Hoffnung: Anker und Vitamin

Von Pater Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

Warum sieht man stämmige Eichen beim leichtesten Wind stürzen, mickrige Gewächse aber heftigsten Stürmen trotzen? Wie ist es zu erklären, dass unter gleichen Umständen mancher Mensch von robuster Gesundheit bei den ersten Schwierigkeiten zu Fall kommt, während ein anderer, dessen Natur normalerweise eher zu Schwäche und Krankheit neigt, in weitaus größeren Bedrängnissen noch erstaunliche Lebenskraft, zähes Durchhalten an den Tag legt? Viktor E. Frankl, dem österreichischen Psychiater jüdischer Herkunft, stellte sich diese Frage angesichts seiner Erlebnisse im Konzentrationslager. Seine Antwort, die dann auch in die therapeutische Arbeit einfließen sollte, lautete: Wer etwas hat, wofür es sich wirklich zu leben, zu kämpfen, notfalls auch zu sterben lohnt, der ist Angriffen und Widerständen gewachsen, an denen ein anderer, dem ein solcher Sinn fehlt, bald scheitern wird.

Gewiss sollte man sich davor hüten, aus dieser Erkenntnis eine immer und ohne Ausnahmen gültige Regel abzuleiten. Dennoch leuchtet der Wahrheitsgehalt ein und findet an zahllosen Beispielen seine Bestätigung. Nicht nur in der schrecklichen Situation eines Gefangenenlagers, auch im alltäglichen Bereich erweist sich die Wichtigkeit eines erstrebenswerten Zieles und der Hoffnung, es schlussendlich zu erreichen. Dem Gefühl der Sinnlosigkeit folgen alsbald wilde Verzweiflung oder depressive Resignation, die wiederum die Vorboten des Unterganges sind. Wo der Stern der Hoffnung sinkt, schwindet mit ihm zuerst die Energie, etwas Anspruchsvolles in Angriff zu nehmen, dann die Bereitschaft, Widrigkeiten durchzustehen, am Ende überhaupt jeder Mut und Wille zum Leben.

Die christliche Lehre kann die Einsicht des Psychiaters – bei aller Verschiedenheit des Blickwinkels und des Lichtes, in dem der Sachverhalt betrachtet wird – nur unterstreichen. Deshalb wird ja als zweite der göttlichen Tugenden, zwischen dem Glauben und der Liebe, die Hoffnung genannt. Sie setzt den Glauben mit seinen wunderbaren Verheißungen voraus und streckt sich diesen sehnsuchts- und kraftvoll entgegen. Hoffen heißt, auf das Ziel vorgreifen, es innerlich schon umfangen, den Anker in ihm befestigen, um sich dann im Zug der Gnade zu ihm hinzubewegen. Vergleicht man die Dreiheit der göttlichen Tugenden mit einer Pflanze, so ist der Glaube die tief in das Erdreich gesenkte und aus ihm ihre Nahrung ziehende Wurzel, die Liebe gleicht der zur Sonne hin geöffnete Blüte, während die Hoffnung durch den aufragenden, dem Himmel entgegenstrebenden Stengel versinnbildet wird.
 
Solche christliche Hoffnung unterscheidet sich wesentlich von einer günstigen Charakteranlage, die jemanden zur insgesamt positiven Sicht auch solcher Dinge geneigt macht, die in anderen Menschen düstere Befürchtungen wecken. Zweifelsohne bietet ein leichtes und helles Gemüt gute Voraussetzungen zur Übung der Hoffnung. Weil diese aber eine übernatürliche Tugend ist, hängt sie nicht von unserem Naturell ab. Daher kann und soll auch eine eher schwermütig veranlagte oder durch bittere Enttäuschungen so gewordene Person hoffen. Denn der Hoffende stützt sich eben gerade nicht auf eigene Fähigkeiten, nicht auf Empfindungen und Erfahrungen von Glück und Erfolg, sondern auf die Zusage Gottes, dass Er uns beistehen und zum herrlichen Ziel führen wird, wenn immer wir uns im Glauben und der tätigen Liebe an Ihn halten.
 
Daraus wird klar, welche Gefahren der Hoffnung eines gläubigen Menschen drohen. Einerseits könnte er an der Zusage des Herrn zweifeln und dadurch verzweifeln; er hielte es dann einfach nicht für möglich, dass Gott für ihn noch einen Weg zum Heil hätte, entweder weil er sich durch einen finsteren Ratschluss des Allerhöchsten zur Verwerfung vorausbestimmt wähnte oder weil er sein Leben durch persönliche Schuld für endgültig verspielt erachtete. Andererseits könnte der Mensch die Verheißungen derart auslegen, dass sie seiner Meinung nach in jedem Fall, auch ohne sein aufrichtiges Bemühen um wachsende Vereinigung mit dem göttlichen Willen und um gute Werke, eintreffen müssten. Verzweiflung und Vermessenheit also sind die Abirrungen von der zweiten göttlichen Tugend, ihre und unseres ewigen Heils Todfeinde.
 
Demgegenüber wirkt sich die Hoffnung als Vitamin der Seele aus, Lebenskraft und Zuversicht spendend auch dort, wo menschlich besehen nichts mehr zu hoffen ist. Weil sie die Gewissheit wachhält, dass Gott denen, die Ihn lieben, alles zum Besten lenkt (Röm 8,28) und dass nichts uns zu scheiden vermag von Seiner Liebe (vgl. Röm 8,35), deshalb schafft die Hoffnung jene Stärke, die in der menschlichen Schwäche auch unter schwersten Prüfungen zur Vollendung kommt (vgl. 2 Kor 12,9) und den Sieg davonträgt.



Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im
Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)



Dienstag, 14. Januar 2014

Vaterfreuden


"Ich liebe es, Kinder zu taufen. Ich liebe es sehr! Jedes Kind, das geboren wird, ist ein Geschenk der Freude und der Hoffnung, und jedes Kind, das getauft wird, ist ein Wunder des Glaubens und ein Fest für die Familie Gottes."

Papst Franziskus am 12.01.2014 vor dem Angelusgebet auf dem Petersplatz







Weiteres zum Thema "Taufe":


Foto: Taufe Jesu; Gegenstück zur Kanzel in der Basilika der Benediktinerstiftes Ottobeuren; "Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!" - An der gegenüberliegenden Kanzel heißt es: "Gehet und lehret alle Völker!" (vgl. Mt 28,19)

Mittwoch, 6. November 2013

Gott wird Gerechtigkeit schaffen

Gott hat sich selbst ein "Bild" gegeben: im menschgewordenen Christus. In ihm, dem Gekreuzigten, ist die Verneinung falscher Gottesbilder bis zum äußersten gesteigert. Nun zeigt Gott gerade in der Gestalt des Leidenden, der die Gottverlassenheit des Menschen mitträgt, sein eigenes Gesicht. Dieser unschuldig Leidende ist zur Hoffnungsgewißheit geworden: Gott gibt es, und Gott weiß, Gerechtigkeit zu schaffen auf eine Weise, die wir nicht erdenken können und die wir doch im Glauben ahnen dürfen.
Ja, es gibt die Auferstehung des Fleisches.[1] Es gibt Gerechtigkeit.[2] Es gibt den "Widerruf" des vergangenen Leidens, die Gutmachung, die das Recht herstellt. Daher ist der Glaube an das Letzte Gericht zuallererst und zuallermeist Hoffnung – die Hoffnung, deren Notwendigkeit gerade im Streit der letzten Jahrhunderte deutlich geworden ist.

Ich bin überzeugt, daß die Frage der Gerechtigkeit das eigentliche, jedenfalls das stärkste Argument für den Glauben an das ewige Leben ist. Das bloß individuelle Bedürfnis nach einer Erfüllung, die uns in diesem Leben versagt ist, nach der Unsterblichkeit der Liebe, auf die wir warten, ist gewiß ein wichtiger Grund zu glauben, daß der Mensch auf Ewigkeit hin angelegt ist, aber nur im Verein mit der Unmöglichkeit, daß das Unrecht der Geschichte das letzte Wort sei, wird die Notwendigkeit des wiederkehrenden Christus und des neuen Lebens vollends einsichtig.


[1] Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 988-1004.
[2] Vgl. ebd., Nr. 1040.

Benedikt XVI in der Enzyklika "Spe salvi" vom 30. November 2007 



App (iphone und iPad) zum Turiner Grabtuch (auch in deutscher Sprache): Shroud 2.0


Bild: Turiner Grabtuch, Fotonegativ; Detail mit dem Abbild des hl. Antlitzes

Dienstag, 1. Oktober 2013

Was ist ein Katechist?

Eine Antwort gibt Papst Franziskus in seiner Predigt am 29.09.2013 bei der Eucharistiefeier mit Katecheten, die sich anlässlich des Jahrs des Glaubens in Rom getroffen haben:
Der Katechist ist nun ein Christ, der in sich das Bewusstsein* für Gott trägt, der sich vom Bewusstsein* für Gott in seinem ganzen Leben leiten lässt und der es versteht, es in den Herzen der anderen wachzurufen. Das ist anstrengend! Es verlangt das ganze Leben!
Der Katechismus selbst, was ist er, wenn nicht Erinnerung* an Gott, Erinnerung* an sein Handeln in der Geschichte, an sein Uns-nahe-Kommen in Jesus Christus, der gegenwärtig ist in seinem Wort, in den Sakramenten, in der Kirche, in seiner Liebe? Liebe Katechisten, ich frage euch: sind wir Bewusstsein* an Gott? Sind wir wirklich wie Wächter, die in den anderen das Bewusstsein* für Gott wachrufen, welches das Herz erwärmt? 
„Weh den Sorglosen auf dem Zion“, sagt der Prophet. Welchen Weg sollen wir durchlaufen, um nicht zu „sorglosen“ Menschen zu werden, die ihre Sicherheit in sich selbst und in die materiellen Dinge setzen, sondern zu Männern und Frauen mit einem Bewusstsein* für Gott? Im Ersten Brief an Timotheus gibt der heilige Paulus einige Hinweise, die auch den Weg des Katechisten, unseren Weg markieren können: wir sollen nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut streben (vgl. 1 Tim 6,11).

Der Katechist ist ein Mensch des Bewusstseins* für Gott, wenn er eine beständige, lebendige Beziehung mit ihm und mit dem Nächsten hat; wenn er ein Mensch des Glaubens ist, der wirklich Gott vertraut und auf ihn seine Gewissheit setzt; wenn er ein Mensch der „hypomoné“ ist, der Geduld und Beständigkeit, der Schwierigkeiten, Prüfungen und Erfolglosigkeit mit Heiterkeit und Hoffnung auf den Herrn zu begegnen weiß; wenn er ein sanftmütiger Mensch ist, der fähig ist verständnisvoll und barmherzig zu sein.
* Anmerkung: an allen mit Stern gekennzeichneten Stellen verwendet Papst Franziskus im italienischen Original das Wort "memoria", das Wort, welches ohne Zweifel ein Kernwort dieser seiner Predigt ist. "Memoria" meint aber weniger (oder garnicht) "Bewusstsein", was hier teiweise sinnentstellend ist, sondern würde m. E. besser und sinnvoller  mit "Erinnerung" übersetzt.



Weiteres zum Thema "Katechese":

Katechismen zum nachschlagen, zum ansehen, zum anhören und mitmachen:

Sonntag, 29. September 2013

EIN Glaube, EINE Hoffnung, EIN sakramentales Leben, EINE appostolische Sukzession und EIN und DIESELBE Liebe - unser Zuhause, die Kirche


Im Credo sagen wir, dass wir an die "eine Kirche" glauben, wir bekennen also, dass die Kirche eine einzige ist und dass diese Kirche in sich eine Einheit ist. Doch wenn wir auf die katholische Kirche in der Welt blicken, stellen wir fest, dass sie aus fast dreitausend Diözesen besteht, die auf allen Kontinenten verteilt sind: so viele Sprachen, so viele Kulturen! Hier sind Bischöfe aus so vielen verschiedenen Kulturen, aus so vielen Ländern. Hier ist der Bischof aus Sri lanka, der Bischof aus Südafrika, ein Bischof aus Indien, viele sind hier... Bischöfe aus Lateinamerika.

Die Kirche ist auf der ganzen Welt verteilt! Und doch bilden die Tausenden von katholischen Gemeinden eine Einheit. Wie ist das möglich?

Eine zusammenfassende Antwort finden wir im Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche, in dem es heißt: die auf der ganzen Welt verteilte katholische Kirche "hat nur einen Glauben, nur ein sakramentales Leben, nur eine apostolische Sukzession, eine gemeinsame Hoffnung und ein und dieselbe Liebe" (Nr 161).

Das ist eine schöne, klare Definition, die uns eine Orientierung gibt. Vereint im Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe, vereint in den Sakramenten, im Amt.: sie sind wie Pfeiler, die das eine große Gebäude der Kirche stützen und zusammenhalten. Wohin wir auch gehen, auch in der kleinsten Pfarrgemeinde, im abgelegensten Winkel der Erde, gibt es die eine Kirche; wir sind zu Hause, wir sind in der Familie, wir sind unter Brüdern und Schwestern. Und das ist ein großes Geschenk Gottes!

Die Kirche ist eine für alle. Es gibt nicht eine Kirche für die Europäer, eine für die Afrikaner, eine für die Asiaten und eine für die Menschen, die in Ozeanien leben, nein, sie ist überall dieselbe. Es ist wie in einer Familie: man kann weit entfernt leben, auf der Welt verstreut, doch die tiefe Verbindung, die alle Mitglieder der Familie vereint, bleibt beständig, wie groß die Entfernung auch sein mag. (...)

Fragen wir uns alle: Ich als Katholik, verspüre ich diese Einheit? Ich als Katholik, lebe ich diese Einheit in der Kirche? Oder interessiert es mich nicht, weil ich in meiner kleinen Gruppe oder in mir selbst verschlossen bin? Gehöre ich zu denen, die die Kirche für ihre Gruppe, ihr Land, ihre Freunde "privatisieren"? Es ist traurig, eine Kirche zu finden, die durch solchen Egoismus und solchen Mangel an Glauben "privatisiert" ist. Wirklich traurig!

Wenn ich höre, dass so viele Christen auf der Welt leiden, lässt mich das dann gleichgültig oder ist es, als ob einer aus der Familie leiden würde? Wenn ich daran denke oder davon höre, dass so viele Christen verfolgt werden und selbst das Leben für ihren Glauben hingeben, berührt das mein Herz oder lässt mich das kalt? Bin ich offen für jenen Bruder oder jene Schwester der Familie, die ihr Leben für Jesus Christus hingeben? Beten wir füreinander?

Ich stelle Euch eine Frage, aber beantwortet sie nicht laut, sondern nur in Eurem Herzen: Wie viele von Euch beten für die Christen, die verfolgt werden? Wie viele? Jeder beantworte das in seinem Herzen. Bete ich für jenen Bruder, für jene Schwester, die Schwierigkeiten haben, weil sie ihren Glauben bekennen und verteidigen? Es ist wichtig, über den eigenen Tellerrand hinauszusehen, sich als Kirche zu empfinden, als die eine Familie Gottes!


Erster Teil der Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 25. September 2013; erschienen in der "Tagespost" vom 28.09.2013, S. 7, Übersetzung von Claudia Reimüller
 
Ansprache des Papstes am 25.09.2013:




Foto: © FW

Mittwoch, 25. September 2013

Den kostbaren Schatz des Glaubens weitergeben ohne selber Christus zu verlieren

"Wir haben einen kostbaren Schatz weiterzugeben, einen Schatz, der Licht und Hoffnung bringt. Daran herrscht großer Bedarf!

Aber dies alles erfordert eine sorgfältige und qualifizierte Ausbildung von Priestern, Ordensleuten und Laien auch auf diesem Sektor. Der große „digitale Kontinent“ ist nicht einfach Technologie, sondern besteht aus realen Männern und Frauen, die das, was sie in ihrem Inneren bewegt, mit sich bringen – die eigenen Hoffnungen, die eigenen Leiden, die eigenen Sorgen, die Suche nach dem Wahren, Schönen und Guten.

Man muss Christus zeigen und bringen können, indem man die Freuden und Hoffnungen teilt, so wie Maria, die Christus dem Herzen des Menschen gebracht hat; man muss in den Nebel der Gleichgültigkeit hineingehen können, ohne sich zu verlieren; man muss auch in die dunkelste Nacht hinabsteigen, ohne vom Dunkel durchdrungen zu werden und zu verzagen; man muss die falschen Hoffnungen vieler anhören, ohne sich verführen zu lassen; man muss die Enttäuschungen aufnehmen, ohne in Bitterkeit zu geraten; die Desintegration anderer berühren, ohne sich in der eigenen Identität auflösen zu lassen und die innere Einheit zu verlieren*. Das ist der Weg. Das ist die Herausforderung."

*vgl. Ansprache an die brasilianischen Bischöfe, 27. Juli 2013, Nr. 4


Papst Franziskus an die Teilnehmer der Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel am 21.09.2013

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Montag, 23. September 2013

Gedanken über das christliche Menschenbild



Thomas von Aquin, der große Magister der abendländischen Christenheit, hat sich dafür entschieden, das christliche Menschenbild in sieben Thesen auszusprechen, die man folgendermaßen wiedergeben kann:
Erstens: der Christ ist ein Mensch, der - im Glauben - der Wirklichkeit des dreieinigen Gottes inne wird.

Zweitens: der Christ spannt sich - in der Hoffnung - auf die endgültige Erfüllung seines Wesens im Ewigen Leben.

Drittens: der Christ richtet sich - in der göttlichen Tugend der Liebe - mit einer alle natürliche Liebeskraft übersteigenden Bejahung auf Gott und den Mitmenschen.

Viertens: der Christ ist klug, das heißt, er lässt sich den Blick für die Wirklichkeit nicht trüben durch das Ja oder nein des Willens, sondern er macht das Ja oder Nein des Willens abhängig von der Wahrheit der wirklichen Dinge.

Fünftens: der Christ ist gerecht, das heißt, er vermag in Wahrheit "mit dem andern" zu leben, er weiß sich als Glied unter Gliedern in der Kirche, im Volk und in aller Gemeinschaft.

Sechstens: der Christ ist tapfer, das heißt, er ist bereit, für die Wahrheit und für die Verwirklichung der Gerechtigkeit Verwundungen und, wenn es sein muss, den Tod hinzunehmen.

Siebentens: der Christ hält Maß, das heißt, er lässt es nicht zu, dass sein Haben-wollen und sein Genießen-wollen  zerstörerisch und wesenswidrig wird. 

Diese sieben Thesen bedeuten, dass die Ethik der klassischen Theologie als Darlegung des Menschenbildes wesentlich Tugendlehre ist, näherhin: dass sie das Schrift-Wort von der Vollkommenheit des Christen interpretiert durch das siebenfältige Bild der drei göttlichen und der vier Kardinaltugenden.

Es ist, glaube ich, eine nicht unwichtige Bemühung, dieses großgeartete, aber vielfach verblasste und, noch schlimmer, vielfach übermalte Fresko des Menschenbildes der klassischen Theologie  dem Gemeinbewusstsein unserer Zeit wieder in seiner ursprünglichen Gestalt vor Augen zu bringen.

Nicht um eines "historischen Interesses" willen, nicht um festzustellen und zu zeigen, "wie es eigentlich gewesen ist", sondern: weil diese Interpretation des letzten menschlichen Richtbildes nicht nur gültig geblieben ist, sondern weil es, wie ich glaube, gradezu lebensnotwendig für uns ist, dieses Menschenbild wieder klar zu sehen und zu bejahen.


Josef Pieper in: "Über das christl. Menschenbild"; Verlag Jakob Hegner Leipzig; S. 13 ff 

Sonntag, 21. April 2013

„Komm, folge mir!“

"Wie schon während seines Erdenlebens, so geht Jesus, der Auferstandene, auch heute an den Wegen unseres Lebens entlang und sieht uns, vertieft in unsere Aktivitäten, mit unseren Sehnsüchten und unseren Nöten. Gerade im Alltag richtet er sein Wort an uns; er ruft uns, unser Leben zu verwirklichen mit ihm, der allein fähig ist, unseren Durst nach Hoffnung zu stillen.

Er, der in der Gemeinschaft der Jünger, der Kirche, lebt, ruft auch heute, ihm zu folgen. Und dieser Aufruf kann jederzeit eintreffen. Auch heute wiederholt Jesus: „Komm, folge mir!“ (Mk 10,21).

Um dieser Einladung zu folgen, ist es notwendig, nicht mehr selbst den eigenen Weg zu wählen. Nachfolge bedeutet, den eigenen Willen in den Willen Jesu einzusenken, ihm wirklich den Vorrang zu geben, ihm den ersten Platz einzuräumen gegenüber allem, was Teil unseres Lebens ist: gegenüber der Familie, der Arbeit, den persönlichen Interessen und gegenüber sich selbst. Es bedeutet, das eigene Leben ihm zu übergeben, in tiefer Vertrautheit mit ihm zu leben, durch ihn im Heiligen Geist in die Gemeinschaft mit dem Vater einzutreten und – folglich – in die mit den Brüdern und Schwestern.

Diese Lebensgemeinschaft mit Jesus ist der bevorzugte „Ort“, wo die Hoffnung zu erfahren ist und wo das Leben frei und erfüllt sein wird!"


Papst (em.) Benedikt XVI.; Botschaft zum 50. Weltgebetstag um geistliche Berufungen am 21.04.2013


Video der Kleruskongregation über das Priestertum


Zum Sonntag vom Guten Hirten:
Pastor bonus - Sonntag vom Guten Hirten

Donnerstag, 28. Februar 2013

Danke, Hl. Vater, Papst Benedikt XVI.!



 


"Jeden Tag habe ich jeden von euch mit väterlichem Herzen ins Gebet mit hineingenommen. Ich wünschte, mein Gruß und mein Dank erreichten schlechthin alle: Das Herz eines Papstes weitet sich auf die ganze Welt hin."

(Papst Benedikt XVI. am 27.02.2013 bei seiner letzten Generalaudienz)


Unaussprechliche Dankbarkeit, Hochachtung und Verehrung, Hl. Vater! In aller Stille...

Im Gebet verbunden...


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Dank an die Kollegen "Der Predigtgärtner" und "Geistbraus" für Idee und Umsetzung des Abschied-Läutens!

Samstag, 17. November 2012

„Auferstehungsfeiern“

Mancher Katholik erlebt Erstaunliches, wenn er eine kirchliche Trauerfeier besucht. Erwartete er eine Totenmesse mit ernstgestimmten Gesängen, zelebriert in schwarzer Farbe, so überraschen ihn nun weiße Gewänder und Alleluja-Rufe. Ob er in den falschen Gottesdienst geraten ist? Nein. Anstelle einer Totenmesse wird hier eben eine „Auferstehungsfeier“ gehalten!

Diese gehört zu den jüngeren Ergebnissen liturgisch-pastoraler Produktion. Mit Windeseile hat sie sich ausgebreitet und dabei viele Überbleibsel des traditionellen Totenkultes verdrängt. Dass es sich dabei nicht nur um neue Schläuche für den alten Wein, sondern auch um einen ganz anderen Inhalt handelt, offenbart sich bei näherer Beschäftigung. Man nehme z.B. zur Kenntnis, was in der Handreichung einer Schweizer Durchschnittspfarrei zu lesen ist: 

„Die Praxis zeigt, dass die Trauerfamilien in der Regel den Schwerpunkt der Abdankungsfeier auf den irdischen Tod oder die himmlische Auferstehung legen. Die erstgenannten Trauergottesdienste sind geprägt von der Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen. Die zweitgenannte Auferstehungsfeier durchzieht der frohmachende Gedanke über die Auferstehung des Verstorbenen im Reich Gottes, die uns Jesus zugesagt hat. In letzter Zeit ist festzustellen, dass die Variante der Auferstehungsfeier den Anliegen der Trauerfamilien mehr entspricht als ein klassischer Trauergottesdienst. Der Gedanke, den Tod als Auferstehung ins Ewige Leben zu feiern, nimmt den christlichen Glauben sehr ernst.“ 

Auffällig ist hierbei, dass es nach Meinung der Verfasser des Textes entweder um den irdischen Tod eines Menschen und, damit verbunden, um den Verlustschmerz der Hinterbliebenen oder um die Freude über die Auferstehung des Verstorbenen geht. Wen wundert es, wenn die Trauerfamilie unter solchen Voraussetzungen die zweite Variante wählt? Es feiert sich nun einmal besser im Blick auf die Himmelsfreuden eines geschätzten Menschen als im Gedanken an den eigenen Schmerz!

Merkwürdig allerdings, dass die Perspektive, in der die katholische Kirche bisher den Tod eines Menschen gesehen hat, gar nicht zur Wahl steht, sondern gänzlich ausgeblendet wird. Diese Perspektive, ausgeprägt in der traditionellen Totenliturgie, entspricht dem christlichen Realismus. Sie richtet ihr Hauptaugenmerk nicht auf die Trauer, die Verwandte und Freunde des Verstorbenen erfüllt, und auch nicht auf dessen Auferstehung, so als hätte sie sich bereits ereignet (denn darüber besitzen wir weder Erfahrungswissen noch Glaubensgewissheit). Vielmehr wendet sich die genuin katholische Sichtweise der Lage des aus der Welt geschiedenen Menschen zu, so wie sie entsprechend der göttlichen Offenbarung ist. 

Und wie ist diese Lage? Hoffnungsvoll in dem Maße, als der Verstorbene ein Leben im wahren Glauben und in der Liebe geführt hat – und ernst, insofern er das nicht tat. Das klingt einfach, beinahe zu einfach. Aber es ist doch weitaus anspruchsvoller und glaubwürdiger als jene schlechte Vereinfachung, die meint, hinwegsehen zu dürfen über die klare Schriftlehre von Gericht und möglicher Verwerfung, über die Tatsache, dass nichts Unreines zu Gott eingehen kann (Apk 21,27), und über die Notwendigkeit einer jenseitigen Läuterung für viele.

In der Auferstehungsfeier geht man ohne weiteres von der Beseligung des Verstorbenen, ja offensichtlich aller Verstorbenen aus. Oder sollte es etwa vorkommen, dass man im Falle eines abständigen Christen, eines Menschen, der objektiv in schwerer Sünde lebte, die „frohmachende“ Variante verweigert und anstelle des Alleluja dann doch wieder das düstere Dies irae anstimmt? Wohl kaum.

Im Alten Testament wird Judas der Makkabäer dafür gerühmt, dass er zur Entsühnung der Gefallenen seines Heeres Opfer darbringen ließ: „Damit handelte er sehr schön und edel; denn er dachte an die Auferstehung. Hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es nämlich überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten. (...) Ein heiliger und frommer Gedanke ist es daher, die Toten zu entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden.“ (2 Makk 12,43ff.).

Ebenso zeugt es vom Glauben an die Auferstehung, wenn die Kirche für die Verstorbenen das heilige Messopfer darbringt. Aber es ist dies ein Auferstehungsglaube, der den Eintritt in die unermessliche Glorie des Himmels nicht als Barmherzigkeits-Automatismus betrachtet, sondern zugleich auch die untrügliche Gerechtigkeit des Richters bedenkt.

Das sühnende, erlösende Opfer Jesu Christi durch eine Art Heiligsprechungsfeier zu ersetzen, bedeutet letztlich, der Seele des lieben Verstorbenen die größte Wohltat vorzuenthalten. Daher ist und bleibt die ernste Totenmesse schlussendlich auch für die Hinterbliebenen so viel tröstlicher als die Feier einer Hoffnung, die sich bei genauerem Hinsehen oft als vermessene Illusion entpuppt.


P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad 


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS) 



Foto: FSSP

Freitag, 2. November 2012

Tröstet also einander mit diesen Worten! (1.Thess 4,18)

Wir dürfen nicht trauern wie die Heiden, die keine Hoffnung haben. (vgl. 1. Thess 4,13)

Die christliche Trauer darf sich nicht auf Tränen am Grabe beschränken. Wertvoller als die Tränen der Liebe sind die Werke der Liebe, die wir den Toten nachsenden. Es gibt eine Brücke zwischen denen, die heimgingen, und denen, die in der Verbannung zurückbleiben müssen. Diese Brücke ist das Gebet.

Der katholische Glaube hat Balsam für alle Wunden, stärkenden Trost für alles Leid. Der katholische Glaube bietet uns auch zahlreiche Trostgründe, durch die der Schmerz um die Verstorbenen gemildert wird.

Es ist trostreich, zu wissen, dass der Herr es ist, der da ruft, nicht ein blindes Schicksal, nicht ein grausames Verhängnis, das mit dem Schmerz der Menschen spielt und ihrer Tränen spottet, sondern Gott, der die Liebe ist, der nur zeitweise trennt, um ewig zu verbinden, der uns Irdisches nimmt, um uns Himmlisches zu geben.

aus: Bernhard van Acken, Konvertiten-Katechismus; S. 91 (s. Quellen)

Samstag, 27. Oktober 2012

Die eine und einzige Kirche (II)

Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad 

Brautschaft

Die „Männerkirche“...! Gerne macht man es der katholischen Kirche zum Vorwurf, sie sei männlich dominiert und unterdrücke den größeren, den weiblichen Teil ihrer Mitglieder. Jedoch ist der Ausdruck „Männerkirche“ nicht nur lieblos, er ist auch falsch. Zwar stimmt es, dass die amtliche Repräsentation Jesu Christi – des Gottessohnes, der als Mensch und Mann gekommen ist – von Männern ausgeübt wird. Die Kirche selbst aber ist weiblich. Hier legt die Sprache die richtige Spur: Die griechischen Bezeichnungen ekklesía (die von Gott aus der Welt herausgerufene Gemeinde; daher lat. ecclesia, ital. Chiesa, span. iglesia...) und kyriaké (die dem Kyrios, dem Herrn Angehörende; daher engl. church, niederl. Kerk, dt. Kirche) sind feminine Worte. Und sie sind es nicht zufällig.

Der tiefere Grund dafür liegt in der Tatsache, daß die Kirche wesenhaft die Braut Jesu Christi ist. Er selbst bezeichnet sich als Bräutigam (Mk 2,19 f.), und Sein Vorläufer, Johannes der Täufer, sieht sich als „Freund des Bräutigams“ und Brautführer, der sich freut, das Volk zu Ihm zu geleiten (Joh 3,29 f.). Vor allem Paulus vertieft diese Sichtweise der Kirche: Er eifert mit der Eifersucht Gottes um die Gemeinden, um sie als reine Jungfrau Christus zu übereignen (2 Kor 11,2). Er ist es auch, der die eheliche Verbindung von Mann und Frau als ein sakramentales Abbild der Verbindung Jesu mit Seiner Braut, der Kirche, beschreibt: Die Eheleute werden ein Fleisch, sowie auch die bräutliche Kirche mit ihrem Herrn ein Fleisch wird (vgl. Eph 5,21-33). Die Kirche – Braut und Leib des Herrn!

Was aber folgt daraus für unser Thema, die Einzigkeit der Kirche? Jemand hat es einmal auf die reichlich provokante Formel gebracht: „Unser Herr ist gekommen, sich eine Braut zu nehmen, nicht sich einen Harem zu erwerben.“ So unpassend diese Worte angesichts der Geheimnisse unseres Glaubens auch sein mögen, sie erhellen doch auf ihre Weise den Sachverhalt, dass das Urbild der christlichen Ehe keine andere als eine monogame Verbindung sein kann, dass es also neben der einen Kirche Jesu Christi keine anderen Kirchen gibt, die beanspruchen können, Seine Braut zu sein.

Zum Verständnis hilft uns ein Blick in die Heilsgeschichte. Gott hatte sich zunächst ein Volk aus allen anderen zum Eigentum erwählt und mit ihm einen exklusiven Bund geschlossen. Dieser aber war im Lauf der Zeit immer wieder gebrochen worden. Durch den Mund der Propheten rügte Gott solche Treulosigkeit als „Hurerei“ (vgl. Jer 2,20 ff.; Hos 2,4 ff. u.a.) und stellte schon lange vor der Ankunft Seines Sohnes einen neuen und ewigen Bund in Aussicht (Jes 55,3). In diesem werde Er selbst sich als Gemahl Seines Volkes annehmen und Sion, zu dem nun alle Völker strömen würden (Jes 2,2), neu erbauen (Jes 54,4 ff.).

Das ist durch das Erlösungswerk Jesu Christi Wirklichkeit geworden. Sein neues Volk unterliegt nun nicht mehr den Beschränkungen durch Fleisch und Blut, sondern umfasst Menschen von allen Enden der Erde. Aber dieses Volk ist dennoch eine klar bestimmte Größe, da es aus genau denjenigen besteht, die getauft sind „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19) und somit wiedergeboren aus dem Wasser und dem Geist (Joh 3,5), die den wahren Glauben bekennen und sich als lebendige Steine über dem apostolischen Felsen (Mt 16,18) auf dem Fundament Christi (1 Kor 3,11) zu einem geistigen Tempel, einem heiligen Priestertum erbauen lassen (1 Petr 2,5). Taufe, Glaube und Anerkennung der apostolischen Oberhirten sind seit eh und je Bedingungen für die Kirchenzugehörigkeit.

Dass sich die katholische Kirche als die eine und einzige Kirche Jesu Christi versteht, liegt somit ganz in der Kontinuität, die zwischen dem Alten und dem Neuen Bund besteht. Und übrigens ist es auch von der Kirche selbst her betrachtet mehr als verständlich, wenn sie keine anderen Gemeinschaften als ebenbürtig anerkennt. Welche Braut würde denn wohl sagen, neben ihr sei der Bräutigam durchaus auch anderen Frauen in gleicher Liebe zugetan, und das sei gut so...?

Die Folgen aus dem Identitätsverlust vieler Katholiken, zur einen und einzigen Kirche des Herrn zu gehören, können kaum ermessen werden. Von hier aus verliert sich alles ins Unbestimmte und Unverbindliche. Gott aber will gerade das Bestimmte und Verbindliche, sonst hätte Er sich in der Geschichte des Heils und in Seiner Offenbarung anders gezeigt. Daher brauchen wir Katholiken heute wieder ein klareres Bewusstsein von der Brautschaft der Kirche. Nein, nicht „Männerkirche“, sondern Braut des Herrn!


1. Teil:

Mittwoch, 26. September 2012

Stimmen zum "Marsch für das Leben", Berlin am 22.09.2012

"Wenn Er (Gott) uns durch Seinen Sohn Jesus Christus garantiert, dass die Wahrheit siegen wird – dann ist das eine garantierte göttliche Garantie. Und zu dieser Wahrheit gehört das, wofür die Freunde des Lebens seit zehn Jahren öffentlich mitten in der deutschen Bundeshauptstadt Zeugnis ablegen. Wofür sie sich engagieren. Wozu Lebensschützer sich hier und anderswo bekennen.

Es ist das Bekenntnis zur Unteilbarkeit und Unantastbarkeit der Würde des Menschen. Eines jeden Menschen. Ob noch im Mutterleib wachsend oder schon geboren, ob gesund oder nicht, ob behindert begabt oder unbehindert begabt, ob reich oder arm, ob jung oder alt, ob weiß oder schwarz.

Es ist das Bekenntnis zum Schutz des Lebens, ob gerade durch Zeugung entstanden oder längst geboren, ob mit schwerer Krankheit oder einfach nur alt. Das ist das Bekenntnis zur Wahrheit, die von Gott kommt. Wer diese Wahrheit nicht verschweigt, klärt auf in einer Gesellschaft, in der viele Angst vor wahrer Aufklärung haben.

Es darf nicht sein, dass die Grundlage von echter Humanität zerstört wird
- durch Tötung im Mutterleib,
- durch Wegspritzen alter Menschen,
- durch tödliche Forschung mit Embryonen,
- durch die tödliche Lüge angeblicher harmloser Tests,
- durch mörderische Selektion von Menschen,
- durch die Wiederkehr des Scheidens in lebenswertes und unwertes Leben!

(...) Und sie sagen friedvoll und klar JA ZUM LEBEN. Ja zur Kultur des Lebens! Sie lassen sich nicht beirren vom Widerstand derer, die Angst vor der Wahrheit haben und meinen, sie durch primitives Gebrüll verhindern zu können."


Martin Lohmann, Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL), Theologe und Journalist bei der Ansprache während des Ökumenischen Gottesdienstes in der Berliner Hedwigskathedrale anlässlich des Marsches für das Leben am 22. September 2012



Linkrutsche:

Videos vom 22.09.2012 z. B.: hier, hier und hier.

Bundesverband Lebensrecht: Marsch für das Leben 2012

Berliner Erklärung zum Schutz des menschlichen Lebens

Grußwort des Präfekten der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller

idea.de:
Yesssss! von: Alipius
„Marsch für das Leben“ mit Rekordbeteiligung (22.09.2012)

Braut des Lammes (mit Fotos):
Morgen: Marsch für das Leben 2012
364 Tage beten und ein Schweigemarsch – Marsch für das Leben 2012

Tiberius:
Marsch für das Leben in Berlin

Claudia Sperlich:
Friedlich und von Krakeelern begleitet (22.09.2012)
Dumme Parolen ( 25.09.2012)

Papsttreuer:
Marsch für das Leben in Berlin - Textimpressionen (24.09.2012)

Vincentius Lerinensis:
Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn! (25.09.2012)

Die Pimpfe (immer und überall dabei!):
Marsch für das Leben (mit den Pimpfen und Dominic und Tim)

Bundesverband Lebensrecht (BVL):
Pressemitteilung des BVL zum Marsch für das Leben in Berlin (24.09.2012)

Christliches Forum:
Blasphemische Parolen ultralinker Gegendemonstranten beim Marsch fürs Leben

medrum:
Manipulative Berichterstattung über "Marsch für das Leben" im RB am 23.09.2012

Kath.net:
Der 'Marsch für das Leben' und die manipulative Berichterstattung

Hilfe statt Abtreibung (Adressen und Kontaktmöglichkeiten)

und ganz unabhängig vom "Marsch für das Leben" aber ebenfalls zum Thema "Abtreibung und die Einstellung unserer Gesellschaft zum Leben" eine wahre Geschichte von "ichwesen", sehr lesenswert: 

Eine kleine Geschichte





 Werben für  Leben: Die 1000plus Idee

Dienstag, 25. September 2012

Hilfe statt Abtreibung

Schwangere in Not finden z. B. Hilfe bei folgenden Einrichtungen:


HLI Österreich
Große Sperlgasse 33/EG
1020 Wien

Tel.: 01 / 218 20 33
Fax: 01 / 218 20 33 15


Reden wir miteinander!
E-Mail: Schwangerenhilfe@hli.at

24-Stunden-Hotline: Österreich: 0664/43 25 060

Niederlassungen / Kontakt-Möglichkeiten:

Telefon:


01 / 513 75 79       Lebenszentrum, A-1010 Wien Postgasse 11a
0664 / 43 25 060   24 h Hotline
01 / 218 20 33       Ja zum Leben
01 / 48 13 777       Addam's Frauenzentrum
0662 / 88 05 54     Lebenszentrum Salzburg 5020, Plainstraße 21
0316 / 81 12 57     Lebenszentrum Graz 8010, Jakoministraße 21
0676 / 49 23 446   Hotline Graz
05576/78 504        Lebenszentrum Hohenems

--------------------------------------------------------------------------------------------
 
Aktion Leben Deutschland

http://www.aktion-leben.de/

Abtsteinach/Odenwald

Telefon: 06201/2046
Telefax:  06201/23848
 E-Mail: post@aktion-leben.de

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Pro Femina e.V.  (D/A/CH)

vorAbtreibung.net 

D:               kostenlose Telefon-Hotline  0 8000 60 67 67
A und CH:  kostenlose Telefon-Hotline 00 8000 60 67 67 0 


--------------------------------------------------------------------------------------------

Die BIRKE e. V.

https://www.diebirke.org/home

Bergstraße 114
69121 Heidelberg

Tel.: 06221/6067-0
Fax: 06221/6067-18
Mail: info@diebirke.org

Donnerstag, 6. September 2012

Gott ist da

 
Das regelmäßige Beten weckt in uns den Sinn für Gottes Gegenwart in unserem Leben
als einer, der da ist,
der uns kennt,
der uns trägt
und führt
und Hoffnung schenkt.

 
Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz am 05.09.2012 



Mittwoch, 29. August 2012

Zwei Gefahren für das Seelenheil: Vermessene Hoffnung und Verzweiflung

Augustinus über die Schriftstelle Joh 8,1-11 (Jesus und die Ehebrecherin)

Von zwei Seiten also kommen die Menschen in Gefahr, durch Hoffnung und Verzweiflung entgegengesetzte Dinge, entgegengesetzte Gemütszustände. Wer täuscht sich durch Hoffen? Wer sagt: Gut ist Gott, barmherzig ist Gott, ich will tun, was mir gefällt, was beliebt, ich will meinen Begierden die Zügel schießen lassen, den Gelüsten meiner Seele nachgehen. Warum das? Weil Gott barmherzig, gut und milde ist. Diese kommen durch Hoffnung in Gefahr.

Durch Verzweiflung aber jene, die, wenn sie in schwere Sünden gefallen sind, in der Meinung, sie könnten auch nicht mehr durch Buße Verzeihung erlangen, und in der Meinung, sie seien zweifellos zur Verdammnis bestimmt, bei sich selbst sagen: Wir sind bereits der Verdammnis verfallen, warum sollen wir nicht tun, was wir wollen? Das ist die Stimmung der dem Schwerte geweihten Gladiatoren. Darum sind die Verzweifelten unbequem; denn sie haben nichts mehr zu fürchten und sind sehr zu fürchten.

Die einen tötet die Verzweiflung, die andern die Hoffnung. Zwischen Hoffnung und Verzweiflung pendelt der Geist hin und her. Es ist zu befürchten, daß dich die Hoffnung tötet, und du, indem du viel von der Barmherzigkeit erhoffst, ins Gericht kommst; es ist anderseits zu befürchten, daß dich die Verzweiflung tötet, und du, indem du meinst, es würden dir deine schweren Sünden nicht mehr verziehen, keine Buße tust und dem Richter anheimfällst, der Weisheit, welche sagt: "Und ich werde über euer Verderben lachen" (Spr 1,26).

Was tut also der Herr mit denen, die durch die beiden Krankheiten in Gefahr sind? Denen, welche wegen der Hoffnung in Gefahr sind, sagt er dies: "Säume nicht, dich zum Herrn zu bekehren und verschiebe es nicht von einem Tag zum andern, denn plötzlich wird sein Zorn kommen und wird zur Zeit der Rache dich verderben" (Ekkli 5,8.9).

Was sagt er zu jenen, die durch Verzweiflung in Gefahr sind? "An dem Tage, an welchem der Gottlose sich bekehrt, werde ich alle seine Missetaten vergessen" (Ez 18,21.22.27) . Wegen jener also, die durch Verzweiflung in Gefahr sind, hat er den Hafen der Vergebung eröffnet; wegen jener, die durch Hoffnung in Gefahr sind und durch Aufschub zu Schaden kommen, hat er den Tag des Todes unsicher gemacht. Wann der letzte Tag kommt, weißt du nicht. Du bist undankbar, weil du den heutigen hast, um dich an ihm zu bessern. So also bei diesem Weibe: "Auch ich will dich nicht verurteilen", aber sicher gemacht wegen der Vergangenheit, hüte dich für die Zukunft. "Auch ich will dich nicht verurteilen"; ich habe getilgt, was du verbrochen, beobachte nun, was ich befohlen, damit du findest, was ich verheißen habe.



Bild: Taufe des hl. Augustinus, ca 1464; Benozzo Gozzoli (1420–1497)
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