Herr, segne dieses Haus.
Und Gott der Gütige soll sich senken
mit allem seinen Segen
auf dieses Haus
und an die arme Welt sich weiterschenken
durch alle, die hier gehen ein und aus.
aus einem Schulheft aus dem Jahre 1947
Mittwoch, 28. August 2013
Haussegen
Papsttreue
Wer dem Papst treu bleibt, erfährt, dass von seinem Amt Kraft und Sicherheit, Trost und Mut, Licht und Orientierung ausgehen. Franziskus [von Assisi] wusste, dass er nur dann segensreich für die Kirche wirken kann, wenn er den Segen des Papstes hat. Katharina von Siena nannte ihn den “süßen Christus auf Erden”. Ignatius von Loyola hat sich und seinen neuen Orden demütig dem Papst untergeordnet und sich in einer Zeit der Untreue in besonderer Weise auf die Treue zum Papst verpflichtet.
Viele Glieder der Kirche haben im Laufe der Jahrhunderte ihre Treue zum Nachfolger des Apostelfürsten auch durch Leiden und Martyrium zum Ausdruck gebracht. Sie wussten, dass der Glaube an die Kirche und an den Nachfolger des Petrus gebunden bleiben muss: “Verharrt im wahren Glauben und gründet euer Leben auf den Fels der Kirche, das heißt auf das Bekenntnis des Apostelfürsten” (Gregor der Große).
Die zweitausendjährige Kirchengeschichte sagt uns, dass die Größe des Petrusamtes trotz der menschlichen Schwäche einzelner Päpste nicht vermindert wurde. Zugleich sehen wir, dass Gott durch den Dienst der Päpste Großes für die Kirche und für die Welt gewirkt hat.
Wir dürfen dankbar sein, dass es Petrus, den Felsen, gibt: im Auf und Ab der Geschichte; im Kampf zwischen Lüge und Wahrheit und zwischen Liebe und Hass, der die Zeiten durchzieht; im Kommen und Gehen von Meinungen, Ideologien, politischen Systemen, von Völkern, Reichen und Mächten.
Petrus vergegenwärtigt Jesus Christus, den Herrn der Geschichte, der die Zeiten überdauert. Er verleiht der Kirche Beständigkeit und zugleich immer neue Lebenskraft und Dynamik.
Das Petrusamt ist nicht eine menschliche Erfindung, sondern geht auf göttliche Einsetzung zurück. Es “ist nicht auf menschliche Fähigkeiten und Kräfte gegründet, sondern auf das Gebet Christi, der den Vater darum bittet, dass der Glaube des Simon ‘nicht erlischt’ (Lk 22,32).
Das Petrusamt ist nicht eine menschliche Erfindung, sondern geht auf göttliche Einsetzung zurück. Es “ist nicht auf menschliche Fähigkeiten und Kräfte gegründet, sondern auf das Gebet Christi, der den Vater darum bittet, dass der Glaube des Simon ‘nicht erlischt’ (Lk 22,32).
Bild: Schlüsselübergabe an Petrus; Pietro Perugino (1481-82)
Dienstag, 27. August 2013
Göttliche Vorsehung und menschliche Freiheit
Dies ist eine Antwort für "Lothars Sohn", der in einem Kommentar auf ein Post vom 25.08.2013 über die göttliche Vorsehung meinte, dass "dieses Konzept von Vorherbestimmung zu den schlimmsten Gotteslästerungen unter der Sonne führt.
Denn dann würde Gott einen Mann vorherbestimmen, eine Frau zu vergewaltigen, und ihn dann ewiglich dafür bestrafen."
Dieser Kommentar enthält mehrere Irrtümer.
Zum einen: Dass ein Mensch, der gegen Gottes Gebot anderen Gewalt angetan hat, auf ewig verloren geht, ist nicht zwingend. Es besteht die Möglichkeit, dass dieser Mensch die Bosheit seines Tuns erkennt, umkehrt und sich mit Gott versöhnt. Gottes Barmherzigkeit steht jedem Menschen offen, der sich Gott zuwendet und seine Sünden bereut, ganz gleich wie schwer diese Vergehen waren.
Zum zweiten:
Die Engel und die Menschen, intelligente und freie Geschöpfe, müssen ihrer letzten Bestimmung aus freier Wahl entgegengehen und ihr aus Liebe den Vorzug geben. Sie können darum auch vom Weg abirren und sie haben auch tatsächlich gesündigt. So ist das moralische Übel in die Welt gekommen, das unvergleichlich schlimmer ist als das physische Übel. Gott ist auf keine Weise, weder direkt noch indirekt, die Ursache des moralischen Übels [Vgl. Augustinus, lib. 1,1,1; Thomas v. A., s. th. 1-2,79, 1. ]. Er lässt es jedoch zu, da er die Freiheit seines Geschöpfes achtet, und er weiß auf geheimnisvolle Weise Gutes daraus zu ziehen:
,,Der allmächtige Gott ... könnte in seiner unendlichen Güte unmöglich irgend etwas Böses in seinen Werken dulden, wenn er nicht dermaßen allmächtig und gut wäre, dass er auch aus dem Bösen Gutes zu ziehen vermöchte" (Augustinus, enchir. 11,3)
So kann man mit der Zeit entdecken, dass Gott in seiner allmächtigen Vorsehung sogar aus den Folgen eines durch seine Geschöpfe verursachten moralischen Übels etwas Gutes zu ziehen vermag. Josef sagt zu seinen Brüdern: ,,Nicht ihr habt mich hierher geschickt, sondern Gott ... Ihr habt Böses gegen mich im Sinne gehabt, Gott aber hatte dabei Gutes im Sinn ... um ... viel Volk am Leben zu erhalten" (Gen 45,8; 50,20) [Vgl. Tob 2, 12-18 Vg.].
Aus dem schlimmsten moralischen Übel, das je begangen worden ist, aus der durch die Sünden aller Menschen verschuldeten Verwerfung und Ermordung des Sohnes Gottes, hat Gott im Übermaß seiner Gnade [Vgl. Röm 5,20.] das größte aller Güter gemacht: die Verherrlichung Christi und unsere Erlösung.
Freilich wird deswegen das Böse nicht zu etwas Gutem.
(vgl. Katechismus der katholischen Kirche KKK Nr. 309ff)
Dies sollte als Antwort ausreichen, um deutlich gemacht zu haben, dass die göttliche Vorsehung nicht gotteslästerlich ist, sondern im Gegenteil von der Allmacht und Größe Gottes, wie auch von seiner unendlichen Barmherzigkeit zeugt.
(Hervorhebngen durch Fettdruck von FW)
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Montag, 26. August 2013
So soll es sein...
So soll es sein, dass jeder Tag uns wissender und stiller macht,
denn alles, was uns stolz gemacht und aufgebracht,
war leerer Schein.
Die Liebe nur, die wir in jedes Tun gelegt und still gepflegt,
bringt Segen in den Tag hinein.
aus einem Schulheft aus dem Jahre 1947
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Sonntag, 25. August 2013
Die göttliche Vorsehung - oder: Wie Gott alles erhält und lenkt
Der heutige Sonntag wurde in früheren Zeiten als Sonntag der Göttlichen Vorsehung bezeichnet (Lesung: Gal 5,16-24; Evangelium Mt 6,24-33). Wir denken oft nicht daran, dass Gott die Welt nicht nur geschaffen hat, sondern sie auch in jedem Augenblick erhält. Einer der gelehrtesten Kirchenväter, Theodoret, beschreibt die Vorsehung wie folgt:
Denken wir uns einen Mann, der in einem Fahrzeug sitzt und über die See fährt. Er sieht den Steuermann vor sich und gewahrt, wie dieser das Steuer je nach den Bedürfnissen des Schiffes bald nach rechts bald nach links bewegt und das Schiff nach Belieben in jede Bucht führt. Und doch, nur um der Wahrheit zu widersprechen, sagt jener: "Nein, es befindet sich kein Steuermann auf dem Schiff, das Fahrzeug ist ohne Steuer, es gibt sich selbst die Richtung. Es erhält sich von selbst gegen den Andrang der Wogen, es hält von selbst wider die anstürmenden Winde stand. Es braucht keine Bootsknechte und keinen Steuermann, der den Befehl über seine Seeleute führt und jedesmal angibt, was zu tun ist."Einem solchen Menschen, dünkt mich, gleichen jene, die nicht an die alles lenkende Vorsehung glauben wollen und die höchst törichte Meinung aufstellen, die aus Himmel und Erde bestehende Welt werde ohne Steuermann so gelenkt, dass alles harmonisch ineinandergreift und voll Ordnung ist. Obwohl sie aufs Klarste sehen, wie Gott die von ihm ins Leben gerufene Schöpfung leitet, wie er alles nach seiner gewissen Ordnung bewegt und lenkt, wie alles Erschaffene seine Verhältnisse hat, wie das Ganze der Schöpfung und jeder einzelne Teil so schön, so nützlich ist, stellen sie sich dennoch absichtlich blind oder haben vielmehr die Unverschämtheit zu behaupten, dass sie bei offenen Augen nicht sehen. Sie lästern die Vorsehung gerade der Gaben wegen, die sie von ihr empfangen, und führen Krieg wider den Schöpfer wegen eben der Wohltaten, die sie dank seiner Sorgfalt genießen.Theodoret, Kirchenvater der antiochenischen Schule, geb. 393 in Antiochia am Orontes (heute: Antakya am Asi, Türkei), Bischof von Cyrus (Kyrrhos) am Euphrat; † um 458/460 (466); aus: "Von der göttlichen Vorsehung 2" zitiert nach: Texte der Kirchenväter 1, Kösel Verlag München 1963, S.193f
Foto: Donauschiffer in der Slovakei; mbell1975; wikimedia commons
Niemand kann zwei Herren dienen
Niemand
kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den
andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern
verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum
sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken
werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das
Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht
die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie
sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie
doch.
Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und
warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld
an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.
Wenn
nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und
morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch
tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. (Mt 6,24-33)
Evangelium zum 14. Sonntag nach Pfingsten im Usus antiquior, der "alteren Form" des römische Ritus
Foto: Tambaco the Jaguar
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Samstag, 24. August 2013
Papst Franziskus ruft auf zum geistlichen Kampf
Der Abschnitt aus der Offenbarung (Offb 12) stellt die Vision eines Kampfes zwischen der Frau und dem Drachen vor Augen. Die Gestalt der Frau, die für die Kirche steht, ist einerseits herrlich, triumphierend, und andererseits liegt sie noch in Geburtswehen. So ist die Kirche tatsächlich: Auch wenn sie im Himmel schon an der Herrlichkeit ihres Herrn teilhat, erlebt sie in der Geschichte unablässig die Prüfungen und die Herausforderungen, die der Konflikt zwischen Gott und dem Bösen – dem Feind von jeher – mit sich bringt. Und in diesem Kampf, dem die Jünger Jesu sich stellen müssen – wir alle, wir, alle Jünger Christi müssen diesen Kampf aufnehmen –, lässt Maria sie nicht allein; die Mutter Christi und der Kirche ist immer bei uns. Immer ist sie mit uns unterwegs, ist bei uns.
In gewissem Sinne teilt auch Maria diesen zweifachen Zustand. Natürlich ist sie bereits ein für allemal in die Herrlichkeit des Himmels eingetreten. Doch das bedeutet nicht, dass sie fern, dass sie von uns getrennt ist; im Gegenteil, Maria begleitet uns, sie kämpft an unserer Seite, sie unterstützt die Christen im Kampf gegen die Kräfte des Bösen. Das Gebet mit Maria, besonders der Rosenkranz – (...) besitzt auch diese „kämpferische“ Dimension des Ringens; es ist ein Gebet, das in der Schlacht gegen den Bösen und seine Helfershelfer Unterstützung bietet. Auch der Rosenkranz unterstützt uns im Kampf!
Papst Franziskus, Predigt am Hochfest Mariae Himmelfahrt, den 15.08.2013
Weiteres zum Thema "geistlicher Kampf":
- Und es ist doch ein Kampf...
- Prof. Dr. Josef Seifert: Der kämpfende Mensch
- Maria im Leben des Papstes
- Fatima und das Rosenkranzgebet
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Maria - mehr Mutter als Gebärerin
"Brave New World" – „Schöne neue Welt“ – heißt einer der berühmtesten Zukunftsromane des 20. Jahrhunderts, veröffentlicht im Jahr 1932 von dem englischen Schriftsteller Aldous Huxley. Das Buch führt den Leser in einen Weltstaat, in dem die regierende Clique das Leben der Menschen in allen Bereichen – von der Entstehung und Entwicklung bis zur ideologischen Einstellung – beherrscht und lenkt. An die Stelle der natürlichen Ordnung ist die totale technische Organisation getreten. Eine Moral im herkömmlichen Sinne gibt es nicht mehr. Sexualität wird zum bloßen Vergnügen ausgelebt, ohne feste Bindungen und Verantwortlichkeit. Eine staatlich dargereichte Droge hebt die Stimmung der ständig zur Depression neigenden Menschen.
In dieser Kunstwelt unterliegt alles, was an die überwunden geglaubte Natur erinnert, einem strengen Verdikt. Besonders markantes Beispiel: Niemand darf einen anderen Menschen nach seiner Mutter fragen. Überhaupt gilt die Nennung des Wortes „Mutter“ als höchst unanständig. Da die Regelung der Nachkommenschaft längst der Technik überlassen ist, sollen Tatsachen wie Mutterschaft, Schwangerschaft und Geburt gänzlich aus dem Gedächtnis vertilgt werden. Ansonsten könnten wohl verbotene, für den Zusammenhalt der totalitär beherrschten Gemeinschaft gefährliche Gefühle geweckt werden...
Bischof Walter Mixa gegen kinderfeindliche Politik
Szenenwechsel in die Gegenwart. Nach einer dramatischen medialen Inszenierung hat Bischof Walter Mixa von Augsburg im Jahr 2010 seinen Rücktritt eingereicht. Zu den riskantesten Äußerungen, die er im Vorfeld dieser Vorgänge gemacht hatte, gehörte eine über die kinderfeindliche Familienpolitik der Gegenwart. Sie erhebe, so der Bischof, die Doppelverdiener-Ehe zum „ideologischen Fetisch“. Weil sie „vorrangig darauf ausgerichtet“ sei, „junge Frauen als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie zu rekrutieren“, und sie dazu verleite, ihre Kinder kurz nach der Geburt in staatliche Obhut zu geben, degradiere eine derartige Politik die Frau zur „Gebärmaschine“.
Der Sturm der Entrüstung und Empörung, der nach der Bemerkung des Bischofs durch den Presse-Blätterwald rauschte, war von seltener Heftigkeit. Leider haben sich, beeindruckt von der Einstimmigkeit der veröffentlichten Meinung, wohl nur allzu wenige Menschen Gedanken darüber gemacht, ob die Sache mit den „Gebärmaschinen“ denn so vollkommen aus der Luft gegriffen und an den Haaren herbeigezogen sei. Ob sie also nicht doch zumindest eine Tendenz beschreibe, die sich allgemein abzeichnet und die, bei aller Entfernung von Huxleys "Schöner neuer Welt", zumindest in die Richtung weist, die der Roman als Endprodukt einer Entwicklung darstellt.
Erzeuger und Vater - Gebärerin und Mutter
Der Unterschied zwischen einer „Gebärerin“ und einer „Mutter“ liegt jedenfalls auf der Hand. Er stimmt mit demjenigen überein, der zwischen „Erzeuger“ und „Vater“ waltet. Gewiss ist der biologische Vater auch Erzeuger seines Kindes, aber darüber hinaus doch viel mehr als nur dies. „Vaterschaft“ besagt eben keineswegs nur ein leibliches Ursprungsverhältnis, sondern eine alle Dimensionen des menschlichen Lebens betreffende Beziehung. Letztlich verweist sie auf denjenigen, von dem nach den Worten des heiligen Paulus „jede Vaterschaft im Himmel und auf Erden ihren Namen hat“ (Eph 3,15).
Ähnliches gilt von „Gebärerin“ und „Mutter“: Während das erste Wort sich zunächst nur auf den Vorgang der Geburt bezieht, eine „Gebärerin“ also eine Frau meint, die einen Menschen zur Welt gebracht hat, ist mit „Mutter“ eine lebenslange Stellung und Aufgabe angesprochen. Diese umfasst über die Geburt hinaus das Nähren, das Hegen und Pflegen, Behüten und Beschützen des anvertrauten Lebens. Sie beinhaltet aber auch dessen Erziehung und Begleitung, den Beistand mit Rat und Tat selbst für inzwischen erwachsen gewordene Kinder. Einmal Mutter, immer Mutter!
Maria - Gottesgebärerin und Gottesmutter
Im kirchlichen Sprachgebrauch kommen bekanntlich beide Bezeichnungen im Zusammenhang mit Maria vor. Als Theotokos, „Gottesgebärerin“, wurde sie feierlich auf dem Konzil zu Ephesus (431 n. Chr.) ausgerufen. Dadurch sollte hervorgehoben werden, dass uns die heilige Jungfrau nicht, wie es die Lehren der Nestorianer wollten, eine menschliche Person, die in besonderer Weise mit Gott verbunden war, geboren hat. Dann wäre sie gleich anderen Frauen nur eine „Menschengebärerin“, allenfalls eine „Christusgebärerin“. Vielmehr ist derjenige, der zu Bethlehem das Licht der Welt erblickte, der ewige Logos, der dem Vater wesensgleiche Sohn. Er ist die zweite göttliche Person, die im Geheimnis der Inkarnation eine menschliche Natur annahm. Und folglich, weil sie diese zweite göttliche Person ihrer Menschennatur nach geboren hat, verdient Maria den Titel „Gottesgebärerin“. Ihm kommt in der Darlegung und Erhellung des kirchlichen Dogmas eine so gewichtige Stellung zu, dass wir auch heute nicht auf ihn verzichten können und wollen und ihn weiterhin verwenden, wenn wir beispielsweise beten: „Unter Deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin...“
Die andere, den meisten Christen geläufigere Titulierung Mariens ist Mater Dei: „Mutter Gottes“ (auch „Muttergottes“) oder „Gottesmutter“. Ohne Zweifel besagt sie noch weitaus mehr als das theologiehistorische Schwergewicht „Gottesgebärerin“. Sie bringt alles das zum Ausdruck, was Maria ihrem Sohn auch über die Geburt hinaus war und ist.
Interessanterweise hat Papst Pius XI., als er im Jahr 1931 zum 1500jährigen Gedenken des Konzils von Ephesus ein liturgisches Fest einführte, dieses trotz des berühmten Marientitels jenes Konzils nicht „Gebärerschaft“, sondern „Mutterschaft der seligen Jungfrau Maria“ (Maternitas beatae Mariae Virginis) genannt. Ein Zeichen dafür, dass ihre Stellung als Mutter diejenige der Gebärerin überstrahlt.
Maria, auch unsere Mutter
Das bewahrheitet sich auch im Blick auf uns. Seit dem stets bedenkenswerten Kreuzeswort Jesu zu Seiner Mutter und dem Jünger, den Er liebhatte, dehnt sich die Mutterschaft Mariens – im Gegensatz zu ihrer Aufgabe als leibliche Gebärerin – über ihren gottmenschlichen Sohn hinaus auch auf uns aus. Man kann sagen: Durch Ihn, mit Ihm und in Ihm sind wir ihr als Kinder anvertraut.
Maria kommt ihrer mütterlichen Stellung in vollkommener Weise nach durch die Vermittlung der lebenspendenden Gnaden, durch ihre Fürsprache, ihre liebende Sorge, ihre milde, gütige, sanfte und doch feste Weisung und Führung, durch Schutz und Geborgenheit sowie durch Hilfe in jeder Not. Und wir tun gut daran, dieser geistlichen Mütterlichkeit mit wahrer geistlicher Kindlichkeit zu antworten.
Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die gnadenlose ökonomisch-technische Welt in den nächsten Jahrzehnten die Aufgabe der Frau zunehmend auf die einer „Gebärerin“ (neben der Berufsarbeit, versteht sich!) einengen und das eigentliche Muttersein weiterhin beschneiden wird. Es ist sogar denkbar, dass man dem weiblichen Geschlecht auch die „Last der Geburt“ nehmen will, wenn sich Fortpflanzung und Entwicklung des embryonalen Lebens einmal mühelos und vor allem kostensparend ins Labor verlagern lassen.
Gerade unter solchen bedrückenden Vorzeichen einer unmenschlichen „Schönen neuen Welt“ hat die liebende Verehrung und Anrufung Mariens höchste Priorität. Denn sie, unsere himmlische Königin, ist zwar Gebärerin des Herrn, aber noch viel mehr Seine und unsere Mutter! Und dadurch unsere sichere Führerin in die wahre "Schöne neue Welt" des ewigen Lebens.
P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad
Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)
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