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Mittwoch, 30. Januar 2013

Die Flucht vor dem Weiblichen

Unter der Flagge des Aggiornamento, doch ohne sachlichen Zusammenhang mit ihm, es sei denn, der neuen Redefreiheit, drängt sich eine auffallende Überbetonung des Maskulinen in der Kirche vor. (Übrigens auch von vielen Frauen bejubelt und nachgeahmt.) Das einseitige Hochspielen einer Mentalität, die Karl Stern als die "cartesianische" beschreibt.

"Moderne Wissenschaftsgläubigkeit; der naive und gefahrvolle Glaube an die totale Machbarkeit, der Absolutismus der wissenschaftlichen Methode, verbunden mit einer Entwertung der Weisheit, die aus anderen Quellen lebt; ehrfurchtsloses Verhaten zum Mysterium; der Geschmack am Organisatorischen, der den Sinn fürs Organische überwuchert."

Kein Wunder wenn diese Mentalität alles, was ihr widerspricht und widersteht, als Mythos Magie, Aberglauben, Sentimentalität, als infantil und archaisch abtut.

Sie stellt eine erstaunliche Flucht vor dem Weiblichen dar - wie es die Stichworte andeuten: Geist des Empfangens, Bewahrens, organisches Wachstum, stille Ehrfurcht, Intuition, Ahnung, Sympathie, Weisheit. Flucht vor dem Weiblichen in der Welt und im Geistbereich, vor allem aber im Manne selbst.

Diese Ablehnung kristallisiert und mobilisiert sich im Aufruhr gegen eine der größten "weiblichen" Gestalten in der Welt: die Kirche, die Mutter Kirche.


Ida Friederike Görres in: Im Winter wächst das Brot; Johannes Verlag Einsiedeln; AD 1970; S. 83f

(Hervorhebung durch Fettdruck von FW)


Hier die sehr aufschlussreiche und lesenswerte Zusammenfassung des oben erwähnten Buches "Die Flucht vor dem Weiblichen - Eine Pathologie des Zeitgeistes" von Karl Stern

 Ein kleines Zitat daraus:
"Leo Tolstoj meinte einmal, die Wahrheit über die Frau könne man nur sagen, wenn man schon mit einem Fuß im Grabe stehe. Was meinte er damit? Doch wohl dies: daß die Wahrheit über das Weibliche das Unsagbare sei, daß diese Wahrheit mit einem Geheimnis verbunden sei. Gertrud von le Fort schrieb, das Bild des Unsichtbaren, Anonymen, Verschleierten sei Teil des ewigen Bildes der Frau.  "

Dienstag, 13. November 2012

Mythos Scientismus

Der Apostel Paulus nennt den Glauben ein "rationabile obsequium" einen "vernünftigen Gehorsam". Es gab in der frühen Neuzeit das Problem, dass es so schien, als ob die Vernunft, die aufgeklärte Vernunft, den Glauben unmöglich mache.

Heute ist die Situation ähnlich, nur umgekehrt: Der Scientismus, die Wissenschaftsgläubigkeit der Gegenwart, führt eigentümlicherweise dazu, dass der Vernunft nicht mehr getraut wird, d. h. so etwas wie Wahrheit soll es nicht geben; das letzte Wort soll der Relativismus sein: die Vernunft ist eigentlich ohnmächtig, die Wahrheit zu erkennen.

Jetzt sind es die Gläubigen, die paradoxerweise die Fähigkeit der Vernunft verteidigen. Wenn Sie heute jemanden finden, der mit Nachdruck die Wahrheitsfähigkeit der Vernunft behauptet, können Sie beinahe schon annehmen, dass es ein Katholik ist.

Da wo Gott geleugnet wird, bricht am Ende auch die Vernunft zusammen. Wer das am deutlichsten gesehen und ausgesprochen hat im 19. Jahrhundert war Friedrich Nietzsche. Friedrich Nietzsche schreibt einmal, "dass auch wir Aufklärer, wir freien Geister des 19. Jahrhunderts, noch unser Feuer nehmen aus dem Brand, den der Christenglaube entzündet hat - der auch der Glaube Platons war - dass Gott die Wahrheit, dass die Wahrheit göttlich ist".

Und dann sagt Nietzsche: Wenn dieser Glaube an die Göttlichkeit der Wahrheit schwindet, dann zerstört sich die Aufklärung selbst - denn die Aufklärung war angetreten mit dem Pathos der Wahrheit. Sie will die Menschen aufklären darüber, wie es in Wirklichkeit ist.

Nietzsche sagt: Und wenn es dann Gott nicht gibt, gibt es keine Wahrheit, sondern es gibt nur die individuellen Perspektiven jedes einzelnen Menschen ohne Wahrheitsanspruch - und das bedeutet die Selbstzerstörung der Aufklärung.

Dann gibt es auch keine Aufklärung mehr, sondern an die Stelle tritt dann ein Zeitalter neuer Mythen, eine Abdankung des Denkens, ein Zusammenbruch des Denkens - weil: entweder ist das Universum und ist der Mensch ein Wesen, hinter dem eine Absicht steht oder es ist alles ein Zufallsprodukt. Dann ist aber auch unser Denken ein Zufallsprodukt und hat mit Wahrheit garnichts zu tun.

Der Philosoph Robert Spaemann im Gespräch mit Radio Vatikan
(Das ganze Interview kann man HIER nachhören und HIER nachlesen.)

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Das Dasein eines Schöpfers zu leugnen, ist größerer Unsinn als der finsterste Aberglaube.

Gottfried Keller

Freitag, 9. November 2012

Die Wahrheit ist mehr als Naturwissenschaft


“Der Mensch muss sich offen halten für den Gedanken, dass die Naturwissenschaft nicht die ganze Wahrheit über die Natur aussagt.”

Hans Jonas (Philosoph, 1903-1993)

Foto: Sunset; privat
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