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Montag, 28. Juli 2014

Wahrheit stört sich nicht am Willen - Primat des Logos über das Ethos

 
Die Wahrheit ist Wahrheit, weil sie Wahrheit ist. Es ist an und für sich für sie völlig gleichgültig, was der Wille zu ihr sagt und ob er mit ihr etwas anfangen kann. Der Wille hat die Wahrheit weder zu begründen, noch braucht sie sich vor ihm auszuweisen, sondern er hat sich ihr gegenüber als unzuständig zu bekennen.
Er schafft sie nicht, er findet sie. Er hat anzuerkennen, dass er blind ist und des Lichtes, der Führung, der ordnenden, gestaltenden Macht der Wahrheit bedarf. Er muss grundsätzlich den Primat der Erkenntnis über den Willen, des Logos über das Ethos anerkennen. (... Ein Vorrang der Ordnung also, nicht der Würde, Bedeutung oder gar Häufigkeit.)


Romamo Guardini in: "Vom Geist der Liturgie"; Verlag Herder Freiburg; AD 1957; S. 138/139 (s. Quellen)


Weitere Gedanken zu "Dogma und Tat", zu "Orthodoxie und Orthopraxie", "Logos und Ethos": 


Bild: hl. Bischof Hubertus; Kevelaer; ©  FW

Dienstag, 4. März 2014

Kleine Konversation über Philosophie, Erkenntnis und Wahrheit

Was ist Philosophie?

Dem Wortsinn nach ist Philosophie die Liebe zur Weisheit, Streben nach Weisheit. Derjenige ist Philosoph, der weise zu werden sucht und zur Erreichung des Zieles seine ganze Kraft einsetzt.

Der Name Philosophie soll, wie Heraklides, ein Schüler Platos, sagt, zuerst von Pythagoras gebraucht worden sein. Er habe nicht sophos genannt werden wollen, weil Gott allein sophos = weise sei, sondern nur Philosophos, Freund der Weisheit, Liebhaber der Weisheit, weil der Mensch immer nur im Streben nach Weisheit begriffen sei.

Was sagen Plato, Arisoteles und der heilige Thomas dazu?

Schon bei Plato und Aristoteles findet sich der Gedanke ausgesprochen, dass die Menschen aus Verwunderung über die Erscheinungen, die ihnen in der Welt entgegentraten, deren Ursachen sie aber nicht kannten, zu philosophieren angefangen hätten, womit das Ziel der Philosophie klar angedeutet ist: zu den Gründen oder Ursachen der Erscheinungen, ja bis zu den letzten und höchsten Möglichkeiten vorzudringen...

Was ist scientia?

Die scientia, das Wissen oder die Wissenschaft, kann in einem doppelten Sinne genommen werden, nämlich im Sinne von wissenschaftlicher Erkenntnis überhaupt und im Sinne von wissenschaftlicher Disziplin. Man versteht unter wissenschaftlicher Erkenntnis die Erkenntnis der Dinge oder Erscheinungen in ihrem Grunde oder in ihrer Ursache, vorausgesetzt, dass die Erkenntnis auf Evidenz beruht und sicher und gewiss ist. - Cognitio certa et evidens rerum per causas.

Wenn etwas nicht mehr einfach unserer Erkenntnis (nur) vorschwebt, sondern wenn wir erkennen, warum es so sei und so sein müsse, und wenn diese Erkenntnis evident und gewiss ist, können wir sagen, dass wir eine wissenschaftliche Erkenntnis von dieser Sache haben. - Scire est rerum cognoscere causas.

Was ist der Unterschied zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und Glaubenserkenntnis:

Der Glaube ist die sichere Erkenntnis einer Wahrheit auf eine für diese Wahrheit Bürgschaft leistende Autorität hin.

Das Wissen dagegen beruht auf der Beweisführung durch welche die Wahrheit eines Satzes zur Evidenz  gebracht und dadurch für unsere Erkenntnis gesichert wird.

Welche Aufgabe hat die Philosophie in Bezug auf die Offenbarung (Gottes)?

Sie besteht darin, dass sie den menschlichen Geist der christlichen Wahrheit wissenschaftlich zuführt. Sie soll nämlich die innere Übereinstimmung dessen, was die Vernunft lehrt, mit den Lehren der Offenbarung nachweisen und dadurch den menschlichen Geist dahin führen, dass er die Erkenntnis der christlichen Wahrheit als die höchste Vollendung seiner Erkenntnis erfasse und hochachte.

Können sich Vernunft und Offenbarungserkenntnisse, also wissenschaftliche und Glaubenserkenntnisse widersprechen?

Wahrheiten, die aus der Vernunft erschlossen werden und Offenbarungswahrheiten können nicht miteinander in Widerspruch stehen, weil beide aus einer Quelle, nämlich aus Gott als der absoluten Wahrheit und Wahrhaftigkeit stammen. Es kann also nicht etwas philosophisch wahr sein, was nach dem Glauben falsch ist, und umgekehrt, eine Wahrheit kann nicht der anderen widersprechen. Der Widerspruch würde ja zuletzt auf Gott fallen, weil eben alle Wahrheit in Gott gründet.

Und wenn es nun doch zu einem Zwiespalt kommt?

Irren ist menschlich. Kommt die Philosophie in ihren Forschungen auf ein Resultat, das mit dem Offenbarungsinhalt in Widerspruch steht, sei es, dass dieser Widerspruch offen daliegt, oder dass die kirchliche Autorität erklärt, es sei das bezügliche Resultat mit dem Offenbarungsinhalte nicht vereinbar, so hat die Philosophie dieses Resultat als falsch zu verlassen und den Prozess der Schlussfolgerung zu revidieren, um den Fehler zu entdecken.

Andererseits ist es auch möglich, dass der Grund des Zwiespalts nich so offen zutage liegt, sondern einer langwierigen Suche und Diskussion bedarf. Es kann sich dabei auch ergeben, dass ein zu enges oder zeitbedingtes Verstehen von Glaubenswahrheit der Grund des scheinbaren Zwiespaltes ist. Dann muss auf ein besseres, umsichtigeres Verständnis des Glaubens oder bestimmter Offenbarungswahrheiten Mühe verwendet werden, als deren Frucht sich die Auflösung des Zwiespalts und Übereinstimmung von Vernunft und Glaube ergeben werden.

Aber duch die Anerkennung der göttlichen Offenbarung als das leitende Prinzip wird die Energie der philosophischen Forschung keineswegs beeinträchtigt, sondern sogar erhöht, weil die Vernunft, an das leitende Prinzip sich haltend, in ihren Forschungen viel energischer und sicherer zuwege gehen kann, als wenn sie derselben entbehrt. Ein Beispiel: Denken wir nur an die Unsicherheit, mit welcher die antike Philosophie, weil ihr jenes leitende Prinzip der göttlichen Offenbarung mangelte, gerade in Bezug auf die höchsten Wahrheiten herumtastete.

In welchem Verhältnis stehen Philosophie und Theologie zueinander?

Beide stehen sich als selbständige Wissenschaften gegenüber, so zwar, dass keine in der anderen aufgehoben werden darf. Denn jede hat ihr eigenes Erkenntnisprinzip. Die Theologie die Offenbarung, die Philosophie die Vernunft und Vernunftprinzipien. Jede hat ihren eigenen Wahrheitskreis: die Theologie die geoffenbarten, die Philosophie die Vernunftswahrheiten. Jede hat ihre eigene Methode: Die Theologie nimmt ihre Beweise aus den Offenbarungsquellen, die Philosophie aus der Vernunft. 

Allerdings greifen beide insoweit ineinander, als die Offenbarung auch solche Wahrheiten in ihrem Inhalte einschließt, welche an und für sich genommen Vernunftwahrheiten sind. Die Theologie hat christliche Mysterien zum Inhalt, an welche die Vernunft für sich allein nicht heranreicht. Z. B: können die Geheimnisse der allerheiligsten Dreifaltigkeit und der Transsubstantiation (Wesensverwandlung) in der heiligen Messe nicht von dr Vernunft, also nicht von der Philosophie erkannt werden. Da ist Christus, der Herr, der Weg, die Wahrheit und das Leben.



nach: Johannes Derksen "Der getreue Verwalter"; St. Benno-Verlag GmbH Leipzig; Imprimatur 1959; S. 126-130 (leichte stilistische Änderungen)



Foto:  Marmor-Büste des Aristoteles, römische Kopie nach dem griechischen Bronze-Original von Lysippos, um 330 vor Chr. Der Alabaster-Mantel ist eine Ergänzung in der Moderne.; Giovanni Dall'Orto

Donnerstag, 2. Januar 2014

Samstag, 12. Oktober 2013

Die Bedeutung der Philosophie für das Christentum



 Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad 

Wozu noch Philosophie, wo wir doch durch den Glauben über alles letztlich Entscheidende unterrichtet sind? Die Frage ist nicht unerheblich. Sie wird manchmal im Hinblick auf die Studien der angehenden Priester gestellt. Denn diese haben ja, bevor sie sich vorwiegend in die Glaubenswissenschaft, die Theologie, vertiefen, zunächst einen Kurs der Philosophie zu durchlaufen. Philosophie aber bedeutet, sich mittels der Vernunft – und nicht anhand der göttlichen Offenbarung – den wesentlichen Themen zuzuwenden, z.B. dem Sein und der Wahrheit der Dinge, der Natur des Menschen, dem sittlich Guten und nicht zuletzt dem Dasein und Sosein Gottes. 

Weshalb denn, so fragt man, müssen sich die künftigen Geistlichen in ihrer Ausbildung mit den Auffassungen eines Platon und Aristoteles befassen, obwohl uns Jesus längst den Weg gewiesen, die Wahrheit gelehrt und das Leben geschenkt hat – Er, der selbst „Weg, Wahrheit und Leben“ ist (Joh 14,6)? Der heilige Thomas von Aquin stellt einmal fest, nach der christlichen Offenbarung sei der schlichte, ungelehrte, aber gläubige Mensch nun besser über die höchsten und wichtigsten Dinge unterrichtet, als es in vorchristlicher Zeit die größten Denker waren. Eine Bemerkung, die mit dem Wort des Herrn zusammenstimmt: „Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass Du dies vor Weisen und Klugen verborgen, es aber den Unmündigen geoffenbart hast. Ja, Vater, so ist es wohlgefällig vor Dir!“ (Mt 11,25f.) 

Ist es da nicht unnötig, sich nochmals suchend an die bedauernswerten „Weisen und Klugen“ zu wenden? Kann man als Katholik so tun, als hätte man das alle menschliche Vernunft hell überstrahlende Licht des Glaubens nicht empfangen? Und erweisen die Tatsachen solche Studien nicht überdies als gefährlich, da schon viele junge Menschen der Faszination philosophischer Systeme erlegen sind, die mit dem Christentum unvereinbar sind, oder, infiziert durch die alles hinterfragende Skepsis gewisser Philosophen, erheblichen Schaden an ihrer vertrauensfrohen Gläubigkeit genommen haben? Wer die Folgeschäden einer Theologie kennt, welche uns die Offenbarung Gottes im Geiste Kants, Hegels, Heideggers oder Sartres erklären wollte, der wünscht sich wohl eine Ausbildung, die mehr an der herrlichen Aussage des heiligen Bernhard von Clairvaux über die Bücher der Weltweisen ausgerichtet ist: „Sie schmecken mir nicht, weil ich darin nicht den Namen Jesu lese...“ 

Die Antwort auf diese Fragen kann kurz ausfallen: Das Studium der Philosophie ist für die künftigen Verkünder des Gotteswortes nicht nur hilfreich, sondern geradezu notwendig. Das geht aus vielen lehramtlichen Äußerungen insbesondere der letzten 150 Jahre hervor, die sich in der Enzyklika Papst Johannes Pauls II. mit dem bezeichnenden Titel „Fides et ratio - Glaube und Vernunft“ (1998) und in ungezählten Aussagen seines Nachfolgers Benedikt XVI. fortsetzen. Immer hat die Kirche daran festgehalten, dass die christliche Offenbarung keine esoterische, von der sonstigen Wirklichkeit abgetrennte Gedankenwelt ist, zu der es keinen anderen Zugang als eine höhere Erleuchtung, einen blinden Glaubensakt oder ein mysteriöses Einweihungsritual gibt. Vielmehr stammt alle Wahrheit, die diesseitige wie die jenseitige, aus derselben Quelle, nämlich aus Gott. Und folglich kann es keinen Widerspruch zwischen einer gesunden Philosophie und den Inhalten unseres Credo geben. Die Glaubensgeheimnisse sind gewiss übervernünftig, aber niemals unvernünftig. Um das zu erweisen und den Glauben gegen den Vorwurf der Unvernunft zu verteidigen, braucht der Theologe die Philosophie. 

Sie übernimmt Vermittlerdienste, indem sie den menschlichen Geist zu den Grundfragen führt und erste gültige Antworten gibt. Ein Beispiel: Nach biblischer Lehre ist Gottes Dasein eine Wahrheit, die nicht erst durch die Offenbarung, sondern bereits mit der Vernunft einsichtig ist: „Aus der Größe und Schönheit der Geschöpfe wird durch Vergleichung deren Schöpfer erschaut“ (Weish 13,5), dessen unsichtbares Wesen „an Seinen Werken durch die Vernunft erkannt wird“ (Röm 1,20). Indem der Philosoph Wege natürlicher Gotteserkenntnis aufzeigt, geleitet er den Menschen an die Schwelle des Glaubens. Ähnliches spielt sich auf anderen Gebieten ab: Die menschliche Vernunft stellt Fragen, findet erste Antworten und gelangt schließlich, bewegt von der Gnade und belehrt von der christlichen Verkündigung, zur übernatürlichen Erkenntnis. 

Nur eine Einschränkung muss gemacht werden: Nicht alles, was sich als „Philosophie“ ausgibt, ist für dieses Unternehmen geeignet. Es bedarf einer Philosophie, die tatsächlich „Liebe zur Weisheit“ (so die Übersetzung des griechischen Wortes) ist; die sich der Wirklichkeit staunend zuwendet und sie ehrfürchtig ausdrückt, anstatt sie den eigenen Vorstellungen oder zeitgeistigen Ideologien zu unterwerfen. Daher verweist das kirchliche Lehramt immer wieder auf das Vorbild des heiligen Thomas von Aquin. Hätte man das in den letzten Jahrzehnten beherzigt, das Philosophiestudium der künftigen Theologen wäre ganz unproblematisch.


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)

Freitag, 27. September 2013

Alles zur größeren Ehre Gottes und zum Wohle des Menschen


Erkennen und Wissen um die irdischen Dinge ist an sich nicht verwerflich, ziert sogar den Menschen, wenn es auf die rechte Art, auf dem Wege der Wahrheit gesucht und zu dem rechten Zwecke, zur größeren Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen verwandt wird.



aus: Weisheit des Herzens; Kernsprüche Adolf Kolpings, AD 1955 (s.Quellen)





(eigenes Foto)

Freitag, 30. August 2013

Der christliche Glaube ist keine Lehre? Doch, ist er.

Blick in den Chorraum des Limburger Domes

Immer wieder hört man in der letzten Zeit - selbst von katholischen Predigern, Rednern, Vortragenden, das Christentum, der christliche Glaube, sei keine Lehre - sondern: die Begegnung mit einer Person. Die "persönliche Beziehung zu Jesus Christus" sei nämlich das Eigentliche des Christseins.

Dass der persönliche Glaube nicht möglich ist ohne das Ergriffen-worden-Sein von Jesus Christus als unserem Retter vor Sünde und Tod und ohne ihm nachzufolgen und uns in ihn umzugestalten, ist eine wahre Feststellung und wer nur nach dem Buchstaben lebt, nicht aber Christus und seine Gebote im Herzen trägt, liebt und danach lebt, der hat nicht verstanden, was es um das Christentum ist. 

Genauso wahr ist aber, dass Christus uns "eine neue Lehre" kundgetan hat: Er selbst ist diese Lehre, so wie er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Die heilige Katharina von Siena schreibt über die von Gott in Jesus Christus zu uns gesandte Lehre:
"Daher befestigte Er (Anm.: der Heilige Geist nach der Himmelfahrt des Herrn) den Weg der Lehre, den Meine Wahrheit (Anm.: Jesus Christus) auf Erden zurückließ, und obwohl sie ihrer Gegenwart nach schied, entzog sie weder Ihre Lehre noch die Tugenden, die in der Lehre begründeten wahren Steine. Die Lehre ist der Weg, den euch die süße glorreiche Brücke (Anm.: Jesus Christus) bereitete. Zuerst verwirklichte er sie selbst und bildete mit seinen Werken den Weg; Er vermittelte euch die Lehre durch das Vorbild mehr als durch Worte; ja Er wirkte, ehe er sprach. (vgl. Apg 1,1)

(...) Seine Lehre ist der Weg; sie wurde, wie ich dir sagte, von den Aposteln bekräftigt, die Märtyrer haben sie mit ihrem Blute besiegelt, das Licht der Kirchenlehrer hat sie erhellt, die Bekenner haben sie bezeugt und die Evangelisten haben sie niedergeschrieben: alle walten sie als Zeugen zum Bekenntnis der Wahrheit im mystischen Leib der heiligen Kirche. Sie sind wie eine auf den Leuchter gestellte Lampe, um den Weg der Wahrheit zu weisen, der hinführt zum Leben im vollkommenen Licht."

Und dazu gehört die ganz persönliche Begegnung, die Verinnerlichung, die Anwendung der Lehre sozusagen. Katharina von Siena fährt fort:
"Und wie künden sie dir die Wahrheit? In der Erprobung, denn sie haben sie in sich selber durchgeprobt und bewiesen. So wird jeder Mensch zur Erkenntnis der Wahrheit erleuchtet, wenn er will und nicht durch ungezügelte Selbstsucht das Vernunftlicht sich selber entzieht. Dies ist die Wahrheit, dass Seine Lehre wahr ist und bei uns blieb als ein Boot, um die Seelen aus dem stürmischen Meere zu bergen und hinaufzuführen zum Hafen des Heils.

So ist Er in jeder Hinsicht, sowohl im Leben wie in der Lehre, Weg, Wahrheit und Leben, und der Weg (Anm.: der Lehre) ist die Brücke, der euch zur Höhe des Himmels führt."

Zitate aus: Caterina von Siena; Gespräch von Gottes Vorsehung; Johannes Verlag Einsiedeln; AD 1964; S. 39/40

Die Heilige Schrift, die kirchliche Tradition, das Lehramt der Kirche, sämtliche Heilige und sonstige Zeugen der Wahrheit widersprechen der Behauptung, das Christentum sei keine Lehre...



Schriftstellen aus dem Neuen Testament, die darlegen, dass Jesus Christus im Namen seines himmlischen Vaters seine Lehre verkündet: "Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat." Er verheißt der jungen Kirche den Beistand des des Heiligen Geistes: "Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. " Und die Apostel verkünden die  göttliche Lehre im Auftrag Jesu in aller Welt: "Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe."
"Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel..."

Mt 28 16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.
17 Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.
18 Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.
19 Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.
Mt 7,28 Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre

Mt 11,1 Und es begab sich, als Jesus diese Gebote an seine zwölf Jünger beendet hatte, dass er von dort weiterging, um in ihren Städten zu lehren und zu predigen.

Mt 22,33 Und als das Volk das hörte, entsetzten sie sich über seine Lehre.

Mt 23,10 Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus.

Mk 1,22 Und sie entsetzten sich über seine Lehre; denn er lehrte mit Vollmacht und nicht wie die Schriftgelehrten.

Mk 1,27 Und sie entsetzten sich alle, sodass sie sich untereinander befragten und sprachen: Was ist das? Eine neue Lehre in Vollmacht! Er gebietet auch den unreinen Geistern und sie gehorchen ihm!

Mk 4,1 Und er fing abermals an, am See zu lehren. Und es versammelte sich eine sehr große Menge bei ihm, sodass er in ein Boot steigen musste, das im Wasser lag; er setzte sich, und alles Volk stand auf dem Lande am See.

Mk 6,2 Und als der Sabbat kam, fing er an zu lehren in der Synagoge. Und viele, die zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er das? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche mächtigen Taten, die durch seine Hände geschehen?

Mk 8,31 Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.

Mk 11,18 Und es kam vor die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und sie trachteten danach, wie sie ihn umbrächten. Sie fürchteten sich nämlich vor ihm; denn alles Volk verwunderte sich über seine Lehre.

Lk 1,4 So habe auch ich's für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben,
damit du den sicheren Grund der Lehre erfährst, in der du unterrichtet bist. 
Lk 4,32 Und sie verwunderten sich über seine Lehre; denn er predigte mit Vollmacht.  
Lk 11,1  Und es begab sich, dass er an einem Ort war und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.
Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.
Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag
und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben allen, die an uns schuldig werden. Und führe uns nicht in Versuchung. 
Joh 3 Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden.
Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.
Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?
Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.
Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.
Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. 
Joh 7  14 Aber mitten im Fest ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte.
15 Und die Juden verwunderten sich und sprachen: Wie kann dieser die Schrift verstehen, wenn er es doch nicht gelernt hat?
16 Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.
17 Wenn jemand dessen Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede.
18 Wer von sich selbst aus redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm. 
Joh 14,26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.  

Joh 18 19 Der Hohepriester befragte nun Jesus über seine Jünger und über seine Lehre.
20 Jesus antwortete ihm: Ich habe frei und offen vor aller Welt geredet. Ich habe allezeit gelehrt in der Synagoge und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet.
21 Was fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe. Siehe, sie wissen, was ich gesagt habe.
Apg 2,42 Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. 

Apg 5 25 Da kam jemand, der berichtete ihnen: Siehe, die Männer, die ihr ins Gefängnis geworfen habt, stehen im Tempel und lehren das Volk.
26 Da ging der Hauptmann mit den Knechten hin und holte sie, doch nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten sich vor dem Volk, dass sie gesteinigt würden.
27 Und sie brachten sie und stellten sie vor den Hohen Rat. Und der Hohepriester fragte sie
28 und sprach: Haben wir euch nicht streng geboten, in diesem Namen nicht zu lehren? Und seht, ihr habt Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre und wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen.
29 Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Apg 5,42 und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hier und dort in den Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesus Christus.  

Apg 13,12 Als der Statthalter sah, was geschehen war, wurde er gläubig und verwunderte sich über die Lehre des Herrn. 
Apg 17 18 Einige Philosophen aber, Epikureer und Stoiker, stritten mit ihm. Und einige von ihnen sprachen: Was will dieser Schwätzer sagen? Andere aber: Es sieht so aus, als wolle er fremde Götter verkündigen. Er hatte ihnen nämlich das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung verkündigt.
19 Sie nahmen ihn aber mit und führten ihn auf den Areopag und sprachen: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du lehrst? 
Apg 19Er (Paulus) ging aber in die Synagoge und predigte frei und offen drei Monate lang, lehrte und überzeugte sie von dem Reich Gottes.
Als aber einige verstockt waren und nicht glaubten und vor der Menge übel redeten von der Lehre, trennte er sich von ihnen und sonderte auch die Jünger ab und redete täglich in der Schule des Tyrannus. 
Apg 22,4 Ich (Paulus) habe die neue Lehre verfolgt bis auf den Tod; ich band Männer und Frauen und warf sie ins Gefängnis...
Röm 6,17 Gott sei aber gedankt, dass ihr Knechte der Sünde "gewesen" seid, aber nun von Herzen gehorsam geworden der Gestalt der Lehre, der ihr ergeben seid. 
Röm 16,17 Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, dass ihr euch in Acht nehmt vor denen, die Zwietracht und Ärgernis anrichten entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und euch von ihnen abwendet. 
1Kor 4,17 Aus demselben Grund habe ich (Paulus) Timotheus zu euch gesandt, der mein lieber und getreuer Sohn ist in dem Herrn, damit er euch erinnere an meine Weisungen in Christus Jesus, wie ich sie überall in allen Gemeinden lehre
Kol 1,28 24 Nun freue ich mich in den Leiden, die ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleisch, was an den Leiden Christi noch fehlt, für seinen Leib, das ist die Gemeinde.
25 Ihr Diener bin ich geworden durch das Amt, das Gott mir gegeben hat, dass ich euch sein Wort reichlich predigen soll,
26 nämlich das Geheimnis, das verborgen war seit ewigen Zeiten und Geschlechtern, nun aber ist es offenbart seinen Heiligen,
27 denen Gott kundtun wollte, was der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, nämlich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.
28 Den verkündigen wir und ermahnen alle Menschen und lehren alle Menschen in aller Weisheit, damit wir einen jeden Menschen in Christus vollkommen machen.
29 Dafür mühe ich mich auch ab und ringe in der Kraft dessen, der in mir kräftig wirkt.
2Thess 2,15 So steht nun fest, liebe Brüder, und haltet euch an die Lehre, in der ihr durch uns unterwiesen worden seid, es sei durch Wort oder Brief von uns.
2Thess 3,6 Wir gebieten euch aber, liebe Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr euch zurückzieht von jedem Bruder, der unordentlich lebt und nicht nach der Lehre, die ihr von uns empfangen habt. 
1Tim 1 3 Du weißt, wie ich dich ermahnt habe, in Ephesus zu bleiben, als ich nach Mazedonien zog, und einigen zu gebieten, dass sie nicht anders lehren,
auch nicht Acht haben auf die Fabeln und Geschlechtsregister, die kein Ende haben und eher Fragen aufbringen, als dass sie dem Ratschluss Gottes im Glauben dienen.
Die Hauptsumme aller Unterweisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.
Davon sind einige abgeirrt und haben sich hingewandt zu unnützem Geschwätz,
7 wollen die Schrift meistern und verstehen selber nicht, was sie sagen oder was sie so fest behaupten.
Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn es jemand recht gebraucht,
weil er weiß, dass dem Gerechten kein Gesetz gegeben ist, sondern den Ungerechten und Ungehorsamen, den Gottlosen und Sündern, den Unheiligen und Ungeistlichen, den Vatermördern und Muttermördern, den Totschlägern,
10 den Unzüchtigen, den Knabenschändern, den Menschenhändlern, den Lügnern, den Meineidigen und wenn noch etwas anderes der heilsamen Lehre zuwider ist,
11 nach dem Evangelium von der Herrlichkeit des seligen Gottes, das mir anvertraut ist. 
1Tim 2,7 Dazu bin ich eingesetzt als Prediger und Apostel - ich sage die Wahrheit und lüge nicht -, als Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit.  

1Tim 4Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert.
10 Denn dafür arbeiten und kämpfen wir, weil wir unsre Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt haben, welcher ist der Heiland aller Menschen, besonders der Gläubigen.
11 Dies gebiete und lehre.
12 Niemand verachte dich wegen deiner Jugend; du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit.
13 Fahre fort mit Vorlesen, mit Ermahnen, mit Lehren, bis ich komme. 
1Tim 4,16 Hab Acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Stücken! Denn wenn du das tust, wirst du dich selbst retten und die, die dich hören.  

1Tim 5,17 Die Ältesten, die der Gemeinde gut vorstehen, die halte man zwiefacher Ehre wert, besonders, die sich mühen im Wort und in der Lehre
1Tim 6,1 Alle, die als Sklaven unter dem Joch sind, sollen ihre Herren aller Ehre wert halten, damit nicht der Name Gottes und die Lehre verlästert werde.  

1Tim 6Wenn jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unseres Herrn Jesus Christus und bei der Lehre, die dem Glauben gemäß ist,
der ist aufgeblasen und weiß nichts, sondern hat die Seuche der Fragen und Wortgefechte. Daraus entspringen Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn,
Schulgezänk solcher Menschen, die zerrüttete Sinne haben und der Wahrheit beraubt sind, die meinen, Frömmigkeit sei ein Gewerbe. 
2Tim 2,2 Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.
2Tim 3,10 Du aber bist mir gefolgt in der Lehre, im Leben, im Streben, im Glauben, in der Langmut, in der Liebe, in der Geduld...

2Tim 3,16 14 Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast
15 und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus.
16 Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit...
2Tim 4So ermahne ich dich inständig vor Gott und Christus Jesus, der da kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich:
Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre.
Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken,
und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren.
Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus. 
Tit 1,9 er halte sich an das Wort der Lehre, das gewiss ist, damit er die Kraft habe, zu ermahnen mit der heilsamen Lehre und zurechtzuweisen, die widersprechen.  

Tit 2Desgleichen ermahne die jungen Männer, dass sie besonnen seien
in allen Dingen. Dich selbst aber mache zum Vorbild guter Werke mit unverfälschter Lehre, mit Ehrbarkeit,
mit heilsamem und untadeligem Wort, damit der Widersacher beschämt werde und nichts Böses habe, das er uns nachsagen kann.
 
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Montag, 15. April 2013

Das Eigentliche - die Achse der Welt: Das Kreuz

Der Gekreuzigte ist die wahre Weisheit (5)

Fortsetzung von hier
 
Damit kommen wir zu einem letzten Punkt in der Lesung, der uns auch wieder zum Evangelium zurückführt. Was erkennen wir in der Erkenntnis, die aus Glaube und Liebe hervorwächst? Letzten Endes möchten wir immer das Ganze erkennen - das, "was die Welt im Innersten zusammenhält"; das, worauf es ankommt im Leben und im Sterben.

Wir wissen viele Details, aber je mehr Einzelheiten wir wissen, desto weniger wissen wir von dem, was Weisheit will, was wir alle wollen: das Eigentliche zu erkennen, den inneren Zusammenhang, die Ganzheit des Wirklichen.

Paulus gebraucht hier eine merkwürdige Formel, die er vielleicht einer schon vorhandenen Tradition entnommen, aber ganz von Christus her gedeutet hat. Wer dem inneren Menschen nach reif wird, erkennt die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe. Das will sagen: Er erkennt alle Dimensionen der Wirklichkeit.

Aber bei Paulus ist dieses Wort von Breite und Länge, von Höhe und Tiefe ein Hinweis auf das Kreuz Christi, auf die vier Balken des Holzes, an dem er ausgespannt war. Das bedeutet: Wer das Kreuz erkennt, den Gekreuzigten, der hat das Ganze erkannt. Der hat die eigentliche Achse der Welt erfasst, das, was alles trägt und zusammenhält; das Eigentliche, worum es geht.

Das Kreuz ist die Antwort. Der Gekreuzigte ist die wahre Weisheit. Und so fügt denn auch Paulus erklärend hinzu: Zuletzt mündet die Erkenntnis in der Liebe Christi, die größer ist als alles Erkennen. Lieben ist mehr als Erkennen. Das Auge der Liebe reicht weiter als da Auge des Verstandes. Denn Gott ist die Liebe, und nur im Mitlieben erkennen wir ihn.

Das Kreuz aber ist Gottes Mitlieben mit uns und für uns - die wahre Weltformel. Erkenntnis, die nicht in die Demut des Kreuzes mündet, geht am Wesentlichen vorbei.

So sind wir wieder beim Evangelium vom letzten Platz angelangt: Der Sohn Gottes, er, der wahrhaft der Erste ist, hat den letzten Platz in Gastmahl der Schöpfung eingenommen: das Kreuz.

Diese Demut Gottes ist es, die unseren Hochmut umwirft und unsere Krankheit heilt. Die Kraft dieser Demut und der in ihr verborgenen Liebe ist es, durch die Christus den Wassersüchtigen - uns alle  - bei der Hand nimmt und uns heilt. Christi Heilen ist nicht Vergangenheit, sondern im Sakrament der Buße nimmt er uns bei der Hand und heilt uns durch das Wort der Vergebung.

In der heiligen Eucharistie ist sein Kreuz in unserer Mitte. Er richtet immer neu seinen Sabbat auf, um uns alle an sich zu ziehen (Joh 12,32) und mit den Armen seiner Liebe zu heilen. Eucharistie feiern bedeutet: in das gegenwärtige Geheimnis des Kreuzes hineintreten, sich in die Arme Christi hineingeben und ihn bitten, dass er uns und die ganze Welt in diese seine Arme hineinnehme und heile.

Eucharistie feiern heißt deshalb auch: das Geheimnis des Kreuzes selber leben. Deshalb kann Augustinus in seiner Meditation über Breite und Länge, Höhe und Tiefe sagen: Lata est quippe in transverso ligno, quo extenduntur pendentis manus, et significat opera bona in latitudine caritatis: Die Breite ist der Querbalken des Kreuzes, wo die Hände des Gekreuzigten ausgebreitet sind; sie bedeutet die in die Breite der Liebe ausgeführten guten Werke (Vorträge über das Johannes-Evangelium 118,5).

Wie zeigen dem gekreuzigten Herrn unsere Liebe in der Ehrfurcht, mit der wir Eucharistie feiern. Wir feiern nicht uns selbst, sondern Ihn, und darum suchen wir nicht Rollen und nicht Selbstverwirklichung in der Eucharistie. Die  demütige und liebende Einfügung in den Lobpreis, den der Glaube der Kirche in den Jahrhunderten gewoben hat, ist Ausdruck  unserer Ehrfurcht und unserer Liebe.

Wir suchen nicht den ersten Platz, sondern wir bitten ihn, dass er unter uns der Erste sei und uns lehre, seine Demut zu lieben, mit der er uns die Füße wäscht, mit der er sich in unsere Hände gibt. Diese Ehrfurcht der heiligen Liturgie muss zugleich Schule unseres Lebens sein, die Schule der Demut, des Glaubens und der Liebe, durch die der Herr uns und die Welt gesund machen will. Amen.



Joseph Kardinal Ratzinger in einer Predigt vom 24.09.1995 in der Benediktinerabtei Sainte-Madeleine in Le Barroux anlässlich eines feierlichen Pontifikalamtes im alten Ritus (Teil 1, 2, 3, 4)




Bild: Salus mundi - Das Heil der Welt; Detail aus dem Apsismosaik in der Basilika St. Apollinaris in Classe; wikipedia

Sonntag, 14. April 2013

Wo die Demut des Mitglaubens mit der Kirche verschwindet, löst sich die Erkenntnis auf

Der Gekreuzigte ist die wahre Weisheit (4)

Fortsetzung von hier

So wollen wir auch beten für die Theologie und die Theologen, dass sie diese grundlegende Gebärde der Demut, diese innerste Voraussetzung aller Theologie wieder mit neuer Entschiedenheit aufnehmen: Theologie ist nicht Weltfahrt der isolierten Vernunft des Gelehrten, sondern ist Mitdenken mit dem Glauben der Kirche und Mühen darum, diesen Glauben zu verstehen, auszusagen und so die Wahrheit zu berühren, die unseren Verstand und unser Herz zugleich erleuchtet.

Der große Konvertit Heinrich Schlier ist gerade über dem Studium des Epheserbriefes katholisch geworden; einen der wichtigsten Wegweiser fand er hier, im Text unserer heutigen Lesung (Eph 3,13 -21). Denn Paulus sagt uns hier, dass Glaube und Liebe zur Erkenntnis führen. Das ist die zweite und dritte Aussage in der Beschreibung des Weges der Gesundung, den er uns zeigen will.

Zunächst sagt er uns ganz klar (und das war für den Lutheraner Schlier eine wichtige Entdeckung), dass der Glaube sich in der Liebe bewähren muss. Der Glaube bleibt nur gesund, wenn man ihn lebt. Er ist nicht eine Theorie, er verändert unser Leben. Er öffnet das Herz. Er führt zur Liebe: Wo sie fehlt, ist der Glaube nicht vollständig. Der Glaube dispensiert nicht von den Geboten, sondern durch den Glauben lernen wir sie lieben, weil wir in ihnen das Angesicht des Herrn selbst erkennen.

Paulus fügt noch einen weiteren Schritt hinzu: Glaube und Liebe zusammen führen zur Erkenntnis. Man kann sagen: Wo Glaube und Liebe da sind, wächst auch so etwas wie Theologie. Zwei wichtige Aussagen macht der Apostel darüber: Die Erkenntnis löst den Glauben nicht auf, sie löst die Liebe nicht ab.

Der Glaube wird nie überflüssig. Das hat Paulus dem Hochmut der damaligen Gnostiker gegenüber betont, das müssen wir hochmütigen Theologien gegenüber auch heute betonen. Wo die Demut des Mitglaubens mit der Kirche verschwindet, löst sich auch die Erkenntnis auf.

So ergibt sich von selbst das zweite: Zur Erkenntnis gehört die lebendige Gemeinschaft der Heiligen. Schlier schreibt dazu in seinem Kommentar: "...Es ist eine Erkenntnis, zu deren Wesen es gehört, dass sie mit den anderen geteilt wird... Es ist weder eine private noch eine Konventikelerkenntnis. Erkennt man, so erkennt man, was schon 'die Heiligen' erkannt haben, und man erkennt mit ihnen zusammen" (Seite 170).

Wir könnten sagen: Zur wahren Erkenntnis gehört Heiligkeit, und zur Heiligkeit gehört die Gemeinschaft der Heiligen. Deswegen ist es so wichtig, sich nicht von der lebendigen Gemeinschaft der ganzen Kirche zu trennen. Deswegen ist es so wichtig, in der großen Gemeinschaft der ganzen Kirche aller Orte und aller Zeiten, in ihrer lebendigen Überlieferung zu stehen.

Man kann Christus nicht erkennen ohne seine Heiligen; man kann ihn nicht lieben ohne seine Heiligen. Die Liebe zur ganzen großen Tradition der heiligen Kirche ist nicht ein Luxus einiger, sondern eine Notwendigkeit für uns alle. (weiterlesen)


Schluss folgt


Joseph Kardinal Ratzinger in einer Predigt vom 24.09.1995 in der Benediktinerabtei Sainte-Madeleine in Le Barroux anlässlich eines feierlichen Pontifikalamtes im alten Ritus (Teil 1, 2, 3, 5)

Donnerstag, 22. November 2012

Der Glaube ist der Maßstab für das, was gut ist

"Wissenschaft erweitert die Vernunft, hilft uns, die Welt zu erkennen, zu verstehen. Aber der Glaube gibt uns die Maßstäbe der Menschlichkeit, des Menschseins, die Maßstäbe dafür, was dem Menschen gut ist und was in sich gut ist und so die Pathologien der Wissenschaft überwindet, die ihrerseits die Pathologien der Religion überwinden kann. Beide gehören zusammen als gemeinsamer Weg zum Licht Gottes, das er uns in der Offenbarung aufgetan hat."

Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz am 21.11.2012


Donnerstag, 15. November 2012

Wege zur Erkenntnis Gottes - Generalaudienz vom 14.11.2012

Bei der Generalaudienz am Mittwoch, den 14. November 2012  erläuterte Papst Benedikt XVI., auf welchen Wegen die Menschen zur Erkenntnis Gottes kommen können. Hier der Wortlaut: 


Liebe Brüder und Schwestern!

In der heutigen Katechese möchte ich kurz drei Wege skizzieren, die uns Möglichkeiten zeigen, wie wir Gott, der die Wahrheit ist, erkennen können: es gibt den Weg über die Welt, über den Menschen und über den Glauben.

Der heilige Augustinus läßt uns in einer Predigt (241, 2) die vielfältige Schönheit der Welt betrachten. Er fragt die Dinge: Was seid ihr? Und sie alle sagen: Schau mich nur an. Ich bin schön, aber nicht aus mir. Es gibt den, der mich geschaffen hat. Und erst wenn du auf ihn hinschaust, hast du die Wirklichkeit ergriffen.

Ebenso sagt der Bischof von Hippo ein bedeutendes Wort über uns Menschen, nämlich: Wenn du die Wahrheit finden willst, mußt du nicht nach auswärts gehen, sondern in dich selbst hineingehen, denn in dir ist die Wahrheit. Gott selbst ist dir innerlicher, als du selbst für dich es bist (vgl. Bekenntnisse III, 6, 11).

Und endlich fragt der Mensch nach dem Dasein Gottes, „mit seiner Offenheit für die Wahrheit und Schönheit, mit seinem Sinn für das sittlich Gute, mit seiner Freiheit und der Stimme seines Gewissens, mit seinem Verlangen nach Unendlichkeit und Glück“ (Katechismus der Katholischen Kirche 33).

Viele Wege führen so zu Gott. Ein wichtiger Weg zur Erkenntnis ist schließlich der Glaube. Er ist nicht ein System von Werten und Meinungen; er ist letzten Endes Begegnung mit Gott, eine Begegnung, die unser Denken und Leben umwandelt und uns die Kraft der Liebe schenkt.

Mit Freude grüße ich die deutschsprachigen Pilger und Besucher. Gott ist keine Illusion, sondern höchste Wahrheit und Antwort auf die Suche unserer Vernunft und unseres Herzens. Der Herr selbst kommt uns bei unserem Suchen entgegen. Öffnen wir uns seiner Wahrheit und seiner Liebe. Maria, die Mutter der Glaubenden, möge uns dabei begleiten! Danke. (Quelle)


Foto: wikipedia

Donnerstag, 2. August 2012

Schönreden

"Wenn auch der menschliche Verstand mit seinen natürlichen Erkenntniskräften an sich zur wahren und sicheren Erkenntnis des einen persönlichen Gottes, der durch seine Vorsehung die Welt schützt und regiert, sowie des Naturgesetzes, das der Schöpfer in unser Herz legte, kommen kann, so bestehen doch für ihn nicht wenige Hindernisse, von seiner ursprünglichen Fähigkeit einen wirklich fruchtbaren Gebrauch zu machen; denn alle Dinge, die sich auf Gott beziehen und das zwischen Gott und den Menschen bestehende Verhältnis angehen, ruhen in Wahrheiten, die die Welt der Sinne überragen. Diese verlangen vom Menschen die Eigenhingabe und Selbstverleugnung, wenn sie auf die Lebensführung Einfluss gewinnen und sie bestimmen.

Der menschliche Verstand wird in der Erkenntnis solcher Wahrheiten behindert durch die Gewalt der Sinne und der Einbildungskraft, wie auch durch die verkehrten Leidenschaften, die ihren Ursprung in der Erbsünde haben. Darum reden sich Menschen in diesen Dingen gern ein, es sei das falsch oder zweifelhaft, was sie nicht wahrhaben möchten."





Foto: Nuntius Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII.; 1922; Wikimedia commons

Donnerstag, 19. Januar 2012

Der kämpfende Mensch (1)

Im Folgenden ein Vortrag des Philosophen und Autors Prof. Josef Seifert, der gegenwärtig Rektor der Internationalen Akademie für Philosophie (IAP) in Liechtenstein ist. Der Text wurde bereits in den Ausgaben Nr. 10 und 11 des Jahrgangs 1975 der katholischen Zeitschrift "DER FELS" abgedruckt.

Ich danke dem Fels-Verlag für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung.


Josef Seifert

Der kämpfende Mensch

Das Thema, über das ich sprechen soll, ist ein im besten Sinne des Wortes unzeitgemäßes Thema, und es war Ihre sehr originelle Idee, dieses gerade heute zu wählen, da kaum irgendwer noch anerkennen will, daß überhaupt - vor allem auf geistigem Gebiet - der Kampf im menschlichen Leben eine entscheidende Rolle spielt. Sogar im politischen Denken behaupten zwei Schlagworte (die im Westen ernstgenommen werden) das Feld: "Entspannung" und "Friede", und nicht selten versteht man darunter Frieden um jeden Preis.

Wer immer in der politischen Theorie letzte feindliche Gegensätze feststellt, etwa zwischen einem Rechtsstaat und einem die Menschenrechte mit Füßen tretenden System, zwischen Christentum und christlicher Weltverantwortung einerseits und einem kommunistisch-atheistischen, oder auch bürgerlich atheistischen, sozialistischen Idol andererseits, wird als Fanatiker oder als "kalter Krieger" oder mit ähnlichen Bezeichnungen abgelehnt.

Man braucht etwa nur daran zu denken, wie das - gewiß auch politische Fragen berührende - Wirken des an sich ganz religiös orientierten P. Werenfried van Straaten vor allem bei gewissen Intellektuellen erbittertem Widerstand begegnet; allein die Tatsache, daß er über die blutigen und unblutigen Christenverfolgungen in den Ländern des Ostens nicht schweigt, erzürnt sie.

Oder denken wir an Kardinal Slipyi und seine Intervention auf der römischen Bischofssynode, wo er von einem Verrat an all den in der Ukraine verfolgten und ermordeten Christen sprach. Gerade sein Brandmarken dieser Übel führte zu seiner Kaltstellung.

Das Sprechen über zutiefst feindliche und unversöhnliche Mächte im Bereich der Politik ist also heute äußerst unmodern. Man setzt vielmehr auf den unaufhaltsamen Fortschritt, auf die neue Zeit, auf die Offenheit nach allen Seiten, auf die gemeinsame Humanisierung, die alle Fronten überspannen und alle Gegner versöhnen soll.

Verzweiflung an der Wahrheit

Nun gilt das aber nicht nur in der Politik, sondern auch auf anderen Gebieten, z.B. im heutigen Philosophiebetrieb. Der Gegensatz zwischen wahr und falsch, ja schon die Fragestellung, ob eine Philosophie oder eine philosophische These wahr oder falsch sei, wird ruhig belächelt.

Auf "ernstzunehmenden" philosophischen Kongressen wird man geradezu als verrückt angesehen, wenn man die Frage stellt, die noch einen Heinrich von Kleist angesichts der Kantschen Erkenntniskritik im Innersten bewegte, ob nämlich diese Philosophie wahr oder falsch sei.

Wie Kleist dann an der Wahrheitsfindung verzweifelte, so glaubte auch Nietzsche, daß durch Kant die Unmöglichkeit der Wahrheitsfindung aufgezeigt worden sei. Doch selbst diese an der Wahrheit verzweifelten Geister waren noch von dem Grundgesetz zwischen wahr und falsch überzeugt.

Heute treffen wir weitgehend auf eine Entthronung dieses Gegensatzes, ja auf ein Verschwinden der Frage nach wahr oder falsch überhaupt. An die Stelle von "wahr" und "falsch" treten Ausdrücke wie "veraltet - fortschrittlich", "naiv - kritisch"; solche Gegensatzpaare ersetzen, auch in der Philosophie, den elementaren erkenntnistheoretischen Gegensatz zwischen wahr und falsch; auf solche Weise glaubt man, die Fronten aufweichen und den geistigen Kampf beenden zu können.

Wer etwa heute noch einen unversöhnlichen Gegensatz zwischen Theismus und Atheismus sieht, wer die Freiheit der Person und des Willens dem Determinismus entgegenstellt und die Anerkennung der Geistseele einer materialistischen Konzeption oder eine realistische Position einer transzendental-philosophischen, und im Ernst glaubt, daß es hier um den unüberbrückbaren Gegensatz von wahr und falsch geht, der wird in vielen Kreisen nicht mehr ernst genommen.

Man glaubt einfach, diesen Urgegensatz in einer "höheren Einheit" versöhnen und auflösen zu können. Man erklärt, daß all diese Gegensätze "dialektisch" aufzuheben seien, wobei kein Mensch genau weiß, was unter diesem Begriff zu verstehen ist, und hält jeden, der eine These als objektiv wahr vertritt, für einen dogmatisch engen Fanatiker, für reaktionär oder einfach naiv.

An die Stelle der Erkenntnis unveränderlicher Wahrheiten tritt die an Hegel orientierte Vorstellung eines Prozesses, in dem sich aus den Gegensätzen, die alle nur verschiedene Aspekte der einen Wahrheit sind, der Geist im Lauf der Geschichte zu immer höheren Phasen fortentwickelt, ohne daß jemals ein letzter bleibender Gegensatz zwischen wahren und falschen Thesen zu statuieren sei.


Fortsetzung folgt

Prof. Josef Seifert: Der kämpfende Mensch ( Teil 2)    (bitte HIER klicken!)
Prof. Josef Seifert: Der kämpfende Mensch ( Teil 3)    (bitte HIER klicken!)
Prof. Josef Seifert: Der kämpfende Mensch ( Teil 4)    (bitte HIER klicken!)
                                                                 ( Teil 5)    (bitte HIER klicken!)
                                                                 ( Teil 6)    (bitte HIER klicken!)
                                                                 ( Teil 7)    (bitte HIER klicken!)
                                                    ( Teil 8, Schluß)    (bitte HIER klicken!)  


Über den Philosophen Josef Seifert (geb. 1945) bei wikipedia (bitte HIER klicken!)

(Hervorhebungen durch Administrator)

Donnerstag, 12. Januar 2012

Wozu die Sprache dient...

 
Die Menschen haben ihre Sprache nicht deshalb erhalten, damit sie sich gegenseitig täuschen, sondern damit der eine dem anderen seine Gedanken mitteilen kann. Die Sprache zu benutzen, um zu täuschen und nicht, um den von Gott damit beabsichtigten Zweck zu erfüllen, ist Sünde.



Augustinus (354-430); Enchiridion 22
zitiert aus: Wahrheit und Liebe, Auswahl aus den Schriften des hl. Augustinus; AD 1954 (s. Quellen)


Bild:
Apotheose des hl. Thomas von Aquin; Francisco de Zurbarán (1598-1664)

Freitag, 23. September 2011

Wozu der Papst Politiker - und alle Menschen guten Willens - einladen will

Ein positivistischer Naturbegriff, der die Natur rein funktional versteht, so wie die Naturwissenschaft sie erkennt, kann keine Brücke zu Ethos und Recht herstellen, sondern wiederum nur funktionale Antworten hervorrufen.

Das gleiche gilt aber auch für die Vernunft in einem positivistischen, weithin als allein wissenschaftlich angesehenen Verständnis. Was nicht verifizierbar oder falsifizierbar ist, gehört danach nicht in den Bereich der Vernunft im strengen Sinn.

Deshalb müssen Ethos und Religion dem Raum des Subjektiven zugewiesen werden und fallen aus dem Bereich der Vernunft im strengen Sinn des Wortes heraus. Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewußtsein weithin der Fall –, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt.  

Dies ist eine dramatische Situation, die alle angeht und über die eine öffentliche Diskussion notwendig ist, zu der dringend einzuladen eine wesentliche Absicht dieser Rede  ist (Anm.: wörtlich: bildet).



aus der Ansprache von Papst Benedikt XVI. im  Deutschen Bundestag in Berlin am 22. September 2011 anlässlich seines Staatsbesuchs in Deutschland

Ein ausführliches VIDEO über die Rede des Papstes im Berliner Reichstagsgebäude vor dem Deutschen Bundestag: HIER KLICKEN

(Hervorhebungen durch Administrator)
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