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Donnerstag, 31. Juli 2014

Hl. Ignatius von Loyola, bitte für uns!

 


Hilf mir, Herr, 
dass ich dich besser erkenne und mehr liebe,
damit ich dir entschiedener folge.


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Hl. Ignatius, bitte für uns!




Bild: Ignatius von Loyola (1491 - 1556); Gemälde 17. Jh.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Maiandacht 20. Tag - Maria, Königin der Märtyrer

Neben dem Kreuz unseres Herrn Jesus Christus stand die heilige Maria,
des Himmels schmerzensreiche Königin und Herrin der Welt.
O ihr alle, die ihr vorübergeht, schaut,
ob ein Schmerz ist wie der meine.
(Traktus zum Fest der sieben Schmerzen Mariens)


Lasst uns heute noch ein wenig verweilen bei der Mutter unter dem Kreuze. Das menschliche Leid ihres Mutterherzens lasst uns schauen. Wenn man wohl meint, die Gottesliebe habe es der Mutter leicht gemacht, das Opfer des Verzichtes und der Hingabe ihres Kindes zu bringen, dann darf man doch nicht vergessen, dass Maria auch als Mutter denkt und fühlt und liebt. Liebe aber bringt Leid; um so tiefer schmerzt es, je größer die Liebe ist. Und Mariens Liebe war die größte und tiefste Liebe, mit der je ein Mensch geliebt hat; war ihre Christusliebe doch zugleich Gottes- und Mutterliebe, zugleich auch Urquell ihrer nie versiegenden Liebe zu den Menschen.

Welch tiefes Weh sollte der Gottesmutter aus dieser Liebe erwachsen! Nie freilich werden wir Mariens Weh und Schmerz ganz zu erfassen vermögen. Nur ahnen können wir die Not und die Betrübnis ihres Mutterherzens, angefangen von dem Mutterleid um ihr Kind an der Krippe zu Betlehem bis zur Stunde, da der Gesandte des Herrn seine Missionstätigkeit begann und sie, seine Mutter, so völlig zurücktreten musste.

Und doch stand ihr da das größte Leid noch bevor. Nach grausamer Misshandlung und Verspottung ward der Gottessohn zum Tode verurteilt, zum schmachvollen Kreuzestod. Gleich dem schlimmsten Verbrecher musste er sein Marterwerkzeug selbst zur Richtstätte tragen. Tief, ganz tief bohrt sich das Schwert der Schmerzen in der Mutter Seele, als sie ihren Sohn auf diesem seinen schwersten Gang sah, - als sie ihm gegenüberstand und doch nicht helfen konnte, - als sie dann seine unerträglichen Qualen am Kreuzesholze sehen musste und seine unendliche, drückende Seelenpein, - als sie ihm nicht einmal die geringste Linderung geben konnte in seiner Todesnot!

Todestraurig war da auch der Mutter Herz. "O ihr alle, die ihr vorübergeht, schauet, ob ein Schmerz ist wie der meine." Verstehst du, meine Seele, was das heißen will? Sieh die Schmerzensmutter mit dem Leichnam ihres Sohnes in den Armen! Fürwahr, keines Menschen Weh und Not kann sich je mit dem Leid der Gottesmutter messen! Groß wie das Meer ist ihr Schmerz!

Und doch stieg nie eine Klage aus der Seele Mariens. In ihrer völligen Gottgehörigkeit kannte sie nur das eine: es geschehe der Wille des Herrn. Das war und blieb ihre Seelenhaltung auch in den Stunden, da das Leid zutiefst auf sie einstürmte. So ist Maria geworden die Königin aller Leidtragenden, aller Kreuzträger, die Mutter der Schmerzen, die Königin der Märtyrer, d. i. Königin all derer, die heldenmütig für Christus Zeugnis ablegen im Leid.

Meine Seele! Muss Maria auch um dich Leid tragen, da du Christus von neuem kreuzigst durch die Sünde? Lehnst du dich auf gegen das Kreuz, das Gott dir schickt? Oder bist du schon Gott und seinem heiligen Willen so hingegeben, dass du jegliche Fügung aus seiner Hand hinnehmen kannst, ohne zu murren und zu klagen?

Wahre Gottesliebe verlangt von dir, dass du selbst im schwersten Leid nicht zweifelst an Gottes Vatergüte, sondern glaubst, dass er dich liebt und dir diese Prüfung schickt, damit du dich in der Liebe bewährst. Du musst zeigen, dass es dir ernst ist mit der Nachfolge dessen, der da spricht: "Wer mein Jünger werden will, verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir." (Luk 9,23)

Kreuzträger zu sein ist unser aller Aufgabe! Wir wollen sie erfüllen nach bestem Können, - jeder an seinem Platze. Maria aber, die Königin der Märtyrer, die die Kraft fand, alles Schwere stark und freudig zu tragen, möge auch uns die Kraft erflehen.

Wir beten ein Ave Maria, dass wir wie Maria alles Leid starkmütig tragen:
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir!
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: Jesus!
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.


Heil'ge Mutter, drück die Wunden,
die dein Sohn am Kreuz empfunden,
tief in meine Seele ein.
Ach, das Blut, das er vergossen,
ist für mich dahingeflossen;
lass mich teilen seine Pein.
(Sequenz zum Fest der sieben Schmerzen Mariens)


Gebet:
Es trete für uns ein, so bitten wir dich, Herr Jesus Christus, jetzt und in der Stunde unseres Todes, bei deiner Güte die allerseligste Jungfrau Maria, deine Mutter, deren heiligste Seele in der Stunde deiner Leiden das Schmerzensschwert durchdrang. Der du lebst und herrschest in Ewigkeit. Amen.
(Kirchengebet; Votivmesse von den sieben Schmerzen Mariens)


Maiandachtsbüchlein für Kirche und Haus von Pfarrer Joseph Willmes; A. Laumannsche Verlagsbuchhandlung Dülmen /Westf.;  AD 1935; S. 62-64 (mit kleinen Änderungen); (s. Quellen)



Bild: Pieta (Maria mit ihrem toten Sohn ); Beichtkapelle Kevelaer; FW

Donnerstag, 17. April 2014

Gründonnertag



"Ein neues Gebot gebe ich euch:
Liebet einander, wie ich euch geliebt habe!", spricht der Herr. (Joh 13,34)

Selig, die makellos gehen auf dem Wege, 
die da wandeln im Gesetze des Herrn! (Ps 118,1)


(aus der Liturgie zum Gründonnerstag)



Montag, 21. Oktober 2013

Petrusbruderschaft: Bilder von Einkleidung und Erteilung der Tonsur (19.Oktober 2013)

Du aber folge mir nach (Joh 21,22)


Bilder von der Einkleidung und Erteilung der Tonsur zeigt der französischsprachige Blog des Priesterseminars in Wigratzbad: hier und hier
Weitere Fotos der Feierlichkeiten: hier

Am Samstag, den 19. Oktober 2013 verlieh S.E. Msgr. Wolfgang Haas, Erzbischof von Vaduz (Liechtenstein) an elf Seminaristen des zweiten Jahres die Tonsur und segnete ihre Soutanen. Unter den elf Seminaristen sind fünf französisch-sprachige (vier Franzosen und ein Kanadier) sowie sechs deutsch-sprachige (vier Deutsche, ein Österreicher und ein Slovake).

Assisistenz-Priester des Bischofs war der Rektor des Seminars, P. Patrick du Faÿ de Choisinet. Diakon und Subdiakon waren P. Brice Meissonnier (Oberer des Hauses St. Padre Pio in Lyon) und P. Alban Cras (im Seminar zuständig für die französischsprachigen Seminaristen des ersten Jahres).

Das Pontifikalhochamt wurde zelebriert in der prächtigen Stiftskirche auf der Lindauer Insel (Bayern), fünfzehn Autominuten vom Priesterseminar entfernt, bei herrlichstem Herbstwetter. Anschließend waren die Familien zur großen Festfeier ins Seminar eingeladen.

(eigene annähernde Übersetzung des französischen Textes des Blogs des Priesterseminars von hier)

eigenes Foto

Montag, 29. Juli 2013

Vor dem Himmelstor






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Sonntag, 14. Juli 2013

Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es...

Lesung zum 17. Sonntag nach Pfingsten (Vetus Ordo):

Aus dem Brief des Apostel Paulus an die Römer, Kap. 8,12-17
Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, Brüder, so dass wir nach dem Fleisch leben müssten. Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die (sündigen) Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben. Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes.

Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.

Weiteres zum Thema "Gotteskindschaft":
 
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Das Gebet, das der Herr uns zu beten gelehrt hat (vgl. Mt 6,9–13 und Lk 11,2–4):

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld, 
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen. 
Amen.


Lateinischer (universalkirchlicher) Text:

Pater noster, qui es in caelis:
sanctificetur nomen tuum.
Adveniat regnum tuum.
Fiat voluntas tua,
sicut in caelo, et in terra.
Panem nostrum quotidianum da nobis hodie.
Et dimitte nobis debita nostra,
sicut et nos dimittimus debitoribus nostris.
Et ne nos inducas in tentationem,
sed libera nos a malo.
Amen.

Bild: Taufbecken im hohen Dom (Notre Dame) zu Augsburg; ©  FW

Sonntag, 21. April 2013

Frage Jesus, was er von dir will...

"Manchmal ruft uns Jesus, lädt uns dazu ein, ihm nachzufolgen, doch es geschieht vielleicht, dass wir ebenso wie der junge Samuel nicht bemerken, dass gerade er es ist, der uns ruft. Ich sehe heute eine große Zahl junger Menschen auf dem Platz. (...)  Frage Jesus, was er von dir will und sei mutig! Sei mutig! Frag ihn!

Hinter jeder Berufung zum Priestertum oder zum geweihten Leben steht immer das inständige und intensive Gebet einer Großmutter, eines Großvater, einer Mutter, eines Vaters oder einer Gemeinde … Vor diesem Hintergrund sagte Jesus: „Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,38). Berufungen entstehen im Gebet und aus dem Gebet; nur im Gebet können sie fortdauern und Frucht tragen. Am heutigen „Weltgebetstag um geistliche Berufungen“ ist es mir ein besonderes Anliegen, dies hervorzuheben.

Beten wir besonders für die neuen Priester der Diözese von Rom, deren Weihe ich heute Vormittag vollziehen durfte. Rufen wir Maria um ihre Fürsprache an. 10 junge Menschen sagten heute Vormittag „ja“ zu Jesus und wurden zu Priestern geweiht. Das ist schön! Bitten wir um die Fürsprache Mariens, der Frau des „ja“. Maria gab ihr ganzes Leben lang ihr Ja-Wort. Sie lernte die Stimme Jesu zu erkennen, als sie ihn in ihrem Schoß trug. Maria, unsere Mutter, hilf uns, die Stimme Jesu immer besser zu erkennen und ihm nachzufolgen, damit wir auf den Weg des Lebens gelangen"


Papst Franziskus in der Ansprache vor dem "Regina caeli"-Gebet auf dem Petersplatz am 21.04.2013, am Sonntag des Guten Hirten  und 50. Weltgebetstag um geistliche Berufungen

„Komm, folge mir!“

"Wie schon während seines Erdenlebens, so geht Jesus, der Auferstandene, auch heute an den Wegen unseres Lebens entlang und sieht uns, vertieft in unsere Aktivitäten, mit unseren Sehnsüchten und unseren Nöten. Gerade im Alltag richtet er sein Wort an uns; er ruft uns, unser Leben zu verwirklichen mit ihm, der allein fähig ist, unseren Durst nach Hoffnung zu stillen.

Er, der in der Gemeinschaft der Jünger, der Kirche, lebt, ruft auch heute, ihm zu folgen. Und dieser Aufruf kann jederzeit eintreffen. Auch heute wiederholt Jesus: „Komm, folge mir!“ (Mk 10,21).

Um dieser Einladung zu folgen, ist es notwendig, nicht mehr selbst den eigenen Weg zu wählen. Nachfolge bedeutet, den eigenen Willen in den Willen Jesu einzusenken, ihm wirklich den Vorrang zu geben, ihm den ersten Platz einzuräumen gegenüber allem, was Teil unseres Lebens ist: gegenüber der Familie, der Arbeit, den persönlichen Interessen und gegenüber sich selbst. Es bedeutet, das eigene Leben ihm zu übergeben, in tiefer Vertrautheit mit ihm zu leben, durch ihn im Heiligen Geist in die Gemeinschaft mit dem Vater einzutreten und – folglich – in die mit den Brüdern und Schwestern.

Diese Lebensgemeinschaft mit Jesus ist der bevorzugte „Ort“, wo die Hoffnung zu erfahren ist und wo das Leben frei und erfüllt sein wird!"


Papst (em.) Benedikt XVI.; Botschaft zum 50. Weltgebetstag um geistliche Berufungen am 21.04.2013


Video der Kleruskongregation über das Priestertum


Zum Sonntag vom Guten Hirten:
Pastor bonus - Sonntag vom Guten Hirten

Sonntag, 17. Februar 2013

Nachfolge Christi im Kampf gegen die Sünde

Ein (...) Aspekt der Spiritualität der Fastenzeit ist der – wir könnten sagen – "kämpferische". Er tritt im Tagesgebet, der "Kollekte", hervor, wo von "Waffen" der Buße und vom "Kampf" mit dem Bösen die Rede ist.

Jeden Tag, besonders aber in der Fastenzeit, muß der Christ einen Kampf bestehen, der dem gleicht, den Christus in der Wüste von Judäa durchgestanden hat, wo er vierzig Tage lang vom Teufel versucht wurde, und in Getsemani, als er die schwerste Versuchung zurückwies und den Willen des Vaters bis zum letzten annahm.

Es geht um einen geistlichen Kampf, der gegen die Sünde und letztlich gegen den Satan gerichtet ist. Es ist ein Kampf, der die ganze Person einbezieht und ständig aufmerksame Wachsamkeit erfordert. Der hl. Augustinus bemerkt, daß derjenige, der in der Liebe Gottes und in seiner Barmherzigkeit wandeln will, sich nicht mit der Befreiung von schweren Sünden und Todsünden begnügen darf, sondern "die Wahrheit tut, indem er auch die Sünden erkennt, die als weniger schwer betrachtet werden … und er kommt ans Licht, indem er gute Werke vollbringt. Auch die weniger schweren Sünden verbreiten sich und führen zum Tod, wenn sie vernachlässigt werden" (vgl. In Io. evang. 12.13,35)

Die Fastenzeit erinnert uns also daran, daß das Leben des Christen ein ununterbrochener Kampf ist, in dem die "Waffen" des Gebets, des Fastens und der Buße eingesetzt werden. Das Böse, jede Form von Egoismus und Haß bekämpfen und sich selbst entsagen, um in Gott zu leben, das ist der aszetische Weg, den jeder Jünger Jesu zu gehen berufen ist – mit Demut und Geduld, mit Großmut und Beharrlichkeit.

Die gehorsame Nachfolge des göttlichen Meisters macht die Christen zu Zeugen und Aposteln des Friedens. Wir könnten sagen, daß diese innere Haltung uns hilft, auch besser deutlich zu machen, was die christliche Antwort auf die Gewalt sein muß, die den Frieden in der Welt bedroht. Sicher nicht Rache, Haß, ebensowenig Flucht in einen falschen Spiritualismus. Die Antwort dessen, der Christus nachfolgt, ist vielmehr, den Weg zu gehen, den er gewählt hat, als er angesichts der Übel seiner Zeit und aller Zeiten entschlossen das Kreuz auf sich nahm und den längsten, aber wirksamsten Weg der Liebe ging. Auf seinen Spuren und mit ihm vereint müssen wir alle uns bemühen, dem Bösen mit dem Guten, der Lüge mit der Wahrheit, dem Haß mit der Liebe zu begegnen.


Papst Benedikt XVI., aus der Predigt am Aschermittwoch 2006


Mittwoch, 6. Februar 2013

Und immer wieder: Neid und Hass der Welt

"Die menschliche Natur ist nicht ein harmloses, ungefährliches Wesen, das gütig und wohlwollend gegen alle ist und keinen angreift, solange man ihr nichts tut. Sondern der Mensch ist ein zwiegespaltenes Wesen, auf der einen Seite voller Sehnsucht nach den höchsten Zielen, andererseits voll Neid gegen jeden, der es besser hat, voll Hass und Verfolgungsgier gegen jeden, der besser ist als er selbst.

Und erst die Gier des Genießens, des menschlichen Liebens und Geliebtseinwollens, welche Stürme hat alles das schon entfesselt! Darum wird mancher Mensch die Kirche hassen, weil sie all das verbietet, was man sich gegen Gottes Gebote wünscht.

Diese Welt wird es auch nie verzeihen, dass es Menschen gibt, die moralischer, die vorbildlicher leben wollen, als sie selbst es tut. Und diese Welt wird auch immer skrupellos und findig und brutal genug sein, einen Sturm zu entfachen, der eben gegen diese Guten geht."


P. Paul Rondholz SJ in: Die Bescheidenheit; Johannes-Verlag Leutesdorf (Rhein); AD 1960




Samstag, 2. Februar 2013

Klerikale Kleidung

P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

„Der Priester muss vor allem durch sein Verhalten erkennbar sein, aber auch durch seine Bekleidung, so dass jedem Gläubigen und überhaupt jedem Menschen seine Identität und seine Zugehörigkeit zu Gott und zur Kirche unmittelbar erkenntlich ist.“

Eine reichlich unrealistische Forderung! Aber so steht es geschrieben, und zwar im „Direktorium über Dienst und Leben der Priester Dives Ecclesia“, von der Kleruskongregation mit Autorisierung Papst Johannes Pauls II. veröffentlicht am 31. Januar 1994 (Nr.66). Das Dokument kann sich auf das Kirchenrecht stützen, das in can. 284 vorschreibt: „Die Kleriker haben gemäß den von der Bischofskonferenz erlassenen Normen und den rechtmäßigen örtlichen Gewohnheiten eine geziemende kirchliche Kleidung zu tragen.“

Nun könnte man natürlich einwenden, die Bischofskonferenzen im deutschsprachigen Raum – und nicht nur in diesem – hätten nun einmal offensichtlich keine besonderen Normen erlassen (was übrigens gar nicht stimmt!), und die „örtliche Gewohnheit“ sei doch heute im Welt- wie im Ordensklerus gerade die, keine spezifisch geistliche Kleidung zu tragen.

Aber auch dazu weiß das Direktorium etwas zu sagen: „Das bedeutet, dass diese Bekleidung, falls sie nicht die Soutane (Anm.: Talar, Habit) ist, verschieden von der Art der Kleidung der Laien zu sein hat und konform der Würde und Sakralität des Amtes. Schnitt und Farbe müssen von der Bischofskonferenz festgelegt werden, immer in Übereinstimmung mit den Vorlagen des allgemeinen Rechts. Wegen ihrer Inkohärenz mit dem Geist solcher Disziplin, können entgegengesetzte Praktiken nicht als rechtmäßige Gewohnheiten angesehen werden und müssen daher von den zuständigen Autoritäten abgeschafft werden.“

Man lese und staune: Die Formulierung „Falls sie nicht die Soutane ist“ legt nahe, dass das schwarze Gewand, dieses klassische „Outfit“ des römischen Priesters, noch immer als Normalfall zu betrachten ist. Und sollte es nicht die Soutane sein, dann muss sich die klerikale Kleidung dennoch eindeutig von derjenigen der Laien unterscheiden. Der sog. Clergyman (schwarzer Priesteranzug mit weißem Kragen) erfüllt diese Forderung eindeutig. Aber gilt das wohl auch von einem Ansteckkreuz am Revers eines hellblauen oder beige-grün gestreiften Sakkos? Man darf daran zweifeln.

Die Kleruskongregation ruft in dem zitierten Abschnitt auch die Pflicht der zuständigen Autoritäten, also der Bischöfe, in Erinnerung, eine Praxis abzuschaffen, die den genannten Normen widerspricht. Dem hat die z.B. die Deutsche Bischofskonferenz im September 1995 mit Ausführungsbestimmungen zu dem zitierten can. 284 des Kirchenrechtes zu entsprechen versucht, die das Tragen des Oratorianerkragens, des römischen Kollars oder – „in begründeten Ausnahmefällen“ – eines dunklen Anzugs mit Kreuz einfordern. Aber sind diese Normen denn auch mit der Kraft des Leitungsamtes durchgesetzt worden? Ja, wie lange bereits wäre das fällig gewesen... Wer darüber nachdenkt, kann sich die Tatsache nicht verhehlen, dass es in der Kirche nicht nur ein Gehorsamsproblem in den „unteren Rängen“, sondern auch eine Autoritäts- und Führungskrise bis weit nach „oben“ gibt...

Doch nun genug damit. Diese Ausführungen riechen ohnehin schon zu sehr nach selbstgerechter Schelte von Mitbrüdern. Genau das wollen sie aber gar nicht sein. Sie möchten nur auf einen bedauerlichen Widerspruch zwischen Gesetz und Vorschrift hinweisen, dessen Hintergrund eine Art Sinnverlust bildet: Viele haben den Sinn für die Bedeutung der Kleidung im allgemeinen (in der Bibel ein Thema vom Paradies bis zum Himmlischen Jerusalem!) und für das geistliche Gewand im besonderen verloren. Sie bedenken nicht mehr den Zusammenhang zwischen dem Anziehen des kirchlichen Kleides und dem Anziehen des neuen Menschen, nämlich Jesu Christi selbst (vgl. Gal 3,27; Eph 4,24; Kol 3,10), durch, mit und in dem doch der Priester seinen heiligen Dienst vollzieht.

Hinter diesem Sinnverlust freilich liegt oft noch ein anderer. Das Dokument der Kleruskongregation formuliert vorsichtig: „Abgesehen von ganz außergewöhnlichen Situationen, kann der Nichtgebrauch der kirchlichen Kleidung seitens des Klerikers einen schwachen Sinn für die eigene Identität als ganz dem Dienst der Kirche ergebener Hirte manifestieren.“

Es geht also um eine Identitätskrise. Deren Ursache liegt im Verlust der übernatürlichen Dimension des Priestertums. Namhaften Theologen ist es über Jahrzehnte hin gelungen, durch geschickte „Neuinterpretation“ die katholische Glaubenswahrheit vom unauslöschlichen Prägemal der Weihe auszuhöhlen. Wen wundert es, wenn Männer, die nicht mehr darum wissen, dass ihr Priestersein zwar in der Welt, aber nicht von der Welt ist, sich dann auch nicht mehr von der Welt unterscheiden wollen? So schwindet das frohe Bewusstsein, als Zeuge des Herrn und Seines Reiches zu den Menschen gesandt zu sein, und man vergisst, für wie viele der Anblick eines Geistlichen, der als solcher erkennbar ist, eine Einladung, eine Stärkung, einen Halt und Trost, gegebenenfalls auch eine Mahnung bedeuten kann.

Um abzuschließen: Wir suchen in vielen Verlautbarungen vergebens nach einer klaren und kraftvollen Theologie des Priestertums, und wir vermissen weithin die warmen und werbenden Worte, mit denen die Oberhirten ihren Priestern den Sinn des geistlichen Kleides erschließen und sie zum Tragen ermuntern. Zugleich aber freuen wir uns, dass dennoch immer mehr – insbesondere junge – Geistliche in priesterlicher Kleidung zu sehen sind! 


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS) 
 
- Foto: Pentauro


Weiteres zum Thema: 


Der französische Priester Michel-Marie Zanotti-Sorkine über das Tragen der Soutane:



Samstag, 15. Dezember 2012

Priesterkleidung

Ein Leserbrief von Pater Rodrigo Kahl OP


(...) Die Priesterkleidung – ich spreche von der Soutane und der Ordenskutte – ist ein Kommunikationsmittel ersten Ranges. Nach jeder etwas längeren Reise mit der Deutschen Bahn kehrt der Priester beschenkt nach Hause zurück. Wieso beschenkt? Weil ihn die Reaktionen der Menschen unterwegs von der Wichtigkeit und Sinnhaftigkeit des eigenen Berufs erneut überzeugt haben.

Nicht nur Gespräche sind es, zu denen es fast immer (!) kommt, sondern auch vielfache andere Signale von Interesse und Dankbarkeit bezeugen klar, daß ein Mensch in dieser (!) Kleidung irgendetwas in den Mitreisenden anspricht. Um das zu erfahren, genügt schon ein Gang durch den Großraumwagen der Bahn. Natürlich gibt es auch Gleichgültigkeit. Aggressivität kommt äußerst selten vor. Aber auch wenn so etwas häufiger wäre, würde das nicht ebenfalls zum priesterlichen Verständnis beitragen? Muß es nicht auch Widerspruch geben?

Noch intensiver lassen sich Erfahrungen beim Autostopp machen, der gewiß nicht jedermanns Sache ist. Ich empfehle jedem priesterlichen Mitbruder, der Zweifel am Sinn seines Berufes hat, die Soutane anzuziehen und einmal von Hamburg nach München oder von Köln nach Berlin zu trampen. Er wird mit Menschen in Kontakt kommen, die noch nie in ihrem Leben in einem Pfarrhaus oder an einer Klosterpforte waren. Für nicht wenige ist es überhaupt das einzige Mal im Leben, daß sie mit einem katholischen Geistlichen sprechen. Es sind also keineswegs nur die guten Katholiken, die den Priester (in Soutane oder Kutte) im Auto mitnehmen. Nein, es sind Menschen jeder Konfession und Weltanschauung, die für eine solche Stunde im Auto dankbar sind, bei denen nicht sie, sondern der Priester derjenige ist, der etwas erbittet. Und er wird tatsächlich beschenkt, nicht nur daß er soundso viel Kilometer mitgenommen wird, sondern daß er in seinem priesterlichen Beruf gefragt, gefordert und bestätigt wird. „Es wird immer Menschen geben, die für Dein Priestertum dankbar sein werden“ schrieb mir die Lehrerin zur Primiz, bei der ich als Kind eingeschult worden war.

Es gibt Gegenden, wo man den Eindruck der absoluten Abwesenheit des Christentums hat, so als habe es das nie gegeben. In einem Bus – irgendwo zwischen Eisleben und Halle – setzt sich ein etwa Siebzehnjähriger neben einen Mann, der eine Mönchskutte trägt. Fragen und Gegenfragen. Es stellt sich heraus, daß der junge Mann noch nie in seinem Leben auch nur ein einziges Gebet gesprochen hat. Aber Fragen brachen in ihm auf, als er den Mitfahrenden in dieser Kleidung sah. – Wenn ich Bischof von Magdeburg wäre, würde ich meine Priester ermutigen, die Soutane zu tragen: ab und zu, etwa an Sonntagen, warum nicht auch grundsätzlich immer? Die Soutane in Sachsen-Anhalt? Ein unvorstellbarer Gedanke! Wirklich? Vielleicht hat sie aber dort einen noch fruchtbareren Boden als in durch und durch katholisch geprägten Landschaften wie Vorarlberg, Tirol oder Oberbayern. Die Namen all dieser Länder sind austauschbar.

Die Soutane ist das eigentliche Kleid des Priesters. Das schmucke Silberkreuzchen am dunklen Anzug macht zwar auch den Priester erkennbar, ist aber in keiner Weise mit der Soutane als dem Zeichen der Weihe an Gott vergleichbar. Es geht eben nicht nur um die Erkennbarkeit auf der Straße, sondern darum, die Weihe an Gott im Zeichen zu leben. Das gilt auch dann, wenn der Priester allein ist. Für manche Situationen bietet sie sich geradezu an. Am Morgen beim Breviergebet von Matutin und Laudes, vor dem Kreuz, in guter Haltung. Jeder merkt, daß das Beten besser wird. Auch bei der Heiligen Lesung, oder wenn der Priester – besonders an Sonn- und Feiertagen – die Mahlzeit einnimmt: warum dann nicht die Kleidung tragen, die nach wie vor die eigentliche des Priesters ist: die Soutane? Warum nicht bei Einladungen, bei Hausbesuchen? Wir Priester müssen etwas tun gegen die zersetzende Säkularisierung unseres heiligen Berufes. Unsere Weihe an Gott in diesem Zeichen zu leben, hilft uns und den Menschen.



"Die Tagespost", 13.12.2012
Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers


Weiteres zum Thema Priestertum:



Dienstag, 9. Oktober 2012

Freude über Berufungen in Wigratzbad

Neunzehn neue Seminaristen haben zum Studienbeginn den Weg in das internationale Priesterseminar St. Petrus in Wigratzbad gefunden. Hier werden Priesteramtskandidaten für die Petrusbruderschaft (FSSP) herangebildet, deren besonderes Charisma eine aus der alten Messe (vetus ordo) schöpfende Spiritualität ist.

Elf der jungen Männer gehören der französichen, die übrigen acht der (damit erfreulich großen) deutschen Sprachgruppe an. Unter den neuen deutschsprachigen Seminaristen sind außer fünf Deutschen ein Österreicher, ein Pole und ein Slowake. Zur französisch-sprechenden Gruppe zählen neben vier Franzosen (davon einer von der Ile de Réunion) ein Kanadier, ein Belgier, ein Engländer, ein Ire, ein Italiener, ein Malteser sowie ein Brasilianer.

Die jungen Männer sind zwischen 18 und 36 Jahre alt, das Durchschnittsalter liegt bei 23 Jahren.

Möge Gott ihren Weg zum Priestertum segnen.

Gebet um geistliche Berufungen

Jesus, göttlicher Hirt, Du hast die Apostel berufen und zu Menschenfischern gemacht. Rufe auch heute junge Menschen in Deine Nachfolge und in Deinen Dienst. Du lebst ja, um immer für uns da zu sein. Dein Opfer wird auf unseren Altären Gegenwart, weil alle Menschen an der Erlösung teilhaben sollen.

Lass alle, die Du berufen hast, diesen Deinen Willen erkennen und sich zu eigen machen. Öffne ihnen den Blick für die ganze Welt, für die stumme Bitte so vieler um das Licht der Wahrheit und die Wärme echter Liebe. Lass sie, getreu ihrer Berufung, am Aufbau Deines geheimnisvollen Leibes mitarbeiten und so Deine Sendung fortsetzen. Mach sie zum Salz der Erde und zum Licht der Welt.

Gib, Herr, dass auch viele Frauen und Mädchen ebenso entschlossen dem Ruf Deiner Liebe folgen. Wecke in ihren Herzen das Verlangen, vollkommen nach dem Geist des Evangeliums zu leben und sich selbstlos hinzugeben im Dienst an der Kirche. Lass sie bereit sein für alle Menschen, die ihrer helfenden Hand und ihrer barmherzigen Liebe bedürfen. Amen

Papst Paul VI.

Die Petrusbrderschaft unterhält im US-amerikanischen Denton ein zweites Priesterseminar, in dem vor allem die englischsprachigen Bewerber ausgebildet werden:


 

 Foto: Intern. Priesterseminar St. Petrus, Wigratzbad

Freitag, 10. August 2012

Freiheit: Ansichtssache

"Wenn wir nächstens wieder in Ihre Nachbarschaft geraten, werde ich erneut an Ihr Gitter kommen und voll Sehnsucht in die Freiheit schauen, die jenseits des Gitters ist."

George Bernard Shaw in einem Brief an Frau Laurentia, Benediktiner-Äbtissin im Kloster Stanbrock


Foto: wikipedia

Freitag, 20. Juli 2012

Der eigentliche Pilgerweg unseres Lebens

Don Johannes über Berufung und Heiligkeit

Mittwoch, 18. Juli 2012

Berufen?

Don Johannes: Film zum Priesterjahr 2010 "Adsum"

Mittwoch, 11. Juli 2012

THE WORLD NEEDS HEROES



"Bittet ihn (Christus, den Hohepriester) also darum, daß er euch gewähre, ihn in seiner Liebe zu allen bis zum äußersten nachzuahmen, ohne die Fernstehenden und Sünder abzulehnen, so daß sie sich mit eurer Hilfe bekehren und den richtigen Weg einschlagen.
Bittet ihn, daß er euch lehre, den Kranken und den Armen einfach und großherzig ganz nahe zu sein. Stellt euch dieser Herausforderung unvoreingenommen und mit voller Kraft. Sie sei euch vielmehr eine bedeutungsvolle Weise, das menschliche Leben in Selbstlosigkeit und Dienst zu verwirklichen, und zwar als Zeugen des menschgewordenen Gottes, als Botschafter der höchsten Würde des Menschen und folglich seine bedingungslosen Verteidiger.

Auf seine Liebe gestützt, laßt euch nicht von einer Umgebung einschüchtern, in der man Gott ausschließen will und in der Macht, Besitz oder Vergnügen oft die Hauptkriterien sind, nach denen sich das Dasein richtet.

Es kann sein, daß man euch verachtet, wie es gewöhnlich denen widerfährt, die sich auf höhere Ziele berufen oder die Idole entlarven, vor denen heute viele auf den Knien liegen.
Das wird dann der Fall sein, wenn ein Leben, das tief in Christus verwurzelt ist, sich denen, die Gott, die Wahrheit und die Gerechtigkeit echt suchen, wirklich als eine Neuheit offenbart und sie nachdrücklich anzieht."

Papst Benedikt XVI. während des WJT in Madrid am 20.08.2011 an die Seminaristen

Dienstag, 10. Juli 2012

Zölibat verleiht dem Priester größere Freiheit



"Die Kirche ist kein weltlicher Betrieb, der sich irgendwie Mitarbeiter sucht, sondern die Stiftung Gottes. Es wird Menschen geben, die freiwillig auf die Ehe verzichten um des Himmelreiches willen (Matthäus 19). Der Zölibat gibt dem Priester eine größere Freiheit im Dienste Christi, nämlich der ganzen Gemeinde ein Vater und Hirte zu sein."





Falls jemand Interesse haben sollte:

Vocation discernment weekend: 27-29 July 2012 in Reading: 
For any English-speaking Catholic men between 18 and 35 years of age.
Location: St John Fisher House, 17 Eastern Avenue, Reading, RG1 5RU, England.

Montag, 25. Juni 2012

Berufung und Priestertum

Zum "Jahr des Priesters" 2009/2010  hat die Kongregation für den Klerus ein dreiteiliges Video herausgegeben, indem anhand des Vorbilds des hl. Pfarrer von Ars über das Wesen des Priesters und seinen Dienst am Volk Gottes berichtet wird:

Teil 1




Teil 2




Teil 3

Samstag, 4. Februar 2012

Bewundern und Nachahmen

von P. Bernward Deneke FSSP

Manche Taten der Heiligen sind mehr zu bewundern als nachzuahmen, sagt ein altes kirchliches Sprichwort. Es sind mir schon engagierte Christen begegnet, die an dieser Aussage Anstoß nahmen. Ihnen erschien sie als bedenkliche Abschwächung der Vorbildfunktion unserer Heiligen, als eine Art Freibrief für religiöse Mittelmäßigkeit.

Wenn jene Menschen, denen die Kirche einen heroischen Tugendgrad zuerkennt, in ihren Taten nur bewundert, nicht nachgeahmt werden sollten, dann mache man sie zu entrückten Kultgegenständen, denen wir aus der Ferne unsere staunende Verehrung darbringen, die aber mit unserem Leben nicht viel zu tun haben. Eine sehr bequeme Art von Frömmigkeit!

Stattdessen, so sagen die Kritiker des angeführten Sprichwortes, sind die Heiligen die wahren und eigentlichen Christen. „Ein Christ, der kein Heiliger ist, ist ein Schwein“, bemerkte der französische Schriftsteller Léon Bloy. Und so stellen die Heiligen, diese exemplarischen Jünger des Herrn, naturgemäß ein Gericht über Lauheit und Angepasstheit der Durchschnittschristen dar.

Sie sind ein lebendiger Aufruf an uns, endlich aufzuwachen, aufzustehen aus der Haltung des „Herr-Herr“-Sagens (Mt 7,21), uns aufzumachen, um vom bloßen Hören des Wortes zum Vollbringen überzugehen (Jak 1,22). Ihre Existenz mahnt uns, ernst zu machen mit der Forderung: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ (Mt 5,48)

Welchen Sinn hätte der Blick auf die Heiligen für uns, wenn er uns nicht klar und zuweilen auch schmerzlich daran erinnerte, dass wir in der Kraft der Gnade zu Größerem fähig wären, hätten wir nur den aufrichtigen, entschiedenen Willen dazu? Nein, Bewunderung ist zu wenig, Nachahmung tut not!

Auf dem Hintergrund der allgemeinen Erschlaffung des geistlichen und asketischen Strebens bei vielen Christen sind solche Einwände nur allzu begreiflich. Tatsächlich kann das Sprichwort ja zur Relativierung der strahlenden Glaubenszeugen und als Beschwichtigungsformel für uns selbst benutzt werden.

Es fragt sich nur, ob ein solches Verständnis der Aussage gerecht wird und nicht in Wahrheit ein Missverständnis ist. Jedenfalls stellen wir bei genauerem Hinsehen fest, dass hier keineswegs behauptet wird, „die Heiligen“ seien nicht nachzuahmen. Auch von ihren Taten wird das nicht allgemein gesagt, es ist hingegen nur von „manchen Taten der Heiligen“ die Rede. Somit wird die Vorbildlichkeit herausragender, kirchlich verehrter Menschen als solche keineswegs in Frage gestellt. Im Gegenteil!

Die Heiligen lassen sich mit Kunstwerken vergleichen, die aufgrund ihrer handwerklichen Könnerschaft, ihrer Inspiriertheit und Formvollendung „klassisch“ genannt zu werden verdienen und ganzen Epochen als maßgeblich gelten. Keinem echten Künstler kann aber daran gelegen sein, von ihnen eine Kopie zu erstellen, indem er sie detailgetreu imitiert. Stattdessen wird es ihm darum gehen, am Geist und an bestimmten Grundgesetzen dieser Schöpfungen Maß für sein eigenes Schaffen zu nehmen.

Ganz ähnlich nun verhält es sich mit den Heiligen, den „Klassikern“ des christlichen Lebens: Auch bei ihnen richtet sich die primäre Nachahmung nicht auf einzelne Taten, sondern auf das Wesen der christlichen Vollkommenheit, die in ihnen aufscheint. Sie ist bekanntlich in der Herz, Seele, Gemüt und alle Kräfte umfassenden Liebe zu Gott und zum Nächsten zu finden (Mt 22,37f.), und nicht etwa in einzelnen noch so heroischen Taten.

Weil und insofern sie die Imitatio Christi – die Nachfolge und Nachahmung Christi – gelebt haben; mehr noch: Weil und insofern der Herr selbst in ihnen gelebt und durch sie gewirkt hat, sind und bleiben die Heiligen unsere wichtigen Vorbilder. Jeder von ihnen stellt eine oder einige Seiten jener Überfülle, die im menschgewordenen Gottessohn wohnt, in ein besonderes Licht und ist dadurch eine lebendige Auslegung des Evangeliums.

Daher ist dann auch nicht nur ihre Heiligkeit an sich, sondern ebenso ein großer, ja gewiss der weitaus größte Teil ihrer Taten nachahmenswert, denn in ihnen offenbart sich die Kraft des Glaubens, der in der Liebe wirkt (Gal 5,6). Es ist, als sprächen diese Taten zu uns: „Gehe hin und tue desgleichen!“ (Lk 10,37)

Aber (und hier kommt nun doch das notwendige „Aber“!): Manche Taten der Heiligen sind eben nicht allen, zuweilen sogar fast niemandem zur Nachahmung zu empfehlen. Um nur einige wenige Beispiele zu nennen: Jahrzehntelang stehend auf einer Säule zu verbringen wie der heilige Simeon der Stylit (+ 459); gleich dem heiligen Franziskus von Assisi (+ 1226) jegliche Berührung mit dem Geld zu vermeiden; seine Ehefrau mitsamt den 10 Kindern zurücklassend in die Einsamkeit zu gehen wie der heilige Bruder Klaus (+ 1487); das Tagesprogramm der heiligen Rosa von Lima (+ 1617) zu übernehmen, bestehend aus 12 Stunden Arbeit, 10 Stunden Gebet und 2 Stunden Schlaf; sich regelmäßig bis aufs Blut zu geißeln und fast nur schimmelige Kartoffeln zu essen wie der heilige Pfarrer von Ars (+ 1859) – niemand wird doch wohl ernsthaft behaupten wollen, solches sei einfachhin zu imitieren!

Aber bewundernswert ist das alles durchaus.
Somit spricht viel Klugheit aus dem alten Sprichwort, und wir tun gut daran, das nachzuahmen, was an unseren Heiligen und in ihrem Leben wirklich wesentlich ist.


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)
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