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Montag, 10. November 2014

Paul VI.: Segen und Hilfe für die Verstorbenen durch das heilige Messopfer

Befreie, o Herr, die Seelen aller verstorbenen Gläubigen von jeder Fessel der Schuld. Deine Gnade komme ihnen zu Hilfe, auf dass sie entrinnen dem Rachegerichte. Lass sie genießen des ewigen Lichtes Glückseligkeit.
(Tractus des Messformulars für die Messe für Verstorbene; Schott-Volksmessbuch)


Dieses neue Opfer des Neuen Bundes, auf das Maleachi im voraus hingewiesen hatte [1], hat die Kirche, vom Herrn und den Aposteln belehrt, immer dargebracht, ,,nicht nur für die Sünden der lebenden Gläubigen, für ihre Strafen, Genugtuungen und andere Nöte, sondern auch für die in Christus Verstorbenen, die noch nicht vollkommen gereinigt sind“ [2]. 

An ein Zeugnis erinnern Wir noch, um von den übrigen zu schweigen, nämlich an das des heiligen Cyrill von Jerusalem, der bei der Unterweisung der Neugetauften im christlichen Glauben die beachtenswerten Worte sprach: ,,Nachdem das geistliche Opfer, der unblutige Kult vollendet ist, flehen wir über diesem Versöhnungsopfer Gott an für den allgemeinen Frieden der Kirchen, für die rechte Ordnung der Welt, für die Kaiser, das Heer und die Bundesgenossen, für die Kranken und Betrübten, und insgemein für alle Hilfsbedürftigen bitten wir und bringen wir dieses Opfer dar ... Dann bitten wir auch für die entschlafenen heiligen Väter und Bischöfe und für alle insgemein, die unter uns entschlafen sind, weil wir glauben, daß das Gebet jenen Seelen, für die es dargebracht wird, am meisten hilft, wenn das heilige und ehrfurchtgebietende Opfer auf dem Altar liegt“.

Nachdem er diesen Gegenstand mit dem Beispiel des Kranzes erläutert hat, der für den Kaiser geflochten wird, damit er den Verbannten Verzeihung gewähre, schließt der Kirchenlehrer seine Predigt mit den Worten: ,,Auf die gleiche Weise verhalten auch wir uns; wenn wir für die Verstorbenen, obgleich sie Sünder sind, Gott Gebete darbringen, so flechten wir zwar keinen Kranz, sondern wir bringen den für unsere Sünden geopferten Christus dar, um Gott, der die Menschen liebt, ihnen und uns gnädig zu stimmen“ [3].  
 
Der heilige Augustinus bezeugt, daß dieser Brauch, ,,das Opfer unseres Lösepreises“ auch für die Verstorbenen darzubringen, in der Römischen Kirche lebendig ist. [4] Gleichzeitig bemerkt er, daß der Brauch als von den Vätern überliefert von der ganzen Kirche gehalten wird. [5]

 
[1] Vgl. Mal 1,11. 
[2] Konzil von Trient, Lehre über das heiligste Meßopfer, Kap. 2. 
[3] Catecheses 23 (myst. 5), 8-18: PG 33, 1115-1118. 
[4] Vgl. Confessiones 9, 12, 32: PL 32, 777; vgl. ebd. 9, 11, 27: PL 32, 775. 
[5] Vgl. Serm. 172, 2: PL 38, 936; vgl. De cura gerenda pro mortuis 13: PL 40, 593.




Weiteres zum Thema "Fegefeuer und Hilfe für die Verstorbenen":


Bild: Grabmal des am 19.10.2014 selig gesprochenen Papstes Paul VI. im Petersdom (Vatikan); © FW

Sonntag, 15. Juni 2014

Die Augustiner-Chorherren von Lagrasse

Durch den Hinweis eines Blog-Lesers habe ich gestern zum erstenmal von der Abtei Sainte-Marie de Lagrasse im Süden Frankreichs gehört. Dort leben Augustiner-Chorherren nach der alten liturgischen Ordnung. Ihr Seelsorgs-Apostolat in der Diözese Carcassonne und in ganz Frankreich üben sie aus im marianischen Geiste des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort und des hl. Maximilian Kolbe.

Etwa 30 km nördlich von Lagrasse und der Abtei Sainte-Marie befindet sich das Kloster Mater Dei d’Azille (Aude), eine Gemeinschaft von Augustinerinnen, die ebenfalls die hl. Messe und das hl. Offizium in der außerordentlichen Form des römischen Ritus singen.

Der "Informant" schrieb:
[L]eider führt die altrituelle Abtei Lagrasse im Süden Frankreichs auf katholischen traditionellen Seiten ein Schattendasein, obwohl sie mit allen traditionellen Benediktinerklöstern Frankreichs mithalten kann was Liturgie und Gastfreundschaft angeht - ich durfte es letztes Jahr bei einem Kurzbesuch erfahren und war schlicht begeistert, obwohl ich durch meine Verbundenheit mit Fontgombault wirklich hohe Ansprüche habe, was vor allem Liturgie angeht.

Am 26. April wurde Pater Ambrosius von Bischof Marc Aillet zum Priester geweiht. Somit zählt die Gemeinschaft zum jetzigen Zeitpunkt 14 Priester, 3 Diakone und 1 Subdiakon. Insgesamt zählt die Gemeinschaft 26 ewige Professen, 3 zeitliche Professen und 4 Novizen.

Die Regularkanoniker der Mutter Gottes - so ihr offizieller Name - verbinden das kontemplative Leben mit dem Apostolat in der Tradition der Regularkanoniker nach der Regel des heiligen Augustinus.

Die Gemeinschaft wurde in den 70er Jahren gegründet und erhielt 1997 die römische Anerkennung der Statuten. Abt Emmanuel Marie ist der zweite Abt der Abtei seit ihrer Gründung. Seit 2004 befindet sich das Kloster in der karolingischen Klosteranlage von Lagrasse. Neben geweihten Mitgliedern gibt es auch Laienbrüder und einen weiblichen Zweig in Azille (Aude). Alle Weihen werden nach der alten Ordnung gespendet.

Ihr Tag beginnt um 5:55 mit der Matutin und endet um 20:40 mit der Komplet. Sie beten das normale Breviarum Romanum. Beeindruckend war auch das Küssen einer Muttergottesikone nach der Komplet durch die Kleriker und durch das anwesende Volk. Der Vater Abt hielt die Ikone mit einem Segensvelum und bot sie so der Verehrung dar. Die Sonntagsmesse war mehr als überfüllt mit Gläubigen aus Nah und Fern. Die Gesänge werden nicht selten mit der Orgel begleitet wie es auch in Fontgombault Brauch ist.

Das Apostolat besteht der Betreuung von Messorten im Bistum Carcassone-ausschließlich Vetus Ordo versteht sich-und der üblichen Gemeindearbeit (Beichte hören/Katechesen).Frankreichweit werden Jugendcamps, Einkehrtage und Wallfahrten angeboten.

Fotos von der Weihe finden sich hier reichlich:
http://photos.lagrasse.org/Ordination-du-Pere-Ambroise

einen kleinen Eindruck von der Liturgie gewinnt man hier:
http://www.youtube.com/watch?v=9To2gBtRhsI (hier das alte Refektorium, das neue ist riesig und mit einer atemberaubenden Akustik; nach dem Mittagessen wurde die laurentanische Litanei im Kreuzgang gebetet.
http://www.youtube.com/watch?v=My1Uq5W4dPw
http://www.youtube.com/watch?v=PR2y8S7gPsE

Ich hoffe ich konnte eine kleinen Eindruck von der Abtei und Gemeinschaft vermitteln. Wie segensreich wäre eine solche Gemeinschaft in Deutschland?!
Weitere Informationen finden sich hier:
http://www.chanoines-lagrasse.eu/





Danke für den Hinweis auf diese Oasen!

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Mittwoch, 30. Oktober 2013

Der sicherste Schutz vor der Versuchung des Klerikalismus

Frage eines japanischen Geistlichen an Papst Benedikt XVI.:

Das priesterliche Vorbild, das Sie, Heiliger Vater, uns in diesem Jahr vorgeschlagen haben, nämlich der Pfarrer von Ars, stellt in den Mittelpunkt des Lebens und Dienstes die Eucharistie, die sakramentale und persönliche Beichte und die Liebe zu einem würdig gefeierten Gottesdienst. Ich habe die strenge Armut des hl. Johannes Maria Vianney vor Augen und zugleich seine Leidenschaft für kostbares liturgisches Gerät. Wie können wir diese grundlegenden Dimensionen unserer priesterlichen Existenz leben, ohne in einen Klerikalismus oder eine Realitätsferne zu verfallen, an der die Welt von heute Anstoß nehmen würde?

Benedikt XVI.: Danke! Nun, Sie fragen, wie man die zentrale Stellung der Eucharistie leben kann, ohne sich in einem rein kultischen Leben zu verlieren, das dem alltäglichen Leben der anderen fremd wäre. Wir wissen, daß der Klerikalismus in allen Jahrhunderten und auch heutzutage eine Versuchung für die Priester war und ist; um so wichtiger ist es, die rechte Weise für die Feier der Eucharistie zu finden, die sich nicht vor der Welt verschließt, sondern vielmehr für die Bedürfnisse der Welt offen ist. Wir müssen uns vor Augen halten, daß sich in der Eucharistie dieses große Drama Gottes vollzieht, der aus sich heraustritt, und – wie es im Brief an die Philipper heißt – sich erniedrigte, den Menschen gleich wurde und gehorsam war bis zum Tod am Kreuz (vgl. Phil 2).

Das Abenteuer der Liebe Gottes, der aus sich heraustritt, sich entäußert, um bei uns zu sein, wird in der Eucharistie vergegenwärtigt. Die große Tat, das große Abenteuer der Liebe Gottes besteht in der Demut Gottes, der sich für uns hingibt. In diesem Sinn kann die Eucharistie als Eingangstor zu diesem Weg Gottes angesehen werden.

Der hl. Augustinus sagt im 10. Buch von De Civitate Dei: »Hoc est sacrificium Christianorum: multi unum corpus in Christo«, was soviel bedeutet wie: das Opfer der Christen besteht darin, durch die Liebe Christi in der Einheit des einen Leibes Christi vereint zu sein. Das Opfer besteht eben darin, aus sich herauszugehen, sich in die Gemeinschaft des einen Brotes, des einen Leibes hineinnehmen zu lassen und so in das große Abenteuer der Liebe Gottes einzutreten. Wir sollen die Eucharistie immer so feiern, leben und meditieren, daß sie diese Schule der Befreiung vom eigenen »Ich« wird: in das eine Brot eingehen, das das Brot aller ist und das uns im einen Leib Christi vereint. Und daher ist die Eucharistie wesensmäßig ein Akt der Liebe, der uns zu jener Wirklichkeit der Liebe gegenüber den anderen verpflichtet: daß nämlich das Opfer Christi die Gemeinschaft aller in seinem Leib ist.
 
Auf diese Weise sollen wir also die Eucharistie verstehen lernen, was das genaue Gegenteil von Klerikalismus und Ichverschlossenheit ist. Denken wir dabei auch an Mutter Teresa, die in diesem Jahrhundert, in unserer Zeit wirklich ein großartiges Vorbild für eine Liebe war, die aus sich herausgeht, die jede Art von Klerikalismus und Weltfremdheit übersteigt, die auf die am stärksten ausgegrenzten Menschen, die Armen und Sterbenden zugeht und sich ganz in der Liebe zu den Armen und Ausgegrenzten hinschenkt. Aber Mutter Teresa, die uns dieses Beispiel vorgelebt hat und die Gemeinschaft, die ihren Spuren folgt, sah stets als wichtigste Voraussetzung für deren Gründung die Anwesenheit eines Tabernakels an.

Ohne die Gegenwart der Liebe Gottes, der sich hinschenkt, wäre die Verwirklichung dieses Apostolats nicht möglich gewesen, und es wäre auch nicht möglich gewesen, in dieser Selbstentäußerung zu leben; nur wenn sie sich auf diese Selbsthingabe an Gott, auf dieses Abenteuer Gottes, diese Demut Gottes einlassen, konnten und können sie auch heute diesen großen Akt der Liebe, der Offenheit für alle vollbringen.

In diesem Sinn würde ich sagen: Die Eucharistie in ihrem ursprünglichen Sinn, in ihrer wahren Tiefe zu leben, ist eine Schule des Lebens, es ist der sicherste Schutz vor jeder Versuchung des Klerikalismus. 


Gespräch von Papst Benedikt XVI. mit Priestern anlässlich des internationalen Priestertreffens am 10. Juni 2010 auf dem Petrersplatz


Sarkophargträger im Limburger Dom; eigenes Photo

Dienstag, 9. Juli 2013

Zur Liebe gehört notwendig Wahrheit - Verschweigen der Wahrheit wäre Unbarmherzigkeit


"Die Tatsache, dass manchmal dem Kampf eines großen Theologen gegen einen Häretiker eine Dimension der Liebe fehlte, ist kein Einwand gegen die Entlarvung von Irrlehren als solche.

Nehmen wir uns den heiligen Augustinus zum Vorbild, dessen Kampf gegen den Pelagianismus immer von Liebe zu den Häretikern durchdrungen war. Manche betonen oft sehr mit Recht, dass das Töten des Irrtums noch nicht die Liebe gegenüber dem Irrenden garantiert. Aber sie erinnern sich selten an den wirklich entscheidenden Punkt: wahre Liebe verlangt absolut das Töten des Irrtums!

Wenn deshalb auch das Töten des Irrtums nicht notwendig wahre Liebe einschließt, so schließt doch die wahre Liebe notwendig das Töten des Irrtums ein."


Dietrich von Hildebrand in "Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes", Verlag Josef Habbel Regensburg AD 1968; S. 264 (s. Quellen)



Weiteres zum Thema "Häresie":


Bild: Parusie; Lawrence OP

Sonntag, 28. April 2013

Die Unveränderlichkeit Gottes

„Mein Gott, laß mich dich immer besser erkennen, damit ich dich immer mehr liebe und dir immer treuer folge.“

Dieses Gebet läßt der heilige Ignatius von Loyola alle die sprechen, die mit seinem Exerzitienbüchlein in der Hand Exerzitien machen. „Herr, mein Gott, laß mich dich immer besser erkennen, damit ich dich immer mehr liebe und dir immer treuer folge.“

Wie soll man Gott lieben, wie soll man ihm folgen, wenn man ihn nicht kennt? (...) Am heutigen Sonntag wollen wir fragen, was es heißt, wenn wir Gott den Unveränderlichen und den Ewigen nennen. Wir wollen also die Unveränderlichkeit und die Ewigkeit Gottes vor unserem geistigen Auge vorüberziehen lassen.

Unveränderlich bedeutet den Gegensatz von veränderlich. Veränderlich ist, was von einem Zustand in den anderen übergeht. Das Wasser beispielsweise kann vom flüssigen Zustand in den festen übergehen, dann nennt man es Eis, oder es kann in den gasförmigen übergehen, dann nennt man es Wasserdampf. Und so ist bei allem Endlichen, bei allen Geschöpfen eine Veränderung möglich und tatsächlich.

Diese Veränderlichkeit wird von Gott bestritten. Gott ist unveränderlich. Das IV. Laterankonzil und das I. Vatikanische Konzil nennen Gott incommutabilis – unveränderlich. Die Lehre der Kirche hat ihre feste Basis in der Heiligen Schrift. Im Jakobusbrief heißt es von Gott: „Bei ihm ist kein Wechsel und kein Schatten der Veränderlichkeit.“ Und besonders deutlich spricht ein Psalm, nämlich der Psalm 102. Da heißt es von dem Himmel: „Die Himmel, das Werk deiner Hände, sie werden vergehen, du aber bleibst. Sie alle altern wie ein Gewand, du wechselst sie wie ein Kleid. Sie zerfallen, du aber bleibst derselbe. Deine Jahre haben kein Ende.“

Gott ist der Unveränderliche, so haben dann die theologischen Überlegungen der Kirchenväter ergeben, weil er die absolute Fülle des Seins in sich birgt. Er ist der actus purus – die reine Aktualität, also ohne Potentialität, ohne Möglichkeit, die dann zur Wirklichkeit werden kann. Er ist schon die vollendete Seinswirklichkeit. Er ist so vollkommen, daß jede Veränderlichkeit als Unvollkommenheit von ihm bestritten werden muß. Er ist das Sein selbst, und was sich verändert, geht ja von einem Zustand zum anderen über, hört also auf, zu sein, was es war und fängt an, zu sein, was es nicht war. Das ist bei Gott unmöglich, weil er das absolute, das vollkommene Sein, weil er die Seinsfülle selber ist. „Ich bin der Ich bin.“ Was heißt das anders, sagt Augustinus, als: Ich kann mich nicht ändern?

Die Unveränderlichkeit Gottes besagt aber nicht Starrheit oder Unlebendigkeit. Nein, keineswegs. Wiederum Augustinus: „Gott weiß im Ruhen zu handeln und im Handeln zu ruhen.“ Gott nimmt nicht zu und nimmt nicht ab. Gott lernt nicht und vergißt nicht. Gott erwirbt nicht und verliert nicht. Er ist unveränderlich.

Diese Unveränderlichkeit Gottes ist ein Grund, weswegen wir auf Gott bauen können, ja bauen müssen. Seine Unveränderlichkeit ist die Basis für eine Eigenschaft Gottes, die wir seine Treue nennen. Gott bleibt treu. Menschen ändern sich. Die Treulosigkeit ist an der Tagesordnung. Gott bleibt treu wegen seiner Unveränderlichkeit.

Früher sagte man: „Der alte Gott lebt.“ Gott ist nicht alt. Aber derselbe Gott lebt. Er war immer, und er wird sich nicht ändern, er hält seine Gesinnungen durch, auch wenn er Werke nach außen setzt. Das könnte nämlich ein Einwand sein: Aber Gott hat doch die Welt geschaffen, er ist doch ein Mensch geworden. Hat er sich da nicht geändert? Weltschöpfung wie Menschwerdung beruhen auf ewigen Ratschlüssen Gottes. Und diese Ratschlüsse sind mit Gottes Wesen identisch. Was in der Zeit geschieht, das ist die Wirkung dieser Ratschlüsse. Die Veränderlichkeit besteht also nicht in Gott, sondern in den Wirkungen nach außen, in den Werken. (...)

Diese Unveränderlichkeit Gottes ist von so großer Bedeutung, daß für sie Martyrer gestorben sind. Von manchen Martyrern haben wir die Akten des Prozesses, dem sie unterworfen wurden, Martyrerakten, und so auch vom heiligen Karpus; sie gehören zu den ältesten Martyrerakten, die wir überhaupt besitzen. Der Prokonsul, also der kaiserliche Beamte, forderte ihn auf zu opfern, den Göttern zu opfern, und da antwortete Karpus: „Diesen Göttern opfere ich nicht. Sie haben ja auch nicht Himmel und Erde erschaffen.“ „Aber es ist Pflicht, zu opfern, der Kaiser hat es befohlen.“ „Nicht opfern die Lebendigen den Toten.“ „So meint ihr also, unsere Götter seien tot?“ Da antwortete Karpus: „Willst du etwas hören? Diese sogenannten Götter waren niemals richtige, lebendige Wesen. Darum konnten sie nicht einmal wirklich sterben. Unser Gott aber ist zeitenlos und hat die Jahrtausende erschaffen. Unvergänglich, unvergänglich ist er und bleibt in Ewigkeit immer der gleiche. Er nimmt nicht ab und nimmt nicht zu. Die Götzen aber sind von den Menschen geformt und gehen unter im Zeitenlauf.“ Für dieses Bekenntnis ist Karpus in den Tod gegangen.


2. Teil (über die Ewigkeit Gottes) folgt

Predigt von Prof. Georg May 11.02.1990; Hervorhebungen durch Fettdruck von FW
Die ganze Predigt ist hier nachzulesen.
Zur Predigtsammlung von Prof. Georg May: hier entlang

Dienstag, 2. April 2013

Forever Young - Mit immer jungem Herzen...


[Wir müssen] den Glauben mit einem jungen Herzen leben [...], immer: mit jungem Herzen, auch mit siebzig, achtzig Jahren! Ein junges Herz!

Mit Christus wird das Herz niemals alt! Doch wir alle wissen – und ihr wisst es sehr wohl –, dass der König, dem wir folgen und der uns begleitet, ein ganz besonderer König ist: ein König, dessen Liebe bis zum Kreuz geht und der uns lehrt zu dienen, zu lieben.

Und ihr schämt euch des Kreuzes nicht! Nein, Ihr bekennt euch zu ihm, denn ihr habt begriffen, dass in der Selbsthingabe – im Verschenken des eigenen Selbst, im Herausgehen aus sich selbst – die wahre Freude liegt und dass Er mit der Liebe Gottes das Böse überwunden hat. 

Papst Franziskus am Palmsonntag, 24.03.2013



Wenn du jung bleiben willst, dann suche Christus!

(dem hl. Augustinus (354-430) zugeschrieben)



Weiteres zum Thema: 
Foto: Kopie eines Triumph-Kreuzes aus dem 12. Jh. in der Kirche von Linde, Gotland; Mg-k; wikimedia commons

Sonntag, 17. Februar 2013

Nachfolge Christi im Kampf gegen die Sünde

Ein (...) Aspekt der Spiritualität der Fastenzeit ist der – wir könnten sagen – "kämpferische". Er tritt im Tagesgebet, der "Kollekte", hervor, wo von "Waffen" der Buße und vom "Kampf" mit dem Bösen die Rede ist.

Jeden Tag, besonders aber in der Fastenzeit, muß der Christ einen Kampf bestehen, der dem gleicht, den Christus in der Wüste von Judäa durchgestanden hat, wo er vierzig Tage lang vom Teufel versucht wurde, und in Getsemani, als er die schwerste Versuchung zurückwies und den Willen des Vaters bis zum letzten annahm.

Es geht um einen geistlichen Kampf, der gegen die Sünde und letztlich gegen den Satan gerichtet ist. Es ist ein Kampf, der die ganze Person einbezieht und ständig aufmerksame Wachsamkeit erfordert. Der hl. Augustinus bemerkt, daß derjenige, der in der Liebe Gottes und in seiner Barmherzigkeit wandeln will, sich nicht mit der Befreiung von schweren Sünden und Todsünden begnügen darf, sondern "die Wahrheit tut, indem er auch die Sünden erkennt, die als weniger schwer betrachtet werden … und er kommt ans Licht, indem er gute Werke vollbringt. Auch die weniger schweren Sünden verbreiten sich und führen zum Tod, wenn sie vernachlässigt werden" (vgl. In Io. evang. 12.13,35)

Die Fastenzeit erinnert uns also daran, daß das Leben des Christen ein ununterbrochener Kampf ist, in dem die "Waffen" des Gebets, des Fastens und der Buße eingesetzt werden. Das Böse, jede Form von Egoismus und Haß bekämpfen und sich selbst entsagen, um in Gott zu leben, das ist der aszetische Weg, den jeder Jünger Jesu zu gehen berufen ist – mit Demut und Geduld, mit Großmut und Beharrlichkeit.

Die gehorsame Nachfolge des göttlichen Meisters macht die Christen zu Zeugen und Aposteln des Friedens. Wir könnten sagen, daß diese innere Haltung uns hilft, auch besser deutlich zu machen, was die christliche Antwort auf die Gewalt sein muß, die den Frieden in der Welt bedroht. Sicher nicht Rache, Haß, ebensowenig Flucht in einen falschen Spiritualismus. Die Antwort dessen, der Christus nachfolgt, ist vielmehr, den Weg zu gehen, den er gewählt hat, als er angesichts der Übel seiner Zeit und aller Zeiten entschlossen das Kreuz auf sich nahm und den längsten, aber wirksamsten Weg der Liebe ging. Auf seinen Spuren und mit ihm vereint müssen wir alle uns bemühen, dem Bösen mit dem Guten, der Lüge mit der Wahrheit, dem Haß mit der Liebe zu begegnen.


Papst Benedikt XVI., aus der Predigt am Aschermittwoch 2006


Donnerstag, 27. Dezember 2012

Ein wunderbarer Tausch

Venit accipere contumelias, dare honores;
venit haurire dolorem, dare salutem;
venit subire mortem, dare vitam.

Er* kam, Schmähungen hinzunehmen und Ehre zu geben;
er kam, Schmerzen zu erdulden und Heil zu geben;
er kam, den Tod auf sich zu nehmen und Leben zu geben. 

Augustinus (in: Enarr. Ps 30)

*Jesus Christus

Freitag, 14. Dezember 2012

Menschwerdung: Gott lehrt uns, demütig zu sein

Kirchenväter und die Menschwerdung Gottes (1)

Augustinus (354-430), Vorträge über das Johannes-Evangelium 25,16
 
"Damit [...] die Ursache aller Krankheiten d.i. der Hochmut geheilt würde, stieg der Sohn Gottes herab und wurde demütig. Was bist du hochmütig, o Mensch? Gott ist deinetwegen demütig geworden.

Du könntest dich vielleicht schämen, einem demütigen Menschen nachzuahmen, so ahme doch wenigstens dem demütigen Gott nach. Der Sohn Gottes kam in Menschengestalt und wurde demütig; es wird dir befohlen, demütig zu sein, es wird dir nicht befohlen, aus einem Menschen ein Tier zu werden; er, Gott, ist Mensch geworden, du, Mensch, erkenne, daß du ein Mensch bist; deine ganze Demut geht darauf hinaus, daß du dich erkennest.

Also weil Gott die Demut lehrt, hat er gesagt: "Ich bin nicht gekommen, meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat". Denn das ist eine Empfehlung der Demut. Der Hochmut tut ja nur seinen eigenen Willen, die Demut tut den Willen Gottes."

Quelle: Bibliothek der Kirchenväter


Weitere Kirchenväter zum Thema:
Kirchenväter und Menschwerdung Gottes (2) (3) (4) (5)
(6)




Donnerstag, 15. November 2012

Wege zur Erkenntnis Gottes - Generalaudienz vom 14.11.2012

Bei der Generalaudienz am Mittwoch, den 14. November 2012  erläuterte Papst Benedikt XVI., auf welchen Wegen die Menschen zur Erkenntnis Gottes kommen können. Hier der Wortlaut: 


Liebe Brüder und Schwestern!

In der heutigen Katechese möchte ich kurz drei Wege skizzieren, die uns Möglichkeiten zeigen, wie wir Gott, der die Wahrheit ist, erkennen können: es gibt den Weg über die Welt, über den Menschen und über den Glauben.

Der heilige Augustinus läßt uns in einer Predigt (241, 2) die vielfältige Schönheit der Welt betrachten. Er fragt die Dinge: Was seid ihr? Und sie alle sagen: Schau mich nur an. Ich bin schön, aber nicht aus mir. Es gibt den, der mich geschaffen hat. Und erst wenn du auf ihn hinschaust, hast du die Wirklichkeit ergriffen.

Ebenso sagt der Bischof von Hippo ein bedeutendes Wort über uns Menschen, nämlich: Wenn du die Wahrheit finden willst, mußt du nicht nach auswärts gehen, sondern in dich selbst hineingehen, denn in dir ist die Wahrheit. Gott selbst ist dir innerlicher, als du selbst für dich es bist (vgl. Bekenntnisse III, 6, 11).

Und endlich fragt der Mensch nach dem Dasein Gottes, „mit seiner Offenheit für die Wahrheit und Schönheit, mit seinem Sinn für das sittlich Gute, mit seiner Freiheit und der Stimme seines Gewissens, mit seinem Verlangen nach Unendlichkeit und Glück“ (Katechismus der Katholischen Kirche 33).

Viele Wege führen so zu Gott. Ein wichtiger Weg zur Erkenntnis ist schließlich der Glaube. Er ist nicht ein System von Werten und Meinungen; er ist letzten Endes Begegnung mit Gott, eine Begegnung, die unser Denken und Leben umwandelt und uns die Kraft der Liebe schenkt.

Mit Freude grüße ich die deutschsprachigen Pilger und Besucher. Gott ist keine Illusion, sondern höchste Wahrheit und Antwort auf die Suche unserer Vernunft und unseres Herzens. Der Herr selbst kommt uns bei unserem Suchen entgegen. Öffnen wir uns seiner Wahrheit und seiner Liebe. Maria, die Mutter der Glaubenden, möge uns dabei begleiten! Danke. (Quelle)


Foto: wikipedia

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Am Vorabend von Allerheiligen

Einstimmung auf ein großes Familienfest


"Die Kirche feiert dieses echt christliche Famili-enfest, das uns im Geiste so innig mit unsern beseligten Brüdern im Himmel verbindet, aus mannig-fachen Gedanken heraus. 


Dieses  Hochfest gegen Ende des gottes-dienstlichen Jahres ist ein feierlicher Dank an Gott den Heiligmacher für die Fülle der Gnaden und Tugendfrüchte aller Heiligen.

Es ist auch eine gebührende gemeinsame Ehrung der unzähligen Heiligen; denn jedem einzelnen ein eigenes Fest zu widmen, ist unmöglich.

Wir bezeugen ferner unsere Mitfreude an der ewigen Freude aller Heiligen und werden zugleich angespornt zu ihrer Nachahmung; auch wird in uns die Sehnsucht darnach geweckt, einmal Anteil an ihrem Himmelsglück zu bekommen. Dabei ermutigt uns das Fest zum Vertrauen im Ringen nach den Verheißungen Christi.

"Diese konnten es und jene, warum nicht auch ich?" (Hl. Augustin)

Damit wir das leichter erreichen, rufen wir, durchdrungen vom Glauben an die Gemeinschaft der Heiligen, diese heute besonders um ihre vereinte Fürbitte an. "Wir sind Kinder der Heiligen" (Tob 2,18)."


Fürchtet den Herrn, ihr Seine Heiligen alle;
denn nichts fehlt denen, die ihn fürchten.
Gottsuchern bleibt von allen Gütern keines vorenthalten.
Alleluja, alleluja!
Kommet alle, die ihr mühselig und beladen seid:
Ich will euch erquicken!


aus: Schott-Volksmessbuch 1958; Text zur Einführung in das Festgeheimnis und in die Messtexte zum Hochfest Allerheiligen (1. November); Graduale: Psalm 33,10 und 11; Matth 11,28

Bild: Gemeinschaft der Heiligen, Fra Angelico; 15. Jh.

Mittwoch, 29. August 2012

Zwei Gefahren für das Seelenheil: Vermessene Hoffnung und Verzweiflung

Augustinus über die Schriftstelle Joh 8,1-11 (Jesus und die Ehebrecherin)

Von zwei Seiten also kommen die Menschen in Gefahr, durch Hoffnung und Verzweiflung entgegengesetzte Dinge, entgegengesetzte Gemütszustände. Wer täuscht sich durch Hoffen? Wer sagt: Gut ist Gott, barmherzig ist Gott, ich will tun, was mir gefällt, was beliebt, ich will meinen Begierden die Zügel schießen lassen, den Gelüsten meiner Seele nachgehen. Warum das? Weil Gott barmherzig, gut und milde ist. Diese kommen durch Hoffnung in Gefahr.

Durch Verzweiflung aber jene, die, wenn sie in schwere Sünden gefallen sind, in der Meinung, sie könnten auch nicht mehr durch Buße Verzeihung erlangen, und in der Meinung, sie seien zweifellos zur Verdammnis bestimmt, bei sich selbst sagen: Wir sind bereits der Verdammnis verfallen, warum sollen wir nicht tun, was wir wollen? Das ist die Stimmung der dem Schwerte geweihten Gladiatoren. Darum sind die Verzweifelten unbequem; denn sie haben nichts mehr zu fürchten und sind sehr zu fürchten.

Die einen tötet die Verzweiflung, die andern die Hoffnung. Zwischen Hoffnung und Verzweiflung pendelt der Geist hin und her. Es ist zu befürchten, daß dich die Hoffnung tötet, und du, indem du viel von der Barmherzigkeit erhoffst, ins Gericht kommst; es ist anderseits zu befürchten, daß dich die Verzweiflung tötet, und du, indem du meinst, es würden dir deine schweren Sünden nicht mehr verziehen, keine Buße tust und dem Richter anheimfällst, der Weisheit, welche sagt: "Und ich werde über euer Verderben lachen" (Spr 1,26).

Was tut also der Herr mit denen, die durch die beiden Krankheiten in Gefahr sind? Denen, welche wegen der Hoffnung in Gefahr sind, sagt er dies: "Säume nicht, dich zum Herrn zu bekehren und verschiebe es nicht von einem Tag zum andern, denn plötzlich wird sein Zorn kommen und wird zur Zeit der Rache dich verderben" (Ekkli 5,8.9).

Was sagt er zu jenen, die durch Verzweiflung in Gefahr sind? "An dem Tage, an welchem der Gottlose sich bekehrt, werde ich alle seine Missetaten vergessen" (Ez 18,21.22.27) . Wegen jener also, die durch Verzweiflung in Gefahr sind, hat er den Hafen der Vergebung eröffnet; wegen jener, die durch Hoffnung in Gefahr sind und durch Aufschub zu Schaden kommen, hat er den Tag des Todes unsicher gemacht. Wann der letzte Tag kommt, weißt du nicht. Du bist undankbar, weil du den heutigen hast, um dich an ihm zu bessern. So also bei diesem Weibe: "Auch ich will dich nicht verurteilen", aber sicher gemacht wegen der Vergangenheit, hüte dich für die Zukunft. "Auch ich will dich nicht verurteilen"; ich habe getilgt, was du verbrochen, beobachte nun, was ich befohlen, damit du findest, was ich verheißen habe.



Bild: Taufe des hl. Augustinus, ca 1464; Benozzo Gozzoli (1420–1497)

Dienstag, 28. August 2012

Hl. Augustinus, bitte für uns!

 
Dass Gott dir Verzeihung versprochen, wenn du dich morgen bekehrst, dessen magst du dich freuen, aber der morgige Tag ist dir nicht versprochen.

Augustinus (354-430)




Foto: Wikimedia

Samstag, 11. August 2012

Augustinus zu Ehebruch, Taufe und Kommunionempfang

Die Unterweisung in der christlichen Glaubens- und Sittenlehre hat ohne Zweifel schon vor dem Empfang der heiligen Taufe zu erfolgen

Nachdem wir nun nach der gesunden Lehre diese Einschränkung gemacht haben, wollen wir wieder zu unserm Gegenstand zurückkehren, ob man nämlich zum Empfang der Taufe jedermann zulassen soll, ohne daß man sorgfältig darüber wacht, daß das Heilige nicht den Hunden vorgeworfen werde; und zwar, ob das bis zu dem Grade gelten soll, daß nicht einmal offenkundige Ehebrecher, die sich sogar dauernd diesem Laster verschrieben haben, von einem so heiligen Sakrament zurückgewiesen werden sollen.

Solche Leute (Anm: gemeint sind hier rechtmäßige Eheleute) würden ohne Zweifel nicht zur Taufe (1) zugelassen werden, wenn sie erklärten, an jenen Tagen, wo sie diese Gnade empfangen wollen und sich nach ihrer Anmeldung durch Enthaltsamkeit, Fasten und Exorzismen reinigen, würden sie mit ihren rechtmäßigen und wahren Ehegattinnen in geschlechtlichen Verkehr treten und nicht einmal an jenen paar Festtagen auf ein Recht verzichten, das ihnen zu anderen Zeiten zustehe (2). Wenn man also schon einen verheirateten Mann, der sich bloß nicht an einen Brauch halten will, nicht zuläßt, wie soll dann zu jenem hochheiligen Sakrament ein Ehebrecher zugelassen werden, der von einer Besserung nichts wissen will? (...)

Es nimmt sich wahrlich recht sonderbar aus zu sagen: "Ziehet den neuen Menschen an!", und erst dann, wenn sie diesen angezogen haben, zu sagen: "Ziehet den alten Menschen aus!", während doch der Apostel die gesunde Ordnung einhält, wenn er spricht: "Ziehet den alten Menschen aus und den neuen an (3)!" Auch der Herr selbst ruft aus: „Niemand näht einen neuen Fleck auf ein altes Kleid und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche (4)." Was hat aber die ganze Zeit, während der sie Stellung und Name eines Katechumenen haben, für einen anderen Zweck, als daß sie das Wesen des christlichen Glaubens und Lebens zu hören bekommen, damit sie, wenn sie sich selbst geprüft haben, vom Tische des Herrn essen und von seinem Blute trinken? Denn "ein jeder, der unwürdig davon ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht (5)."


1: Zusammenhängendes über Katechumonat und Taufe ist im Vorwort zu der auch in diesem Bande übersetzten Augustinischen Abhandlung "Vom ersten katechetischen Unterricht" zu finden. [Siehe S. 229ff. dieses Bandes.]
2: So sagt z.B. der 86. Kanon der angoblichen vierten Synode von Karthago [398]: „Neugetaufte sollen sich einige Zeit lang der reichlichen Mahlzeiten, des Theaters und ihrer Frauen enthalten" [Hefele, a.a.O. II. Bd., § 111].
3: 1 Kol. 3,9f. Diese Worte wurden beim Ausziehen und Anziehen der Kleider vor und nach dem Taufakt zu den Täuflingen gesprochen.
4: Matth. 9,16f.
5: 1 Kor. 11,28 f.
 

Freitag, 29. Juni 2012

Zum Nachdenken - Glaube (1)


 
Nemo credit nisi volens. 

Niemand glaubt, es sei denn freien Willens.


Kirchenlehrer Augustinus im Kommentar zum Johannes-Evangelium






Bild: Pietro Perugino; Fresko in der Sixtinischen Kapelle, Vatikan; Szene: Christus übergibt Petrus den Schlüssel zum Himmelreich; um 1480

Freitag, 15. Juni 2012

Fest des allerheiligsten Herzens Jesu



"Die Geheimnisse des Erlöserlebens Jesu Christi, das wir im Laufe des Kirchenjahres feiern, gründen schließlich alle in dem einen tiefsten Geheimnisse seiner Liebe. Sie ist da vor Urbeginn alles Werdens; sie ist die schöpferische Kraft aller Gottestaten, wie Menschwerdung, Erlösungstod, Eucharistie, Gnade, Kirche. All diese Liebe stellt sich uns verkörpert dar im Herzen Jesu.

In der Liebe, in das Innenlebern dieses Herzens sich zu vertiefen, besonders aber diesem Herzen, das trotz all seiner Liebe soviel Undank erfährt, Sühne zu leisten, ist Sinn und Zweck der Herz-Jesu-Verehrung.

Die Gedanken, die dem Herz-Jesu-Kulte zu Grunde liegen, wurzeln in der Hl. Schrift. Heilige des christlichen Altertums (Augustinus), des Mittelalters (Bernhard, Gertrud, Mechthild) und der Neuzeit (Johannes Eudes, Margareta Alacoque) halfen mit, Gehalt und Gestalt des Herz-Jesu-Festes zu schaffen. Papst Pius XI. verlieh ihm einen Rang, der es unter die höchsten Herrenfeste einreiht."


aus: Einführung zum Herz-Jesu-Fest, Das vollständige Römische Messbuch, Schott; Verlag Herder; AD 1958

Sonntag, 27. Mai 2012

Komm, o Heiliger Geist!



 Atme in mir, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges denke.

Treibe mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges tue.

Locke mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges liebe.

Stärke mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges hüte.

Hüte mich, du Heiliger Geist,
dass ich das Heilige nimmer verliere.

(354-430)



Dienstag, 7. Februar 2012

Wahre Freundschaft (2)

Wenn ich weiß, daß einer, glühend vom Feuer der christlichen Liebe, mein treuer Freund geworden ist, dann vertraue ich, was auch immer ich ihm von meinen Gedanken und Absichten offenbare, nicht so sehr ihm, dem Menschen, an, als vielmehr jenem, in dem und durch den er mein Freund bleibt.
Denn "Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm" (1.Joh 4,16).

 Augustinus (354-430); 
Briefe 73,10 (an Hieronymus)


Dienstag, 31. Januar 2012

Wesentlich in der Frühkirche: Das Gebet nach Osten

aus:  Msgr. Dr. theol. Dr. phil h.c. Klaus Gamber:
Die Reform der Römischen Liturgie, Vorgeschichte und Problematik, S.47f (s. Quellen)

 
"Die Zelebration "versus populum"


Entscheidend für die Stellung zum Altar war in der Frühkirche und im Mittelalter die Ausrichtung beim Gebet nach Osten hin. So meint Augustinus: "Wenn wir zum Gebet aufstehen, kehren wir uns nach Osten, von wo der Himmel sich erhebt. Nicht als ob Gott dort wäre und er die anderen Weltgegenden verlassen hätte..., sondern damit der Geist gemahnt werde, zu einer höheren Natur sich zu bekehren, nämlich zu Gott." (1)

Dieses Wort des Afrikaners zeigt, daß die Christen sich nach der Predigt zum anschließenden Gebet erhoben und nach Osten gekehrt haben. Auf dieses Hinwenden nach Osten beim Gebet weist Augustinus am Schluß seiner Ansprachen immer wieder hin, wobei er als feststehende Formel die Wendung "Conversi ad Dominum" (Hingewendet zum Herrn) gebraucht. (2)

Dölger ist in seinem grundlegenden Buch "Sol salutis" der Überzeugung, daß auch die Antwort des Volkes "Habemus ad Dominum" im Anschluß an den Ruf des Priesters "Sursum corda" ein Hingewendetsein nach Osten meint, zumal einige orientalische Liturgien dazu in einem diakonalen Ruf eigens auffordern. (3)

Dies gilt für die koptische Basilius-Liturgie, wo es zu Beginn der Anaphora heißt: "Kommt heran, ihr Männer, steht da in Ehrfurcht und schaut nach Osten!", oder die ägyptische Markus-Liturgie, wo ein ähnlicher Ruf ("Schauet nach Osten!") mitten im Eucharistiegebet, und zwar vor der Überleitung zum Sanctus, seinen Platz hat.

In der kurzen Liturgiebeschreibung im 2. Buch der Apostolischen Konstitutionen aus dem Ende des 4. Jahrhunderts wird ebenfalls ein Aufstehen zum Gebet und eine Ausrichtung nach Osten vorgeschrieben. (4)  Im 8. Buch wird der entsprechende Ruf des Diakons mitgeteilt: "Stehet aufrecht zum Herrn hin!") (5)  Die Hinwendung zum Herrn und die Ausrichtung nach Osten war demnach für die Frühkirche dasselbe. (6)

Die Sitte, zum Sonnenaufgang hin zu beten, ist, wie Dölger gezeigt hat, uralt und war bei Juden und Heiden üblich. Sie wurde schon früh von den Christen übernommen. So ist bereits i. J. 197 für Tertullian das Gebet nach Osten eine Selbstverständlichkeit. In seinem Apologeticum (c.16) spricht er davon, daß die Christen "in Richtung der aufgehenden Sonne hin beten". (7)

In ihr sah man ein Symbol für den zum Himmel aufgefahrenen und von dort wiederkommenden Herrn. Damit die Strahlen der aufgehenden Sonne während der Meßfeier in das Kircheninnere fallen konnten, hat man im 4./5. Jahrhundert in Rom, gelegentlich auch andernorts, den Eingang im Osten angebracht, wobei die Türen aus diesem Grund geöffnet bleiben mußten und auch eine Gebetsrichtung zu den Türen hin notwendig wurde. (8)


(1)  Augustinus, De sermone domine in monte II 18 (PL 34, 1277).

(2)  Vgl. J. Dölger, Sol salutis. Gebet und Gesang im christlichen Altertum mit  besonderer Rücksicht auf die Ostung in Gebet und Liturgie (= Liturgiegeschichtliche Quellen und Forschungen 4-5, 1. Aufl. Münster 1920, 2. Aufl. !925) 254-256. Wir zitieren nach der am meisten verbreiteten 1. Auflage

(3)  Dölger, Sol salutis 256, 251.

(4) Const. Apost. II 57, 14 (ed. Funk 165); vgl. Dölger, Sol salutis 127f.

(5)  Canst. Apost. VIII 12,2 (ed. Funk 494).

(6)  Vgl. Dölger, Sol salutis 250-251; E. Peterson, Frühkirche, Judentum und Gnosis (Rom 1959)15-35: Das Kreuz und das Gebet nach Osten. Hier wird auf die Tatsache hingewiesen, daß der Osten als Gebetsrichtung oft durch ein Kreuz bezeichnet wurde. Ein solches Kreuz an der Wand wurde in einer Kammer eines Hauses in Herculaneum gefunden; vgl. Conte Corti, Untergang und Auferstehung von Pompeji und Herculaneum (München 1951) Abb. 29 nach S. 96.

(7)  Vgl. Dölger, Sol salutis 103.

(8)  Vgl. Tertullian, Adv. Valent. 3 (PL 2, 515): Nostrae columbae etiam domus simplex, in editis semper et apertis et ad lucem; vgl. St. Beißel, Bilder aus der Geschichte der altchristlichen Kunst und Liturgie in Italien (Freiburg 1899) 84; Dölger 121.


(Hervorhebungen durch Administrator)




Weiteres zum Thema "Liturgiereform":

Mittwoch, 25. Januar 2012

Der kämpfende Mensch (7)

Josef Seifert  (1975)

Fortsetzung, Teil 7

Es ist bedenkenswert, daß gerade in unserer Zeit eine Heilige zur Kirchenlehrerin erhoben wurde - Katharina von Siena -, die immer wieder darauf hingewiesen hat, daß das Stillschweigen und die Feigheit angesichts der in der Kirche und Gesellschaft grassierenden Irrtümer und Übel die größte Grausamkeit ist.

Plato hat seiner Zeit und Gesellschaft eine Diagnose gestellt, die wir weitgehend auf die unsere übertragen können. Wenn man kranken Kindern, so schreibt er, einmal einen Arzt schickt, der sie schneidet und brennt und so vom Geschwür befreit, und einmal einen Koch, der sie mit Süßigkeiten verwöhnt und so ihre Krankheit nur verschlimmert, so werden sie, wenn man sie gewähren läßt, den Koch mit Triumpfgeschrei empfangen, den Arzt aber aus der Stadt treiben.

Nicht anders machen es, sagt Plato, erwachsene Bürger: Den Philosophen, der die Ungerechtigkeiten aufdeckt, werden sie hinaustreiben und vielleicht sogar außerhalb der Stadt ans Kreuz schlagen, den Sophisten aber, der sie in schönen Illusionen wiegt, werden sie mit lautem Jubel begrüßen.

Wenn wir uns solcherart klarmachen, "was am Menschen ist", so werden wir immun sein gegen diesen falschen Vorwurf der Lieblosigkeit. Gewiß müssen wir uns beim Kampf gegen Übel und Irrtümer vor Lieblosigkeit in der Art und Weise des Vorgehens hüten, aber wir können uns deswegen nicht vom Kampf selbst dispensieren.

Wir müssen ihn angehen und führen aus der Liebe zu Gott, aus der Liebe zum Herzen Jesu, in dem sich Gottes Liebe zu jedem von uns so überwältigend geoffenbart hat; unser Kampf muß - in der Teilhabe an diese Liebe - sich von Bitterkeit und Feindseligkeit fernhalten, er muß ein lichtvoller Kampf sein, der von Güte beherrscht und von Sanftmut durchdrungen ist.

Das ist gewiß nicht leicht, aber besser ist es, überhaupt zu kämpfen als den Kampf zu unterlassen, weil wir ihn doch nicht völlig fehlerlos führen können.

Ein falscher Friede

Ebenso wie das Wort Liebe scheint auch das Wort Friede gegen Kampf und Kampfgeist zu sprechen. Ein Urwort des Evangeliums ist der Friede, und schon im Alten Testament wird im Messias der große Friedensbringer erwartet, der dann selber sagt: " Meinen Frieden hinterlasse ich euch...". So ist in der Tat die Friedensliebe für jeden Christen unerläßlich, und "selig sind die Friedfertigen".

Aber auch hier muss man näher zusehen, worin der Friede Christi ("nicht, wie die Welt ihn gibt") wirklich besteht, um nicht der Täuschung zu verfallen und einen unverträglichen Gegensatz zwischen Kampfgeist und Friedensliebe aufzustellen.

Wirklicher Friede im Menschen und zwischen den Menschen ist nur möglich als Ausstrahlung des Friedens Gottes. Der Friede ist unmöglich im Bösen, unmöglich in der Unwahrheit, in der Lüge. Der Friede ist die "Ruhe in der Ordnung", wie Augustinus sagt.

Die berühmte Stelle in seinen "Bekenntnissen" (X,27), wo er davon spricht, daß Gott geleuchtet, und endlich seine Blindheit verscheucht, daß Gott gerufen, und endlich seine Taubheit durchdrungen habe, schließt mit den Worten: " Et exarsi in pacem" - "Und ich bin entbrannte in Sehnsucht nach deinem Frieden".

Aber dieser Friede entspringt der wahren Ordnung, der Ordnung, in der der Mensch Gott anerkennt und über alles liebt, der Ordnung, in der er alle Güter in ihrer Rangstufung sieht. Letztendlich ist der Friede die Ausstrahlung der Harmonie, des inneren Lichtes, der inneren Schönheit, die im Guten liegt; dazu gehört als letztes Element auch die Geborgenheit in Gott, in dem lebendigen, liebenden Gott, der uns erlöst hat; denn selbst die Schau einer platonischen Ideenwelt des Guten würde allein nie den Frieden bringen; ja, auch die Erkenntnis Gottes könnte uns keinen letzten Frieden schenken, wären wir nicht durch die Erlösung der heiligmachenden Gnade Gottes und der Gemeinschaft mit ihm teilhaftig geworden.

Es gibt aber auch einen falschen, nur scheinbaren Frieden: die Eintracht mit dem Bösen, und im Bösen, dem u. U. ein friedliches Nichtstun entspringt. "Mag etwas falsch sein, mag etwas schlecht sein - nur den Frieden halten!" Dieser Friede ist der radikale Gegensatz zum wahren Frieden.

Hier gilt das Wort des Herrn: "Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert." Hier ist das Wort des hl. Johannes, des "Liebesjüngers", der Häretikern gegenüber sogar den Gruß verbietet - dann, wenn er als Ausdruck der Übereinstimmung gewertet werden kann (2Joh 10).

Die radikale Ablehnung eines solchen Friedens mit den Bösen wird verständlich, wenn wir bedenken, daß das Böse der radikale Widerspruch zum wirklichen Frieden ist, da es keinerlei Harmonie, sondern die tiefste Disharmonie ist, die sich überhaupt im Kosmos findet, der Widerspruch gegen Gott selbst.

Wer Frieden hält mit den Bösen bzw. ihrem bösen Verhalten zustimmt, der vermehrt nur den Unfrieden in der Welt. Der Kampf gegen das Böse und gegen den Irrtum ist darum notwendige Konsequenz aus der wahren Friedensliebe. Der Kampf gegen den Unfrieden ist Kampf für den Frieden.

Wir dürfen natürlich nicht den Kampf in sich, abgesehen von seinem Anlaß und seiner Zielrichtung, als einen Wert ansehen.

Es kann vorkommen, daß eine Art militärisch-männliches Ideal von Kampfgeist und Heldenmut den Menschen so einnimmt, daß ihm der Kampf an sich Spaß macht und er die brennende Sehnsucht nach dem Frieden verliert, die allein zum Kampf berechtigt.

Der Kampf des Christen ist nur echt, wenn er getragen ist von der Sehnsucht nach dem ewigen Leben, wo alle Gründe für den Kampf entfallen und jede Disharmonie aufgehoben ist im Frieden Gottes.


Schluß folgt


Prof. Josef Seifert: Der kämpfende Mensch ( Teil 1)    (bitte HIER klicken!)
                                                                 ( Teil 2)    (bitte HIER klicken!)
                                                                 ( Teil 3)    (bitte HIER klicken!)
                                                                 ( Teil 4)    (bitte HIER klicken!)
                                                                 ( Teil 5)    (bitte HIER klicken!)
                                                                 ( Teil 6)    (bitte HIER klicken!)
                                                     ( Teil 8, Schluß)    (bitte HIER klicken!)


Über den Philosophen Josef Seifert (geb. 1945) bei wikipedia (bitte HIER klicken!)


 (Hervorhebungen durch Administrator) 
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