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Donnerstag, 4. Dezember 2025

Vic­to­ria veri­ta­tis cari­tas – Der Sieg der Wahr­heit ist die Lie­be

"Wir erle­ben bis­wei­len in unse­rer Kir­che, dass man­cher viel­leicht all­zu sehr auf die Wahr­heit pocht, und dann der Ver­su­chung erliegt, die ehr­li­che Zuwen­dung zum Nächs­ten für zweit­ran­gig zu hal­ten, wenn nur ja alles for­mal rich­tig ist. Und wir erle­ben umge­kehrt die viel­fa­che kon­kre­te Zuwen­dung zum Nächs­ten oder auch die For­de­rung nach die­ser Zuwen­dung, die sich dann aber bis­wei­len wenig um Wahr­heit küm­mert, ange­sichts der unüber­seh­ba­ren Viel­falt kon­kre­ter Lebenssituationen.

Bei­des führt ins Abseits: Wahr­heit ohne Lie­be bleibt abs­trakt und ver­rät letzt­lich den, der als Wahr­heit zugleich die Lie­be in Per­son ist. Und umge­kehrt: Lie­be ohne Wahr­heit ver­dient oft den Namen Lie­be gar nicht, weil sie letzt­lich zur Belie­big­keit neigt. Die einen­de Mit­te, die Wahr­heit als Lie­be gelebt und umge­kehrt: die Lie­be, die die Wahr­heit bezeugt, die­se Mit­te trägt den Sieg davon und sie heißt christ­lich: Heiligkeit."

Bischof Dr. Stefan Oster SDB, Diözesanbischof von Passau


Heilige Barbara, bitte für uns!

 

 

   

Foto: © Frischer Wind 

Montag, 10. Juni 2019

Komm, o Geist der Heiligkeit!


Komm, o Geist der Heiligkeit!
Aus des Himmels Herrlichkeit
Sende Deines Lichtes Strahl.
Vater aller Armen Du,
Aller Herzen Licht und Ruh,
Komm mit Deiner Gaben Zahl!
Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit,
Komm, o süßer Seelenfreund! 
In Ermüdung schenke Ruh,
In der Glut hauch Kühlung zu,
Tröste den, der Tränen weint.
O Du Licht der Seligkeit,
Mach Dir unser Herz bereit,
Dring in unsre Seelen ein!
Ohne Deinen Gnadenschein
Steht der arme Mensch allein,
Kann nicht gut und sicher sein.
Wasche, was beflecket ist;
Heile, was verwundet ist;
Tränke, was da dürre steht;
Beuge, was verhärtet ist;
Wärme, was erkaltet ist;
Lenke, was da irre geht.
Heil'ger Geist, wir bitten Dich:
Gib uns allen gnädiglich
Deiner sieben Gaben Kraft.
Gib Verdienst in dieser Zeit
Und dereinst die Seligkeit
Nach vollbrachter Wanderschaft.
Amen. Alleluja. 
(Pfingstsequenz)
Fotos: © FW; Ausschnitt aus dem Gewölbe der Klosterkirche St. Apollinaris, Remagen 

Dienstag, 28. Mai 2019

Katholische Frauen wollen und brauchen keine Priesterinnen

Wir Frauen in der katholischen Kirche wollen keine "Priesterinnen"!

Denn die Befürworterinnen von "Priesterinnen" wollen teilhaben an der "Macht", die angeblich den Männern in der Kirche vorbehalten und deshalb der Zugang zur Macht in der Kirche den Frauen verwehrt sei. Wir wollen keine Macht, wir wollen dienen.

Wir brauchen keine Recht- und Machthaberinnen, die die Kirche beherrschen bzw. befrauschen.

Männer und Frauen sind gleichwertig. Aber sie haben voneinander verschiedene Aufgaben. Das sakramentale Amtspriestertum ist seit der Einsetzung durch Jesus Christus und seit Apostelzeiten den Männern vorbehalten. Und das ist auch gut so. Und außerdem, wie Johannes Paul II. 1994 unter Berufung auf die gesamte Tradition der Kirche definitiv feststellte: die Kirche hat "keinerlei Vollmacht (...), Frauen die Priesterweihe zu spenden".

Wir sollten uns also wieder den wirklich wichtigen Dingen zuwenden: dass nämlich die Kirche uns - Männer wie Frauen - rettet. Nicht wir retten die Kirche - sondern die Kirche rettet uns!

Sie rettet uns durch die Sakramente, indem sie uns das göttliche Leben einhaucht und uns so am Reich Gottes teilhaben lässt (vgl. z. B. II. Vat., Lumen gentium). Soweit haben wir Teil am Reich Gottes, als wir heilig sind. Diese (Voll-)Macht, nämlich Kinder Gottes zu werden, ist allen - Männern und Frauen - gegeben; allen, die an Seinen Namen (Jesus Christus) glauben und aus Gott geboren sind (vgl. Joh 1,12ff).

Allein darauf kommt es an: Heilige zu werden durch die Einswerdung mit dem göttlichen Willen, der sich auch in der Lehre der Kirche widerspiegelt (vgl. 1.Thess.4,3; Vat. II, Lumen gentium): Sie, unsere heilige Mutter, die Kirche, ist für immer als "Säule und Feste der Wahrheit" errichtet. Darauf können wir uns verlassen und darauf können wir unser christliches Leben gründen und bauen.

Oder wie Prof. Dr. Manfred Hauke in der Diskussion um weibliche Diakone sagte: "Nicht die Amtsträger sind die großen Gestalten der Kirche, sondern die Heiligen."

 
Weiterführende Links zum Thema "Frauen in der Kirche an die Macht":

 Foto: © Frischer Wind

Montag, 5. Oktober 2015

Familie, Ort der Heiligkeit

 

Die Familie ist Ort einer vom Evangelium inspirierten Heiligkeit, die sich unter den gewöhnlichsten Bedingungen verwirklicht. Dort nimmt man die Erinnerung der Generationen in sich auf und schlägt Wurzeln, die befähigen, sich nach hohen Zielen auszustrecken.

Die Familie ist Ort der Unterscheidung, wo man dazu angeleitet wird, den Plan Gottes für das eigene Leben zu erkennen und vertrauensvoll anzunehmen. Die Familie ist Ort der Unentgeltlichkeit, einer taktvollen, brüderlichen und solidarischen Gegenwart, die lehrt, aus sich selbst herauszugehen, um den anderen anzunehmen, um zu vergeben und Vergebung zu spüren.


Papst Franziskus am 03.10.2015, Ansprache bei der Gebetsvigil am Vorabend der Eröffnung  der Ordentlichen Bischofssynode über die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute




Jesus, Maria und Josef,
in euch betrachten wir
den Glanz der wahren Liebe,
an euch wenden wir uns voll Vertrauen.

Heilige Familie von Nazareth,
mache auch unsere Familien
zu einem Ort der Gemeinschaft
zu einem Heim des Gebets,
zu einer authentischen Schule des Evangeliums
und zu einer kleinen Hauskirche.

Heilige Familie von Nazareth,
nie mehr gebe es in unseren Familien
die Erfahrung von Gewalt, Egoismus oder Spaltung.
Wer gekränkt wurde oder Anstoß genommen hat,
finde bald Trost und Heilung.

Heilige Familie von Nazareth,
möge die kommende Bischofssynode
allen die Heiligkeit und Unantastbarkeit der Familie,
ihre Schönheit im Plan Gottes
wieder neu bewusst machen.

Jesus, Maria und Josef,
hört und erhört unser Flehen! Amen.



Bild: Hl. Familie; Lawrence OP via flickr

Dienstag, 25. November 2014

Die "Frage" des Kardinal Kasper - Parallelen

Kardinal Walter Kasper hat in seiner Rede vom 20.02.2014, wiederholt und unterstrichen durch seine Veröffentlichung "Das Evangelium von der Familie", in zahlreichen Redebeiträgen und Interviews, die "Frage" gestellt, warum die Kirche zivil wiederverheirateten Gläubigen eine Zweitehe und den Empfang der Sakramente (Beichte und Eucharistie) nicht gestatte. Er plädiert aus "Barmherzigkeit"  für die Akzeptanz eines Lebensentwurfs außerhalb der Ordnung Gottes, eine Akzeptanz des gelebten habituellen Ehebruchs, denn dem Menschen müsse eine zweite (dritte, vierte?) Chance eingeräumt werden. Kardinal Kasper ist überzeugt: "Gott tut das".

In einem am 07. Mai 2014 im amerikanischen "Commonweal" erschienenen Interview erklärte Kardinal Kasper seinen großen Respekt gegenüber Gläubigen, die nach einer Trennung und Scheidung von ihrem Ehegatten in einer Lebensgemeinschaft mit einem neuen Partner leben (weil sie sich z. B. aus Sorge für ihre Kinder nicht trennen können), aber in der Art wie Bruder und Schwester, also ohne die geschlechtlichen Akte zu vollziehen, die der Ehe vorbehalten sind. Diese sicher nicht einfache, aber in Ausnahmefällen von der Kirche geduldete und empfohlene Lebensweise erschließt Betroffenen die Möglichkeit, die Sakramente zu empfangen. Kasper nennt diese Lebensweise einen "heroischen Akt", heldenhaft - und dann meint er: Heroismus sei nichts für den durchschnittlichen Christen.
"To live together as brother and sister? Of course I have high respect for those who are doing this. But it’s a heroic act, and heroism is not for the average Christian."

Es sei die Frage erlaubt, ob Kasper der Annahme ist, dass es zwei Klassen von Christen gibt: durchschnittliche und - sagen wir - überdurchschnittliche? Ein Zweiklassenchristentum? Seit mehr als zweitausend Jahren gilt die Lehre Jesu für alle und jeden, dessen Herz sich von der Liebe Gottes berühren lässt und der in die Nachfolge Christi eingetreten ist. Wir alle wissen uns verbunden in dem einen Glauben, in der einen Taufe und in dem einen Herrn (vgl. Eph 4,5). Und alle sind zu Heiligkeit und Vollkommenheit aufgefordert, die allein uns mit Gott verbindet. Es ist ein Ruf an uns alle: "Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!" (Mt 5,48) und jeder von uns soll "in Gottesfurcht nach vollkommener Heiligung" streben (vgl. 2Kor 7,1 ; und auch 1 Petr 1,14-16).

Kasper widerspricht somit nicht nur der gesamten Tradition der Kirche und ihren Lehräußerungen (zuletzt noch Papst Franziskus hat die allgemeine Berufung aller Gläubigen zur Heiligkeit festgestellt und sie ihnen ans Herz gelegt) sondern auch der Hl. Schrift und dem Wort Gottes. Ebenso widerspricht er dem Wort Christi, der an den Heilsplan Gottes für den Menschen erinnert, der in der Unauflöslichkeit der Ehe besteht: "Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen!" (s. Mt 19,6 und Mk 10,9). Hier gibt es keine Spitzfindigkeiten, kein kasuistisches Geschwurbel. Die Antwort Jesu auf die Frage (!) der Pharisäer ist klar und eindeutig: die Ehescheidung und Wiederverheiratung ist gegen Gottes Willen.

Der ehemalige Rottenburger Diözesanbischof stellt die Frage (!) ob und unter welchen Bedingungen (!) die katholische Kirche im Einzelfall (!) solche Menschen wieder zu den Sakramenten zulassen kann. Kasper sagt in seinem "Evangelium", dass sein Vorschlag für die Akzeptanz einer zweiten Ehe keine Lösung für alle ist, sondern nur in bestimmten Fällen (!) Anwendung finden solle: nämlich bei denen, die "in unseren Gemeinden" leben, d. h. aktiv sind, die sich am Gemeindeleben beteiligen und sich "engagieren" - und die "ein ehrliches Bedürfnis nach den Sakramenten haben".

Aber ist das Engagement in der Gemeinde, das auch in Kuchenbacken, der Mitarbeit im Pfarrgemeinderat, in der Organisation von Gemeindeausflügen bestehehen kann, wirklich ein Kriterium für eine "Absolution" von schwerer Sünde, die - nach kirchlicher Lehre - von Gott trennt? Nun ja, natürlich sind das diejenigen, die wenigstens noch Kirchensteuer (nach einem System, dass es fast ausschließlich in Deutschland gibt) bezahlen... Ist das noch Seelsorge, die das ewige Heil des Einzelnen berücksichtigt? Aber dennoch: allein die Tatsache der Ungleichbehandlung von Gläubigen, die in der Gemeinde aktiv sind und solchen, die es nicht sind, wäre eine willkürliche Ungerechtigkeit.

Sehr interessant und aufschlussreich ist dazu ein Ausschnitt aus Romano Guardinis "Der Herr", in dem er über die Frage der Pharisäer an Jesus nach der Erlaubtheit des Scheidebriefes handelt. Sind hier nicht zahlreiche Parallelen zwischen der Frage der Pharisäer und der "Frage" Kardinal Kaspers augenscheinlich? Aber Guardini erklärt auch, wie der Wille Gottes zu leben ist, nämlich nicht aus menschlicher Kraft und Macht, sondern allein durch die Gnade Gottes, die uns durch das Sakrament geschenkt ist. Es geht um die Begebenheit, die der Evangelist Matthäus im 19. Kapitel, Vers 1 bis 12 berichtet: 



Weiteres zu den Versuchungen des Kardinal Kasper:


Sonntag, 9. November 2014

Die Wohnung Gottes bei den Menschen und ein Stück Himmel auf Erden

Voll Schauer ist dieser Ort, Gottes Haus ist hier und die Pforte des Himmels;
sein Name ist: Wohnung Gottes. Alleluja, alleluja!
Wie lieb ist Deine Wohnung mir, o Herr der Himmelsheere!
Verlangend nach dem Haus des Herrn verzehrt sich meine Seele! 
(1 Mos 28,17; Ps 83,2f)


Eine Predigt zum Kirchweihfest von P. Bernward Deneke FSSP, hier gepostet aufgrund des heutigen Festes der Weihe der Erzbasilika des allerheiligsten Erlösers (Laterankirche)

Kirchenräume sind vielseitig verwendbar, das beweisen Vorgänge der jüngeren und jüngsten Zeit. Nach der kommunistischen Oktoberrevolution wurden Heiligtümer in Lagerräume, Stallungen für Tiere oder auch in Schwimmbäder verwandelt.

Nicht weniger erfinderisch als die erklärten Glaubensfeinde zeigen sich inzwischen die Christen selbst. Seit einigen Jahrzehnten haben sich die Verantwortlichen deutscher Diözesen dafür entschieden, überzählige Kirchen abzustoßen, zu profanieren und weltlichem Gebrauch zu übergeben. Sie dienen nun als Wohnräume, Arbeitsstätten oder auch als öffentliche Einrichtungen.

Etwas merkwürdig ist es schon, sich an einem Sparkassenschalter daran zu erinnern: „Hier stand einmal der Altar“, oder bei einem festlichen Abendessen auf eine Wand zu blicken, die mit Fresken vom Martyrium der heiligen Kosmas und Damian bemalt ist. Aber der Mensch, auch der Christ, gewöhnt sich an vieles.

Nicht alle Kirchen freilich gehen in weltlichen Gebrauch über. Viele verbleiben in gottesdienstlicher Verwendung, erfahren aber eine Umwidmung und erhalten eine ganz neue Bestimmung. Manche von ihnen werden jetzt als „Erlebnisraum Jugendkirche“ angepriesen. Den jungen Leuten muss etwas geboten werden, damit sie überhaupt eine Kirche betreten. Deshalb liegt es nahe, die weiten Räume, die nicht nur atmosphärisch interessant sind, sondern auch über eine hallige Akustik verfügen, mit Lautsprechern, Lichtorgel und vielleicht sogar Trockennebelanlage zu versehen und zur Diskothek umzufunktionieren. In mehreren deutschen Kirchen hat man noch Kühneres gewagt und einen Hochseilgarten errichtet. Tatsächlich, es muss ein Abenteuer besonderer Art sein, in die Gewölbe einer neuromanischen Kirche hinaufzuklettern und sich dort in lichten Höhen von Seil zu Seil zu hangeln…

Was will uns alles das sagen? Dass man offensichtlich vergessen hat, was eine geweihte Stätte ist. Man hat es nicht erst in der nachkonziliaren Glaubenskrise, auch nicht von der Zeit der Oktoberrevolution an vergessen. Der Verlust des Sinnes für sakrale Stätten ragt weit in die Geschichte der Christenheit zurück. Immer wieder hatten rebellische Theologen und Prediger die Heiligkeit von Räumen grundsätzlich abgelehnt.

Zu ihnen gehörte auch Martin Luther, der nichts von den feierlichen Zeremonien der Kirchweihe hielt und dem es genug war, wenn im gottesdienstlichen Versammlungssaal Anstand und Ordnung herrschte. Alles, was darüber hinausgeht, jede Sakralisierung und Mystifizierung entspreche nicht dem reinen Evangelium, sondern sei eine nachkonstantinische und mittelalterliche Verfälschung, letztlich der Einbruch des Heidentums in die Welt des Glaubens.

Wie Luther denken heute nicht wenige Lehrer der katholischen Theologie. Wenn sie auch nicht mehr laut und provokant auftreten wie die wilden Entsakralisierer der 60er und 70er Jahre, so setzen sie doch deren Marschroute fort. Ihre offensichtlichsten Erfolge erreichen sie dort, wo alte Kirchen umgebaut oder neue errichtet werden.

Das kostenaufwendige Design kann meistens nicht darüber hinwegtäuschen, dass es da nicht in erster Linie um eine würdige Wohnstätte für den allmächtigen Gott geht; nicht um die Ausrichtung auf Seine ehrfurchtgebietende Gegenwart; nicht darum, den Ort des „schauererregenden Opfers“ (um mit manchen Kirchenvätern zu reden) hervorzuheben; auch nicht darum, ein Abbild himmlischer Glorie zu schaffen. Nein, wer den Großteil der kirchenarchitektonischen Umtriebe der Gegenwart verstehen will, der muss andere Kategorien als die des überlieferten katholischen Glaubens und Gottesdienstes bemühen.

Und doch bleibt dieser Glaube und Gottesdienst für uns maßgeblich. Was er über den Sinn sakraler Räume lehrt, ist nicht spätantike oder mittelalterliche, schon gar nicht heidnische Verformung des Evangeliums. Im Alten Testament erfahren wir vom Tempelbau unter König Salomon. Die Herrlichkeit des Herrn nimmt in Gestalt einer Wolke von dem Heiligtum Besitz. Dort werden dem einen wahren Gott Opfer dargebracht, dort wirkt Er Wunderbares.

Von der Liebe zur Zierde des Hauses Gottes, von dem sehnsüchtigen Verlangen, dahin zu ziehen, um vor dem Angesicht des Herrn zu beten, geben die Psalmen beredtes Zeugnis. Jesus aber hat das alles keineswegs für nichtig erklärt und abgeschafft. Nein, in Ihm wurde der Alte Bund erfüllt. Kein Jota und kein Strichlein sind verlorengegangen.

Nach der Zerstörung des Heiligtums Seines irdischen Leibes im Leiden und Sterben hat Christus uns das neue, bleibende Heiligtum Seines verklärten Leibes erbaut. Dieses aber stellten die Christen, sobald es ihnen möglich war, in Kirchenbauten dar. In ihnen lebt Er unter uns. Hier opfert Er sich für uns. Hier nimmt Er unsere Gebete auf und beschenkt uns mit Gnade und Segen. Deshalb erfüllen uns als gläubige Katholiken die Heiligtümer mit Ehrfurcht und Liebe. Deshalb auch ist uns an einem der Sakralität des Ortes entsprechenden Benehmen gelegen. Ja, hoffentlich ist uns daran noch gelegen…

Vor Jahren erlebte ich in der Wallfahrtskirche Pfärrich bei Wangen eine berührende Szene. Zwei Mädchen, das eine im Kommunionalter, das andere noch einige Jahre jünger, traten durch das Hauptportal ein. Nun begann das größere Kind dem kleineren zu zeigen, wie man sich in einer Kirche verhält. Zuerst wurde das Kreuzzeichen mit dem Weihwasser eingeübt, dann die Kniebeuge vor dem Altar und das Niederknien in der Bank. Öfters nahm die Lehrmeisterin dabei den Finger vor die Lippen und gebot ihrer Schülerin Schweigen.

Was da geschah, war keine rein technische Unterweisung; es war eine mystagogische Katechese in praktischer Form. Vielleicht brauchen breite Kreise der Katholiken – von „ganz oben“ bis zum sogenannten einfachen Kirchenvolk – genau dies: ein learning by doing, eine aufmerksame Einübung in das Verhalten an heiliger Stätte, um dadurch auch wieder zu erfassen, was eine Kirche ist?

Als Beichtvater ist man schon ein wenig erstaunt darüber, wie selten sich die Gläubigen, auch die entschiedenen und frommen Gläubigen, heutzutage anklagen, gegen die Stille und Würde im Heiligtum gesündigt zu haben. Das war vor ein, zwei Jahrzehnten noch anders. Man hat aber nicht den Eindruck, seither habe sich das Benehmen in den Kirchen so sehr verbessert. Vielmehr scheint auch glaubenstreuen Katholiken das Bewusstsein für die Heiligkeit des Ortes der Gegenwart und des Opfers des Herrn mehr und mehr abhandenzukommen.

Liebe Gläubige, es wäre wohl zu erwarten gewesen, dass anlässlich des heutigen Weihefestes der Kathedrale zu Augsburg von diesem Gotteshaus, dem Dom Unserer Lieben Frau, gesprochen worden wäre. Von seiner wechselvollen Geschichte, die mindestens ins 8. Jahrhundert, vermutlich aber noch in viel frühere Zeit zurückreicht. Von den imposanten Ausmaßen und der edlen Ausgestaltung. Und von der Bedeutung, welche die Bischofskirche und der dortige Apostelnachfolger für uns hat. Da wir – jawohl, auch wir, Kleriker wie Laien! – aber in der ernsthaften Gefahr sind, die heutige Liturgie der Kirchweihmesse gar nicht mehr zu verstehen, geschweige denn von ihr ergriffen und in unserem Verhalten geprägt zu werden, deshalb diese grundsätzlichen Worte.

Hand auf’s Herz! Kennen wir noch den heiligen Schrecken, von dem der Introitus spricht: „Terribilis est locus iste – Voll Schauer ist dieser Ort; Gottes Haus ist hier und die Pforte des Himmels“? Können wir andererseits den sehnsuchtsvollen Psalmvers desselben Introitus erlebnismäßig nachvollziehen: „Wie lieblich sind Deine Gezelte, Herr der Heerscharen! Es verlangt und verzehrt sich meine Seele nach den Hallen des Herrn“? Deckt sich die Antiphon zum Offertorium mit unserer Einstellung und ist uns daher aus der Seele gesprochen: „Herr, Gott, in meines Herzens Einfalt habe ich alles freudig dargebracht; mit übergroßer Freude sehe ich auch Dein Volk, das hier versammelt ist – Gott Israels, schütze Du diesen Willen“?

Weil die Antwort auf die Fragen vermutlich bei niemandem von uns ein ungetrübtes Ja sein wird, darum tut uns heilige Übung not. Ehrfürchtig-gesammeltes, demütiges und stilles Eintreten in das Gotteshaus. Anbetung des Herrn in Seiner erhabenen und zugleich verborgenen Gegenwart. Und das Bemühen, uns in unserem Inneren dem äußeren Heiligtum anzugleichen, sind wir doch selbst durch die Gnade und den Empfang der Eucharistie lebendige Tempel der Gegenwart Gottes. Nur, wenn wir uns um diese – übrigens zutiefst „marienförmige“, der jungfräulichen Gottesmutter ähnliche – Haltung bemühen, können wir beitragen zu einer Erneuerung der Kirche insgesamt und auch der einzelnen Kirchen.

Ja, dass doch an die Stelle des „Erlebnisraums Jugendkirche“ die ewig jugendliche Stätte des Gebetes und des Opfers trete. An die Stelle der Diskothek der gewaltige Hymnus der irdischen Kirche vereint mit der himmlischen. Und an die Stelle des Hochseilgartens das neue Jerusalem, hinabsteigend vom Himmel und geschmückt wie eine Braut für ihren Bräutigam! Dann wird der, der auf dem Thron sitzt, endgültig sprechen: „Siehe, ich mache alles neu.“


Predigt, gehalten in Wigratzbad zum Weihefest der Basilika zu Augsburg am 28. September 2014 



Lesung aus der Messe zum Kirchweihfest (Offb 21,2-5):
In jenen Tagen sah ich die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.


Weiteres zum Thema "Liturgie und heiliger Raum"

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Samstag, 4. Oktober 2014

Franz von Assisi und die Würde eines Priesters

Die üblichen Anreden der Priester mit 'Hochwürden' oder in England 'Vater' sind Ausdruck der Ehrfurcht vor dem Priester als Träger und Inhaber göttlicher Gewalten. Sie sind unabhängig von der persönlichen Heiligkeit des Priesters. Vorbild mögen hier sein jene Heiligen, die aus Ehrfurcht vor dem geistlichen Stand die Priesterwürde abgelehnt haben, wie einer der größten Heiligen aller Zeiten, Franz von Assisi, der sich nur zum Diakon weihen ließ. Gleichwohl wusste er sehr zu trennen zwischen Amt und Person.

Es ist überliefert, dass er einmal in einen Ort kam, in dem die Sekte der hochmütigen Katharer ihr Unwesen trieb. Unter der Volksmenge befand sich auch der Seelsorger des Ortes; er stand in keinem guten Ruf. Als die Irrlehrer auf diesen Pfarrer hinwiesen und den Heiligen zu einem Verwerfungsurteil über ihn drängen wollten, trat Franz auf den Verblüfften zu, kniete sich vor ihm nieder und küsste ihm die Hände mit den Worten: "Ich weiß nicht, ob diese  Hände unrein sind; aber das weiß ich, sie haben meinen Herrn berührt."

Die Ehrfurcht des Laien vor dem Priester gründet nicht in dessen  subjektiver Heiligkeit, die freilich wünschenswert und strenge Forderung der Kirche ist, sondern wesentlich in seiner objektiven Heiligkeit und Würde als Stellvertreter Christi.


aus Franz Jehle: Reich der Himmel - Idee und Gestalt der Mutter Kirche; Patria-Verlag Bad Ischl; AD 1949, S. 122

Heiliger Franz von Assisi,
bitte für uns!


Bild: Szenen aus dem Leben des hl. Franziskus von Assisi; wikimedia commons

Sonntag, 24. August 2014

Sünde und Tod, Heiligkeit und Leben - Maria, die Sündenlose

Predigt des Churer Diözesanbischofs Dr. Vitus Huonder am Fest Mariä Himmelfahrt (15.08.) 2014:

[...E]s besteht ein Zusammenhang zwischen Sünde und Tod. Der Tod ist die Folge der Sünde. Das geht aus der heutigen Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther hervor: “Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden” (1 Kor 15,21).

Durch einen Menschen kam der Tod, sagt der Apostel. Der Tod ist also nicht von Gott ausgegangen, sondern vom Menschen: Durch einen Menschen kam der Tod. Damit wir die Aussage besser verstehen, müsste gesagt werden, wie das möglich war. Warum kam der Tod durch einen Menschen? Oder wie kam der Tod durch einen Menschen? Darauf gibt derselbe Apostel eine eindeutige Antwort im Brief an die Römer, da er uns belehrt: “Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten” (Röm 5,12).

Also, der Ursprung des Todes, wie wir ihn jetzt erleben und erleiden, ist die Sünde. Der Ursprung des leidvollen Lebens, welches mit dem Tod beendet wird, ist die Sünde. Und die Sünde geht vom Menschen aus – nicht von Gott. “Denn Gott hat den Tod nicht gemacht”, sagt das Buch der Weisheit (Weish 1,13). Darauf spielt auch Gaudium et Spes des Zweiten Vatikanischen Konzils an, die Pastoralkonstitution über die Kirche in Welt von heut, wenn sie sagt: “Außerdem lehrt der christliche Glaube, dass der leibliche Tod, dem der Mensch, hätte er nicht gesündigt, entzogen gewesen wäre, besiegt wird, wenn dem Menschen sein Heil, das durch seine Schuld verloren ging, vom allmächtigen und barmherzigen Erlöser wiedergeschenkt wird” (GS 18). Es besteht – ich wiederhole – ein Zusammenhang zwischen Sünde und Tod.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen Sündenlosigkeit und Leben. Das ist der Schluss, den wir aus dem eben Gesagten ziehen dürfen. Wenn Sünde zum Tod führt, dann muss Sündenlosigkeit, dann muss Unschuld zum Leben führen. Deshalb sagt Jesus zum reichen Jüngling: “Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote” (Mt 19,17). Die Gebote halten, heißt nicht sündigen. Auf diese Weise gelangt der Mensch zum Leben, zu ewigen Leben. Sagt Jesus! 

Wenn wir all das begriffen haben, dann verstehen wir ohne weiteres den Inhalt des heutigen Festes, dann verstehen wir das Dogma der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel, welches wir heute liturgisch begehen, ohne viele weiteren Erklärungen. Denn Maria hat nicht gesündigt. Das ist das Dogma der Unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter. Sie wurde ohne Erbsünde empfangen und war damit aus dem Teufelskreis von Verführung und Sünde herausgehoben.

So besteht bei ihr kein Zusammenhang zwischen Sünde und Tod, und wir erinnern uns an den eben zitierten Konzilstext, an den Anfang dieses Textes: “Außerdem lehrt der christliche Glaube, dass der leibliche Tod, dem der Mensch, hätte er nicht gesündigt, entzogen gewesen wäre …”. Für Maria kommt dieser Bedingungssatz nicht in Frage, da sie durch Gottes Gnade sündenlos war und sündenlos blieb. Bei ihr muss der Satz lauten: “Außerdem lehrt der christliche Glaube über Maria, dass sie, da sie nicht gesündigt hat, dem leiblichen Tod entzogen gewesen ist … “. Ergänzend würde ich dazu sagen: Sie war dem Tod, wie wir ihn erleben, dem Tod des Sünders, dem Tod als Folge der Erbschuld, entzogen.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen Sündenlosigkeit und Leben. Diesen Gedanken können wir dahin erweitern, dass wir sagen: Es besteht ein Zusammenhang zwischen Heiligkeit und Leben. Denn Sündenlosigkeit bedeutet Heiligkeit. Maria als die Heilige konnte nicht den Tod als Folge der Sünde, den Tod Adams, erfahren. Das unterstreicht der heilige Germanus von Konstantinopel (+ 733), indem er sagt – und Papst Pius XII hat in der Konstitution zur Dogmatisierung der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel, Munificentissiumus Deus, darauf verwiesen: “Du erscheinst in Heiligkeit, wie die Schrift sagt; dein jungfräulicher Leib ist ganz und gar heilig, ganz keusch, ganz Gottes Wohnstatt. Daher ist er fortan der Auflösung in Staub entzogen. Verwandelt in seiner Menschlichkeit, geht er in das unvergängliche Leben des Himmels ein. Er lebt verherrlicht, unversehrt und teilhaft des vollkommenen Lebens” (AAS 42, [1950] 767). (...)


Samstag, 2. August 2014

Liebe und tue was du willst


Alle Heiligkeit und Vollkommenheit einer Seele besteht darin: Jesus Christus, unseren Gott, unser höchstes Gut, unseren Erlöser, zu lieben. Der Herr selbst bezeugte, dass derjenige, der Ihn liebt, von seinem himmlischen Vater geliebt werde: "Der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt habt" (Jo 16,27).

Einige, sagt der heilige Franz von Sales, setzen ihre Vollkommenheit in strenge Bußweke,andere in das Gebet, andere in den häufigen Empfang der heiligen Sakramente, andere in Werke der Barmherzigkeit, aber sie täuschen sich, denn die Vollkommenheit besteht darin, Gott über alles zu lieben.

"Vor allem aber", sagt der Apostel, "habt die Liebe, welche das Band der Vollkommenheit ist" (Kol 3,14). Er sagt dies, weil es die Liebe ist, die alle Tugenden, die eine Seele vollkommen machen, vereinigt und bewahrt.

Es ist ein Ausspruch des heiligen Augustinus: "Liebe und tue, was du willst." Liebe und tue, was du willst; denn wenn eine Seele Gott liebt, so wird eben diese Liebe sie anleiten, nie etwas zu tun, das ihm missfallen könnte, und dagegen alles zu tun, was ihm wohlgefällig ist.


Alfons Maria von Liguori: Die Liebe zu Jesus Christus; hrsg. von P. E. Recktenwald; 1998 (original von 1865)


Heiliger Alfons Maria von Liguori, bitte für uns!





Samstag, 19. Juli 2014

Familiendämon

Ein Gastbeitrag von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

Wenn ich ein Familiendämon wäre, ein gefallener Engel also, darauf angesetzt, das Leben der Familien zu stören und zu zerstören, so wüßte ich, was ich zu tun hätte. Meinen Kampf müßte ich von zwei Seiten aus führen, nämlich von außen und von innen.

Der äußere Angriff bestünde zunächst darin, den traditionellen, auf den Schöpfer und Herrn zurückgehenden Begriff der Familie aufzuweichen und zu verformen. Es dürfte in der Öffentlichkeit nicht mehr selbstverständlich sein, daß sich eine Familie um den festen Kern der ehelich-treuen Gemeinschaft von Mann und Frau bildet. Während es meine Aufgabe wäre, diese Auffassung mit den Etikettierungen „veraltet“, „bürgerlich“ und „spießig“ verächtlich zu machen, könnte ich die Modelle „Patchworkfamilie“ und „Regenbogenfamilie“ als zeitgemäß anpreisen. Und auch die tägliche Lebenserfahrung der Eltern und Kinder wüßte ich mir zunutze zu machen: Der Arbeitskollege, der nun schon in der vierten „Ehe“ lebt, ist doch ein so netter Mann, viel freundlicher und interessanter übrigens als die meisten „braven“ Ehegatten... Und der Schulkamerad, der anstelle von Vater und Mutter bei zwei „Vätern“ lebt, hat es gewiß mindestens so gut wie die meisten Kinder bei ihren altmodischen Eltern...

Ein wichtiges Mittel meines Angriffs wäre außerdem die Verdächtigung der klassischen Familien: Sind sie nicht Horte der Unfreiheit, der Unterdrückung und der häuslichen Gewalttat bis hin zu Mißhandlung und sexuellem Missbrauch? Auch wenn das nicht wahr ist, müßte ich doch den Gedanken verbreiten, Kinder seien vor den gefährlichen Strukturen der bürgerlichen Familie in die Sicherheit staatlicher Einrichtungen hinein zu retten.

Das also wäre die äußere Seite meiner Attacke. Sie hätte ihr Ziel erreicht, wenn es gelänge, die von Gott gewollte Familie als eine altbacken-biedere, enge, lächerliche und zudem gefährliche Sache erscheinen zu lassen. Man unterschätze diese Methode der Zersetzung durch Hohn und Spott, durch Relativierung und Verdächtigung nicht – sie hat in den zurückliegenden Jahrzehnten wahre Wunder gewirkt! Ist denn, nebenbei bemerkt, nicht inzwischen bis in die Familienpolitik der „christlich-konservativen“ Parteien hinein fast alles das in Erfüllung gegangen, was z.B. in einem klassischen „Katechismus“ des Kommunismus aus dem Jahr 1919 (J. N. Bucharin und J. A. Preobraschenskij, Das ABC des Kommunismus, deutsch: Zürich 1985) gelehrt und gefordert wurde:

Der Kampf gelte dem „Recht der Eltern auf die Erziehung der eigenen Kinder“, da es „vom sozialistischen Standpunkt aus in nichts begründet“ sei. Daher müßten „die Ansprüche der Eltern, durch die Hauserziehung in die Seele ihrer Kinder ihre eigene Beschränktheit zu legen, nicht nur abgelehnt, sondern auch ohne Erbarmen ausgelacht werden.“ Weil „die Fähigkeiten zur Kindererziehung doch seltener vorkommen als die Fähigkeiten, Kinder zu gebären“, habe sich der sozialistische Staat der Sache anzunehmen, was auch „ungeheuer große wirtschaftliche Vorteile“ mit sich bringe: „Hunderte, Tausende, Millionen Mütter werden bei der Verwirklichung der gesellschaftlichen Erziehung für die Produktion und für ihre eigene kulturelle Entwicklung frei werden. Sie werden von der geistestötenden Hauswirtschaft und der unendlichen Zahl der kleinlichen Arbeiten, die mit der Hauserziehung der Kinder verbunden sind, befreit werden.“ Praktische Folgerung ist „die Schaffung einer Reihe von Institutionen“, namentlich: Kindergärten, Heime, Kinderkolonien und Krippen. Um diese Entwicklung voranzutreiben, sollten „die Sowjetorgane eine noch raschere Entwicklung der Vorschulinstitutionen“ betreiben. Gleichzeitig müßten „durch eine erhöhte Propaganda die bürgerlichen und spießerischen Vorurteile der Eltern über die Notwendigkeit und die Vorteile der Hauserziehung“ überwunden werden. (S. 405 ff.) --

Zu dem äußeren Angriff käme sodann die andere, die innere Seite des Kampfes. Attacken auf die eheliche Treue, Verführung durch die schmutzigen und giftigen Einflüsse der Erotik- und Pornowelt und ähnliches mehr sind Selbstverständlichkeiten, von denen hier gar nicht eigens gesprochen werden braucht. Mindestens ebenso wichtig wäre mir, bei christlichen Menschen die hohe, sakramentale Auffassung von Ehe und Familie auf den Boden der angeblichen Wirklichkeit herabzuholen: Indem ich ihnen einreden würde, sie seien mit den Jahren eben „realistischer“ und „reifer“ geworden, könnte ich den Eheleuten einen Rückschritt im übernatürlichen Verständnis ihres heiligen Standes und im Eifer für diesen als Fortschritt verkaufen. Zugleich müßte ich den Blick auf die (angeblich oder wirklich) „überfrommen“ Familien und deren Übertreibungen und Fehler richten: „Ja, schaut sie euch doch nur an, die so tiefgläubig sein wollen. So sehen sie also aus, die berühmten Heiligen Familien! Dann doch lieber normal bleiben...“ Welche Erfolge der Destruktion mit dieser Methode schon erreicht wurden, ahnen die wenigsten.

Innerhalb der Familien hätte ich mich besonders um die Vergiftung der Atmosphäre zu bemühen: Gereiztheit und Launenhaftigkeit wachsen inmitten eines freudlosen Klimas und bringen als ungenießbare Früchte Streitigkeiten – oft übrigens um ganz nichtige, unwichtige Dinge – hervor. Dadurch werden die Betroffenen nach und nach aus dem inneren Kreis des gemeinsamen Lebens vertrieben und suchen immer seltener das Zusammensein und den so wichtigen Austausch; an seine Stelle treten je nach Typ und Neigung Fernseher und Computer, Stammtisch und Eventtouren, oft auch außerhäuslicher Aktivismus, der zuweilen ein Höchstmaß an Idealismus mit einem Minimum an Familiensinn verbindet.

Dass auf diese Weise die religiöse Dimension nach und nach verloren geht, liegt in den Absichten des Familiendämons. Zumeist ist der Erfolg am Ende größer, wenn das gemeinsame Gebet und die sakramentale Praxis schleichend abgebaut werden, bis sie völlig verschwinden. Sehr hilfreich für die Zwecke des Familiendämons ist im übrigen ein geistliches Leben, derart seelenlos und „zum Abgewöhnen“, daß in den Kindern der Entschluß wächst und reift: „Sobald ich kann, will ich damit aufhören. Nichts wie weg!“ Jedenfalls sollte das Immunsystem der Familie am Ende völlig geschwächt sein, damit auch die schlimmsten Infekte ihr Einfallstor finden, widerstandslos Einzug halten und den kranken Organismus schließlich ganz zusammenbrechen lassen könnten. Die tragischen Entwicklungen, die selbst in den scheinbar besten katholischen Familien vorkommen, sind wahrlich nicht vom Himmel gefallen, vielmehr von unten her hochgekrochen, und zwar meistens ebenso langsam wie erfolgreich. ---

Wenn ich also ein Familiendämon wäre, müßte ich so ähnlich wie hier beschrieben verfahren. Da ich jedoch das Gegenteil im Sinn habe, empfehle ich allen Betroffenen, darüber aufmerksam nachzudenken. Denn allzu späte Einsicht kann tödlich sein...


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Samstag, 5. Juli 2014

Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu - Eine Begegnung mit dem hl. Pfarrer von Ars

von P. Bernward Deneke

Zuweilen möchte man die Zeituhr zurückdrehen und sich eine Begegnung mit bedeutenden Persönlichkeiten früherer Epochen ausmalen. Wir wäre es wohl gewesen, diese oder jene Berühmtheit in ihrer Lebenswelt anzutreffen?

Weil ich Priester bin und der heilige Jean-Marie Vianney auch für mich ein herausragendes priesterliches Vorbild ist, liegt es nahe, sich eine Begegnung mit ihm, dem Pfarrer von Ars, vorzustellen. Und zwar eine Begegnung unter Priestern. Ich versetze mich also in die Person irgendeines seiner Mitbrüder, der gemeinsam mit dem späteren Heiligen das Seminar besucht und aus dieser Zeit noch manche Erinnerung an ihn bewahrt hat, der aber nachher keinerlei Kontakt mehr zu ihm unterhielt – bis zu den denkwürdigen Ereignissen, die jetzt zu schildern sind. (Hier beginnt der Bericht des Abbé N. N. über seine Wiederbegegnung mit dem Pfarrer von Ars:)

Immer wieder hatte ich in den letzten Jahren über das Wunder von Ars erzählen hören. Um es sogleich zu sagen: Es handelte sich bei den Personen, die mir da von einem außerordentlichen Priester vorschwärmten, nicht um die Vertrauenswürdigsten. Manche von ihnen waren mir als ausgesprochene religiöse Exzentriker mit einem Hang zum Aberglauben bekannt. Immer auf der Suche nach Mirakulösem, hatten sie jetzt offensichtlich eine neue Sensation ausfindig gemacht: den Pfarrer eines völlig unbedeutenden Örtchens, dem man allerlei Erstaunliches nachsagte.

Als entschiedener Gegner von Personenkult und fragwürdiger Mystik hatte ich die Sache zunächst ignoriert. Weil aber die Wellen des Phänomens Ars mehr und mehr auch in meinen Seelsorgebereich hinüberschwappten, mußte ich mich nun doch dafür interessieren. Und das, ich gebe es zu, mit einer Einstellung, die sich des vernichtenden Urteils bereits sicher war.

Wie groß aber war mein Erstaunen, als ich den Namen des legendenumwobenen Pfarrers von Ars vernahm: Jean-Marie Baptiste Vianney! Anfangs wollte ich es nicht glauben, daß ausgerechnet jener minderbemittelte Mitstudent von damals nun ein umschwärmter Geistlicher sein sollte. Aber dann fielen mir andere Fälle ein, in denen sich gerade Priester mit theologischen Defiziten durch bestimmte Sonderlichkeiten profiliert und einen Namen gemacht hatten. Es ist ja bekanntlich nicht schwer, gewisse Schichten des katholischen Volkes zu beeindrucken und an sich zu binden, Menschen nämlich, denen es weniger um solide Glaubenslehre und objektiv-kirchliche Verwaltung der Sakramente geht als um außergewöhnliche Geschehnisse und fromme Verrenkungen. So betrachtet, paßte Jean-Marie Vianney also doch ins Bild.

Denn was wußte ich noch von ihm? Er, ein einfacher Bauernsohn aus Dardilly, war als Spätberufener mit mir für drei Jahre im Seminar von Lyon gewesen. Dort hatte er nicht im Ansehen gestanden, eine Leuchte der Wissenschaft zu sein: Weil seine Leistungen, besonders die Lateinkenntnisse weit unter dem erforderten Niveau lagen, war er schließlich weggeschickt und später nur auf Betreiben seines Mentors, des alten Asketen Pfarrer Balley, zur Abschlußprüfung zugelassen worden.

Vianney gehörte im Seminar zu den Strengen und Engen, ja er war wohl der Strengste und Engste von allen. Sein geistliches Streben wirkte auf mich reichlich angespannt, für fröhliches Zusammensein und festliche Mahlzeiten hatte er (entgegen der tiefen Weisheit der hl. Theresia von Avila: „Wenn Fasten, dann Fasten, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn!“) nichts übrig. Während seines letzten Seminarjahres schottete er sich gänzlich von den anderen ab, spielte den Wüstenvater oder Trappisten. Er redete nicht mit uns und schien ganz in seiner nicht sonderlich einladenden Welt zu leben. Jean-Marie mag viele Tugenden geübt haben; von derjenigen der Leutseligkeit aber konnte ich bei ihm keine Spur feststellen. 

Eigentlich hätte man ihm die Pforte zum Priestertum wohl gar nicht eröffnet. Doch im Abschlußexamen ließ man sich aus unerfindlichen Gründen auf seine Stufe herab: Statt in der Kirchensprache befragte man ihn in der Muttersprache, und da er nicht einmal darin richtig zu antworten wußte, wurde ein zweiter Gnadenanlauf gewährt. Bei dieser Gelegenheit stellte der anwesende Generalvikar die Fragen: "Ist Vianney fromm? Verehrt er die Gottesmutter? Kann er den Rosenkranz beten?“ Und als man versicherte, er sei wahrhaft ein Vorbild an Frömmigkeit, entschied sich der Vertreter des Bischofs: „Ein Vorbild an Frömmigkeit! Gut, ich berufe ihn. Die Gnade Gottes wird den Rest machen."

Ich weiß noch, auf welches Befremden der Vorgang bei einigen Mitbrüdern stieß. Als man dann recht bald von exzessiven Bußübungen munkeln hörte, die der neugeweihte Priester, inzwischen Vikar in der Pfarre zu Écully, praktizierte, schien das alle Vorbehalte zu bestätigen. Vianney bei Pfarrer Balley! Glaubhaften Gerüchten zufolge bestand zwischen dem alten und dem jungen Asketen gar ein Wettstreit in der Verwendung der Geißel... Hätte man den Neupriester nicht bei einem gesetzteren, auf harmonische Persönlichkeitsentwicklung bedachten Pfarrherrn in die Lehre schicken können? - - -

Mit solchen Gedanken kam ich eines Abends in Ars an. Ich wollte mir selbst einen Eindruck verschaffen. Wollte nicht nur vom Hörensagen her urteilen, sondern meine Ablehnung der Umtriebe aus eigener Anschauung begründen können. Und dabei schienen mir schon die ersten Augenblicke in dem Ort helfen zu wollen: Alles war hier vom Kult dieses Priesters erfüllt. Man tauschte Geschichtchen und Bildchen von ihm aus. Eine offensichtlich überspannte Frau in der Herberge zeigte jedermann stolz einen Fetzen aus der Soutane des Pfarrers, den sie ergattert hatte und nun als Reliquie mit sich herumtrug... Mein Gedanke war: „Daß Vianney sich das alles nicht verbittet, spricht klar gegen ihn!“

Sehr bald wurden mir auch Inhalte seiner Verkündigung zugetragen. Die Wirtshäuser soll er vor Jahren als „Werkstätten des Teufels“, als „Schulen, in denen die Hölle ihren Unterricht gibt“ und als „Stätten, wo man die Seelen verkauft“ bezeichnet haben, den Tanz als „jenen Strick, mit dem der Teufel die meisten Seelen zur Hölle zieht“, und: Wer zum Tanzen geht, läßt vielfach seinen Schutzengel an der Türe zurück und der Teufel ersetzt ihn, so daß es im Tanzsaal alsbald ebensoviel Teufel wie Tänzer und Tänzerinnen gibt."

Ist das wohl die Art, in der die weise und milde Mutter Kirche ihre Kinder unterrichtet sehen will? Daß Vianney nach glaubhaften Berichten jungen Menschen, die sich des Schwerstvergehens „Tanz“ schuldig gemacht hatten, über lange Zeit hin die Lossprechung verweigerte, zeugte für mich davon, wie wenig in ihm zu finden war von der Güte und Weitherzigkeit der besten französischen Tradition beispielsweise eines Vinzenz von Paul und Franz von Sales. Stattdessen fühlte ich mich eher an die Härte der Jansenisten erinnert.

Dennoch, die Massen strömten zu seinem Beichtstuhl. Und ich fragte mich: Widerspricht nicht schon dieses Verhalten dem Willen der Kirche? Der katholische Christ muß doch wissen, daß die Sakramente von objektiver Wirksamkeit sind und nicht an der – angeblichen oder tatsächlichen – Heiligkeit eines bestimmten Priesters hängen. Hätte Vianney auch nur ein wenig kirchlichen Sinn, dann würde er die Menschenmengen gewiß fortschicken: „Geht, denn was ihr hier sucht, das könnt ihr bei jedem rechtgläubigen und rechtmäßigen Verwalter der Sakramente finden!“ Ja, das wäre ein Ausdruck von menschlicher und priesterlicher Größe gewesen. Er aber hörte Tag für Tag (und sogar bis in die Nächte hinein) Beichte um Beichte.

Im Studium hatte man uns immer wieder gesagt, gerade für die Verwaltung des Bußsakramentes bedürfe es sehr solider Kenntnisse. Ein „doctus cum pietate“ solle der Beichtvater sein: ein Gelehrter mit Frömmigkeit. Von der heiligen Theresia von Avila wird sogar der Ausspruch überliefert, wenn man sie vor die Wahl zwischen einem nur frommen und einem nur gelehrten Seelenführer stelle, so werde sie sich ohne Zögern für den letzteren entscheiden. Was also, dachte ich mir, ist davon zu halten, wenn jetzt Scharen von Menschen nach Ars reisen, um sich ausgerechnet Vianney in der Beichte anzuvertrauen, einem Priester, für den die Kirchenlehrer Augustinus und Thomas, aber auch unsere hervorragenden Franzosen Bernhard von Clairvaux, Kardinal Bérulle, Jean Eudes und Franz von Sales offensichtlich umsonst geschrieben haben... - - -

Ich gestehe, daß mich derartige Gedanken ganz gefangen genommen hatten, bis ich am kommenden Morgen plötzlich, ich weiß nicht aufgrund welcher besonderen Gnade, meine Augen und dann auch nach und nach mein Herz zu öffnen begann, um anderen, durchaus gegenteiligen Eindrücken den Weg in mein Inneres zu gestatten. „Ars ist nicht mehr Ars“, dieses schon beinahe geflügelte Wort, wurde mir auf meinem frühmorgendlichen Weg zur Kirche eine geradezu handgreifliche Realität. Von den oft unruhigen und wundersüchtigen Pilgern unterschied ich nun die Einheimischen: schlichte und einfache Menschen, denen Sensations- und Geschäftemacherei fern lag, auf deren Gesichtern vielmehr der Glanz echter Gottverbundenheit erstrahlte. Der Pfarrer, sagte man mir, versorge sie trotz der heranstürmenden Massen vorbildlich; er lasse die Herbeigereisten ohne weiteres warten, wenn eines seiner Pfarrkinder ihn brauche.

Als ich die Kirche betrat, erstaunte mich die prächtige und geschmackvolle Ausstattung. Ein Gotteshaus, das die Frömmigkeit gleichsam zu atmen schien und daher die Menschen mit sanfter Gewalt auf die Knie, zur Anbetung des Hausherrn nötigte; denn daran, wer hier im Mittelpunkt stand, konnte trotz der beherrschenden Gestalt des Pfarrers (den ich bisher nicht zu Gesicht bekommen hatte) kein Zweifel bestehen. Es wunderte mich daher auch nicht, in diesem Heiligtum neben den Beichtenden schon jetzt außergewöhnlich viele Beter anzutreffen, manche von ihnen augenscheinlich in stille Betrachtung versenkt. „Das hat sie unser Pfarrer gelehrt“, sagte man mir. Ein Vergleich mit dem eher traurigen Bild, das sich in meiner Pfarrkirche nicht nur zu solcher Morgenstunde bietet, ließ Scham über die voreiligen Urteile in mir aufkommen. Sollte es nicht doch möglich sein, daß Gott...?

Es hatte gerade 6 Uhr geschlagen, als sich die Sakristeitür öffnete und eine abgezehrte, doch lichtvolle Priestergestalt in edlen Gewändern zum Altar schritt. Vianney! Alle bereits erwähnten Bedenken und Einwände wollten sich wieder in mir zu Worte melden, lösten sich aber angesichts dieses Anblicks auf wie der Frühnebel vor der Sonne. Nichts an meinem ehemaligen Mitstudenten war exaltiert oder auf Wirkung angelegt. Er zelebrierte die heiligen Geheimnisse den Vorschriften gemäß, ohne Eigenwilligkeiten, nichts in die Länge ziehend, dabei zugleich demütig und würdevoll in allen Bewegungen. Die Hingabe dieses Priesters an seinen gegenwärtigen, geopferten Herrn war unmittelbar spürbar, der Geist tiefer Ehrfurcht und inniger Anbetung ging auf das anwesende Volk über. Selten habe ich an einer Heiligen Messe ergriffener teilgenommen, geschweige denn sie selbst so zelebriert... 

Als ich später die vielgerühmte 11-Uhr-Katechese besuchte, verspürte ich schon gar keine Neigung mehr, etwaige theologische Unvollkommenheiten aufzuspüren. Und wäre das noch immer mein Ansinnen gewesen, ich hätte mich doch geschlagen geben müssen angesichts der Worte voller Weisheit und Liebe, die ich jetzt zu hören bekam. Es erschien mir als ein freundlicher Wink der Vorsehung, daß Vianney ausgerechnet heute über das Priestertum sprach. Er tat es nicht wie ein Büchergelehrter, auch nicht wie ein bloß Glaubender, sondern eher wie einer, der das, was er beschreibt, mit inneren Augen selbst schaut. Einige seiner Aussprüche sind besonders stark in mein bedürftiges Priesterherz eingedrungen. Gewiß spielte der Klang, mit welchem der Pfarrer von Ars sie aussprach, und überhaupt seine ganze Gestalt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Aber auch lange nach diesem Eindruck haben sie nichts von ihrer Herrlichkeit eingebüßt:

Wenn wir recht begreifen würden, was ein Priester auf Erden ist, würden wir sterben: nicht vor Schreck, sondern aus Liebe. Ohne den Priester wäre das Leiden und Sterben unseres Herrn sinnlos. Der Priester führt das Werk der Erlösung auf Erden fort. Was nützte ein Haus, das mit Gold gefüllt ist, wenn es niemanden gäbe, um die Tür zu öffnen? Der Priester besitzt die Schlüssel zu den Schätzen des Himmels. Und sogar Gott gehorcht ihm: Der Priester spricht einige Wörter aus, und daraufhin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in der kleinen Hostie ein. Ja, ohne das Sakrament der Weihe hätten wir den Herrn nicht. Wer hat Ihn da in den Tabernakel gesetzt? Der Priester. Wer hat eure Seele beim ersten Eintritt in das Leben aufgenommen? Der Priester. Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pilgerschaft zu vollenden? Der Priester. Wer wird die Seele darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie zum letzten Mal im Blut Jesu Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester. – Oh, wie groß ist der Priester! Wenn er verstünde, was er ist, er würde sterben. Erst im Himmel wird er sich selbst recht verstehen.“

Und noch dieses wunderbare Wort ist in mir haften geblieben und hat sowohl Vianney als auch mein eigenes Dasein und Wirken in ein völlig neues Licht getaucht: „Das Priestertum, das ist die Liebe des Herzens Jesu.“ Jetzt meinte ich zu verstehen, warum unser Herr Seinen großen Diener im Studium derart schwach erscheinen ließ: um durch diesen geringen Mann alles Hochtrabende und Aufgeblähte zu beschämen und in ihm die Macht der Liebe Seines Herzens zu offenbaren! Ich hatte auch keine Schwierigkeiten mehr mit seinen Gestrengheiten gegen sich und gegen seine Pfarrkinder. Hatte er nicht den Vorläufer und Wegbereiter des Herrn, Johannes den Täufer, zum Namenspatron? Wie diesem war es Vianney darum gegangen, alles in seinem eigenen Leben und in den anvertrauten Seelen zu beseitigen, was sich der Ankunft Jesu entgegenstellte. Dann aber ließ er unter den Menschen die göttliche Liebe in einer einzigartigen Weise aufstrahlen. Welche Barmherzigkeit hat Gott uns durch ihn erwiesen, welche guten Einrichtungen ins Werk gesetzt – man denke nur an die Providence, das Heim für arme Mädchen!

Bleibt noch zu erwähnen, daß ich mir selbstverständlich die Gelegenheit, beim heiligen Pfarrer von Ars zu beichten, nicht nehmen ließ. Seither bin ich der felsenfesten Überzeugung: Die Begegnung mit ihm wird für jeden Priester zu einer große Gnade. (Hier schließt der Bericht des Abbé N.N.)



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Wegweisung für Wegweiser -
Reinigung und Erneuerung des priesterlichen Lebens
Exerzitien mit dem hl. Pfarrer von Ars
Mit einenm Vorwort von Walter Kardinal Brandmüller
UNA VOCE Edition Tremsbüttel 2014
ISBN: 978-3-926377-00-5
Preis 7,80 Euro 
Bestellmöglichkeit: UNA VOCE Shop
oder in jeder Buchhandlung
Rezension von Pfr. Guido Rodheudt
Rezension von Hans Jakob Bürger


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Samstag, 28. Juni 2014

Es gibt kein richtiges Leben im falschen

Ein Gastbeitrag von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Vor einigen Jahren, als in der Presse von einer „Lockerung des Kondomverbotes“ durch Papst Benedikt XVI. die Rede war, gewann dieser wohl berühmteste Satz des Philosophen Theodor W. Adorno neue Brisanz. Übertragen in die Sphäre des Religiös-Sittlichen, erinnert er uns daran, daß geringfügige Verbesserungen, die im Kontext der schweren Sünde geschehen, noch keinen Wandel zum Guten bewirken. Hinter einem falschen Vorzeichen ist eben kein richtiges, kein Gott gefälliges Leben möglich.

Das klingt reichlich abstrakt; deshalb sei es an dem erwähnten Beispiel erläutert. Benedikt XVI. hatte in seinem Interviewbuch „Licht der Welt“ mit Recht darauf hingewiesen, daß es einen gewissen Fortschritt bedeutet, wenn ein HIV-infizierter Mensch, anstatt jegliche Verantwortlichkeit für die Gesundheit seiner Sexualpartner von sich zu weisen, Maßnahmen zu deren Schutz ergreift. Damit hat der Papst allerdings nicht behauptet, die Verwendung von Präservativen sei erlaubt im Sinne von „sittlich gut“. Vielmehr haben wir seine Aussage so zu verstehen, daß der Gedanke an das Wohl des Mitmenschen innerhalb der dunklen Abgründe von Unmoral und Perversion einen Schimmer von Menschlichkeit darstellt. Ja, es könnte sich dabei durchaus um den Anfang eines Umdenkens handeln – aber leider auch um den letzten noch verbliebenen Rest von Anständigkeit...

Besser als das Heer oberflächlicher Journalisten, das auf spannende Nachrichten und reißerische Schlagzeilen aus ist, haben die glaubens-, moral- und hierarchiekritischen Kreise in der Kirche diese Nuance in Benedikts Worten verstanden. Sogleich bemäkelten sie nämlich, es gehe dem Papst gar nicht um eine neue Positionierung in Fragen der Sexualmoral. Der von ihm angeführte Extremfall habe mit dem Leben der gewöhnlichen Menschen wenig zu tun. Für diese bestehe doch weiterhin die strenge Weisung, die natürliche Hinordnung der geschlechtlichen Vereinigung auf das Kind nicht unnatürlich zu unterbinden. Also noch immer ein „Kondomverbot“ (um das sich freilich diejenigen, die am lautesten darüber klagen, am wenigsten scheren dürften!). -

Zurück zu Adornos Satz über die Unmöglichkeit, innerhalb eines falschen ein richtiges Leben zu führen. Welches die Kennzeichen eines solchen „falschen Lebens“ sind, sagt uns die Heilige Schrift mit göttlicher Verbindlichkeit; einer Verbindlichkeit, an die sich die Kirche für immer gebunden weiß. Im Epheserbrief warnt der heilige Paulus davor, „dahinzuleben wie die Heiden in der Nichtigkeit ihres Sinnes: Verdunkelt sind sie in ihrem Denken, dem Leben Gottes entfremdet wegen der Verständnislosigkeit in ihrem Innern, wegen der Verstocktheit ihres Herzens. Haltlos geworden, gaben sie sich der Ausschweifung hin, um unersättlich jeder Art von Unreinheit nachzugehen.“ (4,17-19)

Für den Völkerapostel ist dieses „falsche Leben“ näherhin gekennzeichnet durch die „Werke des Fleisches“, deren Aufzählung er mit „Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung“ beginnt, um am Ende das harte Wort auszusprechen: „Davon sage ich im voraus, wie ich es schon früher sagte: Die solches treiben, werden das Reich Gottes nicht erben.“ (Gal 5,19-21) Nicht anders lesen wir im Epheserbrief: „Kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger ... hat Anteil am Reiche Christi und Gottes“ (4,6); oder in der Apokalypse des Johannes, in der die „Unzüchtigen“ am Ende außerhalb der heiligen Stadt bleiben müssen (22,15) und ihren Anteil empfangen werden „in dem See, der von Feuer und Schwefel brennt, das ist der zweite Tod“ (21,8).

Daher der dringliche Aufruf des heiligen Paulus: „Fliehet die Unzucht! Jede Sünde, die ein Mensch sonst begeht, ist außerhalb des Leibes, wer aber Unzucht treibt, der sündigt gegen seinen eigenen Leib. Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt? Ihn habt ihr von Gott und gehört also nicht euch selbst.“ (1 Kor 6,18-19) Daher soll unter Christen „von Unzucht und jeder Art von Unreinheit oder Gier nicht einmal die Rede sein, wie es Heiligen geziemt, und ebenso wenig von schamlosen Dingen“ (Eph 5,3 f.).

Stellen wir auf dem Hintergrund dieser Schriftstellen die Frage nach dem Gebrauch von Präservativen, dann besteht kein Zweifel mehr daran, welcher Art von Leben sie angehören: dem falschen, nicht dem richtigen. Schon die Aufmachung dieser Produkte läßt keinen Zweifel daran – man bemerkt es sogleich bei einem flüchtigen Blick auf einen Kondomautomaten! Und wenn man den Herstellern nachforscht, landet man alsbald in der menschenverachtenden, eiskalt kommerzialisierten Pornowelt, jenem glitzernden Eintrittstor zur Hölle...

Weil sie uns davor mehr als vor allem anderen bewahren will, kann die Kirche keine Kompromisse mit dem falschen Leben eingehen, das dem endgültigen Untergang geweiht ist.


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Die Taten eines Menschen sind die Konsequenzen aus seinen Grundsätzen; 
sind die Grundsätze falsch, dann werden die Taten nicht richtig sein.

sel. Bernhard Lichtenberg


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Freitag, 6. Juni 2014

Zweck der Kirche: Die Heiligkeit



Der Zweck der Erlösung ist die Wiederherstellung aller Dinge in den Zustand vor dem Sündenfall. Der Mensch vor dem Sündenfall ist aber der Mensch im Gnadenstand, der Gottähnliche, der Heilige, der Erbe des Himmels. Sankt Johannes gibt als Ziel der Menschwerdung des Sohnes Gottes an, dass alle, die an Ihn glauben, Macht haben, Kinder Gottes zu werden. Das Kind Gottes aber, das ist der Heilige.

Die Apostelbriefe sind voll von Mahnungen zur Heiligkeit, die in der vollkommenen Nachfolge Jesu besteht. Im Thessalonierbrief heißt es: Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung. Diese Uraufgabe der Kirche, Pflanzschule der Heiligen zu sein, lag in der apostolischen Zeit so offenbar zu Tage, dass die Gläubigen oft kurzerhand als die Heiligen, die Kirche als die Gemeinschaft der Heiligen bezeichnet wurde.

Damit über diesen Charakter und die Zweckbestimmung der Kirche niemals Zweifel entstehen, wurde im neunten Glaubensartikel die offizielle Bezeichnung der Kirche für alle Zeiten festgelegt: sie ist die eine, heilige, katholische, die Gemeinschaft der Heiligen.

Und zwar ist die Kirche die Gemeinschaft der Heiligen nicht bloß durch Zufall und in gewissen Blütezeiten, sondern naturnotwendig und immer, weil sie die Kirche des Heiligen Geistes ist und gleiche Ursachen immer gleiche Wirkungen haben.

Die Kirche besteht als lebendiger Organismus aus Leib und Seele. Ein Leib und ein Geist, wie Paulus im Epheserbrief sagt! Den Leib der Kirche bilden die Gläubigen, das Haupt Christus. Die Seele ist der Heilige Geist, der Heiligmacher.

Die Kirche ist auch heute nichts anderes als das, was sie an ihrem Geburtstag durch den Heiligen Geist geworden, eine Gemeinschaft der Heiligen. Allerdings, wenn wir gewisse Schriftsteller und Redner hören, meinen wir, die Kirche hätte heute andere Aufgaben als am ersten Pfingsttag.

Manche Apologeten reden sich heiser und schreiben sich wund, um zu beweisen, dass der Katholizismus der mächtigste Kulturfaktor, der Förderer der Kunst und der Wissenschaft und der irdischen Wohlfahrt sei. Das mag ja alles wahr sein. Es ist auch wahr. Aber es ist Nebensache. Man sollte nicht fast immer nur von dem reden!

In seiner ersten Pfingstpredigt hat der erste Papst nichts von diesen Nebensachen gesagt, aber dafür sehr vieles von der Hauptsache. Tut Buße, verlangte er, lasst euch retten aus diesem bösen Geschlechte; empfanget die Gaben des Heiligen Geistes. Mit anderen Worten: Werdet Heilige! Katholisch werden heißt eintreten in die Gemeinschaft der Heiligen! (...)

Gemeinschaft der Heiligen heißt's, nicht Gemeinschaft der Weisen, der Gelehrten, der Reichen, der Starken! Wir haben die Wahl. Petrus sprach in seiner ersten Pfingstpredigt ein geheimnisvolles Wort: Ich will Wunder geben am Himmel oben und Zeichen auf der Erde unten, Blut und Feuer, Dampf und Rauch.

Entweder kommt das Feuer von oben oder das Feuer von unten. Entweder der Sturm der Glaubensbegeisterung oder der Sturm der Revolution. Entweder die Menschen der großen Liebe oder die Menschen des großen Hasses. Entweder der Heilige Geist oder der Teufel. Entweder kommt etwas wie Himmel auf die Erde oder etwas wie Hölle. Wählet!
 

aus: Robert Mäder: Der Heilige Geist - Der dämonische Geist; Verlag St. Michael Goldach; AD 1969; S. 58-60


Donnerstag, 8. Mai 2014

Maiandacht 8. Tag - Seelenadel durch die heiligmachende Gnade

 

Weiß ist dein Kleid wie Schnee,
dein Antlitz wie die Sonne.
Mit des Heils Gewändern hat der Herr mich bekleidet,
wie eine Braut, geschmückt im Brautgeschmeide.
(Brevier zu Maria Empfängnis)



Die Bewahrung vor der Erbsünde und aller Sündenmakel ist ein ganz einzigartiger Vorzug der lieben Gottesmutter. Hoch erhaben steht sie dadurch über uns sündigen Menschen. Doch nicht nur von Sündenlosigkeit erzählt uns das Bild der Unbefleckten Empfängnis, es kündet uns auch von dem Reichtum, dem Adel ihrer Seele.

Im Paradiese erfreuten sich die Menschen des vertrauten Umgangs und der Freundschaft mit Gott. Das bewirkte in ihnen die heiligmachende Gnade. Die Sünde zerriss diese Freundschaft; sie schuf einen tiefen Abgrund zwischen Gott und der gefallenen Menschheit. Christi Kreuz und Blut sollten diese Kluft überbrücken, diesen Abgrund schließen.

Für Maria hat diese Kluft nie bstanden. Durch ihre unbefleckte Empfängnis ist sie vom ersten Augenblicke ihres Daseins an im Stande der heiligmachenden Gnade, in der innigsten Liebe und Freundschaft mit Gott verbunden. Sie steht Gott ganz nahe als der ewigen Reinheit geliebteste Braut. Eine Blume ist um so schöner, je mehr Sonnenlicht sie in sich hineintrinken kann. Auch Menschenseelen sind wie Blumen, und Gott ist die Sonne der Seelen. Maria steht dieser Sonne am nächsten.

Was eine Menschenseele vom Leben und Reichtum Gottes nur zu fassen vermag durch die Gnade, das hat die Seele Mariens in sich aufgenommen. Sie ist voll der Gnade. Weil sie Gott so nahesteht, so innig mit ihm verbunden ist, darum ist sie auch das herrlichste Abbild seiner Vollkommenheit. Deshalb sagt ein heiliger Gottesgelehrter, Gott hätte wohl einen schöneren Himmel und eine bessere Erde schaffen können, nimmer aber seinem Sohne eine herrlichere Mutter als die gnadenvolle Jungfrau Maria.

Vielleicht ahnen wir jetzt, was die heiligmachende Gnade wert ist. Als Brautschmuck für sein liebstes Geschöpf findet der allmächtige Gott im Himmel und auf Erden nichts Schöneres als die heiligmachende Gnade und die schenkt er Maria in überreichem Maße.

Am Bild der Unbefleckten Empfängnis sehen wir, wie wahr der Katechismus lehrt: "Die heiligmachende Gnade ist das Kostbarste, was wir auf Erden besitzen können. Daher muss es unsere größte Sorge sein, sie nicht zu verlieren, sie vielmehr ständig zu vermehren und sie möglichst bald wieder zu erlangen, wenn sie verloren gegangen ist."

In der heiligen Taufe haben wir dieses Gnadengeschenk erhalten. Als das Taufwasser über unsere Stirn floss, da schwand die Kluft zwischen uns und Gott. Er zog uns voll Erbarmen an sich, in seine heilige Nähe. Mehr noch: er nahm uns auf in die innigste Verwandtschaft als seine Kinder, machte uns "teilhaftig seiner göttlichen Natur".

Durch die heiligmachende Gnade lässt Gott uns teilnehmen an dem Reichtum seines übernatürlichen, göttlichen Lebens. "Seht, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat", ruft darum der Liebesjünger Johannes, "dass wir Kinder Gottes heißen und es auch sind."

Der heilige Petrus schrieb deshalb den Getauften: "Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein zu eigen erworbenes Volk." Durch dieses göttliche Leben, das wir heiligmachende Gnade nennen, ist auch unsere Seele ein herrliches Abbild der ewigen Schönheit Gottes, ja, ein lebendiger Tempel Gottes, in dem der dreifaltige Gott wohnt, heiliger und kostbarer in den Augen Gottes als der wertvollste Tabernakel in den steinernen Gotteshäusern.

Nun wollen wir, wie es uns am Taufbrunnen gesagt ist, untadelig unsere Taufe hüten. Wir waren einst Finsternis, nun aber sind wir Licht im Herrn und wollen als Kinder des Lichtes wandeln. Im Sonnenlicht der Gottesnähe wird das göttliche Leben in uns wachsen zur vollkommenen Gottähnlichkeit. Durch das Gebet und die heiligen Sakramente, am meisten durch die Gottesnähe Christi im heiligen Messopfer und in der heiligen Kommunion werden wir zunehmen an Gnade und heranreifen zum "Vollalter Christi".

Wir beten ein Ave Maria, dass Maria uns helfe, die heiligmachende Gnade zu bewahren und ständig in ihr zu wachsen:
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir!
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: Jesus!
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Wisset ihr nicht, dass ihr Tempel Gottes seid?
Der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr! (1 Kor 3,16.17)
Wer gerecht ist, übe weiter Gerechtigkeit;
und wer heilig ist, heilige sich weiter. (Offb 2,11)


Gebet:
O Gott, du hast die unvergleichliche Jungfrau Maria mit allem Reichtum deiner Gnade geschmückt, sie zur Zierde der Erde gemacht und über alle Chöre der Engel begnadet. Gib auch uns deine Gnade und lass uns durch die Bitten dieser heiligsten Jungfrau den Reichtum deines göttlichen Lebens erlangen und in Ewigkeit bewahren. Amen
 

Maiandachtsbüchlein für Kirche und Haus von Pfarrer Joseph Willmes; A. Laumannsche Verlagsbuchhandlung Dülmen /Westf.;  AD 1935; S. 29-31; (s. Quellen)



Bild: Krönung Mariens; Fra Angelico

Dienstag, 29. April 2014

Heilig zu sein, ist kein Luxus


Die Heiligkeit und die Vollkommenheit Gottes nachzuahmen, kann als ein unerreichbares Ziel erscheinen. Dennoch führen die erste Lesung (Lev 19,2) und das Evangelium (Mt 5,48) die konkreten Beispiele an, damit das Verhalten Gottes zur Regel unseres Handelns wird.

Doch erinnern wir uns (...), dass ohne den Heiligen Geist unser Bemühen umsonst wäre! Die christliche Heiligkeit ist nicht vor allem unser Werk, sondern ist Frucht der – gewollten und praktizierten – Folgsamkeit gegenüber dem Geist des dreimal heiligen Gottes. (...)

Christus ist gekommen, um uns zu retten, um uns den Weg, den einzigen Ausweg aus dem Fließsand der Sünde zu zeigen, und dieser Weg der Heiligkeit ist die Barmherzigkeit, dieser Weg, den er gegangen ist und den er jeden Tag mit uns geht. Heilig zu sein, ist kein Luxus, es ist notwendig für das Heil der Welt. Das ist es, was der Herr von uns verlangt.


Papst Franziskus in der Predigt bei der hl. Messe mit den neuernannten Kardinälen am 23.02.2014



Foto: Filigranes Fenstergitter an der Gnadenkapelle in Kevelaer mit dem Monogramm Mariens; eigenes Foto
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