Montag, 7. Juli 2014

Informationsblatt der Petrusbruderschaft (FSSP) Juli 2014

Seit einigen Tagen bereits online
Die Juli-Ausgabe des Infoblattes der Petrusbruderschaft.

Inhalt:

Editorial 
von P. Axel Maußen FSSP, Distriktsoberer des deutschsprachigen Raums

Über die Diakonatsweihe 2014
von dem Wigratzbader Seminaristen Roland Weiß

"Im Trubel der Zeit Gott begegnen" 
über die Herausforderung des Christseins, das alltägliche Leben nicht vom Glauben zu trennen, über die Tugend der Frömmigkeit und über Dietrich von Hildebrand - von P. Michael Ramm FSSP


"Warum unfehlbar heilig?" 
über Heiligkeit, Heilige, Heiligsprechung, Kirchenpolitik und Unfehlbarkeit - von P. Lic Sven Leo Conrad FSSP

"Hier hat Gott gelebt"
Eine Gruppe von Jugendlichen durfte im vergangenen Sommer eine ergreifende Wallfahrt auf den Spuren Jesu erleben - Bericht eines Teilnehmers

Termine:
Exerzitien, Wallfahrten, Einkleidung und Tonsur, Ferien-Freizeiten

Kontaktdaten:
Niederlassungen der FSSP und Gottesdienstzeiten

sowie eine kurze Lebensbeschreibung des hl. Kamillus von Lellis


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weitere Ausgaben des Info-Blattes: hier
weitere Informationen über die Priesterbruderschaft St. Petrus
Web-Präsenz von P. E. Recktenwald: kath.info


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Sonntag, 6. Juli 2014

Hoffnung auf die Vollendung der Kindschaft Gottes in der Erlösung auch des Leibes


Brüder! Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und harren auf die [Vollendung der] Kindschaft Gottes, die Erlösung unseres Leibes; in Jesus Christus, unserem Herrn.

Röm 8,18-23; Lesung zum vierten Sonntag nach Pfingsten


 Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung 
(Röm 8, 24)


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Vortrag (mp3) von Martin Mosebach via domradio.de:



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Samstag, 5. Juli 2014

Amtspflichten

"Die besten Regeln nützen aber  nichts, wenn nicht jene, denen es obliegt, für ihre Befolgung zu achten, entschieden und beharrlich des eigenen Amtes walten."

Pius XII. am 10.09.1957 in der Ansprache an die Teilnehmer der Generalkongregation des Jesuitenordens; zitiert nach "Soziale Summe Pius XII."; A.F. Lutz, J.F. Groner; Paulusverlag Freiburg Schweiz; AD 1961


Weiteres zum Thema "Amtspflichten": 

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Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu - Eine Begegnung mit dem hl. Pfarrer von Ars

von P. Bernward Deneke

Zuweilen möchte man die Zeituhr zurückdrehen und sich eine Begegnung mit bedeutenden Persönlichkeiten früherer Epochen ausmalen. Wir wäre es wohl gewesen, diese oder jene Berühmtheit in ihrer Lebenswelt anzutreffen?

Weil ich Priester bin und der heilige Jean-Marie Vianney auch für mich ein herausragendes priesterliches Vorbild ist, liegt es nahe, sich eine Begegnung mit ihm, dem Pfarrer von Ars, vorzustellen. Und zwar eine Begegnung unter Priestern. Ich versetze mich also in die Person irgendeines seiner Mitbrüder, der gemeinsam mit dem späteren Heiligen das Seminar besucht und aus dieser Zeit noch manche Erinnerung an ihn bewahrt hat, der aber nachher keinerlei Kontakt mehr zu ihm unterhielt – bis zu den denkwürdigen Ereignissen, die jetzt zu schildern sind. (Hier beginnt der Bericht des Abbé N. N. über seine Wiederbegegnung mit dem Pfarrer von Ars:)

Immer wieder hatte ich in den letzten Jahren über das Wunder von Ars erzählen hören. Um es sogleich zu sagen: Es handelte sich bei den Personen, die mir da von einem außerordentlichen Priester vorschwärmten, nicht um die Vertrauenswürdigsten. Manche von ihnen waren mir als ausgesprochene religiöse Exzentriker mit einem Hang zum Aberglauben bekannt. Immer auf der Suche nach Mirakulösem, hatten sie jetzt offensichtlich eine neue Sensation ausfindig gemacht: den Pfarrer eines völlig unbedeutenden Örtchens, dem man allerlei Erstaunliches nachsagte.

Als entschiedener Gegner von Personenkult und fragwürdiger Mystik hatte ich die Sache zunächst ignoriert. Weil aber die Wellen des Phänomens Ars mehr und mehr auch in meinen Seelsorgebereich hinüberschwappten, mußte ich mich nun doch dafür interessieren. Und das, ich gebe es zu, mit einer Einstellung, die sich des vernichtenden Urteils bereits sicher war.

Wie groß aber war mein Erstaunen, als ich den Namen des legendenumwobenen Pfarrers von Ars vernahm: Jean-Marie Baptiste Vianney! Anfangs wollte ich es nicht glauben, daß ausgerechnet jener minderbemittelte Mitstudent von damals nun ein umschwärmter Geistlicher sein sollte. Aber dann fielen mir andere Fälle ein, in denen sich gerade Priester mit theologischen Defiziten durch bestimmte Sonderlichkeiten profiliert und einen Namen gemacht hatten. Es ist ja bekanntlich nicht schwer, gewisse Schichten des katholischen Volkes zu beeindrucken und an sich zu binden, Menschen nämlich, denen es weniger um solide Glaubenslehre und objektiv-kirchliche Verwaltung der Sakramente geht als um außergewöhnliche Geschehnisse und fromme Verrenkungen. So betrachtet, paßte Jean-Marie Vianney also doch ins Bild.

Denn was wußte ich noch von ihm? Er, ein einfacher Bauernsohn aus Dardilly, war als Spätberufener mit mir für drei Jahre im Seminar von Lyon gewesen. Dort hatte er nicht im Ansehen gestanden, eine Leuchte der Wissenschaft zu sein: Weil seine Leistungen, besonders die Lateinkenntnisse weit unter dem erforderten Niveau lagen, war er schließlich weggeschickt und später nur auf Betreiben seines Mentors, des alten Asketen Pfarrer Balley, zur Abschlußprüfung zugelassen worden.

Vianney gehörte im Seminar zu den Strengen und Engen, ja er war wohl der Strengste und Engste von allen. Sein geistliches Streben wirkte auf mich reichlich angespannt, für fröhliches Zusammensein und festliche Mahlzeiten hatte er (entgegen der tiefen Weisheit der hl. Theresia von Avila: „Wenn Fasten, dann Fasten, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn!“) nichts übrig. Während seines letzten Seminarjahres schottete er sich gänzlich von den anderen ab, spielte den Wüstenvater oder Trappisten. Er redete nicht mit uns und schien ganz in seiner nicht sonderlich einladenden Welt zu leben. Jean-Marie mag viele Tugenden geübt haben; von derjenigen der Leutseligkeit aber konnte ich bei ihm keine Spur feststellen. 

Eigentlich hätte man ihm die Pforte zum Priestertum wohl gar nicht eröffnet. Doch im Abschlußexamen ließ man sich aus unerfindlichen Gründen auf seine Stufe herab: Statt in der Kirchensprache befragte man ihn in der Muttersprache, und da er nicht einmal darin richtig zu antworten wußte, wurde ein zweiter Gnadenanlauf gewährt. Bei dieser Gelegenheit stellte der anwesende Generalvikar die Fragen: "Ist Vianney fromm? Verehrt er die Gottesmutter? Kann er den Rosenkranz beten?“ Und als man versicherte, er sei wahrhaft ein Vorbild an Frömmigkeit, entschied sich der Vertreter des Bischofs: „Ein Vorbild an Frömmigkeit! Gut, ich berufe ihn. Die Gnade Gottes wird den Rest machen."

Ich weiß noch, auf welches Befremden der Vorgang bei einigen Mitbrüdern stieß. Als man dann recht bald von exzessiven Bußübungen munkeln hörte, die der neugeweihte Priester, inzwischen Vikar in der Pfarre zu Écully, praktizierte, schien das alle Vorbehalte zu bestätigen. Vianney bei Pfarrer Balley! Glaubhaften Gerüchten zufolge bestand zwischen dem alten und dem jungen Asketen gar ein Wettstreit in der Verwendung der Geißel... Hätte man den Neupriester nicht bei einem gesetzteren, auf harmonische Persönlichkeitsentwicklung bedachten Pfarrherrn in die Lehre schicken können? - - -

Mit solchen Gedanken kam ich eines Abends in Ars an. Ich wollte mir selbst einen Eindruck verschaffen. Wollte nicht nur vom Hörensagen her urteilen, sondern meine Ablehnung der Umtriebe aus eigener Anschauung begründen können. Und dabei schienen mir schon die ersten Augenblicke in dem Ort helfen zu wollen: Alles war hier vom Kult dieses Priesters erfüllt. Man tauschte Geschichtchen und Bildchen von ihm aus. Eine offensichtlich überspannte Frau in der Herberge zeigte jedermann stolz einen Fetzen aus der Soutane des Pfarrers, den sie ergattert hatte und nun als Reliquie mit sich herumtrug... Mein Gedanke war: „Daß Vianney sich das alles nicht verbittet, spricht klar gegen ihn!“

Sehr bald wurden mir auch Inhalte seiner Verkündigung zugetragen. Die Wirtshäuser soll er vor Jahren als „Werkstätten des Teufels“, als „Schulen, in denen die Hölle ihren Unterricht gibt“ und als „Stätten, wo man die Seelen verkauft“ bezeichnet haben, den Tanz als „jenen Strick, mit dem der Teufel die meisten Seelen zur Hölle zieht“, und: Wer zum Tanzen geht, läßt vielfach seinen Schutzengel an der Türe zurück und der Teufel ersetzt ihn, so daß es im Tanzsaal alsbald ebensoviel Teufel wie Tänzer und Tänzerinnen gibt."

Ist das wohl die Art, in der die weise und milde Mutter Kirche ihre Kinder unterrichtet sehen will? Daß Vianney nach glaubhaften Berichten jungen Menschen, die sich des Schwerstvergehens „Tanz“ schuldig gemacht hatten, über lange Zeit hin die Lossprechung verweigerte, zeugte für mich davon, wie wenig in ihm zu finden war von der Güte und Weitherzigkeit der besten französischen Tradition beispielsweise eines Vinzenz von Paul und Franz von Sales. Stattdessen fühlte ich mich eher an die Härte der Jansenisten erinnert.

Dennoch, die Massen strömten zu seinem Beichtstuhl. Und ich fragte mich: Widerspricht nicht schon dieses Verhalten dem Willen der Kirche? Der katholische Christ muß doch wissen, daß die Sakramente von objektiver Wirksamkeit sind und nicht an der – angeblichen oder tatsächlichen – Heiligkeit eines bestimmten Priesters hängen. Hätte Vianney auch nur ein wenig kirchlichen Sinn, dann würde er die Menschenmengen gewiß fortschicken: „Geht, denn was ihr hier sucht, das könnt ihr bei jedem rechtgläubigen und rechtmäßigen Verwalter der Sakramente finden!“ Ja, das wäre ein Ausdruck von menschlicher und priesterlicher Größe gewesen. Er aber hörte Tag für Tag (und sogar bis in die Nächte hinein) Beichte um Beichte.

Im Studium hatte man uns immer wieder gesagt, gerade für die Verwaltung des Bußsakramentes bedürfe es sehr solider Kenntnisse. Ein „doctus cum pietate“ solle der Beichtvater sein: ein Gelehrter mit Frömmigkeit. Von der heiligen Theresia von Avila wird sogar der Ausspruch überliefert, wenn man sie vor die Wahl zwischen einem nur frommen und einem nur gelehrten Seelenführer stelle, so werde sie sich ohne Zögern für den letzteren entscheiden. Was also, dachte ich mir, ist davon zu halten, wenn jetzt Scharen von Menschen nach Ars reisen, um sich ausgerechnet Vianney in der Beichte anzuvertrauen, einem Priester, für den die Kirchenlehrer Augustinus und Thomas, aber auch unsere hervorragenden Franzosen Bernhard von Clairvaux, Kardinal Bérulle, Jean Eudes und Franz von Sales offensichtlich umsonst geschrieben haben... - - -

Ich gestehe, daß mich derartige Gedanken ganz gefangen genommen hatten, bis ich am kommenden Morgen plötzlich, ich weiß nicht aufgrund welcher besonderen Gnade, meine Augen und dann auch nach und nach mein Herz zu öffnen begann, um anderen, durchaus gegenteiligen Eindrücken den Weg in mein Inneres zu gestatten. „Ars ist nicht mehr Ars“, dieses schon beinahe geflügelte Wort, wurde mir auf meinem frühmorgendlichen Weg zur Kirche eine geradezu handgreifliche Realität. Von den oft unruhigen und wundersüchtigen Pilgern unterschied ich nun die Einheimischen: schlichte und einfache Menschen, denen Sensations- und Geschäftemacherei fern lag, auf deren Gesichtern vielmehr der Glanz echter Gottverbundenheit erstrahlte. Der Pfarrer, sagte man mir, versorge sie trotz der heranstürmenden Massen vorbildlich; er lasse die Herbeigereisten ohne weiteres warten, wenn eines seiner Pfarrkinder ihn brauche.

Als ich die Kirche betrat, erstaunte mich die prächtige und geschmackvolle Ausstattung. Ein Gotteshaus, das die Frömmigkeit gleichsam zu atmen schien und daher die Menschen mit sanfter Gewalt auf die Knie, zur Anbetung des Hausherrn nötigte; denn daran, wer hier im Mittelpunkt stand, konnte trotz der beherrschenden Gestalt des Pfarrers (den ich bisher nicht zu Gesicht bekommen hatte) kein Zweifel bestehen. Es wunderte mich daher auch nicht, in diesem Heiligtum neben den Beichtenden schon jetzt außergewöhnlich viele Beter anzutreffen, manche von ihnen augenscheinlich in stille Betrachtung versenkt. „Das hat sie unser Pfarrer gelehrt“, sagte man mir. Ein Vergleich mit dem eher traurigen Bild, das sich in meiner Pfarrkirche nicht nur zu solcher Morgenstunde bietet, ließ Scham über die voreiligen Urteile in mir aufkommen. Sollte es nicht doch möglich sein, daß Gott...?

Es hatte gerade 6 Uhr geschlagen, als sich die Sakristeitür öffnete und eine abgezehrte, doch lichtvolle Priestergestalt in edlen Gewändern zum Altar schritt. Vianney! Alle bereits erwähnten Bedenken und Einwände wollten sich wieder in mir zu Worte melden, lösten sich aber angesichts dieses Anblicks auf wie der Frühnebel vor der Sonne. Nichts an meinem ehemaligen Mitstudenten war exaltiert oder auf Wirkung angelegt. Er zelebrierte die heiligen Geheimnisse den Vorschriften gemäß, ohne Eigenwilligkeiten, nichts in die Länge ziehend, dabei zugleich demütig und würdevoll in allen Bewegungen. Die Hingabe dieses Priesters an seinen gegenwärtigen, geopferten Herrn war unmittelbar spürbar, der Geist tiefer Ehrfurcht und inniger Anbetung ging auf das anwesende Volk über. Selten habe ich an einer Heiligen Messe ergriffener teilgenommen, geschweige denn sie selbst so zelebriert... 

Als ich später die vielgerühmte 11-Uhr-Katechese besuchte, verspürte ich schon gar keine Neigung mehr, etwaige theologische Unvollkommenheiten aufzuspüren. Und wäre das noch immer mein Ansinnen gewesen, ich hätte mich doch geschlagen geben müssen angesichts der Worte voller Weisheit und Liebe, die ich jetzt zu hören bekam. Es erschien mir als ein freundlicher Wink der Vorsehung, daß Vianney ausgerechnet heute über das Priestertum sprach. Er tat es nicht wie ein Büchergelehrter, auch nicht wie ein bloß Glaubender, sondern eher wie einer, der das, was er beschreibt, mit inneren Augen selbst schaut. Einige seiner Aussprüche sind besonders stark in mein bedürftiges Priesterherz eingedrungen. Gewiß spielte der Klang, mit welchem der Pfarrer von Ars sie aussprach, und überhaupt seine ganze Gestalt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Aber auch lange nach diesem Eindruck haben sie nichts von ihrer Herrlichkeit eingebüßt:

Wenn wir recht begreifen würden, was ein Priester auf Erden ist, würden wir sterben: nicht vor Schreck, sondern aus Liebe. Ohne den Priester wäre das Leiden und Sterben unseres Herrn sinnlos. Der Priester führt das Werk der Erlösung auf Erden fort. Was nützte ein Haus, das mit Gold gefüllt ist, wenn es niemanden gäbe, um die Tür zu öffnen? Der Priester besitzt die Schlüssel zu den Schätzen des Himmels. Und sogar Gott gehorcht ihm: Der Priester spricht einige Wörter aus, und daraufhin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in der kleinen Hostie ein. Ja, ohne das Sakrament der Weihe hätten wir den Herrn nicht. Wer hat Ihn da in den Tabernakel gesetzt? Der Priester. Wer hat eure Seele beim ersten Eintritt in das Leben aufgenommen? Der Priester. Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pilgerschaft zu vollenden? Der Priester. Wer wird die Seele darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie zum letzten Mal im Blut Jesu Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester. – Oh, wie groß ist der Priester! Wenn er verstünde, was er ist, er würde sterben. Erst im Himmel wird er sich selbst recht verstehen.“

Und noch dieses wunderbare Wort ist in mir haften geblieben und hat sowohl Vianney als auch mein eigenes Dasein und Wirken in ein völlig neues Licht getaucht: „Das Priestertum, das ist die Liebe des Herzens Jesu.“ Jetzt meinte ich zu verstehen, warum unser Herr Seinen großen Diener im Studium derart schwach erscheinen ließ: um durch diesen geringen Mann alles Hochtrabende und Aufgeblähte zu beschämen und in ihm die Macht der Liebe Seines Herzens zu offenbaren! Ich hatte auch keine Schwierigkeiten mehr mit seinen Gestrengheiten gegen sich und gegen seine Pfarrkinder. Hatte er nicht den Vorläufer und Wegbereiter des Herrn, Johannes den Täufer, zum Namenspatron? Wie diesem war es Vianney darum gegangen, alles in seinem eigenen Leben und in den anvertrauten Seelen zu beseitigen, was sich der Ankunft Jesu entgegenstellte. Dann aber ließ er unter den Menschen die göttliche Liebe in einer einzigartigen Weise aufstrahlen. Welche Barmherzigkeit hat Gott uns durch ihn erwiesen, welche guten Einrichtungen ins Werk gesetzt – man denke nur an die Providence, das Heim für arme Mädchen!

Bleibt noch zu erwähnen, daß ich mir selbstverständlich die Gelegenheit, beim heiligen Pfarrer von Ars zu beichten, nicht nehmen ließ. Seither bin ich der felsenfesten Überzeugung: Die Begegnung mit ihm wird für jeden Priester zu einer große Gnade. (Hier schließt der Bericht des Abbé N.N.)



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Wegweisung für Wegweiser -
Reinigung und Erneuerung des priesterlichen Lebens
Exerzitien mit dem hl. Pfarrer von Ars
Mit einenm Vorwort von Walter Kardinal Brandmüller
UNA VOCE Edition Tremsbüttel 2014
ISBN: 978-3-926377-00-5
Preis 7,80 Euro 
Bestellmöglichkeit: UNA VOCE Shop
oder in jeder Buchhandlung
Rezension von Pfr. Guido Rodheudt
Rezension von Hans Jakob Bürger


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Freitag, 4. Juli 2014

Die Verantwortung des Amtes

 
Verwechseln wir nicht die Rechte unseres Amtes 
mit denen unserer Person. - 
Auf die ersteren dürfen wir nicht verzichten.


hl. Josemaria Escrivá de Balaguer (1902-1975), Der Weg Nr. 407 

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Heiliger Ulrich von Augsburg, 
bitte für uns und alle Bischöfe und Priester!




Bild: Statue des hl. Ulrich in der Hohen Domkirche Unserer Lieben Frau zu Augsburg, Bistumspatron der Diözese Augsburg; eigenes Foto

Mittwoch, 2. Juli 2014

Mariä Heimsuchung: Aus meinem Herzen strömt ein hohes Lied




Salve, sancta parens, enixa puerpera Regem, 
qui caelum terramque regit in saecula saeculorum.
Eructavit cor meum verbum bonum; 
dico ego opera mea regi.

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Gruß dir, heilige Mutter, die du geboren den König,
der über Himmel und Erde in alle Ewigkeit herrscht!

Aus meinem Herzen strömt ein hohes Lied:
Ich weih mein Werk dem König!

Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste,
wie es war im Anfang so auch jetzt und alle Zeit 
und in Ewigkeit! Amen.


Introitus zum Fest Mariä Heimsuchung (Schott Volksmessbuch)

Pfr. Michael Theuerl: Pladoyer für die sakramental-hierarchisch verfasste Kirche

Der Priester Michael Theuerl, Pfarrer der Pfarrei Sanctissima Eucharistia in Teltow, hat mit Datum vom 29.05.2014 (und einen kurzen Anhang vom 03.06.2014) einen offenen Brief an den Bischof von Berlin,  Rainer Maria Kardinal Woelki, geschrieben. In diesem Schreiben warnt er vor der Aufgabe der hierarchischen Verfasstheit der katholischen Kirche durch eine Säkularisierung der Kirche einerseits und einer Klerikalisierung der Laien andererseits und plädiert für eine Umkehr. Pfr. Theuerl schreibt unter anderem:
In der neuen „kooperativen Pastoral“ einer geschwisterlichen Kirche seien alle Seelsorgerinnen und Seelsorger. Der Runde Tisch – ein politisches, weltliches Modell – soll an die Stelle der katholischen Kirche treten. Auf allen Ebenen der Kirche laufen Bemühungen, dieses neue Kirchenmodell durchzusetzen.

Man kann es als die Grundhäresie der westlichen Kirche bezeichnen: die theoretische und faktische Abschaffung des Hirtenamtes, des Apostolischen Amtes und der sakramental-hierarchischen Grundstruktur, die zum Wesen der göttlichen Stiftung Kirche gehört und ohne die man nicht mehr von Katholischer Kirche sprechen kann. 
Genauso wie wir argumentieren, dass mit der Aufwertung der „Homo-Ehe“ die Ehe und Familie relativiert und letztlich zerstört wird, muss man sagen, dass mit der angeblichen Aufwertung der Laien das Apostolische Amt relativiert und die Ortskirche zu Grunde gerichtet wird. Man kann nicht etwas zugestehen, was dem anderen objektiv nicht gegeben ist.

Die Feststellungen von Pfr. Theuerl decken sich mit denen des Kirchenrechtlers Prof. em. Georg May (Mainz), die dieser bereits im Jahre 1997 in dem auch als Buch veröffentlichten Vortrag über "die andere Hierarchie" äußerte und der (nicht als Einziger) vor einer Protestantisierung der katholischen Kirche warnte - freilich ohne bei Bischöfen und Funktionären der Kirche in Deutschland Gehör zu finden.

Mit der "anderen Hierarchie" ist gemeint die Etablierung einer Parallelstruktur von Laien auf allen Ebenen - neben der in der Kirchenverfassung verankerten Hierarchie göttlichen Rechts, die durch geweihte Amtsträger, nämlich durch den Priester bzw. den Bischof als Haupt und Hirte der Gemeinde, verwirklicht ist (vgl. z. B. hier).

Der Priester aus dem Bistum Berlin schreibt weiter:
Letztlich wird die Einbindung des Priesters in eine sog. Pastoral des Runden Tisches zum Ende des Priestertums führen, denn welcher Priester oder Priesterkandidat möchte sich ständig herumärgern mit Leuten, die auch jetzt schon ihre „Informationen“ und „Ideen“ aus Internetforen (auch kirchenfeindlichen) beziehen und einbringen werden; man denke nur an „Kinderkirche“, Liturgiekreise, Kampf um die Durchsetzung des Diakonats der Frau …

Es macht keinen Sinn, schon beim Stand 2014, wo viele sich nicht mehr einig darüber sind, was katholischer Glaube ist, solche Runden Tische zu organisieren, wo offensichtlich zusehends die gemeinsame Basis schwindet und man nicht bereit ist, sich am Katechismus und an der Lehre der Kirche zu orientieren.

Man mag noch so oft betonen, das Hirtenamt werde nicht beschädigt – das Gegenteil ist der Fall bei der „Pastoral des Runden Tisches“. Denn schon rein menschlich wird der Pfarrer auf Dauer sich nicht gegen die Leute am Tisch stellen wollen. Bestenfalls wird er die Rolle als Moderator einnehmen. Das ist aber nicht das Hirtenamt. De facto liegt eine Amtsbehinderung des Pfarrers durch selbstgeschaffene Strukturen vor, die dem Kirchenrecht widersprechen. Jeder, der ein bisschen Ahnung von den jetzigen Problemen beim Personal in den Pfarreien hat, weiß, dass der beabsichtigte Plan rein psychologisch niemals funktionieren wird und darüber hinaus dem Wesen der Kirche widerspricht.

Das Resultat wird kein anderes sein als Streit, Sich Zurückziehen, Dienst nach Vorschrift, Verantwortungslosigkeit oder Burn out und gänzliches Weggehen. Man kann nicht in protestantischen (?) Strukturen katholisch bleiben, selbst dann nicht, wenn die Leute alle ganz nett sind.

Auch dies entspricht dem, wovor Prof. May immer wieder seine Stimme erhob (vgl. z. B. hier). Die neugeschaffenen Strukturen, die es so auch nur in der deutschen bzw. deutschsprachigen Kirche gibt, sind mit dem Kirchenrecht und der hierarchischen Verfassung der Kirche nicht vereinbar. 

Bis jetzt hat sich an der Situation nichts geändert, außer, dass man den falschen Weg noch immer weiter gegangen ist. Es wird Zeit sich zu besinnen und sich endlich aus dieser Schieflage zu befreien. 

Pfr. Theuerl sieht denn auch eine Lösung der zweifelsohne verfahrenen Situation: eine Re-form die sich an der Form orientiert, wie sie war, bevor die große Verwirrung begann:

Man muss nicht neue Strukturen (Pastoraler Raum) oder neue Titel (Pfarrvikar, der nicht mit dem gleichnamigen Titel im CIC identisch ist!) erfinden – Eigenschöpfungen, theologisch und kirchenrechtlich nicht vorgesehen – , sondern man kann ganz normal alle katholischen Strukturen und Titel verwenden, z. B. auch für das Gebiet eines Dekanates: Es gibt einen Pfarrer, mehrere Kapläne, die sich wieder Helfer suchen, sie vor Ort schicken und Anweisungen geben (dazu braucht man keine Pastoralreferenten, die sich im Vespermantel auf den Priestersitz setzen und sich freuen, einen Gottesdienst „selbständig“ zu leiten – nein da betet man Rosenkranz, Laudes, Vesper, oder eine Andacht aus dem Gotteslob, um den falschen Eindruck zu vermeiden, Gottesdienst sei Gottesdienst).

In den Zeiten der Verfolgung in Russland haben sich gläubige Laien beim Vorbeten, Beerdigen, Taufen … immer als Provisorium, als Platzhalter für den Priester verstanden. Dass das hier heute auch so ist, kann man bezweifeln. Auch eine Pfarrei mit über 36.000 Katholiken kann man auf katholische Weise leiten.

Auch der Hinweis und die Beherzigung der Konzilstexte, wie auch der "Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit von Laien am Dienst der Priester"von 1997, können hier, wie Pfr. Theuerl anmerkt, hilfreich sein, um zum katholischen Wesen des Priestertums und zu einer Normalität kirchlicher Verhältnisse zurückzufinden. "Bei allen theologischen Fragen", so Theuerl,"muss man zuerst die Dogmatik bedenken (was ist Sache) und dann erst die Pastoraltheologie (was kann man damit machen); nicht die Frage: Wie bekommen wir alle unter einen Hut, sondern zuerst die Frage: Wo liegt der Hut." 

Oder wie es Michael Karger einmal ausdrückte: "Wenn sich die Pastoral ihre eigene Lehre schafft, wird dies mit der völligen Preisgabe des definierten Glaubens enden. Das Christentum würde zur reinen Lebenspraxis herunternivelliert. Das Handeln kann aber niemals Quelle der Wahrheit sein."

Und fast wörtlich kommt Theuerl zum gleichen Schluss wie der Kirchenrechtler May. Theuerl: "Aber selbst wenn das Verhältnis nicht sonderlich belastet ist, muss man sagen, dass man niemals auf Dauer falsche Strukturen mit guten Leuten retten kann." Und May: "Ich kann und will nicht über die Mitglieder in der Kirche den Stab brechen. Unter ihnen befinden sich zweifellos viele gutwillige, wohlmeinende Personen, welche die Intention haben, der Kirche einen Dienst zu leisten. Doch ein falsches Modell wird durch die gute Absicht von Personen, die in dieses eingefügt sind, nicht richtig."

Schließlich kommt Theuerl zum Wesentlichen: "Die Kirche wird von Christus (nicht durch menschliches Engagement) aufgebaut durch die Eucharistie: Der eucharistische Leib baut den mystischen Leib – die Kirche – auf. Der Mensch ist vor Gott ein Empfangender; Der Glaube kommt vom Hören, nicht vom Machen." Die Kirche lebe aus der Eucharistie und den Sakramenten und sei nicht Menschenwerk, "die würdige Feier der Hl. Messe" sei das Wesentliche.

Ein durch und durch lesenswerter und wichtiger Brief mit besorgniserregenden Beobachtungen zum Zustand der Kirche in Deutschland, offen und mutig vorgetragen von einem Priester, der aus eigener Erfahrung weiß, dass "man als Christ seinen Weg oft allein gehen muß und daß man verlogenen Dialogversuchen eine klare Absage erteilen muß". Ein Brief mit auch ohne großen Aufwand und ohne viel Bürokratie realisierbaren Vorschlägen, um die Misere endlich zu beenden. Noch ist es vielleicht an der Zeit, bevor es zu einem großen Schisma in der deutschen Kirche kommt (das freilich latent schon längst vorhanden ist).

Möge der Brief bei seinem Adressaten (und vielleicht auch bei anderen Verantwortungsträgern in der Kirche) nicht auf taube Ohren stoßen, sondern aufrichtig zu Einsichten führen, die wiederum dazu führen mögen, offensichtlich falsche Wege zu verlassen und mutig auf den richtigen Weg zurückzueilen, damit das Volk Gottes nicht mehr herumirren muss, sondern sicher und bald das Ziel seiner Pilgerschaft erreichen kann...


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Leseempfehlung:

Weitere Kommentare katholischer Blogs zum offenen Brief von Pfr. Theuerl:

Weiteres zum Thema "Demokratie und Hierarchie in der Kirche":


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Dienstag, 1. Juli 2014

Prof. Georg May: Die andere Hierarchie - Teil 41: Der Grundirrtum und die einzelnen Mängel des Rätesystems in der Kirche

Prof. Dr. Georg May

Die andere Hierarchie


Teil 41


Verlag Franz Schmitt Siegburg AD 1997


Fortsetzung von hier

III.  Der Grundirrtum und die einzelnen Mängel

1.  Der Grundirrtum

Der Grundirrtum der Rätestruktur besteht in Folgendem: Die Räte verletzen die unersetzbare Stellung und die unübertragbare Verantwortung der geweihten Hirten. Nur wer die im Weihesakrament vermittelte besondere personale Prägung besitzt, vermag in dem hierarchisch strukturierten Gottesvolk in der Rolle des Hauptes zu stehen, Beschlüsse zu fassen und Weisungen zu erteilen.

Es ist irrig, dem Bischof lediglich die Letztverantwortung zuzugestehen. Als Vorsteher seiner Diözese ist er deren Haupt und trägt die Erst- und Hauptverantwortung. Es ist ebenso irrig, dem Priester allein die Letztverantwortung zuzusprechen. Der Priester ist das Haupt seiner Gemeinde und hat die entscheidende Verantwortung.

Wenn man Gremien schafft, dann gebührt dem zuständigen Hirten in allen der Vorsitz. Die dem neuen Gottesvolk eigene hierarchische Struktur fordert zwingend, dass Räte Beschlüsse in Angelegenheiten des amtlichen Pflichtenkreises der geweihten Hirten nur mit deren Zustimmung fassen können.

Die geistlichen Hirten Mehrheitsentscheidungen von Räten zu unterwerfen, heißt die Kirchenverfassung umstülpen. Der geweihte Hirt und er allein vertritt seine Gemeinde. Wenn er sich bei dieser Vertretung der Zustimmung eines Gremiums versichert, wird seiner Vertretungsmacht nichts Wesentliches hinzugefügt; wenn diese Zustimmung fehlt, wird ihr nichts genommen. Dagegen ist eine Vertretungsbefugnis des Gemeinderates, die nicht von der Hauptstellung des Pfarrers getragen und gedeckt ist, unmöglich.

2.  Die einzelnen Mängel

a) Die Auswahl der Personen

Ich kann und will nicht über die Mitglieder in der Kirche den Stab brechen. Unter ihnen befinden sich zweifellos viele gutwillige, wohlmeinende Personen, welche die Intention haben, der Kirche einen Dienst zu leisten. Doch ein falsches Modell wird durch die gute Absicht von Personen, die in dieses eingefügt sind, nicht richtig.

Außerdem sind es häufig nicht die bewährten und frommen Christen, die in den Räten den Ton angeben. Vielmehr sammeln sich in ihnen nicht selten die Elemente, die auf Anpassung an die aus den Fugen geratene Welt spezialisiert sind. Sie stehen unter dem Einfluß der progressistischen Theologie, die an dem seit 35 (Anm.: nunmehr etwa 52 Jahren) anhaltenden unaufhaltsamen Niedergang der Kirche größte Schuld trägt, und machen sich zu Vollstreckungsgehilfen von deren verwirrten Ansichten.

Den allermeisten Mitgliedern der Räte fehlt es sodann an den fachlichen Voraussetzungen zur Beratung und Entscheidung der anstehenden Fragen. Reden sollte nur, wer etwas zu sagen hat. Mitreden kann nur, wer mitzudenken vermag. In den Räten darf jeder sprechen, der eine Stimme hat. 

Jeder Betrieb, der im Wettbewerb überleben will, benötigt zu seiner Leitung hochqualifizierte Fachleute. In den Räten aber wirkt jedes Mitglied auch ohne Nachweis von Kompetenz an Entscheidungen über schwierigste Fragen von Lehre und Ordnung der Kirche mit. So ist es dahin gekommen, dass die Unreife und die Unzuständigkeit in der Kirche das große Wort führen.

Dazu kommt, dass die religiösen und sittlichen Voraussetzungen der Ratsmitglieder in der Regel nicht hoch angesetzt sind. Zum Beispiel fehlen Väter und Mütter, die sich durch gute Erziehung einer kinderreichen Familie qualifiziert haben und eine vorbildliche christliche Haltung an den Tag legen, fast immer. Um so mehr sind Leute anzutreffen, die eine Schlagseite zum Protestantismus haben. Es ist sogar "die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, dass die Gläubigen mehr oder weniger von solchen vertreten werden, die nur dem Schein nach katholisch sind" (10). In der Regel steht das Maß ihrer Kritik in umgekehrtem Verhältnis zu ihrem apostolischen Zeugnis.

b) Die Rederei

In allen Räten, Gremien und Versammlungen wird geredet und debattiert. Die andere Hierarchie ist eine Stufung von Rednern, nicht eine Gliederung von Zeugen. Die meisten Gremien planen Seelsorge, aber betreiben sie nicht. Rederei, Geschwätz und Schaumschlägerei sind kein christliches Zeugnis. 

Es war der Grundsatz Pius' XI.: Wenig reden, viel tun (Parlare poco e fare molto). In dem Maße, in dem das Priestertum herabgedrückt wurde, hat man die neue Klasse der Plauderer emporgehoben. Der Prinz Eugen pflegte zu sagen, dass, wenn ein General keine Lust habe, etwas zu unternehmen, es dafür kein besseres Mittel gebe, als einen Kriegsrat zu halten. "Ein Ausschuss ist eine Gruppe Unvorbereiteter, die von den Unwilligen ernannt werden, damit sie das Unnötige tun" (Frederich L. Allen).

c) Fehlen von Autorität und Verantwortung

Vor allem aber fehlt es den Mitgliedern der Gremien an Autorität und an der Verantwortung. Autorität ist die legitime Macht einer Person oder einer Gruppe, der andere Gehorsam und Unterordnung schulden. Die Gremien der anderen Hierarchie gehören nicht zu der Hierarchie göttlichen Rechtes, die nach dem Willen Christi die Kirche zu leiten hat. Ihre Beschlüsse sind daher von keiner Rechtsmacht getragen und unverbindlich.

Verantwortung besagt die Verpflichtung, in einem Bereich, der einem übertragen ist, das Gute und Rechte zu fördern und das Schlimme und Unrechte zu beseitigen. Verantwortung besagt auch, dass man für Erfolg oder Misserfolg haftbar ist. Wer Verantwortung für etwas hat, muss für seine Handlungen und Versäumnisse und deren Folgen einstehen.

Es ist viel davon die Rede, dass in den Räten Verantwortung ausgeübt werde. Wann und wo ist jemals ein Rat wegen seiner Tätigkeit oder Untätigkeit regresspflichtig gemacht worden? Verantwortung besagt, dass man sich vor einer Instanz rechtfertigen muss. Vor wem haben die Mitglieder der Räte sich jemals rechtfertigen müssen? In einem Gremium, in dem die Mehrheit entscheidet, besteht keine Möglichkeit, jemanden zur Rechenschaft zu ziehen. Seine Mitglieder handeln nach dem Grundsatz: Wenn alle irren, kann niemandem ein Vorwurf gemacht werden.

d) Anmaßung

Die Räte könnten und sollten die Sache Gottes in der Welt betreiben. Sie könnten und sollten der Stimme des Glaubens in der Gesellschaft Gehör verschaffen. Die Räte könnten und sollten in dem überschaubaren Bereich, dem sie zugeordnet sind, für die Umsetzung der Anordnungen und Weisungen der kirchlichen Hierarchie Sorge tragen. Sie könnten und sollten gewiss in diesem Sektor auch Anregungen und Vorschläge machen. Sie könnten und sollten aber vor allem den Amtsträgern bei ihren vielfältigen Aufgaben zur Hand gehen.

Doch all dies geschieht in den seltensten Fällen. Die sogenannte Laienarbeit besteht ganz überwiegend nicht im Zeugnis für Christus in der Welt, sondern in dem Mitmischen in kirchlichen, häufig sogar klerikalen Angelegenheiten.

Der Sitzungskatholizismus ist ohne jeden missionarischen Schwung. Ein erheblicher Teil der Räte emanzipiert sich sogar von Lehre und Ordnung der Kirche, betreibt Destruktion an Glaube und Recht, sät Misstrauen und Unzufriedenheit mit der Kirche. Sie wollen bestimmen, was heute noch geglaubt werden kann und was angeblich nicht mehr nachzuvollziehen ist. In den Räten hat in aller Regel jene Proposition Aussicht auf Annahme, die dem glaubensmäßigen und ethischen Minimum näher steht als jede andere.

Das Rätesystem ist das Mittel, durch das sich der Lange Marsch des Progressismus durch die Institutionen der katholischen Kirche vollzieht. Die Räte verbünden sich dabei mit den Medien. Wie diese fast überall eingestellt sind, bedarf keiner Erklärung. Wann immer es mit den Demokratisierern gegen die Hierarchie der Kirche geht, blasen sie zum Angriff. Die Gremien, Sitzungen und Entschließungen des deutschen Katholizismus  sind so auf weite Strecken Kampfinstrumente gegen Lehre und Ordnung der Kirche geworden.

Der deutsche Katholizismus löst sich in ein nebulöses Gebilde von Rede und Gegenrede auf, in dem die Stimme der Wahrheit kaum mehr zu vernehmen ist. Mit dem Rätesystem ist der Konflikt zwischen der alten und der neuen Hierarchie vorprogrammiert, immer vorausgesetzt, dass die alte Hierarchie noch weiß, was ihres Amtes ist, und ihre Pflicht tut.

e) Leerlauf

Das krebsartige Wachstum der Organisationsstrukturen im deutschen Katholizismus steht in einem umgekehrten Verhältnis zu ihrer Fruchtbarkeit. Die Räte und Gremien halten sich weitgehend durch Selbstbeschäftigung in Atem. Alle Räte haben eine Satzung, eine Wahlordnung, und eine Geschäftsordnung. Alle Räte haben Mitglieder, Organe und Einrichtungen, also Vollversammlung, Vosrstand, Ausschüsse und eine Geschäftsstelle. Alle Räte produzieren Papier, das jedem Mitglied zugehen muss.

Das Rätesystem erzeugt einen unheimlichen Leerlauf und bringt einen gigantischen Verschleiß von Zeit, Kraft und Geld mit sich, der in keinem Verhältnis zu dem dadurch erzielten Erfolg steht. Durch die Räte und ihr Wirken ist noch niemend in seinem Glauben gestärkt, in seiner Liebe zur Kirche gefestigt, in seinem sittlichen Kampf ermutigt, in seiner Frömmigkeit gefördert worden. Vielmehr ist von alledem das Gegenteil eingetreten.


(10)  Mörsdorf, Die andere Hierarchie 475


Fortsetzung folgt

Übersicht: Zu den bisher erschienenen Fortsetzungen 


Weiters zum Thema "Hierarchische und demokratische Strukturen in der Kirche":

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