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Sonntag, 21. September 2014

Die einzige Kirche Jesu Christi

Botschaft zum Bloggertreffen in Erfurt

Da es offensichtlich nicht nur bei einem (inzwischen zurückgetretenen) Benediktiner-Abt, sondern auch bei (katholischen) Pastoraltheologen und Medien-Benediktinern Unklarheit oder Unsicherheit darüber gibt, wo die Kirche Jesu Christi zu verorten ist, möchte ich Zeugnis von meinem katholischen Glauben ablegen, der besagt, dass die einzige Kirche Jesu Christi diejenige ist, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird. Insofern diese Kirche als die "römische" oder "römisch-katholische" bezeichnet wird, ist diese die einzige, nämlich die katholische Kirche.

In einfacher und verständlicher Sprache bringt dies z. B. das "Credo des Gottesvolkes" von Papst Paul VI. zum Ausdruck:
Aus dem "Credo des Gottesvolkes" von Papst Paul VI.:

Wir glauben an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, die von Jesus Christus auf dem Felsen gegründet wurde, der Petrus ist. Sie ist der mystische Leib Christi, von ihm sowohl als sichtbare Gemeinschaft mit hierarchischem Aufbau wie auch als geistige Gemeinschaft eingesetzt. Sie ist die Kirche hier auf Erden, das pilgernde Gottesvolk. 

Und sie ist die Kirche, die beschenkt ist mit himmlischen Gütern – der Same und keimhafte Anfang des Reiches Gottes, durch das sich Werk und Leiden der Erlösung in der Geschichte fortsetzen und das seine Vollendung finden wird jenseits aller Zeitlichkeit, in der ewigen Herrlichkeit (22). Der Herr Jesus Christus läßt Seine Kirche in der Zeit Gestalt annehmen durch die Sakramente, die aus Seiner göttlichen Fülle (23) hervorgehen. Durch sie haben die Glieder der Kirche Anteil am Geheimnis Seines Todes und Seiner Auferstehung in der Gnade des Heiligen Geistes, der Leben und Tun verleiht (24). Die Kirche ist deshalb heilig, auch wenn sich in ihrer Mitte Sünder befinden, weil sie selbst kein anderes Leben besitzt als das der Gnade. Das heißt, daß sich ihre Glieder heiligen, wenn sie an ihrem Leben teilnehmen, und daß sie, wenn sie ihr Leben preisgeben, der Sünde und Unordnung verfallen, die den Glanz ihrer Heiligkeit verdunkeln. Deshalb leidet und büßt die Kirche für diese Verfehlungen. Sie hat die Gewalt, ihre Gläubigen davon zu heilen: durch das Blut Christi und die Gabe des Heiligen Geistes. 

Sie ist dem Geiste nach Erbin der göttlichen Verheißungen und Tochter Abrahams, durch jenes Israel, dessen heilige Schriften sie in Liebe bewahrt und dessen Patriarchen und Propheten sie in Ehrfurcht gedenkt. Sie ist auf die Apostel gegründet und gibt im Nachfolger des heiligen Petrus und in den Bischöfen, die sich in Gemeinschaft mit ihm befinden, deren immerdar lebendiges Wort und deren Hirtengewalt durch die Jahrhunderte weiter. Unter dem immerwährenden Beistand des Heiligen Geistes hat die Kirche die Aufgabe, jene Wahrheit zu bewahren, zu lehren, auszulegen und in der Welt zu verkündigen, die Gott in verhüllter Weise durch die Propheten und in ihrer ganzen Fülle durch unseren Herrn Jesus Christus geoffenbart hat. 

Wir glauben alles, was im geschriebenen oder überlieferten Gotteswort enthalten ist und was die Kirche als von Gott geoffenbarte Wahrheit zu glauben vorlegt: entweder durch eine feierliche Glaubensentscheidung oder durch das ordentliche und allgemeine Lehramt (25). Wir glauben an die Unfehlbarkeit, die dem Nachfolger des heiligen Petrus zukommt, wenn er ex cathedra als Hirte und Lehrer aller Gläubigen (26) spricht. 

Diese (Unfehlbarkeit) ist auch dem Kollegium der Bischöfe verheißen, wenn sie – gemeinsam mit dem Papst – das höchste Lehramt ausüben. (27)

Wir glauben, daß die von Christus gegründete Kirche, für die Er gebetet hat, unfehlbar eine ist: im Glauben, im Kult und in der hierarchischen Gemeinsamkeit. Die reiche Vielfalt in der Liturgie, die zu Recht bestehende Verschiedenheit im theologischen und geistlichen Erbe, sowie in den eigenen Rechtsordnungen im Innern der Kirche, tun ihrer Einheit keinen Abbruch, sondern fördern sie. (28)

Wir anerkennen das Vorhandensein zahlreicher Elemente der Wahrheit und Heiligung außerhalb der Gemeinschaft der Kirche Christi, welche eigentlich ihr zugehören und auf die katholische Einheit (29) hindrängen. Und wir glauben an das Wirken des Heiligen Geistes, der in den Herzen der Jünger Christi die Liebe zu dieser Einheit (30) entflammt. Wir haben aber die Hoffnung, daß auch die Gläubigen, die noch nicht voll und ganz der Gemeinschaft der Kirche angehören, sich eines Tages in der einen Herde mit dem einen Hirten zusammenfinden werden. 

Wir glauben, daß die Kirche heilsnotwendig ist; denn Christus, der alleinige Mittler und Weg zum Heil, ist für uns gegenwärtig in Seinem Leib, der die Kirche ist (31). Aber der göttliche Heilsplan umfaßt alle Menschen. Diejenigen, die ohne ihre Schuld die Frohbotschaft Christi und Seiner Kirche nicht kennen, aber aufrichtig Gott suchen und sich mit Hilfe der Gnade um die Erfüllung Seines Willens bemühen, den sie aus den Forderungen ihres Gewissens erkannt haben – ihre Zahl ist Gott allein bekannt – können das Heil erlangen. (32)

 
22 Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 8.50. 
23 Vgl. ebd. 7.11. 
24 Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Sacrosanctum Concilium, 5.6; vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 7.12.50. 
25 Vgl. Denzinger 3011. 
26 Vgl. ebd. 3074. 
27 Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 25. 
28 Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 23; vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dekret Orientalium Ecclesiarum, 2.3.5.6. 
29 Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 8. 
30 Vgl. ebd. 15. 
31 Vgl. ebd. 14. 
32 Vgl. ebd. 16.

Und der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) erklärt:

Der große Reichtum an Verschiedenheiten steht der Einheit der Kirche nicht entgegen, sondern die Sünde und ihre Folgen belasten und bedrohen diese Gabe der Einheit unablässig. Darum muß der hI. Paulus dazu ermahnen, „die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens" (Eph 4,3).

815 Welches sind die Bande der Einheit? Vor allem ist es die Liebe, „das Band der Vollkommenheit" (Kol 3,14). Die Einheit der pilgernden Kirche wird aber auch durch folgende sichtbare Bande der Gemeinschaft gesichert:

- das Bekenntnis ein und desselben, von den Aposteln überlieferten Glaubens;

- die gemeinsame Feier des Gottesdienstes, vor allem der Sakramente;

- die apostolische Sukzession, die durch das Weihesakrament die brüderliche Eintracht der Familie Gottes aufrechterhält [Vgl. UR 2; LG 14;  [link] CIC, can. 205].

816 „Die einzige Kirche Christi ... zu weiden, hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus übertragen, ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre Ausbreitung und Leitung anvertraut ... Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in [subsistit in] der katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird" (LG 8).

Das Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über den Ökumenismus erklärt:
„Nur durch die katholische Kirche Christi, die allgemeine Hilfe zum Heil ist, kann man die ganze Fülle der Heilsmittel erlangen. Denn einzig dem Apostelkollegium, dem Petrus vorsteht, hat der Herr, so glauben wir, alle Güter des Neuen Bundes anvertraut, um den einen Leib Christi auf Erden zu bilden, dem alle völlig einverleibt werden müssen, die schon auf irgendeine Weise zum Volke Gottes gehören" (UR 3).


Und eine weitere Quelle des Lehramtes bekräftigt:

Dennoch müssen dieselben Katholiken bekennen, daß sie durch das Geschenk der göttlichen Gnade zu jener Kirche gehören, die Christus gegründet hat und die von den Nachfolgern Petri und der übrigen Apostel geleitet wird. Diese sind die Träger der unverfälschten, lebendigen und ursprünglichen Ordnung und Lehre der apostolischen Gemeinde, die das unvergängliche Erbe der Wahrheit und Heiligkeit darstellt.11

Darum ist es den Gläubigen nicht erlaubt, sich die Kirche Christi so vorzustellen, als ob sie nichts anderes sei als irgendeine Summe – geteilt zwar, aber doch noch irgendwie eins – von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften; noch steht es ihnen frei anzunehmen, daß die Kirche Christi heute nirgends mehr wirklich existiert, so daß sie nur noch als ein Ziel aufgefaßt werden kann, das alle Kirchen und Gemeinschaften zu suchen haben.


aus: Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre "Mysterium Ecclesiae" 



Herzliche Grüße nach Erfurt
an alle Teilnehmer des Bloggertreffens der KAMP!
(besonders an Herrn Sellmann und P. Maurus Runge OSB)


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Weiteres zum Thema "Die Kirche Jesu Christi":


(Hervorhebungen durch Fettdruck von FW)

Freitag, 25. Juli 2014

Authentische Botschaft der Freiheit und Hoffnung verkünden - Theologen widerlegen Thesen von Walter Kasper zu wiederverheirateten Geschiedenen

Neue Vorschläge für die pastorale Sorge bezüglich der Geschiedenen und Wiederverheirateten: Eine theologische Bewertung (hier das pdf-Dokument)

Acht katholische Theologen, die an Päpstlichen Fakultäten oder in anderen kirchlichen Einrichtungen in den U.S.A. Dienst tun, haben sich ausführlich mit den Thesen und Vorschlägen von Walter Kardinal Kasper befasst. Der deutsche Theologe hatte bei der Kardinalsversammlung am 20. Februar 2014 u. a. auch zum Problem der zivil wiederverheirateten Geschiedenen Stellung genommen. Sein vielbeachteter Vortrag "Das Evangelium von der Familie" hatte weltweit Widerspuch ausgelöst.

Kardinal Kasper hatte die Frage gestellt, ob man "jemandem, der sein Versagen aufrichtig bereut und das tut, was er in seiner nicht rückgängig zu machenden Situation tun kann, das heißt nach Kräften christlich leben und seine Kinder christlich erziehen", die Absolution - und folglich auch die Zulassung zum sakramentalen Empfang der heiligen Kommunion - verweigern kann. Das Versagen meint in diesem Fall das Scheitern der gültig geschlossenen sakramentalen Ehe. Das Konkubinat, die  zweite, zivil geschlossene, Ehe ist dagegen nach Kaspers Vorschlag u. U. nicht rückgängig zu machen und kann nicht aufgegeben werden, ohne dass der bzw. die Betroffene weitere Schuld auf sich lade (s. hier).

Die acht Professoren, darunter sieben Dominikaner, zeigen nun noch einmal kurz und bündig auf, dass die Ausführungen Kaspers nicht mit der kirchlichen Lehre vereinbar sind. Ihr Fazit:

Es kann schwer sein, die Lehre der Kirche über Ehe, Scheidung, menschliche Sexualität und Keuschheit anzunehmen. Christus selber sah das, als er sie verkündigte. Diese Wahrheit bringt jedoch eine authentische Botschaft der Freiheit und Hoffnung mit sich: Es gibt einen Ausweg aus Laster und Sünde. Es gibt einen Weg nach vorne, der zu Glück und Liebe hinführt. Indem die Kirche diese Wahrheiten in Erinnerung ruft, hat sie Grund dazu, die Aufgabe der Evangelisierung in unserer eigenen Zeit mit Freude und Hoffnung anzunehmen.





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Samstag, 5. Juli 2014

Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu - Eine Begegnung mit dem hl. Pfarrer von Ars

von P. Bernward Deneke

Zuweilen möchte man die Zeituhr zurückdrehen und sich eine Begegnung mit bedeutenden Persönlichkeiten früherer Epochen ausmalen. Wir wäre es wohl gewesen, diese oder jene Berühmtheit in ihrer Lebenswelt anzutreffen?

Weil ich Priester bin und der heilige Jean-Marie Vianney auch für mich ein herausragendes priesterliches Vorbild ist, liegt es nahe, sich eine Begegnung mit ihm, dem Pfarrer von Ars, vorzustellen. Und zwar eine Begegnung unter Priestern. Ich versetze mich also in die Person irgendeines seiner Mitbrüder, der gemeinsam mit dem späteren Heiligen das Seminar besucht und aus dieser Zeit noch manche Erinnerung an ihn bewahrt hat, der aber nachher keinerlei Kontakt mehr zu ihm unterhielt – bis zu den denkwürdigen Ereignissen, die jetzt zu schildern sind. (Hier beginnt der Bericht des Abbé N. N. über seine Wiederbegegnung mit dem Pfarrer von Ars:)

Immer wieder hatte ich in den letzten Jahren über das Wunder von Ars erzählen hören. Um es sogleich zu sagen: Es handelte sich bei den Personen, die mir da von einem außerordentlichen Priester vorschwärmten, nicht um die Vertrauenswürdigsten. Manche von ihnen waren mir als ausgesprochene religiöse Exzentriker mit einem Hang zum Aberglauben bekannt. Immer auf der Suche nach Mirakulösem, hatten sie jetzt offensichtlich eine neue Sensation ausfindig gemacht: den Pfarrer eines völlig unbedeutenden Örtchens, dem man allerlei Erstaunliches nachsagte.

Als entschiedener Gegner von Personenkult und fragwürdiger Mystik hatte ich die Sache zunächst ignoriert. Weil aber die Wellen des Phänomens Ars mehr und mehr auch in meinen Seelsorgebereich hinüberschwappten, mußte ich mich nun doch dafür interessieren. Und das, ich gebe es zu, mit einer Einstellung, die sich des vernichtenden Urteils bereits sicher war.

Wie groß aber war mein Erstaunen, als ich den Namen des legendenumwobenen Pfarrers von Ars vernahm: Jean-Marie Baptiste Vianney! Anfangs wollte ich es nicht glauben, daß ausgerechnet jener minderbemittelte Mitstudent von damals nun ein umschwärmter Geistlicher sein sollte. Aber dann fielen mir andere Fälle ein, in denen sich gerade Priester mit theologischen Defiziten durch bestimmte Sonderlichkeiten profiliert und einen Namen gemacht hatten. Es ist ja bekanntlich nicht schwer, gewisse Schichten des katholischen Volkes zu beeindrucken und an sich zu binden, Menschen nämlich, denen es weniger um solide Glaubenslehre und objektiv-kirchliche Verwaltung der Sakramente geht als um außergewöhnliche Geschehnisse und fromme Verrenkungen. So betrachtet, paßte Jean-Marie Vianney also doch ins Bild.

Denn was wußte ich noch von ihm? Er, ein einfacher Bauernsohn aus Dardilly, war als Spätberufener mit mir für drei Jahre im Seminar von Lyon gewesen. Dort hatte er nicht im Ansehen gestanden, eine Leuchte der Wissenschaft zu sein: Weil seine Leistungen, besonders die Lateinkenntnisse weit unter dem erforderten Niveau lagen, war er schließlich weggeschickt und später nur auf Betreiben seines Mentors, des alten Asketen Pfarrer Balley, zur Abschlußprüfung zugelassen worden.

Vianney gehörte im Seminar zu den Strengen und Engen, ja er war wohl der Strengste und Engste von allen. Sein geistliches Streben wirkte auf mich reichlich angespannt, für fröhliches Zusammensein und festliche Mahlzeiten hatte er (entgegen der tiefen Weisheit der hl. Theresia von Avila: „Wenn Fasten, dann Fasten, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn!“) nichts übrig. Während seines letzten Seminarjahres schottete er sich gänzlich von den anderen ab, spielte den Wüstenvater oder Trappisten. Er redete nicht mit uns und schien ganz in seiner nicht sonderlich einladenden Welt zu leben. Jean-Marie mag viele Tugenden geübt haben; von derjenigen der Leutseligkeit aber konnte ich bei ihm keine Spur feststellen. 

Eigentlich hätte man ihm die Pforte zum Priestertum wohl gar nicht eröffnet. Doch im Abschlußexamen ließ man sich aus unerfindlichen Gründen auf seine Stufe herab: Statt in der Kirchensprache befragte man ihn in der Muttersprache, und da er nicht einmal darin richtig zu antworten wußte, wurde ein zweiter Gnadenanlauf gewährt. Bei dieser Gelegenheit stellte der anwesende Generalvikar die Fragen: "Ist Vianney fromm? Verehrt er die Gottesmutter? Kann er den Rosenkranz beten?“ Und als man versicherte, er sei wahrhaft ein Vorbild an Frömmigkeit, entschied sich der Vertreter des Bischofs: „Ein Vorbild an Frömmigkeit! Gut, ich berufe ihn. Die Gnade Gottes wird den Rest machen."

Ich weiß noch, auf welches Befremden der Vorgang bei einigen Mitbrüdern stieß. Als man dann recht bald von exzessiven Bußübungen munkeln hörte, die der neugeweihte Priester, inzwischen Vikar in der Pfarre zu Écully, praktizierte, schien das alle Vorbehalte zu bestätigen. Vianney bei Pfarrer Balley! Glaubhaften Gerüchten zufolge bestand zwischen dem alten und dem jungen Asketen gar ein Wettstreit in der Verwendung der Geißel... Hätte man den Neupriester nicht bei einem gesetzteren, auf harmonische Persönlichkeitsentwicklung bedachten Pfarrherrn in die Lehre schicken können? - - -

Mit solchen Gedanken kam ich eines Abends in Ars an. Ich wollte mir selbst einen Eindruck verschaffen. Wollte nicht nur vom Hörensagen her urteilen, sondern meine Ablehnung der Umtriebe aus eigener Anschauung begründen können. Und dabei schienen mir schon die ersten Augenblicke in dem Ort helfen zu wollen: Alles war hier vom Kult dieses Priesters erfüllt. Man tauschte Geschichtchen und Bildchen von ihm aus. Eine offensichtlich überspannte Frau in der Herberge zeigte jedermann stolz einen Fetzen aus der Soutane des Pfarrers, den sie ergattert hatte und nun als Reliquie mit sich herumtrug... Mein Gedanke war: „Daß Vianney sich das alles nicht verbittet, spricht klar gegen ihn!“

Sehr bald wurden mir auch Inhalte seiner Verkündigung zugetragen. Die Wirtshäuser soll er vor Jahren als „Werkstätten des Teufels“, als „Schulen, in denen die Hölle ihren Unterricht gibt“ und als „Stätten, wo man die Seelen verkauft“ bezeichnet haben, den Tanz als „jenen Strick, mit dem der Teufel die meisten Seelen zur Hölle zieht“, und: „Wer zum Tanzen geht, läßt vielfach seinen Schutzengel an der Türe zurück und der Teufel ersetzt ihn, so daß es im Tanzsaal alsbald ebensoviel Teufel wie Tänzer und Tänzerinnen gibt."

Ist das wohl die Art, in der die weise und milde Mutter Kirche ihre Kinder unterrichtet sehen will? Daß Vianney nach glaubhaften Berichten jungen Menschen, die sich des Schwerstvergehens „Tanz“ schuldig gemacht hatten, über lange Zeit hin die Lossprechung verweigerte, zeugte für mich davon, wie wenig in ihm zu finden war von der Güte und Weitherzigkeit der besten französischen Tradition beispielsweise eines Vinzenz von Paul und Franz von Sales. Stattdessen fühlte ich mich eher an die Härte der Jansenisten erinnert.

Dennoch, die Massen strömten zu seinem Beichtstuhl. Und ich fragte mich: Widerspricht nicht schon dieses Verhalten dem Willen der Kirche? Der katholische Christ muß doch wissen, daß die Sakramente von objektiver Wirksamkeit sind und nicht an der – angeblichen oder tatsächlichen – Heiligkeit eines bestimmten Priesters hängen. Hätte Vianney auch nur ein wenig kirchlichen Sinn, dann würde er die Menschenmengen gewiß fortschicken: „Geht, denn was ihr hier sucht, das könnt ihr bei jedem rechtgläubigen und rechtmäßigen Verwalter der Sakramente finden!“ Ja, das wäre ein Ausdruck von menschlicher und priesterlicher Größe gewesen. Er aber hörte Tag für Tag (und sogar bis in die Nächte hinein) Beichte um Beichte.

Im Studium hatte man uns immer wieder gesagt, gerade für die Verwaltung des Bußsakramentes bedürfe es sehr solider Kenntnisse. Ein „doctus cum pietate“ solle der Beichtvater sein: ein Gelehrter mit Frömmigkeit. Von der heiligen Theresia von Avila wird sogar der Ausspruch überliefert, wenn man sie vor die Wahl zwischen einem nur frommen und einem nur gelehrten Seelenführer stelle, so werde sie sich ohne Zögern für den letzteren entscheiden. Was also, dachte ich mir, ist davon zu halten, wenn jetzt Scharen von Menschen nach Ars reisen, um sich ausgerechnet Vianney in der Beichte anzuvertrauen, einem Priester, für den die Kirchenlehrer Augustinus und Thomas, aber auch unsere hervorragenden Franzosen Bernhard von Clairvaux, Kardinal Bérulle, Jean Eudes und Franz von Sales offensichtlich umsonst geschrieben haben... - - -

Ich gestehe, daß mich derartige Gedanken ganz gefangen genommen hatten, bis ich am kommenden Morgen plötzlich, ich weiß nicht aufgrund welcher besonderen Gnade, meine Augen und dann auch nach und nach mein Herz zu öffnen begann, um anderen, durchaus gegenteiligen Eindrücken den Weg in mein Inneres zu gestatten. „Ars ist nicht mehr Ars“, dieses schon beinahe geflügelte Wort, wurde mir auf meinem frühmorgendlichen Weg zur Kirche eine geradezu handgreifliche Realität. Von den oft unruhigen und wundersüchtigen Pilgern unterschied ich nun die Einheimischen: schlichte und einfache Menschen, denen Sensations- und Geschäftemacherei fern lag, auf deren Gesichtern vielmehr der Glanz echter Gottverbundenheit erstrahlte. Der Pfarrer, sagte man mir, versorge sie trotz der heranstürmenden Massen vorbildlich; er lasse die Herbeigereisten ohne weiteres warten, wenn eines seiner Pfarrkinder ihn brauche.

Als ich die Kirche betrat, erstaunte mich die prächtige und geschmackvolle Ausstattung. Ein Gotteshaus, das die Frömmigkeit gleichsam zu atmen schien und daher die Menschen mit sanfter Gewalt auf die Knie, zur Anbetung des Hausherrn nötigte; denn daran, wer hier im Mittelpunkt stand, konnte trotz der beherrschenden Gestalt des Pfarrers (den ich bisher nicht zu Gesicht bekommen hatte) kein Zweifel bestehen. Es wunderte mich daher auch nicht, in diesem Heiligtum neben den Beichtenden schon jetzt außergewöhnlich viele Beter anzutreffen, manche von ihnen augenscheinlich in stille Betrachtung versenkt. „Das hat sie unser Pfarrer gelehrt“, sagte man mir. Ein Vergleich mit dem eher traurigen Bild, das sich in meiner Pfarrkirche nicht nur zu solcher Morgenstunde bietet, ließ Scham über die voreiligen Urteile in mir aufkommen. Sollte es nicht doch möglich sein, daß Gott...?

Es hatte gerade 6 Uhr geschlagen, als sich die Sakristeitür öffnete und eine abgezehrte, doch lichtvolle Priestergestalt in edlen Gewändern zum Altar schritt. Vianney! Alle bereits erwähnten Bedenken und Einwände wollten sich wieder in mir zu Worte melden, lösten sich aber angesichts dieses Anblicks auf wie der Frühnebel vor der Sonne. Nichts an meinem ehemaligen Mitstudenten war exaltiert oder auf Wirkung angelegt. Er zelebrierte die heiligen Geheimnisse den Vorschriften gemäß, ohne Eigenwilligkeiten, nichts in die Länge ziehend, dabei zugleich demütig und würdevoll in allen Bewegungen. Die Hingabe dieses Priesters an seinen gegenwärtigen, geopferten Herrn war unmittelbar spürbar, der Geist tiefer Ehrfurcht und inniger Anbetung ging auf das anwesende Volk über. Selten habe ich an einer Heiligen Messe ergriffener teilgenommen, geschweige denn sie selbst so zelebriert... 

Als ich später die vielgerühmte 11-Uhr-Katechese besuchte, verspürte ich schon gar keine Neigung mehr, etwaige theologische Unvollkommenheiten aufzuspüren. Und wäre das noch immer mein Ansinnen gewesen, ich hätte mich doch geschlagen geben müssen angesichts der Worte voller Weisheit und Liebe, die ich jetzt zu hören bekam. Es erschien mir als ein freundlicher Wink der Vorsehung, daß Vianney ausgerechnet heute über das Priestertum sprach. Er tat es nicht wie ein Büchergelehrter, auch nicht wie ein bloß Glaubender, sondern eher wie einer, der das, was er beschreibt, mit inneren Augen selbst schaut. Einige seiner Aussprüche sind besonders stark in mein bedürftiges Priesterherz eingedrungen. Gewiß spielte der Klang, mit welchem der Pfarrer von Ars sie aussprach, und überhaupt seine ganze Gestalt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Aber auch lange nach diesem Eindruck haben sie nichts von ihrer Herrlichkeit eingebüßt:

„Wenn wir recht begreifen würden, was ein Priester auf Erden ist, würden wir sterben: nicht vor Schreck, sondern aus Liebe. Ohne den Priester wäre das Leiden und Sterben unseres Herrn sinnlos. Der Priester führt das Werk der Erlösung auf Erden fort. Was nützte ein Haus, das mit Gold gefüllt ist, wenn es niemanden gäbe, um die Tür zu öffnen? Der Priester besitzt die Schlüssel zu den Schätzen des Himmels. Und sogar Gott gehorcht ihm: Der Priester spricht einige Wörter aus, und daraufhin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in der kleinen Hostie ein. Ja, ohne das Sakrament der Weihe hätten wir den Herrn nicht. Wer hat Ihn da in den Tabernakel gesetzt? Der Priester. Wer hat eure Seele beim ersten Eintritt in das Leben aufgenommen? Der Priester. Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pilgerschaft zu vollenden? Der Priester. Wer wird die Seele darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie zum letzten Mal im Blut Jesu Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester. – Oh, wie groß ist der Priester! Wenn er verstünde, was er ist, er würde sterben. Erst im Himmel wird er sich selbst recht verstehen.“

Und noch dieses wunderbare Wort ist in mir haften geblieben und hat sowohl Vianney als auch mein eigenes Dasein und Wirken in ein völlig neues Licht getaucht: „Das Priestertum, das ist die Liebe des Herzens Jesu.“ Jetzt meinte ich zu verstehen, warum unser Herr Seinen großen Diener im Studium derart schwach erscheinen ließ: um durch diesen geringen Mann alles Hochtrabende und Aufgeblähte zu beschämen und in ihm die Macht der Liebe Seines Herzens zu offenbaren! Ich hatte auch keine Schwierigkeiten mehr mit seinen Gestrengheiten gegen sich und gegen seine Pfarrkinder. Hatte er nicht den Vorläufer und Wegbereiter des Herrn, Johannes den Täufer, zum Namenspatron? Wie diesem war es Vianney darum gegangen, alles in seinem eigenen Leben und in den anvertrauten Seelen zu beseitigen, was sich der Ankunft Jesu entgegenstellte. Dann aber ließ er unter den Menschen die göttliche Liebe in einer einzigartigen Weise aufstrahlen. Welche Barmherzigkeit hat Gott uns durch ihn erwiesen, welche guten Einrichtungen ins Werk gesetzt – man denke nur an die Providence, das Heim für arme Mädchen!

Bleibt noch zu erwähnen, daß ich mir selbstverständlich die Gelegenheit, beim heiligen Pfarrer von Ars zu beichten, nicht nehmen ließ. Seither bin ich der felsenfesten Überzeugung: Die Begegnung mit ihm wird für jeden Priester zu einer große Gnade. (Hier schließt der Bericht des Abbé N.N.)



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Wegweisung für Wegweiser -
Reinigung und Erneuerung des priesterlichen Lebens
Exerzitien mit dem hl. Pfarrer von Ars
Mit einenm Vorwort von Walter Kardinal Brandmüller
UNA VOCE Edition Tremsbüttel 2014
ISBN: 978-3-926377-00-5
Preis 7,80 Euro 
Bestellmöglichkeit: UNA VOCE Shop
oder in jeder Buchhandlung
Rezension von Pfr. Guido Rodheudt
Rezension von Hans Jakob Bürger


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Mittwoch, 2. Juli 2014

Pfr. Michael Theuerl: Pladoyer für die sakramental-hierarchisch verfasste Kirche

Der Priester Michael Theuerl, Pfarrer der Pfarrei Sanctissima Eucharistia in Teltow, hat mit Datum vom 29.05.2014 (und einen kurzen Anhang vom 03.06.2014) einen offenen Brief an den Bischof von Berlin,  Rainer Maria Kardinal Woelki, geschrieben. In diesem Schreiben warnt er vor der Aufgabe der hierarchischen Verfasstheit der katholischen Kirche durch eine Säkularisierung der Kirche einerseits und einer Klerikalisierung der Laien andererseits und plädiert für eine Umkehr. Pfr. Theuerl schreibt unter anderem:
In der neuen „kooperativen Pastoral“ einer geschwisterlichen Kirche seien alle Seelsorgerinnen und Seelsorger. Der Runde Tisch – ein politisches, weltliches Modell – soll an die Stelle der katholischen Kirche treten. Auf allen Ebenen der Kirche laufen Bemühungen, dieses neue Kirchenmodell durchzusetzen.

Man kann es als die Grundhäresie der westlichen Kirche bezeichnen: die theoretische und faktische Abschaffung des Hirtenamtes, des Apostolischen Amtes und der sakramental-hierarchischen Grundstruktur, die zum Wesen der göttlichen Stiftung Kirche gehört und ohne die man nicht mehr von Katholischer Kirche sprechen kann. 
Genauso wie wir argumentieren, dass mit der Aufwertung der „Homo-Ehe“ die Ehe und Familie relativiert und letztlich zerstört wird, muss man sagen, dass mit der angeblichen Aufwertung der Laien das Apostolische Amt relativiert und die Ortskirche zu Grunde gerichtet wird. Man kann nicht etwas zugestehen, was dem anderen objektiv nicht gegeben ist.

Die Feststellungen von Pfr. Theuerl decken sich mit denen des Kirchenrechtlers Prof. em. Georg May (Mainz), die dieser bereits im Jahre 1997 in dem auch als Buch veröffentlichten Vortrag über "die andere Hierarchie" äußerte und der (nicht als Einziger) vor einer Protestantisierung der katholischen Kirche warnte - freilich ohne bei Bischöfen und Funktionären der Kirche in Deutschland Gehör zu finden.

Mit der "anderen Hierarchie" ist gemeint die Etablierung einer Parallelstruktur von Laien auf allen Ebenen - neben der in der Kirchenverfassung verankerten Hierarchie göttlichen Rechts, die durch geweihte Amtsträger, nämlich durch den Priester bzw. den Bischof als Haupt und Hirte der Gemeinde, verwirklicht ist (vgl. z. B. hier).

Der Priester aus dem Bistum Berlin schreibt weiter:
Letztlich wird die Einbindung des Priesters in eine sog. Pastoral des Runden Tisches zum Ende des Priestertums führen, denn welcher Priester oder Priesterkandidat möchte sich ständig herumärgern mit Leuten, die auch jetzt schon ihre „Informationen“ und „Ideen“ aus Internetforen (auch kirchenfeindlichen) beziehen und einbringen werden; man denke nur an „Kinderkirche“, Liturgiekreise, Kampf um die Durchsetzung des Diakonats der Frau …

Es macht keinen Sinn, schon beim Stand 2014, wo viele sich nicht mehr einig darüber sind, was katholischer Glaube ist, solche Runden Tische zu organisieren, wo offensichtlich zusehends die gemeinsame Basis schwindet und man nicht bereit ist, sich am Katechismus und an der Lehre der Kirche zu orientieren.

Man mag noch so oft betonen, das Hirtenamt werde nicht beschädigt – das Gegenteil ist der Fall bei der „Pastoral des Runden Tisches“. Denn schon rein menschlich wird der Pfarrer auf Dauer sich nicht gegen die Leute am Tisch stellen wollen. Bestenfalls wird er die Rolle als Moderator einnehmen. Das ist aber nicht das Hirtenamt. De facto liegt eine Amtsbehinderung des Pfarrers durch selbstgeschaffene Strukturen vor, die dem Kirchenrecht widersprechen. Jeder, der ein bisschen Ahnung von den jetzigen Problemen beim Personal in den Pfarreien hat, weiß, dass der beabsichtigte Plan rein psychologisch niemals funktionieren wird und darüber hinaus dem Wesen der Kirche widerspricht.

Das Resultat wird kein anderes sein als Streit, Sich Zurückziehen, Dienst nach Vorschrift, Verantwortungslosigkeit oder Burn out und gänzliches Weggehen. Man kann nicht in protestantischen (?) Strukturen katholisch bleiben, selbst dann nicht, wenn die Leute alle ganz nett sind.

Auch dies entspricht dem, wovor Prof. May immer wieder seine Stimme erhob (vgl. z. B. hier). Die neugeschaffenen Strukturen, die es so auch nur in der deutschen bzw. deutschsprachigen Kirche gibt, sind mit dem Kirchenrecht und der hierarchischen Verfassung der Kirche nicht vereinbar. 

Bis jetzt hat sich an der Situation nichts geändert, außer, dass man den falschen Weg noch immer weiter gegangen ist. Es wird Zeit sich zu besinnen und sich endlich aus dieser Schieflage zu befreien. 

Pfr. Theuerl sieht denn auch eine Lösung der zweifelsohne verfahrenen Situation: eine Re-form die sich an der Form orientiert, wie sie war, bevor die große Verwirrung begann:

Man muss nicht neue Strukturen (Pastoraler Raum) oder neue Titel (Pfarrvikar, der nicht mit dem gleichnamigen Titel im CIC identisch ist!) erfinden – Eigenschöpfungen, theologisch und kirchenrechtlich nicht vorgesehen – , sondern man kann ganz normal alle katholischen Strukturen und Titel verwenden, z. B. auch für das Gebiet eines Dekanates: Es gibt einen Pfarrer, mehrere Kapläne, die sich wieder Helfer suchen, sie vor Ort schicken und Anweisungen geben (dazu braucht man keine Pastoralreferenten, die sich im Vespermantel auf den Priestersitz setzen und sich freuen, einen Gottesdienst „selbständig“ zu leiten – nein da betet man Rosenkranz, Laudes, Vesper, oder eine Andacht aus dem Gotteslob, um den falschen Eindruck zu vermeiden, Gottesdienst sei Gottesdienst).

In den Zeiten der Verfolgung in Russland haben sich gläubige Laien beim Vorbeten, Beerdigen, Taufen … immer als Provisorium, als Platzhalter für den Priester verstanden. Dass das hier heute auch so ist, kann man bezweifeln. Auch eine Pfarrei mit über 36.000 Katholiken kann man auf katholische Weise leiten.

Auch der Hinweis und die Beherzigung der Konzilstexte, wie auch der "Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit von Laien am Dienst der Priester"von 1997, können hier, wie Pfr. Theuerl anmerkt, hilfreich sein, um zum katholischen Wesen des Priestertums und zu einer Normalität kirchlicher Verhältnisse zurückzufinden. "Bei allen theologischen Fragen", so Theuerl,"muss man zuerst die Dogmatik bedenken (was ist Sache) und dann erst die Pastoraltheologie (was kann man damit machen); nicht die Frage: Wie bekommen wir alle unter einen Hut, sondern zuerst die Frage: Wo liegt der Hut." 

Oder wie es Michael Karger einmal ausdrückte: "Wenn sich die Pastoral ihre eigene Lehre schafft, wird dies mit der völligen Preisgabe des definierten Glaubens enden. Das Christentum würde zur reinen Lebenspraxis herunternivelliert. Das Handeln kann aber niemals Quelle der Wahrheit sein."

Und fast wörtlich kommt Theuerl zum gleichen Schluss wie der Kirchenrechtler May. Theuerl: "Aber selbst wenn das Verhältnis nicht sonderlich belastet ist, muss man sagen, dass man niemals auf Dauer falsche Strukturen mit guten Leuten retten kann." Und May: "Ich kann und will nicht über die Mitglieder in der Kirche den Stab brechen. Unter ihnen befinden sich zweifellos viele gutwillige, wohlmeinende Personen, welche die Intention haben, der Kirche einen Dienst zu leisten. Doch ein falsches Modell wird durch die gute Absicht von Personen, die in dieses eingefügt sind, nicht richtig."

Schließlich kommt Theuerl zum Wesentlichen: "Die Kirche wird von Christus (nicht durch menschliches Engagement) aufgebaut durch die Eucharistie: Der eucharistische Leib baut den mystischen Leib – die Kirche – auf. Der Mensch ist vor Gott ein Empfangender; Der Glaube kommt vom Hören, nicht vom Machen." Die Kirche lebe aus der Eucharistie und den Sakramenten und sei nicht Menschenwerk, "die würdige Feier der Hl. Messe" sei das Wesentliche.

Ein durch und durch lesenswerter und wichtiger Brief mit besorgniserregenden Beobachtungen zum Zustand der Kirche in Deutschland, offen und mutig vorgetragen von einem Priester, der aus eigener Erfahrung weiß, dass "man als Christ seinen Weg oft allein gehen muß und daß man verlogenen Dialogversuchen eine klare Absage erteilen muß". Ein Brief mit auch ohne großen Aufwand und ohne viel Bürokratie realisierbaren Vorschlägen, um die Misere endlich zu beenden. Noch ist es vielleicht an der Zeit, bevor es zu einem großen Schisma in der deutschen Kirche kommt (das freilich latent schon längst vorhanden ist).

Möge der Brief bei seinem Adressaten (und vielleicht auch bei anderen Verantwortungsträgern in der Kirche) nicht auf taube Ohren stoßen, sondern aufrichtig zu Einsichten führen, die wiederum dazu führen mögen, offensichtlich falsche Wege zu verlassen und mutig auf den richtigen Weg zurückzueilen, damit das Volk Gottes nicht mehr herumirren muss, sondern sicher und bald das Ziel seiner Pilgerschaft erreichen kann...


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Leseempfehlung:

Weitere Kommentare katholischer Blogs zum offenen Brief von Pfr. Theuerl:

Weiteres zum Thema "Demokratie und Hierarchie in der Kirche":


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Montag, 23. Juni 2014

Prof. Georg May: Die andere Hierarchie - Teil 34: Die Pastoralreferenten (2)

Prof. Dr. Georg May

Die andere Hierarchie


Teil 34


Verlag Franz Schmitt Siegburg AD 1997



Fortsetzung von hier

IV.  Tätigkeit

Die Dienstordnung soll den Dienst der Pastoralreferenten regeln. Instruktiv ist ihre Umsetzung in die Praxis. Dabei fallen bestimmte Eigentümlichkeiten auf. 

Einmal ist die Zahl jener Pastoralreferenten hoch, die an Schreibtischen Platz nehmen, Telefone bedienen und Papiere versenden. Man sehe sich daraufhin einmal den Personalschematismus der Diözese Mainz an. Dort haben die beiden Weihbischöfe je einen Pastoralreferenten als Assistenten und der Generalvikar einen solchen als persönlichen Referenten. In den verschiedenen Abteilungen des Ordinariats ist eine beträchtliche Zahl von Pastoralreferenten beschäftigt, die teilweise den Rang eines Ordinariatsrates besitzen.

Auch in den Dekanaten hat man Pastoralreferenten untergebracht. Es erhebt sich die Frage: Was tut ein Pastoralreferent, der als Dekanatsreferent oder als Dekanatsjugendbeauftragter angestellt ist, den ganzen Tag? Einige hat man in den Pfarrverbänden angestellt. Pastoralreferenten werden auch im Schuldienst als Religionslehrer verwendet, und zwar ohne das anderswo erforderliche zweite (oder dritte) Fach. Weitere sind der Seelsorge in Krankenhäusern zugeteilt, in den Mainzer Universitätskliniken allein vier. Im ganzen muss man sagen: In der Diözese Mainz gibt es ein Heer von laikalen Mitarbeitern, seien es Pastoralreferenten oder Gemeinde-referenten.

Zu den beruflichen Aufgabenbereichen, die das Rahmenstatut für Pastoralreferenten (hier als pdf) nennt, sind einige Fragen angebracht. Wie gewinnt und begleitet ein Pastoralreferent, der ja keiner Gemeinde zugeordnet ist, ehrenamtliche Mitarbeiter? Was hat man sich unter "Mitwirkung bei der übergemeindlichen Koordination von Initiativen" vorzustellen? Wie macht ein Pastoralreferent Mitarbeiter fähig zu Glaubensgesprächen und Erwachsene zur religiösen Kindererziehung? 

Welchen Glauben trägt er vor in Glaubensseminaren, und wie legt er die Heilige Schrift aus in Bibelkreisen? Welcher Art ist seine Mitwirkung in der Ehe- und Familienpastoral? Wie fördert er missionarischen Dienst und Pastoral der Fernstehenden? In manchen Diözesen werden in großen Krankenhäusern Priester und Laien als gleichberechtigte "Seelsorger" nebeneinander gestellt. Wie vermag ein Nichtgeweihter gleichberechtigte Seelsorge mit einem Geweihten zu betreiben?

Die Tätigkeit vieler Pastoralreferenten weist schlimme Ausfallerscheinungen auf. Ich will einige von ihnen nennen. Die Verbildung, die sie in ihrer theologischen Ausbildung erfahren haben, wird sich unweigerlich auf ihren Dienst niederschlagen. Dass die Masse der Pastoralreferenten nicht oder nur sehr wenig tut, um die Menschen zum regelmäßigen würdigen Empfang des Bußsakramentes zu führen, ist offenkundig. Damit entfällt ein entscheidendes Element kirchlicher Seelsorge.

Es ist auch sehr zu fragen, ob die Pastoralreferenten bemüht sind, in den Gemeinden Priesterberufe zu wecken und zu fördern. Es steht zu fürchten, dass wegen des bei manchen tiefsitzenden Ressentiments gegen den Klerus weder das eine noch das andere geschieht.

(...) Für die Gewinnung der Abständigen und Abgefallenen geht von den Pastoralreferenten in der Regel kein Impuls aus. Nach dem Papier "Der pastorale Dienst in der Pfarrgemeinde" sollen die Diakone u. a. "helfen, die der Kirche Entfremdeten zu sammeln (II,2,4). Ich frage: Wo und wie oft und mit welchem Einsatz geschieht dies? Das Urteil des Erzbischofs Braun, die Pastoralreferenten leisteten einen "entscheidenden Beitrag für die Entwicklung zu einer mitsorgenden und missionarischen Kirche" (5), ist ein krasses Fehlurteil.

Erfahrene Seelsorger urteilen anders. Ein Mainzer Pfarrer schrieb: "Was machen die eigentlich, die vielen Hauptamtlichen in der Kirche? ... Die Fragen nach den Rechten aller Hauptamtlichen im kirchlichen Dienst sind bis ins letzte Detail ... geklärt. Die Fragen nach den Pflichten bleiben offen" (6). In keinem Fall sind sie mit den Pflichten  des Pfarrers zu vergleichen. Der Satz des Herrn Kronenberg (Anm.: damaliger Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ZdK): "Je mehr die Laien in der Kirche Verantwortung tragen, um so mehr identifizieren sie sich auch mit der Kirche" (7) ist schlicht falsch. Gerade die laikalen Verantwortungsträger waren es, die das aufrührerische "Kirchenvolksbegehren" ermöglicht und getragen haben.


V.  Auswirkungen

a) Auf die Priester

Die erwähnte Einstellung vieler Pastoralreferenten und Gemeindereferenten hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Priester, mit denen sie zusammenarbeiten sollen.

Wegen der fehlenden Weihe stellt sich leicht ein Gefühl der Unterlegenheit gegenüber dem Priester ein. Dieses Unterlegenheitsgefühl wird dann ebenso leicht kompensiert durch Unwilligkeit, sich unterzuordnen. Die Priester bekommen in den Pastoralreferenten und Gemeindereferenten Mitarbeiter, denen häufig der entscheidende Wille zur Unterordnung unter den Priester fehlt. Die Fälle sind zahlreich, in denen Pastoralreferenten und Gemeindereferenten, bockig und eigensinnig, dem Priester beträchtliche Schwierigkeiten bereiten.

Sie nehmen eine Selbständigkeit in Anspruch, die mit einer gedeihlichen Leitung einer Pfarrei durch das priesterliche Haupt der Gemeinde nicht zu vereinbaren ist. Das Denken vieler Pastoralreferenten und Gemeindereferenten ist auf Besitzstandswahrung und Machterweiterung gerichtet. Ich selbst habe schwerwiegende und andauernde Konflikte zwischen Priestern, die noch um ihre Sendung wissen, und Laienfunktionären erlebt. Immerhin spricht das Papier der deutschen Bischöfe "Der pastorale Dienst in der Pfarrgemeinde" von der "Berufsunzufriedenheit", von Aggressivität und von Depressionen bei vielen hauptamtlichen Laien (I,2,3).

Der Priester, der sich gegen die Anmaßung kirchlicher Laienfunktionäre zur Wehr setzt, gilt als nicht kooperationswillig; er riskiert eine Rüge der geistlichen Behörde oder gar seine Versetzung. Die Klagen der Priester, dass sie an ihrem Bischof keinen Halt haben und keine Unterstützung finden, wenn sie sich gegen Unwilligkeit und Selbstherrlichkeit von Laienmitarbeitern wenden, sind zu häufig, als dass sie allesamt unzutreffend sein könnten. Unter der Vorgabe, ein gedeihliches Miteinander schaffen zu wollen, werden Priester, die noch die richtige Vorstellung von Kirche haben, entweder gleichgeschaltet oder erledigt.

b) Auf die Laien

Die Anstellung zahlreicher hauptamtlicher Laienkräfte in der Seelsorge hat auch Auswirkungen auf die nichtamtlichen Gläubigen. Diese bekommen ein völlig verändertes Bild von der Kirche, das sich zunehmend protestantischen Verhältnissen nähert. Die hierarchische Struktur der Kirche und die sakramentale Weihe der Amtsträger treten immer mehr zurück und werden beiseite geschoben. Der Priester als der Repräsentant Christi und als der in der Vollmacht Christi handelnde Hirt gerät aus dem Blickfeld. Die Gläubigen gewöhnen sich an die laikalen Funktionäre. Das Bemühen um Priesterberufe nimmt weiter ab.

Dazu kommt Folgendes: In dem Maße, wie die Zahl der hauptamtlichen Laien in der Kirche wuchs, ging die Zahl der ehrenamtlich tätigen zurück. Die massenhafte Einstellung von Gemeindereferenten verdrängte systematisch die arbeits- und hilfswilligen Gläubigen in den Gemeinden. Heute werden Leute für die Dienste und Verrichtungen bezahlt, die in der vorkonziliaren Kirche unentgeltlich verrichtet wurden. So kommt man um das Urteil nicht herum: Das Heer der Hauptamtlichen stellt eine Gefahr für die Ehrenamtlichen und für die Charismatiker dar.


VI.  Der Titel "Seelsorger"

Bezeichnend für das Selbstbewusstsein und die Ambitionen der Pastoralreferenten und Gemeinereferenten ist die zunehmende Neigung, sich mit dem Namen von Seelsorgern und Seelsorgerinnen zu schmücken.

Diese Benennung ist neu. Die Seelsorge (cura animarum) war in der Kirche immer Sache des Klerus. Er konnte und sollte sich dabei helfen lassen von Nichtklerikern, und diese tragen dann den Namen von Seelsorgehelfern und -helferinnen. Damit war ihre unterstützende Funktion gegenüber dem Klerus bezeichnet.

Wenn dagegen jetzt die theologisch ausgebildeten Funktionäre den Ausdruck Seelsorger und Seelsorgerinnen für sich usurpieren, wird der wesentliche Unterschied von geweihten Trägern der Seelsorge und deren Helferkreis verwischt und in einer unzulässigen Äquivokation ein und dasselbe Wort für zwei grundlegend verschiedene Personenkreise verwendet. Damit wird nicht der Seelsorge, sondern dem Anspruchsdenken von theologisch ausgebildeten Laienfunktionären gedient.

Die Benennung ist sachlich unzutreffend. Denn der Begriff des Seelsorgers ist dadurch gekennzeichnet, dass er die Gesamtheit der Befugnisse und Dienste, welche die Seelsorge ausmachen, in sich schließt. Seelsorge ist Hirtendienst (c. 515 §1). Wie soll jemand Seelsorger sein, der nicht Hirte ist? Hirte kann man nur sein, wenn man dem Erzhirten Jesus Christus ontisch angeglichen ist. Deswegen muss der Begriff des Seelsorgers auf den Klerus beschränkt bleiben.

In der Diözese Augsburg erklärte der verstorbene Bischof Stimpfle, der Titel Seelsorger sei Priestern vorbehalten. Die Mitarbeit von Laien in der Seelsorge verleihe nicht das Recht, diesen Titel zu führen (8). Bei der Inanspruchnahme des Titels Seelsorger durch Nichtgeweihte ergibt sich die Merkwürdigkeit, dass dies duch dieselben Leute geschieht, die sonst an Stelle von Seelsorge lieber von "Gemeindearbeit" reden.

Es berührt auch eigenartig, dass in diesem Begriff die Seele wieder auftaucht, die ansonsten aus der Theologie und aus der Liturgie beinahe verschwunden ist. Trotz dieser Einwände ist vorauszusehen, dass sich dieser Titel durchsetzen wird. Die Bischöfe werden auch diesmal nachgeben. Für den Pastoralplan Speyer sind die Gemeinde- und Pastoralreferenten bereits "Seelsorger" (9).


(5)  Deutsche Tagespost Nr. 92 vom 3. August 1995 S. 6
(6)  Deutsche Tagespost Nr. 104 vom 29. August S. 9
(7)  Herder Korrespondenz 35, 1981, 134
(8)  Amtsblatt der Diözese Augsburg Nr. 7 vom 30. Mai 1984. Vgl. Ludwig Gschwind, Seelsorger - ein Allerweltsbegriff?: Klerusblatt 77, 1997, 87
(9)  Für die Seelsorge. Pastoralbeilage zum Oberhirtlichen Verordnungsblatt für das Bistum Speyer Heft 1/ 1993 S. 23


Fortsetzung folgt 

Übersicht: Zu den bisher erschienenen Fortsetzungen

Donnerstag, 12. Juni 2014

Prof. Georg May: Die andere Hierarchie - Teil 26: Der Priestermangel (1)

Prof. Dr. Georg May

Die andere Hierarchie


Teil 26

Verlag Franz Schmitt Siegburg AD 1997


IV. Der Priestermangel

1. Die Tatsache

Den zahlreichen Amtsniederlegungen von Priestern korrespondiert das Ausbleiben von Neuzugängen zum Priestertum. Der Aufbau der anderen Hierarchie vollzieht sich auf dem Hintergrund des notorischen Priestermangels in den deutschen Diözesen, ja er zieht daraus einen Teil seiner Berechtigung und Notwendigkeit.

Der Priestermangel ist eine Tatsache. Ihm voraus geht der Priesterkandidatenmangel. Im Jahre 1995 fand sich in der riesigen Erzdiözese München kein einziger Abiturient, der Priester werden wollte (8). Das Papier "Der pastorale Dienst in der Pfarrgemeinde" spricht vom Mangel an hauptamtlichen kirchlichen Mitarbeitern und an Priestern sowie an Ordensleuten (I,2,4). Der erstere Mangel besteht nicht. Es gibt genügend Laientheologen, die sich um hochdotierte Posten in den deutschen Diözesen bewerben.

Der "Berufsverband der Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten in der Erzdiözese Bamberg" kritisierte die Gebetsinitiative des Erzbischofs Braun für geistliche Berufe. An Nachwuchs für Pastoralreferenten fehle es nicht; lediglich an Priesternachwuchs fehle es wegen der Zulassungsbestimmungen und der Strukturkrise des Amtes (9).

Die Gegner des Priestertums haben begriffen, dass sich ihnen hier die Chance bietet, in die Positionen einzurücken, die durch den Abfall so vieler Priester und das Ausbleiben von Berufungen frei geworden sind. Die am Priestertum bzw. an dessen Voraussetzungen Gescheiterten wittern Morgenluft und sehen ihre Stunde gekommen. Die Bischöfe begründen ihre Förderung der anderen Hierarchie mit dem Fehlen von Priestern.

2. Die Gründe

Die Gründe des Priestermangels sind vielgestaltig. Die Bischöfe sind jedoch mehrheitlich nicht gewillt, jene Gründe zur Kenntnis zu nehmen, die sich aus ihrem Versagen ergeben. Der Erzbischof von Freiburg (Anm.: Oskar Saier) zählte in seinem Brief an die Pfarrgemeinden in der Region Bodensee äußere Gründe für das Ausbleiben des Priesternachwuchses auf (10). Von inneren Gründen verlautete er kein Wort. Ich will sie ihm nennen.

a)  Die Zerstörung des Würdebewusstseins

Ein Hauptgrund für den Priestermangel ist die Zerstörung des Bewusstseins von der hohen Würde und der unersetzlichen Notwendigkeit des Priesterstandes. Der heutige Priestermangel ist also zum erheblichen Teil das Ergebnis des Wirkens der progressistischen Theologen. Ich klage sie an, dass sie zahlreichen Theologie-studierenden den Glauben, die Liebe zur Kirche und den Priesterberuf zerstören.

Wenn es mit dem Priestertum weiter nichts auf sich hat, wenn es sich nicht auf die Stiftung Christi berufen kann, wenn von der Repräsentation Christi nicht die Rede sein kann, dann ist nicht einzusehen, warum man einen Stand erwählen soll, der durch stark erhöhte Ansprüche an seine Glieder gekennzeichnet ist.

Ein gebildeter Laie schrieb dem Bischof von Limburg (Anm.: Franz Kamphaus) am 11. September 1995: "Es gibt noch junge Männer, die sich zum geweihten Seelsorgedienst bereitfinden, aber sie gehen mehrheitlich zu den konservativen Gruppen! Je mehr sie von Bischöfen wie Sie und Ihr Kollege in Augsburg (Anm.: von 1993-2004 Viktor Josef Dammertz OSB) ausgegrenzt werden, um so weniger werden sich für den Diözesandienst entscheiden."

b)  Die Auspowerung des priesterlichen Dienstes

Den theoretischen Kampf gegen Sein und Sendung des Priestertums entspricht dessen Schmälerung in der Praxis. Der priesterliche Stand ist in den letzten 30 (Anm.: nunmehr 47) Jahren regelrecht ausgepowert worden.

Die Anordnungen der Hierarchie haben ihm eine Funktion nach der anderen entzogen und ihm eine andere Hierarchie an die Seite oder besser entgegengestellt. Schon die Einrichtung der Pastoralassistenten war ein Anschlag gegen das katholische Priestertum. Hier wird dem geweihten Seelsorger eine ungeweihte Person an die Seite gestellt, kaum als Mitarbeiter, eher als Aufpasser, Konkurrent und Kritiker.

Viele Priesterkandidaten schauen mit großer Sorge ihrer Tätigkeit entgegen, bei der sie auf Zusammenarbeit mit einem Pastoralassistenten angewiesen sind, und diese Sorge ist berechtigt. Denn die Einstellung so manches Pastoralassistenten ist eine Gefahr für das gedeihliche priesterliche Wirken. In ihnen wuchern Kritiksucht und Ressentiment, Widerstand gegen geistliche Führung und Unwilligkeit zur Unterordnung.

Man mag es hören wollen oder nicht: Die Einführung der Pastoralassistenten und -referenten war ein Schlag gegen das Priestertum. Die Priesterkandidaten beobachten die wachsende Anhebung von deren Stellung mit großer Sorge. Viele von ihnen haben Angst vor der zukünftigen Entwicklung der Kirche (11).

Unter den Laienfunktionären hat ein regelrechter Kompetenzhunger eingesetzt. Die Zahl der Übergriffe in das dem Priester vorbehaltene Gebiet nimmt zu. Die Laienpredigt hat die Herabstufung der Lehrvollmacht der priesterlichen Amtsträger eingeleitet. Die Predigt von hauptamtlichen Laien in Messfeiern ist entgegen der kirchlichen Ordnung an vielen Orten zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Die Entwicklung ging nach der bekannten Salamitaktik vor sich. Das Direktorium für Kindermessen vom 1. November 1973 sah die Übernahme der Ansprache durch  Laien in Messen mit Kindern vor (12). Die Sendung der Pastoralreferenten schließt heute bereits die Beauftragung zum Predigen ein. (13).

In den siebziger Jahren hat man mit der Einführung der Bußandacht das Bußsakrament weithin abgeschafft (14). Heute ist man dabei, mit dem Wortgottesdienst an Sonntagen die Eucharistiefeier zu ersetzten. Der Priester wird in seinen erhabensten Funktionen überflüssig gemacht.

Die bischöflichen Verordnungen haben den Priestern die Kommunionausteiler an die Seite gestellt bzw. sie duch diese ersetzt. Die Mitwirkung der Kommunionhelfer ist wohl überall nur vorgesehen, wenn die Zahl der Mitfeiernden groß ist und wenn dem Zelebranten die Austeilung der Kommunion schwerfällt (15). Doch die enggefassten Bestimmungen (cc 230 §3, 910 §2) bleiben fast überall unbeachtet.

Die bischöflichen Verordnungen haben den Priestern Erstbeicht- und Erstkommunionunterricht weitgehend entwunden. Um die Firmvorbereitung steht es nicht anders. Diese Auspowerung des priesterlichen Dienstes vollzieht sich unter dem Schlagwort "Gemeindekatechese" (16).

Durch die Gottesdienstgestaltung der Liturgiekreise wird dem Priester die Ordnung der Messfeier zum erheblichen Teil aus der Hand genommen. Die Gottesdienste werden weithin von Personen vorbereitet und "gestaltet", die höchstens rudimentär das Wesen der heiligen Messe kennen. Sie gehen dabei vielfach von Vorgaben aus, die für außergottesdienstliche Feiern in Kindergärten oder Altentagesstätten geeignet sein mögen, aber nicht für die Repräsentation des Kreuzesopfers.

Mancherorts wird die feierliche Spendung der Taufe durch Laienfunktionäre vorgenommen. Auch das kirchliche Begräbnis kann unter gewissen Voraussetzungen von diesen gehalten werden, wie überhaupt zahlreiche Segnungen - wie beispielsweise die Segnung der Häuser und Wohnungen - ihnen übertragen wurden.

Durch all diese Entziehungen und Beteiligungen werden neben die in der Hierarchie göttlichen Rechtes stehenden Priester die Funktionäre der anderen Hierarchie gestellt. "Wer Aufgaben abgibt, bekommt sie so schnell nicht wieder. Er schwächt sich damit selbst und verliert an Einfluß" (17).

Zu den von den Bischöfen betriebenen Übertragung von Diensten, die früher dem Priester vorbehalten waren, kommt die widerrechtliche Inbesitznahme priesterlicher Dienste durch Laienfunktionäre.

In den letzten Jahren gingen einzelne Laien dazu über, eigenmächtig den Ritus der Krankensalbung zu vollziehen oder sakramentsähnliche Riten der Salbung mit geweihtem Öl vorzunehmen (18). Nach einer Umfrage im Bistum Basel greifen 57 Prozent der Laientheologen zumindest gelegentlich unbefugt und unermächtiigt in den sakramentalen Bereich über, der dem Priester vorbehalten ist.

In der Aussendungsfeier der Pastoralassistenten wurde eine Parallelliturgie zur Spendung der Priesterweihe eingeführt. In der Schweiz heißen diese Mitglieder der anderen Hierarchie Pfarreileiter bzw. Pfarreileiterinnen. Die Protestantisierung ist in diesem unglücklichen Land noch weiter fortgeschritten als bei uns (19). Dort ist man schon so weit, dass man sich eine "Eucharistiefeier" ohne Priester vorstellen kann.


 (8)   Theologisches 26, 1996, 97
 (9)   Klerusblatt 77, 1997, 102f
(10)  Pfarramtsblatt 70, 1997, 173-175
(11)  Deutsche Tagespost Nr. 135 vom 9. November 1996 S. 5
(12)  Acta Apostolicae Sedis 66, 1974, 30-46, hier 37f (Nr. 24)
(13)  Gottesdienstleitung und gottesdienstliche Verkündigung durch Laien im Bistum Essen vom 2. Juli 1996 (Pfarramtsblatt 69, 1996, 349-351) 3.1
(14)  May, Das verlorene Sakrament 21-23
(15)  Z. B.: Ordnung der Diözese Regensburg für den Dienst des Kommunionhelfers vom 19. November 1991 (Archiv für katholisches Kirchenrecht 160, 1991, 543.548) Nr. 3a
(16)  Gemeinsame Synode 227-275
(17)  Deutsche Tagespost Nr. 45 vom 12. April 1997 S. 9
(18)  Pfarramtsblatt 69, 1996, 317-320 (Rottenburg 9.Juli 1996); 70, 1997, 175-178; Una Voce-Korrespondenz 27, 1997, 249f
(19)   Spagat: Herder-Korrespondenz 51, 1997, 222f




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Montag, 7. April 2014

Es gibt keinen Gegensatz zwischen Pastoral und Dogmatik

Nur auf Grundlage der Dogmen ist eine wahrhaftige Pastoral möglich. Michael Gurtner beschäftigt sich in einem Gastkommentar für das katholische Nachrichtenportal kath.net mit der Beobachtung, dass - in zunehmendem Maße - die "gute, barmherzige, am Menschen orientierte Pastoral" gegen das "böse, hartherzige, den Menschen einengende oder ausschließende Dogma" ausgespielt wird und in manchen kirchlichen Kreisen die Qualität und Tauglichkeit von Geistlichen sich an dieser Unterscheidung orientiert.

Aber es gibt im katholischen Glauben de facto keinen Gegensatz zwischen Pastoral und Dogmatik. Michael Gurtner enttarnt die Bevorzugung einer angeblich von Dogmen unabhängigen Pastoral als eine Methode, um unliebsame Glaubensinhalte unglaubwürdig darzustellen und sich ihrer letztlich zu entledigen. Er schreibt:
"In letzter Zeit beobachtet man in Beiträgen und Interviews von Theologen und Geistlichen aller Ränge gehäuft eine reichlich seltsame Argumentationsfigur, welche uns in deren inneren Grundstruktur eigentlich schon aus so manchen Slogans der Kirchenrevolten der 60er Jahre, und in deren Verlängerung auch aus denen der verschiedenen Reformgruppen („Wir sind Kirche“, Pfarrerinitiative, usw.) bekannt ist. Gemeint ist die platte Antipodisierung von der guten Pastoral einerseits und der bösen, dunklen Dogmatik andererseits (dasselbe gilt auch für das Kirchenrecht und zumindest zum Teil für die Liturgiewissenschaft).
Konkret finden wir dies, wenn Geistliche dann als besonders qualitätsvoll bewertet werden, weil sie „nicht vom Dogma ausgehen und nicht am Kirchenrecht festklammern, sondern vom Menschen ausgehen“. Dieselbe Forderung wird auch dann immer erhoben, wenn es um eine gewünschte Änderung der kirchlichen Lehre oder Praxis geht, wobei man implizit die Attribute „gut“ und „barmherzig“ den „pastoral orientierten“ zuordnet, welche im Gegensatz dazu nicht „böse“ und „hartherzig“ am Dogma festhalten. Dieser Gegensatz ist künstlich konstruiert, um bestimmte unbeliebte Lehren der Kirche in einem negativen Licht darzustellen. Es ist der Versuch der Befreiung von bestimmten Glaubensinhalten."

Der volle Wortlaut des Gastbeitrags: hier.


Weiteres zum Thema "Das Verhältnis von Dogmatik und Pastoral":

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Montag, 10. Februar 2014

Ehe- und Familienpastoral in deutschen Bistümern: Hier hat das Defizit Tradition...

Ermutigendes Interview mit Norbert und Renate Martin

Ein wunderbares Interview mit Norbert und Renate Martin hat die katholische Zeitung "Die Tagespost" am vergangenen Samstag (DT vom 07.02.2014, Nr. 16, S. 5/6) veröffentlicht. Das Ehepaar aus Vallendar bei Koblenz steht der Schönstatt-Bewegung nahe. Beide wurden im Jahr 1980  als Auditoren zur Welt-Bischofssynode nach Rom eingeladen, wo sie als erste Laien vor einer Synode sprachen. Kurz darauf wurden sie in den "Päpstlichen Rat für die Familie" berufen, dem sie bis heute angehören.

Die Eheleute sprechen über die Ergebnisse der jüngsten Fragebogen-Aktion des Vatikans über Ehe und Familie im Hinblick auf die außerordentliche Bischofssynode im Oktober diesen Jahres, über realistische und unrealistische Erwartungen an die Kirche und ihre Lehre. Eine aus dem christlichen Glauben geprägte Sicht der Dinge, die Freude und Mut macht, sich mit dem Thema Ehe und Familie auch anhand der kirchlichen Dokumente auseinanderzusetzen.

Das Interview macht deutlich, dass es viel zu tun gibt , ja, dass wir im Grunde erst - oder wieder, nach einem totalen Zusammenbruch - am Anfang einer Ehe- und Familienpastoral stehen, die in besonderer Weise von begeisterten und überzeugten Aposteln abhängig ist. Norbert und Renate Martin geben Zeugnis davon, dass es diese Apostel - auch in Deutschland - gibt. Und das macht Hoffnung.

Auszüge aus dem Interview mit der "Tagespost":
Renate Martin: (...) Es gibt bei uns Gruppierungen in der Kirche, in denen die Dokumente nicht nur bekannt sind, sondern in denen sie auch in kleinen oder größeren Kreisen sorgfältig studiert werden. Es ist eine große Freude, wenn man mit diesen Gruppen spricht, zu erleben, dass sie sich begeistern können für das, was die Kirche zur Ehe allgemein und zur sakramentalen Ehe im Besonderen sagt. Für Menschen aller Altersstufen scheint dann die Würde von Ehe und Familie auf, ihnen geht auf, dass hier eine echte Berufung auf uns wartet, die uns zum Glück und zur Vollendung führt, wenn wir die Gnade Gottes an uns wirken lassen – mag das auch spezifische Opfer verlangen. Es gibt die Akzeptanz der kirchlichen Dokumente. Dennoch stimmt auch, was Sie ansprechen: weite Kreise haben nie etwas von dem großen Familiendokument „Familiaris consortio“ (1981), dem tiefgründigen „Brief an die Familien“ (1994), dem so wichtigen Dokument zur Bioethik „Donum vitae“ (1987 – alle unter Papst Johannes Paul II.) und der Fortschreibung von „Donum vitae“ in „Diginitas personae“ (2008) unter Benedikt XVI. gehört, geschweige dass sie es in der Hand gehabt oder gar ganz gelesen hätten. (...)

Norbert Martin: Die Lektüre solcher Dokumente erfordert Offenheit – nicht schon Akzeptanz – für deren Argumente. Wer nur in ihnen sucht, ob bestimmte Positionen endlich aufgegeben werden, und nicht weiterforscht, warum sie nicht aufgegeben werden, der findet keinen Zugang, ärgert sich und greift nicht mehr nach dem Text. So erging es „Humanae vitae“ (1968) und später auch „Familiaris consortio“. Und wer dann noch weiter forscht, kommt wohl zu dem Schluss, dass der Blick sehr vieler unserer Glaubensbrüder und -schwestern für die Einzigartigkeit des in den Dokumenten entfalteten christlichen Menschenbildes getrübt ist.

Renate Martin:  Wir haben in unserer praktischen Familienarbeit über Jahrzehnte hin selbst erfahren, dass man „Humanae vitae“, „Familiaris consortio“, die Aussagen des Katechismus der Katholischen Kirche, die „Theologie des Leibes“ von Papst Johannes Paul II., sehr wohl vermitteln kann. Allerdings ist es klar, dass sich der innere Sinn der Texte nur dem erschließt, der sich ihnen mit einer Grundhaltung des „sentire cum ecclesia“, einer seelischen und intellektuellen Offenheit des Hörens nähert.

Norbert Martin: Die Lehre der Kirche ist ja kein „autoritativer Ansatz“, sondern eine Hilfe zur Selbstentfaltung, eine Aufforderung zur freien Zustimmung, die in der praktischen Umsetzung das Leben sinnvoller, glücklicher, freier macht. Unzählige Eheleute erleben das in dem Sinn, der Papst Franziskus sagen lässt: Es geht um den Geist „der uns jeden Tag neu entdecken lässt, dass wir Träger eines Gutes sind, das menschlicher macht und hilft, ein neues Leben zu führen („Evangelii Gaudium“, 264). (...)

Die Defizite in der Ehevorbereitung existieren augenscheinlich und bei uns nicht erst seit den letzten Jahren. Schon in den 80er Jahren hat der „Päpstliche Rat für die Familie“ ein ausgefeiltes Programm der Ehevorbereitung vorgelegt, das auch in vielen Ländern rezipiert wurde. Als wir 1980 zur Bischofssynode über die christliche Familie in Rom waren, sah das nicht wesentlich anders aus als heute, und auch meine Mutter erlebte Ehevorbereitung in den 30er Jahren schon, erlauben Sie, als Farce. Hier hat das Defizit Tradition! (...)

Renate Martin:  (...) Bei der „Freiburger Handreichung“ werden Hoffnungen geweckt, die notwendigerweise zu Enttäuschungen und Frustrationen führen, die wiederum die Distanzierung verstärken. Das führt zu einer weiteren Entkirchlichung. Bei der ganzen Frage geht es nicht um ungerechte „Aussperrung“, sondern um die angemessene und ehrfurchtsvolle Behandlung des Altarssakraments. Eheliche Treue steht in engstem Zusammenhang mit der Treue Christi zur Kirche, deren tiefste Bestätigung die Eucharistie ist. Auch dazu hat „Familiaris consortio“ in Nr. 84 schon klärende Worte gesprochen. (...)

Wer in dieser Frage (Anm.: zur künstlichen Empfängnisverhütung) wie auch der der wiederverheirateten Geschiedenen von Papst Franziskus – wie es zuweilen bei einigen daran Interessierten anklingt – eine Änderung der kirchlichen Lehre erwartet, der täuscht sich mit Sicherheit und enttäuscht auch die Erwartungen, die er bei anderen geweckt hat. Man braucht dafür nur in die einschlägigen Dokumente von Aparecida zu schauen. Im Schlussdokument, das unter der führenden Redaktion des damaligen Kardinals Bergoglio entstand, heißt es zum Beispiel: „Wir müssen uns der eucharistischen ,Kohärenz‘ verpflichtet fühlen, das heißt uns bewusst sein, dass die heilige Kommunion nicht empfangen kann, wer zugleich in Tat und Wort gegen die Gebote verstößt.“ (...)

Es gibt viele bewegende Beispiele von jungen und alten Eheleuten, die ihre Ehe als Berufung leben. Ihr Zeugnis stellt einen Gegenpol dar gegen die „Kultur des Vorläufigen“ (Papst Franziskus am 4.10.2013 in Umbrien beim Treffen mit der Jugend). Lassen Sie mich noch einige abschließende Worte sagen zum Problem der Barmherzigkeit, das hier nur kurz gestreift werden kann: den Armen, Kranken, Schwachen gegenüber – also uns allen gegenüber: Ja; den Irrenden und Umkehrwilligen gegenüber: Ja; dem Irrtum gegenüber: Nein, denn das wäre ein Vergehen gegen die Liebe und die Wahrheit. Wer den inneren Sinn der sakramentalen Ehe und ihre Relevanz für die Vereinigung mit Christus in der Eucharistie verstanden hat, dem wird klar, wie fragwürdig es ist, hier alles mit der Barmherzigkeit lösen zu wollen. (...)
(Komplettes Interview: bitte hier klicken!)


Weiteres zum Thema "Ehe- und Familienpastoral":

Montag, 16. Dezember 2013

Pastorale Wege nur im Licht der Wahrheit der Glaubenslehre möglich


Die heute üblich gewordene Entgegensetzung von Lehre und Pastoral kann nicht der Weg der Kirche sein, da ein solcher Gegensatz dem Wesen des Kircheseins widerspricht. Neue Wege der Pastoral können nur im Licht der Wahrheit der Glaubenslehre gefunden werden.
Kurienkardinal Kurt Koch am 16.12.2013 in einem lesenswerten Interview mit dem katholischen Nachrichtenportal kath.net

Ähnlich hatte sich der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, in seiner Darlegung der kirchlichen Lehre zur Zulassung von zivil wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion ("Zeugnis für die Macht der Gnade") geäußert:
Eine verantwortungsvolle Pastoral setzt eine Theologie voraus, die sich "dem sich offenbarenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwirft und seiner Offenbarung willig zustimmt" (II. Vatikanisches Konzil, Konstitution Dei Verbum, Nr. 5). Um die authentische Lehre der Kirche verständlich zu machen, müssen wir vom Wort Gottes ausgehen, das in der Heiligen Schrift enthalten, in der kirchlichen Tradition ausgelegt und vom Lehramt verbindlich interpretiert wird.

Viele ungehorsame Priester und hauptamtlich in der Kirche Tätige und sogar katholische deutsche Bischöfe (z. B. Reinhard Kardinal Marx (München), Bischof Stephan Ackermann (Trier), Erzbischof em. Robert Zollitsch (Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz), Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), Bischof Ludwig Schick (Bamberg) und Kurienbischof Walter Kasper...) widersetzen sich der Lehre der Kirche und widersprechen der evangelischen Lehre Jesu Christi, indem sie auch hartnäckig in objektiv schwerer Sünde Verharrenden (z. B. zivil wiederverheirateten Geschiedenen) ohne Zeichen einer Bekehrung zur Kommunion zulassen. Die Praxis, dass zivil wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion hinzutreten, ist nach Aussage vieler Priester und Bischöfe die Normalität in deutschen Pfarreien.
 
Dass der Empfang der heiligen Kommunion aber nur dann in der Seele des Kommunizierenden wirksam werden und sein Heil wirken kann, nicht aber wenn der Kommunizierende nicht im Stand der heiligmachenden Gnade steht (z. B. durch Unbußfertigkeit nach einer Todsünde), wird den Betroffenen verschwiegen. Vielmehr handelt es sich dann um ein Sakrileg, eine unwürdige Kommunion, die wie die Todsünde weiterhin vom Reiche Gottes ausschließt (vgl. KKK 1385, 1395 und 1861). Der Ernst dieser Gefahr scheint den Betroffenen oft nicht klar zu sein, auch deswegen, weil sie von den ungehorsamen Seelsorgern verschwiegen oder gar bestritten wird.


"Das Grundsätzliche ist nicht, wie so mancher angebliche "Praktiker" meint, überflüssige Theorie, sondern Klärung und Festigung des "Grundes", auf dem alles ruht - auch die rechte Praxis." (Romano Guardini)

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