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Montag, 6. Juni 2022

Ein Mann ist ein Mann und eine Frau ist eine Frau

Gerhard Ludwig Kardinal Müller im Interview mit Hedwig von Beverfoerde

Selbst, wenn eine Mehrheit behaupten würde, ein Mann sei eine Frau oder eine Frau sei ein Mann: die Wahrheit sieht anders aus. 

"Gender" ist ein großer Betrug, eine Unwahrheit, ein Hirngespinst, eine Lüge, ein Märchen. Ein Mann ist ein Mann und eine Frau ist eine Frau. Für Katholiken ist darüber hinaus eine Ehe ein Sakrament, nämlich eine auch - aber nicht nur - geschlechtliche Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau. 

Als die zivilen Machthaber in Europa um der Ordnung in der zivilen Gesellschaft willen die Institution der christlichen Ehe nachahmten und den Untertanen aufzwangen, war diese zivile Institution dennoch eine wesentlich andere als die christlich-katholische. Deshalb war in ihr auch Scheidung möglich, und danach auch das Eingehen einer oder mehrerer weiterer "Ehen". Für katholische Gläubige ist das - nach wie vor - ein No go. Deshalb aber - weil sie nur eine schlechte Kopie ist - kann die zivile nach- bzw. nichtchristliche Gesellschaft diese ihre Institution auch immer wieder anders definieren, erweitern, ändern, sogar ad absurdum führen. Außer dem Namen "Ehe" hat sie nichts mit der christlichen Ehe gemein. Viele - leider auch innerhalb der Kirche - scheinen dies zu übersehen oder bewusst zu ignorieren.

Den Protagonisten der Genderbewegung wollen noch weiter gehen. Ihnen geht es darum, "das Grundverhältnis von Mann und Frau aus den Angeln zu heben". Ihr geht es nicht nur um die Ausweitung der zivilen Ehe auf alle erdenklichen Formen des Beziehungslebens, sondern auch um die Auflösung der Zweigeschlechtlichkeit und des daraus resultierenden Aufeinanderverwiesenseins von Mann und Frau. Im Wirrwarr des Genderismus wird ein "soziales Geschlecht" konstruiert und dieses mit dem biologischen Geschlecht einer Person verwechselt.

Kardinal Müller weist in diesem Interview auf viele Fehlentwicklungen des dezeitigen Mainstreams hin. Die Menschheit wird betrogen, wenn Sie weiterhin Meinungen Glauben schenkt, die der Natur des Menschen und der Schöpfung widersprechen. Hier bedarf es dringend weiterer Aufklärung.

 

 

Gerhard Kardinal Müller beleuchtet viele "Zeitgeist"-Erscheinungen aus katholischer Sicht. Er macht deutlich, dass es für katholische Gläubige nicht möglich ist, z. B. an Menschenhandel in Form von Leihmutterschaft teilzunehmen, die er als modernes Sklaventum bezeichnet, oder dass Kinder in der Pubertät ihr Geschlecht ablehnen und stattdessen ihr Mann-, Frau- oder Anderssein frei konstruieren könnten. Er bezeichnet diese Zumutungen durch die Genderbewegung an die Gesllschaft als "großes Verbrechen an der Menschheit und jungen Kindern". Er plädiert vielmehr für eine Bestärkung der Kinder und Jugendlichen in ihrem persönlichen (biologischen) Geschlecht.

Mehrheiten oder Minderheiten sind nicht maßgeblich für den katholischen Glauben, sondern der wahre Glaube ergibt sich aus dem Wort Gottes, aus der Offenbarung...


Montag, 30. März 2015

Fuldaer Erklärung des Forums Deutscher Katholiken zu Fragen von Ehe und Familie



Am 25. März 2015 hat das Forum Deutscher Katholiken mit der "Fuldaer Erklärung" eine Bittschrift an die deutschen Bischöfe gerichtet. Mit Blick auf die im Oktober diesen Jahres stattfindende Fortsetzung der vatikanischen Familiensynode ersucht das Forum im Namen zahlreicher Katholiken die Bischöfe, "die katholische Ehelehre in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und den Gäubigen wieder als Sakrament in Erinnerung zu bringen". Dabei könne christliche Pastoral nur dann ihre Aufgabe erfüllen, wenn sie "unverkürzt und unverfälscht den Willen Jesu" verkünde. Die Erklärung im Wortlaut:

Fuldaer Erklärung des Forums Deutscher Katholiken zu Fragen von Ehe und Familie vom 25. März 2015

Bischöfe der Weltkirche beraten in zwei Sitzungsperioden Fragen zu Ehe und Familie. Das erste Treffen im Oktober 2014 befasste sich mit dem Thema „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“. In der kommenden Sitzungsperiode im Oktober 2015 wird über „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ beraten werden.

In einer breiten Öffentlichkeit hat das Thema Ehe und Familie großes Interesse gefunden. Die ausgelösten kontrovers geführten Diskussionen haben gezeigt, dass die Lehre der katholischen Kirche zu Ehe und Familie offensichtlich auch unter Gläubigen nicht mehr bekannt ist.

Das verbreitet aufgekommene Interesse an der Synode zum Thema Ehe und Familie stellt eine Chance dar, die katholische Ehelehre in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und den Gäubigen wieder als Sakrament in Erinnerung zu bringen.

Jenseits rein soziologischer Betrachtungsweisen muß die sakramentale Bedeutung der Ehe als gestiftete Gemeinschaft in Christus, ihre Unauflöslichkeit und Ausrichtung auf die Zeugung und Erziehung von Kindern deutlich gemacht werden.

Diese die Ehe auszeichnenden Wesenseigenschaften machen es dringend erforderlich, für eine vertiefte Vorbereitung auf das Ehesakrament und eine solide Übermittlung der Lehre der Kirche Sorge zu tragen.

Wegen der Bedeutung von Ehe und Familie für die Zukunft der Gesellschaft, der Ökumene und angesichts der vielfältigen Probleme, die ihrem Scheitern, einer zivilrechtlichen Auflösung und Wiederverheiratung folgen, bitten wir alle, die für die Weitergabe des Glaubens Verantwortung tragen, dieses Thema aufzugreifen.

Von Christus in einzigartiger Weise gestiftet, stärkt das Ehesakrament die Treue in der Ehe. Es schützt die Ehepartner und ihre Kinder vor Leid, Depression und gebrochener Biographie. Denn Treue und Geduld sind Ausdrucksformen der Liebe, einer Liebe, die Eheleuten von Anfang an mehr bedeutet als das Gefühl eines flüchtigen Augenblicks.

Die christliche Pastoral erfüllt ihre Aufgabe erst dann, wenn sie unverkürzt und unverfälscht den Willen Jesu verkündet.

In Jesus finden sich Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in unüberbietbarer Weise aufeinander hin geordnet.

Unsere Bischöfe bitten wir um ein deutliches Hirtenwort.








Montag, 9. Februar 2015

Von mündigen Laien und doppelzüngigen Verführern

Mag. Michael Gurtner (Salzburg) warnt vor falschen Propheten in und außerhalb der Kirche. Unumwunden benennt er die Gefahren, die ganz aktuell das Leben und das Seelenheil der Gläubigen gefährden: rhetorische Unehrlichkeiten und das Bestreben, die unveränderliche Lehre der Kirche - beispielsweise über die Ehe -  zu untergraben und zu ändern, Umschmeicheln der Gläubigen mit falschen Barmherzigkeitsversprechen oder mit der Anbiederung an ein dem Mainstream angepasstes (atheistisches) Familien- und Gesellschaftsbild - die Wölfe im Schafspelz und Verführer ziehen viele Register.

"Ein undifferenzierter Vertrauensvorschuss an die Theologen und Geistlichen ist derzeit nicht berechtigt und eher als gefährlich einzustufen", gibt Gurtner zu bedenken, mahnt zur Wachsamkeit und zur jeweiligen Prüfung der Vorschläge von Theologen und vom Unglauben infizierten Kirchenmännern.

Der Österreicher macht eine Beschleunigung der "Phalanx jener 'mündigen Laien'" aus, "welche die katholische Ehelehre und das klassische Bild der Kirche von Familie immer lauter verteidigen". Vier Punkte nennt Gurtner, die glaubenstreue, katholische Familien von der Kirche erwarten dürfen:
  1. dass sie die katholische Lehre nicht verwässert und aufweicht, sondern verteidigt und gerade in jenen Zeiten hochhält, in denen sie von außen angegriffen wird
  2. die unverkürzte Darlegung der Lehre Christi
  3. die systematische Begründung: sagen, was die erkannte Wahrheit ist und wie der Erkenntnisgang dorthin sich begründet
  4. den Menschen auch praktische Hilfestellungen geben, wie sie in ihrem eigenen Leben und in ihrer eigenen Familie die katholische Lehre umsetzen können

Ein Auszug aus dem Beitrag von Michael Gurtner auf dem unabhängigen katholischen Nachrichtenportal kath.net am 09.02.2015:
Diejenigen, welche die kirchliche Ehelehre neu (und dabei freilich verändert) schreiben wollen, spielen nur teilweise mit offenen Karten. Sehr oft findet sich auch eine große Unehrlichkeit in ihren Worten mit dem Ziel, die Gegner einer solchen Änderung zu beruhigen und deren Widerstand so zu dämpfen. Klassische anmutende Argumente wie der Gehorsam oder die Leitung der Kirche durch den Heiligen Geist werden dabei gerne ge- und missbraucht, weil sie traditionell klingen, bei den Gegnern der Neuerungen daher einen Beruhigungseffekt haben und vortäuschen, es sei alles mit der bisherigen Lehre der Kirche in bestem Einklang und Harmonie.

Diese Unehrlichkeiten werden sehr gezielt positioniert und wollen suggerieren, man wäre besonders dann ein guter Katholik, wenn man alle angestrebten Änderungen der Kirche abnickt – auch dann wenn sie der Lehre Christi und seines Heiligen Evangeliums widersprechen. Man sagt, die Lehre würde sich nicht ändern, allein die Praxis würde verfeinert, sensibler gehandhabt und das Moment der „Barmherzigkeit“ würde nun erst zu ihrer eigentlichen Bedeutung geführt. Dass man durch eine scheinbare Barmherzigkeit die wirkliche Barmherzigkeit in ein schiefes Licht rückt, stört sie dabei im übrigen nicht weiter. Und natürlich wäre es keine Verarmung, sondern eine Bereicherung, so sagt man, was insofern nicht wirklich verwundert, da jeder Marktschreier seine Ware lobt.

Nur ist die Frage zu stellen, ob diese und ähnliche Behauptungen auch wirklich stimmen? Man versucht mit Salamitaktik und Beschwichtigungsrhetorik, der es an Wahrheit oftmals ermangelt, den Widerstand zu reduzieren und so neuen, unwahren Lehren bzw. Praxis die Wege zu bahnen...
Der ganze lesenswerte Beitrag befindet sich HIER.


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Weiteres zum Thema "Glaubensabfall innerhalb der katholischen Kirche":



Bild: Wolf im Schafspelz; von der Website "Courageous priest"

Dienstag, 25. November 2014

Romano Guardini über die Ehe und ihre Ausschließlichkeit

Ein Ausschnitt aus Romano Guardinis "Der Herr", in dem er über die Frage der Pharisäer an Jesus nach der Erlaubtheit des Scheidebriefes handelt. Aber Guardini erklärt auch, wie der Wille Gottes, nämlich die Ausschließlichkeit und Unauflöslichkeit der Ehe zwischen zwei Personen, zu leben gelingt, nämlich nicht aus menschlicher Kraft und Macht, sondern nur durch die Gnade Gottes, die uns durch das Sakrament geschenkt wird. Es geht um die Begebenheit, die der Evangelist Matthäus im 19. Kapitel, Vers 1 bis 12 berichtet:

(...) Die Situation, von der er (Anm.: Matthäus) berichtet, ähnelt anderen, die wir schon angetroffen haben. Die Pharisäer - Theologen, Juristen, Fachleute der Orthodoxie - fragen: "Darf der Mann seine Frau aus jedem Grunde entlassen?" Diese Frage meint es ebensowenig ehrlich wie jene nach dem "größten Gebot" (...). Sie wollen garnicht belehrt sein, sondern eine Falle legen.
Zur Sache selbst gab es eine ausgebreitete Kasuistik: ob zur Ausstellung des Scheidebriefes dieser Grund hinreiche oder jener, wann der Grund erschwert, wann er abgeschwächt sei, welche Ausnahmen bestehen, und so fort in unendlichen Unterscheidungen und Streitigkeiten. Die Gegner rechnen darauf, Jesus, der so wenig von den Spitzfindigkeiten der Gesetzeswissenschaft, immer nur von den Dingen der Vorsehung, Liebe und Herzensreinheit spricht, werde sich in dem Wust nicht auskennen und sich eine Blöße geben. Er aber streift mit einer einzigen Bewegung alles weg und stellt die Frage auf eine ganz andere Ebene: überhaupt nicht darf er sie entlassen!

Die Ehe ist von Gott begründet. Gott hat den Menschen als Mann und Weib und also auf ihre Verbindung hin geschaffen. Recht geschlossen, bildet diese Verbindung eine Einheit, die aus Gott selbst stammt. Die beiden werden eins von Gott her; so innig, dass sie nur "ein Fleisch" sind und alles, was den einen berührt, auch den anderen angeht. Der Mensch kann trennen, was er selbst verbunden hat; was Gott (verbunden hat), steht über menschlicher Macht.

Der Mensch kann nach freiem Entschluss die Ehe eingehen, das liegt in seiner Gewalt. Tut er es aber, dann knüpft sich darin eine Bindung von Gott her, über die er keine Macht mehr hat. Das ist der über-menschliche Charakter der Ehe, der zu einem glückseligen, über allen Wandel hinaus Frieden und Halt gebenden Geheimnis werden kann; freilich auch zu einem schweren Schicksal.

Die Frager antworten empört: Warum hat aber dann Moses die ganzen Vorschriften über die Ausstellung des Scheidebriefes gegeben? Jesus erwidert: Der Härte eurer Herzen wegen. Weil ihr weder Liebe, noch aus Liebe bestimmte Treue habt. Weil ihr selbstsüchtig und sinnlich seid, und wenn euch nicht Zugeständnisse gemacht worden wären, euch aufgelehnt hättet, Gott aber zu barmherzig war, das zuzulassen.

Das Gesetz (...) war nicht Ausdruck des ersten göttlichen Willens, wie er noch Abraham gegenüber redet, gar im Paradies und in der Schöpfungsabsicht zu Tage tritt; sondern Zeugnis eines Abfalles des Volkes: eine Ordnung, die Gott gab, nachdem die eigentliche Ordnung des Glaubens und der Freiheit verlassen war.

Die Jünger sind erschüttert. Vielleicht kommen ihnen auch noch Jesu Worte aus der Bergpredigt zu Bewusstsein: "Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch: Jeder, der ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, hat schon in seinem Herzen die Ehe gebrochen!" (Mt 5,27-28). Dann bedeutet ja heiraten eine furchtbare Bindung! Die Ehe mit nur einer Frau, ohne Möglichkeit der Lösung, und auch nur der lüsterne Blick nach einer anderen schon Ehebruch! Wenn es um das Verhältnis von Mann und Weib so bestellt ist, dann ist das Heiraten eine schlimme Sache!

Darauf Jesus: "Nicht alle fassen dieses Wort, sondern nur die, denen es gegeben ist" (Mt 19,11). Diese Ausdruckweise kehrt in Jesu Mund öfter wieder, so wenn er ruft: "Wer Ohren hat zu hören, der höre" (Mt 11,15). Sie deutet immer darauf hin, was er sagt, könne nicht aus dem unmittelbar Menschlichen oder aus dem Bereich des bloßen Gesetzes, sondern nur aus dem Glauben und der Gnade verstanden werden. So auch hier: Was euch über die Ehe gesagt worden ist, könnt ihr aus Menschennatur, Welt und Gesetz allein nicht verstehen, sondern nur aus dem Glauben. Und vollbringen könnt ihr es nicht aus eigener Anstrengung, sondern nur aus Gnade.(...)

Man sagt wohl, die christliche Ehe sei der Natur des Menschen gemäß. Das kann richtig, aber auch falsch verstanden werden. Gewiss entspricht sie der Natur des Menschen - aber so, wie diese war, als sie die klare Gestalt des göttlichen Willens in sich trug, auf Gott hingeordnet und von seiner Gnade durchwirkt war. Dem Menschen im Paradies wäre es "natürlich" gewesen, dass die Ehe, aus der Freiheit und Liebe seines gottgehorsamen Herzens geschlossen, einzig und unaufhörlich sein müsse - aber dem Menschen, wie er durch die Sünde wurde?

Fortsetzung folgt

(Hervorhebung durch Fettdruck von FW)

Romano Guardini, Der Herr - Betrachtungen über die Person und das Leben Jesu Christi; St. Benno Verlag GmbH Leipzig; AD 1954; S. 327ff



Dienstag, 18. November 2014

Bischof Oster: Glaubensmangel führt zur Entfremdung von Gott und zu Unverständnis für ein Leben aus dem Glauben


Seit gut einem halben Jahr ist der Salesianer Don Boscos und Dogmatiker Dr. Stefan Oster Bischof des Bistums Passau. Seitdem meldet sich der derzeit jüngste deutsche Oberhirte immer wieder mit deutlichen Klartexten zu Wort, sei es in Predigten oder in kurzen schriftlichen Erklärungen zu derzeit diskutierten und hinterfragten Haltungen und Lehren der Kirche.

Nun hat sich Bischof Oster zur Sexualmoral der Kirche geäußert: Er sei wiederholt - auch auf FB - gefragt worden, wie er denn zu den verschiedenen Spielarten der sexuellen Praxis der Menschen stünde. Er folge, so Oster, in seiner Antwort mit Überzeugung der Position der Kirche...

Bischof Oster führt die Schwierigkeiten, die viele Gläubigen mit einem Leben nach Gottes Geboten und der Lehre der Kirche haben, zurück auf einen Mangel an christlichem Glauben, Mangel an realer Erfahrung von Bekehrung und Verwandlung in den "neuen Menschen" und einer nicht vollzogenen konkreten Erneuerung des Lebens in der Nachfolge Christi. Bischof Oster schreibt:

Der Glaube daran, dass Gott in Christus wirklich da ist, dass er uns real und schon in diesem Leben, berühren, heilen, verwandeln kann in neues, besseres, gottbezogenes und gottgefälliges Leben, dieser Glaube scheint, in unseren Breiten in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr zu verdunsten. Wie viele glauben wirklich noch, dass Christus das Leben eines Einzelnen tatsächlich im Hier und Jetzt spürbar erneuern kann? Wie viele glauben wirklich noch, dass sie durch Christus „neu geboren“ (Joh 3,3) sind, tatsächlich „neue Schöpfung“ (2 Kor 5,17) sind? Und zwar so, dass sie es an realen und konkreten Lebensvollzügen festmachen können? Die Schrift ist aber voll davon, dass die Brüder und Schwestern jetzt wo sie, den Glauben angenommen haben, ihrem alten Leben entronnen sind, ihrer Gefangenschaft in solchen Bedürfnissen, Trieben und Egoismen, die auf alles mögliche, aber nicht auf Gott hin orientiert waren (vgl. 1 Petr 1,14; 2 Petr 1,9, Hebr 10,32; 1 Thess 1,9; Kol 3,7; Eph 4,17-­‐20 u.a.).

Wer hat in volkskirchlichen Breiten, in denen der Glaube von Jahr zu Jahr, von Generation zu Generation schwindet, denn noch die reale Erfahrung von Bekehrung und wer hätte konsequent auch noch zusätzlich das Bestreben, kraft einer geduldigen, beständigen, alltäglichen Bekehrung mit der Hilfe Gottes ein neuer Mensch, ein echter Christ zu werden? Einer, der Gott, der Christus kennt, der ihm wirklich nachfolgen, der sein Kreuz tragen will? Einer, der von ihm die Fülle und die Freude erwartet und diese nicht leicht verwechselt mit den Freuden, die nur diese´Welt gibt?,All das ist Kern einer christlichen Anthropologie und des christlichen Menschenbildes, von dem wir – ohne diesen Kern wahrzunehmen -­‐ all zu schnell und damit oft auch allzu weich gespült in unserem gesellschaftlichen Diskurs reden.

Bischof Oster entlarvt auch das Gerede von einem anspruchs-losen Gott und seiner bedingungs-losen Erlösung des Menschen aus seiner misslichen Lage, aus  der Verstrickung in Sünde und Schuld. Es reicht nicht aus, zu wissen und wahrzunehmen, dass Gott uns Erlösung geschenkt hat. Der Mensch muss die Erlösung auch annehmen, indem er sich bekehrt und umwandeln lässt. Nicht Gott muss sich dem Menschen anpassen, sondern der Mensch ist gerufen, Gottes Anspruch zum Heil(ig)-Werden ernstzunehmen. Das heißt nicht, dass Gott zwingt - nein, seine Liebe ist absichtslos -, aber wenn der Mensch ergriffen ist von der Liebe Gottes, so ist ihm Gottes Gesetz und Wille das Mittel, um dem Geliebten nahe zu sein, sich Gottes Willen anzugleichen und heil(ig) zu werden:

Wer hätte denn noch wirklich Ehrfurcht vor der Gegenwart Gottes in einem Gotteshaus? Wer fällt hier wirklich angesichts seiner Gegenwart noch voller ernsthafter Demut auf die Knie, weil er weiß, wer Gott ist und wer er selbst im Verhältnis zu diesem Gott ist? Und wer blendet umgekehrt nicht gerne die Tatsache aus, dass der vermeintlich so liebe Jesus in etwa einem Drittel seiner Worte im Neuen Testament Gerichtsworte spricht oder Gerichtsgleichnisse erzählt? Es sind Worte, in denen er den Menschen zur Entscheidung auffordert für ihn und zwar ganz und entschieden. Wer müht sich denn noch „mit Furcht und Zittern“ (Phil 2,12) um sein Heil, wie es Paulus nahe legt, weil nach der Schrift und aus der Sicht Jesu völlig ohne Zweifel die Möglichkeit besteht, auch verloren zu gehen? Viel mehr aber noch ist Paulus von der Hoffnung getragen, dass er, der Allmächtige, uns aus Liebe zu neuen Menschen machen will und schon damit begonnen hat.
In dem Augenblick aber, wo alle diese Erfahrungen eben keine mehr sind, nicht mehr nachvollziehbar sind, nicht mehr im Kirchenvolk erlebt, erzählt, tradiert werden, in dem Augenblick kann es im Grunde auch gar nicht mehr sein, dass wir einen Anspruch von Gott selbst an uns wahrnehmen. Einen Anspruch von dem, der uns heiligen will. Der Anspruch wird verdünnt und reduziert auf ein nur mehr gedachtes Gesetz, und von hier ist der nächste Schritt nur ein ganz kleiner, der dann sagt: „Das gedachte Gesetz hat sich die Kirche aus-­‐gedacht, um uns zu knechtenUnd jetzt wo die Zeiten sich ändern, muss sie das Gesetz auch ändern!“ Der Anspruch,in der Kirche durch Gottes Gegenwart geheiligt zu werden, ist fast gänzlich in Vergessenheit geraten. Gutes Leben ist jetzt, was alle gut finden; die Gesellschaft als Messlatte für einen, hoffentlich nicht allzu zu anspruchsvollen Humanismus. Und nur die Kirche ist dann schlecht und von gestern, weil sie uns unser gutes, heutiges Leben nicht gönnt!
Säkularisierung bedeutet auch, "dass der innere Abstand der Menschen von Gott heute offenbar wieder größer geworden" sei. Dies bedeute eine Entfremdung von Gott, die aus Osters Sicht durch Bekehrung und erneute Hinwendung zum Gott des Lebens und das Bekenntnis zum menschgewordenen Gott in Jesus Christus überwunden werden kann.

Osters Bekenntnis im Hinblick auf die Sexuallehre der Kirche ist eindeutig:

[M]enschliche Sexualität [ist] in diese Bewegung der Heilung und Heiligung mit hineingenommen und bleibt gerade nicht davon unberührt. Und von diesem Anspruch her gibt es von Gott bejahte und konkret vollzogene sexuelle Aktivität in ihrer ganzheitlichen Zielrichtung auch nur ganz oder gar nicht. Das heißt nur und ausschließlich in einer Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, mit der Offenheit auf Lebensweitergabe, mit Verbindlichkeit und Treue und der Sorge um das gegenseitige Wohl der Ehepartner – bis zum Lebensende wenigstens eines der Partner.
Und:
Analoges zu dem, was eben über christliche Ehe gesagt wurde, gilt nun aber auch für diejenigen, die an Christus glauben, die seine Realpräsenz in unserer Welt bejahen, und beispielsweise keinen Partner finden oder etwa einen gleichgeschlechtlichen Partner ersehnen, weil sie Menschen mit homosexuellen Neigungen  sind. (...)

Ehrlicher, tiefer Glaube kann also beispielsweise dem Single helfen, ein froher Single zu bleiben und er kann dem Menschen mit homosexueller Neigung helfen, auch ohne die volle sexuelle Erfahrung erfüllt zu leben bzw. sich von Gott in ein Leben hinein führen zu lassen, das seinem Willen entspricht. Und er kann auch einem von seinem Partner getrennt lebenden Verheirateten die Kraft geben, diese Situation mit ihm zu tragen.

Damit bestätigt Bischof Oster die Feststellung Kardinal Scheffczyks in dessen Auseinandersetzung um Eucharistie, Ehesakrament und Zulassung zur Kommuniomn, dass es hier um eine Frage des Glaubens und des Unglaubens - bzw. des Glaubensmangels - geht. Was Scheffczyk mit Blick auf die Frage der Unauflöslichkeit der Ehe sagt, beklagt Oster in Bezug auf die Gesamthaltung des weitgehend von Gott entfremdeten Menschen zur Lehre der Kirche. Kardinal Scheffczyk schrieb in seiner Untersuchung "Eucharistie und Ehesakrament" Folgendes:

Wenn die Kirche dieser Haltung stattgeben und die Kommuniongemeinschaft erlauben würde, gäbe es in der Kirche Eheleute, die die Unauflöslichkeit der Ehe mit allen ihren bisweilen bis zur menschlichen Tragik reichenden Konsequenzen um der göttlichen Wertordnung willen festhalten, und andere, die überzeugt einer anderen Wertordnung folgen.

Hier stehen sich tatsächlich nicht mehr zwei verschiedene Gewissensentscheidungen gegenüber (was auch schon für das Wesen der Kirche manche peinliche Frage zuließe), sondern zwei veschiedene Wert- und Glaubensordnungen. Es stehen sich im Grunde Glaube und Unglaube (oder Glaubensmangel) gegenüber.

Die Kirche kann es nicht zulassen, daß in ihr völlig verschiedene Wertordnungen Geltung haben und verschiedene Glaubensauffassungen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Es ist dann nicht nur die Gefahr gegeben, daß die leichtere Praxis zahlenmäßig die Oberhand gewinnt, sondern daß aus dem materiellen Unglauben ein formaler wird.

Die Kirche könnte sich aber auch bei Gleichstellung des Glaubens mit dem materiellen Unglauben nicht mehr als Gemeinschaft der Glaubenden, der an einem Glauben Festhaltenden (vgl. Eph 4,5) bezeichnen.

Es lohnt sich, die "unzeitgemäßen Gedanken" des Bischofs von Passau in voller Länge zu lesen (ebenso wie die Lektüre von Kardinal Scheffczyk). Es wird sich zeigen, ob Bischof Oster seine Überzeugung auch gegen eine Bischofskonferenz, deren Bischöfe in der Mehrheit den Positionen Kardinal Walter Kaspers zustimmen und das Problem des Unglaubens bei Kirchenvolk und -leitung nicht sieht oder sehen wollen, durchsetzen kann. Vielleicht aber finden nun auch andere Bischöfe wieder Mut und folgen seinem guten Beispiel, die Lehre der Kirche authentisch zu verkünden, so wie es ihre Aufgabe wäre.


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Auch interessant:

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Mittwoch, 12. November 2014

Liebe ist (nicht)...



Liebe ist nicht (nur) ein Gefühl,
sondern (vor allem) eine Aufgabe.


Freitag, 7. November 2014

Ehe - oder Beziehungskiste mit Verfallsdatum?

Am 04. November erschien auf dem offiziellen Portal der katholischen Kirche in Deutschland katholisch.de unter der Rubrik "Standpunkt" ein Beitrag von Prälat Dr. Wilhelm Imkamp, Wallfahrtsseelsorger des oberschwäbischen Pilgerortes Maria Vesperbild und Autor zahlreicher Bücher und Zeitungsartikel sowie mitunter auch Gast in diversen Fernsehsendungen (z. B. hier und hier).

Im "Standpunkt" erinnert Prälat Imkamp an den inzwischen heiliggesprochenen Papst Johannes Paul II., die Bischofssynode von 1980 über Ehe und Familie und das daraus hervorgegangene Nachsynodale Schreiben "Familiaris consortio". Er zeigt die konstante Linie auf, die die Kirche bezüglich der Unauflöslichkeit der Ehe nach Christi Wort bezeugt, und erinnert an zwei von Papst Johannes Paul II. selig- bzw. heiliggesprochene Priester des vergangenen Jahrhunderts, Rodrigo Aguilar Alemán und Otto Neururer, die wegen des Festhaltens an der kirchlichen Ehelehre schließlich ermordet wurden. 

Die Kirche ist eher bereit, ganze Länder (s. England unter Heinrich VIII.) aufzugeben und ihre Gläubigen sind eher bereit, ihr Leben hinzugeben, als der Lehre Jesu Christi und dem Wort Gottes untreu zu werden.

Und eines ist ganz sicher: Die Barmherzigkeit Gottes und die Treue zur Lehre der Kirche, die nichts anderes ist als die Lehre Jesu Christi, schließen sich nicht gegenseitig aus, im Gegenteil: Die Lehre Jesu ist barmherzig und Barmherzigkeit ist nur in Einklang mit der Lehre der Kirche wahrhaft barmherzig.

Hier nun der Beitrag von Prälat Dr. Wilhelm Imkamp (mit dessen freundlicher Genehmigung):

Blutzeugnis mit Verfallsdatum?
Die Barmherzigkeit war eines der großen Themen des heiligen Papstes Johannes Paul II. Am 22. November im Jahre 1981 hat dieser heilige Papst die Ergebnisse der Bischofssynode, die sich vom 26. September bis zum 25. Oktober 1980 mit der Situation der Familie beschäftigt, zusammengefasst! Die Synodenväter hatten in ihrer Zusammenfassung auch das Problem der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten thematisiert und ganz klar abgelehnt.
Darauf baute der heilige Papst in seinem nachsynodalen Schreiben "familiaris consortio" auf: "Es ist eine Grundpflicht der Kirche mit Nachdruck – wie es die Väter der Synode – getan haben, die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe erneut zu betonen". Dem Papst ist bewusst, dass es um eine kulturelle Strömung geht, die die Unauflöslichkeit der Ehe ablehnt. Dagegen setzt er "die wahre Botschaft von der Endgültigkeit jener ehelichen Liebe, die ihr Fundament und ihre Kraft in Jesus Christus hat" (Nr. 20).

Dieser heilige Papst hat das Fest der göttlichen Barmherzigkeit eingeführt und der Barmherzigkeit eine eigene Enzyklika, "dives in misericordia", gewidmet. Einen Martyrer der Ehe hat er selig- und heiliggesprochen und einen zweiten seliggesprochen. Beide haben in verschiedenen Kulturkreisen gewirkt, aber die gleiche Ehelehre vertreten.
Der heilige Rodrigo Aguilar Alemán (1875-1927) wurde am 28. Oktober 1927 umgebracht – weil er einer Frau abgeraten hatte, mit dem Mann, der die Mordtruppe kommandierte, eine ungültige Ehe einzugehen. Der selige Pfarrer Otto Neururer (1882-1940) hat einer jungen Frau dringend abgeraten, sich mit einem aus der Kirche ausgetretenen und geschiedenen Nazi zu verheiraten. Er kam am 30. Mai 1940 im KZ Buchenwald zu Tode, nackt, an den Füßen aufgehängt dauerte sein Todeskampf 34 Stunden!
Zwei Märtyrer des 20. Jahrhunderts, die für die Unauflöslichkeit der Ehe in den Tod gegangen sind. Beide von einem heiligen Papst am Ende des 20. Jahrhunderts zur Ehre der Altäre erhoben. Sie stehen, wie der heilige Papst Johannes II., für die Unauflöslichkeit der Ehe mit allen Konsequenzen. Was sagt uns ihr Blutzeugnis heute?


Weitere Informationen:


Foto: Vatikan; am Grab von Papst Johannes Paul II. im Petersdom; © FW


Donnerstag, 9. Oktober 2014

Befreit eine "Zeit der Buße" von Sünden?

Prof. Dr. Robert Spaemann zu dem Vorschlag von Kardinal Kasper und anderen, die Kirche möge bei zivil wiederverheirateten Geschiedenen nach einer Zeit der Neuorientierung und Buße eine außereheliche weitere "Ehe" akzeptieren und wertschätzen:
Statt den natürlichen, instinktiv erkennbaren Reiz der dauerhaften Ehe zu verstärken, ziehen es viele Verantwortliche in der Kirche – sogar Bischöfe und Kardinäle – vor, eine andere Option ins Auge zu fassen, eine Alternative zur Lehre Jesu Christi, was eigentlich eine Kapitulation vor dem Zeitgeist darstellt.
Das Heilmittel für den Ehebruch, den die neuerliche Heirat eines Geschiedenen mit sich bringt, sind nicht mehr Reue, Umkehr und Vergebung, sondern das Verstreichen von Zeit und die Gewöhnung – so als hätten allgemeine gesellschaftliche Akzeptanz und unsere persönliche Zufriedenheit mit den eigenen Entscheidungen und dem eigenen Leben eine beinahe übernatürliche Kraft. Man unterstellt dieser alchemistischen Mischung, sie verwandle ein ehebrecherisches Konkubinat, das wir als „Zweit-ehe“ bezeichnen, in eine akzeptable Verbindung, die von der Kirche in Gottes Namen zu segnen sei. Folgt man dieser Logik, wäre es natürlich nur fair, wenn die Kirche auch homosexuelle Partnerschaften segnete. Dieser Denkansatz beruht jedoch auf einem fundamentalen Irrtum.

Zitat aus dem Artikel Divorce and Remarriage, firstthings, August 2014. Die deutsche Übersetzung erschien in der Zeitschrift Vision 2000 5/2014 und stammt von Dr. Christof Gaspari; via kath-info.

Anmerkung:

Buße ist ein Mittel, seinen Willen zur Wiedergutmachung zu zeigen - auch wenn durch die Buße die Folgen der begangenen Sünde(n) nicht aufgehoben werden können. Buße ist nie ein Mittel der (Selbst-)Erlösung, durch das eine Sünde bzw. Sünden zu Nicht-Sünden werden oder eine stillschweigende Akzeptanz der Sünde - weder durch den gesetzgebenden und zugleich den Sünder liebenden Gott, noch durch das Volk Gottes - zur Folge hat.

Sünden werden nach dem Willen Gottes durch die Kirche Jesu Christi allein in einem richterlichen Akt mittels dem Sakrament der Buße (Beichte) nach Reue und Bekenntnis derselben nachgelassen (vergeben), in dem Christus selbst durch seinen stellvertretenden Priester die Lossprechung zusagt (vgl. z. B. KKK 979 u. 982)


Es gibt keine Verfehlung, mag sie auch noch so schlimm sein, die durch die heilige Kirche nicht vergeben werden könnte. „Es kann keinen Menschen geben, der so schlecht und verworfen wäre, daß ihm nicht die sichere Hoffnung auf Vergebung in Aussicht stehen müßte, wenn er seine Verirrungen wahrhaft bereut" (Catech. R. 1,11,5). Christus, der für alle Menschen gestorben ist, will, daß in seiner Kirche jedem, der sich von der Sünde abwendet, die Pforten zur Vergebung immer offenstehen [Vgl. Mt 18, 21-22]


Weiteres zu den Reformvorschlägen von Kardinal Kasper:

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Donnerstag, 25. September 2014

Papst Franziskus bestätigt Unmöglichkeit des Kommunionempfangs für zivil wiederverheiratete Geschiedene

Gegenüber der spanischen Tageszeitung "Diario de Córdoba" sagte Bischof Demetrio Fernández von Córdoba am 21. September 2014 in einem Interview,  Papst Franziskus habe den spanischen Bischöfen bei ihrem Ad limina-Besuch im Vatikan gesagt, dass selbst der Papst zivil wiederverheiratete Geschiedene nicht den Kommunionempfang erlauben könne. Bischof Fernández sagte wörtlich:
"Die Kirche sagt uns andauernd, dass wir für sie (Anm.: die zivil wiederverheirateten Geschiedenen) sorgen sollen; dass sie sich nicht ausgeschlossen fühlen dürfen! Und die Art und Weise, wie wir sie aufnehmen, kann immer weiter verbessert werden. Aber nun haben wir den Papst selbst gefragt, und er hat uns geantwortet, dass eine kirchlich verheiratete Person, die geschieden ist und noch einmal staatlich geheiratet hat, die Sakramente nicht empfangen kann. Der Papst sagte: 'Das hat Jesus Christus so eingerichtet, und der Papst kann es nicht ändern.'"(s. kath.net)

Es gebe eben Dinge, so der Bischof von Córdoba weiter, die sich nicht ändern ließen.

Das ist eine beachtenswerte Mitteilung im Hinblick auf viele Medien, die immer wieder behaupten, Papst Franziskus befürworte die Vorschläge bzw."Fragen" von Kardinal Kasper, der wenigstens für eine Minderheit der Betroffenen, nämlich diejenigen, die sich den Sakramentenempfang wünschen und in den Gemeinden aktiv sind, die kirchliche Anerkennung einer nichtsakramentalen Zweitehe vorschlägt. Warum aber nur für die in den Pfarreien aktiven zivil wiederverheirateten Geschiedenen, warum nicht für alle Betroffene? Ach, anderes Thema, lassen wir das...



Weiteres zum Thema "Zivil wiederverheiratete Geschiedene":

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Samstag, 6. September 2014

Verkündigung der Wahrheit ist Dienst an der ganzen Menschheit - Kardinal Marx fordert stattdessen Anpassung im Namen von Verständnis und Mitgefühl

Am 05. Oktober 1979 hielt Papst Johannes Paul II. während seines Pastoralbesuches in den USA in Chicago vor den Bischöfen der Vereinigten Staaten eine Ansprache, in der er die Bischöfe für ihre klare Stellungnahme zu den Problemen und Gefahren einer libertinisierten und säkularisierten Gesellschaft lobte und ermutigte, "die Botschaft der Wahrheit" zu verkünden:
Mit der Klarheit der Evangelien, dem Verständnis von Hirten und der Liebe Christi habt ihr das Problem der Unauflöslichkeit der Ehe berührt und hierzu zu Recht festgestellt: »Der Bund zwischen Mann und Frau, die sich in einer christlichen Ehe vereint haben, ist so unauflöslich und unwiderruflich wie Gottes Liebe für sein Volk und Christi Liebe für seine Kirche.« 

Während ihr die Schönheit der Ehe herausstelltet, habt ihr euch zu Recht gegen die Ideologie der Empfängnisverhütung wie auch gegen kontrazeptive Akte selbst gewandt, wie es die Enzyklika Humanae vitae getan hat. Und auch ich selbst bekräftige heute ausdrücklich mit der gleichen Überzeugung wie Paul VI. die Lehre dieser Enzyklika, die mein Vorgänger »kraft des Auftrages, der uns von Christus anvertraut ist« (AAS, 60, 1968, S. 485), verkündet hat.

Bei der Darstellung der geschlechtlichen Einheit zwischen den Eheleuten als eines besonderen Ausdruckes ihres Liebesbundes habt ihr zu Recht festgestellt: »Geschlechtsverkehr ist nur innerhalb der Ehe ein moralisches und menschenwürdiges Gut, außerhalb der Ehe ist er verfehlt.« 

Als »Männer mit der Botschaft der Wahrheit und der Kraft Gottes« (2 Kor 6, 7), als bevollmächtigte Lehrer für Gottes Gesetz und als verständnisvolle Hirten habt ihr zu Recht geschrieben: »Homosexuelle Praxis ist ... im Unterschied zu homosexueller Neigung unmoralisch. « Durch die Klarheit dieser Wahrheit habt ihr ein Beispiel für die wirkliche Liebe Christi gegeben; ihr habt jene Menschen nicht getäuscht, die wegen ihrer Homosexualität schweren moralischen Problemen ausgesetzt sind, wie es der Fall gewesen wäre, wenn ihr im Namen von Verständnis und Mitgefühl oder aus irgendeinem anderen Grund bei irgendeinem Mitmenschen falsche Hoffnungen geweckt hättet. Ihr habt vielmehr brüderliche Liebe gezeigt, indem ihr die echte Würde, die echte Menschenwürde derer herausgestellt habt, die von der Kirche Christi die Führung erwarten, die aus dem Licht des Wortes Gottes kommt. 

Auch gabt ihr Zeugnis von der Wahrheit und verrichtet damit einen Dienst an der ganzen Menschheit, als ihr die Lehre des Konzils: »Vom Augenblick der Empfängnis an muß das Leben mit größter Sorgfalt geschützt werden« (Gaudium et spes, Nr. 51), aufgegriffen und das Recht auf Leben und die Unverletzlichkeit jeden menschlichen Lebens, einschließlich des Lebens Ungeborener, bekräftigt habt. Ihr habt es klar ausgesprochen: »Solche unschuldigen, ungeborenen Kinder zu vernichten ist ein unsagbares Verbrechen ... Ihr Lebensrecht muß vom Gesetz anerkannt und voll geschützt werden.«

Und ebenso wie ihr die Ungeborenen in der Wahrheit ihrer Existenz verteidigt habt, so klar seid ihr auch für die Alten eingetreten, indem ihr festgestellt habt: »Euthanasie oder Töten aus Mitleid ... ist ein schweres moralisches Übel ... Ein solches Töten ist unvereinbar mit dem Respekt vor Menschenwürde und der Achtung vor dem Leben.«  


Papst Johannes Paul II. an die Bischöfe in den USA, Chicago, 05.10.1979; OR 41/79

Kardinal Marx fordert "Nachdenken" über kirchliche (nichtsakramentale) Anerkennung von Konkubinaten

Heute (06. September 2014) liest man in der "Tagespost" (S.4), dass Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München-Freising, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Mitglied des K9-Beraterrates des Papstes zur Refom der Römischen Kurie, über die kirchliche Anerkennung von einer "zweiten Beziehung" mit einer weiteren Person innerhalb einer sakramentalen Ehe nachdenken möchte, die zwar nicht sakramental sein könne, weil wenigstens einer der beiden (Zweit-)Partner bereits in einer sakramentalen, unauflöslichen Ehegemeinschaft lebt, aber vielleicht "in anderer Form". Der Kardinal meint, eine solche Zweitpartnerschaft habe doch eine "eigene sittliche Qualität". Diese "eigene sittliche Qualität" besteht nach kirchlicher Lehre aber aus Untreue und Ehebruch, ist also zutiefst unmoralisch und ein Eingriff in die sakramentale Ehegemeinschaft.

Wenn Kardinal Marx meint, "wir müssen das Schweigen angesichts des Scheiterns (Anm.: einer Ehe) überwinden", so übersieht der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, dass die Kirche nie zu diesem Übel geschwiegen, sondern stets den betroffenen Eheleuten Beistand und Hilfe zur Versöhnung, im schlimmsten Fall Hilfe zur Überwindung der Trennung vom Ehepartner geleistet hat. Wenn dies in Deutschland nicht so war bzw. ist, so liegt das an den pastoralen Unzulänglichkeiten der diözesanen Einrichtungen, z. B. gut dotierten Familienberatungsstellen, die es in so großer Zahl wie in kaum einem anderen Land gibt, oder zuerst bei manchen Seelsorgern vor Ort, die nicht in der Lage zu sein scheinen, solche Situationen aus dem Glauben heraus zu deuten und zu begleiten. Manchmal und wahrscheinlich meistens liegt die Schwierigkeit in solcher Situation zu helfen aber schon bei den Ehepartnern selbst, die sich entweder nicht über das Gut der christlichen Ehe und das Tabu einer Scheidung, die es nach katholischer Ehelehre nicht gibt, im Klaren sind, oder sich nicht von der Kirche helfen lassen und keinen Rat - und auch nicht die Lehre der Kirche - annehmen wollen.

Die Antwort der Kirche ist der Aufruf zu Umkehr und Versöhnung und schließlich zum Tragen des persönlichen Kreuzes, das uns schließlich zur Erlösung führt.




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Freitag, 25. Juli 2014

Authentische Botschaft der Freiheit und Hoffnung verkünden - Theologen widerlegen Thesen von Walter Kasper zu wiederverheirateten Geschiedenen

Neue Vorschläge für die pastorale Sorge bezüglich der Geschiedenen und Wiederverheirateten: Eine theologische Bewertung (hier das pdf-Dokument)

Acht katholische Theologen, die an Päpstlichen Fakultäten oder in anderen kirchlichen Einrichtungen in den U.S.A. Dienst tun, haben sich ausführlich mit den Thesen und Vorschlägen von Walter Kardinal Kasper befasst. Der deutsche Theologe hatte bei der Kardinalsversammlung am 20. Februar 2014 u. a. auch zum Problem der zivil wiederverheirateten Geschiedenen Stellung genommen. Sein vielbeachteter Vortrag "Das Evangelium von der Familie" hatte weltweit Widerspuch ausgelöst.

Kardinal Kasper hatte die Frage gestellt, ob man "jemandem, der sein Versagen aufrichtig bereut und das tut, was er in seiner nicht rückgängig zu machenden Situation tun kann, das heißt nach Kräften christlich leben und seine Kinder christlich erziehen", die Absolution - und folglich auch die Zulassung zum sakramentalen Empfang der heiligen Kommunion - verweigern kann. Das Versagen meint in diesem Fall das Scheitern der gültig geschlossenen sakramentalen Ehe. Das Konkubinat, die  zweite, zivil geschlossene, Ehe ist dagegen nach Kaspers Vorschlag u. U. nicht rückgängig zu machen und kann nicht aufgegeben werden, ohne dass der bzw. die Betroffene weitere Schuld auf sich lade (s. hier).

Die acht Professoren, darunter sieben Dominikaner, zeigen nun noch einmal kurz und bündig auf, dass die Ausführungen Kaspers nicht mit der kirchlichen Lehre vereinbar sind. Ihr Fazit:

Es kann schwer sein, die Lehre der Kirche über Ehe, Scheidung, menschliche Sexualität und Keuschheit anzunehmen. Christus selber sah das, als er sie verkündigte. Diese Wahrheit bringt jedoch eine authentische Botschaft der Freiheit und Hoffnung mit sich: Es gibt einen Ausweg aus Laster und Sünde. Es gibt einen Weg nach vorne, der zu Glück und Liebe hinführt. Indem die Kirche diese Wahrheiten in Erinnerung ruft, hat sie Grund dazu, die Aufgabe der Evangelisierung in unserer eigenen Zeit mit Freude und Hoffnung anzunehmen.





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Samstag, 12. April 2014

Ehe, Ordensprofess und Priesterweihe: Endgültige Entscheidung

Wie soll sich denn ein Mann – oder besser: ein Jüngling – von 25 Jahren, dem kirchenrechtlichen Mindestalter, endgültig für den Priesterberuf mit allen seinen Konsequenzen entscheiden können? Fehlt es ihm für einen derartigen Schritt nicht an der nötigen Erfahrung? Und was, wenn ihm am Tag nach der Weihe die Frau seines Lebens begegnen würde…? Man kann eine ähnliche Frage auch im Hinblick auf junge Brautleute stellen: Gerade erst – oder nicht einmal – 25 Jahre alt, und schon ein Ja-Wort wagen, das dann binden soll, „bis das der Tod euch scheidet“? Vielleicht lernt man doch später, älter und reifer geworden, einen Menschen kennen, zu dem man eine weitaus tiefere Liebe empfindet, der eine bessere Ergänzung und größere Bereicherung für das eigene Leben darstellt als der Ehepartner – und was dann? 

Freilich fällt es schwer, ein Alter anzugeben, in dem diese Möglichkeit gänzlich ausgeschlossen wäre. Ist man mit 30, 40 oder erst mit 50 Jahren zu einer letzten Verbindlichkeit fähig? Oder überhaupt nie? Das ist die Meinung vieler unserer Zeitgenossen. Sie sagen: Weil wir uns im Strom der Zeit unablässig wandeln und unsere einzige Beständigkeit in der Unbeständigkeit liegt, deshalb macht die Vorläufigkeit allen Erkennens und Erlebens offensichtlich unsere Existenz aus. Und deshalb ist es eine illusorische Vorstellung, dass sich zwei Menschen ein für allemal in der Ehe miteinander verbinden oder dass jemand sich gültig für den geistlichen Stand mit seinen „ewigen Gelübden“, für den Priesterberuf mit seinen Zölibats- und Gehorsamsversprechen entscheiden kann. 

Die Argumentation gegen eine letztverbindliche Wahl erfährt auch soziologische Schützenhilfe: Früher, so sagt man, bestand noch ein sozialer Rahmen, der den Ehen und dem geistlichen Stand von aussen her Festigkeit verlieh, weil Scheitern damals als Schande galt und gesellschaftliche Ächtung nach sich zog. Mittlerweile ist das aber ganz anders geworden, und das Rad der geschichtlichen Entwicklung lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Glücklicherweise nicht, fügt man hinzu; denn die heutige Situation wird ja, indem sie die Freiheit der einzelnen Person betont, der Würde des Menschen viel besser gerecht als die repressiven Systeme alter Zeiten… 

Was ist dazu zu sagen? Zunächst ist es wahr, dass man in jungen Jahren – und ebenso in vorgerücktem Alter – manche unausgegorene Wahl treffen kann und wohl auch tatsächlich trifft. Erfreulich, wenn sie sich im nachhinein noch abändern und sogar rückgängig machen lässt. Oft aber liegen solche Entscheidungen, einmal gefällt, außerhalb unserer Verfügungsgewalt. Das gilt vor allem von den wichtigen Weichenstellungen in jungen Jahren, die naturgemäß den Radius unserer Wahlfreiheit einschränken und dadurch dem gesamten Leben seine Richtung geben. Als Beispiel möge ein reich begabtes Kind dienen, das sich im Alter von sechs Jahren durchaus noch zum bedeutenden Atomphysiker, zum Staranwalt oder zum Konzertpianisten entwickeln könnte. Wird es aber von den Eltern frühzeitig auf die musikalische Bahn geführt und setzt es selbst aus freiem Willen seine Zeit und Energie für die Perfektionierung des Klavierspiels ein, dann schwinden die anderen Möglichkeiten nach und nach dahin, und mit 20 Jahren ist es für die Karriere als Atomphysiker oder Anwalt einfach zu spät. 

Ohne Zweifel ist es der Wille des Herrn unseres Lebens, dass wir die Freiheit, die er uns eröffnet, in fruchtbarer Weise nutzen. Das aber kann nicht gelingen, wenn wir uns alle Möglichkeiten offenlassen möchten und dafür, anstatt einen Weg einzuschlagen, auf der Stelle stehenbleiben. Sicherlich erfordern wichtige und folgenreiche Entscheidungen eine gute Überlegung, kompetenten Rat und vor allem Licht und Kraft von oben. Doch ist es nicht einzusehen, weshalb ein junger Mensch noch nicht dazu befähigt sein sollte. Gerade wenn er sich um Gottverbundenheit bemüht, sich von erfahrenen Personen etwas sagen lässt und die Geister, welche ihm Seele und Herz bewegen, aufrichtig prüft, sollte er es bis zu einem hohen Gewissheitsgrad bringen können, dies insbesondere in Dingen, die für die Sinngebung des ganzen Lebens von Gewicht sind. Also vor allem im Bereich der Wahl des Berufes und des Partners. 

Nicht der Mangel an Alter und Lebenserfahrung ist das eigentliche Problem, sondern die fehlende Vorbereitung – man denke an die Art der Ehevorbereitung in vielen kirchlichen Einrichtungen! –, die Unüberlegtheit und das geringe Vertrauen in Gottes Vorsehung. Wer sich von Ihm geführt weiß, dem ist klar, dass ihm nicht nach erfolgter Diakonenweihe (die ja den künftigen Priester bereits zum Zölibat verpflichtet) die „Frau seines Lebens“ begegnen oder nach der Hochzeit ein besserer Partner über den Weg laufen wird. Und wie herrlich ist es doch, wenn gerade ein junger Mensch schon Gott seine ganze Freiheit schenkt… 

P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad



Hinweise:


- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers

- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)
- Foto: Ablegen des Ordensversprechens; Benediktinerabtei Le Barroux (F)

Donnerstag, 13. Februar 2014

Brief einer Mutter an den Trierer Oberhirten: "Wie soll man das Heranwachsenden erklären?"

Folgenden Brief (per eMail) schrieb eine Mutter am 07. Februar 2014 an den Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann zu dessen Äußerungen zur kirchlichen Lehre in einem Interview mit der "Allgemeinen Zeitung" (06. Februar 2014):
07. Februar 2014

Sehr geehrter Bischof Ackermann,

als sechsfache Mutter von Kindern, die so langsam in das “heiratsfähige Alter” kommen, nämlich zwischen 14 und 24 Jahre alt, und die daher gerade in einer besonderen Orientierungsphase ihres jungen Lebens sind, protestiere ich auf’s Schärfste gegen Ihre relativierenden Äußerungen zur Sexualmoral der katholischen Kirche!

Wie in der Wormser Zeitung zu lesen ist, sind Sie der Meinung, es sei “nicht mehr zeitgemäß, eine neue Ehe nach einer Scheidung als dauernde Todsünde anzusehen”, und es sei “nicht haltbar, jede Art von vorehelichem Sex als schwere Sünde zu bewerten”. Sie meinen, es gäbe Fälle, in denen vorehelicher Sex “verantwortbar” sei. Es gehe “nicht an, dass es nur das Ideal auf der einen und die Verurteilung auf der anderen Seite” gebe. (Quelle: Wormser Zeitung)

Damit zerstören Sie jeden Versuch, Heranwachsenden die Botschaft des Evangeliums von einem gelingenden Leben nach Gottes Geboten nahezubringen. Zur Erinnerung: Das sechste und neunte Gebot des Dekalogs gebietet uns, in standesgemäßer Keuschheit zu leben und die Ehe nicht zu brechen und zwar weder die eigene, noch die des Anderen. Auch wenn das Wort “Keuschheit” bei deutschen Bischöfen schon lange nicht mehr vorkommt, so bleibt diese Tugend doch als erstrebenswertes Ideal des Christen bestehen um ein Leben in Fülle zu haben.

Und ja, es gibt “nur das Ideal auf der einen und die Verurteilung auf der anderen Seite”, wie es auch in der Enzyklika “Veritatis splendor” sehr differenziert dargelegt ist:

“Die Kirche hat immer gelehrt, daß Verhaltensweisen, die von den im Alten und im Neuen Testament in negativer Form formulierten sittlichen Geboten untersagt werden, nie gewählt werden dürfen. Wie wir gesehen haben, bestätigt Jesus selber die Unumgänglichkeit dieser Verbote: »Wenn du das Leben erlangen willst, halte die Gebote! ... Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen« (Mt 19, 17-18).” (“Veritatis splendor”, Nr. 52)


Ihre Äußerungen ermuntern Jugendliche und Eheleute dazu,  Gottes Gebote geringzuschätzen und zu übertreten und sich dem geistlichen Tod durch schwere (=Tod-)Sünden auszusetzen. Damit gefährden Sie das Seelenheil all derjenigen, die Ihre Worte ernst nehmen und danach handeln, weil sie Ihnen als katholischem Bischof Vertrauen schenken. Aber es ist noch immer so - und wird immer Lehre der Kirche bleiben - dass eine Todsünde daran hindert, am verheißenen Erbe teilzuhaben (d.h. dass sie die ewige Verdammnis nach sich zieht), sollte die Person in dieser Seelenverfassung sterben. Sie übernehmen dafür die Verantwortung und berauben diejenigen Personen des ewigen Glücks? Das ist - für einen katholischen Bischof - ungeheuerlich!

Statt diese Ihre Meinung öffentlich zu machen, sollten Sie eher die Lehre der Kirche darlegen und den Menschen, vor allem den Gläubigen, “reinen Wein” einschenken. Seien Sie ehrlich zu den Leuten und erklären ihnen die frohe Botschaft und dass die Kirche dazu da ist, Sündern, die ihre Schuld bereuen, in Jesu Namen diese Sünden von ihnen zu nehmen und Vergebung zu schenken! Rufen Sie endlich die Menschen zur Umkehr auf, zu Buße und Sühne für die vielen Gott zugemuteten Sünden. Sie kennen doch das Ergebnis der deutschen Bischofskonferenz zur Vatikan-Umfrage zur Ehe- und Familienpastoral. Spätestens da müssten Sie doch erkannt haben, dass die Bischöfe es sträflich vernachlässigt haben, den Gläubigen die katholische Lehre vorzulegen und zu erklären!

Zu der Diskussion um die eingetragene Lebenspartnerschaft von Homosexuellen sagen Sie entgegen der kirchlichen Lehre: …wenn aber durch eine eingetragene Lebenspartnerschaft Treue und Verantwortung gestützt würden, "dann können wir dieses Verantwortungsbewusstsein nicht ignorieren" - und ermutigen dadurch Homosexuelle etc. zu “eingetragenen Lebenspartnerschaften “. Damit ermutigen Sie auch christliche Homosexuelle, solche zivilen, eheähnlichen Verbindungen einzugehen, deren Grund nicht in erster Linie Treue und Verantwortung sind, sondern an erster Stelle homosexuelle Praktiken. Ärgernis und Sünde sind hier doch nicht Treue und Verantwortung, sondern widernatürliche Akte des Geschlechtsverkehrs. Deshalb machen Sie es christlichen, wirklich Gott suchenden Homosexuellen, die ebenso wie alle anderen aufrichtigen Gläubigen versuchen, ein tugendhaftes Leben zu führen, mit Ihren Aussagen unmöglich, Gottes Geboten gemäß zu leben. Was für eine Verantwortung!

Wie sollen wir Eltern die uns von Gott anvertrauten Kinder im Glauben erziehen und von ihnen erwarten, dass sie die Gebote Gottes und der Kirche halten, wenn selbst die Bischöfe diese Gebote relativieren und für angeblich nicht mehr gültig erklären? Sie bringen damit uns und unsere Kinder in große Gewissenskonflikte, da wir Ihnen - trotzdem Sie  katholischer Bischof sind - kein Vertrauen mehr entgegenbringen können.

Ich kann Ihnen nur empfehlen, die Enzyklika “Veritatis splendor” aus dem Jahre 1993 von Papst Johannes Paul II. zu lesen und zu verinnerlichen. Viele Ihrer problematischen Äußerungen werden hier eine Antwort finden.

Von einem katholischen Bischof erwarte ich, dass er den ihm anvertrauten Kirchenvolk den katholischen Glauben authentisch und unverkürzt vorlegt und erklärt, weiterhin, dass er ermutigt, nach diesem Glauben zu leben, der in Jesus Christus der einzige Weg zum ewigen Heil ist. Was ist denn das für eine Einstellung, wie sie in dem Antwortschreiben zum Vatikan-Fragebogen zur Bischofssynode 2014 zu finden ist, dass nämlich die Gläubigen etwas nicht als Sünde sehen (in dem Fall z. B. vorehelichen Geschlechtsverkehr oder auch künstliche Empfängnisverhütung etc.) und die kirchlichen Verantwortlichen erklären dann, dass es nicht mehr zeitgemäß sei, solche  Verhaltensweisen als Sünde zu bezeichnen? Nein, Aufgabe der Verantwortlichen ist es, gerade in solchen Situationen, den irrenden Gläubigen den Weg zu weisen und sie aufmerksam zu machen auf die Blindheit des durch die Sünde bereits verstummten Gewissens!

Ich bitte Sie sehr herzlich, Ihre oben gemachten Aussagen zu widerrufen. Ansonsten sind Sie nicht in der Lage, eine Ortskirche zu führen und zu heiligen, wie es Aufgabe des Bischofs ist. Sollten Sie sich nicht in der Lage sehen, Ihre skandalösen Ausführungen zu widerrufen und im Sinne der Lehre der Kirche richtigzustellen, rufe ich Sie zum Wohle der ganzen Kirche auf, von Ihrem Bischofsamt zurückzutreten! Sie sind kein Zeuge, sondern ein Verachter und Verdreher des Evangeliums, indem Sie die Worte unseres Herrn und Heilandes ins Gegenteil verdrehen.


In Erwartung Ihres Widerrufs oben gemachter Aussagen

mit freundlichen Grüßen

(...)
Empfohlene Lektüre:

Enzyklika “Veritatis splendor”:

Katechismus der katholischen Kirche (KKK): Berufung zur Keuschheit


 »Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, nicht auf dem Weg der Sünder geht, nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, über seine Weisung nachsinnt bei Tag und Nacht« (Ps 1, 1-2). »Die Weisung des Herrn ist vollkommen, sie erquickt den Menschen. Das Gesetz des Herrn ist verläßlich, den Unwissenden macht es weise. Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen« (Ps 19, 8-9). (zitiert aus “Veritatis splendor”)

Eine Antwort des Bischofs ist bisher nicht erfolgt. Allerdings erwartet die Verfasserin weniger eine persönliche Antwort als vielmehr ein Bekenntnis Bischof Ackermanns zur unverkürzten Lehre der Kirche...



Weiteres zu den umstrittenen Aussagen Bischof Ackermanns:

Und auch:


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Mittwoch, 12. Februar 2014

Das Zeugnis ehelicher Treue auch nach einer Trennung von Tisch und Bett

Endlich spricht auch hierzulande jemand (die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus und viele andere haben es natürlich schon längst getan) auch von den Leiden und dem Zeugnis derjenigen, die nach einer gescheiterten Ehe dennnoch nicht das Ehegelöbnis brechen sondern daran festhalten - auch in schlechten Tagen - und damit in der Kirche und in der Welt Zeugnis ablegen für die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe und die permanente Treue Gottes.

Prälat Wilhelm Imkamp lenkt den Blick auf das, was - zumindest im deutschsprachigen Raum - kaum und wenn, dann nur als bloße Erwähnung oder von vornherein als "unzumutbar" - thematisiert wird: das Treuezeugnis derer, die - von einem Ehepartner enttäuscht - feststellen mussten, dass ein eheliches Zusammenleben nicht mehr möglich ist und deshalb in zivilrechtlicher Ehescheidung oder in "Trennung von Tisch und Bett" leben. Möglicherweise wurde von einer Seite die Ehe ge-brochen - zer-brechen kann die christlich gültig geschlossene, sakramentale Ehe nicht, es sei denn durch den Tod eines Ehepartners (vgl. KKK* 1649)

Das Zeugnis der verlassenen Eheleute, allein zu bleiben und nicht nach einem gescheiterten Eheleben auch noch die Ehe zu brechen indem sie eine neue geschlechtliche, eheähnliche Verbindung eingehen, verdient Respekt und alle Hilfe der Mitchristen und kann, wie es auch Prälat Imkamp erlebt hat, andere geistlich bereichern. Auch nach einem gescheiterten Eheleben ist der Weg zum ewigen Heil derjenige der Liebe zu Gott und zu den Menschen, der sich zuallererst darin zeigt, weiterhin zu glauben und die Gebote Gottes zu halten. Übrigens - um manch falscher Vorstellung zu begegnen: In Trennung lebenden Eheleuten ist es (nur aufgrund der Trennung) von der Kirche nicht versagt, die Sakramente, insbesondere die der Buße und der Eucharistie zu empfangen (ganz anders als bei solchen Eheleuten, die in einer neuen geschlechtlichen Verbindung leben und damit die Ehe brechen; vgl. KKK1650).


Hier der Standpunkt von Prälat Wilhelm Imkamp, Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild:

Bertolt Brechts "Moritat von Mackie Messer" endet in der Filmfassung mit der Strophe: "Denn die einen sind im Dunkeln / Und die andern sind im Licht / Und man siehet die im Lichte / Die im Dunkeln sieht man nicht."

Sie kommen nicht vor, man sieht sie nicht, man hört sie nicht, sie haben keine Lobby und sind nicht populär, sie leben das Opfer ihres Lebens buchstäblich im Dunkeln. Auch im Dunkeln einer innerkirchlichen Diskussion: Die Frauen und Männer - es sind gar nicht so wenige - die sich oft unter schweren Qualen entschieden haben, nach einer gescheiterten Ehe in Treue zu Gottes Geboten, so wie sie vom Lehramt der Kirche in eindeutiger Kontinuität vorgelegt werden, auf eine zweite Partnerschaft zu verzichten; häufig verlassen, oft alleinerziehend, haben sie attraktive Angebote“ abgelehnt! Schon als junger Kaplan fühlte ich mich vor solchen Lebenszeugnissen klein, ganz klein, aber auch geistlich bereichert.

Die Leidenserfahrung dieser tiefgläubigen Menschen wird durch das Schweigen und Beschweigen von Priestern, Moraltheologen, Religionslehrern und auch Bischöfen erheblich verstärkt. Für die Menschen, die den einfacheren Weg einer Zweit-, Dritt- oder Viertehe gegangen sind, häufig aus Schwäche, oft aber einer Schwäche, die mit Trotz verbunden, im Bewusstsein zu einer Mehrheit zu gehören, auf sakramentale Anerkennung pocht, gilt: Und man siehet die im Licht"! Für die Treuen in ihrem Lebensopfer dagegen gilt: Die im Dunkeln sieht man nicht"!

Die schwierigere, aber konsequentere Alternative wird seit Jahrzehnten, wenigstens im deutschen Sprachraum, in einer populistischen Pastoraltheologie nur noch unter Betroffenheits- und Empörungsritualen erwähnt und in der Seelsorge einfach weggedrückt. Auch und vor allem bezeugen die jetzt so hochgelobten jüngsten Umfrageergebnisse ein flächendeckendes Versagen bei der Vermittlung des Glaubenswissens.


Von Prälat Wilhelm Imkamp; katholisch.de/ Standpunkt vom 12.02.2014
 * KKK = Katechismus der katholischen Kirche




Freitag, 3. Januar 2014

Dialog über die Unauflöslichkeit der Ehe

Anlässlich des Postings "Pastorale Wege nur im Licht der Wahrheit der Glaubenslehre möglich" (hier) entspann sich im Kommentarbereich ein nicht uninteressanter Dialog über das göttliche Gebot von der Unauflöslichkeit der Ehe. Nicht uninteressant deswegen, weil es noch einmal notwendige Unterscheidungen deutlich macht, die wichtig sind, um den Streit im deutschen Katholizismus, der um das Ehesakrament tobt, besser einordnen zu können. Mir unsachlich erscheinende Aussagen beider Seiten habe ich weggelassen... Ergänzt habe ich einige sachdienliche Links.



Anonym:
Als ob diese verallgemeinernden Pauschalisierungen des KKK über den konkreten Fall einer gescheiterten Ehe urteilen könnte. Vielleicht ist Anmaßung und die Vereinnahmung Gottes die schwerwiegendere Sünde als die Sehnsucht des gescheiterten Christen nach Christus in der Kommunion!


Frischer Wind an  @Anonym:
1. Ich sehe keinen Grund, warum die „Sehnsucht eines gescheiterten Christen nach Christus in der Kommunion“ eine Sünde sein sollte. Aber vielleicht meinen Sie etwas ganz anderes?

2. Rein theoretisch: Wenn „Anmaßung und die Vereinnahmung Gottes Sünde“ wäre, wie könnte diese Sünde noch schwerwiegender sein, als eine Todsünde? Schlimmer geht nimmer…

3. Die oben angeführten Artikel aus dem KKK handeln nicht über die Ehe, sondern sprechen von den Voraussetzungen und Wirkungen des Kommunionempfangs, bzw. erläutern, was eine Todsünde ist. Sie erheben also gar nicht den Anspruch, über eine gescheiterte Ehe zu urteilen.

4. Der KKK enthält keine „verallgemeinernden Pauschalisierungen“ (was übrigens auch noch ein Pleonasmus ist) um über irgendwelche konkreten Fälle zu urteilen, sondern er ist „Bezugstext für eine aus den lebendigen Quellen des Glaubens erneuerte Katechese“. Eine Zusammenfassung und Erklärung dessen, was wir glauben und was aus diesem Glauben folgt. Man könnte auch sagen: ein Nachschlagewerk über unseren Glauben, den wir in die Tat umzusetzen berufen sind. In der Tat befasst sich der Katechismus in der Regel nicht mit konkreten Fällen, sondern ist deshalb allgemein gehalten, weil er die Grundlagen christlichen Handelns darlegt.

Um den „konkreten Fall“ zu klären, ist dasen Kirchrecht (CIC) besser gerüstet.

5. Sie können trefflich über meinen Gnadenstand oder den von Erzbischof Müller oder Kardinal Kasper oder von wem immer sie wollen, spekulieren, und selbst wenn ich in Todsünde lebte: würde das an oben genannten Tatsachen nichts ändern. Diese Tatsachen haben weder mit „Anmaßung“ zu tun, noch mit der „Vereinnahmung Gottes“, es ist schlicht die Lehre der Kirche.

Niemandem wird der katholische Glaube aufgezwungen. Es steht Ihnen frei, zwischen diesem und anderen zu wählen. Wir sollten uns von der Empörung freimachen, derer sich manche bemächtigt fühlen, sobald ihnen jemand diesen Hinweis gibt. Es ist ein Akt der Wahrhaftigkeit, einzugestehen, dass man den Glauben der katholischen Kirche nicht teilt (wenn denn dem so ist). Das andere wäre m. E. Heuchelei oder (Selbst-)Täuschung. Es ist auch eine Gewissensentscheidung. Wenn für Sie die Lehre der Kirche, so wie sie das Lehramt zu glauben vorlegt, nicht richtig zu sein scheint und deshalb für Sie nicht maß-geblich (!) ist, so müssen Sie ihrem Gewissen folgen und dem folgen, was Sie stattdessen als richtig und wahr erkannt haben (die katholische Religion scheint für Sie ja dann nicht wahr zu sein). Wenn Sie demnächst die Wahrheit in der katholischen Religion erkennen (wieder entdecken), so können Sie auch jederzeit wieder zum Glauben der Kirche zurückkehren. Es ist doch keine Schande, seinem Gewissen zu folgen, nur: ehrlich sollte man sein. Nicht möglich ist, dass die Kirche den katholischen Glauben Ihrem Geschmack anpasst.

Seiner (!) Kirche hat Jesus Christus aufgetragen, zu allen Völkern zu gehen, sie zu seinen Jüngern zu machen und zu taufen und er fügte hinzu: „…und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Mt 28,19f


Anonym:
Wo sagt Jesus denn, dass eine geschiedene Frau nicht mehr heiraten darf? Und diese wiederverheiratete Frau zu verurteilen, da bleibe ich dabei, ist anmaßend!


Frischer Wind an  @Anonym:
Niemand verurteilt die Frau, aber es steht fest, dass der Ehepartner (ob Mann oder Frau, hier sind beide gleich betroffen) gegen Gottes Gebot handelt. Gott hat aber die Gebote gegeben, damit der Mensch lebe, zum Heil des Menschen (vgl. Predigt des Papstes).

Handelt der Mensch Gottes Geboten entgegen (sündigt er), muss er auch die Konsequenzen daraus tragen und alle Gläubigen hoffen mit ihm, dass er bald zu Gott zurückkehren möge. Die ganze Kirche betet für die Sünder, die wir alle sind – für ihre Umkehr, aber sie maßen sich nicht an (und jetzt sind wir bei dem, was „anmaßend“ ist bzw. wäre!), Gottes Gebote außer Kraft zu setzen oder zu ignorieren.

Es hat gar nichts mit „verurteilen“ zu tun, vielmehr ist es ein geistliches Werk der Barmherzigkeit, den Mitbruder, die Mitschwester über den Sachverhalt aufzuklären und zu warnen.
(s. Die Werke der Barmherzigkeit)
Nun zu Ihrer Frage, wo denn Jesus sagt, dass eine geschiedene Frau nicht mehr heiraten dürfe. Folgende Textstellen z.B. sprechen hier ganz unzweideutig:

Mk 10,11f:
„Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet. Mk 10,11f

und

1 Kor 7,10:
Den Verheirateten gebiete nicht ich, sondern der Herr: Die Frau soll sich vom Mann nicht trennen - wenn sie sich aber trennt, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich wieder mit dem Mann - und der Mann darf die Frau nicht verstoßen.

Die Kirche hat im Jahre 1563 nach evangelischer und apostolischer Lehre folgendes Dogma, d h.. einem Glaubenssatz, dem jeder Gläubige zustimmen kann, über die Unauflöslichkeit der Ehe (bis zum Tode des einen Ehepartners) verkündet:

“Wer sagt, die Kirche irre, wenn sie gelehrt hat und lehrt: Nach evangelischer und apostolischer Lehre (Mt 19, 6 ff; Mk 10, 6 ff; 1 Kor 7, 10 ff) könne wegen eines Ehebruchs des einen Ehegatten das eheliche Band nicht gelöst werden und beide, auch der unschuldige Teil, der keinen Anlaß zum Ehebruch gegeben hat, könne zu Lebzeiten des andern Ehegatten keine andere Ehe eingehen; und der Mann begehe einen Ehebruch, der nach Entlassung der ehebrecherischen Frau eine andere heirate, ebenso die Frau, die nach Entlassung des ehebrecherischen Mannes sich mit einem anderen vermähle, der sei ausgeschlossen.”

(Josef Neuner, Heinrich Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, neubearbeitet von Karl Rahner und Karl-Heinz Weger, 12. Auflage, Regensburg 1986, S. 473)


Anonym: 
Sie wissen hoffentlich, dass es jüdischen Frauen unmöglich war, ihre Männer aus der Ehe zu entlassen. Dieser Vers ist Jesus aus heidenchristlicher Perspektive in den Mund gelegt! Und wenn Sie das 7. Kapitel des Korintherbriefes einmal weiter lesen, dann erfahren Sie von Paulus auch, dass Ehen aufgelöst werden können. So viel zum Gesetz Gottes!


Frischer Wind an  @Anonym:
Im Judentum hatte - durch eine von Mose gegebene Dispens - nur der Mann das Recht, einen Scheidebrief auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen (von Mose gegen die ursprünglich von Gott gegebene Absicht erlaubt, „nur weil ihr so hartherzig seid“, wie Jesus betont).

„In der griechisch-römischen Welt zur Zeit Jesu aber war auch der Frau das Recht zuerkannt, Scheidung zu beantragen und den Mann zu verlassen. Dies fand auch in Judentum Eingang.“ Denken Sie nur an das Beispiel der Herodias, die mit König Herodes in verbotener Ehe lebte. Das war ja auch der Grund, weshalb Johannes der Täufer letztlich auf „Wunsch“ der Herodias hingerichtet wurde: Er hatte es gewagt, festzustellen, dass es dem Herodes nicht erlaubt war, die (geschiedene) Frau seines Bruders zu ehelichen. „Daher ist es nicht nötig im Vers Mk 10,12 eine Beifügung des Evangelisten zu sehen, der damit Jesu Lehre auf die Verhältnisse in Rom übertragen habe.“ (Zitate vgl. Echter-Bibel)

Entgegen einer unwissenschaftlichen und mit nichts zu erhärtender Spekulation, der Verfasser des Evangeliums (oder gar jemand anderes) habe den Vers Mk 10,12 Jesus „aus heidenchristlicher Perspektive in den Mund gelegt“, ist es vielmehr denkbar und wahrscheinlich, dass Jesus öfter auch von dieser Scheidungspraxis im Umfeld des Judentums gesprochen hat, Markus die Worte Jesu in diesem Zusammenhang wichtig erachtete und sie deshalb auch überlieferte. Es ist also davon auszugehen, dass es ein authentisches Wort Jesu ist.

Was Ihren zweiten Einwand angeht, man solle den Korintherbrief weiterlesen, um festzustellen, „dass Ehen aufgelöst werden können!“, dann stelle ich fest, ist es an der Zeit, sich klarzumachen, wovon wir hier überhaupt reden.

Das, was Paulus nämlich im Anschluss beschreibt ist das, was man das „Paulinische Privileg“ nennt. Kurz gefasst heißt das, dass eine (naturrechtliche, nichtsakramentale, weil von Ungläubigen miteinander geschlossene) Ehe aufgelöst werden kann, wenn sich von den beiden nichtchristlichen Ehepartnern der eine zum Christentum bekehrt, der andere aber nicht, und dieser zweite nun durch das Glaubensleben seines Ehepartners beeinträchtigt ist, und deshalb die Ehe nicht weiterführen will. Von solcherart Ehe geht es aber in der Diskussion um die Ehescheidung im kirchlichen Bereich nicht.

Es geht in der Diskussion um Ehescheidung und Wiederverheiratung im kirchlichen Bereich (also das, wovon z.B. die im Oktober veröffentlichte Handreichung des Bistums Freiburg handelt) nur um die sakramentale, gültig geschlossene und vollzogene Ehe! Alles andere sind (seltene) Sonderformen, die hier nicht behandelt werden. Dies zu vermischen, kommt dem Werfen von Nebelkerzen gleich.

Nochmals: das, was Paulus im Anschluss an 1 Kor 7,11 sagt, betrifft nicht die Diskussion die wir hier führen. Uns interessiert bei der Diskussion die sakramentale, gültig geschlossene und vollzogene Ehe. Diese ist von keiner Macht der Welt auflösbar, denn Gott selbst hat das Eheband geknüpft und es nicht in die Verfügbarkeit des Menschen gelegt, so wie Jesus es vor den Pharisäern bestätigt:
„Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ (Mk 10,6-9)

Diese Verbindung ist ein Abbild der Verbindung von Gott mit den Menschen, von Christus und der Kirche, und auch das zeigt, dass eine Trennung und die Vereinigung mit einem Anderen nichts anderes als Untreue und Ehebruch wäre. Die Unauflöslichkeit der sakramentalen, gültig geschlossenen und vollzogenen Ehe ist ein göttliches Gebot und deswegen nicht verhandelbar – und nicht zu vergessen, auch wenn das in der konkreten Situation oft nicht einzusehen ist – zum Wohle und zum Heil des Menschen.



Anonym:
Ihre Ausführungen sind ein Ausbund an Übertragungen unserer Zeit in die des frühen Christentums, all Ihre Vokabeln und Vorstellungen gab es da noch gar nicht. Sakramentale Ehe, wo gab es die zur Zeit Jesu? Zur Zeit des Paulus? Ihr Beleg der Herodias belegt nur, dass die Scheidung durch eine Frau gerade nicht möglich war, ohne gegen das jüdische Recht zu verstoßen. Alles in allem legen Sie sich die Dinge so zurecht, wie Sie sie aus heutiger Sicht gerne hätten. Hier ein authentisches Jesuswort zu sehen ist grotesk und hat mit Exegese nichts zu tun. Es gibt absolut keinen historischen Beleg für ein Scheidungspraxis von Frauen im Judentum.


Frischer Wind an  @Anonym:
Natürlich hat sich der Glaube und seine Ausdrucksweise im Laufe der Zeit unter dem Beistand des Heiligen Geistes entfaltet und ent-wickelt. Deshalb sind manche „Vokabeln“ erst später entstanden, sie drücken aber das aus, was schon im frühen Christentum angelegt war. Ebenso ist es mit den „Vorstellungen“, die sich zwar ausge-bildet haben, aber auch schon im frühen Christentum vorhanden waren (vgl. Joh 14,26). Das ist das, was man in der Kirche auch als "lebendige Tradition" bezeichnet.

Schließlich war das Christentum nicht so gedacht, auf dem Stand des Jahres 33 oder 50 stehenzubleiben, sondern es war ein Keim gelegt, der sich ausformt, um sich über die ganze Erde in allen Völkern und Kulturen auszubreiten und diejenigen zu sammeln, die sich Christus anschließen wollen um mit ihm durch sein Leiden und Sterben in die Herrlichkeit der Auferstehung zum ewigen Leben mit Gott einzugehen. Wir bleiben nicht im Frühchristentum stehen, sondern sind ein pilgerndes Gottesvolk auf dem Weg zum Himmel.
(Was Sie vertreten, das Verharren auf "Vokabeln und Vorstellungen" der frühchristlichen Zeit, das wäre die Position eines toten, starren Traditionalismus.)

Die Mittel, auf dem Weg voranzukommen, erfüllt mit Gottes lebendigmachendem Geist und heiligmachender Gnade, diese Mittel hat Gott der Kirche anvertraut in den Sakramenten.

Sie fragen: „Sakramentale Ehe, wo gab es die zur Zeit Jesu? Zur Zeit des Paulus?“
Ich schließe aus Ihrer Frage, dass Sie nicht katholisch sind, denn sonst wüssten Sie, dass Jesus Christus selbst sieben Sakramente (darunter auch das der Ehe!) eingesetzt hat. Er ist Ursprung und Urgrund der Sakramente des Kirche:
„Im Anschluß an die Lehre der heiligen Schriften, die apostolischen Überlieferungen und die übereinstimmende Auffassung ... der Väter" bekennen wir, daß „die Sakramente des Neuen Bundes ... alle von unserem Herrn Jesus Christus eingesetzt" sind (Konzil von. Trient: DS 1600-1601) (KKK 1114)

Durch den Geist, der sie „in die ganze Wahrheit" führt (Joh 16, 13), hat die Kirche nach und nach dieses von Christus erhaltene kostbare Vermächtnis erkannt und dessen „Ausspendung" genauer bestimmt, so wie sie dies als treue Verwalterin der Mysterien Gottes [Vgl. ML 13,52; 1 Kor 4, 1] in bezug auf den Kanon der heiligen Schriften und der Glaubenslehre getan hat. So hat die Kirche im Laufe der Jahrhunderte erkannt, daß es unter ihren liturgischen Feiern sieben gibt, die im eigentlichen Sinn vom Herrn eingesetzte Sakramente sind. (KKK1117)

Das Ehesakrament bildet hier also keine Ausnahme. Es bezeichnet die Liebe zwischen Christus und der Kirche, bezeichnet dessen Gnade und teilt diese mit. Die „christliche Ehe ist eine Frucht des Kreuzes Christi“. (KKK1612-1617) Folglich war auch zu frühchristlichen Zeiten eine Ehe zwischen Getauften eine sakramentale Ehe, auch wenn es diese Bezeichnung dafür noch nicht ausdrücklich gab. das Bewusstsein dafür, und das sieht man an den Ausführungen des hl. Paulus, war bereits da.
Zu Ihrer Meinung, ich würde mir die Dinge so zurechtlegen, wie ich sie aus heutiger Sicht gerne hätte, muss ich Ihnen widersprechen. Ich behaupte lediglich, was die Kirche in Ihrer durch zwei Jahrtausende gereiften Weisheit dazu sagt. Sie können das alles im Katechismus oder anderen einschlägigen Werken erfahren und vertiefen.

Sie allerdings, das muss in diesem Zusammenhang denn doch gesagt werden, biegen sich Ihre eigene Auslegung des Glaubens und sogar der Heiligen Schrift zurecht. Die Kirche folgt aber nicht den privaten Meinungen irgendwelcher selbsternannten Ausleger, sondern folgt dem vom Heiligen Geist geleiteten Lehramt. Das ist die Garantie für den authentischen von den Aposteln überkommenen Glauben. Wenn man sieht, wie zerstritten und uneins die Theologen in ihren Meinungen sind, so können wir doch sehr froh sein über die göttliche Einrichtung des katholischen Lehramtes.

Ich bin ein wenig überrascht, dass Sie nicht gleich mitgeteilt haben, dass Sie nicht katholisch sind. Das macht die Diskussion etwas schwieriger, da wir kein gemeinsames Fundament haben, auf dem wir einig wären und aufbauen könnten. Wenn Sie guten Willens sind, werden Sie aber die hier angeführten Argumente erwägen und verstehen können. Versuchen Sie, sich einfach für das Wirken des Heiligen Geistes in Ihnen zu öffnen.

Da ich Ihnen hier nicht den gesamten Glauben erklären kann – soweit man ihn überhaupt erklären kann – halte ich es für am sinnvollsten, dass Sie sich einen Katechismus (Katechismus der katholischen Kirche oder Youcat) kaufen, falls Sie noch keinen haben, oder ihn sich z. B. zu Weihnachten schenken lassen. Vielleicht wird Ihnen dann die Schönheit und Stimmigkeit des katholischen Glaubens aufleuchten. Bei Interesse am Katholisch-Werden wenden Sie sich am besten an einen rechtgläubigen Priester in Ihrer Nähe, der Ihnen ganz bestimmt gerne weiterhilft.

Noch kurz zum „Beleg der Herodias“: Herodias hatte ihren Mann verlassen, um ihren Schwager Herodes Antipas zu heiraten, der seinerseits eine Frau verstieß, um frei zu sein für Herodias. Das zeigt, dass es in – wenn auch nicht sehr frommen – jüdischen Kreisen (zu denen die Familie Herodes gehörte) offensichtlich vorkam, dass Frauen ihre Männer verließen. So wie heute die Ehescheidung und Wiederverheiratung bei vielen keine Reaktion mehr auslöst und nachgeahmt wird, in anderen, vielleicht gottesfürchtigeren Kreisen aber doch noch Widerstand findet, so wird es auch damals gewesen sein. Johannes der Täufer, der sich noch des Willens Gottes bewusst war und diesen laut verkündete, protestierte deshalb gegen die Missachtung des göttlichen Willens in weniger frommen Kreisen (heute würde man den lästigen heiligen Rufer der Unbarmherzigkeit zeihen…).



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