"Welch ein klägliches Kirchenbewußtsein offenbart sich, wenn der
Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz behauptet, die katholische
Kirche in Deutschland sei keine Filiale Roms, um mit dieser Aussage
eigene deutsche Lösungen in Bezug auf die Probleme anzudeuten, die im
kommenden Oktober auf der Ordentlichen Bischofssynode zum Thema Ehe und
Familie behandelt werden! Welch ein Mangel an theologischer
Verantwortung zeigt sich, wenn sich Bischöfe Theologen anvertrauen, die
seit vielen Jahren die katholische Lehre und Moral zersetzen!"
(Prof. em. Hubert Windisch)
Die Lage der katholischen Kirche in Deutschland ist desolat: Glaubensschwund, abgefallene und schismatisch-gesinnte Priester* und Bischöfe** (wobei es, das darf nicht vergessen werden, auch Ausnahmen gibt) und kein Wille für eine zukunftsträchtige Reform in Sicht.
Offensichtlich will man an verantwortlicher Stelle nicht die Bedürfnisse des Kirchenvolkes nach authentischer Verkündigung und Erneuerung einer Spiritualität, die zur Heiligkeit ruft und führt, nicht erkennen - oder man ist inzwischen so verblendet, dass man dies selbst nicht mehr als not-wendig betrachtet. Ja, man ist darauf aus, sich den zeitgeistigen aber der Lehre Jesu widersprechenden Strömungen in der Gesellschaft zu ergeben und sich in dieser Welt recht gemütlich einzurichten.
Nicht nach Höherem soll der Mensch mehr streben, sondern er soll so (schlecht) bleiben, wie er ist, denn Gott liebt ihn sowieso und alles andere sei ohnehin nur Heuchelei. Das Böse wird gut, das Gute bös genannt, alles Bisherige wird auf den Kopf gestellt.
In dieser Situation braucht es Gläubige, die mutig auf die Misere hinweisen und deutliche Worte finden. Auch diese gab es in den vergangenen Wochen immer wieder - Gott sei Dank! Ein herausragendes Beispiel sind die Ausführungen des Pastoraltheologen Prof. em. Hubert Windisch, die am 10.02. und 01.03.2015 in einem zweiteiligen kath.net-Kommentar mit den Überschriften "Bischöfliche Irrlichter" und "Ein klägliches Kirchenbewusstsein" veröffentlicht wurden. Herzliche Leseempfehlung!
Es wird komplizierter in der Kirche durch das "Hausrecht des Unglaubens" und das latente Schisma wird immer offensichtlicher:
Gründe, nicht mehr in der Kirche zu sein, gibt es heute viele und gegensätzliche. Der Kirche den Rücken zu kehren, fühlen sich heute nicht mehr bloß Menschen gedrängt, denen der Glaube der Kirche fremd geworden ist, denen die Kirche zu rückständig, zu mittelalterlich, zu welt- und lebensfeindlich erscheint, sondern auch Menschen, die die geschichtliche Gestalt der Kirche, ihren Gotesdienst, ihre Unzeitgemäßheit, den Widerschein des Ewigen in ihr liebten. Ihnen scheint, dass die Kirche dabei ist, ihr Eigentliches zu verraten, dass sie dabei sei, sich an die Mode zu verkaufen und damit ihre Seele zu verlieren: Sie sind enttäuscht wie ein Liebender, der den Verrat einer großen Liebe erleben muss und erwägen ernstlich, ihr den Rücken zu kehren.
Umgekehrt gibt es aber auch recht gegensätzliche Gründe, in der Kirche zu bleiben: In ihr bleiben nicht nur alle die, die unentwegt den Glauben an ihre Sendung festhalten, oder jene, die sich von einer lieben, alten Gewohnheit nicht lösen wollen (selbst wenn sie von dieser Gewohnheit wenig Gebrauch machen). In ihr bleiben heute mit größtem Nachdruck auch diejenigen, die ihr ganzes geschichtliche Wesen ablehnen und den Inhalt, den ihre Amtsträger ihr zu geben oder festzuhalten versuchen, mit Leidenschaft bekämpfen. Obwohl sie das, was die Kirche war und ist, beseitigen wollen, sind sie entschlossen, sich nicht aus ihr hinausweisen zu lassen, um aus ihr das zu machen, was sie ihrer Meinung nach werden soll.
aus: Joseph Ratzinger/ Benedikt XVI.: Credo für heute; Was Christen
glauben; Herder spektrum Bd. 5683; Herder Verlag Freiburg im Br.; AD
2006; S. 190f, aus: Das Credo der Kirche - Warum ich noch in der Kirche
bin, in: Hans Urs von Balthasar/ Joseph Ratzinger, Zwei Plädoyers.
Kösel-Verlag, München 1971, S. 57-75
Kirche ragt in ihrem soziologischen Radius nach noch immer weit über den Kreis der eigentlich Glaubenden hinaus und ist durch diese institutionalisierte Unwahrheit in ihrem wahren Wesen tief verfremdet. Die Publizitätswirkung des Konzils und die scheinbar möglich werdende Annäherung von Glaube und Nichtglaube, die die Berichterstattung fast zwangsläufig vortäuschte, hat diese Verfremdung aufs Äußerste radikalisiert: Der Beifall für das Konzil kam zum Teil auch von denjenigen, die selbst gar nicht vorhatten, Gläubige im Sinn der christlichen Überlieferung zu werden, aber einen "Fortschritt" der Kirche in Richtung auf ihren eigenen Entscheid als Bestätigung ihres Weges begrüßten.
Zugleich ist freilich auch in der Kirche selbst der Glaube in eine erregende Gärung geraten. das Problem der geschichtlichen Vermittlung lässt das alte Credo in ein schwer deutbares Zwielicht treten, in dem die Umrisse der Dinge sich verwischen; der Einspruch der Naturwissenschaften oder mehr noch dessen, was man für modernes Weltbild hält, tut das Seinige, um diesen Prozess zu verschärfen.
Die Grenzen zwischen Auslegung und Leugnung werden, gerade im Herzen des Ganzen, immer unkenntlicher: Was heißt "auferstanden von den Toten" eigentlich? Wer glaubt, wer legt aus, wer leugnet? Und hinter dem Streit um die Grenzen der Auslegung verschwindet zusehends das Antlitz Gottes. "Tod Gottes" ist ein ganz realer Prozess, der heute bis tief in die Kirche hineinreicht. Gott stirbt in der Christenheit, so scheint es. Denn wo Auferstehung zum Widerfahrnis eines in überholten Bildern empfundenen Auftrags wird, da handelt Gott nicht.
Handelt er überhaupt? Das ist die Frage, die auf dem Fuße folgt. Aber wer will so reaktionär sein, auf einem realistischen "Er ist auferstanden" zu bestehen? So ist dem ein Fortschritt, was der andere für Unglaube halten muss und das bislang Undenkliche wird normal, dass Menschen, die das Credo der Kirche längst verlassen haben, sich guten Gewissens als die wahrhaft fortgeschrittenen Christen ansehen. Für sie aber ist der einzige Maßstab, an dem die Kirche zu messen ist, die Zweckmäßigkeit, mit der sie funktioniert; freilich bleibt noch die Frage, was zweckmäßig ist und wozu das Ganze eigentlich funktionieren soll. Für Gesellschaftskritik, für Entwicklungshilfe, für Revolution? Oder für gemeindliche Feiern? Auf jeden Fall muss man von Grund auf neu anfangen, denn für all das war Kirche ursprünglich nicht gemacht und in ihrer gegenwärtigen Form ist sie ja wohl auch wirklich nicht funktionstüchtig dafür.
So steigt das Unbehagen bei Gläubigen und Ungläubigen. Das Hausrecht, das der Unglaube in der Kirche gewonnen hat, lässt beiden die Lage immer unerträglicher erscheinen; vor allem ist tragischerweise durch diese Vorgänge das Programm der Reform in eine merkwürdige und vielen kaum noch auflösbare Zweideutigkeit geraten.
aus: Joseph Ratzinger/ Benedikt XVI.: Credo für heute; Was Christen glauben; Herder spektrum Bd. 5683; Herder Verlag Freiburg im Br.; AD 2006; S. 195f, aus: Das Credo der Kirche - Warum ich noch in der Kirche bin, in: Hans Urs von Balthasar/ Joseph Ratzinger, Zwei Plädoyers. Kösel-Verlag, München 1971, S. 57-75
Eine Wahrheit, die man in den Auseinandersetzungen innerhalb und außerhalb der Kirche nie vergessen sollten:
Unser Glaube grenzt niemanden aus und diskriminiert niemanden. Aber aus ihm ergeben sich, wie schon zur Zeit der Apostel, immer auch klare Positionen. Positionen, die eine persönliche Entscheidung verlangen und zu denen die Menschen auch auf Distanz gehen können.
Es gehört zur Freiheit des Menschen, den Glauben der Kirche ablehnen zu können. Wenn dies geschieht, handelt es sich nicht um Ausgrenzung, sondern um eine Gewissensentscheidung. Und wenn die Kirche dennoch weiter ihren Glauben unverkürzt verkündigt, ohne ihn der Zeit anzupassen oder „weichzuspülen“, dann gehört dies nicht nur zum Auftrag, sondern auch zur Freiheit der Kirche – „gelegen oder ungelegen“, wie Paulus sagt.
Was ich damit sagen will: bei aller pastoralen Sanftmut oder Achtsamkeit darf es am Ende nicht darauf hinauslaufen, dass wir unsere eigene Freiheit, unseren Auftrag zur Glaubensverkündigung einschränken, nur weil heute vielleicht eine Mehrheit unsere Botschaft nicht mehr hören mag.
Seit gut einem halben Jahr ist der Salesianer Don Boscos und Dogmatiker Dr. Stefan Oster Bischof des Bistums Passau. Seitdem meldet sich der derzeit jüngste deutsche Oberhirte immer wieder mit deutlichen Klartexten zu Wort, sei es in Predigten oder in kurzen schriftlichen Erklärungen zu derzeit diskutierten und hinterfragten Haltungen und Lehren der Kirche.
Nun hat sich Bischof Oster zur Sexualmoral der Kirche geäußert: Er sei wiederholt -
auch auf FB - gefragt worden, wie er denn zu den verschiedenen
Spielarten der sexuellen Praxis der Menschen stünde. Er folge, so Oster, in seiner Antwort mit Überzeugung der
Position der Kirche...
Bischof Oster führt die Schwierigkeiten, die viele Gläubigen mit einem Leben nach Gottes Geboten und der Lehre der Kirche haben, zurück auf einen Mangel an christlichem Glauben, Mangel an realer Erfahrung von Bekehrung und Verwandlung in den "neuen Menschen" und einer nicht vollzogenen konkreten Erneuerung des Lebens in der Nachfolge Christi. Bischof Oster schreibt:
Der Glaube daran, dass Gott in Christus wirklich da ist, dass er uns real und schon in diesem Leben, berühren, heilen, verwandeln kann in neues, besseres, gottbezogenes und gottgefälliges Leben, dieser Glaube scheint, in unseren Breiten in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr zu verdunsten. Wie viele glauben wirklich noch, dass Christus das Leben eines Einzelnen tatsächlich im Hier und Jetzt spürbar erneuern kann? Wie viele glauben wirklich noch, dass sie durch Christus „neu geboren“ (Joh 3,3) sind, tatsächlich „neue Schöpfung“ (2 Kor 5,17) sind? Und zwar so, dass sie es an realen und konkreten Lebensvollzügen festmachen können? Die Schrift ist aber voll davon, dass die Brüder und Schwestern jetzt wo sie, den Glauben angenommen haben, ihrem alten Leben entronnen sind, ihrer Gefangenschaft in solchen Bedürfnissen, Trieben und Egoismen, die auf alles mögliche, aber nicht auf Gott hin orientiert waren (vgl. 1 Petr 1,14; 2 Petr 1,9, Hebr 10,32; 1 Thess 1,9; Kol 3,7; Eph 4,17-‐20 u.a.).
Wer hat in volkskirchlichen Breiten, in denen der Glaube von Jahr zu Jahr, von Generation zu Generation schwindet, denn noch die reale Erfahrung von Bekehrung und wer hätte konsequent auch noch zusätzlich das Bestreben, kraft einer geduldigen, beständigen, alltäglichen Bekehrung mit der Hilfe Gottes ein neuer Mensch, ein echter Christ zu werden? Einer, der Gott, der Christus kennt, der ihm wirklich nachfolgen, der sein Kreuz tragen will? Einer, der von ihm die Fülle und die Freude erwartet und diese nicht leicht verwechselt mit den Freuden, die nur diese´Welt gibt?,All das ist Kern einer christlichen Anthropologie und des christlichen Menschenbildes, von dem wir – ohne diesen Kern wahrzunehmen -‐ all zu schnell und damit oft auch allzu weich gespült in unserem gesellschaftlichen Diskurs reden.
Bischof Oster entlarvt auch das Gerede von einem anspruchs-losen Gott und seiner bedingungs-losen Erlösung des Menschen aus seiner misslichen Lage, aus der Verstrickung in Sünde und Schuld. Es reicht nicht aus, zu wissen und wahrzunehmen, dass Gott uns Erlösung geschenkt hat. Der Mensch muss die Erlösung auch annehmen, indem er sich bekehrt und umwandeln lässt. Nicht Gott muss sich dem Menschen anpassen, sondern der Mensch ist gerufen, Gottes Anspruch zum Heil(ig)-Werden ernstzunehmen. Das heißt nicht, dass Gott zwingt - nein, seine Liebe ist absichtslos -, aber wenn der Mensch ergriffen ist von der Liebe Gottes, so ist ihm Gottes Gesetz und Wille das Mittel, um dem Geliebten nahe zu sein, sich Gottes Willen anzugleichen und heil(ig) zu werden:
Wer hätte denn noch wirklich Ehrfurcht vor der Gegenwart Gottes in einem Gotteshaus? Wer fällt hier wirklich angesichts seiner Gegenwart noch voller ernsthafter Demut auf die Knie, weil er weiß, wer Gott ist und wer er selbst im Verhältnis zu diesem Gott ist? Und wer blendet umgekehrt nicht gerne die Tatsache aus, dass der vermeintlich so liebe Jesus in etwa einem Drittel seiner Worte im Neuen Testament Gerichtsworte spricht oder Gerichtsgleichnisse erzählt? Es sind Worte, in denen er den Menschen zur Entscheidung auffordert für ihn und zwar ganz und entschieden. Wer müht sich denn noch „mit Furcht und Zittern“ (Phil 2,12) um sein Heil, wie es Paulus nahe legt, weil nach der Schrift und aus der Sicht Jesu völlig ohne Zweifel die Möglichkeit besteht, auch verloren zu gehen? Viel mehr aber noch ist Paulus von der Hoffnung getragen, dass er, der Allmächtige, uns aus Liebe zu neuen Menschen machen will und schon damit begonnen hat.
In dem Augenblick aber, wo alle diese Erfahrungen eben keine mehr sind, nicht mehr nachvollziehbar sind, nicht mehr im Kirchenvolk erlebt, erzählt, tradiert werden, in dem Augenblick kann es im Grunde auch gar nicht mehr sein, dass wir einen Anspruch von Gott selbst an uns wahrnehmen. Einen Anspruch von dem, der uns heiligen will. Der Anspruch wird verdünnt und reduziert auf ein nur mehr gedachtes Gesetz, und von hier ist der nächste Schritt nur ein ganz kleiner, der dann sagt: „Das gedachte Gesetz hat sich die Kirche aus-‐gedacht, um uns zu knechtenUnd jetzt wo die Zeiten sich ändern, muss sie das Gesetz auch ändern!“ Der Anspruch,in der Kirche durch Gottes Gegenwart geheiligt zu werden, ist fast gänzlich in Vergessenheit geraten. Gutes Leben ist jetzt, was alle gut finden; die Gesellschaft als Messlatte für einen, hoffentlich nicht allzu zu anspruchsvollen Humanismus. Und nur die Kirche ist dann schlecht und von gestern, weil sie uns unser gutes, heutiges Leben nicht gönnt!
Säkularisierung bedeutet auch, "dass der innere Abstand der Menschen von Gott heute offenbar wieder größer geworden" sei. Dies bedeute eine Entfremdung von Gott, die aus Osters Sicht durch Bekehrung und erneute Hinwendung zum Gott des Lebens und das Bekenntnis zum menschgewordenen Gott in Jesus Christus überwunden werden kann.
Osters Bekenntnis im Hinblick auf die Sexuallehre der Kirche ist eindeutig:
[M]enschliche Sexualität [ist] in diese Bewegung der Heilung und Heiligung mit hineingenommen und bleibt gerade nicht davon unberührt. Und von diesem Anspruch her gibt es von Gott bejahte und konkret vollzogene sexuelle Aktivität in ihrer ganzheitlichen Zielrichtung auch nur ganz oder gar nicht. Das heißt nur und ausschließlich in einer Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, mit der Offenheit auf Lebensweitergabe, mit Verbindlichkeit und Treue und der Sorge um das gegenseitige Wohl der Ehepartner – bis zum Lebensende wenigstens eines der Partner.
Und:
Analoges zu dem, was eben über christliche Ehe gesagt wurde, gilt nun aber auch für diejenigen, die an Christus glauben, die seine Realpräsenz in unserer Welt bejahen, und beispielsweise keinen Partner finden oder etwa einen gleichgeschlechtlichen Partner ersehnen, weil sie Menschen mit homosexuellen Neigungen sind. (...) Ehrlicher, tiefer Glaube kann also beispielsweise dem Single helfen, ein froher Single zu bleiben und er kann dem Menschen mit homosexueller Neigung helfen, auch ohne die volle sexuelle Erfahrung erfüllt zu leben bzw. sich von Gott in ein Leben hinein führen zu lassen, das seinem Willen entspricht. Und er kann auch einem von seinem Partner getrennt lebenden Verheirateten die Kraft geben, diese Situation mit ihm zu tragen.
Damit bestätigt Bischof Oster die Feststellung Kardinal Scheffczyks in dessen Auseinandersetzung um Eucharistie, Ehesakrament und Zulassung zur Kommuniomn, dass es hier um eine Frage des Glaubens und des Unglaubens - bzw. des Glaubensmangels - geht. Was Scheffczyk mit Blick auf die Frage der Unauflöslichkeit der Ehe sagt, beklagt Oster in Bezug auf die Gesamthaltung des weitgehend von Gott entfremdeten Menschen zur Lehre der Kirche. Kardinal Scheffczyk schrieb in seiner Untersuchung "Eucharistie und Ehesakrament" Folgendes:
Wenn die Kirche dieser Haltung stattgeben und die Kommuniongemeinschaft erlauben würde, gäbe es in der Kirche Eheleute, die die Unauflöslichkeit der Ehe mit allen ihren bisweilen bis zur menschlichen Tragik reichenden Konsequenzen um der göttlichen Wertordnung willen festhalten, und andere, die überzeugt einer anderen Wertordnung folgen.
Hier stehen sich tatsächlich nicht mehr zwei verschiedene Gewissensentscheidungen gegenüber (was auch schon für das Wesen der Kirche manche peinliche Frage zuließe), sondern zwei veschiedene Wert- und Glaubensordnungen. Es stehen sich im Grunde Glaube und Unglaube (oder Glaubensmangel) gegenüber.
Die Kirche kann es nicht zulassen, daß in ihr völlig verschiedene Wertordnungen Geltung haben und verschiedene Glaubensauffassungen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Es ist dann nicht nur die Gefahr gegeben, daß die leichtere Praxis zahlenmäßig die Oberhand gewinnt, sondern daß aus dem materiellen Unglauben ein formaler wird.
Die Kirche könnte sich aber auch bei Gleichstellung des Glaubens mit dem materiellen Unglauben nicht mehr als Gemeinschaft der Glaubenden, der an einem Glauben Festhaltenden (vgl. Eph 4,5) bezeichnen.
Es lohnt sich, die "unzeitgemäßen Gedanken" des Bischofs von Passau in voller Länge zu lesen (ebenso wie die Lektüre von Kardinal Scheffczyk). Es wird sich zeigen, ob Bischof Oster seine Überzeugung auch gegen eine Bischofskonferenz, deren Bischöfe in der Mehrheit den Positionen Kardinal Walter Kaspers zustimmen und das Problem des Unglaubens bei Kirchenvolk und -leitung nicht sieht oder sehen wollen, durchsetzen kann. Vielleicht aber finden nun auch andere Bischöfe wieder Mut und folgen seinem guten Beispiel, die Lehre der Kirche authentisch zu verkünden, so wie es ihre Aufgabe wäre.
Warum der Missionsauftrag (vgl. Mt 28,19) auch heute gilt
Freude muss sich mitteilen. Liebe muss sich mitteilen. Wahrheit muss sich mitteilen. Wer eine große Freude empfangen hat, kann sie einfach nicht für sich behalten, er muss sie weitergeben.
Das Gleiche gilt für das Geschenk der Liebe, für das Geschenk der Einsicht in Wahrheit, die einem aufleuchtet. Als Andreas Christus begegnet war, konnte er einfach nicht anders, als seinem Bruder zu sagen: „Wir haben den Messias gefunden“ (Joh 1, 41). Und Philippus, dem die gleiche Begegnung geschenkt war, konnte nicht anders als dem Nathanael sagen, dass er den gefunden hatte, von dem Moses und die Propheten gesprochen hatten (Joh 1, 45).
Wir verkünden Jesus Christus nicht, um möglichst viele Mitglieder für unsere Gemeinschaft zu sammeln und schon gar nicht, um auf diese Weise Macht zu erhalten. Wir erzählen von ihm, weil wir die Freude weitergeben müssen, die uns geschenkt wurde.
Botschaft von Papst em. Benedikt XVI. an die Päpstliche Universität Urbaniana anlässlich der Eröffnung der restaurierten Aula Magna (21.10.2014)
Da es offensichtlich nicht nur bei einem (inzwischen zurückgetretenen) Benediktiner-Abt, sondern auch bei (katholischen) Pastoraltheologen und Medien-Benediktinern Unklarheit oder Unsicherheit darüber gibt, wo die Kirche Jesu Christi zu verorten ist, möchte ich Zeugnis von meinem katholischen Glauben ablegen, der besagt, dass die einzige Kirche Jesu Christi diejenige ist, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in
Gemeinschaft mit ihm geleitet wird. Insofern diese Kirche als die "römische" oder "römisch-katholische" bezeichnet wird, ist diese die einzige, nämlich die katholische Kirche.
In einfacher und verständlicher Sprache bringt dies z. B. das "Credo des Gottesvolkes" von Papst Paul VI. zum Ausdruck:
Wir glauben an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche,
die von Jesus Christus auf dem Felsen gegründet wurde, der Petrus ist.
Sie ist der mystische Leib Christi, von ihm sowohl als sichtbare
Gemeinschaft mit hierarchischem Aufbau wie auch als geistige
Gemeinschaft eingesetzt. Sie ist die Kirche hier auf Erden, das
pilgernde Gottesvolk.
Und sie ist die Kirche, die beschenkt ist
mit himmlischen Gütern – der Same und keimhafte Anfang des Reiches
Gottes, durch das sich Werk und Leiden der Erlösung in der Geschichte
fortsetzen und das seine Vollendung finden wird jenseits aller
Zeitlichkeit, in der ewigen Herrlichkeit (22). Der Herr Jesus Christus läßt
Seine Kirche in der Zeit Gestalt annehmen durch die Sakramente, die aus
Seiner göttlichen Fülle (23) hervorgehen. Durch sie haben die Glieder der
Kirche Anteil am Geheimnis Seines Todes und Seiner Auferstehung in der
Gnade des Heiligen Geistes, der Leben und Tun verleiht (24). Die Kirche ist
deshalb heilig, auch wenn sich in ihrer Mitte Sünder befinden, weil sie
selbst kein anderes Leben besitzt als das der Gnade. Das heißt, daß
sich ihre Glieder heiligen, wenn sie an ihrem Leben teilnehmen, und daß
sie, wenn sie ihr Leben preisgeben, der Sünde und Unordnung verfallen,
die den Glanz ihrer Heiligkeit verdunkeln. Deshalb leidet und büßt die
Kirche für diese Verfehlungen. Sie hat die Gewalt, ihre Gläubigen davon
zu heilen: durch das Blut Christi und die Gabe des Heiligen Geistes.
Sie
ist dem Geiste nach Erbin der göttlichen Verheißungen und Tochter
Abrahams, durch jenes Israel, dessen heilige Schriften sie in Liebe
bewahrt und dessen Patriarchen und Propheten sie in Ehrfurcht gedenkt.
Sie ist auf die Apostel gegründet und gibt im Nachfolger des heiligen
Petrus und in den Bischöfen, die sich in Gemeinschaft mit ihm befinden,
deren immerdar lebendiges Wort und deren Hirtengewalt durch die
Jahrhunderte weiter. Unter dem immerwährenden Beistand des Heiligen
Geistes hat die Kirche die Aufgabe, jene Wahrheit zu bewahren, zu
lehren, auszulegen und in der Welt zu verkündigen, die Gott in
verhüllter Weise durch die Propheten und in ihrer ganzen Fülle durch
unseren Herrn Jesus Christus geoffenbart hat.
Wir
glauben alles, was im geschriebenen oder überlieferten Gotteswort
enthalten ist und was die Kirche als von Gott geoffenbarte Wahrheit zu
glauben vorlegt: entweder durch eine feierliche Glaubensentscheidung
oder durch das ordentliche und allgemeine Lehramt (25). Wir glauben an die
Unfehlbarkeit, die dem Nachfolger des heiligen Petrus zukommt, wenn er
ex cathedra als Hirte und Lehrer aller Gläubigen (26) spricht.
Diese
(Unfehlbarkeit) ist auch dem Kollegium der Bischöfe verheißen, wenn sie
– gemeinsam mit dem Papst – das höchste Lehramt ausüben. (27)
Wir
glauben, daß die von Christus gegründete Kirche, für die Er gebetet
hat, unfehlbar eine ist: im Glauben, im Kult und in der hierarchischen
Gemeinsamkeit. Die reiche Vielfalt in der Liturgie, die zu Recht
bestehende Verschiedenheit im theologischen und geistlichen Erbe, sowie
in den eigenen Rechtsordnungen im Innern der Kirche, tun ihrer Einheit
keinen Abbruch, sondern fördern sie. (28)
Wir anerkennen das
Vorhandensein zahlreicher Elemente der Wahrheit und Heiligung außerhalb
der Gemeinschaft der Kirche Christi, welche eigentlich ihr zugehören und
auf die katholische Einheit (29) hindrängen. Und wir glauben an das Wirken
des Heiligen Geistes, der in den Herzen der Jünger Christi die Liebe zu
dieser Einheit (30) entflammt. Wir haben aber die Hoffnung, daß auch die
Gläubigen, die noch nicht voll und ganz der Gemeinschaft der Kirche
angehören, sich eines Tages in der einen Herde mit dem einen Hirten
zusammenfinden werden.
Wir glauben, daß die Kirche
heilsnotwendig ist; denn Christus, der alleinige Mittler und Weg zum
Heil, ist für uns gegenwärtig in Seinem Leib, der die Kirche ist (31). Aber
der göttliche Heilsplan umfaßt alle Menschen. Diejenigen, die ohne ihre
Schuld die Frohbotschaft Christi und Seiner Kirche nicht kennen, aber
aufrichtig Gott suchen und sich mit Hilfe der Gnade um die Erfüllung
Seines Willens bemühen, den sie aus den Forderungen ihres Gewissens
erkannt haben – ihre Zahl ist Gott allein bekannt – können das Heil
erlangen. (32)
22 Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 8.50.
23 Vgl. ebd. 7.11.
24
Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Sacrosanctum
Concilium, 5.6; vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution
Lumen gentium, 7.12.50.
25 Vgl. Denzinger 3011.
26 Vgl. ebd. 3074.
27 Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 25.
28
Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium,
23; vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dekret Orientalium Ecclesiarum,
2.3.5.6.
29 Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 8.
Der
große Reichtum an Verschiedenheiten steht der Einheit der Kirche nicht
entgegen, sondern die Sünde und ihre Folgen belasten und bedrohen diese Gabe
der Einheit unablässig. Darum muß der hI. Paulus dazu ermahnen, „die Einheit
des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens" (Eph 4,3).
815 Welches
sind die Bande der Einheit? Vor allem ist es die Liebe, „das Band der
Vollkommenheit" (Kol 3,14). Die Einheit der pilgernden Kirche wird aber
auch durch folgende sichtbare Bande der Gemeinschaft gesichert:
- das Bekenntnis ein und
desselben, von den Aposteln überlieferten Glaubens;
- die gemeinsame Feier des
Gottesdienstes, vor allem der Sakramente;
- die apostolische Sukzession,
die durch das Weihesakrament die brüderliche Eintracht der Familie Gottes
aufrechterhält [Vgl. UR 2; LG 14; [link] CIC, can. 205].
816 „Die
einzige Kirche Christi ... zu weiden, hat unser Erlöser nach seiner
Auferstehung dem Petrus übertragen, ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre
Ausbreitung und Leitung anvertraut ... Diese Kirche, in dieser Welt als
Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in [subsistit in] der
katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in
Gemeinschaft mit ihm geleitet wird" (LG 8).
Das Dekret des Zweiten
Vatikanischen Konzils über den Ökumenismus erklärt:
„Nur
durch die katholische Kirche Christi, die allgemeine Hilfe zum Heil
ist, kann man die ganze Fülle der Heilsmittel erlangen. Denn einzig dem
Apostelkollegium, dem Petrus vorsteht, hat der Herr, so glauben wir,
alle Güter des Neuen Bundes anvertraut, um den einen Leib Christi auf
Erden zu bilden, dem alle völlig einverleibt werden müssen, die schon
auf irgendeine Weise zum Volke Gottes gehören" (UR 3).
Und eine weitere Quelle des Lehramtes bekräftigt:
Dennoch müssen dieselben Katholiken bekennen, daß sie durch das Geschenk
der göttlichen Gnade zu jener Kirche gehören, die Christus gegründet
hat und die von den Nachfolgern Petri und der übrigen Apostel geleitet
wird. Diese sind die Träger der unverfälschten, lebendigen und
ursprünglichen Ordnung und Lehre der apostolischen Gemeinde, die das
unvergängliche Erbe der Wahrheit und Heiligkeit darstellt.11
Darum
ist es den Gläubigen nicht erlaubt, sich die Kirche Christi so
vorzustellen, als ob sie nichts anderes sei als irgendeine Summe –
geteilt zwar, aber doch noch irgendwie eins – von Kirchen und
kirchlichen Gemeinschaften; noch steht es ihnen frei anzunehmen, daß die
Kirche Christi heute nirgends mehr wirklich existiert, so daß sie nur
noch als ein Ziel aufgefaßt werden kann, das alle Kirchen und
Gemeinschaften zu suchen haben.
Großes Leid erfahren zur Zeit unsere christlichen Brüder und Schwestern in Ländern, in denen verblendete Menschen meinen, im Namen Allahs all diejenigen foltern und abschlachten zu dürfen, die nicht ihren Glauben teilen.
Alles andere erscheint angesichts dieser Greuel und diesen Terrors durch Angehörige der Religion, die sich diejenige des Friedens nennt, nebensächlich und unwichtig. Was für ein Skandal der Menschheitsfamilie, was für ein Zeugnis für die Armseligkeit und Boshaftigkeit der gefallenen Menschheit. Einmal mehr erkennen wir, dass nur Jesus Christus die Menschen aus dieser Verstrickung der Bosheit befreien kann, nur Jesus Christus ist der Friedensfürst, durch den alle Menschen Frieden in sich und miteinander finden.
Beten wir um Starkmut für die verfolgten und bedrängten Christen. Möge Gott ihnen beistehen und ihre Leiden und ihr Lebensopfer als Kraft- und Lebensquelle für neues christliches Leben annehmen und ihnen dereinst die ewige Glückseligkeit schenken.
Dieses Video (gefunden beim Kreuzknappen) schildert auf einfache wie eindrucksvolle Weise das, was Christus denen verheißen hat, die sich zu ihm bekennen:
"Und fürchtet
euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten
können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele
verderben kann in der Hölle.(...) Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater." (Mt 10, 28; 32; 33)
Stefan Oster, der noch neue Bischof von Passau, sieht als vorrangiges Bedürfnis der Gemeinden ein Engagement in der Erwachesenen-Katechese. Hier sollen Menschen die Möglichkeit bekommen, zu erfahren, "von Person zu Person", was der Glaube der Kirche überhaupt sei. Bischof Oster fasst das Defizit in eine Frage: "Hat die Pfarrei eine Möglichkeit, wo jemand von außen kommt und sagt: 'Ich möchte eigentlich mal wissen und lernen, was ihr glaubt. Wo erfahre ich denn das?'" Die landläufige Antwort auf diese Frage, nämlich: "Ja dann geh doch in die Kirch'" hält Oster für unzureichend. Das sei zwar wichtig, aber die Erfahrung zeige, dass Menschen 20, 30, 40 Jahre lang in die Kirche gehen, aber am Ende sei "das Glaubenswissen trotzdem nicht da".
Der Passauer Oberhirte sieht die Kirche des Westens in einem
"großen Transformationsprozess", auch wenn in Passau die Kirche als
Volkskirche - zumindest von den Strukturen und den Prozentzahlen her - noch sehr stark sei, so sei er überzeugt: was heute "klassischerweise Pfarrei" und "Pfarreileben" heiße, sei in der Übergangsphase und vermutlich gehe das "nicht mehr lange genau so weiter". Er meine, es brauche Gruppierungen, Orte, kleine Zentren, in denen intensiver Glaube, wo geistliches Leben und Auseinandersetzung mit dem Glauben stattfinde und so Glauben erlebt und erfahren werden könne.
"Etwas karikierend" sagte Bischof Oster, es sei nicht das Idealbild von christlichem Gemeindeleben, einmal in der Woche in die Kirche zu gehen und an einem Abend der Woche vielleicht noch zum Frauenbund oder zum Kegelabend. Das biblische Modell des Gemeindelebens sei 1. gemeinsames Leben und 2. ein Leben, in dem Ernst damit gemacht wird, dass Christus gegenwärtig ist".
Eines seiner tiefsten Anliegen sei das "Beten lernen", so Stefan Oster und erinnerte an die Bitte der Jünger an Jesus, er möge ihnen das Beten lehren. Dabei gehe es um das "Hineinfinden in eine tiefere Gottesbeziehung" kraft des Gebetes. "Lernen wir in unseren Gemeinden beten?" fragt er denn und "Helfen wir miteinander Beten-Lernen?"
Der Priester sei Priester, damit jeder andere seine priesterliche Berufung kennenlerne und vertiefe, aus der Taufe lebe und anfange, selber ein verkündigender Mensch zu werden.
Die Art und Weise der Formulierung des katholischen Glaubens darf keinerlei Hindernis bilden für den Dialog mit den Brüdern. Die gesamte Lehre muß klar vorgelegt werden. Nichts ist dem ökumenischen Geist so fern wie jener falsche Irenismus, durch den die Reinheit der katholischen Lehre Schaden leidet und ihr ursprünglicher und sicherer Sinn verdunkelt wird.
Es ist - selbst für Gläubige - heute oft schwierig, Glaubenswahrheiten, die eigentlich ganz klar und eindeutig sind, zu erkennen und auszusagen. Das liegt vor allen Dingen daran, dass in unseren satten und reichen Breitengraden seit Jahrzehnten die Katechese, d. h. die Weitergabe des Glaubensgutes, weitestgehend zum Erliegen gekommen ist. Katechismusunterricht in der Pfarrei, in dem systematisch Kinder und Jugendliche über ihren katholischen Glauben unterrichtet und zu einem Leben aus dem Glauben heraus angeleitet und motiviert werden, gibt es schon lange nicht mehr und der schulische Religionsunterricht besteht zum großen Teil aus vergleichender Religionenkunde und einer Art Ethikunterricht, in dem die Lehre der Kirche zumeist nur unter anderem und am Rande vorkommt.
Ein Beispiel für die Ratlosigkeit in Glaubensaussagen ist die Frage, ob es für den Menschen zur Erlangung des ewigen Heils notwendig ist, der (sichtbaren) katholischen Kirche anzugehören. Ebenso ratlos sind viele Gläubige, wenn es darum geht, zu beschreiben, was es heißt, der katholischen Kirche anzugehören; wer gehört zur katholischen Kirche und in welcher Weise oder in welcher aussagbaren "Intensität" ist jemand (Mit-)Glied der einzigen Kirche Jesu Christi, die allein vom Papst und den mit ihm verbundnen Bischöfen geleitete (römisch-)katholische Kirche ist?
Um so dankbarer sind wir Gläubigen, wenn auch heute von berufener Seite diese Glaubenswahrheiten deutlich und unmissverständlich ausgesprochen, dargelegt und bekräftigt werden, denn die Lehren aus dem Katechismus und aus älteren - wenn auch deswegen keineswegs ungültigen - Aussagen bedürfen immer wieder einer wiederholenden Aktualisierung.
Dr. Gero P. Weishaupt hat nun anhand des 14. Artikels der dogmatischen Konstitution "Lumen gentium" des II. Vatikanums die Lehre der Kirche zusammengefasst und unmissverständlich dargelegt:
Lumen gentium, Artikel 14
Die Kirche ist für das Heil notwendig.
In Artikel 14 von Lumen gentium sprechen die Konzilsväter
zum einen von der Heilsnotwendigkeit der Kirche, wobei deutlich ist,
dass das Zweite Vatikanische Konzil den ekklesiologischen Grundsatz
„Außerhalb der Kirche kein Heil“ (Extra Ecclesiam nulla salus)
nicht preisgegeben hat; er gilt nach wie vor, ohne Abstriche. Zum anderen
thematisieren die Konzilsväter die Bedingungen für die volle
Zugehörigkeit zur einen, heiligen, katholischen und apostolischen
Kirche, wie wir sie im Credo bekennen.
Hohe Lehrautorität des Konzils
Zur Erlangung des Heils ist die Zugehörigkeit zur sichtbaren
(!!!) Kirche notwendig. Diese Aussage der Konzilsväter ist zwar kein
Dogma, aber dennoch von hoher lehrmäßiger Autorität, wenn sie
formulieren: „Gestützt auf die Heilige Schrift und die Tradition, lehrt (docet)
sie (die Heilige Synode = das Zweite Vatikanische Konzil), dass diese
pilgernde Kirche zum Heil notwendig ist“. Mit dem Verb „docet” (= sie
lehrt) deuten die Konzilsväter unmissverständlich an, dass sie eine
Lehre verkünden, die die Gläubigen fest annehmen und bewahren müssen
(vgl. firmiter amplectenda ac retinenda), da die Lehre von der
Heilsnotwendigkeit der Kirche aufs engste mit der Offenbarung
zusammenhängt. Die Heilsnotwendigkeit ergibt sich aus der Gegenwart
Christi in der Kirche, der der einzige „Mittler und Weg zum Heil“ ist.
Die Kirche ist der mystische Leib Christi, seine Gegenwartsweise in der
jeweiligen Zeit, in die die Kirche hineingestellt ist. Über die Kirche,
durch die Kirche und in der Kirche begegnet der Mensch Christus selber.
Durch die Taufe wird der Mensch in die Kirche und durch sie in Christus
einverleibt. Darum gibt es für den, der wirklich erkannt hat, dass ihm
durch die Kirche die Gnade Gottes geschenkt ist, keinen anderen Weg zum
Heil. Wer allerdings ohne Schuld außerhalb der Kirche steht, kann bei
einem nötigen Bemühen, ein rechtes Leben zu führen, im Hinblick auf den
allgemeinen Heilswillen Gottes das Heil erlangen. Denn wenngleich die
Kirche heilsnotwendig und der ordentliche Heilsweg ist, ist Gott in
seiner Allmacht nicht an sie gebunden. Darum gibt es – unter dem
genannten Umstand – auch außerhalb der sichtbaren Struktur Heil.
Gestufte Zugehörigkeit zur einen wahren Kirche Christi
Die volle Zugehörigkeit zur sichtbaren Kirche formulieren die
Konzilsväter im Sinne des heiligen Rorbert Bellarmin (1542-1621) anhand
der drei Bande des Glaubensbekenntnisses (vinculum professionis fidei), der Sakramente (vinculum sacramentorum) und der kirchlichen Leitung und Gemeinschaft (vinculum ecclesiastici regiminis et communionis).
Wer den katholischen Glauben bekennt, die sieben Sakramente der Kirche
anerkennt, sich unter die hoheitliche Leitung der Kirche stellt und mit
der Gemeinschaft der Kirche verbunden ist, gehört ganz zur sichtbaren
Katholischen Kirche. Im Blick auf die anderen Kirchen und kirchlichen
Gemeinschaften und im Blick auf die Möglichkeit von Rechtsverlusten in
der Kirche wird damit im Umkehrschluss auch eine unvollkommene bzw.
unvollständige Zugehörigkeit zur einen Kirche Christi, die einzig und
allein in der Römisch Katholischen Kirche, in ihren sichtbaren
Strukturen, in ihrer Fülle, so sie wir sie im Credo der Kirche bekennen,
„subsistiert“ (vgl. Lumen gentium, Art. 8) ausgesagt. Eine
besondere Gruppe stellen die Katechumenen dar. Sie sind, auch wenn noch
nicht sakramental durch die Taufe mit Christus und der Kirche vereint,
durch ihren Willen in die Kirche aufgenommen zu werden, mit ihr
verbunden. Der kirchliche Gesetzgeber hat dies gewürdigt: Katechumenen
haben ein Recht auf ein katholisches Begräbnis. Weil die Katechumenen
bereits durch ihr Verlangen, die Taufe zu empfangen und so Glieder der
Kirche zu werden, mit der Kirche bereits verbunden sind, werden sie
hinsichtlich des Begräbnisses den Gläubigen gleichgestellt (vgl. can.
1183 § 1 CIC/1983).
Den katholischen Gläubigen wendet die Heilige Synode besonders ihre
Aufmerksamkeit zu. Gestützt auf die Heilige Schrift und die Tradition,
lehrt sie, daß diese pilgernde Kirche zum Heile notwendig sei. Christus
allein ist Mittler und Weg zum Heil, der in seinem Leib, der Kirche, uns
gegenwärtig wird; indem er aber selbst mit ausdrücklichen Worten die
Notwendigkeit des Glaubens und der Taufe betont hat (vgl. Mk 16,16; Joh
3,5), hat er zugleich die Notwendigkeit der Kirche, in die die Menschen
durch die Taufe wie durch eine Türe eintreten, bekräftigt. Darum könnten
jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und
ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in
sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten. Jene
werden der Gemeinschaft der Kirche voll eingegliedert, die, im Besitze
des Geistes Christi, ihre ganze Ordnung und alle in ihr eingerichteten
Heilsmittel annehmen und in ihrem sichtbaren Verband mit Christus, der
sie durch den Papst und die Bischöfe leitet, verbunden sind, und dies
durch die Bande des Glaubensbekenntnisses, der Sakramente und der
kirchlichen Leitung und Gemeinschaft. Nicht gerettet wird aber, wer,
obwohl der Kirche eingegliedert, in der Liebe nicht verharrt und im
Schoße der Kirche zwar „dem Leibe”, aber nicht „dem Herzen” nach
verbleibt. Alle Söhne der Kirche sollen aber dessen eingedenk sein, daß
ihre ausgezeichnete Stellung nicht den eigenen Verdiensten, sondern der
besonderen Gnade Christi zuzuschreiben ist; wenn sie ihr im Denken,
Reden und Handeln nicht entsprechen, wird ihnen statt Heil strengeres
Gericht zuteil.“
Papst Franziskus hat gestern am Barmherzigkeitssonntag (27.04.2014) zwei seiner Vorgänger auf dem Stuhle Petri zur Ehre der Altäre erhoben und sie so der universalen Kirche als Vorbilder im Glauben vorgestellt. Heiligsprechungen des Papstes fallen unter die Unfehlbarkeit des höchsten Lehramtes der katholischen Kirche, dem aufgrund göttlicher Offenbarung in Dingen des Glaubens und der Moral Unfehlbarkeit zugesichert ist, wenn der Papst als universaler Hirte und Lehrer der Kirche spricht. So freuen wir Katholiken uns, zwei Fürsprecher mehr in der Gemeinschaft der Heiligen im Himmel zu wissen.
Franziskus bezeichnete Johannes XXIII. (25.11.1881 - 03.06.1963) als "Papst der Folgsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist", denn "[i]n der Einberufung des Konzils hat der heilige Johannes XXIII. eine feinfühlige Folgsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist bewiesen, hat sich führen lassen und war für die Kirche ein Hirte, ein geführter Führer, geführt vom Heiligen Geist". Johannes XXIII. ist es auch, dem wir letztlich die Gestalt der heiligen Messe, wie wir sie in der heute sogenannten "außerordentlichen" Form des römischen Ritus feiern, verdanken. So können wir in jeder heiligen Messe dieses nun heiliggesprochenen Papstes dankbar gedenken und ihn um seinen Schutz und Fürsprache bei Gott in allen unseren Anliegen bitten. (Einige Aspekte seiner Pesönlichkeit siehe hier bei "Paix Liturgique"!)
Johannes Paul II. (18.05.1920 - 02.04.2005) würdigte Franziskus als "Papst der Familie". So habe Johannes Paul II. selbst in Erinnerung bleiben wollen, hier habe er einen besonderen Dienst für die Kirche ausgeübt. Papst Franziskus äußerte die Zuversicht, dass Johannes Paul II. den Weg zur Bischofs-Synode und die Synode über die Familie und mit den Familien selbst vom Himmel her begleiten und unterstützen werde. In klarer und unzweideutiger Weise hat der aus Polen stammende Papst zusammen mit dem Bischofskollegium den Weg der Kirche im Hinblick auf "die letzte Bedeutung und die Wahrheit des ehelichen und familiären Lebens" ausgearbeitet und dargelegt. Sein Apostolisches Schreiben "Familiaris consortio" vom 22. November 1981 ist gerade jetzt und für unsere Zeit ein Fels in der Brandung, die die christliche Ehe und Familie - selbst durch innerkirchliche Stimmen - zu zerstören droht.
Beide "neuen heiligen Hirten des Gottesvolkes" bat Papst Franziskus, mit ihrer Fürsprache für die
Kirche einzutreten, "damit sie in diesen zwei Jahren des Synodenweges
fügsam sei gegenüber dem Heiligen Geist in ihrem pastoralen Dienst an
der Familie".
Hier der Wortlaut der Predigt von Papst Franziskus während der hl. Messe zur Heiligsprechung am 27.04.2014.
Wortlaut der unter die päpstliche Unfehlbarkeit fallenden Heiligsprechung:
Ad honorem Sanctæ et Individuæ Trinitatis, ad exaltationem fidei catholicæ et vitæ christianæ incrementum, auctoritate domini nostri Iesu Christi, beatorum Apostolorum Petri et Pauli ac Nostra, matura deliberatione præhabita et divina ope sæpius implorata, ac de plurimorum fratrum Nostrorum consilio, Beatos Ioannem XXIII et Ioannem Paulum II Sanctos esse decernimus et definimus, ac Sanctorum catalogo adscribimus, statuentes eos in universa Ecclesia inter Sanctos pia devotione recoli debere. In nomine Patris et filii et Spiritus Sancti. AMEN!
Zu Ehren der Heiligen und Ungeteilten Dreifaltigkeit, zur Erhöhung des katholischen
Glaubens und zum Wachstum des christlichen Lebens, durch die Autorität
unseres Herrn Jesus Christus, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und
auch der Unsrigen, erklären und benennen Wir, nach reiflicher Überlegung,
nach mehrmaligem Anrufen der göttlichen Hilfe und nach Anhörung des Rates zahlreicher Brüder im Episkopat, die Seligen Johannes XXIII. und Johannes Paul II. zu Heiligen, tragen sie in das Buch der Heiligen ein und beschließen, dass sie
in der gesamten Kirche demütig unter den Heiligen verehrt werden. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN!
Christi Tod betraf nicht nur ihn selbst: so auch die Auferstehung. Er ist für uns gestorben; wir waren durch die Sünde Adams dem Tod verfallen; nun aber, da er, der neue Adam, sich unserm Schicksal unterwarf, überwand er den Tod. Und er überwindet ihn für uns mit.
Sind wir (durch die Taufe) mit ihm gestorben und durch seinen sieghaften Tod erlöst, so sind wir auch in ihm auferstanden! Christus ist der Erste (1 Kor 15,20). Alle, die zu ihm halten, werden nach ihm ebenfalls auferstehen. Das ist unser fester Glaube, und dieser Glaube ist unsere größte Kraft.
Dumpf lastet auf den Jüngern und Frauen der Tod des Herrn. Was sie an menschlichen Hoffnungen noch hatten, das ist vernichtet. Aber es ist immer so! Auch heute bei uns! Wir legen uns die Dinge so und so zurecht. Dann wirft ein Ereignis alles über den Haufen - und nun erst sind wir frei für Gottes Pläne, die so ganz anders sind. Jetzt da die Jünger und Frauen, natürlich gesprochen, nichts mehr zu hoffen haben, da kommt das ungeheuerlich Befremdende, das unfasslich Beglückende: "Er ist auferstanden; er ist nicht hier: seht, wo er lag!" (Mk 16,6) und: "Der Herr ist wahrhaft auferstanden und dem (Simon) Petrus erschienen!" (Jo 21,7).
"Der Herr" bedeutet hier immer Gott. Das Erlebnis der Gottheit Christi ist bei seinen Treuen durch die Tatsache seiner wirklichen Auferstehung durchgebrochen wie nie zuvor. Jetzt, jetzt wussten sie bis in des Herzens Grund: "Er ist Gott! denn: Er ist auferstanden!" und "Wir sind in Gottes Hand!"
Man muss sich einmal vorstellen, einmal nachzuerleben suchen, welches ganz neue Lebensgefühl, welches himmlische Glück sie damit erfüllen musste! Ihr Jubel lebt noch heute weiter in unserer Liturgie. Aber er strömt als lebendiges Erbe auch weiter in unseren Herzen! Welcher Christ fühlte das nicht!
Ja, Christus ist Gott! Er ist wahrhaft auferstanden! Was kann uns also geschehen?... Er ist als Erster auferstanden. Komme, was kommen mag, auch wir werden mit ihm einst verwandelt werden; denn so schreibt der Apostel: "Es wird gesät in Vergänglichkeit, auferweckt in Unvergänglichkeit; es wird gesät in Armseligkeit, auferweckt in Herrlichkeit, gesät wird in Schwachheit, auferweckt in Kraft; gesät ein natürlicher Leib, auferweckt ein geistiger Leib..."
Dann wird sich auch erfüllen das Wort: "Verschlungen ist der Tod im Sieg! Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?" (1 Kor 15,42-44; 54-55).
Heinrich Jansen Cron SJ in: "Weisheit für den Alltag - Aus den Messen
eines Jahres"; Verlag Ludwig Auer/Cassianeum Donauwörth; Imprimatur
1954; S. 28-29) (s. Quellen)
Bloggerkollege Michael Schäfer (Theodor) von "Summa summarum" hat einen offenen Brief an Kardinal Kasper gschrieben und ihm einige wesentliche Fragen bezüglich des "Evangeliums von der Familie" gestellt. Dann beschreibt er die drastischen Konsequenzen für die Kirche, wenn diese den Vorstellungen des Kardinals folgen würde:
"Erlauben Sie mir abschließend noch einen Blick auf die
systematischen Folgen der von Ihnen vorgeschlagenen geänderten Praxis im
Umgang mit den Wiederverheirateten Geschiedenen. Mir scheint es so zu
sein, dass die Kirche nur die Wahl hat, den Vollzug der „Akte, die
Eheleuten vorbehalten sind“ außerhalb der sakramentalen Ehe weiterhin
als Ehebruch zu betrachten (mit den bisherigen Folgen) oder eine
moralische Legitimität solcher Akte auch außerhalb dieser Ehe für
grundsätzlich möglich zu halten.
Diese moralische Legitimität
muss dann an etwas anderem als der sakramentalen Ehe festgemacht werden,
z.B. am Bestehen einer „personalen Liebesbeziehung“, eines
Sachverhaltes, der nicht mehr den Charakter eines öffentlichen Vertrages
hat, sondern letztlich nur vor dem „forum internum“ überprüft werden
kann. Mir ist nicht klar, mit welchem Argument man anderen Formen der
außerehelichen „gelebten Sexualität“ eine so verstandene Legitimität
grundsätzlich absprechen wollte. Die Forderung des Zweiten Vatikanischen
Konzils nach einer „sauberen Brautzeit“ (Gaudium et Spes 49) wäre keine
schlechthin verpflichtende Norm mehr.
In der Konsequenz würde
die Kirche dann auf die Verkündigung einer verbindlichen Sexualmoral im
überkommenen Sinne ganz verzichten. Ihre Lehre wäre dann nicht mehr
Verkündigung eines objektiven „Gebotes vom Herrn“ (1 Kor 7,10), sondern
„Orientierungshilfe“ für eine subjektive Gewissensentscheidung, die von
ihr in jedem Fall zu respektieren wäre."
Diese Erkenntnis ist erschütternd und zeigt, wie selbst auf hoher hierarchischer Ebene der Glaube in Gefahr gebracht wird. Der Dogmatiker Leo Kardinal Scheffczyk, der nachgewiesen hat, dass es sich bei der Frage der Zulassung von zivil wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten (ob Bußsakrament oder der heiligen Kommunion ist im Grunde eins) um eine dogmatische Frage handelt, und die deswegen nicht "pragmatisch" zu lösen ist, schließt seine Untersuchung mit den Worten:
"So weist diese Fragestellung (Anm.: der Zulassung der zivil wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion) auf ein tiefer liegendes Problem hin, das heute untergründig viele Auseinandersetzungen in der Kirche bestimmt. Es liegt genauerhin in der Frage, welcher Wert dem lehrhaften Glauben und seiner Durchsetzung in der Praxis zukommt. Wenn an dieser Stelle Konzessionen gemacht werden, erledigt sich natürlich auch das hier behandelte Problem. Wenn man dazu bereit ist, sollte man aber auch weiterfragen und zusehen, wie vieles andere im Glauben und Leben der Kirche "erledigt" werden wird."
Das heißt, wenn eine Relativierung des lehrhaften Glaubens stattfindet und alles der subjektiven Gewissensentscheidung des (Un-)Gläubigen überlassen würde, dessen Gewissen sich aber nicht an der Wahrheit, sondern an eigenen Wertesystemen orientiert, dann ist die Aufgabe des gesamten Lehramtes die Folge.
Aber so weit wird es selbstverständlich nicht kommen, denn dem kirchlichen Lehramt ist die Leitung durch den Heiligen Geistes zugesagt. Die Kirche ist und bleibt die "Säule und das Fundament der Wahrheit" (1 Tim 3,15). Dem Lehramt folgend können wir sicher sein, die Wahrheit zu leben und dem Wort Gottes zu folgen. Wer also gerettet werden will, der folgt der Stimme des guten Hirten Jesus Christus in der Kirche, denn es ist gewiss, dass nur im Glauben der Kirche das Heil erlangt werden kann (vgl. II. Vatikanisches Konzil "Ad gentes" 7). Fürchtet euch also nicht!
Der vollständige Wortlaut des offenen Briefes an Kardinal Kasper hier auf "Summa summarum" oder auch hier auf kath.net.
Dazu die vielleicht einzige vernünftige Lösung dieser ganzen unseligen Diskussionen:
Bei der Jahresversammlung des "Forums Deutscher Katholiken" am 15./16. März 2014 in Fulda wurde von den anwesenden Mitkgliedern folgende Erklärung verfasst und veröffentlicht. Das "Forum Deutscher Katholiken" bejaht darin uneingeschränkt die katholische Lehre, wie sie in Schrift und Tradition durch das Lehramt vorgelegt wird, und bekräftigt die Treue seiner Mitglieder zu Papst Franziskus und den mit ihm verbundenen Bischöfen.
Fuldaer Erklärung des “Forums Deutscher Katholiken (FDK)"
Die in Fulda versammelten Mitglieder des
„Forums Deutscher Katholiken“ und Vertreter befreundeter Gemeinschaften
sprechen Papst Franziskus und den mit ihm verbundenen Bischöfen ihre
uneingeschränkte Treue aus.
Die Lehre der Kirche gibt uns Orientierung und ist der Maßstab unseres
Handelns. Wir sind überzeugt, dass die Einhaltung der Gebote Gottes am
besten die menschliche Würde und eine humane Gesellschaft gewährleistet.
Demokratische Mehrheitsentscheidungen erfahren ihre Grenzen, wenn sie
dem Naturrecht und der göttlichen Offenbarung widersprechen.
Wenn Vertreter des Zeitgeistes der Kirche nahe legen, sie solle sich den
so genannten „Lebenswirklichkeiten“anpassen, so wollen wir auf die
Kehrseite dieser „Lebenswirklichkeiten“ hinweisen.
Nicht wer die Ehescheidung verharmlost, tut etwas für die Menschen, sondern wer den Ehepartnern hilft, Krisen gemeinsam zu bewältigen. Die Trennung bringt Leid für den verlassenen Ehepartner und für die betroffenen Kinder. Sie ist nicht eine „Befreiung“, sondern eine Niederlage.
Nicht wer Abtreibung als Recht der Frau proklamiert, tut etwas für sie, sondern wer ihr hilft und sie ermutigt, das Kind auszutragen. Wir fordern die Wiederherstellung des uneingeschränkten Lebensschutzes.
Nicht wer den Schulunterricht sexualisiert, stärkt das Wohl des Kindes, sondern wer das Erziehungsrecht der Eltern achtet.
Nicht wer das „Zusammenleben ohne Trauschein“ als gegebene Realität hinnimmt, tut etwas für die Menschen und die Zukunft unserer Gesellschaft, sondern wer ihnen Mut macht, ein Ja zu Ehe und Kindern zu sagen, hilft ihnen wirklich.
In unserem Land herrscht
Religionsfreiheit. Andererseits dürfen weder Vertreter von politischen
Parteien, von politischen Gruppen oder Medien bestimmen, was in der
Kirche zu gelten hat. Das können ausschließlich die durch göttliche
Vollmacht eingesetzten Autoritäten, nämlich der Papst und die mit ihm
verbundenen Bischöfe.
Fulda, 16. März 2014
Prof. Dr. Hubert Gindert
Vorsitzender des Forums Deutscher Katholiken und Leiter der Jahresversammlung
+ + +
Weitere Informationen über das FDK und den ihm angeschlossenen Gemeinschaften finden Sie auf der Website des Forums (hier) und auf dem dazugehörigen Blog (hier).
Auf den im Juli stattfindenden vom FDK initiierten "Kongress Freude am Glauben" in Fulda sei schon jetzt hingewiesen. Informationen zum Kongress, bei dem S. Em. Gerhard Ludwig Kardinal Müller ein Pontifikalamt zelebrieren wird, finden Sie hier.
Dem Wortsinn nach ist Philosophie die Liebe zur Weisheit, Streben nach Weisheit. Derjenige ist Philosoph, der weise zu werden sucht und zur Erreichung des Zieles seine ganze Kraft einsetzt.
Der Name Philosophie soll, wie Heraklides, ein Schüler Platos, sagt, zuerst von Pythagoras gebraucht worden sein. Er habe nicht sophos genannt werden wollen, weil Gott allein sophos = weise sei, sondern nur Philosophos, Freund der Weisheit, Liebhaber der Weisheit, weil der Mensch immer nur im Streben nach Weisheit begriffen sei.
Was sagen Plato, Arisoteles und der heilige Thomas dazu?
Schon bei Plato und Aristoteles findet sich der Gedanke ausgesprochen, dass die Menschen aus Verwunderung über die Erscheinungen, die ihnen in der Welt entgegentraten, deren Ursachen sie aber nicht kannten, zu philosophieren angefangen hätten, womit das Ziel der Philosophie klar angedeutet ist: zu den Gründen oder Ursachen der Erscheinungen, ja bis zu den letzten und höchsten Möglichkeiten vorzudringen...
Was ist scientia?
Die scientia, das Wissen oder die Wissenschaft, kann in einem doppelten Sinne genommen werden, nämlich im Sinne von wissenschaftlicher Erkenntnis überhaupt und im Sinne von wissenschaftlicher Disziplin. Man versteht unter wissenschaftlicher Erkenntnis die Erkenntnis der Dinge oder Erscheinungen in ihrem Grunde oder in ihrer Ursache, vorausgesetzt, dass die Erkenntnis auf Evidenz beruht und sicher und gewiss ist. - Cognitio certa et evidens rerum per causas.
Wenn etwas nicht mehr einfach unserer Erkenntnis (nur) vorschwebt, sondern wenn wir erkennen, warum es so sei und so sein müsse, und wenn diese Erkenntnis evident und gewiss ist, können wir sagen, dass wir eine wissenschaftliche Erkenntnis von dieser Sache haben. - Scire est rerum cognoscere causas.
Was ist der Unterschied zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und Glaubenserkenntnis:
Der Glaube ist die sichere Erkenntnis einer Wahrheit auf eine für diese Wahrheit Bürgschaft leistende Autorität hin.
Das Wissen dagegen beruht auf der Beweisführung durch welche die Wahrheit eines Satzes zur Evidenz gebracht und dadurch für unsere Erkenntnis gesichert wird.
Welche Aufgabe hat die Philosophie in Bezug auf die Offenbarung (Gottes)?
Sie besteht darin, dass sie den menschlichen Geist der christlichen Wahrheit wissenschaftlich zuführt. Sie soll nämlich die innere Übereinstimmung dessen, was die Vernunft lehrt, mit den Lehren der Offenbarung nachweisen und dadurch den menschlichen Geist dahin führen, dass er die Erkenntnis der christlichen Wahrheit als die höchste Vollendung seiner Erkenntnis erfasse und hochachte.
Können sich Vernunft und Offenbarungserkenntnisse, also wissenschaftliche und Glaubenserkenntnisse widersprechen?
Wahrheiten, die aus der Vernunft erschlossen werden und Offenbarungswahrheiten können nicht miteinander in Widerspruch stehen, weil beide aus einer Quelle, nämlich aus Gott als der absoluten Wahrheit und Wahrhaftigkeit stammen. Es kann also nicht etwas philosophisch wahr sein, was nach dem Glauben falsch ist, und umgekehrt, eine Wahrheit kann nicht der anderen widersprechen. Der Widerspruch würde ja zuletzt auf Gott fallen, weil eben alle Wahrheit in Gott gründet.
Und wenn es nun doch zu einem Zwiespalt kommt?
Irren ist menschlich. Kommt die Philosophie in ihren Forschungen auf ein Resultat, das mit dem Offenbarungsinhalt in Widerspruch steht, sei es, dass dieser Widerspruch offen daliegt, oder dass die kirchliche Autorität erklärt, es sei das bezügliche Resultat mit dem Offenbarungsinhalte nicht vereinbar, so hat die Philosophie dieses Resultat als falsch zu verlassen und den Prozess der Schlussfolgerung zu revidieren, um den Fehler zu entdecken.
Andererseits ist es auch möglich, dass der Grund des Zwiespalts nich so offen zutage liegt, sondern einer langwierigen Suche und Diskussion bedarf. Es kann sich dabei auch ergeben, dass ein zu enges oder zeitbedingtes Verstehen von Glaubenswahrheit der Grund des scheinbaren Zwiespaltes ist. Dann muss auf ein besseres, umsichtigeres Verständnis des Glaubens oder bestimmter Offenbarungswahrheiten Mühe verwendet werden, als deren Frucht sich die Auflösung des Zwiespalts und Übereinstimmung von Vernunft und Glaube ergeben werden.
Aber duch die Anerkennung der göttlichen Offenbarung als das leitende Prinzip wird die Energie der philosophischen Forschung keineswegs beeinträchtigt, sondern sogar erhöht, weil die Vernunft, an das leitende Prinzip sich haltend, in ihren Forschungen viel energischer und sicherer zuwege gehen kann, als wenn sie derselben entbehrt. Ein Beispiel: Denken wir nur an die Unsicherheit, mit welcher die antike Philosophie, weil ihr jenes leitende Prinzip der göttlichen Offenbarung mangelte, gerade in Bezug auf die höchsten Wahrheiten herumtastete.
In welchem Verhältnis stehen Philosophie und Theologie zueinander?
Beide stehen sich als selbständige Wissenschaften gegenüber, so zwar, dass keine in der anderen aufgehoben werden darf. Denn jede hat ihr eigenes Erkenntnisprinzip. Die Theologie die Offenbarung, die Philosophie die Vernunft und Vernunftprinzipien. Jede hat ihren eigenen Wahrheitskreis: die Theologie die geoffenbarten, die Philosophie die Vernunftswahrheiten. Jede hat ihre eigene Methode: Die Theologie nimmt ihre Beweise aus den Offenbarungsquellen, die Philosophie aus der Vernunft.
Allerdings greifen beide insoweit ineinander, als die Offenbarung auch solche Wahrheiten in ihrem Inhalte einschließt, welche an und für sich genommen Vernunftwahrheiten sind. Die Theologie hat christliche Mysterien zum Inhalt, an welche die Vernunft für sich allein nicht heranreicht. Z. B: können die Geheimnisse der allerheiligsten Dreifaltigkeit und der Transsubstantiation (Wesensverwandlung) in der heiligen Messe nicht von dr Vernunft, also nicht von der Philosophie erkannt werden. Da ist Christus, der Herr, der Weg, die Wahrheit und das Leben.
nach: Johannes Derksen "Der getreue Verwalter"; St. Benno-Verlag GmbH Leipzig; Imprimatur 1959; S. 126-130 (leichte stilistische Änderungen)
Foto: Marmor-Büste des Aristoteles, römische Kopie nach dem griechischen Bronze-Original von Lysippos, um 330 vor Chr. Der Alabaster-Mantel ist eine Ergänzung in der Moderne.;
Giovanni Dall'Orto
Sofern man sie überhaupt noch kennt und nennt, ist ihr einstiger Ruhm längst verblichen, ihr Ruf geschädigt. Die Apologetik blickt auf bessere Tage zurück: Damals, als es den Theologen, den Predigern und eifrigen Laien ein Herzensanliegen war, Glaube und Kirche zu verteidigen, stand sie hoch im Kurs. Jetzt aber haben die meisten Katholiken wenig bis kein Verständnis für Religionsgefechte, und wären sie auch nur geistiger Art. Viele sehen die verschiedenen Weltanschauungen ohnehin gleich gültig an und sind selbst gleichgültig. Maßlos bewundern sie die moderne Kultur und Wissenschaft. Deshalb sind sie auf Angleichung und Anpassung bedacht, nicht auf Abgrenzung gegenüber heutigen Strömungen.
Andere, durchaus gläubige Zeitgenossen vertreten die Meinung, die christliche Wahrheit liege auf einer Ebene, zu der dem menschlichen Verstand jeder Zugang verwehrt sei. Deswegen sei das Argumentieren für und wider Gott, Christus, Kirche von vornherein zum Scheitern verurteilt. Oft ist auch zu hören, für unsere Religion sei eine Verteidigungshaltung schädlich. Man solle doch gefälligst vom Theologengezänk Abstand nehmen und den Glauben einfach nur positiv vertreten, vor allem aber: ihn leben!
Und doch bleibt die Tatsache bestehen, dass die Christen von frühesten Zeiten an Apologetik betrieben haben. Vertraut war ihnen die Aufforderung des Apostels Petrus, „immerdar bereit zu sein zur Apologia (das griechische Wort bedeutet „Verteidigung“) jedem gegenüber, der von uns Rechenschaft verlangt über die Hoffnung, die in uns ist“ (1 Petr 3,15). Juden und Heiden verlangten solche Rechenschaft, die einen vor der Autorität des Alten Testamentes, die anderen vor der Vernunft. Daher sahen sich die Christen vor die doppelte Aufgabe gestellt, einerseits Jesus anhand der Heiligen Schriften als den verheißenen Messias zu erweisen, andererseits die Vernünftigkeit ihrer Religion aufzuzeigen.
Im Laufe der Jahrhunderte hat sich dann eine Apologetik, eine wissenschaftliche Verteidigung des Glaubens, herausgebildet. Sie war bemüht, in einem streng systematischen Verfahren Argumente zu Beweisen zusammenzuschmieden und diese aneinander zu reihen. Dadurch sollte eine Kette entstehen, an der sich der Mensch gleichsam entlanghangeln kann von der Erkenntnis des Daseins Gottes bis zur Menschwerdung des Sohnes, ja bis hin zur einen und einzig wahren Kirche.
Vor solcher Logik, solchem Anspruch überkommt heutige Menschen, auch katholische Christen, ein tiefes Unwohlsein. Den Frommen unter ihnen fehlt darin vor allem die Komponente der Gnade. Ist es denn nicht – so lautet ihr Einwand – ein unverdientes Geschenk des Himmels, wenn jemand zum Glauben an Christus findet: „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht“ (Joh 6,44)? In der Apologetik scheint an die Stelle des unbegreiflichen Waltens Gottes unser eigenes Denken zu treten, scheint göttliche durch menschliche Logik ersetzt zu sein.
Doch trifft dieser Vorwurf auf seriöse katholische Apologeten nicht zu. Sie lassen den Glauben als gottgeschenktes Gnadenlicht stehen. Daher erliegen sie nicht dem Wahn, mit ihren Beweisverfahren allein auch nur einen einzigen Menschen bekehren zu können. Zugleich wissen sie aber auch, dass ihre Überlegungen und Widerlegungen, ihre historischen und philosophischen Argumente manchem suchenden Geist den Weg zu Gott bahnen, befestigen und absichern können. Wäre das völlig unmöglich, so hätte der christliche Glaube offensichtlich keine Verbindung zum natürlichen Leben und Denken der Menschen. Er gliche dann jenen esoterischen Geheimlehren, in die man angeblich nur als Eingeweihter Einsicht gewinnt, weil sie sich nach außen weder erklären können noch wollen. Von derlei irrationalen Vorstellungen ist unsere Religion denkbar weit entfernt.
Apologetik hat aber eine wichtige Funktion nicht nur gegenüber Un- und Irrgläubigen, sondern auch für diejenigen, die bereits zum Glauben gelangt sind. Inmitten der Angriffe und Anfechtungen, denen wir heutzutage ausgesetzt sind, tut es gut, sich an klare und feste Erkenntnisse zu erinnern, die selbst nicht dem Glauben angehören, aber ihn bestätigen. Für sich alleine genommen mögen diese oft keinen zwingenden Beweis darstellen. Doch weisen sie sämtlich in dieselbe Richtung und verbinden sich so miteinander zu einer großen Sicherheit – ähnlich den vielen, einzeln zerreißbaren Haaren, die gemeinsam zu einem dicken und schweren, unzerreißbaren Seil werden (so der selige John Henry Newman).
Jedenfalls besteht kein Grund, die Apologetik zu verachten. Im Gegenteil: Nun ist es an der Zeit, sie wieder zu Ehren und zum Einsatz zu bringen. Die Menschen haben ein Recht darauf, dass wir ihnen Rechenschaft von unserer Hoffnung geben. Nichts anderes will und tut die Apologetik.