Freitag, 8. Februar 2013

Das höchste Werk der Nächstenliebe

In der Heiligen Schrift sehen wir, daß der Eifer der Apostel für die Verkündigung des Evangeliums, die den Glauben weckt, eng mit der liebenden Sorge für den Dienst an den Armen verbunden ist (vgl. Apg 6,1-4).

In der Kirche müssen Kontemplation und Aktion, die in gewisser Hinsicht durch die Gestalten der Schwestern Maria und Marta im Evangelium versinnbildlicht werden, miteinander bestehen und sich gegenseitig ergänzen (vgl. Lk 10,38-42).

Die Beziehung zu Gott hat immer Vorrang, und das wahre Teilen gemäß dem Evangelium muß im Glauben verwurzelt sein (vgl. Katechese bei der Generalaudienz am 25. April 2012). Manchmal neigt man in der Tat dazu, den Begriff „Nächstenliebe“ auf die Solidarität oder die einfache humanitäre Hilfeleistung zu beschränken. Es gilt jedoch zu bedenken, daß das höchste Werk der Nächstenliebe gerade die Evangelisierung, also der „Dienst am Wort“ ist.

Es gibt kein heilsameres und somit wohltätigeres Werk am Nächsten, als das Brot des Wortes Gottes mit ihm zu brechen, ihn an der Frohen Botschaft des Evangeliums teilhaben zu lassen, ihn in die Beziehung zu Gott einzuführen: Die Evangelisierung ist die höchste und umfassendste Förderung des Menschen. 

Papst Benedikt XVI., Botschaft zur Fastenzeit 2013 


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Donnerstag, 7. Februar 2013

Gott passt sich nicht dem Zeitgeist an

"Die Wahrheit ist schon zu Zeiten von Jesus Christus angeeckt. Leute, die ihn damals gehört haben, haben gesagt: "Seine Rede ist hart. Das ist unmöglich, was er sagt."

Gerade auch zur Scheidung hat er ja was gesagt. Nämlich: "Moses hat Euch wegen Eurer Hartherzigkeit die Scheidung erlaubt." Aber dann hat er betont: Im Anfang – also nach dem Willen Gottes – war es nicht so. Ihr dürft niemanden aus der Ehe entlassen. Gott hat Mann und Frau als Einheit erschaffen. Jesus hat es sogar noch verschärft und gesagt: Wenn Ihr jemanden nur lüstern anschaut, habt ihr die Ehe schon gebrochen. Übrigens stärkte das Scheidungsverbot damals die Rolle der Frau in der Gesellschaft, die im Falle einer Scheidung im sozialen Abseits landete.

Und was haben die Menschen damals zu Jesus gesagt? „Wir können es nicht ertragen, was er lehrt.“ Und sie haben sich von ihm abgewandt.

Insofern hätte man schon damals fragen können: Muss man das nicht dem Zeitgeist anpassen? Ganz klare Antwort – damals und heute: Nein! Die katholische Kirche hat immer dafür zu sorgen, dass die Lehre, die sie zu verkünden hat – und die eine göttliche Lehre ist, weil sie an die Wahrheit Gottes angeknüpft ist – dass diese Lehre immer zeitgerecht vermittelt wird."


Martin Lohmann im merkur-online Interview am 07.02.2013 auf die Frage, ob sich die Kirche nicht dem Mainstream anpassen müsse


Die Zeichen der Zeit erkennen - Christen, merkt auf

Nach dem Interview mit Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller in  der "WELT" vom 01.02.2013 sollte man sich einmal Gedanken über das dort Gesagte machen: Er hatte festgestellt, dass gegen "die katholische Kirche in Nordamerika und auch bei uns in Europa" "eine künstlich erzeugte Wut" wachse, "die gelegentlich schon heute an eine Pogrom-stimmung" erinnere.

Josef Bordat hat sich diese Gedanken gemacht und die Zeichen der Zeit gedeutet. Er fragt, ob die Aussage Müllers so abwegig ist, wie das z. B. zwei grüne Politikerinnen erklärten, die sich über die Wortwahl Müllers empört gezeigt hatten. Die Fragestellung des Philosophen und Publizisten:

"Es ist allgemein anerkannter Wissensbestand, dass physische Gewalt eine Vorstufe hat, nämlich die symbolische Gewalt, mit der jene semantisch vorbereitet wird. Könnte man es dann – gerade vor dem Hintergrund der historischen Erfahrung und dem Bewusstsein unserer Verantwortung als Deutsche und als Europäer – nicht auch begrüßen, dass jemand rechtzeitig vor Aspekten einer aufkeimenden Pogromstimmung warnt, einer Stimmung, die üblicherweise über kurz oder lang zu Pogromhandlungen führt? Insbesondere dann, wenn diese Warnung eine Berechtigung hätte? Um herauszufinden, ob sie eine Berechtigung hat, müsste man versuchen, diese Stimmung treffend zu charakterisieren und schauen, ob sich die identifizierten Merkmale im Diskurs über die Katholische Kirche empirisch nachweisen lassen, nicht nur in Einzelfällen, sondern schon weit verbreitet. Dann hätte die Vokabel Pogromstimmung ihre Berechtigung."

Seine Antwort:
"Es herrscht Pogromstimmung gegen die Kirche. Und wie man merkt, merkt man nichts. Und gerade das ist die Gefahr dabei."

Der ganze Beitrag "Pogrom und Stimmung" hier auf JoBo72. Möge er viele Christen wachrütteln.


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Mittwoch, 6. Februar 2013

Markus Lanz und der Relativismus

Am 05.02.2013 war der Publizist Martin Lohmann zu Gast in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" um über seine Erfahrungen und die Reaktionen zu berichten, die er während bzw. nach anderen Fernsehauftritten einstecken musste, weil er dort offen und deutlich die Positionen der katholischen Kirche vertreten hatte. So wurde z.B. während seiner Erklärung, wie es sich mit dem Selbstbestimmungsrecht der Frau verhalte, wenn sie möglicherweise schwanger ist, vom Publikum laut verächtlich gelacht bevor er seine Ausführungen überhaupt vorgebracht hatte. Andere Male wurde geraunt oder laut protestiert und er bekam nach den Sendungen Hass-Mails und Drohungen bis hin zu der Ankündigung, dass ein an Aids Erkrankter ihn durch einen Nadelstich infizieren wolle.

Von Lanz gefragt, welche Reaktionen er denn auf den letzten (zwei Tage zurückliegenden) Auftritt in der Polit-Rederunde bei Günther Jauch erhalten habe, antwortete der Publizist, dass er auch sehr viel positive Kritik, Zustimmung und Dank zugesprochen bekommen habe.

In der Diskussion mit Martin Lohmann wünschte sich Markus Lanz dann von der Kirche klare Ansagen. Der Wunsch erstaunt nach der klaren, sehr eindeutig formulierten Erklärung des Kölner Kardinals vom 31.01.2013. Zusammen mit diesem Wunsch machte Lanz auch sein Verständnis von der von Papst Benedikt oft angeprangerten "Diktatur des Relativismus" deutlich. Er sagte:
Wir reden jetzt immer noch über den Fall dieser Vergewaltigung und es steht immer im Raum dieser berühmtgewordene Satz des Papstes: "Die Diktatur des Relativismus", alles ist relativ.
Ich würde mir wünschen, auch als Katholik, wenn genau dieser Relativismus zum Beispiel im Fall des Kölner Kardinals nicht zum Einsatz käme, wenn man also einfach mal als Kirche klipp und klar sagen würde: in einem solchen Fall steht selbstverständlich nichts dem im Wege, dass eine junge Frau, die Opfer einer Vergewaltigung geworden ist, die "Pille danach" nimmt - ohne wenn und aber. Und ohne Relativitätssatz "nämlich für den Fall, dass...'ja', und sonst eher 'nein'". Das ist auch "Diktatur des Relativismus".

Lanz verwechselte hier offensichtlich "relativieren", (in dem Zusammenhang: alles gleich gültig machen) mit "präzesieren" oder "konkretisieren" und verkannte, dass manche Fragen eben nicht so einschichtig und oberflächlich zu entscheiden sind, sondern dass es, um guten Gewissens eine angemessene Entscheidung treffen zu können, einer Aufklärung und Information bedarf. Und das gerade in Fällen, wo es, wie Martin Lohmann mehrmals in Erinnerung rief, um Leben und Tod eines Menschen geht.

Offensichtlich war Lanz auch der Meinung, man müsse der Frau "helfen", sich für die Einnahme (auch einer möglicherweise frühabtreibenden) "Pille danach" zu entscheiden, die für ihn die einzig richtige Entscheidung zu sein scheint. Damit sprach er aber der betroffenen Frau die Fähigkeit ab, eine wirklich eigene Entscheidung treffen zu können.

Nochmals: Für Lanz besteht "Hilfe" für die Frau nicht in der Aufklärung über Möglichkeiten und Folgen nach der Vergewaltigung und im Hinblick auf eine mögliche Schwangerschaft, sondern in der Bestätigung des von ihm vorgefassten alternativlosen Entscheides für eine Einnahme der "Pille danach" und damit der möglichen Tötung einer Person. Damit negiert er die Freiheit der Frau und nimmt ihr die Möglichkeit, ihrem Gewissen gemäß eine unabhängige Entscheidung - möglicherweise auch zugunsten eines in Gewalt gezeugten Kindes - zu treffen.

Dieselbe bevormundende Position vertraten auch gleich am Anfang der Sendung unter langanhaltendem Applaus des Publikums zwei weitere Gäste der Diskussionssendung: der Kabarettist Jochen Busse und die Moderatorin Susann Atwell.

Er (Jochen Busse) sei "nicht dafür, dass man Menschen dahin bringt, dass sie derartige Entscheidungen treffen müssen." Das Trauma der Vergewaltigung und das Austragen eines so gezeugten, ungewollten Kindes, das seien "zwei Dinge, da wird der Mensch nicht mit fertig". "Hilfe" besteht auch für ihn alternativlos in der Aushändigung der "Pille danach".

Sie ( Susann Atwell) findet es "großartig, dass wir soweit sind", dass jede Frau selbst entscheiden könne ob sie ein Kind möchte oder nicht - ob vergewaltigt oder nicht. Und im Fall einer Vergewaltigung: sie stimme Jochen Busse zu: "Ich finde, da gibt's auch keine zwei Meinungen." Wie aber soll man sich dann entscheiden wenn es ohnehin nur die eine Meinung gibt?

Die "Pille danach" - und fertig. Egal ob sie will oder nicht...




Aktion 1000plus

Und auch:


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Martin Lohmann bei Markus Lanz: Für eine Kultur des Lebens

"Ich möchte, dass der Grundsatz "Das Leben ist heilig und zu schützen" nicht relativiert wird. 
Ich möchte, dass das Lebensrecht und die Unantastbarkeit der Würde jedes Menschen (das steht im Grundgesetz Artikel 1) nicht relativiert wird.
Ich möchte, dass wir eine Kultur des Lebens zum Leben haben und nicht eine Kultur des Tötens."
Martin Lohmann am 05.02.2013 in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz"

Wie schon zwei Tage zuvor in der ARD-Polit-Talkshow von Günther Jauch gab der Publizist, Chefredakteur des katholischen Fernsehsenders k-tv und Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht (BVL) ein eindrucksvolles Zeugnis für die Unantastbarkeit der Würde des menschlichen Lebens und das Lebensrecht eines jeden Menschen, dem allerdings nicht alle Anwesenden im Fernseh-Studio zustimmen konnten.

Dass das Lebensrecht eines Menschen anerkannt wird, scheint nicht mehr Konsens unserer Gesellschaft zu sein...


Und immer wieder: Neid und Hass der Welt

"Die menschliche Natur ist nicht ein harmloses, ungefährliches Wesen, das gütig und wohlwollend gegen alle ist und keinen angreift, solange man ihr nichts tut. Sondern der Mensch ist ein zwiegespaltenes Wesen, auf der einen Seite voller Sehnsucht nach den höchsten Zielen, andererseits voll Neid gegen jeden, der es besser hat, voll Hass und Verfolgungsgier gegen jeden, der besser ist als er selbst.

Und erst die Gier des Genießens, des menschlichen Liebens und Geliebtseinwollens, welche Stürme hat alles das schon entfesselt! Darum wird mancher Mensch die Kirche hassen, weil sie all das verbietet, was man sich gegen Gottes Gebote wünscht.

Diese Welt wird es auch nie verzeihen, dass es Menschen gibt, die moralischer, die vorbildlicher leben wollen, als sie selbst es tut. Und diese Welt wird auch immer skrupellos und findig und brutal genug sein, einen Sturm zu entfachen, der eben gegen diese Guten geht."


P. Paul Rondholz SJ in: Die Bescheidenheit; Johannes-Verlag Leutesdorf (Rhein); AD 1960




Dienstag, 5. Februar 2013

Das Schreiben eines Oberarztes aus Köln - Grund für Unsicherheit des Klinikpersonals?

Noch ein Wort zu der angeblichen Hilfeverweigerung zweier katholischer Kliniken und Abweisung einer mutmaßlich vergewaltigten Frau in Köln:

Wie bekannt, hatte die diensthabende Ärztin einer von den katholischen Krankenhäusern unabhängigen Notfallpraxis* im Dezember 2012 eine 25-jährige Frau behandelt, die offenbar am Abend zuvor nach einer Party mit k.o.-Tropfen betäubt und wahrscheinlich vergewaltigt worden war.  Irmgard Maiworm, die behandelnde Ärztin, wandte sich dann über Telefon an die fachgynäkologische Abteilung des angrenzenden St.-Vinzenz-Hospitals mit der Bitte um weitere Behandlung und Durchführung der anonymen Spurensicherung im Rahmen der ASS (Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftaten).

Die dort tätige Ärztin versuchte zu erklären, dass es im St.-Vinzenz-Hospital nicht möglich sei, eine ASS durchzuführen und gab die Empfehlung, die junge Frau an ein Krankenhaus zu überweisen, in dem die ASS zusammen mit der weiteren Behandlung aus einer Hand erfolgen könne. So werde der traumatisierten Frau auch eine weitere zusätzliche Schilderung der Situation erspart.

Eine zweite Klinik, die daraufhin von der Notfallpraxis telefonisch um Weiterbehandlung angegangen wurde (das Hl.-Geist-Krankenhaus in Köln-Longerich), gab eine gleichlautende Empfehlung. Scheinbar war Frau Maiworm, so der Name der diensthabenden Notfallärztin, nicht klar, dass die beiden katholischen Kliniken der Cellitinnen inzwischen nicht mehr befugt und wegen fehlenden Instrumentariums auch nicht mehr in der Lage waren, eine Untersuchung im Rahmen der ASS durchzuführen.


Welche Rolle spielte der Oberarzt der katholischen Klinik?

Das Verhalten der Ärztinnen an den beiden Krankenhäusern, dem St.-Vinzenz-Hospital und dem Hl.-Geist-Krankenhaus, wurde als unbarmherzige Abweisung der hilfesuchenden vergewaltigten Frau ausgelegt. Diese Einschätzung ist jedoch falsch, da eine ASS wie oben bereits dargelegt, überhaupt nicht hätte durchgeführt werden können und die Frau also ohnehin an eine der fünf Kliniken hätte überwiesen werden müssen, die am Netzwerk der ASS teilnehmen.

Wie kam es nun dazu, dass die beiden Kliniken nicht mehr dem Netzwerk der ASS angehörten?

Das das Projekt ASS ist seit dem 05.07.2011 in der Spurensicherung tätig. Am 14.09.2012 gab der Arbeitskreis ASS eine Pressemeldung heraus, die über die Aktivitäten im ersten Jahr des Bestehens berichtet und in der auch mitgeteilt wird, dass zwei Krankenhäuser (dabei handelt es sich um die beiden genannten katholischen Kliniken) aus dem Projekt hätten ausgesteigen müssen.

Wie kam es dazu?

Hierzu ist die Richtigstellung des "Notrufs für vergewaltigte Frauen" vom 18.01.2013 aufschlussreich. Demnach hatte sich ein Oberarzt einer der beiden genannten Kliniken im März 2012 an den "Notruf" gewandt. Aus einem Schreiben vom 30.03.2012 wird zitiert, er informiere darüber, 
“dass unsere Abteilung ab sofort keine Untersuchungen an Patientinnen nach einer Sexualstraftat mehr durchführt”. 
Begründung: 
“Unser Träger hat die Verordnung der Postexpositionsprophylaxe (Pille danach) auch in diesem Zusammenhang untersagt. Eine alleinige körperliche Untersuchung und Spurensicherung ohne das Angebot zur Postexpositionsprophylaxe ist aus ärztlicher Sicht sowohl medizinisch als auch ethisch nicht vertretbar. Daher sollten Patientinnen zukünftig in einer Einrichtung betreut werden, die eine umfassende Versorgung in einer Hand gewährleistet”.
Offensichtlich handelt es sich hier um einen Konflikt zwischen dem Oberarzt und dem Träger der Klinik, also der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria. Infolge des Schreibens  kam es laut der Richtigstellung zu "viele(n) Telefonate(n) mit unterschiedlichen Hierarchie-Ebenen der beiden Krankenhäuser" die aber "letztlich keine Veränderung der – unbefriedigenden – Situation herbeiführen" konnten. Gemeint ist damit, dass die Krankenhausleitungen gemäß den Vorgaben der Lehre der Kirche und des Erzbistums Köln an der Praxis festhielten, nicht die "Pille danach" zu verschreiben. Der "Notruf für vergewaltigte Frauen" sieht die Verschreibung der (möglicherweise) frühabtereibenden "Pille danach" jedoch als Bestandteil der Behandlung im Rahmen der ASS. Beide Seiten bedauerten daraufhin, die engere Zusammenarbeit beenden zu müssen. Seinen Niederschlag fand diese Aufkündigung in der schon obengenannten Pressemeldung vom 14.09.2012 und in der Abholung der "Kisten mit den ASS-Untersuchungs-Sets" aus den beiden Krankenhäusern.

Das heißt: Laut eigenem Bekunden instruierte der Oberarzt seine Abteilung ab April 2012 dahingehend, bei Patientinnen nach einer Sexualstraftat "keine Untersuchungen" mehr durchzuführen. Dieses Vorgehen widerspricht aber eindeutig den Vorgaben des Trägers des Krankenhauses, der - bis auf die Verschreibung der "Pille danach"- für seine Ärzte und Ärztinnen eine umfassende ganzheitliche Betreuung der Patientinnen postulierte.

Besagter Oberarzt unterband somit die Behandlung mutmaßlich vergewaltigter Frauen in der katholischen Klinik und favorisierte in seinem Schreiben die Behandlung in einer Einrichtung, die bereit ist, auch die potentiell abtreibende "Pille danach" zu verschreiben. Das ist zumindest ein eigenartiges Verständnis von Loyalität gegenüber seinem Arbeitgeber und lässt vermuten, dass er selbst nicht mit dessen Überzeugung übereinstimmt.


Die Stellungnahme des Ethikkomitees

Rund sieben Monate später, am 07.11.2012 erschien dann, herausgegeben vom Klinischen Ethikkomitee der Hospitalvereinigung St. Marien, die "Ethische Stellungnahme zur Notfallkontrazeption bei Patientinnen, die vermutlich Opfer eines Sexualdelikts geworden sind".
In dieser "Stellungnahme" wird als "Rahmenbedingung für die tägliche medizinische Betreuung" der Patientinnen festgehalten, dass
  • eine befruchtete Eizelle ab dem Zeitpunkt der Kernverschmelzung als menschlicher Embryo gelte, auch im pränidativen, nicht eingenisteten, Stadium
  • die beiden auf dem Markt befindlichen Wirkstoffe der "Pille(n) danach" nidationshemmend sind
  • der Mensch von Beginn an Person ist und sich als Person entwickelt und der direkte Abbruch zu verwerfen ist
  • künstliche Verhütung (gemeint ist hier die Einnahme der "Pille danach") daher, auch nach einem vermuteten Sexualdelikt, moralisch nicht gerechtfertigt ist.
Weiterhin werden für den Umgang mit Patientinnen mach vermutetem Sexualdelikt folgende Weisungen nach den in einem solchen Fall wichtigsten ethischen Prinzipien, nämlich Fürsorge, Schadensvermeidung und Autonomie, gegeben:
  • zur Verfügungstellen aller moralisch unbedenklichen Mittel zur medizinischen Gesundung und auch das gesamte Spektrum psychologischer, seelsorgerlicher und ethischer Betreuung
  • zeitnahe Hilfsmaßnahmen ohne Verzögerung, volle Kooperation mit der ASS 
  • Eigenentscheidung der Patientin zur Einnahme der Notfallkontrazeption und entsprechende Weiterleitung an entsprechende Instanzen
  • Information der Patientin über weitere Behandlung und Achtung der autonomen Entscheidung
Die "umfassende medizinische Versorgung" solle "nach bestem ärztlichen Ethos" geschehen.


War die Stellungnahme zur Notfallkontrazeption bekannt?

Einen guten Monat nach Einführung dieser Stellungnahme - ob sie in diesem Zeitraum bereits zu allen Mitarbeitern durchgedrungen war ist fraglich) entstand die am Anfang geschilderte Situation, in der die Krankenhausärztin eine Patientin - im Telefongespräch mit der Notfallpraxisärztin Maiworm - an ein anderes Krankenhaus verwies.

Sie handelte korrekt, da an ihrem Krankenhaus (wie auch in der zweiten betroffenen Klinik) keine ASS durchgeführt werden konnte. Fraglich ist, ob sie, was andere Untersuchungen angeht, möglicherweise durch die Anordnung des Oberarztes, Vergewaltigungsopfern jedwede Behandlung vorzuenthalten, beeinflußt war.


Eigenmächtigkeit des Oberarztes zum Schaden der Klinik

Dass das Schreiben des Oberarztes an den "Notruf für vergewaltigte Frauen" nicht mit der Klinikleitung abgesprochen war und im Gegensatz zu deren Intention steht, dürfte die Aussage auf www.radio-koeln.de deutlich machen, in der es heißt:
“Beide Kliniken sind allerdings nicht aus dem Programm zur Spurensicherung nach Vergewaltigung ASS ausgestiegen. Das haben sowohl Klinikleitung als auch das klinische Ethik-Komitee bekräftigt. Wie die Ethikbeauftragte Radio Köln sagte, sei die Teilnahme und das Angebot ausdrücklich gewollt. Vielmehr sei man vom Notruf für vergewaltigte Frauen von der Internetseite entfernt worden. Nach Meinung des Notrufs sei das Betreuungsangebot durch das Fehlen der “Pille danach” nicht vollständig.” (hierzu erfolgte dan die Richtigstellung des "Notrufs für vergewaltigte Frauen")
Was der Oberarzt mit der - ebenfalls offensichtlich nicht mit der Klinikleitung abgesprochenen - Anordnung der Behandlungsverweigerung bezwecken wollte, bleibt rätselhaft. Sowohl die in diesem Sinne erfolgte Instruktion seiner Abteilung wie auch sein eigenmächtiges, im Alleingang getätigtes Schreiben an den "Notruf für vergewaltigte Frauen" könnte möglicherweise der Auslöser für die unsäglichen Angriffe vor allem der Medien gegen die katholischen Krankenhäuser im einzelnen und die katholische Kirche im Allgemeinen gewesen sein. Damit hat er  der Klinik, deren Träger, der katholischen Kirche und ihrem Engagement im Lebensschutz, vor allem aber den betroffenen Frauen einen Bärendienst erwiesen.



* Die Notfallpraxis befindet sich auf dem Gelände des St.-Vinzenz-Hospitals in Köln, ist aber nicht diesem angeschlossen.



Späte Erkenntnis:

Reformstau - und wo es wirklich hakt...

Sie sehen nirgends einen katholischen Reformstau? 

Die Antwort darauf von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller:

"Doch, aber er besteht darin, dass man die wesentlichen Themen nicht anpackt:

-  die Teilhabe an den Sakramenten
-  die Kenntnis des Glaubens


Das Wort Reform hat in der Kirche einen guten Klang. Es darf nicht beschlagnahmt werden, um die eigentliche Erneuerung in Christus zu bremsen. Unter Reform der Kirche müssen wir die Reformen verstehen, wie sie von Reformern wie dem heiligen Franziskus betrieben wurden, mit seiner radikalen Kreuzesnachfolge, oder von Johannes vom Kreuz und Teresa von Avila, oder die Erneuerung nach dem Konzil von Trient in der Liturgie und allen Bereichen des christlichen Lebens, mit der Erneuerung der Volksfrömmigkeit. Das ist Reform der Kirche."


Weiteres zum Thema:


Bild: der hl. Franziskus vor dem Kreuz von San Damiano; Fresko in Assisi von Giotto di Bondone (1267-1337)
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