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Dienstag, 3. November 2015

Allerseelenmonat November



Gebet für unsere Verstorbenen

Herr, Jesus Christus, König der Herrlichkeit, bewahre die Seelen der verstorbenen Gläubigen vor den Qualen der Hölle und vor den Tiefen der Unterwelt.

Bewahre sie vor dem Rachen des Löwen, dass die Hölle sie nicht verschlinge, dass sie nicht hinabstürzen in die Finsternis.

Vielmehr geleite sie St. Michael, der Bannerträger, in das heilige Licht, das Du einstens dem Abraham verheißen und seinen Nachkommen.

Opfergaben und Gebete bringen wir zum Lobe Dir dar, o Herr! Nimm sie an für jene Seelen, deren wir heute gedenken. Herr, lass sie vom Tode hinübergehen zum Leben.

Das ewige Licht leuchte ihnen, o Herr, bei Deinen Heiligen in Ewigkeit: denn Du bist mild. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Amen.
 
Aus dem Messformular zur 1. Messe am Allerseelen-Tag (Offertorium und Communio), Schott-Messbuch


Weiteres zum Thema Allerseelen und Ablass:


Bild: Kreuzigungsgruppe auf dem Kevelaerer Friedhof bei den Priestergräbern

Montag, 10. November 2014

Paul VI.: Segen und Hilfe für die Verstorbenen durch das heilige Messopfer

Befreie, o Herr, die Seelen aller verstorbenen Gläubigen von jeder Fessel der Schuld. Deine Gnade komme ihnen zu Hilfe, auf dass sie entrinnen dem Rachegerichte. Lass sie genießen des ewigen Lichtes Glückseligkeit.
(Tractus des Messformulars für die Messe für Verstorbene; Schott-Volksmessbuch)


Dieses neue Opfer des Neuen Bundes, auf das Maleachi im voraus hingewiesen hatte [1], hat die Kirche, vom Herrn und den Aposteln belehrt, immer dargebracht, ,,nicht nur für die Sünden der lebenden Gläubigen, für ihre Strafen, Genugtuungen und andere Nöte, sondern auch für die in Christus Verstorbenen, die noch nicht vollkommen gereinigt sind“ [2]. 

An ein Zeugnis erinnern Wir noch, um von den übrigen zu schweigen, nämlich an das des heiligen Cyrill von Jerusalem, der bei der Unterweisung der Neugetauften im christlichen Glauben die beachtenswerten Worte sprach: ,,Nachdem das geistliche Opfer, der unblutige Kult vollendet ist, flehen wir über diesem Versöhnungsopfer Gott an für den allgemeinen Frieden der Kirchen, für die rechte Ordnung der Welt, für die Kaiser, das Heer und die Bundesgenossen, für die Kranken und Betrübten, und insgemein für alle Hilfsbedürftigen bitten wir und bringen wir dieses Opfer dar ... Dann bitten wir auch für die entschlafenen heiligen Väter und Bischöfe und für alle insgemein, die unter uns entschlafen sind, weil wir glauben, daß das Gebet jenen Seelen, für die es dargebracht wird, am meisten hilft, wenn das heilige und ehrfurchtgebietende Opfer auf dem Altar liegt“.

Nachdem er diesen Gegenstand mit dem Beispiel des Kranzes erläutert hat, der für den Kaiser geflochten wird, damit er den Verbannten Verzeihung gewähre, schließt der Kirchenlehrer seine Predigt mit den Worten: ,,Auf die gleiche Weise verhalten auch wir uns; wenn wir für die Verstorbenen, obgleich sie Sünder sind, Gott Gebete darbringen, so flechten wir zwar keinen Kranz, sondern wir bringen den für unsere Sünden geopferten Christus dar, um Gott, der die Menschen liebt, ihnen und uns gnädig zu stimmen“ [3].  
 
Der heilige Augustinus bezeugt, daß dieser Brauch, ,,das Opfer unseres Lösepreises“ auch für die Verstorbenen darzubringen, in der Römischen Kirche lebendig ist. [4] Gleichzeitig bemerkt er, daß der Brauch als von den Vätern überliefert von der ganzen Kirche gehalten wird. [5]

 
[1] Vgl. Mal 1,11. 
[2] Konzil von Trient, Lehre über das heiligste Meßopfer, Kap. 2. 
[3] Catecheses 23 (myst. 5), 8-18: PG 33, 1115-1118. 
[4] Vgl. Confessiones 9, 12, 32: PL 32, 777; vgl. ebd. 9, 11, 27: PL 32, 775. 
[5] Vgl. Serm. 172, 2: PL 38, 936; vgl. De cura gerenda pro mortuis 13: PL 40, 593.




Weiteres zum Thema "Fegefeuer und Hilfe für die Verstorbenen":


Bild: Grabmal des am 19.10.2014 selig gesprochenen Papstes Paul VI. im Petersdom (Vatikan); © FW

Mittwoch, 5. November 2014

Pro Defunctis - R.I.P.



Gott, Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, schenke den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen Nachlass aller Sünden, damit sie die stets ersehnte Verzeihung durch fromme Fürbitten erlangen; der Du lebst und herrschest mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Oratio aus der 1. Messe für Verstorbene am Feste Allerseelen (In Commemoratione Omnium Fidelium Defunctorum)

Über die Ablässe der katholischen Kirche und die Zuwendung zugunsten der Armen Seelen im Purgatorium (Allerseelen-Ablass vom 1.-8. November)



YouTube:



Foto: Seitenaltar in der Benediktinerabtei Ottobeuren bei Memmingen; © FW

Mittwoch, 20. November 2013

Die Gerechtigkeit des Fegefeuers - Ein Klartext von Benedikt XVI.


Nur Gott kann Gerechtigkeit schaffen. Und der Glaube gibt uns die Gewißheit: Er tut es. Das Bild des Letzten Gerichts ist zuallererst nicht ein Schreckbild, sondern Bild der Hoffnung, für uns vielleicht sogar das entscheidende Hoffnungsbild. Aber ist es nicht doch auch ein Bild der Furcht? Ich würde sagen: ein Bild der Verantwortung. Ein Bild daher für jene Furcht, von der der heilige Hilarius sagt, daß all unsere Furcht in der Liebe ihren Ort hat.[1] 

Gott ist Gerechtigkeit und schafft Gerechtigkeit. Das ist unser Trost und unsere Hoffnung. Aber in seiner Gerechtigkeit ist zugleich Gnade. Das wissen wir durch den Blick auf den gekreuzigten und auferstandenen Christus. Beides – Gerechtigkeit und Gnade – muß in seiner rechten inneren Verbindung gesehen werden. Die Gnade löscht die Gerechtigkeit nicht aus. Sie macht das Unrecht nicht zu Recht. Sie ist nicht ein Schwamm, der alles wegwischt, so daß am Ende dann eben doch alles gleich gültig wird, was einer auf Erden getan hat. Gegen eine solche Art von Himmel und von Gnade hat zum Beispiel Dostojewski in seinen Brüdern Karamasow mit Recht Protest eingelegt. Die Missetäter sitzen am Ende nicht neben den Opfern in gleicher Weise an der Tafel des ewigen Hochzeitsmahls, als ob nichts gewesen wäre.

Ich möchte an dieser Stelle einen Text von Platon zitieren, der eine Vorahnung des gerechten Gerichts ausdrückt, die in vielem auch für den Christen wahr und heilsam bleibt. Er spricht – gewiß in mythologischen Bildern, die aber unzweideutig Wahrheit sichtbar machen – davon, daß am Ende die Seelen nackt vor dem Richter stehen werden. Nun zählt nicht mehr, was sie einmal in der Geschichte gewesen waren, sondern nur das, was sie in Wahrheit sind. "Da hat er (der Richter) vielleicht die Seele eines [...] Königs oder Herrschers vor sich und sieht gar nichts Gesundes an ihr. Er findet sie durchgepeitscht und voll von Narben, die von Meineid und Ungerechtigkeit stammen [...] und alles ist schief voll Lüge und Hochmut, und nichts ist gerade, weil sie ohne Wahrheit aufgewachsen ist. Und er sieht, wie die Seele durch Willkür, Üppigkeit, Übermut und Unbesonnenheit im Handeln mit Maßlosigkeit und Schändlichkeit beladen ist. Bei diesem Anblick aber schickt er diese sofort in den Kerker, wo sie die verdienten Strafen erdulden soll [...] Manchmal aber sieht er eine andere Seele vor sich, eine, die ein frommes und ehrliches Leben geführt hat [...]; er freut sich über sie und schickt sie gewiß auf die Inseln der Seligen." [2]

Jesus hat uns zur Warnung im Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus (Lk 16, 19-31) das Bild einer solchen von Übermut und Üppigkeit zerstörten Seele gezeigt, die selbst einen unüberbrückbaren Graben zwischen sich und dem Armen geschaffen hat: den Graben der Verschlossenheit in den materiellen Genuß hinein, den Graben der Vergessenheit des anderen, der Unfähigkeit zu lieben, die nun zum brennenden und nicht mehr zu heilenden Durst wird. Dabei müssen wir festhalten, daß Jesus in diesem Gleichnis nicht von dem endgültigen Geschick nach dem Weltgericht handelt, sondern eine Vorstellung aufnimmt, die sich unter anderem im frühen Judentum findet und einen Zwischenzustand zwischen Tod und Auferstehung meint, in dem das endgültige Urteil noch aussteht.

45. Diese frühjüdische Vorstellung vom Zwischenzustand schließt die Auffassung ein, daß die Seelen nicht einfach nur in einer vorläufigen Verwahrung weilen, sondern schon Strafe erfahren, wie es das Gleichnis vom reichen Prasser zeigt, oder aber auch schon vorläufige Formen der Seligkeit empfangen. Und endlich fehlt nicht der Gedanke, daß es in diesem Zustand auch Reinigungen und Heilungen geben kann, die die Seele reif machen für die Gemeinschaft mit Gott.

Die frühe Kirche hat solche Vorstellungen aufgenommen, aus denen sich dann in der Kirche des Westens allmählich die Lehre vom Fegefeuer gebildet hat. Wir brauchen hier nicht auf die komplizierten historischen Wege dieser Entwicklung zu blicken; fragen wir einfach danach, worum es in der Sache geht.

Die Lebensentscheidung des Menschen wird mit dem Tod endgültig – dieses sein Leben steht vor dem Richter. Sein Entscheid, der im Lauf des ganzen Lebens Gestalt gefunden hat, kann verschiedene Formen haben. Es kann Menschen geben, die in sich den Willen zur Wahrheit und die Bereitschaft zur Liebe völlig zerstört haben. Menschen, in denen alles Lüge geworden ist; Menschen, die dem Haß gelebt und die Liebe in sich zertreten haben. Dies ist ein furchtbarer Gedanke, aber manche Gestalten gerade unserer Geschichte lassen in erschreckender Weise solche Profile erkennen. Nichts mehr wäre zu heilen an solchen Menschen, die Zerstörung des Guten unwiderruflich: Das ist es, was mit dem Wort Hölle [3] bezeichnet wird. Auf der anderen Seite kann es ganz reine Menschen geben, die sich ganz von Gott haben durchdringen lassen und daher ganz für den Nächsten offen sind – Menschen, in denen die Gottesgemeinschaft jetzt schon all ihr Sein bestimmt und das Gehen zu Gott nur vollendet, was sie schon sind.[4]

46. Aber weder das eine noch das andere ist nach unseren Erfahrungen der Normalfall menschlicher Existenz. Bei den allermeisten – so dürfen wir annehmen – bleibt ein letztes und innerstes Offenstehen für die Wahrheit, für die Liebe, für Gott im tiefsten ihres Wesens gegenwärtig. Aber es ist in den konkreten Lebensentscheidungen überdeckt von immer neuen Kompromissen mit dem Bösen – viel Schmutz verdeckt das Reine, nach dem doch der Durst geblieben ist und das doch auch immer wieder über allem Niedrigen hervortritt und in der Seele gegenwärtig bleibt.

Was geschieht mit solchen Menschen, wenn sie vor den Richter hintreten? Ist all das Unsaubere, das sie in ihrem Leben angehäuft haben, plötzlich gleichgültig? Oder was sonst? Der heilige Paulus gibt uns im Ersten Korinther-Brief eine Vorstellung von der unterschiedlichen Weise, wie Gottes Gericht auf den Menschen je nach seiner Verfassung trifft. Er tut es in Bildern, die das Unanschaubare irgendwie ausdrücken wollen, ohne daß wir diese Bilder auf den Begriff bringen könnten – einfach weil wir in die Welt jenseits des Todes nicht hineinschauen können und von ihr keine Erfahrung haben.

Zunächst sagt Paulus über die christliche Existenz, daß sie auf einen gemeinsamen Grund gebaut ist: Jesus Christus. Dieser Grund hält stand. Wenn wir auf diesem Grund stehengeblieben sind, auf ihm unser Leben gebaut haben, wissen wir, daß uns auch im Tod dieser Grund nicht mehr weggezogen werden kann. Dann fährt Paulus weiter: "Ob aber jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, mit Holz, Heu oder Stroh weiterbaut: das Werk eines jeden wird offenbar werden; jener Tag wird es sichtbar machen, weil es im Feuer offenbart wird. Das Feuer wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt. Hält das stand, was er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muß er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch" (3,12-15). In diesem Text zeigt sich auf jeden Fall, daß die Rettung der Menschen verschiedene Formen haben kann; daß manches Aufgebaute niederbrennen kann; daß der zu Rettende selbst durch "Feuer" hindurchgehen muß, um endgültig gottfähig zu werden, Platz nehmen zu können am Tisch des ewigen Hochzeitsmahls.

47. Einige neuere Theologen sind der Meinung, daß das verbrennende und zugleich rettende Feuer Christus ist, der Richter und Retter. Das Begegnen mit ihm ist der entscheidende Akt des Gerichts. Vor seinem Anblick schmilzt alle Unwahrheit. Die Begegnung mit ihm ist es, die uns umbrennt und freibrennt zum Eigentlichen unserer selbst. Unsere Lebensbauten können sich dabei als leeres Stroh, als bloße Großtuerei erweisen und zusammenfallen. Aber in dem Schmerz dieser Begegnung, in der uns das Unreine und Kranke unseres Daseins offenbar wird, ist Rettung. Sein Blick, die Berührung seines Herzens heilt uns in einer gewiß schmerzlichen Verwandlung "wie durch Feuer hindurch". Aber es ist ein seliger Schmerz, in dem die heilige Macht seiner Liebe uns brennend durchdringt, so daß wir endlich ganz wir selber und dadurch ganz Gottes werden.

So wird auch das Ineinander von Gerechtigkeit und Gnade sichtbar: Unser Leben ist nicht gleichgültig, aber unser Schmutz befleckt uns nicht auf ewig, wenn wir wenigstens auf Christus, auf die Wahrheit und auf die Liebe hin ausgestreckt geblieben sind. Er ist im Leiden Christi letztlich schon verbrannt. Im Augenblick des Gerichts erfahren und empfangen wir dieses Übergewicht seiner Liebe über alles Böse in der Welt und in uns. Der Schmerz der Liebe wird unsere Rettung und unsere Freude. Es ist klar, daß wir die "Dauer" dieses Umbrennens nicht mit Zeitmaßen unserer Weltzeit messen können. Der verwandelnde "Augenblick" dieser Begegnung entzieht sich irdischen Zeitmaßen – ist Zeit des Herzens, Zeit des "Übergangs" in die Gemeinschaft mit Gott im Leibe Christi.[5]

Das Gericht Gottes ist Hoffnung, sowohl weil es Gerechtigkeit wiewohl weil es Gnade ist. Wäre es bloß Gnade, die alles Irdische vergleichgültigt, würde uns Gott die Frage nach der Gerechtigkeit schuldig bleiben – die für uns entscheidende Frage an die Geschichte und an Gott selbst. Wäre es bloße Gerechtigkeit, würde es für uns alle am Ende nur Furcht sein können. Die Menschwerdung Gottes in Christus hat beides – Gericht und Gnade – so ineinandergefügt, daß Gerechtigkeit hergestellt wird: Wir alle wirken unser Heil "mit Furcht und Zittern" (Phil 2, 12). Dennoch läßt die Gnade uns alle hoffen und zuversichtlich auf den Richter zugehen, den wir als unseren "Advokaten", parakletos, kennen (vgl. 1 Joh 2, 1).

48. Noch ein Motiv muß hier Erwähnung finden, weil es für die Praxis christlichen Hoffens Bedeutung hat. Wiederum schon im Frühjudentum gibt es den Gedanken, daß man den Verstorbenen in ihrem Zwischenzustand durch Gebet zu Hilfe kommen kann (z.B. 2 Makk 12, 38- 45; 1. Jahrhundert v. Chr.). Die entsprechende Praxis ist ganz selbstverständlich von den Christen übernommen worden, und sie ist der Ost- und Westkirche gemeinsam. Der Osten kennt kein reinigendes und sühnendes Leiden der Seelen im "Jenseits", wohl aber verschiedene Stufen der Seligkeit oder auch des Leidens im Zwischenzustand. Den Seelen der Verstorbenen kann aber durch Eucharistie, Gebet und Almosen "Erholung und Erfrischung" geschenkt werden.

Daß Liebe ins Jenseits hinüberreichen kann, daß ein beiderseitiges Geben und Nehmen möglich ist, in dem wir einander über die Grenze des Todes hinweg zugetan bleiben, ist eine Grundüberzeugung der Christenheit durch alle Jahrhunderte hindurch gewesen und bleibt eine tröstliche Erfahrung auch heute. Wer empfände nicht das Bedürfnis, seinen ins Jenseits vorangegangenen Lieben ein Zeichen der Güte, der Dankbarkeit oder auch der Bitte um Vergebung zukommen zu lassen?

Nun könnte man weiterfragen: Wenn das "Fegefeuer" einfach das Reingebranntwerden in der Begegnung mit dem richtenden und rettenden Herrn ist, wie kann dann ein Dritter einwirken, selbst wenn er dem anderen noch so nahesteht? Bei solchem Fragen sollten wir uns klarmachen, daß kein Mensch eine geschlossene Monade ist. Unsere Existenzen greifen ineinander, sind durch vielfältige Interaktionen miteinander verbunden. Keiner lebt allein. Keiner sündigt allein. Keiner wird allein gerettet. In mein Leben reicht immerfort das Leben anderer hinein: in dem, was ich denke, rede, tue, wirke. Und umgekehrt reicht mein Leben in dasjenige anderer hinein: im Bösen wie im Guten. So ist meine Bitte für den anderen nichts ihm Fremdes, nichts Äußerliches, auch nach dem Tode nicht. In der Verflochtenheit des Seins kann mein Dank an ihn, mein Gebet für ihn ein Stück seines Reinwerdens bedeuten.

Und dabei brauchen wir nicht Weltzeit auf Gotteszeit umzurechnen: In der Gemeinschaft der Seelen wird die bloße Weltzeit überschritten. An das Herz des anderen zu rühren, ist nie zu spät und nie vergebens. So wird ein wichtiges Element des christlichen Begriffs von Hoffnung nochmals deutlich. Unsere Hoffnung ist immer wesentlich auch Hoffnung für die anderen; nur so ist sie wirklich auch Hoffnung für mich selbst.[6] Als Christen sollten wir uns nie nur fragen: Wie kann ich mich selber retten? Sondern auch: Wie kann ich dienen, damit andere gerettet werden und daß anderen der Stern der Hoffnung aufgeht? Dann habe ich am meisten auch für meine eigene Rettung getan.


[1] Vgl. Tractatus super Psalmos, Ps 127, 1-3: CSEL 22, 628- 630.
[2] Gorgias 525a-526c.
[3] Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1033-1037.
[4] Vgl. ebd., Nr. 1023-1029.
[5] Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1030-1032.
[6] Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1032.



Benedikt XVI.  in der Enzyklika "Spe salvi" vom 30.11.2013



Weiteres zum Thema "Purgatorium (Fegefeuer)":

 

Sonntag, 17. November 2013

Volkstrauertag 2013



Im Gedenken an alle Kriegsopfer

R. I. P.



Nicht Verderben, sondern Frieden




So spricht der Herr: "Ich denke Gedanken des Friedens, nicht des Verderbens. Ihr werdet zu mir rufen, und ich werde euch erhören. Heimführen werde ich euch aus der Gefangenschaft von überall her."

(Jer 29)


aus dem Introitus des 6. (nachgeholten) Sonntags nach Erscheinung




eigenes Foto

Sonntag, 10. November 2013

Berufen zur Liebe: Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch



Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!

Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht. In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.

Seid dankbar! Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. Belehrt und ermahnt einander in aller Weisheit! Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder, wie sie der Geist eingibt, denn ihr seid in Gottes Gnade. Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Durch ihn dankt Gott, dem Vater!

Lesung zum 5. nachgeholten Sonntag nach Erscheinung (Vetus Ordo)


Foto: eigenes Bild

Donnerstag, 7. November 2013

Die letzten Dinge: Was tut die Kirche für die Verstorbenen? Und warum tut sie das?

Das Sterben eines Christen war - und sollte sein - eine Art Gottesdienst. Was tut die Kirche, was können wir für die Sterbenden und die Verstorbenen tun? Über die Sterbestunde, das persönliche Gericht, das Purgatorium (Fegefeuer) und Himmel und Hölle.

Der Münchner Pastoraltheologe Prof. Dr. Andreas Wollbold über die letzten Dinge und die Fürsorge der Kirche für die Toten. Ein Klarsprechtext.




Weiteres zum Thema "Tod und Ewiges Leben":


    von P. Martin Ramm FSSP

    Donnerstag, 31. Oktober 2013

    Allerseelen-Ablass

    Alle Jahre wieder schüttet die Kirche großzügig aus ihrem Gnadenschatz aus:

    Vom 1. bis 8. November kann täglich einmal ein vollkommener (oder unvollkommener) Ablass für die Verstorbenen gewonnen werden.


    Novembertrost:


    Linkliste zum Thema "Ablass"


    eigenes Foto: Grabesengel auf dem Alten Friedhof in Freiburg /Br.

    Samstag, 3. November 2012

    Im Friedwald


    Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

    Es liegt eine ruhige und beruhigende Atmosphäre über dem Friedwald, den ich an einem spätsommerlichen Sonntagnachmittag besuche. Von der weit unten gelegenen Straße her ist zwar das Aufheulen mancher Motoren zu vernehmen, und auch die kleinen Flugzeuge auf ihren Rundflügen über die malerische Gegend kann man nicht überhören. Insgesamt aber herrscht das Gefühl vor, weit entfernt vom lärmenden Leben der Stadt zu sein. Der Waldboden ist gepflegter, als man es sonst kennt, und die Bäume ragen frei hinauf in den blauen Himmel. Fast möchte man mit dem entzückten Petrus auf Tabor sprechen: „Hier ist es gut sein, hier lasst uns Hütten bauen!“ (vgl. Mt 17,4) 

    Tatsächlich gibt es Menschen, die diesen Gedanken weiterverfolgen. Bis über ihren Tod hinaus. Denn: Was ist ein Friedwald? „Eine alternative Form der Bestattung“, liest man in einer Broschüre. „Die Asche Verstorbener wird in einer biologisch abbaubaren Urne beigesetzt, mitten in der Natur, an den Wurzeln eines Baumes. So eröffnet sich eine natürliche und würdevolle Alternative zu den bislang gewohnten Bestattungsorten. Die Grabpflege übernimmt im Friedwald die Natur.“ 

    Und eine Informationstafel, am Parkplatz des Friedwaldes angebracht, lädt dazu ein, Kontakt mit dem zuständigen Förster aufzunehmen. Er begleite die Besucher gerne und helfe ihnen bei der Auswahl des Platzes. Wer sich frühzeitig für einen Baum entscheide, könne möglicherweise dessen Wachstum jahrzehntelang beobachten, bevor er dann bei ihm seinen letzten Ruheort finde.

    Manchem Leser mag da ein Kurzdialog einfallen, der früher unter Katholiken gerne erzählt wurde: „Sonntags gehe ich in den Wald, da bin ich Gott am nächsten.“ – „Dann lasse dich aber bitte auch vom Förster beerdigen!“ Was ehedem als heitere, doch absurde Antwort gemeint war, ist inzwischen gar nicht mehr abwegig. Denn es wächst die Zahl der Menschen, die nicht im Erdreich des Friedhofs unter einem Stein begraben werden wollen, sondern im Friedwald an der Wurzel eines Baumes. Unter Regie des Försters. 

    Bewegt sie dazu in erster Linie die freundliche Rücksichtnahme auf Verwandte, die wegen ihres Alters, ihrer finanziellen Lage oder weiter Entfernung nicht mit der Sorge für das Grab belastet werden sollen? Es ist ja so praktisch, die Grabpflege einfach „der Natur“ zu überlassen! Oder wachsen solche Erwägungen nicht erst auf einem bestimmten geistigen Boden, der zuvor gründlich von christlichen Elementen befreit wurde? 

    Bekanntlich geht allen Formen der „Naturbestattung“ (an Bäumen, auf Wiesen, in Felsen, in Gewässern und in der Luft) jeweils die Leichenverbrennung und Einäscherung voraus. Damit aber setzt man sich deutlich von der jüdisch-christlichen Tradition ab, die im Gegensatz zu anderen Religionen und Kulturen stets an der Erdbestattung des unzerstörten Leichnams festhielt. Gläubige Christen stehen nach wie vor dazu, denn sie achten den Leib des getauften Menschen als „Tempel des Heiligen Geistes“ (1 Kor 6,19) und erhoffen für ihn in der künftigen Welt Teilhabe an der Auferstehungsherrlichkeit Jesu (vgl. 1 Kor 15,35 ff.). Wie der schwere Stein von der Grabeshöhle des Herrn, so soll auch der Stein an der Ruhestätte des Verstorbenen eines Tages weggewälzt werden.

    Der Friedwald hingegen legt andere Ideen nahe. „Ich liebe die Natur und will dann nach meinem Tod ganz in ihr aufgehen“, sagt ein Anwärter auf ein Urnengrab im Wald. Was er mit dem „Ganz-in-der-Natur-Aufgehen“ meint, ob er es nur materiell oder auch ein wenig esoterisch versteht, bleibt unausgesprochen. Vielleicht will er mit seinem Geist in dem Baum fortleben? Für den phantasiebegabten Menschen übertrifft diese Vorstellung alle Friedhof-Schauerromantik. Ja, wie wäre es denn, zu mitternächtlicher Stunde einen Friedwald zu durchwandern, in dessen Stämmen, Ästen, Blättern die Seelen Verstorbener hausen… 

    Glücklicherweise fällt mein Besuch dieser Stätte nicht in finstere Nacht, sondern auf einen sonnenvergoldeten Nachmittag. Dennoch sind die Überlegungen, die sich aufdrängen, einigermaßen trüb: Wo ist sie geblieben, die christlich-gläubige Sicht von Tod und Jenseits, die sehnsüchtige Erwartung der Auferstehung der Seele und des Leibes, die Hoffnung, einmal „ganz beim Herrn zu sein“ (1 Thess 4,17)? Bei wie vielen wird der Menschensohn am Tag seiner Wiederkunft diesen Glauben wohl noch finden (vgl. Lk 18,8)? Mit einem segnenden Kreuzzeichen verlasse ich den Friedwald – Requiescant in pace!


    Hinweise:
    - mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
    - der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)


    Weiteres zumThema:

    Freitag, 2. November 2012

    Tröstet also einander mit diesen Worten! (1.Thess 4,18)

    Wir dürfen nicht trauern wie die Heiden, die keine Hoffnung haben. (vgl. 1. Thess 4,13)

    Die christliche Trauer darf sich nicht auf Tränen am Grabe beschränken. Wertvoller als die Tränen der Liebe sind die Werke der Liebe, die wir den Toten nachsenden. Es gibt eine Brücke zwischen denen, die heimgingen, und denen, die in der Verbannung zurückbleiben müssen. Diese Brücke ist das Gebet.

    Der katholische Glaube hat Balsam für alle Wunden, stärkenden Trost für alles Leid. Der katholische Glaube bietet uns auch zahlreiche Trostgründe, durch die der Schmerz um die Verstorbenen gemildert wird.

    Es ist trostreich, zu wissen, dass der Herr es ist, der da ruft, nicht ein blindes Schicksal, nicht ein grausames Verhängnis, das mit dem Schmerz der Menschen spielt und ihrer Tränen spottet, sondern Gott, der die Liebe ist, der nur zeitweise trennt, um ewig zu verbinden, der uns Irdisches nimmt, um uns Himmlisches zu geben.

    aus: Bernhard van Acken, Konvertiten-Katechismus; S. 91 (s. Quellen)

    Donnerstag, 17. November 2011

    Kirchhofsweihe

    NOVEMBERGEDANKEN  -  Kultur des Todes

    Am Tage, bevor ein Platz zu einer christlichen Begräbnisstätte eingeweiht wird, werden auf demselben fünf Kreuze aufgepflanzt, eines in der Mitte, welches höher ist als die übrigen, sodann noch vier andere an den äußersten Enden des Platzes. Vor jedem dieser fünf Kreuze wird ein Leuchter ausgestellt, der so beschaffen ist, daß man drei Lichter darauf befestigen kann.

    Friedhof in sw.Katarzyny, Polen

    Nachdem am Tage der Einweihung diese Lichter, fünfzehn an der Zahl, angezündet sind, betet der Priester in der Litanei von allen Heiligen und in einem besonderen Gebete, daß Gott diesen Kirchhof reinigen, segnen, heiligen und weihen wolle, und daß alle Leichname, welche hier ruhen, am großen Tage des Gerichtes mit allen seligen Geistern vereint die Freuden des ewigen Lebens erlangen mögen. (...)

    In den Lichtern mögen wir ein Sinnbild der Gebete erblicken, welche der Priester bei der Einweihung und welche später die Gläubigen auf diesem Platze verrichten, um dadurch den hier Ruhenden die Anschauung der ewigen Herrlichkeit zu erwerben.

    Die Kreuze bedeuten zunächst, daß der Boden von nun an zu christlichem Gebrauche bestimmt sei und von der Kirche in Besitz genommen werde; sodann wird auch sinnbildlich dadurch angedeutet, daß die hierher zur Ruhe Gebrachten von dem Gekreuzigten ihr Heil und ihre Seligkeit erwarten, auf seine Verdienste vertrauen und gleichsam unter dem Schatten des Kreuzbaumes, dem großen Tag der Auferstehung entgegenharren wollen.


    entnommen aus: "Die Schönheit der katholischen Kirche", Gregorius Rippel (1681-1729), Heinrich Himioben, AD 1841, Hugo Pfeil AD 1930 (s. Quellen), S. 340/341 (auch als Google ebook online lesbar)
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