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Sonntag, 26. Mai 2019

Maria, Maienkönigin, wir kommen, dich zu grüßen!


Bevor der Mai zu Ende geht, wird es Zeit, doch noch wenigstens einen Maialtar dieses Jahres zu posten:


Maialtar 2019 im Hohen Dom zu Augsburg

Alle Tage sing und sage
Lob der Himmelskönigin!
Ihre Gnaden, ihre Taten
Ehr, o Seel’ mit Demutsinn!

Auserlesen ist ihr Wesen,
Mutter sie und Jungfrau war;
Sprich sie selig, überselig:
Groß ist sie und wunderbar.

Ihr vertraue, auf sie baue,
Daß sie dich von Schuld befrei’
Und im Streite dir zu Seite
Wider alle Feinde sei!

Gotterkoren, hat geboren
Sie den Heiland aller Welt,
Der gegeben Licht und Leben
Und den Himmel offen hält.

Sie alleine ist die reine
Jungfrau und Gebärerin;
Ihrem Kinde wich die Sünde,
Lob sei dieser Königin!

Ihre Ehren zu vermehren,
Sei, o Seele, stets bereit!
Benedeie sie und freue
Dich ob ihrer Herrlichkeit.

Ohne Ende zu ihr wende
Dich mit Lieb’ und Lobgesang,
Ihr’ gedenke, zu ihr lenke
Allen Sinn dein Leben lang.

Keine Weise kann zum Preise
Ihrer Hoheit würdig sein;
Keine Zierde gleicht der Würde,
Die empfangen sie allein.

Loben wollen wir und sollen
Gottes Mutter allzumal;
Preisen immer – aber nimmer
Zählst du ihrer Gnaden Zahl.

Glaub’ doch keiner, daß je einer
Ihre Taten würdig lob’,
Da die Gottheit ihre Hoheit
Über alle Welt erhob.

Dennoch will ich, weil es billig
Ist und frommen Sinn erfreu,
Daß mein Leben und mein Streben
Ihrem Lobe sei geweiht.

Dennoch klingen, hoch sich schwingen
Soll ihr Lob zu jeder Stund’!
Wer da schweiget, Ehr’ nicht zeiget,
Ist ein Tor in Herz und Mund.

Denn ihr Leben und ihr Streben,
Ihr wahrhafter Himmelssinn,
Ihre Klarheit, ihre Wahrheit
strecken alle Zweifel hin.

Ihre Sitten, schönste Blüten,
Sind der ganzen Kirche Zier;
Wort und Werke, Tugendstärke,
Zeigen höchste Gnade dir.

Fest verriegelt und versiegelt
War des Himmels Tür und Tor;
Ihre stille Glaubensfülle
Hob den Riegel bald empor.

Evas Kinder, all uns Sünder,
Hielt ein schwerer Fluch gebannt;
Durch Marien ist verliehen
Uns der Weg ins Vaterland.

Hoch lobpreise, Lieb’ erweise
Jeder ihr nach Kräften sein;
Sie verehren, Hilf' begehren
Laßt uns alle insgemein.

Und ich flehe, da ich sehe
Wie bei Gott sie mächtig ist,
Daß die Hehre von uns wehre
Böses Leid zu jeder Frist.

Ach, sie gebe, daß ich lebe,
Wie es will ihr lieber Sohn,
Daß ich droben ihn kann loben,
Ewig schau'n im Himmelsthron!


Bernardus Morlanensis (um 1140)

Deutsch von Heinrich Bone (1813 - 1893)
(Quelle: Hymnarium.de)




... und als kleine Zugabe ein Bild vom 4. Sonntag nach Ostern (19.Mai 2019) in St. Margareth in Augsburg; Zelebrant ist hier Pater Markus Rindler FSSP...

Fotos: © Frischer Wind

Freitag, 18. April 2014

Freitag des Leidens und Sterbens unseres Herrn

Karfreitag  -  Passion

Hymnen an die Kirche 
I

Deine Stimme spricht zu meiner Seele:
Fürchte dich nicht vor meinen goldnen Kleidern
und erschrick dich nicht vor den Strahlen meiner Kerzen,
Denn sie sind alle nur Schleier meiner Liebe,
sie sind alle nur wie zärtliche Hände über meinem Geheimnis!
Ich will sie fortziehen, weinende Seele, damit
du erkennst, daß ich dir nicht fremd bin:

Wie sollte eine Mutter nicht ihrem Kind gleichen?
Alle deine Schmerzen sind in mir!
Ich bin aus Leiden geboren,
ich bin aufgeblüht
aus fünf heiligen Wunden,
Ich bin gewachsen am Baum der Schmach, ich
bin erstarkt am bittren Wein der Tränen —
Ich bin eine weiße Rose in einem Kelch voll Blut!
Ich lebe aus dem Leid, ich bin eine Kraft aus dem Leid,
ich bin eine Herrlichkeit aus dem Leid:
Komm an meine Seele und sei daheim!


II

Und deine Stimme spricht:
Ich weiß um dein Erschauern vor dem Glück,
ich weiß um dein Erblassen vor den Stunden, die Purpur tragen.
Ich weiß um dein Grauen vor allen Bechern der Fülle,
Ich weiß noch um dein Zittern vor der liebsten Seele!
Denn deine Tiefe wird vom Glück verwundet:
es greift in sie hinab mit kalten Händen,
Es löscht alle deine Träume, es löscht dein Verlangen aus wie großes Verzagen.
Es sinkt auf deine Sinne wie Gestein der Schuld.
Es sinkt auf deine Seele wie Todesduft welker Kräuter.
Es hüllt dich von Kopf bis zu den Füßen in Schmerz ein,
da bist du vor Glück geborgen durch Glück —
Da wird all dein Leid ewig.


III

Und deine Stimme spricht:
Ich will das Geheimnis deines Leidens deuten,
du Zarte, du Scheue, du Verwandte meiner Seele, du Geliebte:
Ich bin es, die in deinen Tiefen weint!
Ich habe an dir gebildet tausend Jahre und länger,
ich habe alle deine Väter und Mütter mit dem Kreuz gesegnet.
Schmerzen und Wunden hast du mich gekostet,
unter Dornen hab' ich deine Hände aus der Welt gelöst.
Du hast mich Einsamkeit gekostet,
du hast mich dunkles Schweigen gekostet, viele Menschenleben.
Du hast mich Habe und Blut gekostet,
du hast mich die Erde unter meinen Füßen gekostet,
du hast mich eine ganze Welt gekostet!
Du bist fein geworden, Seele, du bist wie ein
seidener Flachs geworden, an dem man lange spann:
Du bist wie ein leichter Faden, der nicht mehr haftet.
Siehe, du fliegst dahin durch die Fluren des Lebens,
du fliegst dahin durch alle blühenden Gelände der Welt.
Aber ihrer keines wird dich halten, du Heimatlose,
du fahrende Seele meines Leids!


IV

Und deine Stimme spricht:
Ich will ein Gloria singen, dass die Wipfel meiner
Türme mit den Glocken rauschen:
Alles Leid der Erde lobe den Herrn!
Es lobe ihn das Verarmte und Verbannte,
es lobe ihn das Enttäuschte und Enterbte,
es lobe ihn alles Nie-Gestillte!
Es lobe ihn die lichte Qual des Geistes
und die dunkle Qual der Natur!
Es lobe ihn die heil'ge Qual der Liebe!
Es lobe ihn die Einsamkeit der Seele, es lobe ihn
die Gefangenschaft der Seele!
Es lobe ihn das Weh der Schuld, es lobe ihn das
Weh der Vergängnis, es lobe ihn noch das bittre Weh des Todes!
Siehe, ich streife allen Schmuck von meinen
Altären, alles Linnen darauf soll abblühen
wie die Lieblichkeit der Wiesen!
Alle Bilder darauf sollen ihr Gesicht verhüllen!
Ich will meinen letzten Trost auslöschen: ich
will meines Herrn Leib hinwegtragen,
damit meine Seele ganz zu Nacht wird.
Denn das Leid der Erde ist selig geworden, weil es geliebt wurde:
Siehe das Holz des Kreuzes, woran das Heil der Welt hing!


V

Und deine Stimme spricht:
Ich streife meine Schuhe von den Füßen,
ich streife mein Endliches ab und trete auf ein Land ohne Grenzen:
Brechet auf alle dunklen Brunnen meines Lebens!
Fliegt herzu alle meine Nächte,
ihr schwarzen Vögel der Schuld, fallt auf mich herab mit ausgestreckten Schwingen:
Ich will in mein tiefstes Leid eingehen, dass ich meinen Gott finde!
Denn groß ist das Leiden in der Welt, gewaltig ist es und unendlich.
Es hat umfangen, an dem Himmel und Erde zerschellen,
es hat ausgehalten das Gewicht der ewigen Liebe!
Heiliger Gott, heiliger Starker, heil'ger Unendlicher,
Du Gott unter meiner Sünde, du Gott unter meiner Schwachheit,
du Gott unter meinem Tode:
Ich bette meinen Mund auf deine Wunden —
Herr, ich bette meine Seele auf dein Kreuz!



Gertrud von Le Fort, Hymnen an die Kirche, München 1924 / 1946, S. 40 – 44

Freitag, 28. Juni 2013

Credo Domine, adauge nobis fidem! - Ich glaube, Herr! Stärke meinen Glauben!


 "Omnia possibilia sunt credenti."
Alles ist möglich dem, der glaubt. 
Das ist ein Wort Christi.
Was zögertst du, ihm mit den Aposteln zu sagen:
"Adauge nobis fidem." - Vermehre meinen Glauben!?  


Hl. Josemaria Escrivá de Balaguer (1902-1975), Der Weg, 588 (s. Quellen)


  +      +      +


Credo Domine, adauge nobis fidem!
Hymne zum "Jahr des Glaubens" auf spanisch



Eine französische Fassung gibt es hier!


Foto: Deckenfresko in der Benediktiner-Abtei Ottobeuren; © FW 

Sonntag, 11. November 2012

Lieben, Danken, Belehren, Ermahnen, Singen - Tut alles im Namen des Herrn!

Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!

Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! 

Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht. In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.

Seid dankbar! Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.

Belehrt und ermahnt einander in aller Weisheit!

Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder, wie sie der Geist eingibt, denn ihr seid in Gottes Gnade.

Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Durch ihn dankt Gott, dem Vater! 

Kol 3,12-17; heutige Lesung des 5. (nachgeholten) Sonntag nach Erscheinung des Herrn


Sonntag, 14. Oktober 2012

Hymne zum Jahr des Glaubens (Französisch)

Da es leider noch keine deutsche Fassung für die Hymne gibt, hier eine französische:



Den Text gibt es auf der offiziellen (vatikanischen) Seite zum Jahr des Glaubens:
in französischer Sprache

in italienischer Sprache

in englischer Sprache

in spanischer Sprache

Der Refrain, der für alle Sprachen Latein bleibt und daher mit ALLEN GEMEINSAM gesungen werden kann, lautet:

Credo Domine, credo! 
(...)
Adauge, adauge nobis fidem!
Credo Domine, adauge nobis fidem!

Ich glaube, Herr, ich glaube!
(...)
Stärke, stärke unsern Glauben!
Ich glaube, Herr, stärke unsern Glauben!

Montag, 1. Oktober 2012

Noch 10 Tage...

Gebetsanliegen des Heiligen Vaters für den Monat Oktober:
"Lasset uns beten für die Entwicklung und den Fortschritt der Neuevangelisierung in Ländern mit alter christlicher Tradition."

Gebet zur Ausbreitung des Glaubens:

Gott möge sich unser erbarmen und uns segnen: Er lasse Sein Antlitz über uns leuchten und erbarme sich unser damit wir auf Erden Deinen Weg bei allen Völkern erkennen. Lobpreisen sollen Dich, o Gott, die Völker, ja, alle Völker sollen Dich lobpreisen!

O Gott, Du willst, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen: so sende, wir bitten Dich, Arbeiter in Deine Ernte: Lass sie voll Zuversicht Dein Wort verkünden, auf dass Deine Botschaft bekannt gemacht und gefeiert werde und alle Völker Dich, den einen wahren Gott, erkennen, wie auch Deinen von Dir gesandten Sohn, Jesus Christus, unseren Herrn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

(Oration nach den Messtexten aus der Votivmesse für die Ausbreitung des Glaubens; Schott-Messbuch, HerderVerlag Freiburg im Br.; 1957)


Noch 10 Tage
bis zum offiziellen Beginn des "Jahr des Glaubens"!

banner-en
Website


Sonntag, 30. September 2012

Auf die heiligste Dreifaltigkeit

Ad sanctissimam Trinitatem

Hildebertus Cenomannensis (1056 – 1133)


A und O, Gott, Weltgestalter,
Weltregierer, Welterhalter,
Dessen Kraft nichts widerstehet,
Dessen Kenntnis nichts entgehet,
Dessen Sein das höchste Gut ist,
Dessen Werk, was immer gut ist,
Über, unter allem thronst du,
Außer, inner allem wohnst du,
In dem All nicht eingeenget,
Draußen nicht hinausgedränget,
Überm All, doch nicht entrücket,
Unterm All, doch nicht bedrücket,
Drüber ganz, beherrschend, waltend,
Drunter ganz, begründend, haltend,
Draußen ganz, das All umschlingend,
Drinnen ganz, das All durchdringend,
Nicht im Drinnen eingeschlossen,
Nicht im Draußen ausgeschlossen,
Droben ohne Stütze ragend,
Drunten, nicht belastet tragend,
Regungslos die Welt errregend,
Ohne Zeit die Zeit bewegend,
Ohne Raum den Raum umschließend,
Nie in Fluß, was fließt, ergießend;
Kraft von außen, Zwang von innen,
Nichts beeinflußt dein Beginnen.
Unser Morgen, Heut’ und Nimmer
Ist von Dir ein ew’ges Immer,
Ewiglich dein Jetzt verweilet,
Unverändert, unzerteilet,
Drin du alles vorgesehen,
Alles riefest ins Entstehen,
Nach der ew’gen Weisheit Normen
Gabst dem Urstoff seine Formen.


Sohn, dem Vater gleich an Wesen,
Gleich erhaben, gleich erlesen,
Du, o Schöpfer, Licht vom Lichte,
Wirst Geschöpf, machst dich zu nichte,
Ziehest an das Fleisch, das schwache,
Nimmst auf dich des Sünders Sache,
Sterblich, Sohn der Ewigkeiten,
Und unsterblich, Kind der Zeiten,
Wahrer Mensch und Gott wie immer,
Gott-Mensch, unvermischt, da nimmer
Jener ward zu Fleisch verkehret,
Nicht gemindert, nicht versehret,
Noch auch dieser in dem Bunde
Mit der Gottheit ging zugrunde.
Gleich als Gott dem Vater, kleiner
Bist als Mensch du, unser einer;
Gott ist Vater nur des Gottes,
Doch die Magd auch Mutter-Gottes.
Also kommen zum Vereine
Der Naturen zwei, daß keine
Was sie war, verliert, doch sichtbar
Jede wird, was sie noch nicht war.
Das ist unser Herr und Meister,
Herr der Herzen, Herr der Geister,
Der beschnitten, der getaufet,
Ward zum Kreuzestod verkaufet,
Starb und fuhr zur Hölle nieder
Und erstand vom Grabe wieder,
Stieg gen Himmel, einst zu rechten
Mit den Frommen mit den Schlechten.


Nicht erschaffen, nicht geboren,
Geht der Tröster, auserkoren,
Gleich dem Vater, gleich dem Sohne
Aus von beiden, beider Krone,
Beiden gleich, an Macht und Ehre,
Nichts, darin er minder wäre.
Alle Größe ist nur eine,
Jener Wesen auch das seine;
Seit sie sind, ist Er gewesen,
Gleicher Fülle, gleich erlesen.
Wie dem Vater das Erzeugen,
Die Geburt dem Sohne eigen,
So dem Geiste auszugehen.
Dreien eignet ein Bestehen;
Jeder Gott und größer keiner,
Doch drei Götter nicht, nur einer.
In dem einen Gott, dem wahren,
Drei und Eins sich offenbaren:
Eins das Wesen, drei Personen,
Die einander innewohnen.
Unter denen keine kleiner,
Keine früher, keine reiner,
Jede bleibend ohne Wanken,
Was sie war, und sonder Schwanken,
Nie sich ändernd, nie sich wandelnd,
Einig stets nach außen handelnd.


Dies der Glaube, dies der wahre,
Irrtumsfeie, unfehlbare,
Den ich glaube, drin ich stehe,
Drin ich nimmer irre gehe;
In ihm darf ich, schuldbeladen,
Dennoch hoffen, Gott der Gnaden.
Zwar macht Todesschuld mich beben,
Doch im Tode such’ ich Leben,
Deinen Zorn zu dämpfen, nenn’ ich
Nur den Glauben, ihn bekenn’ ich;
Sieh ihn an und mache gnädig,
Meiner Sündenlast mich ledig.
Laß von diesem Himmelstranke
Mich gesunden, der ich kranke,
Den man schon hinausgetragen,
In das Leichentuch geschlagen,
Eingesargt und zugedecket;
Aber sprich – er wird erwecket.
Sprich, so wird der Stein zerspringen,
Sprich, so lösen sich die Schlingen,
Und der Tote ohn’ Verweilen,
Rufst du, wird der Gruft enteilen.
Auf demLebensmeere machen
Räuber Jagd auf meinen Nachen.
Hier die Wogen, dort die Horden,
Jammer hier und dort das Morden;
Herr der Meere, komm geschwinde,
Dräu’ den Wogen, heisch dem Winde,
Durch die Räuber, durch die Brandung
Lenk den Kahn zu sich’rer Landung.
Weh’, mein Feigenbaum ist saftlos,
Sein Geäste morsch und kraftlos,
Er muß fallen, er muß lodern,
Willst, was Rechtens ist, du fodern.
Doch dies Jahr noch laß ihn leben,
Graben laß, laß Dung ihm geben,
Sollt’ er Frucht auch dann nicht tragen,
Laß ihn, weinend sag’ ich’s, schlagen.


Satan wütet, mein Bedräuer,
Jetzt mit Wasser, nun mit Feuer,
Herr, ich bin zu Tod getroffen,
Herr, auf dir steht all mein Hoffen.
Daß des Kranken Wunde heile,
Daß der Feinde Schwarm enteile.
Gib zum Beten mir, zum Werke
Frommen Fastens deine Stärke.
Das wird aus der Hand des Bösen,
Christus lehrt mich’s, mich erlösen.
Ja vom Übel mich befreie,
Daß ich mich der Buße weihe,
Woll’ auch deine Furcht mir schenken,
Ohne die kein Heil zu denken;
Schenk’ mir Glaube, Hoffnung, Liebe
Und gesunde fromme Triebe,
Lehr das Irdische verachten,
Nur nach dem, was droben, trachten.


Nur auf dich, o Herr vertrau’ ich,
Auf dich hoff’ ich, auf dich bau’ ich,
Du mein Lied, du meine Habe,
Was ich bin, ist deine Gabe.
Du mich stützest, wenn ich schwanke,
Du mich heilest, wenn ich kranke,
Du mein Trost, bin ich verlassen,
Lindrung, will mich Zorn erfassen.
Will ich zagen, mich belebend,
Wenn ich falle, mich erhebend,
Mut und Stärke, wenn ich schreite,
Meine Hoffnung, wenn ich gleite,
Schlägst du die, die mich verletzen,
Schreckst, die sich mir wiedersetzen,
In Gefahren mich bedeckend,
Was zu bergen, mir versteckend.
Laß in Gnaden nie mich schauen
Jenen Abgrund voller Grauen,
Voll des Jammers, voll des Zagens,
Voll des Ekels und des Klagens,
Wo sich alle Schuld enthüllet
Und mit Scham das Herz erfüllet,
Wo der Henker niemals rastet,
Nie der Wurm, der grause, fastet,
Nie versiegt der Quell der Zähren,
Ja der Tod wird ewig währen.
Einzugehn sei mir beschieden
In der ew’gen Friedstadt Frieden,
Die der Gott des Lichts erkoren,
Die das Kreuzholz hat zu Toren,
Dessen Schlüssel Petri Zunge,
Deren Freuden ewig junge;
Aus lebend’gem Fels gebauet
Ist sie Christo anvertrauet.
O welch Licht ist ihr beschieden,
Welch ein Frühling, welch ein Frieden,
Welche Düfte, welche Klänge,
Welche Freuden-Festgesänge!
Nimmer schwinden ihre Tage,
Da erschallt kein Laut der Klage,
Ewig blühn in junger Schöne,
Christo ähnlich ihre Söhne.
Stadt der Himmel, werte, traute,
Auf dem Felsengrund gebaute,
Friedenshafen, Heimat süße
Aus der Ferne ich dich grüße.
Ja dich grüß’ ich, dich umfang ich,
Nach dir seufz ich, dein verlang ich.
Wie so selig sich die deinen
Bei dem Hochzeitmahl vereinen,
Festlich schmücken, festlich kränzen,
Wie von Gold die Mauern glänzen,
Von Achaten, von Kameen,
Der nur weiß es, der’s gesehen.
Möcht ich einst in deinen Hallen
Mit den lieben Heil’gen allen,
Mit den Vätern und Propheten
Alleluja singen, beten.


Deutsch von Guido Maria Dreves

Quelle: Hymnarium 


Mehr zum Thema Dreifaltigkeit:

Mittwoch, 5. September 2012

Heimweg zur Kirche

WER errettet meine Seele vor den Worten der Menschen?
Sie tönen aus der Ferne wie Posaunen,
aber wenn sie nahe kommen, tragen sie nur Schellen.
Sie drängen sich hervor mit Fahnen und Wimpeln,
aber wenn der Wind aufsteht, zerflattert ihr Gepränge.
Höret, ihr Lauten und Vermeßnen,
ihr Wetterflücht‘gen des Geistes
und ihr Kinder eurer Willkür:
Wir sind verdurstet bei euren Quellen,
wir sind verhungert bei eurer Speise,
wir sind blind geworden bei euren Lampen!
Ihr seid wie eine Straße, die nie ankommt,
ihr seid wie lauter kleine Schritte um euch selber!
Ihr seid wie ein treibendes Gewässer,
immer ist in eurem Munde euer eignes Rauschen!
Ihr seid heute eurer Wahrheit Wiege,
und morgen seid ihr auch ihr Grab!
Wehe euch, die ihr uns mit Händen greifet:
eine Seele kann man nur mit Gott fangen!
Wehe euch, die ihr uns mit Bechern tränket:
einer Seele soll man die Ewigkeit geben!
Wehe, die ihr euer eitles Herz lehrt!
Ein Priester am Altar hat kein Antlitz, und die Arme,
die den Herrn erheben, sind ohne Schmuck noch Staub,
Denn wen Gott reden heißt, den heißt er schweigen,
und wen sein Geist entzündet, der erlischt.

Gertrud von le Fort, Hymnen an die Kirche
 

Dr. Renate Krüger: 
Versuch über die „Hymnen an die Kirche“ von Gertrud von le Fort

Freitag, 6. Juli 2012

5 Jahre MPSP: The Ballad of Summorum Pontificum

Zum morgigen 5. Jahrestag der Veröffentlichung des Motu proprio "Summorum pontificum" am 07. Juli 2007 durch Papst Benedikt XVI. hier die "Ballade" eines englischen SP-Freundes aus Brighton (schon wieder? das war doch da, wo die Ministranten alle ins Priesterseminar entschwinden). Aber Brighton ist groß....
Geradezu eine Hymne, meine ich...
Am besten bis morgen auswendig lernen und dann bei den Feierlichkeiten ordentlich schmettern! (Und das Te Deum natürlich auch nicht vergessen!)
Dank an den Autor des Blogs "That The Bones You Have Crushed May Thrill"!




The Ballad of Summorum Pontificum

It was the 7th July 2007
“The most beautiful day
This side of Heaven”

A treasure was released
The Mass of all Ages
The Missal was closed
Now a Priest turns the pages

So we kneel down and pray the "Confiteor"
Now he’s facing the right way, towards the Lord
"Ad Deum, qui laetificat juventutem meam"
He turns around and the people say give us some more! 
Und noch eine Hymne:
Diesmal über die Instruktion über die Ausführung des als Motu Proprio erlassenen
Apostolischen Schreibens "Summorum Pontificum"
vom 30. April 2011

Text der Instruktion: HIER!




Across Universae Ecclesiae

Prayers rise from the Faithful
Like the incense rises from the Altar
As is written
All Across
Universae Ecclesiae
Contrite hearts and consolation
Together Ad Orientem
The Choir sings the Kyrie

Eleison

Oh

Mass alone can change the World
So save the liturgy and save the World
The Mass alone can change the World
So save the liturgy and save the World

Tender mercy invites us
To wonder at His Majesty
The Love that's written
All Across
Universae Ecclesiae
Priest mediates for the Faithful
Stands in persona Christi
The Choir sings the Gloria

In excelsis Deo

Dienstag, 24. Januar 2012

In Demut bet' ich dich, verborgene Gottheit, an...



Adoro te devote, latens Deitas,
Quæ sub his figuris vere latitas;
Tibi se cor meum totum subjicit,
Quia te contemplans totum deficit.

In Demut bet' ich dich, verborgene Gottheit, an,
Die du den Schleier hier des Brotes umgetan.
Mein Herz, das ganz in dich anschauend sich versenkt,
Sei ganz dir untertan, sei ganz dir hingeschenkt.

Visus, tactus, gustus in te fallitur,
Sed auditu solo tuto creditur.
Credo quidquid dixit Dei Filius;
Nil hoc verbo veritátis verius.

Gesicht, Gefühl, Geschmack betrügen sich in dir,
Doch das Gehör verleiht den sicheren Glauben mir,
Was Gottes Sohn gesagt, das glaub' ich hier allein,
Es ist der Wahrheit Wort, und was kann wahrer sein?

In cruce latebat sola Deitas,
At hic latet simul et Humanitas,
Ambo tamen credens atque confitens,
Peto quod petivit latro pœnitens.

Am Kreuzesstamme war die Gottheit nur verhüllt,
Hier hüllt die Menschheit auch sich gnädig in ein Bild.
Doch beide glaubt mein Herz, und sie bekennt mein Mund,
Wie einst der Schächer tat in seiner Todesstund'.


Plagas, sicut Thomas, non intueor:
Deum tamen meum te confiteor.
Fac me tibi semper magis credere,
In te spem habere, te diligere.

Die Wunden seh' ich nicht, wie Thomas einst sie sah,
Doch ruf' ich: Herr, mein Gott, du bist wahrhaftig da!
O gib, daß immer mehr mein Glaub' lebendig sei,
Mach meine Hoffnung fest, mach meine Liebe treu.


O memoriale mortis Domini!
Panis vivus, vitam præstans homini!
Præsta meæ menti de te vívere,
Et te illi semper dulce sapere.

O Denkmal meines Herrn an seinen bittern Tod,
O lebenspendendes und selbst lebend'ges Brot!
Gib, daß von dir allein sich meine Seele nährt
Und deine Süßigkeit stets kräftiger erfährt.

Pie Pelicane, Jesu Domine,
Me immundum munda tuo sanguine:
Cujus una stilla salvum facere
Totum mundum quit ab omni scelere.

O guter Pelikan, o Jesus, höchstes Gut!
Wasch' rein mein unrein Herz mit deinem teuren Blut.
Ein einz'ger Tropfen schafft die ganze Erde neu,
Wäscht alle Sünder rein, stellt alle schuldenfrei.

Jesu, quem velatum nunc aspicio,
Oro, fiat illud quod tam sitio:
Ut te revelata cernens facie,
Visu sim beátus tuæ gloriæ. Amen

O Jesu, den verhüllt jetzt nur mein Auge sieht;
Wann stillst das Sehnen du, das in der Brust mir glüht:
Daß ich enthüllet dich anschau' von Angesicht
Und ewig selig sei in deiner Glorie Licht? / Amen.





Hymnus, anlässlich der Einführung des Hochfestes Fronleichnam (Corpus Domini) 1264 durch Papst Urban IV. von Thomas von Aquin verfasst
(s. wikipedia)

Foto: Black friairs Oxford; Lawrence OP

Samstag, 17. September 2011

Hymnarium: Dichtungen aus Brevier, Missale und Frühchristentum

Den Tipp auf eine relativ neue Datenbank für alte Hymnen und Dichtungen u.a. aus Brevier und Missale will ich anderen Lesern und Bloggern nicht vorenthalten. HYMNARIUM nennt sich das Projekt, das, ansprechend gestaltet, seit Beginn diesen Kirchenjahres im Internet präsent ist.

"Die Dichtungen aus der Zeit des frühen Christentums bis zum ausgehenden Mittelalter, die auf diesen Seiten zugänglich werden, gehören zum unvergänglichen Schatz abendländischer Kultur und Dichtung. Die Aufgabe der Erben, auf die er gekommen ist, muss es sein, ihn zu pflegen, ihn lebendig zu erhalten, im Bewusstsein zu bewahren, weiter zu überliefern und immer wieder von neuem zu erschließen und zu verbreiten." (aus der Einleitung zum Hymnarium)

Dank für den Tipp an Clemens Schlip (Die Tagespost)


Zum Schutzengel-Monat eine Kostprobe aus den Schätzen des Hymnariums:
(den lateinischen Originaltext kann man HIER nachlesen)

Aeterne Rector siderum
 

Hl. Roberto Bellarmino (1542 – 1621)

Ewiger Lenker der Gestirne,
der du alles, was existiert, mit großer
Macht erschaffen hast und mit ebenso
großer Fürsorge regierst.


Stehe bei der Schar der Schuldbeladenen,
die zu dir flehen,
und bei des Lichtes Morgendämmerung
verleihe neues Licht unsern Herzen.



Engel von Fra Angelico
Und dein Engel, der auserwählt ist
zu unserm Schutze,
möge hier zugegen sein, um uns zu
bewahren von der Ansteckung der Sünden.


Des neidischen Drachen Schlauheit möge
er uns gegenüber unschädlich machen,
damit das Netz des Betruges
unvorsichtige Herzen nicht umschlinge.


Die Furcht vor Feinden verscheuche er
weithin von unserm Gebiete,
er sorge für den Frieden der Einwohner
und verhindere jede Krankheit.


Ehre sei Gott dem Vater, der durch
seine Engel alle beschützen möge,
die der Sohn erlöst und
der heilige Geist gesalbt hat. Amen


Deutsch von Adalbert Schulte

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