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Mittwoch, 2. Juli 2014

Mariä Heimsuchung: Aus meinem Herzen strömt ein hohes Lied




Salve, sancta parens, enixa puerpera Regem, 
qui caelum terramque regit in saecula saeculorum.
Eructavit cor meum verbum bonum; 
dico ego opera mea regi.

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Gruß dir, heilige Mutter, die du geboren den König,
der über Himmel und Erde in alle Ewigkeit herrscht!

Aus meinem Herzen strömt ein hohes Lied:
Ich weih mein Werk dem König!

Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste,
wie es war im Anfang so auch jetzt und alle Zeit 
und in Ewigkeit! Amen.


Introitus zum Fest Mariä Heimsuchung (Schott Volksmessbuch)

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Gebet der hl. Katharina von Siena - Betrachtung über die Menschwerdung Gottes


O Maria, Maria du Tempel der Dreieinigkeit!
O Maria, du Trägerin des Feuers!
O Maria, du Überträgerin der Barmherzigkeit!
O Maria, du Erzeugerin der gebenedeiten Frucht!
O Maria, du Miterlöserin des Menschengeschlechtes!

Denn da dein Fleisch im Worte gelitten hat für die Erlösung der Welt, erlöste uns Christus zwar durch sein Leiden, du aber durch das Mitleiden deines Leibes und deiner Seele.

O Maria, du Meer des Friedens!
O Maria, du Spenderin des Friedens!
O Maria, du fruchtbare Erde!
Du Maria, bist der neue Stamm, der uns die wohlriechende Blume, das Wort, den eingeborenen Sohn Gottes geschenkt hat. In dich, o fruchtbares Erdreich, wurde dieses Wort gesät. Du bist die Erde und du bist der Stamm.

O Maria, du Feuerherd!
Du trugst verborgenes, verhülltes Feuer unter der Asche deiner Menschheit.

O Maria, du Gefäß der Demut!
Dich hat der Vater mit ganz besonderer Liebe an sich gefesselt. In dir erglänzte und erstrahlte das Licht wahrer Erkenntnis, das dich über dich hinaus erhoben hat, um dem ewigen Vater zu gefallen. Durch dieses Licht und durch das Feuer deiner Liebe und die Salbung deiner Demut hast du die Gottheit an dich gezogen und sie in dich hinabsteigen lassen, obwohl sie durch das glühende Feuer ihrer unbegreiflichen Liebe schon gedrängt war, zu uns zu kommen.

Dank diesem Lichte, o Maria, bist du nicht unvorsichtig, sondern klug gewesen. Aus Klugheit wolltest du vom Engel wissen, wie das geschehen kann, was er dir kündete. Wusstest du also nicht, dass beim allmächtigen Gott dies möglich war? Ganz zweifellos. Doch warum sagtest du: "Ich erkenne keinen Mann?" (Luk 1,34). Es fehlte dir zwar nicht an Glauben, doch du in deiner tiefen Demut erkanntest deine Unwürdigkeit. Du zweifelest keineswegs, dass dies bei Gott nicht unmöglich war.

O Maria! Hat dich das Wort des Engels etwa geängstigt und verwirrt? Im Lichte Gottes betrachtet, scheint es nicht, als ob du aus Furcht verwirrt wurdest, obgleich deine Haltung Staunen und Bestürzung zeigte. Worüber wundertest du dich also? Über die große Güte Gottes, die du erlebtest. Als du dich selbst betrachtetest und dich so großer Gnade für unwürdig hieltest, wurdest du bestürzt. Der Vergleich zwischen deiner Unwürdigkeit und Schwäche und der unaussprechlichen Gnade Gottes rief dein Erstaunen hervor.

In deiner klugen Antwort zeigte sich deine tiefe Demut. Du warst also ohne Furcht, aber voll Bewunderung für die unermessliche Güte und Liebe Gottes in anbetracht der begrenzten Niedrigkeit deiner Tugend.

Du bist, o Maria, ein Buch geworden, in das für uns eine Lebensregel eingeschrieben ist. In dir wurde die Weisheit des ewigen Vaters sichtbar. In dir offenbarte sich die Macht und Freiheit des Menschen. Ich behaupte auch, dass sich in dir dir Würde des Menschen zeigte. Denn wenn ich dich betrachte, Maria, erkenne ich, dass der Heilige Geist mit eigener Hand die Dreieinigkeit in dich geschrieben hat, indem er aus dir das Fleisch gewordene Wort, den eingeborenen Sohn Gottes bildete.

Er hat in dich die Weisheit des Vaters niedergelegt, das Wort selbst. Er hat dir die Macht eingeprägt, die allein dieses große Glaubensgeheimnis verwirklichen konnte. Er hat dir endlich auch die Milde seines Heiligen Geistes eingehaucht, da ein solches Geheimnis nur aus Gnade und göttlicher Barmherzigkeit geplant und vollendet werden konnte.


aus: Katharina von Siena - Gebete; Übertragen und eingeleitet von P. Dr. Joseph Maria Scheller O.P.; Albertus-Magnus Verlag Vechta i.O.; AD 1936, S. 145ff, Von Mariä Verkündigung (s. Quellen)



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Leseempfehlung:




Montag, 9. Dezember 2013

Maria, Mutter des lebendigen Evangeliums, bitte für uns!


Jungfrau und Mutter Maria, vom Heiligen Geist geführt nahmst du das Wort des Lebens auf, in der Tiefe deines demütigen Glaubens ganz dem ewigen Gott hingegeben. Hilf uns, unser »Ja« zu sagen angesichts der Notwendigkeit, die dringlicher ist denn je, die Frohe Botschaft Jesu erklingen zu lassen. Du, von der Gegenwart Christi erfüllt, brachtest die Freude zu Johannes dem Täufer und ließest ihn im Schoß seiner Mutter frohlocken. Du hast, bebend vor Freude, den Lobpreis der Wundertaten Gottes gesungen.

Du verharrtest standhaft unter dem Kreuz in unerschütterlichem Glauben und empfingst den freudigen Trost der Auferstehung, du versammeltest die Jünger in der Erwartung des Heiligen Geistes, damit die missionarische Kirche entstehen konnte. Erwirke uns nun einen neuen Eifer als Auferstandene, um allen das Evangelium des Lebens zu bringen, das den Tod besiegt. Gib uns den heiligen Wagemut, neue Wege zu suchen, damit das Geschenk der Schönheit, die nie erlischt, zu allen gelange.

Du, Jungfrau des hörenden Herzens und des Betrachtens, Mutter der Liebe, Braut der ewigen Hochzeit, tritt für die Kirche ein, deren reinstes Urbild du bist, damit sie sich niemals verschließt oder still steht in ihrer Leidenschaft, das Reich Gottes aufzubauen Stern der neuen Evangelisierung, hilf uns, dass wir leuchten im Zeugnis der Gemeinschaft, des Dienstes, des brennenden und hochherzigen Glaubens, der Gerechtigkeit und der Liebe zu den Armen, damit die Freude aus dem Evangelium bis an die Grenzen der Erde gelange und keiner Peripherie sein Licht vorenthalten werde.

Mutter des lebendigen Evangeliums, Quelle der Freude für die Kleinen, bitte für uns. Amen. Halleluja!

Schlussgebet der Exhortation "Evangelii gaudium" von Papst Franziskus (24.11.2013 Christkönigssonntag)


Sonntag, 8. Dezember 2013

O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns!



O Maria,
ohne Sünde empfangen, bitte für uns,
die wir zu Dir unsere Zuflucht nehmen!


Ave Maria,
die du ohne Makel in die Welt eingetreten bist,
erlange mir von Gott,
dass ich einst ohne Schuld aus ihr scheide!
Amen.



Die Gebete sind entnommen dem Gebetbüchlein "OREMUS"


Maria, ohne Erbsünde empfangene Jungfrau und Gottesgebärerin, bitte für uns!

Neun Monate vor dem Fest Mariä Geburt am 08. September feiert die Kirche am 08. Dezember das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, ihrer Unbefleckten Empfängnis (Immakulata B.M.V.). Es ist ein immerwährender Glaubenssatz der Kirche, dass alle Menschen mit der Erbsünde behaftet zur Welt kommen. Von dieser Makel ausgenommen ist als einziger Mensch (sieht man vom Gottmenschen Jesus Christus ab) die Mutter Jesu, nämlich Maria, die Tochter des heiligen Joachims und der heiligen Anna. Sie wurde durch die Verdienste Jesu Christi "vorerlöst".




Wortlaut des Dogmas von der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria in der Dogmatischen Bulle „Ineffabilis Deus“ von Papst Pius IX. (1792 - 1878), verkündet am 08. Dezember 1854:

Die Lehre, daß die allerseligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis auf Grund einer besonderen Gnade und Auszeichnung vonseiten des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers der ganzen Menschheit, von jeder Makel der Erbsünde bewahrt blieb, ist von Gott geoffenbart und muß deshalb von allen Gläubigen fest und unabänderlich geglaubt werden.


„Von altersher ist es die fromme Meinung der Christgläubigen, daß die Seele der allerseligsten Jungfrau und Mutter Maria im ersten Augenblick ihrer Erschaffung und ihrer Vereinigung mit dem Leib auf Grund einer besonderen Gnade Gottes und eines besonderen Vorzuges im Hinblick auf die Verdienste ihres Sohnes Jesus Christus, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von aller Makel der Erbsünde rein bewahrt wurde; in diesem Sinne begeht man in feierlicher Weise das Fest ihrer Empfängnis.“ (1)

Vor allem betrachteten es Unsere Vorgänger als ihre heilige Pflicht, die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter mit aller Sorgfalt, mit Eifer und Entschiedenheit unversehrt zu bewahren. So haben sie in keiner Weise geduldet, daß die Lehre selbst von jemandem irgendwie angegriffen oder lächerlich gemacht wurde. Ja, sie sind noch viel weiter gegangen und haben zu wiederholten Malen ganz deutlich erklärt und verkündet, die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau stimme voll und ganz mit den Andachtsformen der Kirche überein, sie sei altehrwürdig und fast allgemein verbreitet, die Römische Kirche habe es sich zur Aufgabe gesetzt, sie zu fördern und zu schützen, ja sie verdiene es wirklich, in der heiligen Liturgie und bei feierlichen Bittandachten erwähnt zu werden.

(1) Alexander VII., Konst. Sollicitudo, 8. Dezember 1661, BR XVI 739.
aus derselben Bulle Pius' IX.

Weiteres zum Thema "Dogmen über die Gottesmutter Maria":



Siehe auch:
von Prof. Dr. Joseph Schumacher: Gedanken zur Unbefleckten Empfängnis


Foto: Unbefleckte Empfängnis; Pfarrei U.L.F. von Guadalupe "Gualupita" Cuauhtémoc,Ciudad de México, México; von Enrique López-Tamayo Biosca

Donnerstag, 12. September 2013

Zum Fest des heiligsten Namens Mariä (12. September)



Gebenedeit und hochverehrt bist du, Jungfrau Maria;
in unversehrter Jungfräulichkeit bist du des Heilandes Mutter geworden.

Jungfrau, Gottesgebärerin!
Er, den die ganze Welt nicht fasst,
Er schloss bei Seiner Menschwerdung Sich ein
in deinen Schoß.

Alleluja, alleluja!
Auch nach der Niederkunft bliebst du, o Jungfrau,
unversehrt: Gottesgebärerin, bitte für uns.
Alleluja!


Wir bitten Dich, allmächtiger Gott: Gib, dass Deine Gläubigen, die sich ob des Namens und Schutzes der heiligsten Jungfrau Maria freuen, auf Erden durch ihre mütterliche Fürsprache von allen Übeln befreit werden und im Himmel zu den ewigen Freuden gelangen dürfen. Durch unseren Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit eben dieses Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.


Graduale und Oratio aus dem Messformular des Festes des heiligsten Namens Mariä, das die Mutter Kirche jährlich am 12. September aus Dank für die Befreiung Wiens aus der Türkengefahr im Jahre 1683 feiert; im römischen Kalender von 1970 wurde das Fest gestrichen, da es angeblich eine Doppelung zum Fest Mariä Geburt darstelle, im deutschen Sprachraum hingegen ist es erhalten geblieben (vgl. Schott)
(s. auch z. B. hier, hier, hier und hier und ganz besonders hier!)



Samstag, 24. August 2013

Maria - mehr Mutter als Gebärerin


Eine schöne neue Welt ohne Mutter?

"Brave New World" – „Schöne neue Welt“ – heißt einer der berühmtesten Zukunftsromane des 20. Jahrhunderts, veröffentlicht im Jahr 1932 von dem englischen Schriftsteller Aldous Huxley. Das Buch führt den Leser in einen Weltstaat, in dem die regierende Clique das Leben der Menschen in allen Bereichen – von der Entstehung und Entwicklung bis zur ideologischen Einstellung – beherrscht und lenkt. An die Stelle der natürlichen Ordnung ist die totale technische Organisation getreten. Eine Moral im herkömmlichen Sinne gibt es nicht mehr. Sexualität wird zum bloßen Vergnügen ausgelebt, ohne feste Bindungen und Verantwortlichkeit. Eine staatlich dargereichte Droge hebt die Stimmung der ständig zur Depression neigenden Menschen. 

In dieser Kunstwelt unterliegt alles, was an die überwunden geglaubte Natur erinnert, einem strengen Verdikt. Besonders markantes Beispiel: Niemand darf einen anderen Menschen nach seiner Mutter fragen. Überhaupt gilt die Nennung des Wortes „Mutter“ als höchst unanständig. Da die Regelung der Nachkommenschaft längst der Technik überlassen ist, sollen Tatsachen wie Mutterschaft, Schwangerschaft und Geburt gänzlich aus dem Gedächtnis vertilgt werden. Ansonsten könnten wohl verbotene, für den Zusammenhalt der totalitär beherrschten Gemeinschaft gefährliche Gefühle geweckt werden... 


Bischof Walter Mixa gegen kinderfeindliche Politik

Szenenwechsel in die Gegenwart. Nach einer dramatischen medialen Inszenierung hat Bischof Walter Mixa von Augsburg im Jahr 2010 seinen Rücktritt eingereicht. Zu den riskantesten Äußerungen, die er im Vorfeld dieser Vorgänge gemacht hatte, gehörte eine über die kinderfeindliche Familienpolitik der Gegenwart. Sie erhebe, so der Bischof, die Doppelverdiener-Ehe zum „ideologischen Fetisch“. Weil sie „vorrangig darauf ausgerichtet“ sei, „junge Frauen als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie zu rekrutieren“, und sie dazu verleite, ihre Kinder kurz nach der Geburt in staatliche Obhut zu geben, degradiere eine derartige Politik die Frau zur „Gebärmaschine“. 

Der Sturm der Entrüstung und Empörung, der nach der Bemerkung des Bischofs durch den Presse-Blätterwald rauschte, war von seltener Heftigkeit. Leider haben sich, beeindruckt von der Einstimmigkeit der veröffentlichten Meinung, wohl nur allzu wenige Menschen Gedanken darüber gemacht, ob die Sache mit den „Gebärmaschinen“ denn so vollkommen aus der Luft gegriffen und an den Haaren herbeigezogen sei. Ob sie also nicht doch zumindest eine Tendenz beschreibe, die sich allgemein abzeichnet und die, bei aller Entfernung von Huxleys "Schöner neuer Welt", zumindest in die Richtung weist, die der Roman als Endprodukt einer Entwicklung darstellt. 


Erzeuger und Vater - Gebärerin und Mutter
 
Der Unterschied zwischen einer „Gebärerin“ und einer „Mutter“ liegt jedenfalls auf der Hand. Er stimmt mit demjenigen überein, der zwischen „Erzeuger“ und „Vater“ waltet. Gewiss ist der biologische Vater auch Erzeuger seines Kindes, aber darüber hinaus doch viel mehr als nur dies. „Vaterschaft“ besagt eben keineswegs nur ein leibliches Ursprungsverhältnis, sondern eine alle Dimensionen des menschlichen Lebens betreffende Beziehung. Letztlich verweist sie auf denjenigen, von dem nach den Worten des heiligen Paulus „jede Vaterschaft im Himmel und auf Erden ihren Namen hat“ (Eph 3,15). 

Ähnliches gilt von „Gebärerin“ und „Mutter“: Während das erste Wort sich zunächst nur auf den Vorgang der Geburt bezieht, eine „Gebärerin“ also eine Frau meint, die einen Menschen zur Welt gebracht hat, ist mit „Mutter“ eine lebenslange Stellung und Aufgabe angesprochen. Diese umfasst über die Geburt hinaus das Nähren, das Hegen und Pflegen, Behüten und Beschützen des anvertrauten Lebens. Sie beinhaltet aber auch dessen Erziehung und Begleitung, den Beistand mit Rat und Tat selbst für inzwischen erwachsen gewordene Kinder. Einmal Mutter, immer Mutter! 


Maria - Gottesgebärerin und Gottesmutter

Im kirchlichen Sprachgebrauch kommen bekanntlich beide Bezeichnungen im Zusammenhang mit Maria vor. Als Theotokos, „Gottesgebärerin“, wurde sie feierlich auf dem Konzil zu Ephesus (431 n. Chr.) ausgerufen. Dadurch sollte hervorgehoben werden, dass uns die heilige Jungfrau nicht, wie es die Lehren der Nestorianer wollten, eine menschliche Person, die in besonderer Weise mit Gott verbunden war, geboren hat. Dann wäre sie gleich anderen Frauen nur eine „Menschengebärerin“, allenfalls eine „Christusgebärerin“. Vielmehr ist derjenige, der zu Bethlehem das Licht der Welt erblickte, der ewige Logos, der dem Vater wesensgleiche Sohn. Er ist die zweite göttliche Person, die im Geheimnis der Inkarnation eine menschliche Natur annahm. Und folglich, weil sie diese zweite göttliche Person ihrer Menschennatur nach geboren hat, verdient Maria den Titel „Gottesgebärerin“. Ihm kommt in der Darlegung und Erhellung des kirchlichen Dogmas eine so gewichtige Stellung zu, dass wir auch heute nicht auf ihn verzichten können und wollen und ihn weiterhin verwenden, wenn wir beispielsweise beten: „Unter Deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin...“

Die andere, den meisten Christen geläufigere Titulierung Mariens ist Mater Dei: „Mutter Gottes“ (auch „Muttergottes“) oder „Gottesmutter“. Ohne Zweifel besagt sie noch weitaus mehr als das theologiehistorische Schwergewicht „Gottesgebärerin“. Sie bringt alles das zum Ausdruck, was Maria ihrem Sohn auch über die Geburt hinaus war und ist. 

Interessanterweise hat Papst Pius XI., als er im Jahr 1931 zum 1500jährigen Gedenken des Konzils von Ephesus ein liturgisches Fest einführte, dieses trotz des berühmten Marientitels jenes Konzils nicht „Gebärerschaft“, sondern „Mutterschaft der seligen Jungfrau Maria“ (Maternitas beatae Mariae Virginis) genannt. Ein Zeichen dafür, dass ihre Stellung als Mutter diejenige der Gebärerin überstrahlt. 


Maria, auch unsere Mutter

Das bewahrheitet sich auch im Blick auf uns. Seit dem stets bedenkenswerten Kreuzeswort Jesu zu Seiner Mutter und dem Jünger, den Er liebhatte, dehnt sich die Mutterschaft Mariens – im Gegensatz zu ihrer Aufgabe als leibliche Gebärerin – über ihren gottmenschlichen Sohn hinaus auch auf uns aus. Man kann sagen: Durch Ihn, mit Ihm und in Ihm sind wir ihr als Kinder anvertraut. 

Maria kommt ihrer mütterlichen Stellung in vollkommener Weise nach durch die Vermittlung der lebenspendenden Gnaden, durch ihre Fürsprache, ihre liebende Sorge, ihre milde, gütige, sanfte und doch feste Weisung und Führung, durch Schutz und Geborgenheit sowie durch Hilfe in jeder Not. Und wir tun gut daran, dieser geistlichen Mütterlichkeit mit wahrer geistlicher Kindlichkeit zu antworten. 

Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die gnadenlose ökonomisch-technische Welt in den nächsten Jahrzehnten die Aufgabe der Frau zunehmend auf die einer „Gebärerin“ (neben der Berufsarbeit, versteht sich!) einengen und das eigentliche Muttersein weiterhin beschneiden wird. Es ist sogar denkbar, dass man dem weiblichen Geschlecht auch die „Last der Geburt“ nehmen will, wenn sich Fortpflanzung und Entwicklung des embryonalen Lebens einmal mühelos und vor allem kostensparend ins Labor verlagern lassen. 

Gerade unter solchen bedrückenden Vorzeichen einer unmenschlichen „Schönen neuen Welt“ hat die liebende Verehrung und Anrufung Mariens höchste Priorität. Denn sie, unsere himmlische Königin, ist zwar Gebärerin des Herrn, aber noch viel mehr Seine und unsere Mutter! Und dadurch unsere sichere Führerin in die wahre "Schöne neue Welt" des ewigen Lebens. 


P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)

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