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Dienstag, 3. Dezember 2013

Advent - Ankunft des Herrn!

Die vier Wochen vor Weihnachten heißen Advent (adventus = Ankunft), d.i. Ankunft des Herrn; durch sie werden nämlich die 4000 Jahre vor der Ankunft Christi vorgestellt. Die Adventszeit, die uns an das Elend der Heiden und an den Sündenfall erinnert, galt stets als eine Zeit der Buße; daher bestand schon frühzeitig (um 480) die Vorschrift, im Advente dreimal wöchentlich zu fasten.

An den Adventsonntagen werden die Bußpredigten Johannes des Täufers vorgelesen; auch wird die Messe in violetter Farbe dargebracht. Wenn am ersten Adventsonntage das Evangelium vom Jüngsten Gericht vorgelesen wird, so will uns die Kirche gleich zu Beginn des Kirchenjahres auf unser letztes Ziel und Ende aufmerksam machen.

Der Advent schließt am 24. Dezember mit dem Gedenktage der Stammeltern Adam und Eva. Die Kirche will durch diese Gegenüberstellung des ersten Adam (am 24. Dez.) uns an die große Erbarmung Gottes erinnern, die sich in der Menschwerdung zeigte.

Der Advent fällt in die Zeit, wo es in der Natur finster und kalt ist, weil es in den viertausend Jahren vor Christus finster im Geiste und kalt in den Herzen der Menschen war. (Man denke nur an den Götzendienst, an die Sklaverei und die Menschenopfer.) 

Die freudigen Roratemessen, die täglich im Advent zeitlich früh gelesen werden, sollen zum Ausdrucke bringen, dass mitten in den Finsternissen des Heidentums die Patriarchen und das auserwählte Volk das Licht des wahren Glaubens hatten und sich auf den Erlöser freuten, sehnsuchtsvoll flehend: "Tauet (rorate), Himmel, den Gerechten! Wolken regnet ihn herab!" (Is 45,8) 

Mitten in den Advent fällt das Fest der unbefleckten Empfängnis (8. Dez.) weil man in den viertausend Jahren vor Christus auf jenes sündenreine Weib wartete, das der Schlange den Kopf zertreten sollte.


aus: Katholischer Volks-Katechismus; Franz Spirago; AD 1926; S. 123f

Donnerstag, 22. August 2013

Der Arme

Hast du den Bruder gesehen
arm und scheu vorübergehen?
Oder sagst du: Ich kenne ihn nicht! -
Wer weiß, was er trieb
da wir uns verdienten
mit Mühe und Fleiß
Wohlstand und Erdenglück - - - ?
Wer weiß - - - ?

Ach, sieh ihn an und ruf ihn zurück.
Und war er nicht so fest wie du,
wirf keinen Stein.
Sind wir nicht alle Bettler vor Gott? - 
Wie müsste das sein
machte der Herr uns die Türe einst zu
ohne Erbarmen im letzten Gericht
und sagte desgleichen:
Ich kenne dich nicht! -


Maria Nels


auch von Maria Nels:
Sie brauchen dich

Montag, 26. November 2012

"Wer nicht glaubt, wird verdammt werden!"

Der göttliche Skandal

(...) Durch alle Jahrtausende stehen die Gläubigen - Priester wie Laien - unter dem Königtum Christi, unter seinem Hohepriestertum.

Das Ärgernis, das Jesus Christus für seine Zeit darstellte, geht von ihm über auch auf den jüngsten Kaplan, der sich auf die Kanzel stellt.

Oft sieht er auf den Kirchenbänken neben den Heiligen auch die flauen Sonntagsspießer mit ihren eingefrorenen Herzen, ein paar Dreigroschenmetaphysiker und eitle Allround-Typen, die ihn nur kritisieren wollen.

Er bebt, wenn er an ihr ewiges Leben denkt, das sie verschüttet, zertrampelt, verludert haben und will sie wachrütteln, herausreißen aus ihrer Gleichgültigkeit:
"Wer nicht glaubt, wird verdammt werden!"
Und sie schauen zu ihm auf. Sie empören sich innerlich. Mit Höllenpredigten lassen sie sich in ihrer Gemütsruhe nicht anrempeln - im Zeitalter der Toleranz.

Nach dem Gottesdienst gehen ein paar anderweitig orientierte Brüder auf ihn zu. Sie stellen ihn zur Rede wegen seiner inquisitorischen Ausführungen.

Der Kaplan schlägt die Heilige Schrift auf. Sie ist Gottes Wort. Von der Bergpredigt des hl. Matthäus bis zur Geheimen Offenbarung des hl. Johannes zeigt er ihnen die unwiderruflichen Sätze von der Verdammung derer, die sich gegen Gott stellen.

Und der Kaplan beruft sich auf die Bischöfe, die ihm die Hand aufgelegt haben, damit er dieses heilige Evangelium verkündet.


Manche Grauköpfe, die sich diesen Übereifer anhören, sind mehr als doppelt so alt wie er. Das lassen sie sich von ihm nicht bieten.

Der Diözesanbischof bekommt eine Beschwerde wegen dieses geistlichen Neulings in der Gemeinde mit seinen intoleranten Ansichten.

Doch der Bischof bestätigt die Worte des Kaplans mit der Autorität derer, die ihm die Hand aufgelegt haben.

Und der Pöbel, der die "Schwarzen" möglichst klein sehen möchte, gibt sich nicht zufrieden. Er spürt den Vorgängen nach, die ja schließlich schuld sind an der Anmaßung jenes Kaplans.

Im spanischen Bürgerkrieg wurden solche Bischöfe aus den Gräbern gerissen. Man stellte ihre Skelette höhnisch vor steinerne Stufen und zog sie dort zur "Rechenschaft".

Um jedes Skelett hing die offene Stola, das Zeichen priesterlicher Gewalt. Der Sprache nicht mehr fähig standen sie vor dem Geifer der haßerfüllten Revolutionäre - im Tode noch Zeugen und Bekenner ihres Glaubens.

Auch diese toten Bischöfe sind nicht der Ursprung jener heiligen Intoleranz, mit der sie ihre Botschaft verkündeten. Wenn sie reden könnten, sie würden in heiliger Sicherheit hinweisen auf die ununterbrochene Kette der Bischöfe, die bis zu den ersten Aposteln zurückreicht: bis zu jenen Aposteln, denen Christus selbst die Macht und die Amtsgewalt gegeben hat.

Aber nicht nur in eine dunkle Vergangenheit geht dieser Weg: vom Kaplan, zum Bischof, zu den Aposteln.

Er führt auch in die Zukunft, in den Jüngsten Tag hinein. Dort wird der Pöbel schweigen vor jenem Jesus Christus, der auf Erden wie seine Apostel verfolgt wurde, der aber in der Ewigkeit der Weltenrichter sein wird.

Und dann wird der göttliche Hohepriester jene Worte des Evangeliums sprechen, die in seinem Auftrag verkündet wurden.


Pater Leppich in: Atheistenbrevier; Verlag Butzon u. Bercker Kevelaer; AD 1967; S. 147-149 (s. Quellen)


Weiteres zum Thema: 

Montag, 5. November 2012

Tod und christlicher Glaube

"Am Ende des Lebens nimmt uns der Tod alles Irdische, aber er nimmt uns nicht jene Gnade und jenen sakramentalen »character«, kraft derer wir unlösbar mit dem Ostergeheimnis unseres Herrn und Erlösers verbunden sind.

Der Getaufte hat alles abgelegt, aber Christus angezogen: So überschreitet er die Schwelle des Todes und tritt vor das Angesicht des gerechten und barmherzigen Gottes. Um das bei der Taufe erhaltene weiße Gewand von jeder Unreinheit und jedem Makel zu reinigen, bringt die Gemeinschaft der Gläubigen das eucharistische Opfer für diejenigen dar, die der Tod gerufen hat, aus der Zeit in die Ewigkeit hinüberzugehen, und betet für sie.

Für die Verstorbenen zu beten, ist ein edler Brauch, der den Glauben an die Auferstehung der Toten voraussetzt, so wie es uns die Heilige Schrift und in ganzer Fülle das Evangelium offenbart haben."

Papst Benedikt XVI. bei der Predigt am 04.11.2006



O Herr, gib den verstorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe 

und das ewige Licht leuchte ihnen.
Herr, lass sie ruhen in Frieden.
Amen.

Samstag, 6. Oktober 2012

Es ist den Menschen bestimmt, einmal zu sterben, und dann kommt das Gericht

Hebr 9,27 – eine kleine Katechese über das Sterben

Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

Oft erkennen wir staunend die Aktualität und Tragweite einzelner Schriftstellen. Sie scheinen wie für unsere Zeit geschrieben, um Antwort auf brennende Fragen zu geben. Ein Beispiel dafür ist der 27. Vers aus dem 9. Kapitel des Hebräerbriefes. Herausgelöst aus dem Satzgefüge, das ihn mit dem darauffolgenden Vers verbindet, lautet er: „Es ist den Menschen bestimmt, einmal zu sterben, und dann kommt das Gericht.“

Schon beim ersten Hinschauen ist ersichtlich, welche ehernen Wahrheiten hier angesprochen werden, nämlich Tod und Gericht. Sie gehören dem Themenkreis der sogenannten Letzten Dinge an, der in der durchschnittlichen Verkündigung und im Denken vieler Christen recht unterbelichtet ist. Allein schon deshalb steht die Bedeutung von Hebr 9,27 außer Frage.

Betrachten wir den Vers aber genauer, dann fällt unser Blick bald auf die Worte „bestimmt“ und „einmal“, die uns zunächst eher nebensächlich vorkommen, die aber auf dem Hintergrund gewisser Entwicklungen und Diskussionen der Gegenwart ihre ganze Brisanz offenbaren.

1) Da ist zunächst die Aussage, es sei uns „bestimmt“, zu sterben. Man fragt sich: Ist der Tod denn wirklich eine unüberwindbare Bestimmung? Oder wird es der rasant fortschreitenden Wissenschaft gelingen, den Menschen in seinem Erbgut derart zu perfektionieren, dass er eines Tages nicht mehr dem Gesetz des Sterben-Müssens unterliegt? Lange schon geistert dieser Traum durch die Geschichte, jetzt aber scheint seine Erfüllung in greifbare Nähe gerückt zu sein.

Hebr 9,27 erstickt solche falschen Hoffnungen im Keim. Die Formulierung „Es ist dem Menschen bestimmt“ verweist eindeutig auf den Herrn und Schöpfer, der als einziger eine solche Bestimmung verfügen kann. Zwar ist der Tod nicht Gottes Werk, sondern das Ergebnis des menschlichen Abfalls von Seinem Willen, der „Sold der Sünde“ (Röm 6,23). Aber seither steht das Gesetz des Todes unverrückbar da, und jeder Versuch, es außer Kraft zu setzen, ist und bleibt nach Aussage der Schrift zum Scheitern verurteilt. Zu unserem eigenen Glück! Denn die Unsterblichkeit der Menschen würde die gefallene Welt zweifelsohne in eine unerträgliche Hölle verwandeln...

2) Die zweite vieldiskutierte Frage wird in Hebr 9,27 mit dem Wort „einmal“ angesprochen. Man darf es nicht verstehen wie in dem Satz: „Ich gehe einmal nach Rom und besichtige den Petersdom“ (was ja nicht ausschließt, dass man Rom auch noch weitere Male besucht). Vielmehr ist „einmal“ hier eindeutig gleichbedeutend mit „ein einziges Mal“. Das ergibt sich ebenso aus der Wortwahl des griechischen Urtextes wie aus dem Zusammenhang, in dem die Aussage steht: „Und gleichwie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, und dann kommt das Gericht, so wurde auch Christus ein einziges Mal geopfert, um die Sünden vieler hinwegzunehmen...“

Folglich erteilt das Wörtchen „einmal“ den fernöstlich und esoterisch inspirierten Vorstellungen von Seelenwanderung und Wiederverkörperung (Reinkarnation), die derzeit auch unter Christen grassieren, eine Absage. Ein einziges Mal – und nicht einige Male – stirbt der Mensch, um danach vor das persönliche Gericht Gottes zu treten! Diese Einmaligkeit hat auch Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben Tertio Millenio Adveniente vom 10. November 1994 in Erinnerung gerufen: "Die christliche Offenbarung schließt Reinkarnation aus und spricht von einer Vollendung, die im Laufe eines einzigen Erdendaseins zu verwirklichen der Mensch berufen ist." (Nr. 9)

Viele Argumente stehen gegen die Reinkarnation. So könnte man nicht mehr von der Identität und Individualität der menschlichen Person sprechen, wenn sich ein und dieselbe Seele im Laufe der Zeit als Krieger unter Dschingis Khan, als Stoffhändler zur Zeit Alexanders des Großen, als Hofdame Kleopatras, als Sklavin eines Kalifen von Bagdad, als buddhistischer Mönch in Tibet und augenblicklich als Schreiber dieser Zeilen verkörpern würde.

Vor allem aber nimmt die Vorstellung der Reinkarnation der menschlichen Existenz den Ernst sittlicher Verantwortung und Verbindlichkeit. Denn da sich unser Leben in immer neuen Anläufen abspielen würde, entstünde eine Lage, vergleichbar der eines Schülers, der darum weiß, dass er die Schulklasse beliebig oft (und in verschiedener Gestalt) durchlaufen kann, bis er irgendwann einmal das Klassenziel erreicht hat. Dadurch verlieren die einzelnen Hausaufgaben und Prüfungen ihre Bedeutung. Ebenso hätten menschliche Verfehlungen, ja selbst die schlimmsten Verbrechen angesichts der Wiederverkörperung letztlich kein Gewicht, sondern würden gänzlich relativiert. Was könnte dem gesunden Menschenverstand und der christlichen Sichtweise von unserem Leben radikaler widersprechen?

Somit enthält der Vers Hebr 9,27 eine ganze Katechese über die Letzten Dinge: „Es ist den Menschen bestimmt, einmal zu sterben, und dann kommt das Gericht.“ 




Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)

Montag, 27. August 2012

Lieber ein Saulus als ein Simon Magus

Ich glaube, dass die Anbeter des Mammon vor dem Richterstuhl Christi schlechter bestehen werden als die irrenden Eiferer.


John Henry Newman
(in der Predigt "Kampf zwischen Wahrheit und Irrtum in der Kirche"; 17.Mai 1835)


Foto: Christus König; Fenster in Leicester Cathedral; Lawrence OP

Samstag, 11. August 2012

Eine einmalige Chance (Anmerkung zur Reinkarnation)

Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

Hebr 9,27 – eine kleine Katechese über das Sterben

Oft erkennen wir staunend die Aktualität und Tragweite einzelner Schriftstellen. Sie scheinen wie für unsere Zeit geschrieben, um Antwort auf brennende Fragen zu geben. Ein Beispiel dafür ist der 27. Vers aus dem 9. Kapitel des Hebräerbriefes. Herausgelöst aus dem Satzgefüge, das ihn mit dem darauffolgenden Vers verbindet, lautet er: „Es ist den Menschen bestimmt, einmal zu sterben, und dann kommt das Gericht.“

Schon beim ersten Hinschauen ist ersichtlich, welche ehernen Wahrheiten hier angesprochen werden, nämlich Tod und Gericht. Sie gehören dem Themenkreis der sogenannten Letzten Dinge an, der in der durchschnittlichen Verkündigung und im Denken vieler Christen recht unterbelichtet ist. Allein schon deshalb steht die Bedeutung von Hebr 9,27 außer Frage.

Betrachten wir den Vers aber genauer, dann fällt unser Blick bald auf die Worte „bestimmt“ und „einmal“, die uns zunächst eher nebensächlich vorkommen, die aber auf dem Hintergrund gewisser Entwicklungen und Diskussionen der Gegenwart ihre ganze Brisanz offenbaren.

1) Da ist zunächst die Aussage, es sei uns „bestimmt“, zu sterben. Man fragt sich: Ist der Tod denn wirklich eine unüberwindbare Bestimmung? Oder wird es der rasant fortschreitenden Wissenschaft gelingen, den Menschen in seinem Erbgut derart zu perfektionieren, dass er eines Tages nicht mehr dem Gesetz des Sterben-Müssens unterliegt? Lange schon geistert dieser Traum durch die Geschichte, jetzt aber scheint seine Erfüllung in greifbare Nähe gerückt zu sein.

Hebr 9,27 erstickt solche falschen Hoffnungen im Keim. Die Formulierung „Es ist dem Menschen bestimmt“ verweist eindeutig auf den Herrn und Schöpfer, der als einziger eine solche Bestimmung verfügen kann. Zwar ist der Tod nicht Gottes Werk, sondern das Ergebnis des menschlichen Abfalls von Seinem Willen, der „Sold der Sünde“ (Röm 6,23). Aber seither steht das Gesetz des Todes unverrückbar da, und jeder Versuch, es außer Kraft zu setzen, ist und bleibt nach Aussage der Schrift zum Scheitern verurteilt. Zu unserem eigenen Glück! Denn die Unsterblichkeit der Menschen würde die gefallene Welt zweifelsohne in eine unerträgliche Hölle verwandeln...

2) Die zweite vieldiskutierte Frage wird in Hebr 9,27 mit dem Wort „einmal“ angesprochen. Man darf es nicht verstehen wie in dem Satz: „Ich gehe einmal nach Rom und besichtige den Petersdom“ (was ja nicht ausschließt, dass man Rom auch noch weitere Male besucht). Vielmehr ist „einmal“ hier eindeutig gleichbedeutend mit „ein einziges Mal“. Das ergibt sich ebenso aus der Wortwahl des griechischen Urtextes wie aus dem Zusammenhang, in dem die Aussage steht: „Und gleichwie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, und dann kommt das Gericht, so wurde auch Christus ein einziges Mal geopfert, um die Sünden vieler hinwegzunehmen...“

Folglich erteilt das Wörtchen „einmal“ den fernöstlich und esoterisch inspirierten Vorstellungen von Seelenwanderung und Wiederverkörperung (Reinkarnation), die derzeit auch unter Christen grassieren, eine Absage. Ein einziges Mal – und nicht einige Male – stirbt der Mensch, um danach vor das persönliche Gericht Gottes zu treten! Diese Einmaligkeit hat auch Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben Tertio Millenio Adveniente vom 10. November 1994 in Erinnerung gerufen: "Die christliche Offenbarung schließt Reinkarnation aus und spricht von einer Vollendung, die im Laufe eines einzigen Erdendaseins zu verwirklichen der Mensch berufen ist." (Nr. 9)

Viele Argumente stehen gegen die Reinkarnation. So könnte man nicht mehr von der Identität und Individualität der menschlichen Person sprechen, wenn sich ein und dieselbe Seele im Laufe der Zeit als Krieger unter Dschingis Khan, als Stoffhändler zur Zeit Alexanders des Großen, als Hofdame Kleopatras, als Sklavin eines Kalifen von Bagdad, als buddhistischer Mönch in Tibet und augenblicklich als Schreiber dieser Zeilen verkörpern würde.

Vor allem aber nimmt die Vorstellung der Reinkarnation der menschlichen Existenz den Ernst sittlicher Verantwortung und Verbindlichkeit. Denn da sich unser Leben in immer neuen Anläufen abspielen würde, entstünde eine Lage, vergleichbar der eines Schülers, der darum weiss, dass er die Schulklasse beliebig oft (und in verschiedener Gestalt) durchlaufen kann, bis er irgendwann einmal das Klassenziel erreicht hat.

Dadurch verlieren die einzelnen Hausaufgaben und Prüfungen ihre Bedeutung. Ebenso hätten menschliche Verfehlungen, ja selbst die schlimmsten Verbrechen angesichts der Wiederverkörperung letztlich kein Gewicht, sondern würden gänzlich relativiert. Was könnte dem gesunden Menschenverstand und der christlichen Sichtweise von unserem Leben radikaler widersprechen? Somit enthält der Vers Hebr 9,27 eine ganze Katechese über die Letzten Dinge: „Es ist den Menschen bestimmt, einmal zu sterben, und dann kommt das Gericht.“


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)  

Dienstag, 17. Januar 2012

Wider "die arglosen Sänger eines Paradieses, dessen Türen für alle offenstehen"


"Ich denke oft an die "enge Tür und an den steilen Weg", die dorthin (Anm.: zum Himmel) führen. Jesus spricht ja nicht nur einmal davon.

Ich schwimme damit auch hier gegen den Strom jenes uns bekannten sentimentalen "Katholizismus à la Gitarre", wenn ich sage: Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich fürchte nur das Gericht. Und der "erwachsene und "moderne" Christ, der daran vielleicht Anstoß nimmt, zeigt damit, daß er das Evangelium schon lange nicht mehr gelesen hat.

Das ist eine zugleich (natürlich et-et) tröstliche und beunruhigende Botschaft. Sie ist jedenfalls zu ernst, als dass man sie einfach den etwas arglosen Sängern eines Paradieses überlassen könnte, dessen Türen für alle offen stehen und auf dessen Schwelle der gutmütige Vatergott alle erwartet."
aus: Vittorio Messori im Gespräch mit Michele Brambilla in "Der Gläubige hat recht", AD 2001 (s. Quellen)


Freitag, 28. Oktober 2011

Zum Nachdenken - Gut und Böse (2)

 
Verliert ein Mensch den Glauben an Gott, dann muß er um so hastiger nach dieser Welt greifen und darin zu erwischen trachten, was er nur fassen und möglicherweise behaupten kann.
Scheut der Mensch Gott nicht mehr, dann fürchtet er auch sonst nichts mehr, weder Gericht noch Vergeltung, weder Hölle noch Ewigkeit.

Adolf Kolping  
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