Donnerstag, 14. November 2013

Prof. G. May: Die andere Hierarchie - Teil 10: Der Ungehorsam gegenüber dem Vicarius Christi

Prof. Dr. Georg May
 

Die andere Hierarchie

Teil 10


Verlag Franz Schmitt Siegburg AD 1997




VI.  Der Ungehorsam gegenüber dem Vicarius Christi

Die Ergebenheit mancher deutscher Bischöfe gegenüber dem Nachfolger Petri ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Es liegt zuviel Tun und Unterlassen vor, das diesen Zweifel nährt.

Ich erinnere an die schwache Reaktion auf die sogenannte Kölner Erklärung (37). Keinem Unterzeichner dieses unerhörten Papiers wurde auch nur ein Haar gekrümmt. Ich erinnere an die laue Haltung vieler Oberhirten angesichts des sogenannten Kirchenvolksbegehrens. Es fehlte angeblich nicht an Bischöfen, die erklärten dieses Papier unterschreiben zu können.

Ich erinnere an die verkehrten Beschlüsse von Königstein und Würzburg (38). Wer mit der verbindlichen Moral der katholischen Kirche so umgeht, wie die deutschen Bischöfe es in Königstein und Würzburg getan haben, der verspielt seine lehramtliche Autorität.

Ich erinnere schließlich an die Beratungsscheine bei Schwangerschaftsabtreibung. Der Sprecher der deutschen Bischofskonferenz, Rudolf Hammerschmidt, erklärte, er halte es nicht für ausgeschlossen dass einige deutsche Bischöfe sich gegen den Papst stellen könnten, wenn "Rom" einen Ausstieg der Kirche aus dem staatlichen Beratungssystem fordere (39). Hier wurde in drohendem Ton die Rebellion angekündigt, wenn der Stellvertreter Christi etwas anordnen sollte, was gewissen deutschen Bischöfen nicht ins Konzept passt.

Eine besondere Rolle spielte bei all diesen Vorgängen Bischof Lehmann. Er galt als der "Kissinger" der Würzburger Synode, er verteidigt bis zur Stunde die Königsteiner Erklärung, er ist ein vehementer Anwalt der Schwangerenberatung mit Ausstellung des Beratungsscheines. Als der Mediziner Wilhelm von Eiff, der die kirchliche Lehre von der Empfängnisverhütung unaufhörlich attackiert, 75 Jahre alt wurde, erhielt er von Lehmann ein lobendes Glückwunschschreiben (40). Ich stelle die Frage: Kennt Lehmann die Lehre von den fremden Sünden, deren man sich schuldig macht, wenn man das böse Tun anderer lobt?

Lehmann empfahl, den Streit um das Priesteramt der Frau "vorerst" ruhen zu lassen (41). Ich frage wiederum: Warum nur "vorerst"? Wann soll es damit weitergehen? Und warum? Ist die Entscheidung nicht längst gefallen? Soll sie also revidiert werden? In Gegenwart von Bischof Lehmann sprach der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch beim Aschermittwoch der Künstler über Gott, der mit der Kirche wenig zu tun habe, sich vielmehr gelegentlich gar über die "Faxen" des Papstes ärgere, deren er allmählich überdrüssig sei (42). Lehmann legte keine Verwahrung ein.

Alle diese und viele andere Äußerungen und Handlungen zeigen, dass deutsche Bischöfe ihrer Unterstellung unter den Heiligen Vater nicht gerecht werden. Sie mögen sich aber merken: Wenn sie ihre Loyalität gegenüber dem Papst verletzen, entfällt die Loyalität der katholischen Christen ihnen gegenüber.


(37)  May, Gefahren, die der Kirche drohen 60-68
(38)  May, Der Glaube in der nachkonziliaren Kirche 204-208
(39)  KNA 94/Mittwoch, 21. Mai 1997; Deutsche Tagespost Nr. 62 vom 22. Mai 1997 S. 5; Nr. 63 vom 24. Mai 1997 S. 4
(40)  Deutsche tagespost Nr. 107 vom 5. September 1996 S. 9
(41)  FAZ Nr. 98 vom 28. April 1997 S. 4
(42)  Allgemeine Zeitung vom 14. Februar 1997

(Hervorhebung durch Fettdruck von FW)


VII.  Einige Fragen

Ich richte an dieser Stelle folgende Fragen an die deutschen Bischöfe:

Sie verwenden sich für die Schwachen in der Gesellschaft. Wann treten Sie für die Schawachen in der Kirche ein? Sie fordern zum Schutz der Minderheiten im Volk auf. Wann stellen Sie sich vor die Minderheit in der Kirche, der am klatholischen Glauben noch etwas liegt? Sie öffnen die Kirche für Orthodoxe, Protestanten und Mohammedaner. Wann lassen Sie die dem klassischen römischen Ritus verpflichteten Priester und Gläubigen ungestört den Kult in den Gotteshäusern ausüben?

Sie stellen Ihre Bildungshäuser und Pfarrzentren Agitatoren gegen Glaube und Ordnung der Kirche zur Verfügung. Wann gewähren Sie denen, die Glaube und Ordnung in der Kirche verteidigen, eine Heimstatt in Ihren Gebäuden? Sie betreiben Gemeinschaft mit Schismatikern und Häretikern unter der Flagge des Ökumenismus. Wann zeigen Sie den Mitgliedern der Priesterbruderschaft St. Pius' X. das gleiche Entgegenkommen? Sie beweisen eine Engelsgeduld mit irrlichternden Theologen. Wann haben Sie Verständnis für jene kritischen Katholiken, welche die Zerstörung des Glaubens durch diese Theologen beklagen? Sie haben Mitgefühl mit Aisdskranken und Homosexuellen.. Wann bringen Sie Verständnis für Anhänger der Verwendung der lateinischen Sprache im Gottesdienst der Kirche? Ein elementares Erfordernis der gerechtigkeit ist die Glaichbehandlung. Wann werden Sie dieses endlich den treuen Gläubigen gewähren, welche die Selbstzerstörung der Kirche nicht mitmachen können?


Schluss (des §3)

Durch Tun und Unterlassen haben die deutschen (und andere) Bischöfe in den letzten Jahren fortwährend an Autorität verloren. Ihre Untätigkeit angesichts horrender Missstände, ihre Vernachlässigung des Wesentlichen zugunsten zweitrangiger Dinge und ihre Begünstigung des zerstörerischen Progressismus haben das hierarchische Prinzip in der Kirche verdunkelt. Durch immer weiteres Nachgeben haben sie die zersetzenden Kräfte ermutigt. Die Bischöfe mögen sich eines merken: "Jede Elite, die nicht bereit ist, durch Kampf  ihre Positionen zu verteidigen, befindet sich in voller Dekadenz; es bleibt ihr nichts andders übrig, als ihren Platz einer anderen Elite zu überlassen, welche die ihr fehlenden mannhaften Eigenschaften besitzt" (Vilfredo Pareto). So ist es tatsächlich in der Kirche gekommen.

Der durch das Versagen der Bischöfe freigewordene Raum ist durch andersartige Kräfte besetzt worden. "Das Fehlen legaler Hierarchien erleichtert den Aufstieg der Skrupellosen" (Gómez Dávila). In unglaublicher Kurzsichtigkeit haben sie jenen Personen Positionen eingeräumt, deren Wirken auf den Umsturz der Kirchenverfassung gerichtet ist. Sie haben die Einrichtungen geschaffen, die unaufhörlich an ihrer Entmachtung arbeiten. Das Versagen der legalen Hierarchie hat den Aufbau der anderen Hierarchie hervorgebracht.



Fortsetzung folgt in unregelmäßigen Abständen



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