Montag, 26. September 2011

Was macht einen katholischen Verein aus?

Foto: Lawrence OP, St. Petrus, Rom
Was ist ein "katholischer Verein"? Ist ein Verein allein deswegen schon katholisch, weil ein Bischof, die Kirche, den Vereinsmitgliedern erlaubt, ihren Verein "katholisch" zu nennen? Natürlich ist das ein nicht unwichtiges Kriterium. Nur, was nachweislich dem Ansinnen und der Lehre der Kirche entspricht, darf sich "katholisch" nennen. Das Urteil darüber liegt bei den kirchlichen Oberen. So war es früher, so ist heute noch.

Das Prädikat "katholisch" ist für einen Verein ein Gütezeichen, das allen in der Gesellschaft deutlich macht, dass hier katholische Überzeugungen und katholische Anliegen vertreten werden. Oder? Das war früher so - aber heute?

Heute ist das scheinbar anders. Was macht heute einen katholischen Verein aus? Ist es die Kritik an kirchlichen Positionen? Der Schutz der Menschen vor der Institution Kirche? Verteidigung der Menschenrechte gegen eine "verknöcherte Kirche", die angeblich Frauen und andere diskriminiert? Zeichnen Angriffe gegen Papst und Bischöfe, oder gegen andere Personen, die den Glauben in der heutigen Gesellschaft bekennen, einen katholischen Verein aus? Manchmal möchte man das meinen, wenn man die kirchlichen Nachrichten aufmerksam verfolgt...

Als das Vorbereitungskomitee der XIX. Generalversammlung der katholischen Vereine am 1. Juli 1868 dem Hl. Vater Pius IX. eine Adresse zusandte, gibt es Aufschluss darüber, in welchem Geist  diese Vereine gegründet waren und lebten. Es sei noch erwähnt, dass diese Generalversammlung die Geburtsstunde des Zentralkomitees der deutschen Katholiken werden sollte:



"Heiliger Vater!

(...) nunmehr (werden) (...) gläubige Männer von allen Seiten sich versammeln, um sich im Glauben, den sie bekennen, wechselseitig zu stärken, ihre Vereinigung mit der heiligen Mutter der Kirche, und ihren freudigen Gehorsam gegen den römischen Bischof, den Nachfolger des heiligen Apostels Petrus und Stellvertreters Jesu Christi unseres Herrn auf Erden, der ganzen Menschheit mit lauter Stimme zu bekennen, die kindliche Liebe gegen die heilige Kirche zu nähren, über die Mittel, welche zur Hebung der Religion in den Stürmen dieser Zeit zu ergreifen sind, sich zu beraten, mit gegenseitiger Liebe sich zu entflammen.

Zu wem anders sollen die Unternehmer eines solchen Werkes mit Vertrauen hinblicken als auf unseren Heiligen Vater, welcher als das auf den Leuchter gestellte Licht die Kirche mit seiner himmlischen Lehre erleuchtet, als der feste, durch Christus gesetzte Fels die Brüder stärkt, als der gute Hirt seine Herde zu den Quellen des Heiles führt?

Deine Lehre, Heiliger Vater, wird für unsere Versammlung die Regel des Glaubens, Deine Gebote werden die Richtschnur bei den Anträgen, die verhandelt, bei den Beschlüssen, die gefasst werden, sein.

Deine Geistesstärke wird uns kräftigen, Dein Wohlwollen uns begeistern. Möchte alles, was wir verhandeln werden, dem allmächtigen Gott zur Ehre, der Kirche Gottes zum Wohle und dem durch so viele Sorgen und Schmerzen bedrückten Heiligen Vater zum Troste gereichen..."

aus: Bertram Otto; 100 Jahre Nacht und Tag, AD 1968 (s. Quellen)


Gebe Gott, dass die Vertreter der heutigen katholischen Vereine ebenso offen sind für die Stimme des Hl. Vaters Papst Benedikt XVI.! Nur dann wird es möglich sein, das Vertrauen der Gläubigen wieder zurückzugewinnen.

Aber vielleicht ist es ja wirklich so, wie Walter Kardinal Brandmüller im Vorfeld des Papstbesuches in Deutschland meinte: "Verbände und Gremien organisierter Katholiken (...) könnten kaum als repräsentativ für die deutschen Katholiken angesehen werden – von ihrer fehlenden ‚demokratischen’ Legitimation durch die normalen Gläubigen einmal ganz abgesehen”. Es sei zu beachten, dass der Geist nicht selten ausserhalb der Strukturen weht.

Auf jeden Fall aber gilt:  "Am Ende werde es darauf ankommen, “wie tief die Aussaat des Papstes in den deutschen oft harten und trockenen Boden einzudringen vermag”. Wie das Evangelium lehre, brauche es dann seine Zeit, ehe aus der Aussaat eine Ernte wird." (s. kath.net am 20.09.2011)
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