Samstag, 27. Oktober 2012

Die eine und einzige Kirche (I)

Von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad

Grüner Katechismus oder Kuchenmodell?

Als Jugendlicher nahm ich an den Treffen einer katholischen Gruppe teil, die den Firmkurs fortsetzte. Wir besprachen unterschiedliche Themen, und nicht selten beauftragte der Leiter, ein kirchlich engagierter Student, einzelne Teilnehmer, die nächste Stunde vorzubereiten. Einmal sollte es um die Unterschiede zwischen katholischem und evangelischem Christentum gehen. Der einzige Nichtkatholik unserer Gruppe übernahm den protestantischen Part, mir fiel der katholische zu.

Bei dieser Zusammenkunft kam es durch mich zum Eklat, und das völlig unbeabsichtigt. Nachdem nämlich der evangelische Jugendliche etwas über Martin Luther und die Reformation, über die Bedeutung der Bibel und das protestantische Abendmahlsverständnis vorgetragen hatte, kam ich an die Reihe und las aus dem grünen Buch, das unser Religionslehrer am Gymnasium verwendete, folgende – hier gekürzt wiedergegebene – Passage vor, ohne auch nur zu erahnen, welche Reaktionen das hervorrufen sollte: 

„Christus hat nur eine einzige Kirche gegründet. (...) Darum gibt es nur eine wahre Kirche. Die wahre Kirche kann man an bestimmten Eigenschaften erkennen, die Christus ihr gegeben hat. (...) Nur die römisch-katholische Kirche hat diese vier Kennzeichen. (...) Die anderen christlichen Glaubensgemeinschaften haben diese vier Kennzeichen nicht. (...) Die Christen, die einer nichtkatholischen Glaubensgemeinschaft angehören, wissen zumeist nicht, dass die katholische Kirche ihre wahre Heimat ist. Sie haben nicht die volle Wahrheit und sind vielen Irrtümern ausgesetzt; auch müssen sie viele Gnaden entbehren. Aber Christus ist auch für sie gestorben, und die Kirche betet und opfert auch für sie. Darum können auch sie zur ewigen Seligkeit gelangen, wenn sie den Willen Gottes tun, so gut sie ihn erkennen.“ 

Auf diese Worte folgte zunächst betretenes Schweigen. Dann fragte mich der Gruppenleiter, ansonsten ein lustiger Geselle, in sehr strenger, ja scharfer Tonlage, wer mir das Buch gegeben habe. Die wahrheitsgemäße Antwort veranlasste ihn zu der Aussage, ich sollte mich vor meinem Religionslehrer hüten, der sei nicht mehr katholisch. Ich konnte darauf hinweisen, dass es sich doch immerhin um den „Katholischen Katechismus der Bistümer Deutschlands“ handle – jenes 1955 im Auftrag der Bischöfe erschienene Werk, das bei der älteren Generation schlicht „Grüner Katechismus“ hieß. 

Doch mein Argument rettete weder die Autorität der vorgelesenen Sätze noch das Ansehen meines hochverehrten Lehrers. Im Gegenteil! So könne und dürfe man das heute nicht mehr sehen. Das Konzil und die wichtigen Entwicklungen in seinem Gefolge würden hier völlig ignoriert. Dadurch werde dem Zusammenwachsen der getrennten Christen schwerer Schaden zugefügt. Die Kirche betrachte sich heute nicht mehr als exklusive Heilsinstitution, vielmehr sehe sie sich als ein Kuchenstück neben anderen, die auf Jesus Christus als die gemeinsame Mitte hinwiesen und als Segmente zusammen einen Kreis bildeten. Und so weiter. 

Schon damals leuchtete mir diese Auskunft nicht recht ein. Ich verstand es einfach nicht, wie ein amtlicher Katechismus, vor einigen Jahrzehnten noch Richtschnur für die Glaubenslehre, plötzlich völlig überholt und sogar gefährlich sein konnte. Auch vermochte ich nicht nachzuvollziehen, dass die Lehrunterschiede, die doch weiterhin bestehen, jetzt keine Bedeutung mehr haben sollten. Schwer vorstellbar jedenfalls, wie derart verschiedene Stücke einen einzigen Kuchen bilden können... 

Einige Zeit später hätte ich meine Fragen schon etwas genauer gestellt: Ist es denn gleichgültig, ob man sieben oder nur zwei Sakramente hat? Kann man über die Frage hinweggehen, ob Jesus im Altarsakrament wirklich gegenwärtig ist und ob es hierfür des Weihepriestertums bedarf? Wollte der Herr das Papsttum – oder wollte Er es nicht? Und wenn Er es wollte: Darf man es dann außer Acht lassen und so tun, als wäre die Stellung zu ihm beliebig und belanglos? Von noch tiefer liegenden interkonfessionellen Problemen ganz zu schweigen. 

Jahrzehnte sind seit dieser Jugenderfahrung vergangen, die Aktualität des Themas aber besteht weiterhin. Im Denken der meisten Katholiken unserer Regionen dürfte das Kuchenmodell die Lehre des Grünen Katechismus (und damit die der gesamten kirchlichen Tradition) längst verdrängt haben. Dabei ist die Frage, ob es sich bei der katholischen Kirche nur um eine unter anderen Verwirklichungen der Idee „Kirche Jesu Christi“ oder vielmehr um die von Ihm selbst gewollte und gestiftete, einzige Kirche handelt, keineswegs nebensächlich. Ihre Beantwortung hat Konsequenzen für die Kirche als Gesamtheit wie für das Selbstverständnis und das Leben des einzelnen Katholiken. Weil die Angelegenheit so wichtig ist, darf sie uns auch noch in einem weiteren „Standpunkt“ beschäftigen.


Hinweise:
- mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
- der Beitrag erschien bereits im Schweizerischen Katholischen Sonntagsblatt (SKS)

Freitag, 26. Oktober 2012

Dividendenausschüttung


Man kann es mit einer Dividendenausschüttung vergleichen: Zu besonderen Anlässen gewährt die Kirche durch die Apostolische Pönitentiarie den (Mit-)Gliedern der Kirche eine Gewinnausschüttung aus dem Kirchenschatz (vgl. KKK 1476) zu besonderen Konditionen.

Das "Jahr des Glaubens" ist solch ein besonderer Anlass. Um also durch solcherlei Zuwendungen der Kirche an ihre Mitglieder die Freude am Glauben und den Eifer im Streben nach Heiligkeit anzuregen und zu vermehren, hat die Apostolische Pönitentiarie folgendes Dekret (Dividenden-Ausschüttungsprocedere) herausgegeben, wobei die Annahme dieser Zuwendungen jedem freigestellt ist:


  APOSTOLISCHE PÖNITENTIARIE 

URBIS ET ORBIS 


Um das Geschenk besonderer heiliger Ablässe während des Jahres des Glaubens zu erlangen, sind besondere Frömmigkeitsübungen zu vollbringen 


Am fünfzigsten Jahrestag der feierlichen Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, dem der selige Johannes XXIII. »als Hauptaufgabe übertrug, ein authentisches und aufrichtiges Bekenntnis ein und desselben Glaubens zu geben« (Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Fidei Depositum, 11. Okt. 1992: AAS 86 [1994] 113), hat Papst Benedikt XVI. den Beginn eines Jahres festgelegt, das in besonderer Weise dem Bekenntnis des wahren Glaubens und seiner richtigen Auslegung durch das Lesen oder, noch besser, durch frommes Meditieren der Konzilsdokumente und der Artikel des Katechismus der Katholischen Kirche gewidmet sein soll, der vom seligen Johannes Paul II. dreißig Jahre nach Konzilsbeginn mit der klaren Absicht herausgegeben worden war, »die Gläubigen anzuleiten, sich besser an ihn zu halten und seine Kenntnis und Anwendung zu fördern« (ebd., 114).

Bereits im Jahr des Herrn 1967 wurde vom Diener Gottes Paul VI., zum Gedächtnis an das Martyrium der Apostel Petrus und Paulus vor tausendneunhundert Jahren, ein solches Jahr des Glaubens ausgerufen, zum feierlichen Zeugnis dafür, »daß es in der ganzen Kirche ein authentisches und aufrichtiges Bekenntnis ein und desselben Glaubens gebe«; zudem wollte er, daß dieser Glaube »einzeln und gemeinschaftlich, frei und bewußt, innerlich und äußerlich, demütig und freimütig« bekräftigt würde (Benedikt XVI., Apostolisches Schreiben Porta Fidei, 4).

In unserer Zeit tiefgreifender Veränderungen, denen die Menschheit ausgesetzt ist, will der Heilige Vater Benedikt XVI. mit der Anberaumung dieses zweiten Jahres des Glaubens das Volk Gottes, dessen universaler Hirt er ist, sowie die Mitbrüder im Bischofsamt auf dem ganzen Erdkreis einladen, sich »in dieser Zeit der geistlichen Gnade, die der Herr uns anbietet, dem Nachfolger Petri anzuschließen, um des kostbaren Geschenks des Glaubens zu gedenken« (ebd., Nr. 8). Zudem sollen alle Gläubigen »die Gelegenheit haben, den Glauben an den auferstandenen Herrn in unseren Kathedralen und in allen Kirchen der Welt, in unseren Häusern und bei unseren Familien zu bekennen, damit jeder das starke Bedürfnis verspürt, den unveränderlichen Glauben besser zu kennen und an die zukünftigen Generationen weiterzugeben. Die Ordensgemeinschaften sowie die Pfarrgemeinden und alle alten wie neuen kirchlichen Realitäten werden Gelegenheit finden, in diesem Jahr das Credo öffentlich zu bekennen« (ebd.). Zudem sollen alle Gläubigen, einzeln und in Gemeinschaft, dazu aufgerufen werden, offen vor den anderen in den jeweils besonderen Umständen des täglichen Lebens von ihrem Glauben Zeugnis zu geben: »Die Sozialnatur des Menschen erfordert, daß der Mensch innere Akte der Religion nach außen zum Ausdruck bringt, mit anderen in religiösen Dingen in Gemeinschaft steht und seine Religion gemeinschaftlich bekennt « (Erklärung Dignitatis humanae, 7. Dez. 1965, Nr. 3: AAS 58 [1966], 932).

Da es vor allem darum geht – soweit das auf Erden möglich ist –, die Heiligkeit des Lebens in höchstem Grad zu entfalten und somit die höchste Stufe der Reinheit der Seele zu erlangen, wird das große Geschenk der Ablässe, das die Kirche kraft der ihr von Christus übertragenen Macht allen anbietet, die mit der erforderten inneren Bereitschaft die für deren Erlangung verlangten besonderen Vorschriften erfüllen. »Durch den Ablaß teilt die Kirche«, so lehrte Paul VI., »indem sie von ihrer Macht als Dienerin der von Christus, dem Herrn, vollbrachten Erlösung Gebrauch macht, den Gläubigen die Teilhabe an dieser Fülle Christi in der Gemeinschaft der Heiligen mit, wobei sie sie in größtem Maße mit den Mitteln zur Erlangung des Heils ausstattet« (Apostol. Schreiben Apostolorum Limina, 23. Mai 1974: AAS 66 [1974] 289). So zeigt sich »der Schatz der Kirche«, dessen weiteres »Wachsen auch die Verdienste der seligen Muttergottes und aller Auserwählten, vom ersten bis zum letzten Gerechten, sind« (Clemens VI., Bulle Unigenitus Dei Filius, 27. Jan. 1343).

Die Apostolische Pönitentiarie, deren Aufgabe es ist, alles zu regeln, was die Gewährung und den Gebrauch von Ablässen betrifft, und Geist und Herz der Gläubigen zum richtigen Verständnis des Ablasses und zum frommen Verlangen nach seinem Empfang anzuregen, hat, vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung aufgefordert und unter sorgfältiger Beachtung der Note der Kongregation für die Glaubenslehre mit pastoralen Hinweisen für das Jahr des Glaubens, um das Geschenk der Ablässe während des Jahres des Glaubens zu erhalten, die folgenden Verfügungen festgelegt, die mit der Auffassung des Papstes in Einklang stehen, auf daß die Gläubigen stärker zum Kennenlernen und zur Liebe der Lehre der katholischen Kirche angeregt werden und deren reichste geistliche Früchte erlangen.

Während des ganzen Jahres des Glaubens, das für die Zeit vom 11. Oktober 2012 bis 24. November 2013 festgelegt wird, können alle einzelnen Gläubigen, wenn sie ihre Sünden wirklich bereut, gebührend gebeichtet, das Sakrament der Kommunion empfangen haben und nach Meinung des Heiligen Vaters beten, den vollkommenen Ablaß von der zeitlichen Strafe für ihre Sünden erlangen, der auch den Seelen der verstorbenen Gläubigen zugedacht werden kann:

a. jedesmal, wenn sie in einer beliebigen Kirche oder an einem anderen geeigneten Ort an wenigstens drei Predigten während der geistlichen Missionen oder an wenigstens drei Vorträgen über die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils und über die Artikel des Katechismus der Katholischen Kirche teilnehmen;

b. jedesmal wenn sie als Pilger eine Päpstliche Basilika, eine christliche Katakombe, eine Kathedrale, einen vom Ortsbischof für das Jahr des Glaubens bestimmten heiligen Ort besuchen (darunter z.B. die sogenannten Basilicae minores und die der seligen Jungfrau Maria, den heiligen Aposteln und den heiligen Schutzpatronen geweihten Heiligtümer) und dort an einem Gottesdienst teilnehmen oder zumindest für eine bestimmte Zeit der Sammlung mit frommen Meditationen innehalten, das Beten des Vaterunser, des Glaubensbekenntnisses in einer zugelassenen Form, die Anrufungen an die selige Jungfrau Maria und gegebenenfalls der heiligen Apostel oder Schutzpatrone;

c. jedesmal wenn sie an den vom Ortsbischof für das Jahr des Glaubens festgelegten Tagen (zum Beispiel an den Herrenfesten, an den Festen der Jungfrau Maria, an den Festen der Heiligen Apostel und Schutzpatrone, am Fest Petri Stuhlfeier) an jedem geheiligten Ort an einer Eucharistiefeier oder an einem Stundengebet teilnehmen und das Glaubensbekenntnis in einer zugelassenen Form anfügen;

d. an einem während des Jahres des Glaubens frei gewählten Tag für den frommen Besuch der Taufkapelle oder eines anderen Ortes, an dem sie das Taufsakrament empfangen haben, wenn sie die Taufversprechen mit einer zugelassenen Formel erneuern. Die Diözesanbischöfe oder Eparchen und jene, die ihnen rechtlich gleichgestellt sind, werden an dem dafür am besten geeigneten Tag anläßlich der Hauptfeier (z.B. am 24. November 2013), dem Tag des Christkönigsfestes, mit dem das Jahr des Glaubens abgeschlossen werden wird, den Päpstlichen Segen erteilen können, zusammen mit dem vollkommenen Ablaß, der für alle Gläubigen erreichbar ist, die diesen Segen andächtig empfangen.

Die wirklich reumütigen Gläubigen, die aber aus schwerwiegenden Gründen nicht an den feierlichen Gottesdiensten teilnehmen können (wie vor allem die in den Klöstern in ständiger Klausur lebenden Nonnen, die Anachoreten und die Eremiten, die Alten, Kranken sowie auch diejenigen, die in Spitälern oder anderen Pflegestätten ständig Dienst für die Betreuung der Kranken leisten…), werden den vollen Ablaß zu denselben Bedingungen erhalten, wenn sie, vereint durch den Geist und den Gedanken an die anwesenden Gläubigen, besonders in den Augenblicken, in denen die Worte des Papstes oder der Diözesanbischöfe über Fernsehen und Radio übertragen werden, in ihrem Haus oder dort, wo die Behinderung sie festhält (zum Beispiel in der Kapelle des Klosters, des Krankenhauses, des Pflegeheimes, des Gefängnisses…), das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis in jeder zulässigen Form und andere den Zielsetzungen des Jahres des Glaubens entsprechende Gebete sprechen und auf diese Weise ihre Leiden oder das Ungemach ihres Lebens aufopfern.

Um den Zugang zum Bußsakrament und zur Erlangung der göttlichen Vergebung durch die Schlüsselgewalt pastoral zu erleichtern, werden die Ortsbischöfe dazu aufgefordert, den Kanonikern und den Priestern, die in den Kathedralen und in den für das Jahr des Glaubens bestimmten Kirchen den Gläubigen die Beichte abnehmen können, in begrenztem Maße die Möglichkeiten des Zugangs zum Forum internum zu gewähren, darunter für die Gläubigen der orientalischen Kirchen nach can. 728, § 2 des CCEO, und im Fall eines eventuellem Vorbehalts jene für can. 727, natürlich ausschließlich der in can. 728, § 1 betroffenen Fälle; für die Gläubigen der lateinischen Kirche gelten die Befugnisse nach CIC can. 508 § 1.

Die Bußkanoniker werden, nachdem sie die Gläubigen wegen der Schwere von Sünden, mit denen ein Vorbehalt oder ein Verweis verbunden ist, ermahnt haben, geeignete sakramentale Bußstrafen beschließen, um sie soweit als möglich zu einer festen Reue anzuhalten und ihnen, je nach Art der Fälle, die Wiedergutmachung eventueller Skandale und Schäden aufzuerlegen. Schließlich fordert die Pönitentiarie die Bischöfe als Träger des dreifachen Amtes des Lehrens, Leitens und Heiligens nachdrücklich dazu auf, dafür Sorge zu tragen, daß die für die Heiligung der Gläubigen hier vorgelegten Grundsätze und Verfügungen verständlich und mit besonderer Berücksichtigung der lokalen und kulturellen Umstände und Traditionen erklärt werden. Eine an das Wesen jedes Volkes angepaßte Katechese wird das Verlangen nach diesem kraft der Vermittlung der Kirche erlangten einzigartigen Geschenk klarer und mit größerer Lebendigkeit dem Verstand vorlegen und fester und tiefer in den Herzen verwurzeln können.

Das vorliegende Dekret hat nur für das Jahr des Glaubens Gültigkeit. Ungeachtet aller entgegenstehenden Bestimmungen.

Gegeben zu Rom, am Sitz der Apostolischen Pönitentiarie, am 14. September 2012, Fest der Kreuzerhöhung.


Manuel Kard. Monteiro de Castro
Großpönitentiar
Msgr. Krzysztof Nykiel
Regent



Weiteres zum Thema:

Gebet zum Jahr des Glaubens (3)

Gebet der Konzilsväter

Während des Konzils beteten die ca. 2600 am Konzil teilnehmenden Bischöfe vor Beginn der Sitzungen täglich folgendes Gebet:


"Adsumus - hier sind wir, Herr, Heiliger Geist.
Hier sind wir, mit großen Sünden beladen,
doch in deinem Namen ausdrücklich versammelt.
Komm in unsere Mitte, sei uns zugegen,
ergieße dich mit deiner Gnade in unsere Herzen!
Lehre uns, was wir tun sollen,
weise uns, wohin wir gehen sollen,
zeige uns, was wir wirken müssen,
damit wir durch deine Hilfe dir in allem wohlgefallen!
Du allein sollst unsere Urteile wollen und vollbringen,
denn du allein trägst mit dem Vater und dem Sohne
den Namen der Herrlichkeit.
Der du die Wahrheit über alles andere liebst,
laß nicht zu, daß wir durcheinanderbringen, was du geordnet hast!
Unwissenheit soll uns nicht irreleiten,
Beifall der Menschen nicht verführen,
Bestechlichkeit und falsche Rücksichten sollen uns nicht verderben.
Deine Gnade allein möge uns binden an dich.
Laß uns eins sein in dir und nicht abweichen von der Wahrheit.
Wie wir in deinem Namen versammelt sind,
so laß uns auch in allem, vom Geist der Kindschaft geführt,
festhalten an der Gerechtigkeit des Glaubens,
daß unser Denken hier nie uneins werde mit dir,
und daß wir in der kommenden Welt für rechtes Handeln ewigen Lohn empfangen.
Amen."


aus: Manfred Plate, Weltereignis Konzil, Verlag Herder KG Freiburg im Breisgau 1966; S. 104 f

Donnerstag, 25. Oktober 2012

"Priester 2025" - in Treue zu Papst, Bischof und Lehramt

In der Diözese Augsburg hat sich ein Kreis von Priestern organisiert, die ausdrücklich loyal zum Papst und ihrem Diözesanbischof Konrad Zdarsa stehen und mit ihm zusammen die Herausforderungen durch die anstehende "Pastoralplanung 2025" annehmen wollen.

Die Initiative hat sich unabhängig vom Geschehen um die rebellische "Priesterinitiative Augsburg" (PIA) gegründet und war schon seit mehreren Monaten in Planung. Mehr als zwanzig überwiegend jüngere Priester hatten sich zu dem konstituierenden Treffen in Senden zusammengefunden während andere, die aus terminlichen Gründen nicht an dem Treffen teilnehmen konnten, sich ausdrücklich mit dem Priesterkreis solidarisierten.

Als Sprecher des Kreises fungieren der Krumbacher Dekan Klaus Bucher (Heilig Kreuz, Breitenthal), Pfr. Stephan Spiegel (St. Josef der Arbeiter, Senden) und Pfr. Jürgen Eichler (St. Alban, Wallerstein).

Positionspapier des Priesterkreises "Priester 2025"

Website "Priester 2025" im Bistum Augsburg: hier!

Wodurch Christus in den Menschen kommt

Christus kommt in den Menschen
durch den Glauben,
durch die Taufe,
durch die Eucharistie.

Durch die Taufe kommt er ein für allemal.
Durch den Glauben und die Eucharistie kommt er immerfort aufs neue.
Und immer aufs neue durch jede Erhebung des Herzens,
durch Gebet und Gehorsam,
durch alles, was die Vorsehung an Aufgabe und Geschick heranträgt.


Romano Guardini in "Wille und Wahrheit"; Matthias Grünewald Verlag, 5.Auflage, AD 1958; S. 143

Foto: Romanisches Taufbecken; Praemonstratenser-Abtei Hamborn; privat

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Forum Deutscher Katholiken zur Augsburger Priesterinitiative

Stellungnahme des Forums Deutscher Katholiken zur
Priesterinitiative in der Diözese Augsburg

22. Oktober 2012

Eine Initiative von 43 Priestern in der Diözese Augsburg geht mit dem Motto „Mit brennender Sorge“ an die Öffentlichkeit. Dieses Motto ist ein Plagiat, das der bekannten Enzyklika gegen den Nationalsozialismus abgekupfert ist. Die Priesterinitiative will in einer Diskussion mit dem Diözesanbischof “Reformen in Gang bringen”. Sie geht dazu erst in die Öffentlichkeit, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen. Ist das guter Stil und die Voraussetzung für Gespräche?

Die Priesterinitiative will “Entfremdung der Kirche von den Gläubigen verhindern” und ist deswegen gegen eine “fatale Großraumplanung”, d. h. gegen die Bildung von Pfarreiengemeinschaften. Diese haben ihren Grund in der fehlenden Zahl an Priestern. Haben die 43 Pfarrer in ihren Gemeinden schon einmal verdeutlicht, dass die Priester, die die Gemeinden brauchen, aus den Familien kommen müssen? Haben sie junge Menschen angesprochen und bei diesen für den Priesterberuf geworben? Oder soll der Priestermangel dafür herhalten, priesterlose Gottesdienste an Sonntagen durchzusetzen?

Die Priesterinitiative will geschiedene Wiederverheiratete zur Kommunion zulassen. “In unserer Diözese reichen viele Pfarrer den wiederverheirateten Geschiedenen die Kommunion”. Diesen Pfarrern ist bekannt, dass sie damit nicht nur gegen das Kirchenrecht, sondern auch gegen die eindeutige Aussage Jesu verstoßen (Mt 5,31-32; 19,3-9; Lk 16,18; Mk 10,4-9). Die Ehe ist nicht, wie Die Augsburger Allgemeine vom 20.10.12 meint “nach katholischem Recht unauflöslich”, sondern nach dem Wort Jesu.

Zur Lösung der Probleme spricht sich die Priesterinitiative für “synodale Strukturen” aus. “Da kann die evangelische Kirche durchaus Vorbild sein.” Aber nur wer erfahrungsresistent ist, kann übersehen, dass die evangelische Kirche die “Entfremdung” ihrer Gläubigen trotz synodaler Strukturen nicht verhindern konnte. Ihr kehrten in den letzten Jahrzehnten wesentlich mehr Gläubige den Rücken zu als in der katholischen Kirche.

Aufschlussreich ist die Tatsache, dass sich kaum junge Priester der Initiative angeschlossen haben.

Prof. Dr. Hubert Gindert, Vorsitzender des Forums Deutscher Katholiken


Weiteres zum Thema:

Priesterinitiative: Schwerste theologische Defizite

Prälat Wilhelm Imkamp, Apostolischer Protonotar und Wallfahrtsdirektor des mittekschwäbischen Wallfahrtsortes Maria Vesperbild, zur "Priesterinitiative Augsburg", die am 20. Oktober 2012 an die Öffentlichkeit getreten war:
"Hier handelt es sich um eine psychologisch verständliche Fehlinterpretation einer ganz bestimmten Alterskohorte, die schwerste theologische Defizite aufweist. (...) Wir haben nicht zu wenig Priester, wir haben zu wenig Gläubige", sagte Imkamp. Noch nie in der Kirchengeschichte habe es so viele Messen für so wenig Gläubige gegeben.

Für seine Pfarrerskollegen hat der Direktor folgende Anregung: "Sie sollten besser Krankenbesuche machen und die Konzilstexte, wenn möglich, auf Latein studieren."

Günzburger Zeitung/ Mittelschwäbische Nachrichten, 24.10.12


Herr, schenke uns heilige Priester. Hl. Pfarrer von Ars, bitte für uns.

Der Heilsplan Gottes


Nur wo Ordnung, da ist Gott. Der Vater hat den Sohn  gesandt, und der vom Vater den Heiligen Geist. In der Kirche werden wir eins mit dem Heiligen Geist; er vereinigt uns mit dem Sohn, "wird er doch vom Seinigen nehmen und uns geben". Und in Christus kommen wir zum Vater zurück.


Romano Guardini: Vom Sinn der Kirche; Matthias Grünewald Verlag Mainz; 4,Aufl. 1955; S. 31



Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...