Mittwoch, 3. Juli 2013

Traumberuf: Familie - oder: Die Frau in der Zeit

Ehepaar mit acht Priestersöhnen

Einen wunderbar erfrischenden Klartext hat die kath.net Mitarbeiterin Victoria Fender (hier) geschrieben. Thema: ihr Traumberuf - und das Unverständnis, das ihr deswegen mancherorts entgegenschlägt. Der Text zeigt, dass die Gesellschaft - oder diejenigen, die in der Gesellschaft das Sagen haben - noch lange nicht bereit sind, zu akzeptieren, was Frauen wollen und immer noch Bevormundung stattfindet.

Victoria Fender schreibt z. B.:
...Ich bekomme für diese zukunftsträchtige Vision erstaunlich viel positives Feedback von Gleichaltrigen, während die 68er- Großelterngeneration über meine Art der Selbstverwirklichung empört ist. Wie die Generation, die die 68er vor 50 Jahren bekämpften, halten nun auch sie selbst starr fest an ihren ewiggestrigen Vorstellungen. Mein Berufsideal kommt in der langen Liste der Frauenministerin leider nicht vor. Oberlehrerhaft und von oben herab wollen die Alten mir erklären, was für mich das Beste ist: die Einsamkeit. Mir scheint, für das Gebot der Stunde der modernen Frau des 21. Jahrhunderts fehlt es den 68ern aufgrund ihrer Ideologie an geistiger Flexibilität. 

Sie bemerkt auch, dass ihre Ausbildung, ihr Studium, ihrer Familie, den Kindern vor allen Dingen, zu Gute kommen soll. Ihre Begabung, die Erfahrungen, die sie gmacht hat, ihre Qualifikationen, all das kann sie weitergeben und in die nächste Generation einbringen. Das meinte Gertrud von le Fort, als sie in ihrem Werk "Die ewige Frau" schrieb:
Der Mann gibt seine Kraft im eigenen Werke aus, die Frau gibt sie nicht aus, sondern weiter. Der Mann verbraucht und erschöpft sich im Werk, er schenkt sich in seiner Begabung hin; die Frau schenkt die Begabung selbst hin, nämlich in die kommende Generation. (Gertrud von le Fort, "Die ewige Frau"; 1934; S. 35; s. Quellen)

Die große Schau, die Gertrud von le Fort in dieser Schrift über das Wesen der Frau - der Untertitel lautet "Die Frau in der Zeit - Die zeitlose Frau" - entwirft, muss als damaliges Erwachen des Bewusstseins katholischen modernen Frauentums betrachtet werden. Nicht das Mann-Werden und die Konkurrenz zum Mann, wie die Genderbewegung den Frauen einreden will, kann Ziel eines Frauenlebens sein, sondern nur das Bewusstwerden und die Verwirklichung dessen, was Gott in die Frauenseele hineingelegt hat: Jungfrauschaft, Brautschaft und Mutterschaft. Das Vorbild ist dabei die Gottesmutter Maria.

Was passiert, wenn Frauen - sei es freiwillig oder aus welchen Gründen auch immer gezwungenermaßen - außerfamiliär einer umfangreicheren Erwerbstätigkeit nachgehen? Die neueste "Orientierungshilfe" des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Thema Familie gibt es unumwunden zu:
Ungeklärt ist insbesondere, wie die vielfältigen Fürsorgeaufgaben, die bislang Mütter, Töchter und Schwiegertöchter übernommen haben, angesichts der steigenden Erwerbsbeteiligung von Frauen neu verteilt werden sollen. Vor allem für die Versorgung und Betreuung Pflegebedürftiger ist eine „Fürsorgelücke“ entstanden. (OH zum Thema Familie 2,4)

Es entsteht eine "Fürsorgelücke"  für die Versorgung und Betreuung Pflegebedürftiger (s. auch hier). Kann es Ziel der Familien sein, nun pflegebedürftige Angehörige fremden angelernten "Fachkräften" anzuvertrauen - oder zu überlassen?. So wie vorher schon die Kinder den "Fachkräften" in Kitas und Ganztagesschulen? Und wenn die Berufe, die diese Versorgung und Betreuung übernehmen, nicht von Frauen sondern - von wem sonst? - von Männern übernommen werden - denn schließlich will man ja  angeblich gerade die Frauen von diesen Tätigkeiten "befreien" - wer übernimmt dann die Tätigkeiten, die sonst die nun pflegenden Männer ausgeführt hätten? Man sieht, dass hier keine Lösung des selbstgemachten Problems "Fürsorgelücke" möglich ist, sondern nur eine unnatürliche Umkehr von fraulichen und männlichen Tätigkeiten (wenn die Bevölkerung denn dieses Spielchen mitmacht) -  mit nebenbei wesentlich höheren Kosten für die Gesellschaft bzw. die Allgemeinheit.

Oda Schneider (Sr. Maria Cordis OCD) näherte sich dem (schöpfungsgemäßen) Frau-Sein von seiner Berufung zur Priesterin. Sie schrieb das Werk "Vom Priestertum der Frau" (1937). Doch war diese tiefe und zum Teil metaphysische Darstellung des Frauentums bei Gertrud von le Fort und Oda Schneider offensichtlich zu zart und zu leise, zu diskret, wie das Frau-Sein eigentlich ist, um in der Welt und selbst in der Kirche Verwirklichung zu finden. Die lärmende und laute Meinung des Mainstreams und sicher auch manche geschichtlichen Ereignisse verhinderten eine weitere Rezeption. Es wäre ein Gewinn für Kirche und Welt, wenn diese Gedanken wieder weitere Verbreitung und Verinnerlichung finden würden. Eine Einstellung, wie sie Victoria Fender zum Frau-Sein hat, ist da ein guter und hoffnungsvoller Anfang!

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Buchtipp:
Gertrud von le Fort: "Die ewige Frau - Die Frau in der Zeit - Die zeitlose Frau"; Kösel Verlag München 1934 in zahlreichen Auflagen; z.Z. nur antiquarisch (dafür aber recht günstig) zu bekommen

Oda Schneider: "Vom Priestertum der Frau" Hrsg. Dieter Josef Hilla; Kral Verlag Abensberg, AD 1992

 

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