Dienstag, 13. August 2013

Wenn der Bischof nicht kann - oder nicht will... Irritationen um den Wortlaut von "Summorum pontificum"


Nachdem nun auf der offiziellen Website des Vaticans der Text des Motu proprio "Summorum Pontificum" außer in Latein und Ungarisch auch in Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch und in Deutsch abrufbar ist, haben aufmerksame Beobachter festgestellt, dass in der italienischen, spanischen, portugiesischen und deutschen Fassung die Übersetzung (zumindest) an einer Stelle offensichtlich vom lateinischen Originalwortlaut abweicht.

Ort des Geschehens ist Art. 7:
Art. 7. Ubi aliquis coetus fidelium laicorum, de quo in art. 5 § 1 petita a parocho non obtinuerit, de re certiorem faciat Episcopum dioecesanum. Episcopus enixe rogatur ut eorum optatum exaudiat. Si ille ad huiusmodi celebrationem providere non vult res ad Pontificiam Commissionem “Ecclesia Dei” referatur.

Während es in der Originalfassung in Art. 7 heißt "(lat.) non vult" - "(dt.) nicht will" heißt es in der deutschen und den anderen genannten Übersetzungen "nicht kann":

Latein:
Si ille ad huiusmodi celebrationem providere non vult res ad Pontificiam Commissionem “Ecclesia Dei” referatur. 

Deutsch:
Wenn er für eine Feier dieser Art nicht sorgen kann, ist die Sache der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ mitzuteilen. 

Diese Abweichung resultiert, wie auch der Vatikanist Sandro Magister auf seinem Blog "Settimo cielo" erwähnt, aus einer älteren (ersten) lateinischen Version des Motu proprio, die zwischen dem Zeitpunkt der Veröffentlichung 07.07.2007 und dem Erscheinen in dem "Amtsblatt" des Vatikans, den sogenannten "Acta Apostolicae Sedis" (AAS), am 07.09.2007 an einigen Stellen etwas abgewandelt - konkretisiert - wurde.

In den oben genannten Sprachen scheint man nun die Übersetzung der ersten Ausgabe nicht nachgebessert zu haben. Jedenfalls ist eine mutwillige Verfälschung der Übersetzung mit ziemlicher Sicherheit nicht die Ursache der Abweichungen (eher wohl Vergesslichkeit oder Bequemlichkeit).

In dem von der Deutschen Bischofskonferenz im Jahre 2007 herausgegebenen pdf-Format der "Verlautbarungen des Heiligen Stuhls" Nr. 178 sind sowohl der ursprüngliche lateinische Text wie auch dessen Übersetzung einzusehen. Dort heißt es entsprechend im lateinischen Text:

Ursprüngliche Fassung:
Si ille ad huiusmodi celebrationem providere non potest res ad Pontificiam Commissionem „Ecclesia Dei“ referatur.

Am 14. März 2008 hatte Gianni Cardinale einen Artikel in "Avvenire" (hier via "una voce venetia") publiziert, in dem er auf die Änderungen im offiziellen Text von "Summorum Pontificum" hinwies. Demnach gab es folgende Änderungen (anhand des pdf-Dokumentes der DBK kann dies im Vergleich zu der auf vatican.va veröffentlichten lateinischen Version - mit Ausnahme des Untertitels - verifiziert werden):
1. Zunächst sei ein Untertitel hinzugefügt worden:
De uso extraordinario antiquae formae Ritus Romani
Über die Anwendung der außerordentlichen älteren Form des Römischen Ritus

2. in Art. 1 wurde die das Wort "conditiones" durch die korrekte Form "condiciones" ersetzt

3. in Art. 3 wurde der Begriff "plerumque" (vorwiegend) mit "habitualiter" (gewöhnlich) ersetzt, ohne jedoch damit den Inhalt zu ändern

4. in Art. 5 §1 der Begriff "continenter" (dauerhaft, ununterbrochen) wurde durch "stabiliter" (beständig, dauerhaft) ersetzt; ersterer hätte zu dem Missverständnis führen können, dass eine Gruppe von Gläubigen nur dann das Recht auf eine alte Messe hätte, wenn die Gruppe bereits vor der Publikation des Motu proprio bestanden hätte, und nicht auch als Folge davon.
und schließlich:
5. in Art. 7 "si ... non potest" (wenn er nicht kann) wurde ersetzt durch "si ... non vult" (wenn er nicht will)

Maßgeblich ist jeweils der Text, der in den AAS veröffentlicht wurde, in diesem Falle also "non vult". Ein Fall, in dem Gläubige um die Feier der alten Messe bitten, der Pfarrer dem nicht entspricht und auch der Bischof nicht helfen kann, ist eigentlich nicht denkbar. Denkbar ist aber (leider) der Fall, in dem auch der Bischof den Gläubigen die Feier der Heiligen Messe in der außerordentlichen, älteren Form des Römischen Ritus nicht zugestehen will. In diesem Fall also mögen sich die Gläubigen an die Kommission "Ecclesia Dei" wenden.


Hilfestellungen bietet in solchen Fällen gerne auch die Laieninitiative "Pro Missa Tridentina" (PMT).

Kontakt:
Laienvereinigung für den klassischen römischen Ritus in der Katholischen Kirche e.V.
Pro Missa Tridentina
Fraschstraße 6
D-70825 Korntal

Telefon: 0711 / 83 87 877
Telefax: 0711 / 83 87 878
E-Mail: info@pro-missa-tridentina.org

Alle Fragen rund um die "alte Messe" kann man auf Introibo.net stellen und bekommt dort sachkundige Auskunft:


Foto: Tridentinische Messe ("außerordentliche oder ältere Form des Römischen Ritus"), Bistum Speyer 2009; Joachim Specht; wikipedia

Montag, 12. August 2013

Politik und christliche Werte - Zu Äußerungen von Erzbischof Zollitsch zur "Alternative für Deutschland" (AfD)

Vor wenigen Tagen hatte der Erzbischof von Freiburg und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Dr. Robert Zollitsch, in einem Zeitungsinterview öffentlich geäußert, er wünsche, dass eine bestimmte, namentlich genannte Partei, ("Alternative für Deutschland (AfD)") bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 an der Fünf-Prozent-Klausel scheitern und nicht in das Parlament einziehen solle. Seine Begründung: „Unsere Zukunft liegt in Europa und nicht in der Rückkehr in die Nationalstaaten.“ Er nannte die politisch engagierten Mitglieder der Partei "ein paar Nostalgiker" und begründete seine politische Überzeugung über die Alternativlosigkeit der europäischen Währungsunion mit dem Satz: „Denn der (Anm.: Euro) zwingt uns, weiter zusammenzukommen.“

Die Empfehlungen und politischen Vorstellungen des Freiburger Oberhirten lösen indessen bei Christen Befremden aus. In einem Video-Interview zu seinem 75. Geburtstag mit einem Vertreter der "Katholischen Nachrichten-Agentur" (KNA) freute er sich darüber, dass Angela Merkel inzwischen Positionen vertrete, die vor einigen Jahren noch die SPD vertreten hätte. Und zur Wählbarkeit der Partei Bündnis 90/ DIE GRÜNEN zitiert im August 2011 “ZeitOnline” die Meinung des Erzbischofs:
"Positiv äußerte sich der Freiburger Erzbischof zu den Grünen: “Auch bei den Grünen stelle ich immer wieder Übereinstimmungen mit christlichen Überzeugungen fest”, sagte Zollitsch, “da hat sich sicher einiges verändert seit den Anfängen der Grünen.” Sie seien “eine Partei, in der viele Christen sich beheimatet fühlen”.

Die Kandidatin der AfD, Beatrix von Storch, schrieb als Antwort auf die Äußerungen gegen die AfD einen offenen Brief an Erzbischof Zollitsch (freiewelt vom 09.08.2013):
Sehr geehrter Herr Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz,

von Ihnen hätten die deutschen Bürger eine Verteidigung christlicher Werte erwartet. Nun sehen sie mit Erstaunen einen katholischen Bischof, der das Einführen eines Machtstrukturprojektes dem Schutz christlicher Werte vorzieht. Sie warnen vor der Wahl der Alternative für Deutschland (AfD), nicht vor der der Piraten oder der Grünen, die – anders als die AfD – klar unchristliche Werte vertreten.

Herr Erzbischof Zollitsch, was vertritt die AfD, daß Sie so unkontrolliert gegen sie vorgehen? Für die AfD ist z.B. Familie die Keimzelle der Gesellschaft, also Vater, Mutter Kind. Die Piraten werben mit „Vater, Vater, Kind“- und sie wollen – als katholischer Bischof – daß wir scheitern? Sie missbrauchen Ihr Amt, um vor uns zu warnen?

Die Grünen wollen die Homo-Ehe. Und Sie warnen – als katholischer Bischof – nicht vor den Grünen, sondern der AfD? Was ist Ihre Aufgabe?

Die deutsche Verfassung bezieht sich auf Gott. Das dahinterstehende Menschenbild ist ein jüdisch-christliches. Die europäische Verfassung kennt keinen Gott. Das Menschenbild ist ein utilitaristisches, das den Nutzen in den Vordergrund stellt, nicht Werte. Und da sehen Sie – als katholischer Bischof – unsere Zukunft? Wo stehen Sie?

Der Euro spaltet Europa. Er bringt die Bürger und Völker gegeneinander auf. Er schafft von Tag zu Tag mehr Armut und Verzweiflung bei den Menschen. Er macht aus Nachbarn Schuldner und Gläubiger. Das ist, was Sie wollen?

Durch die sog. Euro-Rettungspolitik werden Menschen nicht gerettet. Das Gegenteil ist der Fall. Banken und Spekulanten, die Staaten erpressen und sich auf Kosten der Bürger bereichern, wird geholfen. Den Menschen im Süden geht es jeden Tag schlechter. Dem reden Sie das Wort?

Sie sagen „Unsere Zukunft liegt in Europa und nicht in der Rückkehr zu den Nationalstaaten“. „Rückkehr zu den Nationalstaaten“? Sind die denn schon abgeschafft? Von wem? Die Souveränität zur Abschaffung Deutschlands liegt ausschließlich beim deutschen Volk, nicht bei den Abgeordneten. Die Abgeordneten haben unsere Souveränität nur auf vier Jahre verliehen bekommen. Nach den vier Jahren fällt die Souveränität an den Bürger zurück. Und in der Zwischenzeit kann kein Politiker diese Souveränität an Dritte abgegeben. Das garantiert uns unsere Verfassung. Die AfD steht zu dieser Verfassung. Und Sie warnen vor uns?

Sie nennen uns „ein paar Nostalgiker”, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern sollten.

Erzbischof Zollitsch, nur noch ein paar Träumer, aber vor allem die Spekulanten, Bänker, Politiker und Lobbyisten verschließen ihre Augen vor der Realität. Sie nennen uns Nostalgiker? In der Tat: wir sehnen uns nach Anständigkeit, Redlichkeit und Ehrlichkeit gegenüber den Bürgern. Wir wollen, daß die Regierungen sich an die EU-Verfassung halten. Wir wollen nicht mehr, daß Macht vor Recht geht. Wir wollen nicht, daß die Bürger und ganze Völker durch die Verschuldung in die Knechtschaft gebracht werden. Das ist Fakt in Griechenland und Zypern, Portugal und anderen Ländern. Machen Sie die Augen auf, sehen Sie die Realität an.

Sie meinen, wir brauchen den Euro, “denn der (Euro) zwingt uns, weiter zusammenzukommen.“ Der Mammon als identitätsstiftendes Bindeglied für Europa, statt gemeinsamer Werte? Europa ist nicht eine Währungseinheit durch Zwang, sondern eine Wertegemeinschaft in Freiheit, die sich auf der Identität des christlichen Abendlandes begründet. Sehen Sie das anders?

Herr Erzbischof, ist es nicht Ihre Aufgabe, sich für den Schutz christlicher Werte einzusetzen und sich um die Armen und Schwachen zu kümmern, statt sich auf die Seite von Macht und Geld zu schlagen? Bitte stellen Sie unverzüglich klar, daß Sie von den deutschen Bischöfen kein Mandat haben, öffentlich gegen die AfD Stellung zu beziehen. Gerne erwarte ich Ihre Antwort.

Die Bürger sind müde ob der Lügen, des Betruges und des Machtmissbrauches der Politik zu Lasten ihrer Freiheit und ihrer Ersparnisse. Wir, die Alternative für Deutschland, treten am 22. September 2013 dagegen zur Wahl an. Sie wollen, daß wir scheitern?

Erzbischof Zollitsch- wir werden Sie enttäuschen.


Mit freundlichen Grüßen,

Beatrix von Storch

Eine Wahl-Empfehlung ganz anderer Art gab der Metropolit von Köln, Joachim Kardinal Meisner vor wenigen Monaten im Hinblick auf das "Superwahljahr 2013". Er gab Antwort auf die Frage, welche Partei ein Katholik wählen könne (Joachim Kardinal Meisner am 05. Oktober 2012 auf der Plattform "Direkt zum Kardinal"):
Sehr geehrter Herr NN
(...)
Nur diejenigen Politiker und Politikerinnen sind für uns Christen wählbar, die sich in ihren politischen Auffassungen für die Würde des Menschen einsetzen, und zwar in seiner Unantastbarkeit und Heiligkeit von der Empfängnis im Mutterleib bis zu seinem Tod. Der Mensch darf also nicht im Mutterleib abgetrieben und auch nicht in Krankheit und Alter durch Hilfe zur Selbsttötung in anderer Form am Ende seines Lebens „abgetrieben“ werden. 
Außerdem sind nur die Politiker für einen Christen wählbar, die für die Einmaligkeit und Unvergleichbarkeit von Ehe und Familie eintreten und die für eine familienorientierte Erziehung der Kinder Sorge tragen. Ebenfalls halte ich es für selbstverständlich, dass nur solche Politiker wählbar sind, die Ehrfurcht vor Gott haben und die Zehn Gebote Gottes respektieren. 
Der Apostel Paulus gibt uns die Mahnung: „Prüft alles, und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5,21). Das gilt auch für die nächste Bundestagswahl. Prüfen Sie kritisch die Politiker und geben Sie nur denen Ihre Stimme, die der Wirklichkeit Mensch als Ebenbild Gottes entsprechen.
Mit freundlichen Grüßen


+ Joachim Kardinal Meisner

 

Ob die im April 2013 gegründete Partei "Alternative für Deutschland (AfD)" eine Alternative zu anderen Parteien - oder auch zu der von vielen bevorzugten Option, ihre Stimme zu verweigern, aus welchen Gründen auch immer, darstellt, möge der geneigte Leser selbst beantworten...


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Benedikt XVI. zur Frage einer politisch aktiven Kirche:

"Diese politische Arbeit fällt nicht in die unmittelbare Zuständigkeit der Kirche. Die Respektierung einer gesunden Laizität – einschließlich der Vielfalt politischer Einstellungen – hat in der authentischen christlichen Tradition ihren wesentlichen Platz. Wenn die Kirche sich direkt in ein politisches Subjekt zu verwandeln begänne, würde sie für die Armen und für die Gerechtigkeit nicht mehr tun, sondern weniger, weil sie ihre Unabhängigkeit und ihre moralische Autorität verlieren würde, wenn sie sich mit einem einzigen politischen Weg und mit diskutierbaren Parteipositionen identifiziert.

Die Kirche ist Anwältin der Gerechtigkeit und der Armen, eben weil sie sich weder mit den Politikern noch mit Parteiinteressen identifiziert. Nur wenn sie unabhängig ist, kann sie die großen Grundsätze und unabdingbaren Werte lehren, den Gewissen Orientierung geben und eine Lebensoption anbieten, die über den politischen Bereich hinausgeht.

Die Gewissen zu bilden, Anwältin der Gerechtigkeit und der Wahrheit zu sein, zu den individuellen und politischen Tugenden zu erziehen – das ist die grundlegende Berufung der Kirche in diesem Bereich. Und die katholischen Laien müssen sich ihrer Verantwortung im öffentlichen Leben bewußt sein; sie müssen in der notwendigen Konsensbildung und im Widerstand gegen die Ungerechtigkeiten präsent sein."

Ansprache am 13.05.2013 in Aparecida zur Eröffnung der Generalversammlung der Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik



Weiteres zum Thema "Wahlen":
Welche Politiker kann man als Christ wählen?

"Ragg's Domspatz": Veranstaltungen im Westallgäu am 05. und am 12. September 2013

Hinweisen möchte ich auf zwei Veranstaltungen von "Ragg's Domspatz" im Westtallgäu:


Erster Vortrag von Michael Ragg:

Gebetsstätte Wigratzbad: Bildvortrag über das katholische Berlin

Zum Thema „Oasen des Glaubens – Hoffnungsvolles aus dem ‚heidnischen Berlin‘“ spricht der Journalist und Unternehmer Michael Ragg am Donnerstag, 5. September, um 17:00 Uhr, im Pfingstsaal der Gebetsstätte Wigratzbad im Landkreis Lindau. Der Eintritt ist frei. Übernachtungen sind möglich, um rechtzeitige Reservierung wird gebeten. Nähere Informationen gibt es unter Telefon: 0 83 85 / 9 20 70.

Der Referent nimmt die Zuhörer mit auf eine Bildreise durch das christliche, vor allem das katholische Berlin. Berlin steht seiner Ansicht nach heute schon vor Herausforderungen, die bald auch den Süden und Westen Deutschlands erreichen. Gerade in der deutschen Hauptstadt zeige sich aber, dass der Glaube auch und gerade dort eine Zukunft hat, wo er sich in schwierigem Umfeld neu bewähren muss. Der Vortrag möchte auch die vielen Berlin-Touristen dazu einladen, ein weitgehend verborgenes Stück Berlin kennenzulernen.
Donnerstag, 05.09. 2013
17:00 Uhr
Gebetsstätte Wigratzbad
Pfingstsaal
Kirchstraße 18
88145 Wigratzbad

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Zweiter Vortrag von Michael Ragg:

Opfenbach: "Das christliche Menschenbild"

Über „das christliche Menschenbild und seine Gegner“ spricht der Journalist und Unternehmer Michael Ragg am Donnerstag, 12. September, auf einer Veranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Lindau. Der öffentliche Vortrag im Sankt-Anna-Haus in Opfenbach, Kirchplatz 4 (neben der Pfarrkirche), beginnt um 19:30 Uhr

Auf das christliche Menschenbild als Grundlage ihrer Politik beruft sich Bundeskanzlerin Angela Merkel gerade vor der Bundestagswahl wieder häufig. Meist geht sie aber nicht näher darauf ein, was sie darunter versteht. Der Referent geht der Frage nach, was dieses Menschenbild tatsächlich ausmacht und welche Auswirkungen die christliche Auffassung vom Menschen in Staat und Gesellschaft hat. Er macht deutlich, welche konkurrierenden Menschenbilder es gibt und was es bedeutet, wenn die Politik anderen Leitbildern folgt.
Donnerstag, 12.09.2013 
19:30 Uhr
St. Anna-Haus (neben der Pfarrkirche)
Kirchplatz 4
88145 Opfenbach




Michael Ragg war von 1998 bis 2009 Pressesprecher der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“. Jetzt leitet er das Unternehmen „Ragg`s Domspatz“, eine Agentur für christliche Kultur. Bekannt ist der Referent vor allem als Moderator auf einer Reihe christlicher Radio- und Fernsehsender im gesamten deutschen Sprachraum, als Organisator katholischer Kongresse, als Redner und Publizist. Seit 2011 veranstaltet seine Agentur auch „Pilger-Studienreisen in das katholische Berlin“. Nähere Informationen: www.raggs-domspatz.de


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Sonntag, 11. August 2013

"Summorum Pontificum" nun auch in deutscher Übersetzung auf der offiziellen Vatikan-Seite

Sechs Jahre nach dem Inkrafttreten ist nun endlich das Motu proprio "Summorum Pontificum" auch in deutscher Übersetzung auf der offiziellen Website des Vatikans zu lesen. Bis vor Kurzem war es dort nur im lateinischen Originaltext und in ungarischer Sprache veröffentlicht. Deutsche Übersetzungen waren bei der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) als "Verlautbarungen des Hl. Stuhls" (Nr. 178)   als pdf-Dokument abrufbar oder z. B. über das Blog "Summorum Pontificum" (hier) und bei kath.net (hier).

Neben der deutschen Version wurden auch Übersetzungen in weitere Sprachen hinzugefügt:



Aus dem Motu proprio "Summorum Pontificum" von Papst Benedikt XVI., inkraftgetreten am 07.07.2007:

(...) Demgemäß ist es erlaubt, das Meßopfer nach der vom sel. Johannes XXIII. im Jahr 1962 promulgierten und niemals abgeschafften Editio typica des Römischen Meßbuchs als außerordentliche Form der Liturgie der Kirche zu feiern. Die von den vorangegangenen Dokumenten „Quattuor abhinc annos“ und „Ecclesia Dei“ für den Gebrauch dieses Meßbuchs aufgestellten Bedingungen aber werden wie folgt ersetzt:
Art. 2. In Messen, die ohne Volk gefeiert werden, kann jeder katholische Priester des lateinischen Ritus – sei er Weltpriester oder Ordenspriester – entweder das vom sel. Papst Johannes XXIII. im Jahr 1962 herausgegebene Römische Meßbuch gebrauchen oder das von Papst Paul VI. im Jahr 1970 promulgierte, und zwar an jedem Tag mit Ausnahme des Triduum Sacrum. Für eine solche Feier nach dem einen oder dem anderen Meßbuch benötigt der Priester keine Erlaubnis, weder vom Apostolischen Stuhl noch von seinem Ordinarius.

Art. 3. Wenn Gemeinschaften der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens – seien sie päpstlichen oder diözesanen Rechts – es wünschen, bei der Konvents- bzw. „Kommunitäts“-Messe im eigenen Oratorium die Feier der heiligen Messe nach der Ausgabe des Römischen Meßbuchs zu halten, die im Jahr 1962 promulgiert wurde, ist ihnen dies erlaubt. Wenn eine einzelne Gemeinschaft oder ein ganzes Institut bzw. eine ganze Gesellschaft solche Feiern oft, für gewöhnlich oder ständig begehen will, ist es Sache der höheren Oberen, nach der Norm des Rechts und gemäß der Gesetze und Partikularstatuten zu entscheiden.

Art. 4. Zu den Feiern der heiligen Messe, von denen oben in Art. 2 gehandelt wurde, können entsprechend dem Recht auch Christgläubige zugelassen werden, die aus eigenem Antrieb darum bitten.

Art. 5 § 1. In Pfarreien, wo eine Gruppe von Gläubigen, die der früheren liturgischen Tradition anhängen, dauerhaft existiert, hat der Pfarrer deren Bitten, die heilige Messe nach dem im Jahr 1962 herausgegebenen Römischen Meßbuch zu feiern, bereitwillig aufzunehmen. Er selbst hat darauf zu achten, daß das Wohl dieser Gläubigen harmonisch in Einklang gebracht wird mit der ordentlichen Hirtensorge für die Pfarrei, unter der Leitung des Bischofs nach der Norm des Canon 392, wobei Zwietracht zu vermeiden und die Einheit der ganzen Kirche zu fördern ist.

§ 2. Die Feier nach dem Meßbuch des sel. Johannes XXIII. kann an den Werktagen stattfinden; an Sonntagen und Festen kann indes ebenfalls eine Feier dieser Art stattfinden.

§ 3. Gläubigen oder Priestern, die darum bitten, hat der Pfarrer auch zu besonderen Gelegenheiten Feiern in dieser außerordentlichen Form zu gestatten, so z. B. bei Trauungen, bei Begräbnisfeiern oder bei Feiern zu bestimmten Anlässen, wie etwa Wallfahrten. (...)

Vor genau einer Woche, am 03. August 2013, war Erzbischof Guido Pozzo in das Amt des Sekretärs für die Kommission "Ecclesia Dei" zurückberufen worden. Diese Kommission hat die Aufgabe, einzelne Gläubige oder Gemeinschaften, die sich der älteren Form des römischen Ritus verbunden fühlen, zu unterstützen (s..Moto Pproprio "Ecclesia Dei" vom 02.07.1988)



INSTRUKTION der Kommission "Ecclesia Dei" über die Ausführung des als Motu proprio erlassenen Apostolischen Schreibens "Summorum Pontificum" (s.o.) von Papst Benedikt XVI.

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Samstag, 10. August 2013

Keine Weitergabe des Glaubens, ohne nicht selbst fest im Glauben der Kirche verwurzelt zu sein

"Das Maß der Festigkeit unseres Glaubens, auf persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene, ist auch unsere Fähigkeit, ihn an andere weiterzugeben, ihn zu verbreiten, ihn in der Liebe zu leben und unter allen zu bezeugen, denen wir begegnen und die mit uns den Weg des Lebens teilen."


Papst Franziskus in der diesjährigen Botschaft zum Weltmissionssonntag (20. Oktober 2013)




Was glaube ich, wenn ich katholisch bin?
Diese Frage beantwortet der Katechismus der Kirche. Dort kann man nachlesen, was dieser katholische Glaube ist, den Christus seiner Kirche anvertraut hat. Der katholische Weltkatechismus enthält weitgehend die katholische Glaubens- und Sittenlehre. Er ist eine "sichere Norm für die Lehre des Glaubens" und führt den Menschen die "Kraft und die Schönheit des Glaubens vor Augen" (Zitate aus Porta fidei).





"Wie man feststellen kann, ist die Kenntnis der Glaubensinhalte wesentlich, um die eigene Zustimmung zu geben, das heißt um sich dem, was von der Kirche vorlegt wird, mit Verstand und Willen völlig anzuschließen. Die Kenntnis des Glaubens führt in das Ganze des von Gott offenbarten Heilgeheimnisses ein. Die gegebene Zustimmung schließt also ein, daß man, wenn man glaubt, freiwillig das gesamte Glaubensgeheimnis annimmt, denn der Bürge für seine Wahrheit ist Gott selbst, der sich offenbart und es ermöglicht, sein Geheimnis der Liebe zu erkennen.[1] "
[1] Vgl. Erstes Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. III: DS 3008-3009; Zweites Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. über die göttliche Offenbarung Dei Verbum, 5




Foto: Hl. Theresia von Lisieux, Patronin der Missionare und der Missionen; Statue in Marienfried

15. August 2013, 19.00 Uhr Lichterprozession in Maria Vesperbild

Herzliche Einladung zur
Lichterprozession mit Migrationshintergrund 

In einigen bayerischen Gemeinden wird in diesem Jahr der Festtag Mariä Himmelfahrt zum letzten Mal als staatlicher Feiertag gefeiert werden. In anderen Kommunen wird das Fest zum ersten Mal auch als staatlich geschützter Feiertag begangen, denn der Feiertagscharakter dieses Marienfestes hängt in Bayern von der Anzahl der Katholiken ab. Da, wo die Katholiken die Mehrheit bilden, ist dieses Fest auch ein staatlicher Feiertag, da, wo sie eine numerische Minderheit sind, gilt „business as usual“. In Oberfranken z.B. wird in mehr als der Hälfte der Kommunen an diesem Tag gearbeitet und in Mittelfranken sind es nur knapp 19 Prozent der Gemeinden, die mehrheitlich katholisch sind. 

So ist gerade die Feier dieses Marienfestes irgendwie auch eine demokratische Manifestation, sie hängt ja von Mehrheitsverhältnissen ab. 

Der Wallfahrtsdirektor betont, das in diesem Jahr die Lichterprozession am 15. August eine ganz besondere Note erhält: es war nämlich ein syrischer Papst, der in Rom die Prozession zu diesem Marienfest eingeführt hatte: Papst Sergius I. Ein in Palermo geborener Syrer führt als Bischof von Rom die Prozession zu Mariä Himmelfahrt ein. Auf den gleichen Papst geht die Einführung des „Agnus Dei“ in der hl. Messe zurück. Die Lichterprozession an diesem Marienfest zeigt die Kirche als „Global Player“ und gewinnt vor dem Hintergrund der kriegerischen Auseinandersetzung in Syrien eine ganz eigene Dynamik. Sergius I. war ein Papst mit Migrationshintergrund, ihm verdankt die Kirche viel, wir verdanken ihm die Lichterprozession am 15. August. So fließt in diesem Fest gerade in Bayern vieles zusammen. Es ist ein demokratisches Fest, weil es die Mehrheitsverhältnisse widerspiegelt, es ist fest verankert im bayerischen Brauchtum durch die feierliche Segnung der Kräuterbuschen und dazu kommt in den großen Wallfahrtsorten Bayerns die abendliche Lichterprozession, die von einem syrischen Papst mit Migrationshintergrund eingeführt worden ist.

Dieser Migrationshintergrund lenkt unseren Blick auf die Situation der Christen in Syrien. Diese Situation ist heute katastrophal, ein Grund mehr an der Lichterprozession, die ein Syrer eingeführt hat, teilzunehmen und dabei auch für Syrien, besonders die syrischen Christen zur Gottesmutter zu beten. 

(Presse-Info von Maria Vesperbild)


15. August 2013, 19.00 Uhr Lichterprozession in Maria Vesperbild
Weitere Informationen auf der Homepage von Maria Vesperbild



Bild: Himmelfahrt Mariens; Ludwig von Löfftz (1845–1910); wikimedia commons

Missbräuche und Priesterjahr

Die Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen waren im Priesterjahr 2009/2010 in aller Munde, besonders die durch katholische Priester begangenen. Zwar bewegen sie sich quantitativ, verglichen mit der vermuteten Gesamtzahl, in einem eher kleinen Rahmen. Und doch beschäftigten sie die Öffentlichkeit mehr als derartige Vergehen durch Lehrer, Psychotherapeuten oder Sporttrainer.

Das kann man auch verstehen. Denn obgleich die meisten unserer Zeitgenossen keine gläubige Auffassung vom Priestertum haben, betrachten sie dieses eben doch nicht als „Job wie jeden anderen“. Daher wächst dem sexuellen Missbrauch durch den Priester auch in den Augen glaubens- und kirchenfremder Menschen eine weitere, besonders schwerwiegende Dimension zu. Unvergleichlich hoch ist nun einmal der moralische und geistliche Anspruch eines Mannes, der zum „Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes“ (1 Kor 4,1) geweiht wurde und der die heiligsten Handlungen „in persona Christi“ vollzieht. Hat der Bischof nicht seine Hände gesalbt, „auf dass alles, was sie segnen, gesegnet, und was sie weihen, geweiht sei“ (Ritus der Priesterweihe)? So wiegt ein Verbrechen, begangen durch solche Hände, nochmals schwerer. Der fürchterliche Vertrauensbruch, die triebhaft-abartige Ausbeutung eines jungen Menschen, ja oftmals die Zerstörung seines Lebens durch einen Priester ist eine Schandtat, die zum Himmel schreit!

Die berechtigte Entrüstung über die Vorkommnisse wurde durch eine gezielte Aktion der Medien erkennbar verschärft. Deren kirchenfeindliche Absicht war und ist leicht durchschaubar: „Écrasez l’infame! - Macht sie nieder, die Schändliche“, so hatte schon vor gut 250 Jahren der französische Freidenker Voltaire gefordert und damit zum Vernichtungskampf gegen die katholische Kirche aufgerufen. In den Pressebüros des Kommunismus und Nationalsozialismus wurde das Unternehmen getreulich fortgesetzt. Die heutige Medienwelt steht weitgehend in dieser Linie.

Aber kann man es dem Journalistenheer, das sich längst von der Religion entfernt hat und zur Dienerin der öffentlichen Sensationslust geworden ist, ernsthaft verübeln, wenn es sich den Skandal – auch unter Verzerrung vieler Tatsachen – zunutze macht? Das wäre wohl zu hoch vom Berufsethos dieser Leute gedacht (von denen sich einige bekanntermaßen vor nicht allzu langer Zeit selbst noch für einen freieren sexuellen Umgang mit Minderjährigen einsetzten). Außerdem müsste solche Medienkritik fast zwangsläufig als Ablenkungsmanöver aufgefasst werden: Priester missbrauchen Kinder, und ihr Katholiken habt nichts anderes zu tun, als die Berichterstatter zu beschimpfen...

Zu welchen Gedanken aber geben die Vorkommnisse uns Anlass? Wir erinnern uns nicht ohne schmerzliche Empfindung daran, dass die Wellen im „Jahr der Priester“ besonders hoch schlugen. Ausgerechnet! Doch vielleicht liegt in diesem unglücklichen Zusammenfall auch eine heilsame, wenngleich überaus bittere Lehre beschlossen?

Angesichts der Missbrauchsfälle stellt sich unausweichlich die Frage: Wie konnte es dazu kommen? Die verbreitete Antwort, die versucht, die verbrecherische Perversion als giftige Frucht kirchlicher Sexualmoral im allgemeinen und der Zölibatsverpflichtung im besonderen hinzustellen, erweist sich im Blick auf das authentische Lebenszeugnis so vieler vorbildlicher Priester als irrig. Auch anerkanntermaßen unbefangene, nichtkatholische Fachleute haben der Verknüpfung Zölibat-Kindsmissbrauch ihre Berechtigung abgesprochen.

Aber wie steht es in diesem Zusammenhang mit den innerkirchlichen Entwicklungen der zurückliegenden Jahrzehnte; mit jenen Umtrieben, die keinen Glaubenssatz, kein sittliches Gebot und keine disziplinäre Maßnahme der Kirche unbekrittelt und unangetastet ließen? Kann es verwundern, dass die Leugnung der sakramental-übernatürlichen Identität des Priesters, die Entsakralisierung der Kirchen und Gottesdienste, die Umgestaltung der Priesterseminarien in freie Wohngemeinschaften usw. ihre Spuren im Leben der Kleriker hinterlassen hat? Wo die Ausrichtung auf den heiligen Sinn des Berufes, die Vermittlung zwischen Gott und den Menschen in Gebet und Opfer, verlorengeht, da brechen bald andere Mächte ein: „Die verwaisten Altäre sind von Dämonen bewohnt.“ (Ernst Jünger)

Eine kirchliche Besinnung müsste heute wohl Fragen wie diesen nachgehen: Was können wir tun, um unter den Bewerbern für das Priestertum den guten Weizen von der Spreu zu trennen? Welche geistliche und asketische Formung, welches Maß an Strenge und Nüchternheit ist dabei vonnöten, um labile und krankhafte Persönlichkeiten rechtzeitig auszuscheiden? Welche Irrlehren an den Fakultäten, welche Missstände in den Seminaren bedrohen den Glauben und die Sittlichkeit der künftigen Priester? Wie können wir die uns anvertrauten Berufungen besser als bisher zu einem frohen, erfüllten Leben der Hingabe an Gott und des apostolischen Dienstes führen?

Allgemein ist es die Frage, ob die jungen Männer genügend vorbereitet werden auf das, was ihnen der Bischof in der Weiheliturgie auftragen wird: „Bewahret in euren Sitten unversehrt ein keusches und heiliges Leben. Erkennet, was ihr tut, ahmet nach, was ihr verrichtet! Wenn ihr also das Geheimnis des Todes des Herrn feiert, so seid bedacht, in euren Gliedern alle Laster und Lüste zu ertöten. Eure Lehre sei eine geistliche Medizin für das Gottesvolk, der Wohlgeruch eures Lebens eine Erquickung für die Kirche, damit ihr durch Predigt und Vorbild das Haus, das die Familie Gottes ist, erbauet und weder wir dafür, dass wir dieses Amt euch übertragen, noch ihr dafür, dass ihr es übernommen habt, vom Herrn verdammt, sondern vielmehr belohnt zu werden verdient...“

Nein, wir wollen keineswegs behaupten, das gesamte Desaster sei durch die Beantwortung dieser Fragen zu überwinden. Sicher ist aber, dass es sich hier um einen neuralgischen Punkt handelt. Ihn nicht anrühren zu wollen würde bedeuten, die Augen vor den Tatsachen zu verschließen.

P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad



Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)




Weiteres zum Thema:

Freitag, 9. August 2013

Kardinal Kasper sieht Beichtsakrament als Rettungsanker für umkehrwillige zivil wiederverheiratete Geschiedene

Bei der Predigt zum Festgottesdienst anlässlich des 75. Geburtstags des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch erinnerte der Festprediger Walter Kardinal Kasper daran, dass auch in schwierigen Fällen das Gebot Gottes gelte. Auch im Hinblick auf die Problematik von zivil wiederverheirateten Geschiedenen gelte dies. In der Kirche gebe es aber für Umkehrwillige immer eine zweite, eine neue Chance. Vielleicht sei gerade in diesem Fall das Sakrament der Buße eine Lösung, die man vielleicht noch nicht deutlich genug gesehen oder auch übersehen habe.

Nach der Predigt erhielt der Kardinal Applaus von den Gottesdienstbesuchern.

Erzbischof Zollitsch lässt seit Jahren zahlreiche Priester (es bekennen sich mehr als zehn Prozent seines Diözesanklerus dazu) gewähren, die zivil wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zulassen, obwohl dies nach dem Glauben der Kirche und folglich durch das Kirchenrecht untersagt ist. Unter dem Ungehorsam der Priester und der betroffenen Gläubigen leidet die ganze Kirche abgesehen von der Verwirrung, die er unter allen Gläubigen stiftet.

Katholiken, deren Ehe zivil geschieden wurde und die (obwohl der erste Ehepartner noch unter den Lebenden weilt) vor dem Standesamt eine zweite zivile Ehe eingegangen sind, leben in fortgesetztem Ehebruch, den die Kirche als öffentliche schwere Sünde erkennt. Das hat zur Folge, dass diese Gläubigen nicht im Stand der heiligmachenden Gnade sind und sich folglich aus der Kommuniongemeinschaft selbst ausschließen. Die Kirche verwehrt Gläubigen, die nicht im Stand der heiligmachenden Gnade sind, die Teilnahme am Sakrament der Einheit, also den Empfang der hl. Kommunion. Diese Situation kann nur durch Umkehr des Betroffenen, das heißt durch die Absolution durch den Priester im Namen der Kirche nach Bereuen und Beichten der Verfehlungen geheilt werden.

Ebenso klärt Erzbischof Zollitsch auch die Gläubigen nicht über die Zusammenhänge dieser Problematik auf, sondern macht ihnen Hoffnungen, dass sie ohne Bekehrung und trotz Verharrens in einem ungeordeneten eheähnlichen Verhältnis auch mit kirchlichem Segen zur Kommunion zugelassen werden könnten. Erst vor wenigen Tagen (am 06.08.2013) wiederholte er seine Ansicht in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", dass er "Veränderungen in der katholischen Kirche beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen für möglich" halte.

Vor wenigen Wochen (s. "Tagespost" vom 15. Juni 2013) hatte der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, nochmals ausführlich die Lehre der Kirche bezüglich des Umgangs mit zivil wiederverheirateten Geschiedenen dargelegt. Dennoch unternimmt Erzbischof Zollitsch immer wieder neue Vorstöße in Richtung einer abweichenden Lösung von dieser Lehre und macht Betroffenen damit falsche Hoffnungen. Der Schaden für die Kirche und der daraus resultierende Vertrauensverlust werden erst dann zutage treten, wenn auch Erzbischof Zollitsch in dieser Angelegenheit klar die Lehre der Kirche vertreten und damit seinen Versprechungen untreu werden wird oder wenn seinem Nachfolger die schwere Aufgabe zukommen wird, die so irregeleiteten Gläubigen, vor allem Betroffene, zu desillusionieren...


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