Dienstag, 27. November 2012

"CREDO - ich glaube" - Eine kleine unvollständige Betrachtung über ein vielsagendes Wort

Ich glaube. Das ist – zunächst einmal – weder etwas Positives noch etwas Negatives.

Jeder Mensch glaubt etwas, muss an etwas oder jemandem glauben. Undenkbar, dass er alles noch einmal selbst entdecken und alles neu erfinden könnte oder dass er ohne Vertrauen in das, was andere vor ihm entdeckt haben oder andere ihm versprechen, sein Leben gestalten könnte.

Wie schon angedeutet hat “glauben”, in welcher Form auch immer, mit Vertrauen zu tun. Hier stellen sich nun die Fragen: WEM vertraue ich und WAS glaube ich, damit mein Glaube nicht ins Leere läuft, sondern damit mein Leben – und das der anderen – funktioniert und (s)einen Zweck erfüllt. Dieser Zweck, das werden wir später sehen, ist das Heil, mein eigenes nämlich und das der anderen.

Wenn es niemanden gibt, der “nichts” glaubt, dann gibt es also vieles, an das ich glauben könnte. Und aus Erfahrung weiß ich, dass tatsächlich viele etwas anderes glauben als ich selbst. Ich muss mich für einen Glauben entscheiden. Ich will nur das glauben, was wirklich wahr ist, möglichst nah will ich der Wahrheit kommen denn sie allein erscheint mir wirklich erstrebenswert, wichtig und eine “gute Sache”. Alles andere ergibt sich daraus.

In der (Natur-)Wissenschaft werde ich den Wissenschaftlern, den Fachleuten für dieses Gebiet, vertrauen. Freilich gibt es hier seriöse und weniger ernstzunehmende Leute. Welchen ich vertraue und auf welche ich meine Hoffnung setze, dass ihre Forschungen am ehesten mit der Wahrheit übereinstimmen und deshalb einen wahren Fortschritt bedeuten, das bleibt mir überlassen. Gibt es einen anderen letzten Maßstab als die Wahrheit?

Ich kann mich nicht überall und mit allem auskennen. Ich muss anderen vertrauen. In der Politik glaube ich am ehesten Menschen, die ich für kompetent halte, von denen ich weiß, dass sie ein großes Wissen haben und meinem als richtig erkannten Weltbild am nächsten stehen, da ich glaube, dass sie am besten abschätzen können, welche Lösungen für bestimmte politische Probleme tauglich sind. In jedem anderen Lebensbereich ist es genauso.

In Geschichte, Naturwissenschaften, auch in der Philosophie usw. bin ich an dem interessiert, was wahr ist. Schein, Illusion und Lüge taugen vielleicht für gute Unterhaltung, aber mein Leben richte ich aus nach dem, was ich als wahr erkenne.

Alles hängt also davon ab, WEM ich glaube und WORAN ich glaube. Das “Glauben” allein ist noch keine gute Sache, zu groß ist die Gefahr des Irr- oder Unglaubens (der eben auch eine Art des Glaubens ist, eines unwahren Glaubens, Mythos). Ich könnte Dawkins glauben und daran, dass es Gott “aller Wahrscheinlichkeit nach” nicht gibt oder ich glaube Herrn Lammert und dass die Unterschiede zwischen protestantischem und katholischem Glauben zu gering sind, als dass sie noch immer eine Kirchenspaltung rechtfertigen.

Auch andere, sogar liebe, Menschen mögen mir einen Glauben (mit-)geben wollen, vielleicht schön verpackt als Geschenk, oberflächlich menschenfreundlich und verführerisch mitmenschlich – es wäre, wenn sie ihn nicht selbst von Gott haben, ein menschlicher Glaube, eine Fabelei, eine Illusion nur.

Auch könnte ich mir selbst etwas aussuchen, zurechtstückeln, was ich glauben wollte. Ein zärtlicher, angenehmer Glaube in schönen Bildern, mit freundlichen Worten und schönen Gefühlen. Ein “Glaube”, den ich mir ganz individuell gestalte und der sehr kreativ und betont intellektuell daherkommt. Wenn dieser dem Wort des liebenden und gerechten Gottes,  Seiner Offenbarung an uns Menschen, engegensteht, es wäre vergebliche Liebesmüh und letzlich nur eine Selbsttäuschung. Allein die Wahrheit ist das Maß.

Erst dann, wenn ich den wahren Glauben glaube, erst dann ist Glaube wirklich ein Geschenk: das (Gnaden-) Geschenk Gottes.

Wir kennen das Wort des hl. Apostel Paulus aus dem Brief an Timotheus:
Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden. 2.Tim 4,4
Zurück zum “ich glaube” des apostolischen Glaubensbekenntnisses:
An dieser Stelle im “Credo” bedeutet 'glauben' "nicht 'meinen, dafürhalten, wähnen', sondern hat, wie die Heilige Schrift lehrt, den Sinn einer zweifellosesten Zustimmung, derzufolge die Erkenntnis dem seine Geheimnisse offenbarendem Gott fest und ohne Schwanken zustimmt. Daher glaubt nur der (und dies gehört zur Erklärung dieser Stelle), welcher etwas ohne jeden Zweifel für gewiss und ausgemacht annimmt." (1)


(1) Vgl. Katechismus nach dem Beschlusse des Konzils von Trient, I,2,2


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Das ist recht und gefällt Gott, unserem Retter; er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. 1.Tim 2,4

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Hinweis:
Dieser Beitrag ist Teil eines größeren Projektes einiger Blogger zu dem von Papst Benedikt XVI. ausgerufenen "Jahr des Glaubens", nämlich einem offenen Gemeinschaftsblog ("Das JA des Glaubens"- Bloggerbekenntnisse). Dieser Blog beschäftigt sich in vielfältigen Ansätzen mit dem Apostolischen Glaubensbekenntnis, im Monat November konkret mit dem ersten Wort: "Credo".


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