Samstag, 10. März 2012

Die Grundlage jeder Erneuerung: Der Glaube (8)

 Prof. DDr. Josef Seifert  (1976)

Fortsetzung Teil 8

Die Heilsnotwendigkeit des Glaubens

3.  Nur wenn wir die zwei erwähnten Grundbedeutungen  des Glaubens (Anm.: s. Teil 7, 1. und 2.) soweit verstanden haben, können wir auch seine weitere unermeßliche Bedeutung für den Menschen verstehen: seine Notwendigkeit für das ewige Heil. Die freie Zustimmung zu Gott und Christus, dem Sohn Gottes, und zu aller von Gott offenbarten und als verpflichtend von der Kirche vorgestellten Wahrheiten  - diese Zustimmung, worin, kurz gesagt, unser Glaube besteht, ist notwendig für unser ewiges Heil. Das ist die Lehre der Hl. Schrift und der Kirche.

Das schließt nicht aus, daß auch die Taufe bzw. die Begierde- oder die Bluttaufe zum Heile notwendig ist. Wie die Konstitution des II. Vatikanischen Konzil über die Kirche uns sagt, kann auch ein Heide, der ohne eigene Schuld niemals etwas von der Offenbarung vernommen hat, der aber immer der Stimme seines Gewissens folgt, gerettet werden durch das Verdienst und die in und durch die Kirche wirkende Gnade.

Und trotzdem bleibt wahr, wie die gleiche Konstitution uns sagt, daß jeder, dessen Kenntnis über den Anspruch der Offenbarung und der Kirche ausreichend ist, der aber trotzdem ihr nicht frei zustimmt, nicht der Kirche beitritt und in ihr verbleibt, vom ewigen Heil ausgeschlossen sein wird; tatsächlich wird das furchtbarste Übel, das überhaupt einen Menschen treffen kann, ihm bestimmt sein, ein Übel, wegen dem er besser nicht geboren wäre: die ewige Verdammnis.

Wenn wir nicht begreifen, welche Bedeutung die ersten zwei Wesensmerkmale des Glaubens für uns haben, werden wir auch die existenzielle Bedeutung des Glaubens für uns übersehen oder gar nicht annnehmen können: daß wir allein durch ihn die seligmachende Anschauung Gottes und die Vereinigung mit Gott erreichen können.


Der Glaube als Grundlage für unser ganzes übernatürliches Leben

Unser hl. Vater, Papst Paul VI., hat die wesenhafte Verbindung zwischen Heilsnotwendigkeit und einem weiteren Wesenszug des Glaubens betont: daß er (Anm.: der Glaube) in unserem geistlichen Leben die erste Stelle einnimmt und sein Fundament ist: "Der Glaube 'ist das Fundament unseres geistlichen Lebens' (Thomas, Summa Th. III, 73,3). 'Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen' (Heb 11,6). Gott hat in seinem Plan, den Menschen zu erhöhen und zu retten, das treue Festhalten an seinem Wort, d.h. den Glauben, zur unerläßlichen Vorbedingung für die ewige Seligkeit gemacht" (OSS.Rom., 9.8.73).

Alle anderen Gnaden, die wir empfangen, die Fruchtbarkeit der Sakramente, Hoffnung und Liebe und alle übernatürlichen Tugenden, setzen den Glauben voraus. So hat der Glaube, obschon die Liebe den höchsten Rang unter den Tugenden einnimmt, einen gewissen Vorrang in dem Sinn, daß er die Voraussetzung für alle anderen übernatürlichen Tugenden ist.

So ist die Demut unmöglich ohne den Glauben, daß wir von Gott aus dem Nichts erschaffen sind, daß er unendlich größer ist als wir und doch vom Himmel herabstieg und aus unendlicher Liebe Mensch wurde und sich selbst erniedrigte bis zum Tod am Kreuz.

Unsere Liebe zu von Natur aus nicht liebenswerten Menschen, gar nicht zu reden von der Feindesliebe, setzt den Glauben voraus, daß auch sie von Christus geliebt sind. In ähnlicher Weise stützen sich alle übrigen Tugenden und Gott wohlgefälligen Akte auf den Glauben. Nur aus der Erneuerung des Glaubens in seiner Tiefe und seinem Reichtum kann jegliche Erneuerung unseres sittlichen und gesellschaftlichen Lebens entspringen. Jede Erneuerung, zu der wir von Christus berufen sind, steht unter dem Primat des Glaubens.

Im Lichte dieser kurzen Analyse des vierfachen Primates, den der Glaube bei jeder Erneueung von seinem Wesen her besitzt, können wir die Abirrungen und falschen Formen der Erneuerung unterscheiden, wie sie heute verbreitet sind.

Fortsetzung folgt


Prof. Josef Seifert:
Die Grundlage jeder Erneuerung: Der Glaube
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