Sonntag, 13. Juli 2014

Sühnekirche in Wigratzbad nach Renovierung wiedereröffnet

Am Samstag, den 12. Juli 2014 hat der Augsburger Bischof Dr. Konrad Zdarsa die Herz Jesu und Mariä-Sühnekirche der Gebetsstätte Wigratzbad mit einem Pontifikalamt wiedereröffnet. 16 Monate lang wurde die Kirche renoviert und neu ausgestattet.

Hier einige Bilder:








Das (Papp-)Modell kam dem nun fertiggestellten Original - bis auf den rot-grünen Anstrich - doch sehr nahe. Zum Vergleich:



Das Innere der Kirche wirkt jetzt nicht mehr zentriert auf Altar und Tabernakel (s. zum Vergleich hier, Bild ganz unten), sondern fächert den Blick: Ambo, Altar, Osterkerze... Diffus bleibt der Tabernakel, der im geschlossenen Zustand fast unsichtbar ist. Auffällig und ins Auge springend ist vor allem der tonnenartige Ambo und ein an einer Säule zwischen den Kommunionbänken stehendes Gestell, das zur Präsentation der Heiligen Schrift dient.

Der Altarraum ist ganz in Weiß gehalten, mit wenigen Elementen in Silber- oder Goldton. Damit hebt sich der Altarraum, wie auch die beiden Seitenaltäre farblich deutlich vom übrigen Kirchenraum ab, sie scheinen wie Fremdkörper in der rot-grünen Kirche. Besonders wird dieser Eindruck durch die einfach rechteckigen Rückwände der Altäre erreicht, die aus drehbaren weißen Lamellen bestehen, deren Form sich aber in den Fenstern wiederfindet.

Umlaufend hat die Sühnekirche mit je einer stilisierten Rose, weißen Längs- und einem grauen Querstreifen bedruckte Fenster. Die Längsstreifen sollen, so Architekt Böhm, die Formen der grünen Blechelemente wiederholen, der graue Querstreifen soll sich wie ein Band um die Kirche legen und so die einzelnen Rosen wie einen Rosenkranz miteinander verbinden. Die Rosen selbst sind in der Form identisch, jedoch variieren die roten, weißen und transparenten Anteile.

Interessant ist das am großen Kuzifix befestigte Glasperlenspiel. Der vom ehemaligen Altarbild übernommene große Christuskorpus hängt nun an einem neuen Kreuz unmittelbar über dem Altar, der etwa zweieinhalb Meter nach vorne gezogen wurde und jetzt in der Mitte des Altarraumes steht. Nach den Vorgaben der Begründerin der Gebetsstätte, Frl. Antonie Rädler und ihrem damaligen Beraterstab sollten im Falle einer Renovierung der Kirche unbedingt die Herz Jesu-Statue (linker Seitenaltar), die Fatima-Madonna (rechter Seitenaltar) und das große Altarkruzifix erhalten bleiben.

Sieht man einmal von den (übernommenen) Kreuzwegstationen ab, so gibt es außer den drei genannten Objekten keinerlei sonstige figürliche Darstellungen. Außer der im Vorraum der Kirche aufgestellten Antoniusstatue sind keine Heiligenfiguren und/ oder -bilder vorhanden.

Der Halter für die Osterkerze, rechts vom Altar, ist fest im Boden verankert; allerdigs gibt es - entgegen vorheriger Annahmen - keine im Boden verankerten Kerzenständer, die die Altarkerzen ersetzen. Die Kerzen, aufgesteckt auf schöne hochaufragende Halter, stehen vielmehr auf dem Sakramentsaltar, je drei rechts und links des Tabernakels. Auf dem Zelebrationsaltar selbst stehen keine Kerzen.

Die Beichtstühle wurden geschickt mit den Kreuzwegstationen verbunden und sind nicht mehr so direkt als Beichtstühle zu erkennen. Für das Gotteslob gibt es mehrere große, runde, dunkelgraue Bücherständer. Insgesamt wirkt die Kirche durch die weißen Elemente heller, aber auch kühler.
 



Weiteres zum Thema "Wigratzbad":



eigene Bilder: © FW

Kommentare:

  1. Es kommt mir protestantisch vor: "Diffus bleibt der Tabernakel, der im geschlossenen Zustand fast unsichtbar ist"; "keine Heiligenfiguren und/ oder -bilder"; "Sakramentsaltar", auf dem "Zelebrationsaltar stehen keine Kerzen"; "Beichtstühle wurden geschickt mit den Kreuzwegstationen verbunden und sind nicht mehr so direkt als Beichtstühle zu erkennen".
    Die Kirchbaufirma Böhm wirkt seit jahrzehnten zerstörerisch. Ihre Kirchen sind mehrheitlich unschön bis hässlich und vor allem modernistisch. Die Ordinariate mit ihren Kirchbaudezernaten wollten schon vor, aber vor allem seit dem Konzil, modern und zukunftsweisend sein, was ihnen miß-, oder sollte ich besser sagen ge-lungen ist. Für die Sühnekirche tut es mir leid, vor allem für die Stifterin, die diese "Renovierung" nicht mehr erleben musste.

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    1. Inzwischen habe ich noch die Statue des hl. Josef wiedergefunden, die in einer Ecke neben - bzw. hinter einem Beichtstuhl steht. Aber sonst...

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  2. Warum denke ich bei diesen Bildern eigentlich immer an einen Messestand?

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    1. Weiß ich auch nicht, aber die Container für die Gotteslöber könnten diesen Eindruck auf jeden Fall noch verstärken...

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  3. Was ist das auf dem obersten Bild? Der Taufstein?
    ... jetzt weiß ich wenigstens, was "weiße Streifen" sind ...
    Hoffentlich wehen sie schön im Wind.

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    1. Es ist kein Taufstein, sondern ein Steinbrunnen im Eingangsbereich (Vorraum) der Kirche, an dem bisher (vor der Renovierung) Quellwasser aus der Wigratzbader Quelle entnommen werden konnte. Nun hat man dieses Quellwasser zu acht Wasserhähnen geleitet, die sich zwischen den Eingangstüren befinden.

      An dem Brunnen kann man stattdessen nun an acht Hähnen auf Knopfdruck Weihwasser abfüllen. Man hat einen riesigen Tank in den Boden eingelassen, indem sich das geweihte Weihwasser nun befindet. Bisher wurde das Weihwasser in großen weißen Tanks gelagert, die in diesem Vorraum standen (was wirklich nicht besonders schön aussah).

      Die zuvor über dem Brunnen stehende Muttergottesstatue nach dem Bild der Wundertätigen Medaille, die Ausspenderin aller Gnaden, wurde entfernt und stattdessen die Öffnung des Brunnens mit einem blauen Glasprisma verschlossen, durch das bei der Weihe des Wassers Salz und/oder Öl zugegeben werden können.

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  4. Vielen Dank für die informativen Berichte und Fotos. Ich war nie ein Freund dieses Kirchbaus (wiewohl er doch, wenn man sich näher damit beschäftigt, eine ansprechende und für die Andacht hilfreiche Symbolik aufweist). Insgesamt gefällt mir die Kirche nach der Renovierung aber besser als vorher. Der gesamte Bereich mit den drei Altären wirkt schlicht und edel zugleich, aus meiner Sicht auch wohltuend aufgeräumt und mehr zentriert. Ich habe Verständnis für alle, die gewohnte Heiligenstatuen bzw. -bilder an der Fenstern vermissen. In der heutigen Bilderflut entspricht es aber - im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten - wohl dem Bedürfnis vieler Menschen, in der Kirche einmal nicht von Bild zu Bild zu "zappen", sondern zur Ruhe zu kommen und den Blick auf das Wesentliche zu richten.

    Man sollte auch nicht in jeder Abweichung vom Gewohnten gleich eine Abkehr vom katholischen Glauben unterstellen, obwohl ein gewisser Argwohn heutzutage leider oft angebracht ist. Weder Bischof Zdarsa noch Direktor Maier geben aber dazu Anlass. Sachliche Kritik an diesem oder jenem Detail wird sicher eher aufgenommen, wenn sie nicht ganz so misanthropisch vorgetragen wird.

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  5. Man zappt nicht von Bild zu Bild, sondern man ist wie im Himmel auch mit den Heiligen verbunden. Es ist eine Unterstützung im Gebet, wenn viele Bilder und Statuen da sind. Mir ist es zu kalt in dieser Kirche. Ich trauere dem alten nach. Warum werden eigentlich nie die Gläubigen gefragt die in die Kirche gehen wie sie es haben möchten. Die anderen die da herumbasteln sieht man eh nie. ;-(

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  6. Armin
    Als Jahrzehnte langer Pilger und Besucher dieser Gebetsstätte war mir klar, das hier auch mal was bezüglich der Kirchenrenovierung gemacht werden muss. Es ist mir auch bewusst, da ich das selber auch mitgemacht habe, wie lange und zeitaufwändig solche Überlegungen sind.
    Nach der Eingerüstung konnte man die Fortschritte von außen erkennen, vor allem im Außenbereich des Gebäudes. Es wurden dann die Fenster eingebaut, wo dann die Pilger etwas skeptisch wurden.
    Der Großteil der Pilger waren glücklich, am 12. Juli 1914 wieder vom Zelt in die neu renovierte Pilgerkirche einzuziehen.

    Was hat mich dort erwartet; beim ersten kurzen Rundblick, ein Schüttelfrost, der mir durch den ganzen Körper gegangen ist. Der zweite Gedanke war, schade, das diese kühle Atmosphäre, welche sich in Wigratsbad in den letzten zwei Jahren in ganzen Gelände, im Pilgerheim und auch bei den Menschen breit gemacht hat, nun auch in die Kirche getragen wurde. Der dritte Gedanke war; offensichtlich wurde hier, doch einem ........Architekten die Möglichkeit gegeben, sich zu verewigen. Genau diese Sache, kennt man in den Alpen- ländern gut genug. Man schaue hier nur diese Beichtpunker an.
    Von Wärme, der Möglichkeit betend und hingebend beim Herz-Jesu, oder bei der Mutter-
    gottes zu sein, kann sich jeder seine Gedanken machen.
    Schade, dass hier viel "Heimeliges - Warmes" durch "Kaltes" ersetzt wurde.
    Denke, das mir die Muttergottes, der Herrgott, Pater Pio usw. die Unterstützung gibt, hier
    wieder Heimat und Hilfe erfahren zu dürfen, wie ich besonders während der 7,5 jährigen Arbeitslosigkeit durch wiederkehrendes Gebet zu jeder Tages- und Nachtzeit erfahren durfte
    Armin Meusburger , Bregenzerwald

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