Donnerstag, 26. April 2012

Jesus ruft alle, aber nicht alle folgen seinem Ruf...

Prof. Helmut Hoping am 25. April 2012 in einem Interview mit "domradio.de":

"Die Diskussion ist beendet"
(das ganze Interview: HIER bitte klicken!)

domradio.de: Wenn theologisch dasselbe gemeint ist, könnte man ja auch pragmatisch sagen, wir belassen es bei der Formulierung "für alle" und sparen uns die ganze Diskussion - warum möchte der Papst dennoch diese Änderung?

Prof. Hoping:
Das ist ein Missverständnis. Wenn es in der Schrift bei Matthäus und Markus heißt: "Mein Blut vergossen für "viele", "peri" bzw. "hyper pollon", dann meint das sachlich eben nicht "alle".
Die Exegeten und Theologen, die das behaupten, berufen sich auf eine These von Joachim Jeremias, der meinte, dass das hier sachlich "für alle" heißt. Das ist aber nicht richtig. Diesen Konsens gibt es in der Exegese auch nicht mehr, der ist zerbrochen.

Wenn Jesus von "vielen" spricht, dann sagt er das auf dem Hintergrund des vierten Gottesknechtslieds und der Sammlung Israels und der Völkerwallfahrt.
Man sollte nicht den Fehler begehen, die aktuelle Diskussion um die Frage, ob am Ende die Menschen alle gerettet werden, jetzt in die Einsetzungsworte hineinzulesen. Das ist eine Interpretation. Natürlich erwächst aus dem christlichen Glauben die Hoffnung für alle Menschen, aber man muss hier eben sehen, dass "pro multis" im lateinischen Messbuch eine Wiedergabe der Schriftaussagen ist.

Und hier kommt es schon darauf an, präzise im Sinne einer schriftgemäßen Aussage des "pro multis" in den Einsetzungsworten zu übersetzen. 

Im gleichen Interview an anderer Stelle erläutert Prof. Hoping den Hintergrund der Worte Jesu Christi:

Das Brot des Lebens und der Kelch des Heils wird nicht "allen" gereicht, sondern denen, die mit Christus verbunden sind und das sind "viele".
Das Wirken Jesu hat auf die Sammlung Israels abgezielt und auf die die Sammlung der Völker im Sinne der Völkerwallfahrt. Aber es sind nicht "alle", die diesem Ruf Jesu gefolgt sind, und deshalb sind es nicht "alle", die mit Jesus verbunden sind.
Man muss also die seinsmäßige Ebene, dass Jesus für "alle" gestorben ist, unterscheiden vom gottesdienstlichen Kontext, in dem diese Worte gesprochen wurden.

Dr. Helmut Hoping, geb. 1956, ist Professor für Dogmatik und Liturgiewissenschaft in Freiburg

Weiteres zum Thema:


kath-info:

Benedikt XVI. : Auslegung der Kelchworte Jesu in "Jesus von Nazareth II


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