Montag, 13. Februar 2012

Konservativ?

"Die göttliche Offenbarung und der mystische Leib Christi sind von allen natürlichen Gebilden (Anm.: Vereinen, Institutionen etc.) so vollkommen verschieden, daß der Begriff "konservativ" einen falschen Beigeschmack erhält, sobald man damit die Treue gegenüber Christus und der heiligen Kirche meint und den unveränderten Glauben an die unwandelbare geoffenbarte Wahrheit, wie sie uns unter dem Beistand des Heiligen Geistes im depositum fidei überliefert ist. (1)

Auch ein Mensch, der keineswegs von Natur aus "konservativ" ist und jeden Fortschritt und jede Veränderung zum Guten in jenen Bereichen begrüßt, die wandelbar sind, muß in Bezug auf das unfehlbare Lehramt der Kirche "konservativ" sein, sofern man da dieses Wort überhaupt gebrauchen darf.
Hier ist das unverrückbare Festhalten an der geoffenbarten Wahrheit, der Glaube an die Gottheit Christi und das unfehlbare Lehamt der Kirche, gleichbedeutend mit Katholischsein.  (...)
Der wahre Katholik erkennt keine Möglichkeit eines Wandels dieser Lehre an, es sei denn im Sinne einer expliziteren Formulierung dessen, was schon im Glauben der Apostel implizit enthalten war, oder was notwendig daraus folgt. (Genau in diesem Sinn spricht Kardinal Newman von Dogmenentwicklung.) Er hält daran fest, daß die christliche, übernatürliche Sittlichkeit, die Heiligkeit, die in der heiligen Menschheit Christi geoffenbart und in allen Heiligen verwirklicht ist, keinem Wandel unterworfen ist und immer dieselbe bleibt. (2) (...)
Das ist einfach der katholische Standpunkt ohne irgend einen Zusatz von progressiv oder konservativ."


(1)  Vgl. "Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung" 1. Kap. 4;3. Kap. 11; vor allem 6. Kap. 21:"In diesen Schriften zusammen mit der hl. Überlieferung hat die Kirche immer die höchste Richtschnur des Glaubens gesehen und sieht sie noch darin. Denn, von Gott eingegeben, und ein für allemal aufgeschrieben, bieten sie das Wort Gottes selbst unwandelbar dar und lassen in den Worten der Propheten und Apostel die Stimme des Hl. Geistes vernehmen."
(2) Dies geht schon allein aus der Tatsache hervor, daß die Heiligkeit, wie die "Dogmatische Konstitution über die Kirche" 40, Kap. 5 ausdrücklich wiederholt, eine Teilhabe am Wesen Gottes ist, "in dem es keinen Wechsel und keinen Schatten von Veränderung gibt." Vgl. Jakobus 1,17; auch Matth. 5,48; Mk. 14,31: Himmel und Erde werden vergehen, aber meinen Worte werden nicht vergehen." - Anm. d. Übers.


Dietrich von Hildebrand  (s. Foto) in: Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes; 1. Teil, 1. Kap. Progressismus - Konservatismus: Eine falsche Alternative; Seite 23ff; AD 1969 (s. Quellen)

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