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Montag, 15. Juni 2015

Zur Erinnerung: Die frohe Botschaft

Als Christen glauben wir nicht, dass die Zivilisation am Ende das Reich Gottes hervorbringt, sondern die innere Dynamik der Geschichte bringt den Antichrist hervor. Und das Reich Gottes wird am Ende von außen her einbrechen. Das ist immer christliche Überzeugung gewesen.


Der Philosoph und Autor Robert Spaemann in einem Interview mit der "Tagepost" (29.12.2010) online via kath.net


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Mittwoch, 26. Juni 2013

Nur ein "einfacher und bescheidener Arbeiter im Weinberg des Herrn" - und dennoch...

Kurien-Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation antwortete in einem lesenswerten Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" auf die Frage, ob er bereits eine Bilanz des Pontifikates von Papst Benedikt XVI. ziehen könne:



"Wer auch nur ein wenig Ahnung hat von Geistes- und Kirchengeschichte, von Theologie und Philosophie, der weiß auch, dass er als einer der ganz großen Päpste anzusehen ist."








(das Zitat der Überschrift bezieht sich auf die ersten Worte Benedikts XVI., die er nach seiner Wahl zum Papt an das Volk richtete)

Mittwoch, 13. Februar 2013

Prälat Imkamp zum Amtsverzicht Benedikt XVI.: Weltweite Aufmerksamkeit ist Zeichen für enorme Bedeutung des Papsttums

Aufgrund von Anfragen zum Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI. und dem "ungewöhnlichen" Ereignis eines "Papst-Rücktritts" hat die Wallfahrtsdirektion von Maria Vesperbild folgende erklärende Pressemeldung herausgebracht:

Im Jahr 1983 habe ich mich mit Papst Coelestin V. beschäftigen müssen, das heißt mit einem Buch des berühmten Mediävisten Peter Herde mit dem Titel „Coelestin V. – Ein Papst zwischen historischer Realität und kirchenpolitischer Legende“.

Coelestin V. war im 13. Jahrhundert ebenfalls zurückgetreten, und zwar weil er „ganz offenkundig in ständiger Spannung mit seiner weltlich-organisatorischen Betätigung stand“. Dazu kamen noch andere Gründe. Das Pontifikat von Coelestin V. endete am 13. Dezember 1294 nach nur fünf Monaten.

Als Papst Paul VI. 1966 bei seinem Besuch in Fumone das Andenken Coelestins V. besonders hervorhob, kamen damals Gerüchte auf, Paul VI. trage sich mit Rücktrittsabsichten. Diese Gerüchte hielten sich bis zum Vorabend seines 80. Geburtstages. Dann gab es ein offiziöses Dementi in der Vatikanzeitung.

Coelestin V. wurde nach seinem Tod heilig gesprochen, aber zu seinen Lebzeiten von seinem Nachfolger Bonifaz VIII. eher zum Schweigen angehalten. Eine Position, die Papst Paul VI. ausdrücklich rechtfertigte.

Grundsätzlich liegt unser Papst auf der Linie, die er selbst in dem Buch „Licht der Welt“ von Peter Seewald schon skizziert hatte, ja er wiederholt in seiner lateinischen Ansprache fast wörtlich die entsprechende Passage aus diesem Buch. Es gibt also eine konsequente Kontinuität des päpstlichen Denkens.

m Übrigen gilt der Can 332 §2 des Kirchenrechts, und wenn es auch kein Routinevorgang ist, handelt es sich weder um einen beispiellosen Vorgang noch um einen Vorgang, der vom Kirchenrecht nicht vorgesehen wäre.
Im Übrigen zeigt gerade die weltweite Betroffenheit und Aufmerksamkeit, die dieser Schritt erlangt, die enorme Bedeutung des Papsttums. Gerade im Rücktritt leuchtet das Papsttum in seiner Würde hell auf.

Maria Vesperbild am Aschermittwoch 2013
Prälat Dr. Wilhelm Imkamp
Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild

Wallfahrtsdirektion Maria Vesperbild
Schellenbacher Str. 4
86473 Ziemetshausen
0 82 84 / 80 38
Fax 0 82 84 / 83 58
Internet: www.maria-vesperbild.de
E-Mail: wallfahrtsdirektion@maria-vesperbild.de

Dienstag, 1. Januar 2013

Der Friede ist kein Traum...



Der Friede ist kein Traum, keine Utopie: Er ist möglich. Unsere Augen müssen mehr in die Tiefe schauen, unter die Oberfläche des äußeren Anscheins, um eine positive Wirklichkeit zu erblicken, die in den Herzen existiert. Denn jeder Mensch ist nach dem Bild Gottes erschaffen und dazu berufen, zu wachsen, indem er zum Aufbau einer neuen Welt beiträgt.

Gott selber ist ja durch die Inkarnation seines Sohnes und durch die durch ihn erwirkte Erlösung in die Geschichte eingetreten, indem er eine neue Schöpfung erstehen ließ und einen neuen Bund zwischen Gott und den Menschen schloß (vgl. Jer 31,31-34) und uns so die Möglichkeit gegeben hat, »ein neues Herz« und »einen neuen Geist« (Ez 36,26) zu haben.

Eben deshalb ist die Kirche überzeugt, daß die Dringlichkeit besteht, Jesus Christus, den ersten und hauptsächlichen Urheber der ganzheitlichen Entwicklung der Völker und auch des Friedens, neu zu verkünden. Jesus ist nämlich unser Friede, unsere Gerechtigkeit, unsere Versöhnung (vgl. Eph 2,14; 2 Kor 5,18). Friedensstifter im Sinne der Seligpreisung Jesu ist derjenige, der das Wohl des anderen sucht, das umfassende Wohl von Seele und Leib, heute und morgen.

 




Montag, 31. Dezember 2012

Eucharistie und Menschwerdung (2)

Fortsetzung von hier: Teil 1

Als das Wort in die Welt kam und "Fleisch annahm", hatte es nicht nur die Absicht, ein ähnliches Leben wie unseres zu führen, sondern auch, dieses Fleisch für das Leben der Welt hinzugeben; deshalb findet die Fleischwerdung ihre Erfüllung in der Eucharistie.

Die Eucharistie schenkt der Menschwerdung eine Dimension, die die einfache Tatsache des Kommens Christi im Rahmen seines irdischen Daseins nicht haben könnte. Sie erlaubt dem Fleisch des Gottessohnes, all jene zu erreichen, die in ihrem Menschenleib dazu berufen sind, an der Gotteskindschaft Anteil zu haben und als Kinder Gottes zu leben. Sie bietet die verwandelnde Kraft des Fleisches Christi in ihrem höchsten Grad an, nämlich so, wie sie in der umfassenden Entfaltung der Gnade im Leben des Menschen umgesetzt werden muss.

Das ist eine Antwort auf das Bedauern der Menschen, die den unermesslichen Wert der Menschwerdung verstehen, diesen einzigartigen Augenblick der Menschheitsgeschichte aber nicht erleben konnten. Wer nach dem Tod Christi geboren wurde, konnte ihn ja nicht mehr persönlich kennenlernen.




Jesus selbst hat die Jünger auf ihre Bevorzugung hingewiesen: "Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören" (Mt 13,16). Man hätte denken können, dass dieses Glück nur denen zuteil wurde, die zur Zeit Jesu in Palästina lebten. Statt dessen schließen diese Worte keineswegs aus, dass auch spätere Generationen dieses Glück haben können, denn es wird auch all jenen zuerkannt, die in der Vergangenheit auf den Messias gewartet haben und ihm nicht begegnen konnten: "Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört" (Mt 13,17).

Selbstverständlich haben die nach Christus Geborenen nicht das den Aposteln gewährte Privileg, die sichtbare Gegenwart des Erlösers zu erleben; sie können nicht dieselbe Erfahrung machen, die ganz einzigartig und auf eine kurze Epoche der Geschichte beschränkt war, nämlich die Erfahrung der menschlichen Nähe des Sohnes Gottes.

Aber die Sinneswahrnehmung der Apostel enthielt durchaus auch eine spirituelle Erfahrung: Das Glück bestand nicht nur darin, Jesus zu sehen und ihn zu hören, sondern auch darin, in ihm den Gottessohn zu erahnen, der zum Glauben aufrief. Die Augen, die sahen, und die Ohren, die hörten, waren die der Gläubigen, die ihm gefolgt waren.

Diese höhere Seligkeit auf der Ebene des Glaubens wird all jenen angeboten, die in Christus den zu uns gekommenen Gottessohn erkennen. Sie wird angeboten durch die Offenbarung des Evangeliums, das uns die Wahrheit der Menschwerdung konkret lehrt, besonders aber durch die Eucharistie, in der das Geheimnis des menschgewordenen Wortes sich offenbart und immer neu aktualisiert wird.

Die Eucharistie erlaubt den Gläubigen, die Gegenwart Christi so zu erfahren, wie damals die Zeitgenossen Jesu dazu aufgefordert wurden. Sie gibt ihnen die Chance, mit den Augen des Glaubens den Leib und das Blut Jesu in einem sichtbaren Zeichen zu sehen.

Was die spirituelle Aufnahme dieser Gegenwart betrifft, so erhalten die Christen aller Zeiten das Privileg, das den Zeitgenossen Jesu gewährt wurde, durch die Eucharistie. Sie erleben das Glück der innigsten Verbindung mit dem menschgewordenen Sohn.


aus: Eucharistie - Sakrament des Neuen Lebens, hrsg. v.d. Theolog.-Histor. Kommission für das Hl. Jahr 2000; Verlag Schnell und Steiner Regensburg AD 1999; S. 18/19; (s. Quellen) 


(Hervorhebungen durch Fettdruck von FW)  
Foto: Saint Brigid of Kildare Church (Dublin, Ohio); Nheyob, wikimedia commons

Samstag, 29. Dezember 2012

Kindermord von Betlehem - historisch?

 "Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig, und ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte". (Mt 2,16)

Die Historizität des "Kindermords von Betlehem", von dem der Evangelist Matthäus im zweiten Kapitel seines Evangeliums berichtet, wird manchmal in Zweifel gezogen, weil es außer der genannten Erwähnung des Matthäus keine weiteren Zeugnisse über dieses Ereignis gibt.

Dazu einige Meinungen: 

1. Papst Benedikt XVI. schreibt in seinem Prolog über Jesus von Nazareth (S. 116/117): 

"Zwar wissen wir aus nichtbiblischen Quellen nichts über diesen Vorgang, aber angesichts aller Grausamkeiten, die Herodes sich zuschulden kommen ließ, beweist das nicht, dass diese Untat nicht stattgefunden hätte. Rudolf Pesch zitiert dazu den den jüdischen Autor Abraham Schalit: "Der Glaube an die unmittelbar bevorstehende Ankunft oder Geburt des messianischen Königs lag damals in der Luft. Der argwöhnische Despot spürte überall Verrat und Feindschaft, und ein vages zu ihm gedrungenes Gerücht kann seinem kranken Geist sehr wohl den Gedanken eingegeben haben, die neugeborenen Kinder zu töten. Der Befehl hat somit nichts Unmögliches an sich" (Rudolf Pesch, Die matthäischen Weihnachtsgeschichten. Die Magier aus dem Osten, König Herodes und der betlehemitische Kindermord, Bonifatius, Paderborn 2009; S. 72)."

Ratzinger, Joseph (Benedikt XVI.): Jesus von Nazareth, Prolog - Die Kindheitsgeschichten; Herder Verlag Freiburg Basel Wien; AD 2012


2. Heinrich Klug schreibt in seinem Werk "Das Evangelium als Geschichtsquelle und Glaubensverkündigung" (S. 499-501) zur Nichterwähnung des betlehemitischen Kindermordes durch den Geschichtsschreiber Flavius Josephus: 

"Das Johannesevangelium, das als topographisch zuverlässig durch die wissenschaftliche Forschung immer mehr anerkannt wird (1), bezeichnet Betlehem zur Zeit Jesu als einen "Flecken" (Joh 7,42: Komä = Dorf, Kastell). In einem solch kleineren Ort ist die Zahl der jährlichen Geburten nicht bedeutend groß. Bei dem Kindermord war diese Zahl noch halbiert, weil die Mädchen nicht ermordet wurden. (...) 

Flavius Josephus fasste sein Urteil über Herodes in die Worte zusammen: Herodes "wütete gegen Schuldige und Unschuldige mit gleicher Bosheit" (Flav Jos Ant 17,6,5 (2)). Der Bericht des Evangeliums über den Kindermord des Herodes stimmt genau überein mit den außerbiblischen Angaben über die negativen Charakterzüge des Herodes: Ehrgeiz, Herrschsucht, Misstrauen, Verschlagenheit, Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit. Mit den großen politischen Ereignissen und den Massenmorden durch Herodes, besonders an dem jüdischen Hochadel und an anderen führenden Persönlichkeiten ist allerdings der Mord in Betlehem im Hinblick auf die verhältnismäßig geringe Zahl und die politische Bedeutungslosigkeit der unmündigen Kinder armer, unangesehener Leute von Betlehem nicht zu vergleichen.

Entweder erschien dem Schriftsteller Flavius Josephus der Kindermord von Betlehem als weltgeschichtlich und volkspolitisch nicht bemerkenswert, oder dieser Vorfall war ihm bei der Fülle der anderen politisch bedeutungsvollen Ereignisse jener Zeit überhaupt nicht bekannt. Auf keinen Fall ist das Schweigen über den Vorfall in Betlehem ein Beweis gegen die Geschichtlichkeit des Kindermordes." 

(1) Xavier Leon Dufour, Die Evangelien und der historische Jesus, S. 143-150
(2) Schuster-Holzammer S. 125

Heinrich Klug: Das Evangelium als Geschichtsquelle und Glaubensverkündigung; Martin Verlag Buxheim/Allgäu AD 1976; S. 499-501 (s. Quellen)


3. ZDF - Phönix Film über König Herodes und den Kindermord

 


"Ob auch Bethlehem damals Schauplatz eines Kindermords war, ob König Herodes Jesus nachstellen ließ, lässt sich nicht beweisen. Aber der Mord an den Kindern von Aschkelon und die Brutalität, mit der Herodes regierte, machen die Legende zumindest glaubhaft", so das Fazit der Reportage.

Selbst, wenn im Nachhinein die Skelettfunde von Ashkelon auf ein späteres Jahrhundert datiert wurden (falls diese Information zutreffend ist, vgl. wikipedia), zeigt die archäologische Bestätigung von massenhaften Kindstötungen in der Antike unweit von Betlehem, dass eine solche nicht notwendigerweise Aufnahme in die Geschichtsschreibung gefunden haben muss.

Es gibt also nach wie vor keinen Grund, den, wenn auch knappen Bericht des Matthäus-Evangeliums über den Kindermord von Betlehem lediglich als eine Erfindung des Verfassers abzutun. Im Gegenteil gibt aber gute Gründe, am Überlieferten eines getreuen Zeugen festzuhalten; man darf es weiterhin für tatsächlich geschehen halten.

Warum auch sollte der Verfasser des Matthäus-Evangeliums seinen Zuhörern eine erdachte Geschichte - aufgrund eines geschichtlichen Ortes und geschichtlich bezeugtem Protagonisten, dem König Herodes nämlich - zumuten, immerhin mit dem Risiko, dadurch seine eigene Glaubwürdigkeit und die seiner gesamten Botschaft auf's Spiel zu setzen? Seit dem 5. Jahrhundert ist das Gedenken und die Verehrung der Opfer dieses Verbrechens als "Fest der heiligen Unschuldigen Kinder" in der abendländischen Kirche bezeugt (vgl. Schott Volksmessbuch).

Und endlich: Der christliche Glaube ist nicht abhängig von archäologischen Funden. Auch nicht von anderen Wissenschaften. Er ist allein Gnadengeschenk Gottes und Zustimmung zu seinem Wort und seiner Offenbarung.



Weiteres zum Thema Christi Geburt:

Freitag, 24. Februar 2012

O glückliche Häresie!

St. Michael; (commons)

Adae peccatum, quod Christi morte deletum est! O felix culpa, quae talem ac tantum meruit habere Redemptorem!

Wahrlich geschehen mußte die Sünde Adams, daß Christi Sterben sie sühne! O glückliche Schuld, gewürdigt eines Erlösers, so hehr und erhaben!


So werden wir in der Osternacht wieder im österlichen Preisgesang, dem "Exsultet", singen...

Ist es nicht ähnlich angebracht, auch die Irrlehre, die Häresie als glücklich und nützlich zu bezeichnen? In der Tat verdanken wir den Irrlehren, dass sich unser Glaube aufgrund der Auseinandersetzung mit ihnen immer weiter entfaltet und immer klarer definiert wird, sodass wir immer tiefer in die Wahrheit eindringen.

Dietrich von Hildebrand erklärt in seinem Werk "Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes", dass - was die göttliche Offenbarung angeht - Fortschritt keineswegs darin besteht, eine bloße "Antithese auf Irrtümer der vorigen Epoche" zu postulieren. (s. S. 42) Vielmehr, so Hildebrand entsteht Fortschritt dadurch, "alles mit dem Geist und der Wahrheit Christi zu konfrontieren - gelegen oder ungelegen - ohne Rücksicht auf den Geist unserer Zeit oder den irgendeiner früheren Epoche". (S. 26)

Hören wir Hildebrand selbst:
"Die Entfaltung der göttlichen Offenbarung durch die Jahrhunderte, in denen wir ihre immer weitere Explizierung erleben, ist gerade das Gegenteil von dem Rhythmus, in dem Thesis und Antithesis einander folgen. Es ist vielmehr ein organisches Wachsen unter der Führung des Hl. Geistes, in dem ein und dieselbe göttliche Offenbarung vor allen Irrtümern und Häresien bewahrt wird und in dem der glorreiche Schatz des katholischen Glaubens immer ausdrücklicher formuliert wird gerade dank der Widerlegung dieser Häresien.

In den Heiligen aller Jahrhunderte ergreift uns dieselbe Qualität der Heiligkeit, dieselbe Umgestaltung in Christus, unbeschadet aller Unterschiede zwischen den individuellen Persönlichkeiten und der verschiedenen Natur der Sendung, die von der historischen Situation gefordert war. (...)

Aber die Kirche hat auch einen natürlichen Aspekt. Insofern sie eine Institution ist, die aus Menschen besteht, ist sie auch dem Einfluß des wechselnden Rhythmus der Geschichte ausgesetzt. Und deshalb hat die Kirche immer und immer wieder die Aufgabe, alle diese Einflüße abzuwehren und der Menschheit aufs neue die ungetrübte Fülle der göttlichen Wahrheit offenbar zu machen, die wahre Botschaft Christi an alle Menschen." (vgl. z.B. "Lumen Gentium" II,9,15; III,27; I,1.)

aus: Dietrich von Hildebrand in: Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes; 1. Teil: Wahre und falsche Erneuerung, S.43; AD 1969 (s. Quellen)

Wird so nicht deutlich, welch wertvolle und großartige Aufgabe Bischöfe und Theologen - als Mitarbeiter der Wahrheit - haben?


(Hervorhebung durch Fettdruck von Administrator)

Dienstag, 31. Januar 2012

Wesentlich in der Frühkirche: Das Gebet nach Osten

aus:  Msgr. Dr. theol. Dr. phil h.c. Klaus Gamber:
Die Reform der Römischen Liturgie, Vorgeschichte und Problematik, S.47f (s. Quellen)

 
"Die Zelebration "versus populum"


Entscheidend für die Stellung zum Altar war in der Frühkirche und im Mittelalter die Ausrichtung beim Gebet nach Osten hin. So meint Augustinus: "Wenn wir zum Gebet aufstehen, kehren wir uns nach Osten, von wo der Himmel sich erhebt. Nicht als ob Gott dort wäre und er die anderen Weltgegenden verlassen hätte..., sondern damit der Geist gemahnt werde, zu einer höheren Natur sich zu bekehren, nämlich zu Gott." (1)

Dieses Wort des Afrikaners zeigt, daß die Christen sich nach der Predigt zum anschließenden Gebet erhoben und nach Osten gekehrt haben. Auf dieses Hinwenden nach Osten beim Gebet weist Augustinus am Schluß seiner Ansprachen immer wieder hin, wobei er als feststehende Formel die Wendung "Conversi ad Dominum" (Hingewendet zum Herrn) gebraucht. (2)

Dölger ist in seinem grundlegenden Buch "Sol salutis" der Überzeugung, daß auch die Antwort des Volkes "Habemus ad Dominum" im Anschluß an den Ruf des Priesters "Sursum corda" ein Hingewendetsein nach Osten meint, zumal einige orientalische Liturgien dazu in einem diakonalen Ruf eigens auffordern. (3)

Dies gilt für die koptische Basilius-Liturgie, wo es zu Beginn der Anaphora heißt: "Kommt heran, ihr Männer, steht da in Ehrfurcht und schaut nach Osten!", oder die ägyptische Markus-Liturgie, wo ein ähnlicher Ruf ("Schauet nach Osten!") mitten im Eucharistiegebet, und zwar vor der Überleitung zum Sanctus, seinen Platz hat.

In der kurzen Liturgiebeschreibung im 2. Buch der Apostolischen Konstitutionen aus dem Ende des 4. Jahrhunderts wird ebenfalls ein Aufstehen zum Gebet und eine Ausrichtung nach Osten vorgeschrieben. (4)  Im 8. Buch wird der entsprechende Ruf des Diakons mitgeteilt: "Stehet aufrecht zum Herrn hin!") (5)  Die Hinwendung zum Herrn und die Ausrichtung nach Osten war demnach für die Frühkirche dasselbe. (6)

Die Sitte, zum Sonnenaufgang hin zu beten, ist, wie Dölger gezeigt hat, uralt und war bei Juden und Heiden üblich. Sie wurde schon früh von den Christen übernommen. So ist bereits i. J. 197 für Tertullian das Gebet nach Osten eine Selbstverständlichkeit. In seinem Apologeticum (c.16) spricht er davon, daß die Christen "in Richtung der aufgehenden Sonne hin beten". (7)

In ihr sah man ein Symbol für den zum Himmel aufgefahrenen und von dort wiederkommenden Herrn. Damit die Strahlen der aufgehenden Sonne während der Meßfeier in das Kircheninnere fallen konnten, hat man im 4./5. Jahrhundert in Rom, gelegentlich auch andernorts, den Eingang im Osten angebracht, wobei die Türen aus diesem Grund geöffnet bleiben mußten und auch eine Gebetsrichtung zu den Türen hin notwendig wurde. (8)


(1)  Augustinus, De sermone domine in monte II 18 (PL 34, 1277).

(2)  Vgl. J. Dölger, Sol salutis. Gebet und Gesang im christlichen Altertum mit  besonderer Rücksicht auf die Ostung in Gebet und Liturgie (= Liturgiegeschichtliche Quellen und Forschungen 4-5, 1. Aufl. Münster 1920, 2. Aufl. !925) 254-256. Wir zitieren nach der am meisten verbreiteten 1. Auflage

(3)  Dölger, Sol salutis 256, 251.

(4) Const. Apost. II 57, 14 (ed. Funk 165); vgl. Dölger, Sol salutis 127f.

(5)  Canst. Apost. VIII 12,2 (ed. Funk 494).

(6)  Vgl. Dölger, Sol salutis 250-251; E. Peterson, Frühkirche, Judentum und Gnosis (Rom 1959)15-35: Das Kreuz und das Gebet nach Osten. Hier wird auf die Tatsache hingewiesen, daß der Osten als Gebetsrichtung oft durch ein Kreuz bezeichnet wurde. Ein solches Kreuz an der Wand wurde in einer Kammer eines Hauses in Herculaneum gefunden; vgl. Conte Corti, Untergang und Auferstehung von Pompeji und Herculaneum (München 1951) Abb. 29 nach S. 96.

(7)  Vgl. Dölger, Sol salutis 103.

(8)  Vgl. Tertullian, Adv. Valent. 3 (PL 2, 515): Nostrae columbae etiam domus simplex, in editis semper et apertis et ad lucem; vgl. St. Beißel, Bilder aus der Geschichte der altchristlichen Kunst und Liturgie in Italien (Freiburg 1899) 84; Dölger 121.


(Hervorhebungen durch Administrator)




Weiteres zum Thema "Liturgiereform":

Dienstag, 10. Januar 2012

Der "Mythos vom modernen Menschen"

Laokoon-Gruppe; Vat. Museen; Foto: Sailko
" Das erste Element dieses "Mythos" besteht in der Auffassung, daß alle heute lebenden Menschen sich geändert hätten im Vergleich etwa zum Menschen des Mittelalters oder dem des 19. Jahrhunderts, und zwar so, daß diese Veränderung ihre grundlegenden Überzeugungen betreffe, ja, die Grundelemente ihrer menschlichen Natur.

Nun aber kann diese Auffassung in jeder Hinsicht als eine reine Konstruktion entlarvt werden. Die menschliche Natur hat sich nicht wesentlich verändert: die Menschen sterben immer noch; sie sind immer noch entweder gut oder böse; die Quellen ihres Glücks: Liebe, Ehe, Kinder und letztlich und vor allem Gott sind durchaus die gleichen wie zu allen Zeiten; die Menschen sind heute genauso der Erlösung bedürftig wie früher.

Auch ihre grundlegenden Überzeugungen haben sich im ganzen nicht geändert. Offenkundig gibt es heute sowohl Theisten wie Atheisten und Pantheisten; es gibt sowohl Materialisten wie Denker, die an der Geistigkeit der Person festhalten; es gibt Vertreter des Relativismus und des Realismus - nicht anders, als schon zu Platos Zeiten.

Und weiter: es gibt unvergleichlich mehr entscheidende Ähnlichkeiten zwischen den Heiligen des Mittelalters und den Heiligen unserer Zeit als zwischen den Heiligen des Mittelalters und den Verbrechern oder Pharisäern der gleichen Zeit. Ebenso stehen diejenigen, die im Mittelalter an Gott glaubten, denen, die heute an Gott glauben, unvergleichlich näher als den Atheisten ihrer eigenen Zeit.

Wir sehen also, daß nicht nur die wesentlichen Unterschiede, sondern auch die grundlegenden Übereinstimmungen zwischen den Menschen aller Zeitalter überdauern. Und die Meinung, daß so etwas wie ein "moderner Mensch" existiert, der in seinen Überzeugungen völlig verschieden von den Menschen anderer Epochen wäre, ist einfach unbegründet und falsch."

(Fortsetzung folgt hier)

aus: Reihe Christentum 1, Josef Seifert: Die Grundlage jeder Erneuerung: der Glaube; (urspr. in "FELS", Jg. 1976, Nr. 1 / 2 ); Hrsg. Engelbert Recktenwald (s. Kath-info)


Über den Philosophen Josef Seifert (geb. 1945) bei wikipedia (bitte HIER klicken!)

Donnerstag, 4. August 2011

Neuer Schwung durch Eucharistie

aus der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, sel. Johannes Paul II. (A.D.2003):

"In der Morgenröte dieses Dritten Jahrtausends fühlen wir uns angespornt, mit erneutem Schwung im Leben als Christen voranzuschreiten. Schon im Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte habe ich ausgeführt: »Es geht nicht darum, ein ,neues Programm' zu erfinden. Das Programm liegt schon vor: Seit jeher besteht es, zusammengestellt vom Evangelium und von der lebendigen Tradition. Es findet letztlich in Christus selbst seine Mitte. Ihn gilt es kennenzulernen, zu lieben und nachzuahmen, um in ihm das Leben des Dreifaltigen Gottes zu leben und mit ihm der Geschichte eine neue Gestalt zu geben, bis sie sich im himmlischen Jerusalem erfüllt«. Die Ausführung dieses Programms eines erneuerten Schwungs für das christliche Leben geschieht durch die Eucharistie."
(Hervorhebungen durch Administrator)


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