Montag, 12. November 2012

Orthopraxie oder Orthodoxie?

In letzter Zeit hört man zunehmend Stimmen, die die Orthodoxie, die "rechte (authentische) Lehre" gegen die Orthopraxie, das "richtige Handeln" auszuspielen versuchen und dabei letztere als die für den christlichen Glauben angeblich Bedeutsamere hervorheben. Beide Säulen des Glaubens sind aber unverzichtbar und gehören untrennbar zusammen. Es sind zwei Seiten einer Medaille.

Dass die Orthodoxie keineswegs geringer zu achten ist als die Orthopraxie, dafür gibt es zahlreiche Hinweise in der Hl. Schrift, bei den Kirchenvätern, in alten und neueren kirchlichen Dokumenten.

Fulgentius von Ruspe (467-533), zum Beispiel, schreibt im Vorwort zur Schrift "Vom Glauben an Petrus" (De fide ad Petrum): 
"Ich freue mich, daß du für die Erhaltung des wahren, von keinem Irrtum befleckten Glaubens so sehr besorgt bist; denn ohne ihn nützt ein tugendhafter Lebenswandel nichts, ja, er kann überhaupt nicht geführt werden. Sagt doch die Autorität des Apostels, daß es „ohne Glaube unmöglich ist, Gott zu gefallen“. (Hebr. 11, 6)

Denn der Glaube ist das Fundament alles Guten, Der Glaube ist der Anfang des menschlichen Heiles. Ohne ihn kann niemand zur Zahl der Kinder Gottes gehören; denn weder erlangt jemand in diesem Leben die Gnade der Rechtfertigung, noch wird er im zukünftigen das ewige Leben besitzen; wer hier nicht im Glauben wandelt, wird nicht zur Anschauung gelangen. Ohne Glaube ist jede menschliche Anstrengung vergeblich.

Wenn einer ohne den Glauben durch Verachtung der Welt Gott gefallen wollte, so wäre es dasselbe, wie wenn einer, der in seine Heimat will, in der er, wie er weiß, ein glückliches Leben führen wird, den rechten Weg verließe und achtlos einem Irrweg folgte, auf dem er nicht zur Stadt seines Glückes gelangt, sondern in den Abgrund stürzt, wo ihn bei seiner Ankunft nicht Freude erwartet, sondern beim Hinabstürzen der Tod bereitet wird."


Weiteres zum Thema "Orthodoxie/ Orthopraxie": 


Bild: Der Hl. Fulgentius von Ruspe (468 - 532 Sardinien), Bischof von Ruspe bei Karthago mit Pallium und Buch" (mit Inschrift: Sola Charitas est, quae vincit omnia, Nur die Liebe ist es, die alles besiegt).

Kommentare:

  1. Besten Dank ... ich dreh nämlich, scharmützelt von einigen "Orthopraktikanten", langsam am Rad ;-)

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  2. Gegen die perfide andauernde Ausspielerei von Orthopraxie und Orthodoxie hilft am besten die Ohropaxie! :-)

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  3. Als ergänzende Lektüre sei hier auf einen Vortrag aus dem Jahr 1969 von Otto Semmelroth SJ zu diesem Thema hingewiesen, der manche aufschlussreiche Sequenz enthält. Mit ihm könnte man resümieren:

    "Der auf Gottes Offenbarung hörende Glaube muß zur Antwort im Wort des Gebetes und in der Tat des Lebens führen. Die Doxa des Glaubens verlangt also, recht verstanden, die Verbindung mit der Praxis des Lebens.

    Umgekehrt weist auch die Praxis des Lebens, wenn sie richtig verstanden wird, auf den Glauben als Voraussetzung und begründende Tiefe hin."

    Download hier:
    http://www.geistundleben.de/archiv/archiv-gul/45-gul-42-1969/762-heft-5-septemberoktober.html

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  4. Toller Post und danke für den Linktipp.

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  5. Zusammenfassung des bei Prälat Georg May gefundenen:
    http://hl-herz-jesu.blogspot.de/2012/07/welcher-glaube-und-welche-werke-zur.html
    http://hl-herz-jesu.blogspot.de/2012/07/ohne-gute-werke-keine-rettung.html

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    1. Vielen Dank!
      Die Predigten von Prof. May sind wirklich eine Goldgrube...

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  6. Das Wichtigste habe ich vergessen:

    Im Athanasianischen Glaubensbekenntnis werden die beiden Bedingungen, von denen unser ewiges Heil abhängt, dargelegt:

    1. Bedingung
    "Wer da selig werden will, der muss vor allem den katholischen Glauben festhalten. Jeder, der diesen nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, wird ohne Zweifel ewig verlorengehen. […] Jeder, der ihn nicht aufrichtig und fest glaubt, kann nicht selig werden."

    2. Bedingung
    "Die Gutes getan haben, werden zum ewigen Leben eingehen, die aber Böses getan, in das ewige Feuer."

    http://de.gloria.tv/?media=320110

    und "Ohne Zweifel wird ewig verloren gehen, wer den katholischen Glauben nicht unverletzt bewahrt"
    http://hl-herz-jesu.blogspot.de/2012/06/ohne-zweifel-wird-ewig-verloren-gehen.html (Artikel von P. Recktenwald FSSP zu genau diesem Thema)

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