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Dienstag, 3. Februar 2015

Kardinal Kasper vs Kardinal Cordes - Wer irrt? Kardinalsstreit um die Geistige Kommunion für zivil wiederverheiratete Geschiedene

Das unabhängige katholische Nachrichtenportal kath.net zitierte gestern (02.02.2015) aus einem Büchlein von Kurienkardinal Paul Josef Cordes über die "geistige Kommunion". Kardinal Cordes ist es ein Anliegen, die gute traditionsreiche Andachtsübung der geistigen (auch: geistlichen) Kommunion* wiederzuentdecken und wiederzubeleben.

Immer wieder hatten in den vergangenen Monaten Theologen und Nichttheologen die geistige Kommunion erwähnt im Zusammenhang  mit der Diskussion um eine angemessene Pastoral für zivil geschiedenen und standesamtlich wiederverheiratete Mitchristen. Da sie aufgrund des eheähnlichen Zusammenlebens mit einer anderen Person als dem Ehepartner objektiv in schwerer Sünde (Todsünde) leben - "ihr Lebensstand und ihre Lebensverhältnisse stehen in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht" (vgl. Familiaris consortio 84) - befinden sie sich nicht im Stand der heiligmachenden Gnade, die nach kirchlicher Lehre Voraussetzung für den fruchtbaren Kommunionempfang ist. Die Kirche rät ihnen deshalb um ihres Seelenheiles willen, sich des Kommunionempfangs zu enthalten (vgl. 1 Kor 11,29).

Nun ist eine Diskussion darum entbrannt, ob in der Situation der solcherart Betroffenen die Möglichkeit  der geistigen Kommunion eine Option wäre, um ihnen eine Vereinigung mit dem Herrn zu ermöglichen. Kardinal Cordes ist der Auffassung, dass dies möglich ist, da dieser "Form der Vereinigung mit dem Herrn keinerlei kirchenrechtliche Barriere im Weg stehe" - anders als das bei der sakramentalen Kommunion der Fall sei. Und Cordes äußert Unverständnis für die Reaktion Kardinal Kaspers. Dieser habe auf seinen Vorschlag knapp und schlicht kommentiert: "Wer zum sakramental-zeichenhaften Empfang der Eucharistie nicht zuzulassen wäre, der sei auch unwürdig für die Geistige Kommunion."

Hier sieht nun Cordes seinen Kollegen Kasper im Irrtum, denn dieser unterscheide nicht die -"äußere"- (kirchen-)rechtliche Situation von der -"inneren" - geistlichen Verfasstheit des Herzens, über die kein "Recht" befinden könne. Damit aber unterscheidet Cordes nicht zwischen objektivem Status und subjektiver Wahrnehmung des Sünders und beruft sich letztendlich auf ein "autonomes Gewissen", das wiederum nicht dem Denken und Lehren der Kirche entspricht. Ein Gläubiger Katholik ist an die Gebote Gottes und die der Kirche gebunden und ihnen in seinem Gewissen verpflichtet.

Kasper bestreitet jedoch eher den umgekehrten Weg; er stellt die Frage anders: Nach Aussagen der Glaubenskongregation und auch von Benedikt XVI. könnten zivil wiederverheiratete Geschiedene zwar nicht die sakramentale Kommunion empfangen, so Kasper in seinem "Evangelium der Familie", wohl aber die geistige Kommunion - wenn sie entsprechend vorbereitet seien. "Wer aber die geistige Kommunion empfange, sei 'eins mit Christus'. Warum könnte er dann nicht auch die sakramentale Kommunion empfangen?" (vgl. Walter Kasper: "Das Evangelium von der Familie", Rede vor dem Kardinalskonsistorium am 21. Februar 2014 und  in seiner gleichnamigen Schrift"). Damit setzt Kasper für die geistige Kommunion dieselbe Disposition voraus, nämlich den Stand der heiligmachenden Gnade, wie für den sakramentalen Empfang des Leibes Christi (vgl. CIC can 915 und 916). Man beachte in Kaspers Formulierung die Anmerkung: "...wenn sie entsprechend vorbereitet [sind]". Und in diesem Punkte muss man Kasper recht geben.

Franz von Sales sagt, dass die geistliche Kommunion jedem Menschen, der seine Sünden bereut, immer zugänglich sei. Die entsprechende Vorbereitung besteht also in der Reue über die Sünden und dem Vorsatz, bei nächster Gelegenheit in der Beichte das Sakrament der Versöhnung zu empfangen.

Kardinal Cordes empfiehlt bei seinem Votum für die Wiederbelebung der Übung der geistigen Kommunion in der "Tagespost" am 30.10.2014 die Lektüre des Theologen Johannes Auer (1910 - 1989), der sich, wie Cordes meint, 1951 wohl als einer der bisher Letzten mit der Materie befasst und darüber veröffentlicht hat. Aber selbst Auer sieht die geistige Kommunion für den Sünder nur als Übergangslösung - unter der Voraussetzung, dass er seine Schuld bereut und bis er die Möglichkeit hat, im Sakrament der Versöhnung den Gnadenstand wiederherzustellen. Auer schreibt:
Wann ist also die geistige Kommunion angebracht?
a. Die geistige Kommunion ist angebracht für alle, die im Stande der Todsünde sind und einer heiligen Messe beiwohnen, einerlei, ob es sich um eine pflichtmäßige Sonntagsmesse oder um eine freie Werktagsmesse handelt. Sie gibt die Möglichkeit einer wirklichen und fruchtbaren Teilhabe am heiligen Meßopfer auch für den Sünder. Doch wäre es untragbar, die geistige Kommunion auf diesen Fall einzuschränken oder darin auch nur ihren Hauptsinn zu sehen. Im Gegenteil ist zu diesem Fall, wo das klare Gewissensurteil einer schweren Sünde vorliegt, zu sagen, daß hier die Gewissenspflicht vorliegt, so bald als möglich über das Bußgericht der Kirche sich um den Gnadenstand zu bemühen. Die geistige Kommunion wäre nur angebracht, wenn und solange die Beichte nicht möglich ist. Selbstverständlich ist aufrichtige (wenn möglich vollkommene) Reue vorausgesetzt, soll es überhaupt zu einer geistigen Kommunion kommen. Der Mensch, der bewußt an der schweren Sünde festhält, der nicht zu einer seelischen Haltung kommt, die zur Reue gehört, wird erst recht nicht zu einer seelischen Haltung finden, die Voraussetzung für die geistige Kommunion ist.

(in: "Geist und Leben" 1951/2 Johann Auer Geistige Kommunion. Sinn und Praxis der communio spiritualis und ihre Bedeutung für unsere Zeit [113–132], S.123/124)

Natürlich kann sich ein Christ im Stande der Todsünde nach dem Sakrament sehnen. Die Erweckung dieser Sehnsucht kann zum Geschenk der helfenden Gnade führen, die wiederum zu einem ernsthaften Bereuen des trostlosen Seelenzustandes führen kann. Also: Erwecken der Sehnsucht: JA; geistige Kommunion: NEIN.


*  Da in der Literatur und in der Spiritualität beide Begriffe. "Geistige Kommunion" und "Geistliche Kommunion" gebräuchlich sind, sie aber dasselbe bezeichnen, beschränke ich mich in diesem Fall darauf, der Bezeichnung von Kardinal Cordes (und Johann Auer) zu folgen und also von der "Geistigen Kommunion" zu handeln, obwohl ich eigentlich eher dem anderen Ausdruck zugeneigt bin, da es sich hier nicht nur um einen geistigen Akt, sondern mehr noch um einen geistlichen Akt (lat.: communio spiritualis) handelt.



Was bedeutet "Geistige Kommunion"? Papst Pius XII. (1939 - 1958) erklärt in der Enzyklika "Mediator Dei", wie Geistige Kommunion geht:
"Sie (Anm.: die Kirche) wünscht vor allem, daß die Christen - besonders wenn sie die eucharistische Speise nicht leicht in Wirklichkeit empfangen können - sie wenigstens geistigerweise empfangen und zwar so, daß sie durch lebendigen Glauben, durch demütige und ehrfürchtige Hingabe an den Willen des göttlichen Erlösers in möglichst innigem Liebeseifer sich mit ihm verbinden." (MD 304)


Weiteres zum Thema "Geistige/ Geistliche Kommunion":

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Montag, 1. Dezember 2014

Bischof von Augsburg: Immer wieder über die Ewigkeit reden

Aus der Predigt des Bischofs von Augsburg, Konrad Zdarsa, zum 1. Advent:
Rufen wir nicht auch nach dem äußersten und endgültigen Eingreifen Gottes, wenn wir beten: Adveniat regnum tuum – Zu uns komme dein Reich?
Und doch sind wir uns des tiefen Sinnes dieser Bitte oft gar nicht so recht bewusst, sind uns gar nicht so recht darüber einig, was wir denn eigentlich damit meinen, und denken schon gar nicht daran, an unserem Alltagstrott auch nur das Geringste zu verändern.

Sich besinnen aber heißt doch wohl, bei allem, was wir tun und lassen, die Frage nach dem Sinn stellen oder den Dingen, mit denen wir uns beschäftigen, einen Sinn geben oder geben lassen. Dann aber wird die Antwort auf die Frage, woher wir kommen und wohin wir gehen, die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Ganzen zwangsläufig zum Programm. Dann erst sind wir in der Lage, die Zeit und den Lauf der Dinge, unser Leben und das Leben unserer Mitmenschen zu be-sinnen, ihnen Halt und Richtung zu geben.
Dann erst werden die anderen merken, dass wir ihnen etwas zu bringen haben, wenn wir nicht im eigenen Namen daherkommen, sondern im Namen des Logos, des menschgewordenen Sinns, unseres Herrn Jesus Christus. 

Was das oft bemühte Motto des amerikanischen PR "Doing right and talking about" für uns Christen bedeutet, erläuterte Bischof Zdarsa mit folgenden Worten:

Richtig handelt, wer die richtige Reihenfolge beachtet. Bevor wir beten: Dein Reich komme (Adveniat regnum tuum), beten wir: Geheiligt werde dein Name (Sanctificetur nomen tuum). Die Menschen müssen merken, dass wir in der Spur bleiben, dass wir alles, was wir unternehmen, im Blick und mit der Ausrichtung auf unseren Herrn tun.

Wir heißen Kirche, weil wir zum Herrn gehören, nicht weil wir uns zusammengeschlossen und etwa einen sozialen Sinn entwickelt haben. Wir sind nicht nur auf die Zukunft ausgerichtet, sondern auf die Ewigkeit. Und nur wer dem Menschen die Perspektive Ewigkeit eröffnet, wird ihm auch Zukunft bieten können. Darum dürfen wir das Wissen um die Ewigkeit nicht einfach stillschweigend voraussetzen, sondern wir müssen immer wieder darüber reden.

Dann stellt der Augsburger Oberhirte fest, dass der Christ nicht erst in der Ewigkeit, sondern bereits hier auf Erden dazu berufen ist, "nach dem Maß Gottes" zu handeln:

Die Antwort auf die Frage, ob es schon während dieser Weltzeit ein Handeln nach dem Maß Gottes gibt, der in der Welt der äußeren Machtausübung entsagt, wurde uns schon mit dem Gleichnis Jesu von den anvertrauten Talenten gegeben. Ja, wir sind gehalten, nach seinem Willen und in dieser Welt nach Gottes Maß und Auftrag zu handeln. Gott gibt uns nicht nur so viel Gnade und Zuwendung, dass wir gerettet werden können, sondern er überträgt seine Aufgaben auch nur denen, denen er es zutraut, sie zu erfüllen. (...)

Die Wachsamkeit, zu der wir aufgefordert sind, ist die Entschlossenheit, in dauerndem Bewusstsein des Geschenks der Gnade zu leben und zu handeln.

Gottesdienst und Gebet sind dem Christen Quelle und Lebensstrom der göttlichen Gnade, aus denen alle Wohltätigkeit erst erwächst. Gottesdienst und Gebet seien keine "Gelegenheiten", menschliche Pläne und Projekte zur Weltverbesserung vorzutragen:

Die Ermahnung zu tätiger Wachsamkeit ist nach dem Evangelium des Markus die letzte Weisung Jesu an seine Jünger vor seiner Passion. In einer Zeit, in der die Christen weltweit verfolgt, diskriminiert, angegriffen und getötet, aber auch verspottet und verhöhnt werden, hat Gottes Wort den absoluten Vorrang. Die Verkündigung der Frohen Botschaft, die Feier der Vergegenwärtigung von Tod und Auferstehung unseres Herrn, unser Gottesdienst und Gebet sind nicht traditionell willkommene Gelegenheiten, unsere Pläne und Projekte zur Weltverbesserung zu offerieren. Sie sind vielmehr Quelle und Lebensstrom, aus denen alle Wohltätigkeit und Barmherzigkeit genährt und belebt werden muss. 

Bischof Zdarsa erinnerte daran, dass die Christen vor allem durch die Feier der Hl. Eucharistie "am realsten und am glaubwürdigsten" ihren Willen und ihre Bereitschaft erklären, ihr eigenes Leben nach dem Evangelium auszurichten.


Die ganze Predigt vom 30. November 2014 (1. Adventsonntag und Eröffnung der Aktion Adveniat) findet man auf der Homepage des Bistums Augsburg.


Zu den Predigten anderer deutscher Bischöfe zum 1. Advent 2014:






Donnerstag, 20. November 2014

Die Kirche ist der Ort, wo man den Tod überwindet

Gerade fand ich auf dem leider seit November 2011 nicht mehr wietergeschriebenen Blog von P. Willibrord Driever OSB (Abtei St. Ottilien/ Rom) folgenden Eintrag über eine wunderbare Wahrheit des katholischen Glaubens:

Das etwas andere Kirchenbild

Vor einigen Tage habe ich eine Wallfahrt gemacht zum Grab des heiligen Pater Pio in San Giovanni Rotondo. Ich habe mir sehr viel Zeit genommen, um die Mosaiken auf dem Weg zur Unterkirche und in der Unterkirche zu betrachten. Dabei half mir eine Schrift: Marko I. Rupnik, "Der Weg zum Palast des Königs im Himmel": Eine Erklärung der Mosaiken.

Mehrere Bilder haben mich persönlich angesprochen. Bei einem Bild jedoch dachte ich an so manche schriftliche und mündliche Diskussion in Deutschland über das, was die Leute sagen, was die Kiche sei...

Es ging um das folgende Bild und die Beschreibung:

"CHRISTUS KOMMT DUCH DIE GESCHLOSSENE TÜR UND HAUCHT DEN JÜNGERN DEN HEILIGEN GEIST EIN FÜR DIE VERGEBUNG DER SÜNDEN.
Durch die Vergebung der Sünden lässt und der Heilige Geist in der Kirche an der Auferstehung Christi teilhaben.
Die Kirche ist der Ort, wo man den Tod überwindet. Dank der Sündenvergebung, die dir Verbindung mit Gott wieder herstellt und uns mit Christus vereint, wechseln wir von einer vom Tod verdorbenen Zeit zu einem unvergänglichen Leben. Mit der Sündenvergebung mittels des Heiligen Geistes gelangen wir mit Christus und in Christus zur ewigen Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott."

Soweit der Text.

Was mich beeindruckte:
1. diese fraglose Selbstverständlichkeit der Aussage.
2. diese unschuldige Unbekümmertheit.
3. dieses Nicht-Problematisieren.
4. die Glaubenssicherheit, die sich darin verbirgt und offenbart.
5. die Dankbarkeit für diese von Gott geschenkte sakramentale Realität.
6. der Blick auf das Wesentliche.
7. die Klarheit der Erkenntis der Vernunft im Licht des Glaubens.

Was mich besonders angesprochen hatte, war der Satz: "Die Kirche ist der Ort, wo man den Tod überwindet."

Es kam der Wunsch auf: Mögen doch alle, die von der Kirche und über die Kirche reden, sich ärgern, auf ihre Sünden und Fehler hinweisen und deswegen austreten... von diesem Mysterium eine Ahnung bekommen.
Mögen doch Zeugen auftreten, die dieses Mysterium bezeugen.

Danke, P. Willibrord, für die Mitteilung dieser Gedanken!


Weiteres zum Dienst der Kirche für einen jeden Menschen:


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Donnerstag, 21. August 2014

Gnade und Frieden allen, die - wo immer - den Namen Jesu Christi, unseres und ihres Herrn, anrufen!

Denn nichts hat Bestand, wenn es nicht von oben herab gekräftiget wird, und Nichts wird uns nützen, was nicht auf ihn Bezug hat; denn es kann uns nicht frommen, wenn wir mit Allen im Frieden leben, mit Gott aber Krieg führen; sowie es uns auch nicht schaden kann, wenn wir von Allen bekriegt werden, mit Gott aber Frieden haben.

Und wieder kann es uns Nichts helfen, wenn wir allen Menschen gefallen, Gott aber beleidigen, während wir hingegen ohne alle Gefahr sind, wenn uns Gott Beifall und Liebe schenkt, sollten uns auch alle Menschen schmähen und hassen; denn die wahre Gnade und der wahre Friede kommt von Gott. Denn wer bei Gott in Gnaden steht, fürchtet Niemanden, und sollte er auch unzählige Leiden zu erdulden haben; er fürchtet nicht einmal den Teufel, geschweige denn einen Menschen.


Kirchenvater Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther; 1. Homilie I

Sonntag, 17. August 2014

Abschiedsgebet zur Trösterin der Betrübten

 


Gebet zum Abschied vom Gnadenort
Noch einmal erscheine ich vor deinem ehrwürdigen Bildnis, o mildeste Trösterin der Betrübten, und sage dir herzlichsten Dank für das Glück, dass ich dich hier besuchen durfte, und für alle Gnaden, welche durch deine mütterliche Hand mir zuteil geworden.

Verzeihe, o liebevolle Königin, die Lauheit und Zerstreutheit meiner Andachtsübungen und bewirke gnädig, dass diese Wallfahrt mir zum andauernden Segen gereiche. Hilf mir, dass ich fortan mit größerem Eifer für mein Seelenheil sorge, mit frischem Mute die Arbeiten meines Berufes wieder aufnehme, und lass mich nie der guten Vorsätze vergessen, welche ich an dieser dir geweihten Stätte gefasst.

O treueste aller Mütter, bei deiner allerzärtlichsten Liebe zu deinem göttlichen Sohne bitte ich dich, lass es nicht geschehen, dass ich dich und deinen lieben Sohn je wieder durch eine schwere Sünde beleidige. Lieber möchte ich hier zu deinen Füßen sterben, als jemals die heiligmachende Gnade verlieren und dem geistigen Tode anheimfallen.

Wenn ich nun auch von diesem Gnadenorte scheiden muss und mein körperliches Auge dein teures Bildnis bald nicht mehr schauen wird, dann soll, o heilige Jungfrau, dein erhabenes und mildes Bild meinem Geiste so tief eingeprägt sein, dass es mich immerdar auf der Pilgerreise dieses Lebens begleite, dass es mich in der Trübsal tröste, in der Schwachheit ermuntere, in der Versuchung stärke, in der Gefahr warne und wieder und wieder an die heiligen Entschließungen dieser Wallfahrt erinnere.

O gütige Jungfrau, lass dein süßes Bild auch meine scheidende Seele umschweben und mich trösten in dem alles entscheidenden Augenblick meiner Abreise in die Ewigkeit. Und nun, o große Trösterin der Betrübten, schenke zum Abschied deinen mütterlichen Segen mir und allen, die sich in mein Gebet empfohlen haben. Sei ihre und meine Trösterin im Leben und im Sterben. Amen.


Gebet vor dem Gnadenbild der "Trösterin der Betrübten" zu Kevelaer, entnommen dem "Andachts-Büchlein für die Wallfahrt der Fußpilger von Hamborn nach Kevelaer; Verlag J. Hoffmann, Hamborn; AD 1925; S.67

Donnerstag, 5. Juni 2014

Gebet um würdige Priester

O Gott, der du zur Erhaltung und Verbreitung deiner Kirche das Priestertum eingesetzt hast, wir bitten dich, gib uns würdige Priester. Du hast, o Herr, durch deinen Sohn Jesus Christus zu den Aposteln und in ihrer Person zu uns allen gesagt: 'Die Ernte ist zwar groß, aber der Arbeiter sind wenige; bittet daher den Herrn der der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.'

Siehe, wir kommen deinem Verlangen nach und flehen inständig zu dir: Sende Arbeiter in deine Ernte, sende würdige Priester in deine heilige Kirche! Wähle und rufe du selbst sie aus deinem Volke, damit keiner unberufen sich eindränge, aber auch kein Berufener zurückweiche.

Bilde du selbst durch deine Gnade diejenigen heran, die du zu dem so wichtigen Amt eines Dieners deiner Kirche bestimmt hast, wie du deine Apostel und Jünger mit großer Geduld und Liebe gebildet hast. Lass sie jetzt schon ihre Freude in der Betrachtung deines heiligen Wortes finden, lass sie recht tief in den Geist deines heiligen Gesetzes eindringen, einst deine heilige Lehre mit Eifer und Segen verkünden.

Lass sie Männer werden voll des Heiligen Geistes gleich den Leviten Stephanus und Laurentius; lass sie Tugend und Wissenschaft miteinander verbinden; flöße ihnen eine glühende Liebe zu dir und treue Anhänglichkeit an deine heilige Kirche  ein und an den Felsen Petri, auf dem du sie erbaut hast.

Gib, dass sie unermüdlich in deinem Weinberge arbeiten, erfülle sie mit klugem, ausharrendem Eifer, gib ihnen Sanftmut und Milde gegen Irrende und Schwache. Lass sie in Demut, Gebet und Abtötung den Erfolg ihrer Bemühungen erwarten und nichts suchen, als deine Ehre und das Heil der Seelen.

Um dieses alles bitten wir dich durch den höchsten Hirten unserer Seelen, durch Jesum Christum unseren Herrn . Amen

(aus dem alten Trierer Diözesangebetbuch;
auch zitiert in "Katholischer Volks-Katechismus" von Franz Spirago, S. 764)



Donnerstag, 29. Mai 2014

Maiandacht 29. Tag - Maria, Hilfe der Christen

 
Freu dich, Jungfrau Maria!
Alle Irrlehren hast du allein überwunden.
Gar schön bist du und liebreich,
schrecklich bist du wie ein geordnetes Schlachtheer!
(Ant. Marienfest)


Trösterin der Betrübten und Zuflucht der Sünder ist die wunderbare Mutter. Ob ihrer mütterlichen Gesinnung aber, die Maria in besonderer Weise allen Christgläubigen gegenüber offenbart, rufen wir zu ihr: Du Hilfe der Christen, bitte für uns! Das ist Gruß und Bitte, die seit Jahrhunderten von Menschenmund gesprochen werden.

Der Apostel Paulus bekennt von sich: "Die Liebe Christi drängt mich." Kann nicht Maria weit mehr so sprechen? Es drängt sie, den Christen zu helfen, dieselbe Liebe, die in Christus war und ihn drängte, uns zu erlösen.

Es drängt sie aber auch die Liebe zu Christus, wie er heute noch fortlebt in der Welt. Sie sieht den fortlebenden Christus in der ganzen Christenheit, sieht ihn in jedem einzelnen Menschen, der an Christus glaubt. Alle Glieder der Kirche sind Glieder Christi, Glieder des einen geheimnisvollen Leibes, von dem Christus das Haupt ist. Die mütterliche Liebe Mariens geht darauf hinaus, dass alle Menschen heranwachsen zum "Vollalter Christi", dass in den Menschen und durch die Menschen die Kirche vollendet werde und makellos dastehe am Tage der Vollendung.

Als sorgende Mutter hat Maria Christus in seinem irdischen Leben zur Seite gestanden, hat ihn bewahrt und behütet, ihn genährt und gepflegt, ist mit ihm den Lebensweg gegangen. Im Leidenskampfe hat sie ihm beigestanden bis zur Vollendung seines Opferlebens. Sie will ihm beistehen auch jetzt in seinem Wirken durch die Gnade.

So ist Maria die mütterliche Schützerin des fortlebenden Christus, die Schutzfrau und Schutzherrin der heiligen Kirche. Nur die Art ihrer Hilfe ist eine andere: heute hilft sie durch ihre Fürbitte. Damit kämpft sie gegen das Reich der Finsternis, dass es uns nicht überwältige. Erschrecklich wie ein geordnetes Schlachtheer ist Maria in den Augen des bösen Feindes.

"Du allein, o Maria", so betet die Kirche, "hast alle Irrlehren überwunden." In den großen Glaubenskämpfen aller christlichen Jahrhunderte hat Maria den Weg gezeigt aus allem Irrtum. Maria ist die Mutter Gottes: der Gedanke hat auf dem Konzil zu Ephesus (341) alle Irrlehren über die Gottheit Christi abgetan. 

Maria, unsere liebe Frau, hat seit dem Mittelalter die Menschen entflammt zu heiligem Kampf gegen die Türken, die mit Waffengewalt das Christentum vernichten wollten. Wo man Maria treu blieb zur Zeit der unglückseligen Glaubensspaltung in unserem Vaterland, da ist man Christus treu geblieben und seiner heiligen Kirche.

Wer zur reinsten Jungfrau und Mutter aufschaut, der bewahrt auch heute klare Sicht in allen Gefahren; er weiß, dass Gott und nur er allein Mittelpunkt des Lebens ist - und nicht der Mensch.

Mitkämpferin gegen Satans Reich ist Maria für einen jeden von uns. Sie erfleht uns Gnade, damit wir wachsen von Stufe zu Stufe und immer mehr vollendet werden in Christus Jesus. Versuchungen und Kämpfe warten auf uns im Leben. Maria ist unsere Hoffnung und Zuversicht. Stürme und Gefahren sind der Anteil unserer Seele in diesem Erdental. Maria will unsere mächtige Helferin sein, die uns sicher geleitet im wahren Glauben und uns heimführt zur ewigen Gottesschau.

Für so viele Hilfe in Glaubens- und Seelennot haben wir der Gottesmutter zu danken. Nun bitten wir sie heute von Neuem: Verlass uns nicht, bis "wir Jesum schauen - einst in Himmelsauen".

Aber damit nicht genug; wir bitten auch: lass uns an deine Seite treten, lass uns deine Sorge um den fortlebenden Christus mit dir teilen. Öffne uns das Auge des Glaubens, dass wir Christus sehen in unseren Mitmenschen. Lass die Eltern und Erzieher Christus sehen in den Kindern, die Vorgesetzten ihn sehen in den Untergebenen, der Freund ihn sehen im Freunde. 

Ja, Mariens Sorge wollen wir teilen, wollen lehren und ermahnen, wollen hüten und bewahren, wollen beten und opfern, dass Christus in allen Menschen mehr und mehr Gestalt gewinnt, dass alle zum "Vollalter Christi" gelangen.

Wir beten ein Ave Maria, dass Maria die ganze Christenheit vor allem Unheil bewahren wolle:
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir!
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: Jesus!
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

O Maria, du Mutter vom Siege,
Erflehe uns den Sieg über die Feinde unseres Heils.
Maria, du Hilfe der Christen, bitte für uns alle!


Gebet:
O Gott, der du gewollt hast, dass die Mutter deines eingeborenen Sohnes die immerwährende Hilfe der Christen auf Erden sei, verleihe uns die Gnade, sie in allen Anliegen Leibes und der Seele vertrauensvoll anzurufen: damit wir, durch ihren Schutz und Beistand gerettet, zur immerwährenden Anschauung deiner Herrlichkeit im Himmel gelangen mögen. Durch Christus unsern Herrn. Amen.
(Gebet nach der Litanei von der immerwährenden Hilfe)


Maiandachtsbüchlein für Kirche und Haus von Pfarrer Joseph Willmes; A. Laumannsche Verlagsbuchhandlung Dülmen /Westf.;  AD 1935; S. 87-89 (mit kleinen Änderungen); (s. Quellen)



Mittwoch, 28. Mai 2014

Maiandacht 28. Tag - Maria, Zuflucht der Sünder

 
Lös' der Schuldner Ketten,
mach die Blinden sehend,
allem Übel wehre,
jeglich Gut erwirke, o Maria!
(aus dem Hymnus "Ave maris stella")


Für alle Menschen in dem Elend und der Betrübnis dieser Welt ist Maria die liebevolle, mütterliche Trösterin und Helferin. Es gibt ein Leid auf der Welt, das ist das größte von allem. Dieses Leid ist die Sünde, die Ursache jedweden Leides.

In der Sünde trennt sich der Mensch von Gott und seiner Liebe. Die (schwere oder Tod-) Sünde macht den Menschen tot für den Himmel, zu dem er doch berufen ist. Für die Sünder ist darum Christus auf die Welt gekommen; er will suchen und selig machen, was verloren war. Die 99 Schafe lässt er allein und geht dem verlorenen nach. In aufrichtigem Schmerz weint er über das sündige Jerusalem. Als man ihm vorwirft, er nähme sich der Sünder an, gibt er zur Antwort: "Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken."

Diese Gesinnung des Heilandes ist auch in Maria, seiner Mutter. Man sagt wohl, Sorgenkinder seien die liebsten Kinder; wie betet und leidet doch eine Mutter um ihr krankes oder sündiges Kind! Und Maria unsere himmlische Mutter, sollte der Kinder vergessen, die im Unglück der Sünde weilen, die von Gott getrennt sind? 

Maria hat uns den Heiland geschenkt am Weihnachtstag, hat ihn uns von Neuem geschenkt, ihn hingeopfert am Kreuze. Nun ist es ihre größte Muttersorge, dass Christus in allen Menschenseelen lebe, dass nicht für eine einzige Seele Christi Blut umsonst geflossen sei. Mit gütigen, barmherzigen Mutteraugen blickt die Mutter der Barmherzigkeit auf uns herab. Sie will nicht richten über die Sünder, sie will nur retten, will helfen, will versöhnen.

Wo nur ein Sünder in der Not seiner Seele sich an diese Mutter wendet, da will sie ihm Zuflucht sein. Wer mit gutem Willen zu ihr kommt, den wird sie nie zurückweisen. Der strafenden Gerechtigkeit Gottes wirft sie sich gleichsam immer wieder in die Arme; immer wieder erfleht sie Wunder der Gnade.

Von wunderbaren Krankenheilungen und wunderbarer Hilfe in andern irdischen Nöten hören wir oft; die Wunder der Gnade vollziehen sich meist in der Stille. Nur die eigene Seele weiß darum und vielleicht der Priester, der im Bußsakrament der reuigen Seele das frohe Wort der Lossprechung sagen darf. Aber wir können davon überzeugt sein, es sind viele, viele Wunder der Gnade, die tagtäglich sich vollziehen auf die Fürbitte der Mutter der Barmherzigkeit.

O sündiges Menschenherz, gehe zu dieser Mutter, zur Zuflucht der Sünder. Wenn die Sünde Finsternis in deine Seele brachte, dann schau empor zu Maria. Sie ist der lichte Morrgenstern, sie weist dir den Weg, sie führt dich hin zum Vaterherzen Gottes. Sie geleitet dich zum Kindlein in der Krippe, sie nimmt dich an der Hand und zeigt dir das Kreuz, an dem ihr Kind für dich sein Blut vergossen hat.

Sie bittet und fleht mit dir und für dich, dass Christi Blut dich wieder rein wasche von aller Makel und aller Schuld. Habe Vertrauen zu ihr. Wenn es dir an Mut gebricht, zu bekennen, klage zuerst all deine Schuld der Mutter; ihr Mutterherz ist voll gütigen Verstehens für deine Seelennot; dein Bekenntnis im Richterstuhl der Beichte wird dir danach leichter fallen. Will Verzweiflung ob der Menge deiner Sünden dich niederdrücken, dann ergreife die Hand dieser Mutter, halte sie fest, sie lässt dich niemals sinken und untergehen.

Dann aber, wenn du durch Mariens Fürbitte wieder ein Kind des dreifaltigen Gottes geworden oder es geblieben bist, dann hilf auch du Maria in ihrem Rettungswerk. Gott will die Menschen retten mit Hilfe der Menschen. Sei auch du ein Helfer, eine Helferin, handle wie Maria. Du sollst nicht richten und verurteuilen, sondern beten und opfern.

Von der großen heiligen Theresia wird berichtet, dass sie durch ein einziges Gebet zehntausend Irrgläubige bekehrt habe. Der heilige Augustinus schreibt: "Aus einem Sünder einen Gerechten zu machen, ist ein größeres Werk, als Himmel und Erde zu erschaffen." Du, meine Seele erzeige dich der Gottesmutter dankbar und wisse, dass es auf Erden kein herrlicheres und köstlicheres Werk geben mag als das eine: mit Gott, dem Herrn, mitzuwirken am Heile der Seelen.

Wir beten ein Ave Maria und bitten die Gottesmutter um ihre Hilfe in aller Seelennot:
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir!
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: Jesus!
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Höre uns, o Mutter,
denn es ehrt dich der Sohn dadurch,
dass er dir nichts versagt!
Rette uns ,o Jesus,
denn für uns fleht dich an
deine jungfräuliche Mutter!
(Audi nos... Paderborner Gesangbuch zu den Rorate-Ämtern)


Gebet:
O Jesus! Du bist in die Welt gekommen, um zu suchen und selig zu machen, was verloren war. Höre auf die Bitten deiner Mutter, die für uns Sünder dich anfleht. Rette uns, o Jesus, und führe uns zur Seligkeit. Amen.


Maiandachtsbüchlein für Kirche und Haus von Pfarrer Joseph Willmes; A. Laumannsche Verlagsbuchhandlung Dülmen /Westf.;  AD 1935; S. 84-86 (mit kleinen Änderungen); (s. Quellen)



Dienstag, 27. Mai 2014

Maiandacht 27. Tag - Maria,Trösterin der Betrübten

 
Heilige Maria, du Mutter des Herrn!
Sei du den Armen Helferin,
den Kleinmütigen sei Trösterin,
den Schwachen sei du Stärke!
Heilige Maria, du Mutter des Herrn!
Für Volk und Priester bete du,
wend' Gottgeweihten Segen zu,
sei Trösterin im Leide.

(Magn. Ant. an Marienfesten)


Maria ist die wunderbare Mutter. Dreimal wunderbar nennen wir sie als die Mutter Gottes, die Mutter des Erlösers und die Mutter der Erlösten. In Ehrfurcht, Dankbarkeit und Liebe grüßen wir sie. In wahrer kindlicher Liebe dürfen wir zu ihr aufschauen; denn das ist nicht alles, dass Maria, die Mutter, in die Herrlichkeit des Himmels erhoben ist. Nein, mit hinaufgenommen in den Himmel hat Maria ihr mütterliches Herz, ihre mütterliche Gesinnung. Sie will auch von dort noch als Mutter wirken; sie will uns, ihre Kinder, im Elend dieser Welt nicht vergessen.
"Eine Mutter, gut wie keine,
hat der Vater uns geschenkt,
auf dass kein Auge trostlos weine,
wenn einer dieser Mutter 'denkt."

Gerade für die betrübten Menschenherzen hat sie herzliches Mitempfinden, sie hat ja selbst als Mutter auf Erden alle Betrübnis der Menschen durchkosten müssen. Darum ist sie immer zu helfen bereit. Wenn die Wallfahrtsorte, an denen die liebe Gottesmutter verehrt und angerufen wird, erzählen könnten, und es würde einer alle die Dankesworte zusammentragen, das gäbe ein gewaltiges Loblied auf die "Trösterin der Betrübten".

Ohne Unterlass pilgern die Menschen hin zum Bilde Mariens, zur "Mutter in der Not", zur "Immerwährenden Hilfe". Der gläubige Christ trägt in sich das sichere Gefühl und den festen Glauben: Maria ist die Mutter, die mich am besten versteht, die mit mir fühlt und mich nicht verlässt. Vielleicht haben wir selbst schon ihre Hilfe erfahren; viele haben uns davon erzählt. Wir sprechen es darum gern immer wieder aus: "Dass Maria eine Bitte nicht erhört, ist unerhört, unerhört in Ewigkeit!"

Dieses große Vertrauen der Menschen hat seinen Grund in der Macht und Güte Mariens. Maria ist nicht allmächtig - das ist Gott allein. Aber durch ihre Fürbitte nimmt sie teil an der Macht Christi. Wie könnte Christus, ihr Kind, der Mutter eine Bitte verwehren? Was aber ihre Güte anbetrifft, so wissen wir, dass Maria das getreueste Abbild Christi ist. "Der Herr ist mit dir", so hat der Engel gesagt. 

Maria ist voll von der Gesinnung des Heilandes. Von diesem aber wissen wir, wie sehr er sich der Betrübten angenommen hat: von Mitleid gerührt, spendet er den Hungernden Brot; die Blinden macht er sehend; die Lahmen, die Gichtbrüchigen, die Aussätzigen und so viele andere Kranke macht er gesund. Von seiner Güte berichtet fast jede Zeile der Heiligen Schrift: "Er ging umher und spendete Wohltaten."

Als des Herrn vollkommene Jüngerin trägt Maria seine Güte und Liebe in ihrem Herzen. Als gütige Mutter ist sie allzeit bereit zu trösten und zu helfen, wo nur eine verzagte Seele zu ihr aufschaut.

In jedem Menschenleben gibt es viel Kreuz und Leid. Niemand ist auf Erden davon ganz verschont. Auch du, meine Seele, trägst Leid und Weh, Kummer und Sorge quält dich gar sehr. Geh' doch hin zur Mutter, zur Trösterin der Betrübten! Blicke auf zu ihr in dem Dunkel dieses Erdentals: blicke auf zu diesem hellleuchtenden Stern; habe Vertrauen! Rufe Maria, sie wird dir tröstend helfen!

Aber sieh, meine Seele, immer, wenn du den Trost Mariens suchst, wenn du von ihr Hilfe und Heil erwartest, dann denk' auch daran, wie du hinwiederum Trost spenden sollst für andere. Je mehr du dich bemühst, Maria ähnlich zu werden,desto mehr wirst du Christi Abbild sein, desto mehr auch seiner Träger seiner Güte und Liebe. 

Das ist rechte Marienart, wenn du in dem Leid und der Not der Welt dich abmühst, Tränen zu trocknen, Menschenherzen wieder froh zu machen. Dein ganzes Leben sei eine ständige Gelegenheit, Liebe zu spenden.. Ein feines Sprüchlein lautet: "Oft hab' ich andere froh gemacht und stets an mich selbst zuletzt gedacht." Vielleicht ist das der größte Trost, den die Gottesmutter dir schenkt, dass du dein eigenes Leid vergisst, wenn du anderen hilfst.

Wir beten ein Ave Maria und bitten die Mutter, uns in allem Leid trösten zu wollen:
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir!
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: Jesus!
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen. 

Sancta Maria, Mutter und Magd,
all uns're Not sei dir geklagt!
Drückt dich ein Weh, zur Mutter geh'!
O sag' es ihr, so hilft sie dir!


Gebet:
Durch die Fürbitte der Trösterin der Betrübten wollest du, o Gott allen leidgeprüften Menschen Trost und Stärke verleihen. Schau auch gnädig auf uns herab, die wir in unserer Not die Trösterin der Betrübten um ihre Hilfe anflehen. Schenke uns durch sie die Gnade, dass wir auch im Leid dir freudig dienen und unseren Mitmenschen Tröster sein können. Durch Christus unsern Herrn. Amen.


Maiandachtsbüchlein für Kirche und Haus von Pfarrer Joseph Willmes; A. Laumannsche Verlagsbuchhandlung Dülmen /Westf.;  AD 1935; S. 81-84 (mit kleinen Änderungen); (s. Quellen)



Bild: Gnadenbild der Luxemburger Muttergottes (Consolatrix afflictorum), das in Kevelaer verehrt wird

Freitag, 23. Mai 2014

Maiandacht 23. Tag - Maria, Königin der Apostel

 Alleluja! Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis!
Kommet, lasst uns ihn anbeten. Alleluja. (Invit. Pfingsten)
Komm, Heiliger Geist, und erfülle die Herzen deiner Gläubigen
und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe!
(All. Vers Pfingsten)


Das letzte Wort des Herrn an seine Mutter: "Siehe da deinen Sohn", ist wie ein letztes Vermächtnis, ein heiliges Erbe. All die Menschen auf dem weiten Erdenrund sind der Mutter anvertraut, das ganze zukünftige Gottesreich ist ihrer betenden Muttersorge überlassen. Göttliches Leben hat Maria vom Himmel empfangen, dieses Leben hat sie der Welt geboren, nun muss sie mütterlich sorgen, dass alle Menschen dieses Leben in Fülle besitzen.

Nun, da des Herrn Leben vollendet ward, da er den Auftrag des Vaters erfüllt hat und von den Seinen gegangen ist, bleibt Maria zurück, die Mutter. Um sie scharen sich die wenigen Getreuen, die voll Trauer sind, dass ihr Herr und Meister sie verlassen hat. Jetzt mag die Mutter sie trösten und auch ihnen Mutter der Gnade werden.

Wie eigenartig ist es doch, dass uns nichts erzählt wird von Mariä Osterfreude, - von ihrer Freude und Seligkeit, dass ihr Kind auferstanden ist in Glorie und Herrlichkeit. Hingegen da, wo die Jünger in Not sind, ist die Mutter bei ihnen. Mitten unter den Aposteln weilt sie betend im Saale zu Jerusalem. "Sie alle verharrten in Gemeinschaft mit den Frauen, mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern einmütig im Gebete." (Apg 1,14)

Ja betend, das ist die Art, wie Maria, die Mutter der Gnade, zum ersten Mal Vermittlerin der Erlösungsfrucht wird für die Apostel selbst.

Waren die Apostel denn nicht erlöst? Gewiss! Aber ihre Seelen waren noch erdwärts gerichtet. Noch haben sie nicht erkannt, dass Christi Reich nicht von dieser Welt ist. Mutlosigkeit hält sie gefangen. Noch harren und warten sie auf das große Geschenk, das der Herr ihnen senden will; sie warten auf den Tröster, den heiligen Geist, der sie alle Wahrheit lehren soll.

Der Herr ist nicht mehr bei ihnen, aber seine Mutter, die dem Herrn geholfen hat beim Erlösungsopfer durch ihr Mitleiden. In Gebet und Flehen will sie jetzt wiederum mithelfen, dass die Erlösung vollendet werde in den Aposteln. Sie betet, dass ihr Sohn den Tröster sende, den Heiligen Geist, damit er die Seelen der Jünger licht mache zum wahren Erkennen ihres Apostelamtes.

Und dann ist die Stunde da, wo der Heilige Geist sich in Feuersgestalt herabsenkt auf die Apostel. Seine göttliche Kraft macht sie sicher und stark; nun ziehen sie sich nicht mehr scheu zurück. Mutig treten sie hin vor die Menge der Harrenden, verkünden ihnen das Reich dessen, der gekreuzigt ward für das Heil der ganzen Welt.

So sichtbar teilt der Heilige Geist sich den Aposteln mit, dass sie alle Zagheit und Schwachheit vergessen. Nur noch ein Wille beseelt sie: Die Welt erobern für Christus! Nur noch eins kennen sie: Den letzten Auftrag des Herrn zu erfüllen, hinauszugehen in alle Welt. Allen Menschen wollen sie die Frohbotschaft der Erlösung bringen, auf dass sich alle taufen lassen im Namen des dreifaltigen Gottes und Kinder seiner Gnade werden.

Jetzt erst, erfüllt vom Heiligen Geiste, begreift die Apostelschar, dass Gott sie erwählt hat zu ganz besonderem Dienste. Ja dienen, das wollen sie! Jetzt erst erfassen sie, was es eigentlich heißt: Apostel Christi zu sein, - berufen, in völliger Selbstlosigkeit zu schaffen für das Reich Gottes als Gottgesandte.

 Mitten unter ihnen aber steht die Gottesmutter, die wir ehren und preisen als die "Königin der Apostel". Freilich ist sie nicht Apostel in der Weise wie die Zwölf. Sie hat nicht den Auftrag, hinauszugehen in die Welt und das Evangelium zu predigen. Aber ihre Seele ist ganz durchdrungen von der Sorge um das Reich ihres Sohnes. Ihre Gesinnung ist ganz die eines Apostels. Sie lebt nur für Christus und sein Reich in der Welt.

Mit ihrem Gebet, mit ihrer Muttersorge begleitet sie das Wirken der Apostel. betend und lehrend, tröstend und helfend steht sie ihnen zur Seiet, auf dass sie nicht erlahmen, sondern als Christi Boten hinausziehen: standhaft in der Verfolgung, mutig in allem Kampf, treu bis zum letzten Augenblick ihres Lebens. Dass Christi Reich wachse, ist Sorge der Apostel, ist höchste Sorge der Mutter, der Königin der Apostel.

Wir beten ein Ave Maria zum Lobpreis der Apostelkönigin:
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir!
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: Jesus!
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.


Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes 
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.
(2. Kor 13,13)
Du Königin der Apostel, bitte für uns!


Gebet:
Heiliger Geist! Du hast in der Seele der Gottesmutter jene Gesinnung bewirkt, die sie zur Königin der Apostel gemacht hat. Auf ihr Gebet hast du auch die Seelen der Apostel mit dem Licht deiner Weisheit erhellt und mit der Kraft deiner Liebe gestärkt. Du hast ihre Arbeit im Reiche Christi mit deiner Gnade gesegnet. Gib allen apostolisch gesinnten Seelen deine Gnade und Kraft, damit ihr Wirken in dir stets beginne und durch dich vollendet werde. Der du mit dem Vater und dem Sohne als gleicher Gott lebst und herrschest in Ewigkeit. Amen.



Maiandachtsbüchlein für Kirche und Haus von Pfarrer Joseph Willmes; A. Laumannsche Verlagsbuchhandlung Dülmen /Westf.;  AD 1935; S. 69-72 (mit kleinen Änderungen); (s. Quellen)



Bild: Geistsendung am Pfingsttag; um 1545; wikimedia commons

Donnerstag, 22. Mai 2014

Maiandacht 22. Tag - Maria, Mutter der göttlichen Gnade

Ich bin die Mutter der schönen Liebe 
und der Gottesfurcht,
der Erkenntnis und der heiligen Hoffnung.
Bei mir ist alle Gnade des Lebens und der Wahrheit,
bei mir alle Hoffnung des Lebens und der Tugend.
(Jes Sir 24,18))


Der Sündenschuld Nachtdunkel lag über der Menschheit. Da kam die Stunde, die Gott durch ewigen Ratschluss erwählt, dass "in die Finsternis das licht leuchte". Und der Engelsbote brachte das demutsvolle Ja-Wort der Jungfrau zurück, die zur Mutter des Lichtes, zur Mutter des Messias erkoren war: Maria ward Christusträgerin!

Doch zu Größerem noch hat Gott sie bestimmt: Christusbringerin sollte sie sein! Christusbringerin in vielfachem Sinne. Denn Christusbringerin wurde Maria nicht nur in jener Stunde, da sie der Welt den Heiland gebar, - Christusbringerin wurde sie in besonderer Weise unter dem Kreuz des Erlösers, da sie sich seinem Opfer zur Tilgung der Sündenschuld anschloss. - Christusbringerin war sie fortan die Jahrhunderte hindurch. Sie ist es auch heute noch, da sie einem jeden den Heiland und in ihm und durch ihn die Frucht seiner Erlösungstat, die Fülle der Gnaden bringen will.

So wird Maria als Christusträgerin zur Mutter der göttlichen Gnade. Froh wollen wir sie grüßen mit diesem Namen, der uns so vieles zu sagen hat. Denn zunächst nennen wir Maria Mutter der Gnade, weil sie den ihr Kind nennen durfte, der da ist Urquell aller Gnaden!

Mutter der göttlichen Gnade ist Maria aber auch darum, weil sie der nach Erlösung verlangenden Menschheit in ihrem Sohne die verlorene Gnade wiedergeschenkt hat. Denn das war des Heilandes Sendung: die der Sünde verfallenen Menschen wieder zu Kindern Gottes zu machen, auf dass sie seine Gnaden empfangen könnten.

Mariens Anteil an dem großen Geschehen des Heilswerkes aber ist so groß, dass wir sie preisen dürfen als helfende Weggeleiterin Christi, als dienende Miterwerberin der Frucht der Erlösung, als Mutter der Erlösungsgnade.

Für alle Zeiten ist Maria vom Lebens- und Opferweg des Heilandes nicht wegzudenken. Wie bei der heiligen Messe der Diakon dem Priester zur Seite steht in der Bereitung und Darbringung des heiligen Opfers, ihm aber auch zur Seite steht in der Austeilung der heiligen Geheimnisse, ja selber den Menschen die Opferfrucht, den Leib des Herrn reichen darf, - so ist gewissermaßen Maria Christi Diakon gewesen bei der Darbringung des Kreuzesopfers.

Darum hat sie Gottes Allweisheit auch zum Diakon bestellt in der Verwaltung und Austeilung des erworbenen Gnadenschatzes. Somit nimmt sie teil an der Begnadigung und Heiligung jeder einzelnen Seele. Einem jeden Menschen kann sie so zur Gnadenvermittlerin werden, sie, die Mutter der göttlichen Gnade.

Auch für dich, o Mensch, ist Maria zur Mutter der Gnade geworden; denn auch für dich ward das Erlösungswerk vollbracht. Auch dir will Maria Gnadenvermittlerin sein. Denn, soll dich dein Erdenweg hinführen zur Vollendung bei Gott, bist auch du der Gnade bedürftig. So öffne denn die Tore deiner Seele weit, ganz weit, auf dass Maria dir Christus bringe, Christus und seine Gnade.

Doch damit allein dürfen wir es nicht genug sein lassen. Wir selbst müssen mithelfen, dass die Gnade in uns auch wirksam werde. Wir dürfen unsere Mitwirkung nicht versagen, wenn der Heiland uns teilnehmen lassen will an dem erworbenen Gnadengut, dass es uns heilige und forme. Nehmen wir darum gerne am heiligen Opfer teil, treten wir oft hin zum Tisch des Herrn. Er selbst will zu uns kommen und uns mit Gnade erfüllen.

Du aber sei dir bewusst, dass jede Gnade eine Aufgabe in sich schließt: sie wird dir ja gegeben, dass du sie auswertest in deinem Ringen um Läuterung und Selbstheiligung, dass du sie ausnutzest, Christus gleichförmig zu werden in deinem Leben. Der feste Wille, zu diesem Ziele allzeit mitzuwirken mit der göttlichen Gnade, das sei deine Antwort auf alle Segnungen, die dir geschenkt werden in Christus Jesus durch Maria.

Wir beten ein Ave Maria, dass Maria sich uns immer als Mutter der Gnade erweise:
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir!
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: Jesus!
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Schmücke dein Brautgemch, Sion,
nimm auf Christus den König!
Umfange Maria, die da ist die Pforte des Himmels,
denn sie trägt den König der Glorie des neuen Lichtes.
(Ant. zur Prozession am Fest Mariä Lichtmess)


Gebet:
König der Herrlichkeit, Christus! König des Lichtes und der Gnade! In deiner Güte hast du deine heiligste Mutter zur Vermittlerin deiner Gnaden bestellt. Lass uns durch diese Mutter der Gnade zum Lichte deiner Herrlichkeit gelangen. Der du lebst und herrschest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.



Maiandachtsbüchlein für Kirche und Haus von Pfarrer Joseph Willmes; A. Laumannsche Verlagsbuchhandlung Dülmen /Westf.;  AD 1935; S. 67-69 (mit kleinen Änderungen); (s. Quellen)








Sonntag, 18. Mai 2014

4. Sonntag nach Ostern - Geschenke Gottes

"Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater des Lichtes"
 
Gnade als Geschenk Gottes 
 
Es lohnt sich, dann und wann auch in den bewährten herkömmlichen Glaubensbüchern zu blättern und zu lesen. Im Katechismus, der nach der Methode von Frage und Antwort aufgebaut ist, lesen wir: "Was ist die Gnade? - Die Gnade ist eine innere, übernatürliche Gabe, welche uns Gott zum Heil der Seele verleiht".
 
Heute meinen nicht wenige, ein Begriff wie "Gnade" sei nur schwer vermittelbar. Man tue sich ohnehin nicht leicht mit der religiösen Sprache. Eine solche Auffassung zeugt nur schon davon, dass man es irgenwie bereits aufgegeben hat, vom Glauben her Sprache und Sprachgebrauch mitzugestalten. Wer verbietet uns denn, von "Gnade" zu sprechen und das, was damit gemeint ist, neu zu vermitteln? Das kann uns doch niemand verwehren; ja es bleibt sogar geboten!

Bekanntlich gibt es natürliche äussere Gaben für den Leib: etwa Gesundheit, Nahrung, Wohnung, Kleidung. Und es gibt natürliche innere Gaben für die Seele: etwa Verstand, Wille, Gedächtnis, Talente. Nur schon diese natürlichen Gaben sind - wie das Wort selber sagt - gegeben, geschenkt; denn Gott ist der Geber aller Gaben. So verdanken wir ihm auch jene äusseren und inneren Gaben, über die wir schon im natürlichen Bereich verfügen dürfen. Sie sind keineswegs Selbstverständlichkeiten, auch wenn gerade in unserer Konsumgesellschaft so vieles als selbstverständlich betrachtet wird.

Nun gehört die Gnade aber nicht zu unserer Natur. Sie kommt zu ihr hinzu und weist über sie hinaus. Die Gnade setzt die Natur voraus und vervollkommnet sie. Sie wird daher "übernatürlich" genannt. Sie überragt nämlich alle natürlichen Kräfte und Fähigkeiten; sie hat ihren Grund in der liebenden Zuwendung Gottes zu uns Menschen selbst.
 
Niemand kann sie von sich aus erwerben. Der Sohn Gottes selber hat sie uns durch sein Erlöserleben und Erlöserleiden verdient. Der Heilige Geist schenkt sie uns als besondere Gabe des himmlischen Vaters. Wir sprechen den dreifaltigen Gott als "gnädigen Gott" an, weil wir uns seiner Liebe bewusst sind und daran glauben, dass er sich uns in seiner Güte zuwendet. Wir wissen uns vollkommen abhängig von dem, ohne dessen Liebe wir nicht wären und auch nicht leben könnten.
 
So konnte die heilige Theresia von Lisieux zurecht sagen: "Alles ist Gnade". Wenn auch alles Gnade ist, so ist damit nicht gesagt, dass es unseres menschlichen Zutuns nicht bedürfte. Wir müssen uns der Gnade würdig erweisen, indem wir uns für sie öffnen und mit unserem Willen am Gnadenwirken Gottes mitwirken. Gott selber will gerade durch seine liebende Zuwendung zu uns erreichen, dass wir ihn erreichen wollen und mit seiner Hilfe das Gute tun, um das ewige Ziel zu erlangen. Wir sind ja auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und dadurch in den Himmel zu kommen...

 
Aus einem lesenswerten Bischofswort (2003) von Erzbischof Wolfgang Haas, Liechtenstein, über die Gnade; Quelle: kath.net


Lesung zum 4. Sonntag nach Ostern (Jak 1,17-21):
Geliebte! Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater des Lichtes, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt. Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien.

Denkt daran, meine geliebten Brüder: Jeder Mensch soll schnell bereit sein zu hören, aber zurückhaltend im Reden und nicht schnell zum Zorn bereit; denn im Zorn tut der Mensch nicht das, was vor Gott recht ist.

Darum legt alles Schmutzige und Böse ab, seid sanftmütig und nehmt euch das Wort zu Herzen, das in euch eingepflanzt worden ist und das die Macht hat, euch zu retten.


Evangelium vom 4. Sonntag nach Ostern (Joh 16,5-14):
Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du? Vielmehr ist euer Herz von Trauer erfüllt, weil ich euch das gesagt habe. Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden.

Und wenn er kommt, wird er die Welt überführen (und aufdecken), was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist; Sünde: dass sie nicht an mich glauben; Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; Gericht: dass der Herrscher dieser Welt gerichtet ist.

Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.


Foto: FW

Freitag, 16. Mai 2014

Maiandacht 16. Tag - Maria, die vertrauende Magd des Herrn

Ich, der Herr dein Gott, bin es,
der deine Hand fasst und zu dir spricht:
"Fürchte dich nicht, ich helfe dir." (Is 41,13)
Gesegnet der Mensch,
der sein Vertrauen auf den Herrn setzt,
und dessen Zuversicht der Herr ist. (Jer 17,7)

Wo der Glaube in der Seele feste Wurzeln geschlagen hat, da wächst neben dem Baum des Glaubens ein zweites grünendes Reis: Die Hoffnung, das Vertrauen. Mariens Seele ist ganz Gott zugewandt in einem festen unbeirrbaren Glauben. Nun erkennt sie auch in allen Fügungen und Schickungen Gottes Vaterhand. Ihr vertraut sie sich an. Immer bleibt sie ruhig und gelassen. Gott wird sorgen.

In ihrer Demut mag Maria nicht zu Joseph sprechen von ihrer hohen Begnadigung. Joseph will sie nach den Vorschriften des Gesetzes entlassen. Es ficht sie nicht an; sie vertraut: Gott wird sie nicht verlassen. Und als dann das Kindlein in ihren Armen ruht und in ihrer Seele noch das Frohlocken ist ob der Huldigung, die die ferne Heidenwelt in den drei Weisen dem Gotteskinde, ihrem Kinde, dargebracht hat, da droht schon Gefahr für das Kind: Herodes, der grimme König, hat seine Söldner bereits ausgeschickt, alle Kindlein in Betlehem zu ermorden. Wie mag Maria zumute gewesen sein, als sie die Forderung an Joseph vernimmt: "Nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten." Alle Ängste und Muttersorgen um ihr heimatloses Kind, das sie durch die Flucht retten soll, muss sie durchkosten.

Und doch ist sie unverzagt. Wie sie es einst in der Stunde der Berufung ausgesprochen, so mag sie es jetzt in ihrem Geiste wiederholen: "Ich bin die Magd des Herrn." Demütig und vertrauensvoll schickt sie sich in Gottes Willen. Sie vertraut auf ihn; er wird ihr helfen. So zieht sie mit ihrem Kinde unter Josephs Führung dahin, durch die Wüste in das fremde Land, - unerkannt, heimatlos, einem ungewissen Schicksal entgegen.

Und trotz allem ist ihre Seele nicht voll Bitternis und Klagen; immer  vertraut sie zuversichtlich in froher Hoffnung, dass Gott alles zu einem guten Ende führt. Dann auch später, als auf der Hochzeit zu Kana ihr mütterliches Herz den Sohn aufmerksam macht auf die Sorge der Brautleute, selbst als sie scheinbar eine Zurückweisung erfährt, verlässt sie doch nicht das Vertrauen auf die göttliche Macht. Drum spricht sie zu den Dienern: "Was er euch sagt,das tut."

Es ist etwas Großes um das Vertrauen der Menschenseele auf Gott und seine Vorsehung. Wir glauben an Gott, an Christus und die Erlösung. Darum dürfen wir auch hoffen und vertrauen, dass Christus unsere Seele mit seiner Gnade führt und leitet. Frohe Hoffnung dürfen wir hegen, dass durch sein Blut auch unsere Sünden getilgt werden und einst der Himmel für uns offensteht.

Je mehr wir uns Gott demütig unterwerfen, desto mehr können wir hoffen und vertrauen, dass er in allen Nöten Leibes und der Seele uns nicht verlässt. Gottes Vorsehung waltet über die ganze Welt, über alle Geschöpfe. Warum willst du verzweifeln, meine Seele, wenn Leid und Not dich trifft? Höre, was der Herr selber sagt: "Betrachtet die Vögel des Himmels: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen: euer himmlischer Vater erhält sie doch. Seid ihr nicht viel mehr als sie?"

Hast du wirklichen Glauben an diesen himmlischen Vater? Warum willst du dich nicht ganz ihm anvertrauen? Oft, wenn du meintest, versinken zu müssen, hat seine Hand dich gerettet. In vieler Not hat er dir geholfen. Warum willst du jetzt verzagen? Gläubig vertrauender Sinn hat das Wort geprägt: "Wo die Not am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten." Verlass dich ganz auf Gott, er wird dich nicht verlassen. Erfülle den Willen Gottes in allem und handle nach seinen Geboten, wie Maria es getan und du kannst versichert sein, dass Gott dir helfen wird. Vertraue Gott wie Maria, die vertrauende Magd des Herrn.

"In aller Trübsal, in aller Not, wird er dich beschirmen, der treue Gott!"

Wir beten ein Ave Maria und bitten die Gottesmutter, dass sie uns ein unerschütterliches Gottvertrauen erflehen wolle:
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir!
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: Jesus!
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Stell deinen Weg dem Herrn anheim,
vertrau auf ihn, er wird's schon machen. (Ps 36,5)
Wirf deine Sorgen auf den Herrn, so wird er dich erhalten.
Drum will ich bauen, Herr, auf dich. (Ps 36,5)


Gebet: 
Allwissender, allweiser Gott! Deiner gütigen Fürsorge hat die Mutter Maria sich anvertraut in aller Not und Gefahr. Wir bitten dich: Durch die Fürsprache dieser Mutter schenke auch uns ein unerschütterliches, gläubiges Vertrauen auf deine Vorsehung. Selbst in Kreuz und Leid lass uns nicht verzagen, denn du bist unser Vater, der uns liebt und den rechten Weg führt zur ewigen Seligkeit. Amen.        


Maiandachtsbüchlein für Kirche und Haus von Pfarrer Joseph Willmes; A. Laumannsche Verlagsbuchhandlung Dülmen /Westf.;  AD 1935; S. 51-53 (mit kleinen Änderungen); (s. Quellen)



Mittwoch, 14. Mai 2014

Maiandacht 14. Tag - Die demütige Magd des Herrn

 
Siehe, ich bin die Magd des Herrn,
mir geschehe nach deinem Wort.
Huldvoll hat er herabgesehen auf seine niedrige Magd,
von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter!
(Luk 1,38.48)


Ein gar hohes Lob ist Maria zuteil geworden durch Elisabeth. Dieses Lob ist berechtigt. Unter allen Frauen ist sie die Auserwählte, die Mutter des Herrn. Alle Frauen Israels haben sich nach diesem Glück gesehnt, ihr fiel es zu. Die ganze Welt wartet auf dieses Glück, - sie darf es bringen.

Du bist gebenedeit unter den Frauen!

Maria weiß um diese Gnade, weiß um ihre hohe Würde. Wird sie darob stolz? Ach nein, in derselben demütigen Art, mit der sie dem Engel gesagt hatte: "Ich bin die Magd des Herrn", antwortet sie jetzt auf den Lobpreis der Elisabeth. Ihr Herz ist erfüllt von dem Wunder Gottes, und sie selbst weiß am besten, dass ihre Auserwählung reine unverdiente Gnade ist. Sie ist nicht die Erlöserin, sondern selbst eine Erlöste, die Erste, dessen Erlösungssehnsucht durch Gottes Gnade erfüllt ward. Diese Erkenntnis erfüllt sie mit tiefer Demut.

Gott allein ist es, der alles wirkt. Ihm allein gebührt der Dank, ihm allein die Ehre, ihm dem Allmächtigen singt sie darum ihr Lied aus der Überfülle ihres Herzens: "Hochpreiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heiland. Denn huldvoll hat er herabgesehen auf seine niedrige Magd." 

Dieser Lobpreis ist zugleich Antwort an Elisabeth. Sie sagt gleichsam zu ihr: "Du lobst mich, ich aber lobe Gott, dem allein Lob gebührt." Freilich werden in Zukunft alle Menschen sie loben und preisen: "Fortan werden mich seligpreisen alle Geschlechter." Aber nicht um ihrer selbst willen! Immer ist es Gott, auf den alles Lob zurückgeht: 
"Denn Großes hat an mir getan der Mächtige, dessen Name heilig ist, dessen Erbarmen währt von Geschlecht zu Geschlecht für jene, die ihn fürchten. Machtvoll wirkt er mit seinem Arm, zerstreut, die stolzen Herzens sind. Gewaltige stürzt er vom Throne, Niedrige erhöht er. Hungrige sättigt er mit Gütern, Reiche lässt er leer ausgehen. Er nimmt sich Israels an, seines Knechtes, eingedenk seiner Barmherzigkeit - wie er verheißen hat unseren Vätern - gegen Abraham und seinen Nachkommen auf ewig."

Mariens demütiger Sinn, der in den Worten ihres Liedes sich kundtut, wird von Elisabeth anerkannt. Jetzt weiß sie es gewiss: Maria ist gekommen, um zu helfen und zu dienen. Demut ist Dienmut. Die Mutter des Herrn dient der Mutter  seines Knechtes und Wegbereiters.

Diese demütig dienende Magd des Herrn steht nun vor dir, meine Seele, und lädt dich ein, mit ihr den Weg der Demut zu gehen.. Sieh, alles, was du bist und was du hast, alle Kräfte und Fähigkeiten Leibes und der Seele, alles ist dir von Gott geschenkt. Das musst auch du anerkennen. Gewiss darfst du dich darüber freuen, wenn du von Gott viele Gaben der Natur und Gnaden empfangen hast. Jedoch prunken und prahlen mit deinen Vorzügen, das darfst du nicht. 

Was wärest du ohne Gott! Erwäge oft bei dir, wie klein und armselig du bist aus dir selber. So unheilig, so sündhaft, so erlösungsbedürftig bist du! Was wäre die Menschheit, was wärest du selber ohne die Erlösung durch Christus. Für alles Gute gebührt Gott allein die Ehre. So gib auch du in allem Gott die Ehre und trachte nicht nach Lob und Anerkennung der Menschen. Gib acht auf dich und hüte dich schon vor den Gedanken der Selbstgefälligkeit. Dadurch will der Hochmut sich einschleichen und dich zu Falle bringen. Wolle nur demütig dienen, wie Maria es getan. 

"Christus befiehlt uns nicht", sagt der heilige Augustinus, "von ihm zu lernen, eine Welt zu bauen, Sichtbares und Unsichtbares zu erschaffen, Wunder zu wirken, Tote wieder lebendig zu machen, sondern von Herzen demütig zu sein."

Wir beten ein Ave Maria, damit Maria uns wahre Demut erflehe:
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir!
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: Jesus!
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Der Herr spricht: "Nehmet mein Joch auf euch und lernet von mir,
denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen." (Mt 11,29)
Dienet einander mit der Gnadengabe, wie ein jeder sie empfangen hat
und zeigt euch als gute Verwalter der mannigfaltigen Gnade Gottes. (1. Petr 4,10)


Gebet:
In der Demut ihres Herzens hat Maria dir, dem allmächtigen und allgütigen Gott, die Ehre gegeben für alle Großtaten deiner Liebe, die du an ihr getan hast. Lass auch uns erkennen, dass wir nichts sind ohne dich, und dass all unser Wirken unnütz ist ohne deine Gnade. Wir bitten dich: auf die Fürbitte der demütigen Magd deines Sohnes verleihe uns wahre Demut des herzens, dass wir dich für alles und in allem loben und preisen. Durch denselben Christus unsern Herrn. Amen.


Maiandachtsbüchlein für Kirche und Haus von Pfarrer Joseph Willmes; A. Laumannsche Verlagsbuchhandlung Dülmen /Westf.;  AD 1935; S. 45-48 (mit kleinen Änderungen); (s. Quellen)




Dienstag, 13. Mai 2014

Maiandacht 13. Tag - Mutter

 
Glückselig bist du, o Jungfrau Maria,
denn du trugst 
den Schöpfer des Weltalls;
Du hast den geboren, der dich schuf
und bleibst doch ewig Jungfrau.
(Offert. Marienmesse der Osterzeit)


Aus Mariens Kammer ist der Engel wieder himmelwärts gegangen. Maria bleibt allein zurück; und doch nicht allein. Ihr Herz weiß bereits um das tiefe Muttergeheimnis. Ein seliges Gotteswunder blüht unter ihrem Herzen. All ihre Sehnsucht nach dem Erlöser, all ihr Sinnen und Minnen, das auf Gott gerichtet war, ist nun in überreichem Maße erfüllt. Gesehnt hat sie sich danach, die Zeit des Erlösers zu erleben, darum gebetet: Er möge kommen. 

Unendliche Gnade ist ihr zuteil geworden: sie aber ist die Auserwählte, sie selber ist die gesegnete, die dem Gotteskind das Leben schenken soll. Ja, Mutter ist sie, und doch Jungfrau, rein und unversehrt. Ihr ist anvertraut der leib und die Seele Christi, des Gottmenschen, mitsamt seiner göttlichen Natur. In diesem Augenblick ist sie gewordn der gesegnete Brunnen aller Gnaden, der lebendige Baum des Lebens, sie ist geworden eine heilige Monstranz Gottes, die Christusträgerin.

Seit dieser Stunde gehören all ihre Kräfte dem Gotteskinde und seinem Werk. Jesus, Heiland wird der Name dieses Kindes sein; und sein Werk wird sein: den Menschen Erlösung und Heil, ewiges Heil zu bringen. Und in selbiger Stunde wird die Berufung zur Mutter des Herrn ihr zu heiliger Aufgabe: selber Segen und Heil zu bringen durch ihr Kind.

Auf diesen Segen wartet bereits eine andere Mutter in einer Stadt in Juda. Mariens Base Elisabeth sieht ihrer schweren Stunde entgegen. Durch Engelsmund weiß Maria darum. Ihr Mutterherz drängt sie zu helfen und Segen zu bringen. Sie ist ja so reich, so beglückt!

Unaufgefordert, aber doch von sorgender Mutterliebe gedrängt, verlässt sie ihr Heim und wandert über das Gebirge. Ist auch der Weg weit und rauh und steil, nichts kann sie schrecken. Ihr Leben ist in Gottes Hand, und sie trägt in sich den, der da ist Herr und Schöpfer der Welt. Wie schön singt der Volksmund: "Als das Kindlein durch den Wald getragen, da haben die Dornen Rosen getragen". Das ist der Glaube an den Segen von "Jesus und Maria", dass selbst die Natur diesen Segen erfahren musste.

Wie wird Elisabeth sich gefreut haben, als Maria sich ihrem Hause nahte. Da kam Hilfe in schwerer Zeit! Zwei junge Hände werden nun zufassen im Haus. Jetzt mag nach Gottes Willen ihre Stunde kommen, es wird alles gutwerden. Elisabeth weiß noch nicht, dass diese natürliche Hilfe das Geringste ist, was Maria ihr bringt. In dem Augenblick, da Maria ihr den Gruß entbietet, erfährt sie den übernatürlichen Segen dieser gebenedeiten Jungfrau und Mutter. Ihr Kindlein Johannes ist der erste Mensch, den der Gottessohn durch Maria segnet und heiligt.

Erfüllt vom Heiligen Geiste, erkennt Elisabeth die hohe Gnade, die ihr und ihrem Kinde zuteil wird. Ihr Gegengruß ist deshalb nicht mehr ein Dank für die menschliche Hilfe, die Maria bringt - er wird zu einem Lobpreis der Mutter des Lebens, zu einem ehrfürchtigen Gruß an die Mutter des Erlösers. "Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes! Wie habe ich verdient, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?"

O selige Stunde! Evas Bannfluch ist gebrochen. Der Erlöser schreitet durch die Welt. Mutterliebe trägt ihn hinaus, dass er die Menschen segne und heilige.

In Ehrfurcht neigen auch wir uns vor dieser Mutter - und nicht nur vor dieser, nein, vor jeder Mutter! In Maria und ihrem Kinde sind alle Mütter gesegnet, haben alle ihre Mutterweihe empfangen. In Ehrfurcht gedenken wir auch imnmer unserer leiblichen Mutter, die nach Gottes Willen uns getragen hat. Allzeit danken wir ihr für ihre Mutterliebe und für für ihren Muttersegen. Jede Mutter auf Erden empfängt ihr Kindlein als ein Geschenk von Gott. In sorgender Liebe soll sie es hüten und vor allem Unheil des Leibes bewahren. In heiliger Liebe soll sie es segnen, damit es werde ein heiliges Gotteskind. Dann mag sie einst froh hintreten zu Gott und ihm ihr Kind zurückgeben. Die Frucht ihres Leibes ist dann geworden köstliche Frucht für den Himmel.

Wir beten ein Ave Maria und bitten die Gottesmutter um ihren Muttersegen:
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir!
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: Jesus!
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.


Deine Mutterschaft, jungfräuliche Gottesmutter,
hat der ganzen Welt Freude bereitet.
Denn aus dir ist hervorgegangen die Sonne der Gerechtigkeit:
Christus unser Gott!
(II. Vesper zum Muttergottesfest)


Gebet:
O Gott, der du gewollt hast, dass durch die heilige Mutter Maria der Welt Segen gebracht werde, lass auch uns, wir bitten dich, dieses Segens teilhaftig werden. Segne besonders alle Mütter auf Erden, dass sie ihr heiliges Mutteramt gut verwalten. Für all ihre Mühen aber schenke ihnen einst den ewigen Lohn deiner Herrlichkeit. Amen.

Maria mit dem Kinde lieb',
uns allendeinen Segen gib! Amen.


Maiandachtsbüchlein für Kirche und Haus von Pfarrer Joseph Willmes; A. Laumannsche Verlagsbuchhandlung Dülmen /Westf.;  AD 1935; S. 42-45 (mit kleinen Änderungen); (s. Quellen)




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