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Freitag, 23. Mai 2014

Was wollen wir: Reform oder "Reform"?

Es gibt immer und überall zwei Arten von Reformen. Die eine nimmt sich der Sitten auf der Stufe an, zu der sie herabgesunken sind, und erhebt sie von der Begierlichkeit zur höchsten Selbstverleugnung, von der Unenthaltsamkeit zu jungfräulicher Reinheit, von der Empörung zu Demut und Gehorsam, von der Gewalttätigkeit zu liebevoller Mildtätigkeit - mit einem Wort: von der Zügellosigkeit zur Entsagung, von den Lastern zur Tugend.

Die andere Art Reform findet die Sitten auf derselben Stufe der Erschlaffung, aber statt den Zügel anzuziehen, lockert sie ihn; um die Verletzung des Gesetzes zu beseitigen, beseitigt sie das Gesetz. Sie reformiert die Sitten, indem sie sie entfesselt und so die Unordnung selbst rechtfertigt und beschleunigt. Sie reformiert die Unenthaltsamkeit von Priestern durch Einführung der Priesterehe, die Unenthaltsamkeit der Eheleute durch Einführung der Ehescheidung; den Mangel an Gehorsam und die Erschlaffung der Oberen durch Aufgeben der Disziplin, durch Abfall und Empörung; sie reformiert die Schwächung der Einheit durch Sektierertum, die Verwirrung im Glauben durch Verachtung der Autorität. Sie unternimmt den Versuch, etwas Unmögliches zu erreichen: das Übel zu tilgen durch Leugnung und Zerstörung des Guten!

Auguste Nicolas (1807-1888) , franz. Apologet; zitiert nach Bernhard Müller in "Reform oder Revolution", Miriam-Verlag Jestetten, AD 1970, S. 41/42

Sonntag, 27. Januar 2013

Höflichkeit (2)

Es ist für uns Menschen eine Pflicht, freundlich und heiter im Umgang zu sein. Unsere vielgepriesene "Sachlichkeit" ist ein Irrweg, sowohl in der Kunst wie im Geschäftsleben, wie im privaten Umgang.

Der heilige Thomas sagt, dass das taktvolle und freundliche Zusammenleben etwas ist, was wir unserem Nächsten schuldig sind. Denn der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen. Er muss in all seinem Tun und Lassen auf die Gemeinschaft Rücksicht nehmen. Nun kann der Mensch aber nicht ohne Freude leben, denn er ist für die Freude erschaffen. Somit ist jeder gehalten, von sich aus zur allgemeinen Freude beizutragen.

Was diese Freude für ein Antlitz trägt, wie sie Weltkinder und Gotteskinder adelt, das beschrieb einmal der weltbekannte Konvertit Kardinal Newman in einer kurzen Abhandlung über den Gentleman als abendländisches Bildungsideal. Darin schildert er anschaulich die vornehme Seelenhaltung, die jener sich aneignen muss, der dieses Ideal nicht nur als äußere Fassade, sondern echt und innerlich in sich verwirklichen will. Es heißt da unter anderem:
Er hat Augen für jeden einzelnen in seiner Umgebung; er ist gut zum Schüchternen, freundlich zum Zurückhaltenden, taktvoll zum Absonderlichen. Stets ist er sich bewusst, mit wem er gerade spricht; er vermeidet unzeitige Anspielungen und unangenehme Gesprächsstoffe; er hält sich zurück in der Unterhaltung und will nicht lästigfallen.

Die Gefälligkeiten, die er erweist, scheint er zu empfangen. Er spricht nicht von sich, außer es muss sein, verteidigt sich nicht durch einen Rückschlag; er ist sehr vorsichtig, seinem Gegner bestimmte Beweggründe zuzumuten, und legt alles eher zum Guten aus.

Nie ist er kleinlich oder gemein in der Wechselrede, nie nimmt er unfairen Vorteil wahr, nie verwechselt er Anzüglichkeiten oder Schärfen mit Argumenten und macht nie Andeutungen, wo er nicht offen sprechen darf.

In voraussehender Klugheit beachtet er jene antike Maxime, wonach wir uns zu einem Feind so verhalten sollen, als ob er eines Tages unser Freund würde. In Kontroversen, die er nicht sucht, bewahrt er seine geistige Disziplin vor der plumpen Unhöflichkeit vielleicht besserer, doch jedenfalls minder erzogener Köpfe, die gleich stumpfen Waffen zerhacken und aufreißen, statt scharf und glatt zu schneiden, die im Argumentieren den wesentlichen Punkt verfehlen, ihre Kraft an Nebensächlichkeiten verschwenden, ihren Gegner missverstehen und die Frage verwickelter hinterlassen, als sie sie gefunden haben. (...)

(Newman, Kirche und Wissenschaft, Mainz 1927, Seite 212)

aus: P. Paul Rondholz SJ: Die Höflichkeit; Johannes-Verlag Leutesdorf (Rhein); AD 1960; S. 10-12 (s. Quellen)

Samstag, 26. Januar 2013

Höflichkeit (1)

Höflichkeit ist (...) Disziplin oder Selbstzucht der Seele im menschlichen Verkehr mit der frohen Bereitschaft, sich einzuordnen und gegen andere menschenfreundlich zu sein.

Es ist gar nicht anders möglich, als dass dieses Bestreben einen frohen Glanz hineinträgt in die menschlichen Ordnungen. Höflichkeit ist ein Lichtstrahl des Herzens, der nach außen durchschimmert, wärmt und lebendiges Frohmachen ausstrahlt. Höflichkeit ist etwas beglückendes, ist Wärme und Sonne, die in alles Zusammenarbeiten der Menschen einen verklärenden Schimmer hineinträgt.

Höflichkeit ist die in eine verbindliche Form gefasste Liebe. Der Weise, der wirklich Höfliche ist stets ein Liebender.

Oft hört man den Einwand: "Feine Formen? Ach, Äußerlichkeiten, pure Äußerlichkeiten!" Aber diese feinen Formen sind nicht bloß äußere Fassade, sollen es wenigstens nicht sein, sondern tragen einen tiefen Sinn in sich. Goethe sagte einmal: "Es gibt kein äußeres Zeichen der Höflichkeit, das nicht einen tiefen sittlichen Grund hätte." Der Dichter hat schon recht.

Der tiefste sittliche Grund geht uns aber erst in der Religion auf, die den Menschen als Gottes Ebenbild wertet und die Menschenwürde hoch hineinhebt in das Reich der Gnade. Da wird nun Höflichkeit die zarte Aufmerksamkeit, die ich einem Geschöpf schuldig bin, das Christus unbegreiflich erhoben und sich zum Bruder, zur Schwester gemacht hat, und das ist die Höflichkeit, die zugleich von Ehrfurcht und von Christusliebe getragen ist. (...)


P. Paul Rondholz SJ: Die Höflichkeit; Johannes-Verlag Leutesdorf (Rhein); AD 1960; S. 8-10



Hervorhebung durch Fettdruck von FW

Mittwoch, 8. Februar 2012

Petition Pro Ecclesia

Heute vor einem Jahr, am 8. Februar 2011 wurde die "Petition Pro Ecclesia"  im Internet veröffentlicht.

Darüber berichtet wurde heute z. B. hier:

kath.net: Die Petition Pro Ecclesia: Ein Jahr danach (bitte HIER klicken!)

Elsas Nacht(b)revier (B. Wenz):  Pressemitteilung Petition Pro Ecclesia

Jobo72 (Josef Bordat): Ein Jahr „Petition Pro Ecclesia“

Demut jetzt: Wider den elitären Reformverweigerern

Die Bittschrift  war eine direkte Reaktion von Katholiken auf das sog. Theologen-Memorandum „Kirche 2011 – ein notwendiger Aufbruch“, sie wurde von (zunächst) rund 14.000 Personen unterzeichnet und am Mittwoch, den 16. März 2011 in Paderborn dem Sekretär der deutschen Bischofskonferenz übergeben (vgl. Dokumentation). Weitere ca. 1000 Unterschriften wurden nachgereicht.

Absicht war es, den Bischöfen ins Bewusstsein zu bringen, dass es auch im deutschsprachigen Raum sehr wohl Gläubige gibt, die sich vor ihrem Gewissen der Lehre der Kirche verpflichtet wissen und die bereit sind, zusammen mit ihnen (den Bischöfen) eine Reform des Glaubenslebens anzugehen, die sich an den von Gott geoffenbarten Wahrheiten und der gesamtkirchlichen Überlieferung (und nicht an zeitgeistigen Liberalisierungsversuchen) orientiert.

Hier nun zur Erinnerung noch einmal die Bitten der Petition an die Bischöfe:

  1. Treten Sie bitte diesen Forderungen von Politikern, Theologieprofes­soren, Pressevertretern und anderen mit aller Entschiedenheit entgegen. Die Katholiken, die sich in ihrem Alltag fortwährend mit solchen An­würfen konfrontiert sehen, brauchen den sicht- und hörbaren Bei­stand ihrer Hirten.
  2. Bitte geben Sie den Priestern und Priesteramtskandidaten ein deutliches Signal der Unterstützung, dass der Zölibat, die Lebensform, auf die sie sich vorbereiten oder die sie gewählt haben, kein altmodisches Auslaufmodell, sondern die dem Priester angemessene Lebensform ist. Gerade jetzt, in dieser schweren Zeit, brauchen die Priester den Rückhalt ihrer Bischöfe.
  3. Stellen Sie bitte als Hirten sicher, dass Forschung und Lehre an den Theologischen Fakultäten und Instituten bei allem Respekt vor der notwendigen Freiheit der Wissenschaft im Einklang mit der Lehre der Kirche erfolgt. Wir brauchen Dozenten und Professoren, die den Glauben intellek­tuell redlich untermauern und unserer säkularisierten Gesellschaft auch im wissenschaftlichen Diskurs an den Universitäten etwas zu sagen haben.
  4. Zeigen Sie sich bitte auch für die Studentinnen und Studenten in allen Bereichen der Theologie (Priesteramtskandidaten, Lehramtsanwär­ter, angehende Pastoral- und Gemeindereferenten) verantwortlich. Geben Sie ihnen durch Bestellung geeigneter Seelsorger ein deutli­ches Signal, dass ein Theologiestudium nur mit der Kirche – niemals aber gegen die Kirche – sinnvoll sein kann.
  5. Halten Sie bitte die Liturgie in Ihrem Bistum im Blick. Sorgen Sie dafür, dass liturgische Experimente beendet werden. Wir Gläubigen haben ein Recht auf eine Liturgie, wie sie in den Riten der Kirche festge­legt ist. Der Priester ist nicht Herr der Liturgie, sondern ihr Diener. Liturgie ist Ausdruck der Einheit der Kirche. Wer die Einheit des Betens der Kirche aufkündigt, bringt die Einheit der Kirche selbst in Ge­fahr.
  6. Geben Sie bitte ein deutliches Bekenntnis zu Ehe und Familie im Sinne der Kirche. Bei allem Respekt vor der Entscheidung des Einzelnen, andere Lebensformen zu wählen, soll aber in der Gesellschaft deut­lich werden, dass die christliche Ehe ein Sakrament ist. Gleichge­schlechtliche und nichteheliche Partnerschaften können der Ehe niemals gleichgestellt sein.
  7. Der angekündigte Dialog darf kein Dialog zwischen den obersten Etagen von Elfenbeintürmen sein. Es ist eine gute Sache, miteinan­der zu reden. Doch die Grundfeste der Kirche dürfen im Dialog nicht zur Disposition gestellt werden.

Witere Informationen sowie eine Dokumentation zur Petition Pro Ecclesia auf folgenden Seiten:

zur Dokumentation (bitte HIER klicken!)

Wortlaut der Petition


Den Initiatoren ein herzliches Dankeschön: Vergelt's Gott!

Freitag, 3. Februar 2012

Anmerkung zur "Pfarrer-Initiative"

Der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs gibt Antworten auf die Forderungen der sog. Pfarrer-Initiative:

1. „NEIN zu reisenden Zelebranten“: Gut, dass der heilige Paulus oder der heilige Bonifatius nicht auf die Idee kam. Oder ein Mitbruder an der Wolga.

2. „NEIN zu immer mehr Eucharistiefeiern am Wochenende“: Der CIC macht frei! Das Kirchenrecht sieht am Sonntag (inclusiv Vorabend) max. drei Messen pro Priester vor. Das ist nicht zuviel verlangt.

3. „NEIN zur Zusammenlegung von Pfarren“: In Deutschland gab es 1950 23 Mio. Katholiken, von denen 50,4 % am Sonntag zur Messe gingen. 2009 waren es 24,9 Mio., von denen 13,0% die Messe besuchten - ein Rückgang um ca. 74 %. Darf man nichts zusammenlegen, wenn die Kirchen viertel voll sind?

4. „NEIN zur Überforderung der Pfarrer“: JA zur Ganzhingabe, JA zu einem geistlichen Leben, JA auch zur Verwaltung (gehört zum In-der-Welt-Sein) - und JA zum Vertrauen in den Heiligen Geist, der arbeitet, wenn wir schlafen und auf unsere Gesundheit achten.

5. „NEIN, wenn das Kirchenrecht unbarmherzige Urteile spricht“: JA zur verbindlichen Liebe, JA zur Keuschheit für Homosexuelle, JA zum priesterlichen Zölibat und JA zu einem Gewissen, das sich an der Wahrheit in Liebe orientiert.


(Quelle: facebook/kath.net)


Dazu noch eine Anmerkung:


"Um die Einheit ihres Lebens auch konkret wahr zu machen, müssen sich die Priester all ihr Tun und Lassen vor Augen halten und prüfen, was Gottes Wille ist (1), ob und wieweit es nämlich mit den Richtlinien der Kirche für ihre Heilssendung übereinstimmt. Die Treue zu Christus kann ja von der Treue zu seiner Kirche nicht getrennt werden. Die Hirtenliebe erfordert also, daß die Priester, um nicht ins Leere zu laufen (2), immer in enger Verbindung mit den Bischöfen und mit den anderen Mitbrüdern im Priesteramt arbeiten. Wenn sie nach diesem Grundsatz handeln, werden sie die Einheit für ihr eigenes Leben in der Einheit der Sendung der Kirche finden und so mit ihrem Herrn und durch ihn mit dem Vater im Heiligen Geist vereint werden, so daß sie mit Trost und überreicher Freude erfüllt werden können (3)."

1) Vgl. Röm 12,2.
2) Vgl. Gal 2,2.
3) Vgl. 2 Kor 7,4.
 
II. Vat. Konzil; Dekret "Presbyterorum ordinis" - Über den Dienst der Priester, III. Kap. 14


weitere Informationen zur antirömischen Pfarrer-Initiative:
kath.net vom 02.02.2012: Die 'Pfarrer-Initiative': Ein Fall für das Kirchenrecht?
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