Freitag, 21. Dezember 2012

...und hat Fleisch angenommen von Maria der Jungfrau

Kirchenväter und Menschwerdung Gottes (6)

Papst Leo der Große (um 400-461) - Die (echten) Briefe v. J. 440-45

Zur Erklärung: Eutyches vertrat die Auffassung, dass der Leib Christi nicht aus dem Leib der Jungfrau Maria gebildet (entstanden) war, sondern nur eine (göttliche) Natur habe (Monophysitismus). Diese Meinung widerlegt hier Leo der Große:

Über die zweifache Geburt und Natur Christi

Wenn er (Anm.: Eutyches) also nicht wußte, was er über die Menschwerdung des göttlichen Wortes denken solle, und er, um sich hierüber zu belehren nicht die ganze hl. Schrift durchforschen wollte, so hätte er doch wenigstens jenes allgemeine und ohne Unterscheidung angenommene Bekenntnis mit sorgsamem Ohre beherzigen sollen, durch welches alle Gläubigen bekennen: zu glauben an Gott, den allmächtigen Vater, und an Jesus Christus, seinen einzigen Sohn, unsern Herrn, der geboren ist von dem heiligen Geiste und von Maria der Jungfrau.

Durch diese drei Sätze werden die Anschläge fast aller Häresien vernichtet. Denn wenn man glaubt, Gott sei allmächtig und Vater, so erklärt man den Sohn für gleichewig mit ihm, der sich in Nichts vom Vater unterscheidet, weil er Gott von Gott, allmächtig von dem Allmächtigen, gleichewig von dem Ewigen ist, nicht später der Zeit, nicht niedriger der Macht, nicht ungleich der Herrlichkeit, nicht getrennt der Wesenheit nach; dieser aber des ewigen Vaters eingeborene ewige Sohn ist von dem heiligen Geiste und von Maria der Jungfrau geboren.

Diese zeitliche Geburt hat jener göttlichen und ewigen Geburt nichts benommen, nichts zugebracht, sondern war ganz auf die Erlösung des verführten Menschen gerichtet, um den Tod zu besiegen und den Teufel, der des Todes Gewalt hatte, durch ihre Kraft zu überwinden. Denn wir könnten den Urheber der Sünde und des Todes nicht überwinden, wenn nicht jener unsere Natur angenommen und zu der seinigen gemacht hätte, den weder eine Sünde beflecken noch der Tod festhalten konnte. Er ist nämlich empfangen vom heiligen Geiste im Leibe der jungfräulichen Mutter, die ihn ebenso ohne Verletzung der Jungfrauschaft geboren, wie sie ihn ohne Verletzung derselben empfangen hat.

Wenn (Eutyches) von dieser so reinen Ouelle des christlichen Glaubens keinen klaren Begriff erlangen konnte, weil er den Glanz der hellen Wahrheit durch die ihm eigene Verblendung verdunkelt hatte, so hätte er sich doch der Lehre des Evangeliums unterwerfen sollen, da auch Mattäus sagt:(1) „Buch der Abstammung Jesu Christi, des Sohnes Davids,  des Sohnes Abrahams;“ er hätte sich auch von der Lehre der Apostel Aufklärung geben lassen sollen, und so er im Briefe an die Römer liest:(2) „Paulus, ein Diener Jesu Christi, berufener Apostel, auserwählt für das Evangelium Gottes, welches er zuvor durch seine Propheten in den heiligen Schriften versprochen hatte, von seinem Sohne, der ihm aus dem Geschlechte Davids dem Fleische nach geworden ist,“ dann hätte er seine fromme Aufmerksamkeit auf die prophetischen Bücher gerichtet. Er fände da die Verheißung Gottes an Abraham:(3) „In deinem Samen werden gesegnet werden alle Völker der Erde,“ und damit er über die Eigentümlichkeit dieses Samens nicht im Zweifel sei, hätte er dem Apostel folgen sollen, der sagt:(4) „Es sind dem Abraham Verheißungen zugesagt worden und seinem Samen; er sagt nicht: „„und den Samen““ (als spräche er) wie von Vielen, sondern (er spricht) wie von Einem: „„und deinem Samen,““ welcher ist Christus.“

Auch das Wort des Isaias hätte er mit dem Ohre seines Geistes erfassen können, da er sagt:(5) „Sieh', die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und seinen Namen wird man Emmanuel nennen, d. h. Gott mit uns;“ er hätte auch im Glauben die Worte desselben Propheten gelesen:(6) „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt, auf dessen Schultern die Herrschaft ruhet; und man nennt seinen Namen: Engel des großen Rates, Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Friedensfürst, Vater der Zukunft.“

Er hätte dann nicht eitel gesprochen und behauptet, das sei nur insoferne Fleisch geworden, als der aus dem der Jungfrau geborene Christus die G e s t a l t eines Menschen, nicht aber einen wahrhaften Leib von seiner Mutter gehabt habe. Oder glaubte Eutyches vielleicht deshalb, unser Herr Jesus Christus sei nicht gleicher Natur mit uns, weil der zur seligen allzeit jungfräulichen Maria gesandte  Engel sagte:(7) „Der heilige Geist wird über dich herabkommen und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; deshalb wird auch das Heilige, das aus dir wird geboren, Sohn Gottes genannt werden?“ (Oder glaubte er vielleicht,) weil die Empfängnis der Jungfrau ein Werk Gottes war, deshalb sei das Fleisch des Empfangenen nicht aus der Natur derjenigen, die empfangen hat?

Allein nicht also ist die ganz eigens wunderbare und wunderbar eigene Geburt aufzufassen, als ob durch eine neue Schöpfung die Eigentümlichkeit des (menschlichen) Geschlechtes entfernt worden wäre. Der heilige Geist nämlich gab der Jungfrau die Fruchtbarkeit, der wahrhaftige Leib aber ward von (ihrem) Leibe genommen, und „indem sich die Weisheit ein Haus baute,“(8) „ist das Wort Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt,“(9) d. h. in jenem Fleische, welches er aus einem Menschen annahm, und das er mit einem vernünftigen Geiste (10) belebte. 1: Math 1, 1

2: Röm 1, 1.
3: Gen 22, 18.
4: Gal 3, 16.
5: Is 7, 14.
6: Is 9, 6.
7: Luk 1, 35.
8: Spr 9, 1.
9: Joh 1, 14
10: Spiritu vitae rationalis animavit.


I. Echte Schreiben
28. Brief des Papstes Leo an den Bischof Flavianus von Konstantinopel gegen den Unglauben und die Häresie des Eutyches, in "Bibliothek der Kirchenväter"  [S. 199] [S. 200] [S. 201]

Kirchenväter und Menschwerdung Gottes (1) (2) (3) (4) (5)
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