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Mittwoch, 4. Juni 2014

Lesenswert: Eine Wegweisung für Wegweiser von Andreas Wollbold

 

Heilige Priester – gutes Volk.
Gute Priester – mittelmäßiges Volk.
Mittelmäßige Priester – laues Volk.




Die Erneuerung der Kirche und die Überwindung der Kirchen- und Glaubenskrise, in der wir uns seit Jahren und Jahrzehnten befinden, wird zu einem guten Teil davon abhängen, inwiefern sich Priester und Gläubige wieder darauf besinnen, der Forderung Gottes nachzukommen und sich um ein heiliges Leben zu mühen: "Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch euer ganzes Leben heilig werden. Denn es heißt in der Schrift: Seid heilig, denn ich bin heilig." (1 Petr 1,15.16/ Lev 19,1)

In diesem Sinne hat der Priester Andreas Wollbold eine "maßgeschneiderte Handreichung" (Dr. Guido Rodheudt) für Priester zusammengestellt, einen Leitfaden, eine Wegweisung hin zu einer fruchtbaren und tragenden Spiritualität im Leben des Priesters - wie auch eines jeden Gläubigen, der für sich ein solides Fundament für das geistliche Leben legen will.

Prof. Wollbold tut das an der Hand des heiligen Pfarrers von Ars, Jean-Marie Vianney (1786 - 1859), der von Papst Benedikt XVI. als priesterliches Vorbild und Patron für das von ihm ausgerufene "Jahr des Priesters" 2009/ 2010 erwählt und zuvor bereits im Jahre 1929 von Papst Pius XI. zum "Schutzheiligen aller Pfarrer der Welt" erklärt worden war.

Mit vielen Zitaten also des heiligen Pfarrers von Ars aber auch von anderen großen Seelenführern führt Prof. Wollbold zu ganz praktischen Ratschlägen für den Alltag, sei es - z. B. - die Pflege guter Lektüre, die Frage der Verwirklichung der täglichen Zelebration, die Einübung einer "Sakristeikultur" oder die Art und Weise des Gedenkens an den eigenen Weihetag. Altes und Neues holt der Münchner Pastoraltheologe aus dem großen Schatz der christlichen Spiritualität hervor um den Eifer für die Heiligkeit wieder zu entfachen.

Das Bändchen hat 125 Seiten, gegliedert in sieben Hauptkapitel und eine umfangreiche Bibliographie; das Vorwort stammt aus der Feder von Walter Kardinal Brandmüller.

Wegweisung für Wegweiser -
Reinigung und Erneuerung des priesterlichen Lebens
Exerzitien mit dem hl. Pfarrer von Ars
Mit einenm Vorwort von Walter Kardinal Brandmüller
UNA VOCE Edition Tremsbüttel 2014
ISBN: 978-3-926377-00-5
Preis 7,80 Euro 
Bestellmöglichkeit: UNA VOCE Shop
oder in jeder Buchhandlung


Aus dem Buch, Seite 42:
Fragen wir zuerst: Was ist denn überhaupt damit gemeint, wenn wir vom Streben nach Heiligkeit sprechen? Vielfach wird sie unbesehen mit Begeisterung, Leidenschaft oder einfach einem christlichen Optimismus gleichgesetzt. Aber das wäre ein weltliches Denken, denn gute Stimmung, Enthusiasmus und restlose Identifikation wünscht sich auch jeder Sportverein. Auf die Heiligkeit übertragen, würde es sie auf die Gefühlsebene verlegen, scholastisch gesprochen in den niederen Seelenteil anstatt in den höheren, geistigen, wo Vernunft und Wille liegen. Das Streben nach Heiligkeit ist aber nichts anderes als die klare Erkenntnis der Vernunft, dass allein Gott ihr Ziel sein kann, und die feste Entscheidung des Willens, sich dementsprechend zu verhalten. So sagt es der Herr schon: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt“ (Mt 7,21).

Seite 52:
Selbsterkenntnis, mehr noch Arbeit an sich selbst, Christ sein zu üben (Askese), das ist das Fundament allen geistlichen Lebens. Nun gibt es das alte Sprichwort: „Qualis sacerdos, talis populus – wie der Priester, so das Volk.“ Ja, eine erfahrene Ordensschwester ging sogar einmal noch einen Schritt weiter: „Heilige Priester – gutes Volk. Gute Priester – mittelmäßiges Volk. Mittelmäßige Priester – laues Volk.“ Das heißt aber im Umkehrschluss: Eigene Askese ist die beste Seelsorge! Sie beginnt mit der Erkenntnis seiner selbst, der eigenen Würde als Bild Gottes: „Christ, erkenne deine Würde!“ (hl. Leo der Große). Diese Erkenntnis treibt den Willen an, sich dementsprechend zu formen. Dafür muss er lernen, gegen alles anzukämpfen, was das Bild Gottes entstellt und diese Würde mit Füßen getreten hat...


Weitere Infos auf der Website der UNA VOCE Deutschland.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Mit Gebet geht alles besser


Den Heiligen glückt alles, weil sie auf Grund ihrer Gebete einen Segen und eine Tugend erlangen, die ihren Arbeiten Wirksamkeit verleihen. Obwohl sie gebrechlich und oft krank sind, wie der heilige Gregor und Bernhard, bringen sie Wunderbares zustande.

Wir mögen uns noch so mühen, zur Verherrlichung Gottes und im Dienste der Seelen große Pläne zu schmieden, ohne Gebet bleibt von unseren Arbeiten und Unternehmungen nichts zu erhoffen. Aber mit Hilfe der Gabe des Gebetes können wir Wunderbares vollbringen, selbst was die Klugheit angeht und das Handhaben von Geschäften.


P. Louis Lallemant SJ in "Geistliche Lehre"; Johannes Verlag Einsiedeln; AD 1960 (s, Quellen)



Bild: Thronende Madonna mit Jesuskind und Heiligen; links Johannes der Täufer und Papst Gregor der Gr., rechts hll. Benedikt und  Hieronymus;  Andrea Mategna ((1431–1506); wikimedia commons

Freitag, 2. August 2013

Kraft, Trost und Stärkung aus der Anbetung des eucharistischen Christus

aus der Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" von Papst Johannes Paul II. (17.04.2003):

Der Kult, welcher der Eucharistie außerhalb der Messe erwiesen wird, hat einen unschätzbaren Wert im Leben der Kirche. Dieser Kult ist eng mit der Feier des eucharistischen Opfers verbunden. Die Gegenwart Christi unter den heiligen Gestalten, die nach der Messe aufbewahrt werden – eine Gegenwart, die so lange andauert, wie die Gestalten von Brot und Wein Bestand haben (1) –, kommt von der Feier des Opfers her und bereitet auf die sakramentale und die geistliche Kommunion vor.(2)

Es obliegt den Hirten, zur Pflege des eucharistischen Kultes zu ermutigen, auch durch ihr persönliches Zeugnis, insbesondere zur Aussetzung des Allerheiligsten sowie zum anbetenden Verweilen vor Christus, der unter den eucharistischen Gestalten gegenwärtig ist.(3)

Es ist schön, bei ihm zu verweilen und wie der Lieblingsjünger, der sich an seine Brust lehnte (vgl. Joh 13, 25), von der unendlichen Liebe seines Herzens berührt zu werden. Wenn sich das Christentum in unserer Zeit vor allem durch die »Kunst des Gebetes« (4) auszeichnen soll, wie könnte man dann nicht ein erneuertes Verlangen spüren, lange im geistlichen Zwiegespräch, in stiller Anbetung, in einer Haltung der Liebe bei Christus zu verweilen, der im Allerheiligsten gegenwärtig ist? Wie oft, meine lieben Brüder und Schwestern, habe ich diese Erfahrung gemacht, und daraus Kraft, Trost und Stärkung geschöpft!

Von dieser Praxis, die das Lehramt wiederholt gelobt und empfohlen hat (5), geben uns zahlreiche Heilige ein Beispiel. In besonderer Weise zeichnete sich darin der heilige Alfons von Liguori aus, der schrieb: »Unter allen Frömmigkeitsformen ist die Anbetung des eucharistischen Christus die erste nach den Sakramenten; sie ist Gott am liebsten und uns am nützlichsten«. (6) Die Eucharistie ist ein unermeßlicher Schatz: Nicht nur ihre Feier, sondern auch das Verweilen vor ihr außerhalb der Messe gestattet uns, an der Quelle der Gnade zu schöpfen.


(1)  Vgl. Konzil von Trient, 13. Sitzung, Dekret über das Sakrament der Eucharistie, Kan. 4: DH 1654. 
(2) Vgl. Rituale Romanum: De sacra communione et de cultu mysterii eucharistici extra Missam, 36 (n. 80).
(3) Vgl. ebd., 38-39 (nn. 86-90).
(4) Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), 32: AAS 93 (2001), 288.
(5) »Außerdem sollen sie [die Gläubigen] es nicht unterlassen, das heiligste Sakrament, das an einem bevorzugten Ort und mit größter Ehrfurcht den liturgischen Gesetzen entsprechend in den Kirchen aufzubewahren ist, tagsüber zu besuchen. Ein solcher Besuch ist ein Beweis der Dankbarkeit und ein Zeichen der Liebe wie der schuldigen Verehrung gegenüber Christus dem Herrn, der hier gegenwärtig ist«: Paul VI., Enzyklika Mysterium Fidei (3.September 1965): AAS 57 (1965), 771. 
(6)  Visite al SS. Sacramento ed a Maria Santissima, Introduzione: Opere ascetiche, Avellino 2000, p. 295.


 Heiliger Alfons Maria von Liguori, bitte für uns!



Samstag, 20. Juli 2013

Christliche und nichtchristliche Meditation


Von  P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad 
 
Was erwarten wir, wenn wir im kirchlichen Rahmen zu einem „Meditationskurs“ eingeladen werden? Wohl kaum eine spezifisch christliche Angelegenheit. Lesen wir dann auch noch, die Teilnehmer sollten bitteschön in leichter Kleidung und mit Wolldecke erscheinen, so fällt es uns nicht mehr schwer, uns die Art von Meditation auszumalen, die da geübt wird. 

Häufig handelt es sich um ein Gebräu aus fernöstlichen, nicht selten auch esoterischen Praktiken, versehen mit einem ordentlichen Schuss Psychologie und einigen christlichen Elementen. Das Ziel dabei ist nicht etwa ein vertiefter, verlebendigter Glaube an den dreifaltigen Gott und ein würdiger Wandel vor Ihm. Vielmehr geht es um „Selbsterfahrung“, „Selbstfindung“, „Selbstwerdung“ und manches andere mehr, das mit dem vielbeschworenen Selbst des Menschen (nicht zu verwechseln mit dem Ich!) zu tun hat. Selbstbeschäftigung eben. 

„Gott“ kommt in solchem Meditieren meist nur in ent-dogmatisierter Form vor, als unaussprechlicher Grenzwert der Erfahrung vielleicht, als kosmische Energie oder tiefstes Innen unseres Selbst. Der Heiligen Schrift bedient man sich, um ihre Bilder im Sinne von Archetypen zu betrachten oder einzelne ihrer Worte als Mantra vor sich hinzuraunen. Von Orientierung an der göttlichen Offenbarung und dem Glaubensgut der Kirche aber kann nicht die Rede sein. 

Bedauerlich, dass „Meditation“ heute fast automatisch in diesem Sinne verstanden wird, denn ursprünglich ist sie ein durchaus legitimes Kind der christlichen Tradition, mehr noch: eine Übung, welcher in der Geschichte der Spiritualität und auch der Theologie ein Ehrenplatz gebührt. 

Zunächst fällt ja auf, dass „meditatio“ eine lateinische (und nicht etwa eine altindische) Vokabel ist. Wenn ein katholischer Vertreter fernöstlicher Versenkungsmystik Meditation als einen „Vorgang in unseren Tiefenschichten, im Innersten unseres Inneren“ beschreibt, so mag das recht spirituell klingen, lässt sich aber sprachlich keineswegs untermauern. Denn nach der knappen Auskunft eines lateinischen Wörterbuches bedeutet das Zeitwort „meditari“ nicht etwa – wie oft zu lesen oder zu hören ist – „sich in seine Mitte (lat. „medium“) versenken“, sondern schlicht und ergreifend „nachsinnen, sich vorbereiten, einüben“. 

In der lateinischen Bibel finden wir das Wort „meditatio“ oftmals im Zusammenhang mit dem Gesetz des Herrn: Über dieses sinnt der gottesfürchtige, fromme Mensch nach und übt sich darin ein (vgl. z.B. Ps 118 in der Vulgata). So ist auch das christliche Meditieren ursprünglich ein betrachtendes Einüben des Wortes Gottes, um es in wachsendem Masse zu verstehen und es im eigenen Leben Fleisch werden zu lassen. Urbild solcher Meditation ist nicht etwa die im Lotussitz kauernde Gestalt des Buddha, sondern Maria, die hellwache, lauschende Jungfrau, die alle Worte und Ereignisse des Heilsgeschehens in ihrem Herzen bewahrt und erwägt (Lk 2,19 u. 51), dabei gleichsam im Sprung ist, jeden Wink des göttlichen Willens zu befolgen. 

Das christliche Mönchtum brachte die Meditation im Zusammenhang mit der „lectio divina“, der geistlichen Schriftlesung, zu hoher Blüte und Entfaltung. Im 12. Jahrhundert hat der Kartäusermönch Guigo die Weise, in der das geschehen kann, beschrieben. Sie besteht aus vier Schritten, nämlich: 

1) lectio: aufmerksame Lesung des heiligen Textes Wort für Wort
2) meditatio: geistige Durchdringung des Gelesenen und Aufnahme in das Herz
3) oratio: betende Darbringung der empfangenen Worte vor Gott
4) contemplatio: ruhiges, beschauliches Verweilen im Licht des Betrachteten
 
Viele gläubige Menschen haben durch diese Weise des Betens ihre Liebe zu Gott beflügelt und zugleich eine Schriftkenntnis erworben, die uns heute nahezu unvorstellbar scheint. Ohne die lebenslang gepflegte „lectio divina“ sind heilige Kirchenlehrer wie Bernhard von Clairvaux, Thomas von Aquin und Bonaventura gar nicht denkbar. 

Umso bedauerlicher ist es, dass man in der Neuzeit das reiche Erbe christlicher Meditation zunächst durch Betrachtungsmethoden ersetzte, die sich oft einseitig an den Verstand, den Willen oder das Gefühl richten, um dann im späten 20. Jahrhundert fast alles der Überschwemmung durch die Fluten fernöstlicher Religiosität preiszugeben. Seither fühlt man sich leider, wenn von „Meditation“ die Rede ist, eher auf hinduistische, buddhistische oder esoterische Pfade gesetzt als auf den Weg, der Jesus selbst ist (Joh 14,6). Für die Klöster und katholischen Bildungseinrichtungen wäre hier viel zu tun...




 Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)

- Bilder: aus dem Bildband "Überall bist du zu Hause"

Sonntag, 17. Februar 2013

Nachfolge Christi im Kampf gegen die Sünde

Ein (...) Aspekt der Spiritualität der Fastenzeit ist der – wir könnten sagen – "kämpferische". Er tritt im Tagesgebet, der "Kollekte", hervor, wo von "Waffen" der Buße und vom "Kampf" mit dem Bösen die Rede ist.

Jeden Tag, besonders aber in der Fastenzeit, muß der Christ einen Kampf bestehen, der dem gleicht, den Christus in der Wüste von Judäa durchgestanden hat, wo er vierzig Tage lang vom Teufel versucht wurde, und in Getsemani, als er die schwerste Versuchung zurückwies und den Willen des Vaters bis zum letzten annahm.

Es geht um einen geistlichen Kampf, der gegen die Sünde und letztlich gegen den Satan gerichtet ist. Es ist ein Kampf, der die ganze Person einbezieht und ständig aufmerksame Wachsamkeit erfordert. Der hl. Augustinus bemerkt, daß derjenige, der in der Liebe Gottes und in seiner Barmherzigkeit wandeln will, sich nicht mit der Befreiung von schweren Sünden und Todsünden begnügen darf, sondern "die Wahrheit tut, indem er auch die Sünden erkennt, die als weniger schwer betrachtet werden … und er kommt ans Licht, indem er gute Werke vollbringt. Auch die weniger schweren Sünden verbreiten sich und führen zum Tod, wenn sie vernachlässigt werden" (vgl. In Io. evang. 12.13,35)

Die Fastenzeit erinnert uns also daran, daß das Leben des Christen ein ununterbrochener Kampf ist, in dem die "Waffen" des Gebets, des Fastens und der Buße eingesetzt werden. Das Böse, jede Form von Egoismus und Haß bekämpfen und sich selbst entsagen, um in Gott zu leben, das ist der aszetische Weg, den jeder Jünger Jesu zu gehen berufen ist – mit Demut und Geduld, mit Großmut und Beharrlichkeit.

Die gehorsame Nachfolge des göttlichen Meisters macht die Christen zu Zeugen und Aposteln des Friedens. Wir könnten sagen, daß diese innere Haltung uns hilft, auch besser deutlich zu machen, was die christliche Antwort auf die Gewalt sein muß, die den Frieden in der Welt bedroht. Sicher nicht Rache, Haß, ebensowenig Flucht in einen falschen Spiritualismus. Die Antwort dessen, der Christus nachfolgt, ist vielmehr, den Weg zu gehen, den er gewählt hat, als er angesichts der Übel seiner Zeit und aller Zeiten entschlossen das Kreuz auf sich nahm und den längsten, aber wirksamsten Weg der Liebe ging. Auf seinen Spuren und mit ihm vereint müssen wir alle uns bemühen, dem Bösen mit dem Guten, der Lüge mit der Wahrheit, dem Haß mit der Liebe zu begegnen.


Papst Benedikt XVI., aus der Predigt am Aschermittwoch 2006


Samstag, 16. Februar 2013

Passionsfrömmigkeit

Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad 

Nein, dass die Betrachtung der Passion Jesu heutzutage „in“ sei, das wird niemand behaupten wollen. Aber war sie es denn jemals? Sind wir Menschen nicht seit eh und je mehr dem Angenehmen als dem Unangenehmen, mehr dem Attraktiven als dem Unansehnlichen zugeneigt? Der erniedrigte, verwundete, besudelte, am Kreuz ausgespannte Leib des Herrn bietet wahrlich kein erfreuliches Bild. Da rückt man sich doch lieber etwas Erbaulicheres vor das geistige Auge oder folgt dem Rat östlich inspirierter Priestergurus, die uns ins Nichts zu starren lehren; denn der Betrachtung eines gemarterten und hingerichteten Mannes ist eine solche „gegenstandslose Meditation“ doch allemal vorzuziehen. 

Und dennoch hat es bis vor nicht langer Zeit unter Christen den Drang gegeben, sich über solche naturhaften Befindlichkeiten zu erheben. Kirchlicherseits wurde damals vieles unternommen, die Aufmerksamkeit der Menschen auf das „bittere Leiden unseres Herrn und Heilandes“, wie man es gerne nannte, zu lenken. Dazu dienten Passionspredigten, Kreuzwegandachten, der Schmerzhafte Rosenkranz, Fünf-Wunden-Gebete und andere fromme Übungen, und die Darstellungen des Schmerzensmannes in allen Formaten, vom monumentalen Denkmal bis zum kleinen Gebetbuchbildchen, zeugen bis in unsere Tage davon. 

Freilich werden diese inzwischen wie Relikte aus einer längst vergangenen, ungeliebten Zeit empfunden. Der heutige Katholik mag sich zunächst an der Art, wie hier der leidende Christus gezeigt wird, stoßen: allzu blutig und entstellt; oder im Gegenteil allzu süßlich, ja kitschig; meistens jedenfalls nicht sonderlich kunstvoll. Doch ehrlicherweise muss er zugeben, nicht nur der Darstellungsweise, sondern auch dem Dargestellten entfremdet zu sein. Die Betrachtung des Gekreuzigten gehört einfach nicht mehr zum religiösen Repertoire eines aufgeklärten Christen. 

Das ist gar nicht weiter verwunderlich, da sich die kirchliche Verkündigung in unseren Landen ja bis auf wenige löbliche Ausnahmen über die Passion des Herrn ausschweigt. Auch bischöfliche Hirtenbriefe zur Fastenzeit ziehen es vor, pastorale Entwicklungspläne und Strukturfragen zu diskutieren, anstatt ein Licht auf die Sündenmisere des Menschen und von dort auf den gekreuzigten Erlöser zu werfen. Die genannten Formen der Volksfrömmigkeit sind folglich weithin zurückgegangen. Selten sieht man vor den Kreuzwegstationen in unseren Kirchen oder im Freien noch Menschen, die das Knie beugen und betend verweilen. 

Spricht man von der Heiligen Messe, über die früher jeder Katechismusschüler zu sagen wusste, sie sei „die unblutige Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesu Christi“, so hebt man nun lieber ihren Mahl- und Gemeinschaftscharakter hervor. Dabei handelt es sich bei ihr doch entsprechend den Stiftungsworten Jesu ausdrücklich um die Darbringung seines hingegebenen Leibes und seines für uns vergossenen Blutes, also um sein Opfer. Wie viele sind es, die noch lebhaft daran denken, wenn die eucharistischen Gestalten konsekriert und erhoben werden? – 

In Anlehnung an das geheimnisvolle Wort des Psalmisten: „Ein Abgrund ruft dem anderen Abgrund zu“ (Ps 41,8 [Vulg.]), kann man sagen, dass sich in der Passion des Gottmenschen zwei Abgründe offenbaren: der dunkle Abgrund menschlicher Erbarmungswürdigkeit und der lichte Abgrund göttlichen Erbarmens. Der Ruf aus der Tiefe findet Erhörung, da sich der, welcher das „Licht vom Licht“ ist, selbst in die Finsternisse des Todes hinab begibt, sie umzuwandeln. 

Beide Wirklichkeiten, die der menschlichen Sünde wie die der erlösenden Liebe, können uns nirgendwo in vergleichbarer Weise einsichtig werden wie vor dem Kreuz, im „Schauen auf den, den wir durchbohrt haben“ (Joh 19,37). Daher ist es begreiflich, dass das Bewusstsein von ihnen mit der Passionsfrömmigkeit steht und fällt. Ohne den Blick auf unseren leidenden Erlöser erscheint die Sünde bald abstrakt und zunehmend harmlos, die Rede von Gottes Barmherzigkeit hingegen wird eigentümlich farblos und nichtssagend, verkommt schließlich zur hohlen Phrase. Und auch der spezifische Weg des Christen, dessen Norm das Wort Jesu über die Nachfolge in Selbstverleugnung und täglichem Kreuztragen ist (Lk 9,23), gerät schließlich in Vergessenheit, stattdessen wandelt man auf der breiten und abschüssigen Bahn, die ins Verderben führt (vgl. Mt 7,13 f.). 

Die Folgerung ist einfach: Zurück zur häufigen und intensiven Betrachtung von Leiden und Sterben Christi! Das Gebet des Kreuzweges und des Schmerzhaften Rosenkranzes sind uns wichtige Wege zum Verständnis dessen, was wir in der neutestamentlichen Leidensgeschichte lesen und was auf unseren Altären gegenwärtig wird. Aus einer solchen Spiritualität erwächst dann auch, zusammen mit dem nötigen Lebensernst, die innigste Dankbarkeit: „Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank, denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst!“



Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)



Mittwoch, 3. Oktober 2012

Der Weg des Vertrauens

"Die heilige Therese von Lisieux lädt uns ein, den "kleinen Weg" zu gehen. Sie sagt: Auf dem Marathon des Glaubens will ich die allerletzte sein, aber es reicht mir anzukommen. Und wenn ich die größte Sünderin wäre, würde ich mich voll Vertrauen in die Hände Gottes stürzen.

Sie lädt uns ein, den "kleinen Weg" zu gehen, den einfachen Weg des Vertrauens, darauf zu vertrauen, daß Christus in uns wirkt und wir mit unserer Liebe zu den Menschen darauf antworten. So können wir dem Wirken Gottes in der Welt Raum geben."



Hl. Therese vom Kinde Jesu, bitte für uns!

Donnerstag, 6. September 2012

Gott ist da

 
Das regelmäßige Beten weckt in uns den Sinn für Gottes Gegenwart in unserem Leben
als einer, der da ist,
der uns kennt,
der uns trägt
und führt
und Hoffnung schenkt.

 
Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz am 05.09.2012 



Montag, 20. August 2012

Bernhard von Clairvaux: Selbsterkenntnis

Zum heutigen Namenstag:

Bernhard von Clairvaux:
Gottes Anruf
Wie Gott zum Gewissen spricht
Darin ermahne ich euch: Hört die innere Stimme; seid bestrebt, mehr von innen heraus die Stimme Gottes als von außen die Stimme eines Menschen zu vernehmen. (...)  Es braucht sich in der Tat keiner zu bemühen, dass er diese Stimme zu hören bekommt. Es kostet eher Mühe, die Ohren zu verstopfen, um nicht zu hören

Es ist nicht nur eine Stimme voll Macht, sondern auch ein Lichtstrahl, der den Menschen die Sünden vorhält und die dunklen Winkel erhellt (1Kor 4,5). Es besteht aber nicht der geringste Unterschied zwischen dieser inneren Stimme und dem Lichtstrahl, denn ein und derselbe ist der Sohn Gottes, das Wort des Vaters, der Abglanz der Herrlichkeit.

Denn was anders wird duch jenen Lichtstrahl oder jenes Wort bewirkt als Selbsterkenntnis? Da wird das Buch des Gewissens aufgeschlagen, in der unglücklichen Reihe der Erlebnisse zurückgeblättert, manch traurige Geschichte wieder aufgerollt, der Geist wird licht und vor seinen Augen liegt die Erinnerung offen da.

Höre nur auf dein Inneres, richte die Augen deines Geistes darauf und du wirst selbst erleben, wie es geht, und dadurch lernen. "Denn niemand weiß, was im Menschen ist, als der Geist des Menschen, der in ihm selber ist" (1Kor 2,11).

Wenn Hoffart, wenn Geiz, wenn Neid, wenn Ehrsucht oder ein ähnlicher Schandfleck darin verborgen liegt, kann er dem prüfenden Auge kaum entrinnen. Wenn Unzucht, wenn Raub, wenn Grausamkeit, wenn irgendwie Betrug oder irgendeine Schuld eingelassen wurde, vor diesem inneren Richter wird der Schuldige sich nicht verbergen noch vor ihm leugnen können; denn jener sündhafte Freudenkitzel ging rasch vorüber und die ganze lockende Lust fand ein schnelles Ende.

Aber dafür drückte sie deiner Erinnerung ein bitteres Siegel auf, ließ hässliche Spuren zurück. In diesem Sammelbecken ist aller Schmutz und aller Unrat wie im Kielraum zusammengeflossen. Ein umfangreiches Buch ist das Gewissen, in das alles eingeschrieben ist, und zwar mit dem Griffel der Wahrheit.

Aus: Bernhard von Clairvaux., Die Botschaft der Freude, Benziger Verlag Einsiedeln AD 1953; S. 43-45, gekürzt)

Montag, 6. August 2012

Gott will dich...


Gott will dich,
und er kennt dich,
dass er dir, wenn du zu ihm aufblickst, eilends hilft.
Berührst du aber die Eitelkeit der Welt,
so eilt er umsonst zu dir.
Wähle also zwischen beidem.

Der Mensch existiert gleichsam an einer Wegkreuzung.
Sucht er im Licht Gottes Heil, so empfängt er dies auch.
Wählt er aber das Böse, so findet er das Strafgericht.

Gott Vater hatte in sich selbst ein solches Entzücken,
dass er die ganze Schöpfung durch sein Wort hervorrief.
Daher gefiel ihm auch seine Schöpfung,
und jedes Geschöpf, das ihn liebend berührt,
nimmt er in seine Arme.




Samstag, 30. Juni 2012

Tugend ist gefragt!

Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad


Bei dem Philosophen Plotin (ca. 205-270 n.Chr.), einem Heiden, ist folgender, gegen die Gnostiker gerichteter Absatz zu lesen:

„Und das gilt wider sie als Zeugnis: Sie haben keinerlei Untersuchung über die Tugend angestellt. Die Behandlung dieser Fragen fehlt überhaupt bei ihnen. Sie lehren nicht, was ihr Wesen ist und wie viele Teile sie hat; nichts von den vielen hervorragenden Untersuchungen, die die Schriften der Alten enthalten, nicht, woraus die Tugend sich ergeben soll und erworben werden kann, nicht, wie die Seele geheilt und gereinigt wird. Zu sagen: ‘Schaue auf Gott’, das richtet nichts aus, wenn man nicht auch unterweist, wie man dazu gelangen kann. Denn man kann ja recht wohl auf Gott blicken, ohne sich irgendeine Lust zu versagen oder seine Aufwallung zu zügeln; man kann in alle Leidenschaften verstrickt sein, braucht gar nicht den Versuch zu machen, sie irgendwie auszutreiben, und kann dabei doch des Namens ‘Gott’ gedenken. In Wahrheit aber zeigt den Weg zu Gott die Tugend, die in der Seele sich fortschreitend entwickelt im Bunde mit der Einsicht. Wenn man ohne die echte Tugend von Gott redet, so ist das ein leerer Name.“ (Enneaden II 9,33)

Abgesehen von der Ausdrucksweise des antiken Philosophen, könnte man den Eindruck gewinnen, diese Worte seien in unserer Zeit und für unsere Zeit geschrieben worden. Vieles, was uns heute als Spiritualität angeboten wird, weist eine erstaunliche Ähnlichkeit mit den gnostischen Strömungen auf, gegen die Plotin sich wendet. Wer kennt nicht die gewiss gutgemeinten, aber doch wenig hilfreichen geistlichen Impulse und Animationen von der Art: „die Seele baumeln lassen“, „einfach nur da sein“, „sich ohne Zweck und Ziel dem Licht Gottes aussetzen“…?

Diese Anregungen sind ja nicht in sich falsch, gehört es doch sehr wohl auch zum christlichen Leben, schlicht und gelassen vor Gott zu wandeln und im Licht Seiner Liebe zu verweilen. Und dass sich der ohnehin gestresste Mensch der Gegenwart eher zu einer Wellness-Religiosität hingezogen fühlt als zum geistlichen Kampf, lässt sich leicht nachvollziehen.

Dennoch, die christliche Berufung zur Heiligkeit ist zu konkret, die Nachfolge des Herrn jener Wohlfühl-Mentalität zu sehr entgegen und die echte Mystik zu präzise, um in einen derartig allgemeinen Befindlichkeitsbrei aufgelöst werden zu können.

„Wenn man ohne die echte Tugend von Gott redet, so ist das ein leerer Name.“ Plotin hat recht: Erst durch die Überwindung des alten Menschen, durch die Reinigung von seinen Lastern und schlechten Gewohnheiten wird in wachsendem Masse der Blick auf Gott frei, so wie Er wirklich ist. Diesen Weg können wir nicht aus eigenem Vermögen abkürzen und uns sogleich in eine höhere Beschauung katapultieren, die eher am Ende geistlichen Fortschrittes als am Anfang steht!

Darum wissend, waren die herausragenden Lehrer der Spiritualität und Mystik immer auch Lehrer der Tugend. Sie hielten die Menschen dazu an, sich durch wiederholte, gezielte Übung zum Guten geneigt und fähig zu machen, ähnlich einem Musiker, der so lange auf seinem Instrument übt, bis ihm das Schwere leicht geworden ist und er es spielend meistert. Neigung und Fähigkeit zum Guten, Gewöhnung daran, verbunden mit spielerischer Leichtigkeit: das ist ja mit „Tugend“ gemeint, ob es nun um die Klugheit, die Gerechtigkeit, die Tapferkeit, die Maßhaltung oder welche Tugend auch sonst gehen mag.

In der Tat, auch heute wieder müssen wir wie Plotin bedauern, dass man die „vielen hervorragenden Untersuchungen, die die Schriften der Alten enthalten“, links liegen lässt und ihnen die vordergründigen Inspirationen religiöser Modeautoren vorzieht.

Wie reich und tiefsinnig, dabei genau und lebensnah z.B. die Ausführungen des hl. Thomas von Aquin über die Tugenden sind, das hat der katholische Philosoph Josef Pieper in seinen Büchern eindrucksvoll gezeigt. Versteht man mit ihm die Tugend als ein „Im-Sprunge-Sein zum Guten hin“, so verliert der Begriff alles Langweilige und Altbackene, das ihm nach Meinung mancher anhaftet, und offenbart seine innere Dynamik, seine brennende Aktualität. Menschen, die in diesem Sinne tugendhaft sind, brauchen wir so sehr! Sie heranzubilden, ist das Ideal aller christlichen Erziehung und Bildung.

Gerade wer ein geistliches Leben führen will, wer sich zum Gebet und zur Betrachtung hingezogen fühlt, muss sich auch um Wachstum in der Tugend bemühen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass seine religiösen Regungen Schall und Rauch sind, fromme Illusionen, die vor der Wahrheit Gottes, den Ansprüchen der Menschen und vor der eigenen Berufung nicht standhalten werden. 


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im
Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS



Weiteres zum Thema Tugendlehre:
Johannes Roger Hanses:
Die neue Lehre in der neuen Kirche (bitte HIER klicken!)





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Samstag, 23. Juni 2012

„Es prüfe sich der Mensch...“

Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad 


Man geht zur Kommunion, und das möglichst vollzählig. Daran haben wir uns längst gewöhnt. Wer an einer Heiligen Messe teilnimmt, ohne zu kommunizieren, hat es nicht immer leicht. Irritierte Blicke der anderen Messbesucher, ja sogar des Zelebranten sind dann keine Seltenheit. Jemand erzählte mir, der Priester habe sich eigens zu ihm in den hinteren Teil des Kirchenschiffes begeben, um ihn am „Gemeinschaftsmahl“ teilhaben zu lassen, obwohl er doch gar nicht wollte. Eigentlich rührend, diese Sorge um das verlorene Schaf...

Mancherorts wird geworben: „Jesus lädt alle ein, unabhängig von irgendwelchen Bedingungen. Niemanden schließt er aus. Kommet daher alle, esset und trinket!“ Das abweichende religiöse Bekenntnis und die ungeordnete Lebensweise sollen also keine Hindernisse mehr bilden. Letztlich konsequent, wenn man in der Kommunion nur eine religiöse Brotzeit, ein sinniges Zeichen der Gemeinschaft mit Jesus und den Mitmenschen sieht. Das wäre ja auch ein sonderbares Mahl, bei dem sich einige damit begnügen müssten, beim Essen zuzuschauen!

Ganz anders freilich liegt der Fall, wenn auf unseren Altären tatsächlich das Erlösungsopfer dargebracht und als dessen Frucht Jesus Christus selbst denen zur Speise gereicht wird, die durch ihn, mit ihm und in ihm leben wollen. Und genau dies ist unser Glaube.

Mit aller Deutlichkeit fordert Paulus die Korinther auf, sich vor dem Empfang des Leibes und Blutes Christi zu prüfen, „denn wer unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich das Gericht, da er den Leib des Herrn nicht unterscheidet“ (1 Kor 11,28f.). Zur Prüfung und Unterscheidung brauchen die Gläubigen Kriterien; objektive Maßstäbe, anhand derer sie zu einer Sicherheit gelangen können, ob der Gang zur Kommunion im Einzelfall gut und ratsam oder vielmehr unangemessen, ja sündhaft ist. Bedauerlicherweise sind Belehrungen solcher Art heute rar geworden. Die kirchlichen Organe in unseren Landen produzieren en masse Handreichungen über Dinge, für die sie weder Zuständigkeit noch die Verheißung des göttlichen Beistandes in Anspruch nehmen können, während gleichzeitig Kernfragen des christlichen Glaubens und Lebens selten und dann zumeist eher unklar behandelt werden. Deshalb hier einige Grundsätze zum Kommunionempfang:

1) Den Leib des Herrn darf nur ein getaufter, gläubiger Katholik empfangen. Das Taufsakrament bildet die notwendige Voraussetzung für alle anderen Sakramente, die Zugehörigkeit zur Kirche aber und die Übereinstimmung mit ihrem Glauben sind erfordert, weil ein wesentlicher Zusammenhang zwischen dem eucharistischen und dem mystischen Leib Christi, der Kirche, besteht.

2) Die Kommunion ist ein „Sakrament der Lebenden“. Das bedeutet: Sie darf auf keinen Fall im Zustand einer schweren, für das Gnadenleben tödlichen Sünde empfangen werden. Wer seit längerer Zeit nicht mehr gebeichtet hat, der tut auch dann, wenn er sich keiner schlimmen Verfehlung bewusst ist, gut daran, vor dem Weg zur Kommunion Seele und Herz im Sakrament der Busse zu reinigen.

3) Damit der Leib des Herrn von gewöhnlicher Speise unterschieden werde, hat man von alters her eine „eucharistische Nüchternheit“ eingehalten. Die heutige Vorschrift verlangt nur noch eine Stunde Nahrungslosigkeit bis zur Kommunion; es ist also möglich, sich direkt von einem reichlich gedeckten Frühstückstisch zur Messe und in ihr zum Tisch des Herrn zu begeben! In Anbetracht dieser Lage kann nur wärmstens empfohlen (aber nicht vorgeschrieben) werden, durch eine längere Nüchternheit von z.B. drei Stunden bewusst den Akzent einer „ganzheitlicheren“ Vorbereitung zu setzen.

4) Niemand gehe zur Kommunion, „weil man halt geht“. Gruppenzwänge und bloße Routine kommen hier einfach nicht in Frage. Bekanntlich kommunizierten viele unserer großen Heiligen keineswegs täglich (geschweige denn mehrmals täglich), oft nicht einmal wöchentlich. Gerade wer es häufiger tut, muss sich um einen lebendigen eucharistischen Glauben, um Ehrfurcht und Anbetung bemühen. Echtes Verlangen nach der Vereinigung mit Jesus soll ihn beseelen, verbunden mit dem aufrichtigen Willen, in der Liebe und im Gehorsam gegenüber Gottes Geboten zu wandeln und zu wachsen.

Diese Angaben sind sie mehr als die Privatmeinung des Verfassers: Sie geben den Standpunkt der Kirche wieder. Weil er von vielen hauptamtlichen Kirchenvertretern allzu leise und undeutlich, manchmal sogar verdreht dargeboten wird, erscheint er inzwischen wie eine persönliche Ansicht gestrenger Priester. Aber das lässt sich im Einsatz für die höchsten und heiligsten Güter kaum vermeiden.


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)





Siehe auch:



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Dienstag, 3. Januar 2012

NEU: Bibliothek / Online-Bücher

Habe meinem Blog eine neue Seite (s. Sidebar unter: Seiten) zugefügt: 

Bisher befinden sich folgende Bücher in der Bibliothek und können als online-Ausgabe gelesen werden:
 
Aurelius Augustinus Bekenntnisse
online-Ausgabe: bitte HIER klicken!

 Hl. Ludwig Maria Grignion v. Montfort: Das goldene Buch
Lins-Verlag Feldkirch; AD 1920
online-Ausgabe: bitte HIER klicken! 

Jan van Rysbroeck: Die Zierde der geistlichen Hochzeit
Matthias Grünewald Verlag; AD 1922
online- Ausgabe: bitte HIER klicken! 

P. Joseph Schryvers C.Ss.R.Die Hingabe an Gott
Verlag der Schulbrüder, Kirnach-Villingen; AD 1935

Laurentius Scupoli: Der geistliche Kampf
Verlag von N. Doll; AD 1855
online-Ausgabe: bitte HIER klicken!


Außerdem: Aktuelles

Neueste Ansprachen und Veöffentlichungen des Hl. Vaters, Benedikt XVI.:
Vatikan Aktuelles: bitte HIER klicken!
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