Frischer Wind an @Anonym:
Niemand verurteilt die Frau, aber es steht fest, dass der Ehepartner (ob
Mann oder Frau, hier sind beide gleich betroffen) gegen Gottes Gebot
handelt. Gott hat aber die Gebote gegeben,
damit der Mensch lebe, zum Heil des Menschen (vgl.
Predigt des Papstes).
Handelt
der Mensch Gottes Geboten entgegen (sündigt er), muss er auch die
Konsequenzen daraus tragen und alle Gläubigen hoffen mit ihm, dass er
bald zu Gott zurückkehren möge. Die ganze Kirche betet für die Sünder,
die wir alle sind – für ihre Umkehr, aber sie maßen sich nicht an (und
jetzt sind wir bei dem, was „anmaßend“ ist bzw. wäre!), Gottes Gebote
außer Kraft zu setzen oder zu ignorieren.
Es hat gar nichts mit
„verurteilen“ zu tun, vielmehr ist es ein geistliches Werk der
Barmherzigkeit, den Mitbruder, die Mitschwester über den Sachverhalt
aufzuklären und zu warnen.
(s. Die Werke der Barmherzigkeit)
Nun
zu Ihrer Frage, wo denn Jesus sagt, dass eine geschiedene Frau nicht
mehr heiraten dürfe. Folgende Textstellen z.B. sprechen hier ganz
unzweideutig:
Mk 10,11f:
„Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch.
Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet. Mk 10,11f
und
1 Kor 7,10:
Den Verheirateten gebiete
nicht ich, sondern der Herr:
Die Frau soll sich vom Mann nicht trennen - wenn sie sich aber trennt,
so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich wieder mit dem Mann - und
der Mann darf die Frau nicht verstoßen.
Die Kirche hat im Jahre 1563 nach evangelischer und apostolischer Lehre
folgendes Dogma, d h.. einem Glaubenssatz, dem jeder Gläubige zustimmen
kann, über die Unauflöslichkeit der Ehe (bis zum Tode des einen
Ehepartners) verkündet:
“Wer sagt, die Kirche irre, wenn sie
gelehrt hat und lehrt: Nach evangelischer und apostolischer Lehre (Mt
19, 6 ff; Mk 10, 6 ff; 1 Kor 7, 10 ff) könne wegen eines Ehebruchs des
einen Ehegatten das eheliche Band nicht gelöst werden und beide, auch
der unschuldige Teil, der keinen Anlaß zum Ehebruch gegeben hat, könne
zu Lebzeiten des andern Ehegatten keine andere Ehe eingehen; und der
Mann begehe einen Ehebruch, der nach Entlassung der ehebrecherischen
Frau eine andere heirate, ebenso die Frau, die nach Entlassung des
ehebrecherischen Mannes sich mit einem anderen vermähle, der sei
ausgeschlossen.”
(Josef Neuner, Heinrich Roos, Der Glaube der
Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, neubearbeitet von Karl
Rahner und Karl-Heinz Weger, 12. Auflage, Regensburg 1986, S. 473)
Anonym:
Sie wissen hoffentlich, dass es jüdischen Frauen unmöglich war, ihre
Männer aus der Ehe zu entlassen. Dieser Vers ist Jesus aus
heidenchristlicher Perspektive in den Mund gelegt! Und wenn Sie das 7.
Kapitel des Korintherbriefes einmal weiter lesen, dann erfahren Sie von
Paulus auch, dass Ehen aufgelöst werden können. So viel zum Gesetz
Gottes!
Frischer Wind an @Anonym:
Im Judentum hatte - durch eine von Mose gegebene Dispens -
nur der Mann das Recht, einen Scheidebrief auszustellen und die Frau aus
der Ehe zu entlassen (von Mose
gegen die ursprünglich von Gott gegebene Absicht erlaubt, „
nur weil ihr so hartherzig seid“, wie Jesus betont).
„In
der griechisch-römischen Welt zur Zeit Jesu aber war auch der Frau das
Recht zuerkannt, Scheidung zu beantragen und den Mann zu verlassen. Dies
fand auch in Judentum Eingang.“ Denken Sie nur an das Beispiel der
Herodias, die mit König Herodes in verbotener Ehe lebte. Das war ja auch
der Grund, weshalb Johannes der Täufer letztlich auf „Wunsch“ der
Herodias hingerichtet wurde: Er hatte es gewagt, festzustellen, dass es
dem Herodes nicht erlaubt war, die (geschiedene) Frau seines Bruders zu
ehelichen. „Daher ist es nicht nötig im Vers Mk 10,12 eine Beifügung
des Evangelisten zu sehen, der damit Jesu Lehre auf die Verhältnisse in
Rom übertragen habe.“ (Zitate vgl. Echter-Bibel)
Entgegen einer
unwissenschaftlichen und mit nichts zu erhärtender Spekulation, der
Verfasser des Evangeliums (oder gar jemand anderes) habe den Vers Mk
10,12 Jesus „aus heidenchristlicher Perspektive in den Mund gelegt“, ist
es vielmehr denkbar und wahrscheinlich, dass Jesus öfter auch von
dieser Scheidungspraxis im Umfeld des Judentums gesprochen hat, Markus
die Worte Jesu in diesem Zusammenhang wichtig erachtete und sie deshalb
auch überlieferte.
Es ist also davon auszugehen, dass es ein authentisches Wort Jesu ist.
Was Ihren
zweiten Einwand angeht, man
solle den Korintherbrief weiterlesen, um festzustellen, „dass Ehen
aufgelöst werden können!“, dann stelle ich fest, ist es an der Zeit,
sich klarzumachen, wovon wir hier überhaupt reden.
Das, was
Paulus nämlich im Anschluss beschreibt ist das, was man das „Paulinische
Privileg“ nennt. Kurz gefasst heißt das, dass eine (naturrechtliche,
nichtsakramentale, weil von Ungläubigen miteinander geschlossene) Ehe
aufgelöst werden kann, wenn sich von den beiden nichtchristlichen
Ehepartnern der eine zum Christentum bekehrt, der andere aber nicht, und
dieser zweite nun durch das Glaubensleben seines Ehepartners
beeinträchtigt ist, und deshalb die Ehe nicht weiterführen will. Von
solcherart Ehe geht es aber in der Diskussion um die Ehescheidung im
kirchlichen Bereich nicht.
Es geht in der Diskussion um
Ehescheidung und Wiederverheiratung im kirchlichen Bereich (also das,
wovon z.B. die im Oktober veröffentlichte Handreichung des Bistums
Freiburg handelt) nur um die
sakramentale, gültig geschlossene und vollzogene Ehe!
Alles andere sind (seltene) Sonderformen, die hier nicht behandelt
werden. Dies zu vermischen, kommt dem Werfen von Nebelkerzen gleich.
Nochmals:
das, was Paulus im Anschluss an 1 Kor 7,11 sagt, betrifft nicht die
Diskussion die wir hier führen. Uns interessiert bei der Diskussion die
sakramentale, gültig geschlossene und vollzogene Ehe.
Diese ist von keiner Macht der Welt auflösbar, denn Gott selbst hat das
Eheband geknüpft und es nicht in die Verfügbarkeit des Menschen gelegt,
so wie Jesus es vor den Pharisäern bestätigt:
„Am Anfang der
Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der
Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein.
Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden
hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ (Mk 10,6-9)
Diese
Verbindung ist ein Abbild der Verbindung von Gott mit den Menschen, von
Christus und der Kirche, und auch das zeigt, dass eine Trennung und die
Vereinigung mit einem Anderen nichts anderes als Untreue und Ehebruch
wäre. Die Unauflöslichkeit der sakramentalen, gültig geschlossenen und
vollzogenen Ehe ist ein
göttliches Gebot und deswegen nicht
verhandelbar – und nicht zu vergessen, auch wenn das in der konkreten
Situation oft nicht einzusehen ist – zum Wohle und zum Heil des
Menschen.
Zu
Ihrer Meinung, ich würde mir die Dinge so zurechtlegen, wie ich sie aus
heutiger Sicht gerne hätte, muss ich Ihnen widersprechen. Ich behaupte
lediglich, was die Kirche in Ihrer durch zwei Jahrtausende gereiften
Weisheit dazu sagt. Sie können das alles im Katechismus oder anderen
einschlägigen Werken erfahren und vertiefen.
Sie
allerdings, das muss in diesem Zusammenhang denn doch gesagt werden,
biegen sich Ihre eigene Auslegung des Glaubens und sogar der Heiligen
Schrift zurecht. Die Kirche folgt aber nicht den privaten Meinungen
irgendwelcher selbsternannten Ausleger, sondern folgt dem vom Heiligen
Geist geleiteten Lehramt. Das ist die Garantie für den authentischen von
den Aposteln überkommenen Glauben. Wenn man sieht, wie zerstritten und
uneins die Theologen in ihren Meinungen sind, so können wir doch sehr
froh sein über die göttliche Einrichtung des katholischen Lehramtes.
Ich
bin ein wenig überrascht, dass Sie nicht gleich mitgeteilt haben, dass
Sie nicht katholisch sind. Das macht die Diskussion etwas schwieriger,
da wir kein gemeinsames Fundament haben, auf dem wir einig wären und
aufbauen könnten. Wenn Sie guten Willens sind, werden Sie aber die hier
angeführten Argumente erwägen und verstehen können. Versuchen Sie, sich
einfach für das Wirken des Heiligen Geistes in Ihnen zu öffnen.
Da
ich Ihnen hier nicht den gesamten Glauben erklären kann – soweit man
ihn überhaupt erklären kann – halte ich es für am sinnvollsten, dass Sie
sich einen Katechismus (Katechismus der katholischen Kirche oder
Youcat) kaufen, falls Sie noch keinen haben, oder ihn sich z. B. zu
Weihnachten schenken lassen. Vielleicht wird Ihnen dann die Schönheit
und Stimmigkeit des katholischen Glaubens aufleuchten. Bei Interesse am
Katholisch-Werden wenden Sie sich am besten an einen rechtgläubigen
Priester in Ihrer Nähe, der Ihnen ganz bestimmt gerne weiterhilft.
Noch
kurz zum „Beleg der Herodias“: Herodias hatte ihren Mann verlassen, um
ihren Schwager Herodes Antipas zu heiraten, der seinerseits eine Frau
verstieß, um frei zu sein für Herodias. Das zeigt, dass es in – wenn
auch nicht sehr frommen – jüdischen Kreisen (zu denen die Familie
Herodes gehörte)
offensichtlich vorkam, dass Frauen ihre Männer
verließen. So wie heute die Ehescheidung und Wiederverheiratung bei
vielen keine Reaktion mehr auslöst und nachgeahmt wird, in anderen,
vielleicht gottesfürchtigeren Kreisen aber doch noch Widerstand findet,
so wird es auch damals gewesen sein. Johannes der Täufer, der sich noch
des Willens Gottes bewusst war und diesen laut verkündete, protestierte
deshalb gegen die Missachtung des göttlichen Willens in weniger frommen
Kreisen (heute würde man den lästigen heiligen Rufer der
Unbarmherzigkeit zeihen…).
Linkliste zum Thema "Wiederverheiratete Geschiedene" und Zulassung zum Kommunionempfang
Anonym:
Als ob diese verallgemeinernden Pauschalisierungen des KKK über den konkreten Fall einer gescheiterten Ehe urteilen könnte. Vielleicht ist Anmaßung und die Vereinnahmung Gottes die schwerwiegendere Sünde als die Sehnsucht des gescheiterten Christen nach Christus in der Kommunion!
Frischer Wind an @Anonym:
1. Ich sehe keinen Grund, warum die „Sehnsucht eines gescheiterten Christen nach Christus in der Kommunion“ eine Sünde sein sollte. Aber vielleicht meinen Sie etwas ganz anderes?
2. Rein theoretisch: Wenn „Anmaßung und die Vereinnahmung Gottes Sünde“ wäre, wie könnte diese Sünde noch schwerwiegender sein, als eine Todsünde? Schlimmer geht nimmer…
3. Die oben angeführten Artikel aus dem KKK handeln nicht über die Ehe, sondern sprechen von den Voraussetzungen und Wirkungen des Kommunionempfangs, bzw. erläutern, was eine Todsünde ist. Sie erheben also gar nicht den Anspruch, über eine gescheiterte Ehe zu urteilen.
4. Der KKK enthält keine „verallgemeinernden Pauschalisierungen“ (was übrigens auch noch ein Pleonasmus ist) um über irgendwelche konkreten Fälle zu urteilen, sondern er ist „Bezugstext für eine aus den lebendigen Quellen des Glaubens erneuerte Katechese“. Eine Zusammenfassung und Erklärung dessen, was wir glauben und was aus diesem Glauben folgt. Man könnte auch sagen: ein Nachschlagewerk über unseren Glauben, den wir in die Tat umzusetzen berufen sind. In der Tat befasst sich der Katechismus in der Regel nicht mit konkreten Fällen, sondern ist deshalb allgemein gehalten, weil er die Grundlagen christlichen Handelns darlegt.
Um den „konkreten Fall“ zu klären, ist dasen Kirchrecht (CIC) besser gerüstet.
5. Sie können trefflich über meinen Gnadenstand oder den von Erzbischof Müller oder Kardinal Kasper oder von wem immer sie wollen, spekulieren, und selbst wenn ich in Todsünde lebte: würde das an oben genannten Tatsachen nichts ändern. Diese Tatsachen haben weder mit „Anmaßung“ zu tun, noch mit der „Vereinnahmung Gottes“, es ist schlicht die Lehre der Kirche.
Niemandem wird der katholische Glaube aufgezwungen. Es steht Ihnen frei, zwischen diesem und anderen zu wählen. Wir sollten uns von der Empörung freimachen, derer sich manche bemächtigt fühlen, sobald ihnen jemand diesen Hinweis gibt. Es ist ein Akt der Wahrhaftigkeit, einzugestehen, dass man den Glauben der katholischen Kirche nicht teilt (wenn denn dem so ist). Das andere wäre m. E. Heuchelei oder (Selbst-)Täuschung. Es ist auch eine Gewissensentscheidung. Wenn für Sie die Lehre der Kirche, so wie sie das Lehramt zu glauben vorlegt, nicht richtig zu sein scheint und deshalb für Sie nicht maß-geblich (!) ist, so müssen Sie ihrem Gewissen folgen und dem folgen, was Sie stattdessen als richtig und wahr erkannt haben (die katholische Religion scheint für Sie ja dann nicht wahr zu sein). Wenn Sie demnächst die Wahrheit in der katholischen Religion erkennen (wieder entdecken), so können Sie auch jederzeit wieder zum Glauben der Kirche zurückkehren. Es ist doch keine Schande, seinem Gewissen zu folgen, nur: ehrlich sollte man sein. Nicht möglich ist, dass die Kirche den katholischen Glauben Ihrem Geschmack anpasst.
Seiner (!) Kirche hat Jesus Christus aufgetragen, zu allen Völkern zu gehen, sie zu seinen Jüngern zu machen und zu taufen und er fügte hinzu: „…und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Mt 28,19f