Sonntag, 30. September 2012

Auf die heiligste Dreifaltigkeit

Ad sanctissimam Trinitatem

Hildebertus Cenomannensis (1056 – 1133)


A und O, Gott, Weltgestalter,
Weltregierer, Welterhalter,
Dessen Kraft nichts widerstehet,
Dessen Kenntnis nichts entgehet,
Dessen Sein das höchste Gut ist,
Dessen Werk, was immer gut ist,
Über, unter allem thronst du,
Außer, inner allem wohnst du,
In dem All nicht eingeenget,
Draußen nicht hinausgedränget,
Überm All, doch nicht entrücket,
Unterm All, doch nicht bedrücket,
Drüber ganz, beherrschend, waltend,
Drunter ganz, begründend, haltend,
Draußen ganz, das All umschlingend,
Drinnen ganz, das All durchdringend,
Nicht im Drinnen eingeschlossen,
Nicht im Draußen ausgeschlossen,
Droben ohne Stütze ragend,
Drunten, nicht belastet tragend,
Regungslos die Welt errregend,
Ohne Zeit die Zeit bewegend,
Ohne Raum den Raum umschließend,
Nie in Fluß, was fließt, ergießend;
Kraft von außen, Zwang von innen,
Nichts beeinflußt dein Beginnen.
Unser Morgen, Heut’ und Nimmer
Ist von Dir ein ew’ges Immer,
Ewiglich dein Jetzt verweilet,
Unverändert, unzerteilet,
Drin du alles vorgesehen,
Alles riefest ins Entstehen,
Nach der ew’gen Weisheit Normen
Gabst dem Urstoff seine Formen.


Sohn, dem Vater gleich an Wesen,
Gleich erhaben, gleich erlesen,
Du, o Schöpfer, Licht vom Lichte,
Wirst Geschöpf, machst dich zu nichte,
Ziehest an das Fleisch, das schwache,
Nimmst auf dich des Sünders Sache,
Sterblich, Sohn der Ewigkeiten,
Und unsterblich, Kind der Zeiten,
Wahrer Mensch und Gott wie immer,
Gott-Mensch, unvermischt, da nimmer
Jener ward zu Fleisch verkehret,
Nicht gemindert, nicht versehret,
Noch auch dieser in dem Bunde
Mit der Gottheit ging zugrunde.
Gleich als Gott dem Vater, kleiner
Bist als Mensch du, unser einer;
Gott ist Vater nur des Gottes,
Doch die Magd auch Mutter-Gottes.
Also kommen zum Vereine
Der Naturen zwei, daß keine
Was sie war, verliert, doch sichtbar
Jede wird, was sie noch nicht war.
Das ist unser Herr und Meister,
Herr der Herzen, Herr der Geister,
Der beschnitten, der getaufet,
Ward zum Kreuzestod verkaufet,
Starb und fuhr zur Hölle nieder
Und erstand vom Grabe wieder,
Stieg gen Himmel, einst zu rechten
Mit den Frommen mit den Schlechten.


Nicht erschaffen, nicht geboren,
Geht der Tröster, auserkoren,
Gleich dem Vater, gleich dem Sohne
Aus von beiden, beider Krone,
Beiden gleich, an Macht und Ehre,
Nichts, darin er minder wäre.
Alle Größe ist nur eine,
Jener Wesen auch das seine;
Seit sie sind, ist Er gewesen,
Gleicher Fülle, gleich erlesen.
Wie dem Vater das Erzeugen,
Die Geburt dem Sohne eigen,
So dem Geiste auszugehen.
Dreien eignet ein Bestehen;
Jeder Gott und größer keiner,
Doch drei Götter nicht, nur einer.
In dem einen Gott, dem wahren,
Drei und Eins sich offenbaren:
Eins das Wesen, drei Personen,
Die einander innewohnen.
Unter denen keine kleiner,
Keine früher, keine reiner,
Jede bleibend ohne Wanken,
Was sie war, und sonder Schwanken,
Nie sich ändernd, nie sich wandelnd,
Einig stets nach außen handelnd.


Dies der Glaube, dies der wahre,
Irrtumsfeie, unfehlbare,
Den ich glaube, drin ich stehe,
Drin ich nimmer irre gehe;
In ihm darf ich, schuldbeladen,
Dennoch hoffen, Gott der Gnaden.
Zwar macht Todesschuld mich beben,
Doch im Tode such’ ich Leben,
Deinen Zorn zu dämpfen, nenn’ ich
Nur den Glauben, ihn bekenn’ ich;
Sieh ihn an und mache gnädig,
Meiner Sündenlast mich ledig.
Laß von diesem Himmelstranke
Mich gesunden, der ich kranke,
Den man schon hinausgetragen,
In das Leichentuch geschlagen,
Eingesargt und zugedecket;
Aber sprich – er wird erwecket.
Sprich, so wird der Stein zerspringen,
Sprich, so lösen sich die Schlingen,
Und der Tote ohn’ Verweilen,
Rufst du, wird der Gruft enteilen.
Auf demLebensmeere machen
Räuber Jagd auf meinen Nachen.
Hier die Wogen, dort die Horden,
Jammer hier und dort das Morden;
Herr der Meere, komm geschwinde,
Dräu’ den Wogen, heisch dem Winde,
Durch die Räuber, durch die Brandung
Lenk den Kahn zu sich’rer Landung.
Weh’, mein Feigenbaum ist saftlos,
Sein Geäste morsch und kraftlos,
Er muß fallen, er muß lodern,
Willst, was Rechtens ist, du fodern.
Doch dies Jahr noch laß ihn leben,
Graben laß, laß Dung ihm geben,
Sollt’ er Frucht auch dann nicht tragen,
Laß ihn, weinend sag’ ich’s, schlagen.


Satan wütet, mein Bedräuer,
Jetzt mit Wasser, nun mit Feuer,
Herr, ich bin zu Tod getroffen,
Herr, auf dir steht all mein Hoffen.
Daß des Kranken Wunde heile,
Daß der Feinde Schwarm enteile.
Gib zum Beten mir, zum Werke
Frommen Fastens deine Stärke.
Das wird aus der Hand des Bösen,
Christus lehrt mich’s, mich erlösen.
Ja vom Übel mich befreie,
Daß ich mich der Buße weihe,
Woll’ auch deine Furcht mir schenken,
Ohne die kein Heil zu denken;
Schenk’ mir Glaube, Hoffnung, Liebe
Und gesunde fromme Triebe,
Lehr das Irdische verachten,
Nur nach dem, was droben, trachten.


Nur auf dich, o Herr vertrau’ ich,
Auf dich hoff’ ich, auf dich bau’ ich,
Du mein Lied, du meine Habe,
Was ich bin, ist deine Gabe.
Du mich stützest, wenn ich schwanke,
Du mich heilest, wenn ich kranke,
Du mein Trost, bin ich verlassen,
Lindrung, will mich Zorn erfassen.
Will ich zagen, mich belebend,
Wenn ich falle, mich erhebend,
Mut und Stärke, wenn ich schreite,
Meine Hoffnung, wenn ich gleite,
Schlägst du die, die mich verletzen,
Schreckst, die sich mir wiedersetzen,
In Gefahren mich bedeckend,
Was zu bergen, mir versteckend.
Laß in Gnaden nie mich schauen
Jenen Abgrund voller Grauen,
Voll des Jammers, voll des Zagens,
Voll des Ekels und des Klagens,
Wo sich alle Schuld enthüllet
Und mit Scham das Herz erfüllet,
Wo der Henker niemals rastet,
Nie der Wurm, der grause, fastet,
Nie versiegt der Quell der Zähren,
Ja der Tod wird ewig währen.
Einzugehn sei mir beschieden
In der ew’gen Friedstadt Frieden,
Die der Gott des Lichts erkoren,
Die das Kreuzholz hat zu Toren,
Dessen Schlüssel Petri Zunge,
Deren Freuden ewig junge;
Aus lebend’gem Fels gebauet
Ist sie Christo anvertrauet.
O welch Licht ist ihr beschieden,
Welch ein Frühling, welch ein Frieden,
Welche Düfte, welche Klänge,
Welche Freuden-Festgesänge!
Nimmer schwinden ihre Tage,
Da erschallt kein Laut der Klage,
Ewig blühn in junger Schöne,
Christo ähnlich ihre Söhne.
Stadt der Himmel, werte, traute,
Auf dem Felsengrund gebaute,
Friedenshafen, Heimat süße
Aus der Ferne ich dich grüße.
Ja dich grüß’ ich, dich umfang ich,
Nach dir seufz ich, dein verlang ich.
Wie so selig sich die deinen
Bei dem Hochzeitmahl vereinen,
Festlich schmücken, festlich kränzen,
Wie von Gold die Mauern glänzen,
Von Achaten, von Kameen,
Der nur weiß es, der’s gesehen.
Möcht ich einst in deinen Hallen
Mit den lieben Heil’gen allen,
Mit den Vätern und Propheten
Alleluja singen, beten.


Deutsch von Guido Maria Dreves

Quelle: Hymnarium 


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