Dienstag, 16. Oktober 2012

Hierarchisches Kirchenbild entspricht nicht dem Willen des Konzils?

In einer Pressemeldung vom 09. Oktober 2012 warnt der 43jährige  BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler vor "rückwärtsgerichteten Tendenzen in unserer Kirche", die seiner Meinung nach vor allem auch in der Diskussion "um die Liturgiereform und die Wiedereinführung des alten Messritus" deutlich werden. Weiter heißt es:
"Wir respektieren den Wunsch einiger, die Eucharistie nach dem früheren Ritus zu feiern. Wir betonen aber, dass das damit einhergehende hierarchische Kirchenbild nicht dem Willen des Konzils entspricht, sich der Welt zu öffnen."
Hier verrät der BDKJ-Bundesvorsitzende, dass er offensichtlich weder die Konzilstexte gelesen noch im Katechismus der Katholischen Kirche nachgeschlagen hat. 

Die Dogmatischen Konstitution Lumen gentium des II. Vatikanums über die Kirche zeichnet auf mannigfache Weise die Kirche in ihrer von Christus hierarchisch verfassten Eigenart. Das dritte Kapitel dieses Konzilsdokumentes titelt: " Die hierarchische Verfassung der Kirche, insbesondere das Bischofsamt" (LG 18ff).

Auch das Dekret Apostolicam actuositatem über das Laienapostolat befasst sich eingehend mit dem Verhältnis und der Zusammenarbeit zwischen der kirchlichen Hierarchie und den apostolischen Werken der Laien. Nicht weniger als 19mal ist darin von der Hierarchie die Rede. (Dekret AA).

Ich darf zusammenfassen, was ich schon an anderer Stelle festgestellt habe:
"Die Konzilsväter lassen keinen Zweifel daran, dass die von Christus gegründete katholische Kirche eine mit hierarchischen Organen ausgestattete Gesellschaft ist und nicht verschieden vom mystischen Leib Christi. Kirche als sichtbare Versammlung und gleichzeitig geistliche Gemeinschaft, die irdische Kirche und die mit himmlischen Gaben beschenkte Kirche sind nicht zwei verschiedene Größen sondern bilden eine einzige komplexe Wirklichkeit (vgl. LG8)
Neben den hierarchischen Organen, die der Heilige Geist dazu bestellt hat, die Kirche Gottes zu leiten, sind die Laien Teilhabende am geheimnisvollen Leib Christi indem sie am hierarchischen Apostolat, der Ausbreitung des Reiches Gottes teilnehmen und zur Ausbreitung und zum Wachstum und zur Vollendung des Volkes Gottes beitragen."

Der Katechismus der katholischen Kirche (KKK), der laut Johannes Paul II. und Benedikt XVI. "eine Frucht des II. Vatikanischen Konzils" ist, hier aber auch nichts anderes als das vorkonziliare Lehramt bestätigt, handelt in Artikel 9 des Credos (ich glaube...die heilige katholische Kirche), Absatz 4 über "die Christgläubigen - Hierarchie, Laien, Ordensleute" (KKK 871ff).

In KKK 877 heißt es unmissverständlich und sich auf das letzte Konzil und damit auch auf vorherige kirchliche Lehre berufend:
Schon zu Beginn seines Wirkens setzte der Herr Jesus die Zwölf ein als „die Keime des neuen Israel und zugleich den Ursprung der heiligen Hierarchie" (AG 5).
Die favorisierte Vision der Kirche von Dirk Tänzler als ein demokratisches Gemeinschaftsmodell dagegen gibt es nicht, weder in der Urkirche, noch vor dem II. Vatikanum und auch nicht in dessen Dokumenten. Dort finden sich keinerlei Anhaltspunkt für eine solche Vorstellung. Die Vokabel Demokratie bzw. demokratisch kommt in den Konzilsdokumenten nicht ein einziges Mal vor (s. HIER).

Schon an diesem Beispiel sieht man, wie wichtig das von Papst und Bischöfen empfohlene Studium des Katechismus und der Konzilstexte ist. Allein dadurch ließen sich viele Missverständnisse und falsche Vorstellungen über den katholischen Glauben  und die Kirche vermeiden. Auch Dirk Tänzler und viele andere - und auch Theologen und Theologinnen - sollten sich dafür nicht zu gut sein. Ein "Den Katechismus allerdings dürft ihr gerne behalten!" dürfte jedenfalls kaum die Antwort auf das große Unwissen in Glaubensfragen sein.



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Kommentare:

  1. Das Lesen von Konzilstexten ist inkompatibel zum Konzilsgeist. Schlimmstenfalls ist der Konzilsgeist danach sogar exorziert.

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  2. Schade, dass du nur auf mich verlinkst. Wie wäre eine direkte, argumentative Auseinandersetzung mit meinen verschiedenen Kritikpunkten an KKK und Youcat? Schade auch, dass du es in deinem Blog bevorzugst, Texte von anderen zu zitieren. Ich würde gerne mehr von deinen ureigenen Gedanken lesen. Ja, das ist anstrengend, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

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    1. Hier die versprochene Replik:

      http://frischer-wind.blogspot.de/2012/10/katechismus-nein-danke-teil-1.html

      und

      http://frischer-wind.blogspot.de/2012/10/katechismus-nein-danke-teil-2.html

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  3. Immer wieder versuchen die besseren unserer Hirten, den Einklang, daß sich einander bedingen von Glaube und Vernunft (vulgo: Verstand!) zu verfechten. Vergebens bei manchen hierzulande?

    Über den Glauben eines anderen ist schwer zu urteilen, über den Verstand läßt sich mehr vermuten: wenn einer wie Tänzler hier nicht so exemplarisch wäre, bräuchte man kein Wort darüber verlieren: dieser reine Geistglaube, diese naiv- kindische Selbstverschließung, die sich sogar scheut, Texte eines Konzils zu lesen, auf das man sich ständig beruft, weil man den rosafarbenen Glanz der Jugendnostalgie nicht verlieren will, all diese Verirrten, die sich katholisch nennen, aber noch nicht mal den Katechismus gelesen haben, jegliche wenigstens grundlegende Kenntnis über das, was sie zu sein vorgeben, sich anzueignen verweigern, dieser sich jeder rationalen Selbstvergewisserung entziehende Obskurantismus, macht mir große Sorge, und bei allem Verständnis und Respekt, es muß Konsequenzen geben, diesen irrationalen, subjektivistischen Hausmacher - Spiritismus nach 68er Professoren -Hausmacher Art hat das Konzil nicht gewollt!

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  4. @Marcus, der mit dem C
    Nun, das wäre eine recht wünschenswerte Folge des Lesens der Konzilstexte... :-)

    @Ameleo
    Antwort folgt demnächst... :-)

    @L.A.
    Nein, ich sehe es wie Du: Das kann man nicht dem Konzil anlasten. Man kann natürlich niemanden zwingen die Konzilstexte (oder den Katechismus) zu lesen, sie sind ja noch längst nicht in ihrer Tragweite ausgeschöpft. Das muss schon jeder selber WOLLEN, der ernsthaftes Interesse am katholischen Glauben hat. Dass solche Leute allerdings im Auftrag der Bischöfe ihre Unwissenheit verbreiten, gereicht der Kirche in Deutschland nicht unbedingt zu mehr Glaubwürdigkeit. Leider.

    Der sich verselbständigte "Konzilsgeit", der sich bisher wie eine dunkle Smogglocke über das Konzil gelegt und den Blick darauf vernebelt hatte, beginnt sich langsam zu lichten und zu verflüchtigen.

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  5. Die hierarchische Ämterstruktur der katholischen Kirche in Jesu Berufung der Zwölf zu verorten, finde ich denn doch etwas verwegen. Gewiss wollte Jesus damit den Keim des neuen Israel setzen. Dabei hatte er aber sein Volk, die Juden, im Blick und gewiss nicht die römisch-katholische Kirche. Was Jesus von Hierarchien hielt, hat er mit der Zurückweisung der endzeitlichen Karrierewünsche der Zebedäussöhne bewiesen (Mk 10, 35-45) und mit seinem eigenen Beispiel, als er seinen Jüngern die Füsse wusch wie ein Sklave (Joh 13, 1-20).
    Die römisch-katholische Hierarchie ist das Ergebnis eines längeren historischen Prozesses, der sich stärker an den Hierarchien des Römischen Imperiums orientierte als am Evangelium. Sie ist keineswegs göttlichen Rechts sondern offen für Veränderungen.

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    1. Sehr geehrter Herr Arnold,

      Sie sind alt-katholischer Priester. Deshalb sehen Sir die Dinge vielleicht etwas anders als die katholische Kirche.
      Nach katholischer Lehre hat der Gottmensch Jesus Christus die Kirche gegründet und hat ihr eine hierarchische Verfassung gegeben.

      Im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) heißt es dazu unter der Nr. 765:

      "Der Herr Jesus gab seiner Gemeinschaft eine Struktur, die bis zur Vollendung des Reiches bleiben wird. An erster Stelle steht die Wahl der Zwölf mit Petrus als ihrem Haupt [Vgl. Mk 3,14-15]. Sie repräsentieren die zwölf Stämme Israels [Vgl. Mt 19,28;Lk 22,30] und sind somit die Grundsteine des neuen Jerusalem [Vgl. Offb 21,12-14]. Die Zwölf [Vgl. Mk 6,7] und die weiteren Jünger [Vgl. Lk 10,1-2] haben an der Sendung Christi, an seiner Gewalt, aber auch an seinem Schicksal teil [Vgl. Mt 10,25; Joh 15,20]. Durch alle diese Akte gründet Christus die Kirche und baut sie auf."

      Die Gründung der Kirche durch Jesus Christus und die hierarchische Verfassung sind dogmatische Lehraussagen und stehen für gläubige Katholiken damit nicht zur Disposition. Diese Verfügungen Jesu Christi sind also auch nicht offen für Veränderungen.

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