Donnerstag, 18. Oktober 2012

Katechismus - nein danke? Teil 1

Liebe Ameleo,

gerne antworte ich auf Deine Bedenken zum Gebrauch des Katechismus. Zunächst kurz zu Deinem Kommentar zu meinem Post über die obskuren Falschaussagen des BDKJ-Vorsitzenden aufgrund von Bildungsverweigerung, in welchem ich Dich zitiert hatte mit Deiner Aussage an die Adresse der Blogoezese: "Den Katechismus allerdings dürft ihr gerne behalten!"

I. Du hast mir gestern folgenden Text in der Kombox hinterlassen:
Ameleo schrieb: "Schade, dass du nur auf mich verlinkst. Wie wäre eine direkte, argumentative Auseinandersetzung mit meinen verschiedenen Kritikpunkten an KKK und Youcat? Schade auch, dass du es in deinem Blog bevorzugst, Texte von anderen zu zitieren. Ich würde gerne mehr von deinen ureigenen Gedanken lesen. Ja, das ist anstrengend, wie ich aus eigener Erfahrung weiß."

Dazu meine Antworten:

1. Das IST eine direkte argumentative Auseinandersetzung. Du wirst hier auf meinem Blog (in vorherigen, in diesem und in noch folgenden Posts) Antworten auf alle Deine Kritikpunkte finden. Ich lade Dich ein, die Texte zu lesen. Und nicht nur zu lesen, sondern auch zu beherzigen. Das ist wahrscheinlich nicht so anstrengend, wie eigene Gedanken in Worte zu fassen; vielleicht aber auch anstrengender, weil es möglicherweise Veränderungen von Einstellungen (z. B. zum Katechismus) verursachen wird.

2. Dass ich bevorzuge, "Texte von anderen zu zitieren", liegt am Charakter meines Blogs. Ich habe das damals bei meinem Blogstart auch entsprechend formuliert:
http://frischer-wind.blogspot.de/2011/08/herzlich-willkommen.html

3. Wenn Du mein Blog mitliest, wirst Du meine ureigenen Gedanken entdecken. Alles, was ich poste sind meine ureigenen Gedanken, oder solche, die ich mir zu eigen gemacht habe oder mir zu eigen machen möchte.

Vieles, was ich Dir sagen würde, haben (Dir) auch schon andere gesagt. Zum Thema "Katechismus" verweise ich hier z. B. auf "cordulchen" im Blog "Das JA des Glaubens": http://www.das-ja-des-glaubens.de/?p=125

4.  Ein Problem ist m.E., dass Du versuchst, Glaubenswissen gegen Glaubenserfahrung auszuspielen. Das eine ist aber ohne das andere nicht vollständig. Benedikt von "Zeitfragen" hat dazu vor einigen Tagen auf  "Das Ja des Glaubens" folgenden treffenden Gedanken formuliert:

"Was ist Glaube – Glaubenswissen oder Glaubenserfahrung? Genauso gut könnte man fragen: Was ist Feuer – Brennholz oder Flamme? Ohne Brennholz bleibt der Funke nicht, ohne dem Feuer bleibt das Brennholz sinnlos."   http://www.das-ja-des-glaubens.de/?p=208

Bleibt also festzustellen, dass beides notwendig ist, um ein Ganzes zu ergeben - aber eben AUCH Glaubenswissen. Glaubenserfahrungen aber kannst Du nur machen, wenn Du mit Jesus Christus selbst, mit dem Wort Gottes nämlich, in Kontakt kommst.

5.  Es wäre nicht besonders klug, "Hilfsmittel" wie einen Katechismus einfach abzulehnen. Ich setze "Hilfsmittel" hier in Anführungszeichen, weil ein Katechismus mehr ist als nur ein Hilfsmittel. Es IST einfach so, dass er unseren Glauben, die katholische Lehre, Wort Gottes, enthält und mit vielen Schrift- und anderen Quellenzitaten begründend darstellt. Mehr WILL ein Katechismus nicht leisten.

Natürlich muss man diesem Glaubenswissen (dem Wort Gottes) selbst zustimmen (falls man das Verlangen hat, Seiner Kirche - und damit Ihm selbst - angehören zu wollen). Man muss sich be-lehren lassen wollen. Das fällt natürlich dem einen leichter als einem anderen, ändert aber nichts an der Tatsache an sich.

Zu  glauben kann uns niemand abnehmen und auch niemand aufzwingen. Das müssen wir selbst wollen (und tun). Wie gesagt muss ich aber erst einmal wissen, was und woran ich glaube. Der Glaube kommt ja nicht von mir (oder von Dir), sondern wird mir von Gott durch die lehrende Kirche geschenkt. (s. z. B. den Taufritus). Ich muss also auf Gott HÖREN, auf Sein Wort, auf die Kirche. Stimmt mein Glaube mit dem der Kirche überein, um so besser, sonst aber werde ich mich korrigieren, ändern müssen. Auch das fällt dem einen leichter als dem anderen, ändert aber an der Tatsache an sich nichts.

Letzlich ist das eine Frage des Vertrauens auf Gott und seinen Heilsplan für die Menschen.


II.  Zu Deinen sieben Punkten über die Gründe für Deine Bedenken zum Katechismus:

Meine frühen Erfahrungen mit dem (bzw. ohne) Katechismus sind Deinen sehr ähnlich. Allerdings bin ich nicht in der Diaspora aufgewachsen, sondern im Multi-Kulti-Ballungsraum. Religion war bei uns (unter Heranwachsenden) nie ein Thema. In der Familie schon eher. Meine Eltern haben sich nie darüber beklagt, dass sie den Katechismus auswendig lernen mussten.

Die Antwort auf die erste Katechismusfrage aber haben sie auch immer mal wieder durchblicken lassen. Bei uns hieß sie: "Wozu sind wir auf Erden? Um Gott zu ERKENNEN, ihn zu LIEBEN, ihm zu DIENEN und einst EWIG bei ihm ZU LEBEN." (Grüner Katechismus) Und mit diesem Wissen, ob man es so oder wie Deine Eltern "Damit wir den Willen Gottes tun und dadurch in den Himmel kommen" formuliert, damit ist eigentlich schon das Wesentliche gesagt. Nun geht es darum zu erfahren, was der Wille Gottes denn ist...

ad 2.
Wenn Du verunsichert bist, ob der Katechismus sich auch an Dich richtet, dann höre doch einfach auf den Papst. Der Papst sagt doch: Allen Gläubigen sei das Studium des Katechismus empfohlen. Da muss man dann nicht akribisch suchen, ob vielleicht irgendwo gesagt wird, dass er doch nicht für alle oder nur für manche oder nur für Vorbelastete oder... gemeint ist. Nein, sein Studium ist für ALLE wichtig, damit jeder durch den KKK (oder Youcat) das Wort Gottes hört und erfährt, was Gottes Wille ist. Dafür braucht man auch keinerlei Vorbildung und keine besonderen Sprachkenntnisse.

Im übrigen kann ich mich Deiner Beobachtung, der Youcat besäße eine befremdlich wirkende, durch "binnenkirchliche Formulierungen und Chiffren geprägte Sprache", nun wirklich nicht anschließen. Das Gegenteil ist der Fall, wovon sich jeder durch einen Blick in den Youcat selbst überzeugen kann.

Als "Mitverantwortliche für den Unterricht der Gläubigen" hälst Du die Texte von KKK und Youcat für wenig hilfreich weil die Hauptarbeit nach wie vor an Dir hängenbleiben würde. Nun, ein Katechismus ist kein Religionsbuch, das dem Religionslehrer schon methodisches und didaktisches Material bietet um den Unterricht zu gestalten. Freilich, das ist ein Katechismus nicht. Die Texte des Katechismus bilden die Grundlage für die Katechese. Ein Katechet ist jemand, der den Inhalt des Katechismus vermittelt, jemand, der (somit) das Wort Gottes weitergibt, den Willen Gottes vermittelt. WIE er das vermittelt, bleibt zunächst einmal zweitrangig.

Wenn Du von "ursprünglichen Quellen" sprichst, die Du in der Erwachsenenkatechese lieber direkt statt des Katechismus' verwendest, so würde mich interessieren, was Du damit meinst. Was sind für Dich diese "ursprünglichen Quellen"?


Für jetzt mit freundlichen Grüßen

Frischer Wind 


Katechismus - nein danke? Teil 2


Weiteres zum Thema:
Kardinal Piacenza: 

Kommentare:

  1. Liebe "Frischer Wind",

    danke, dass du dich auf meine Anfrage hin so ins Zeug legst! Meine Hochachtung! Mir gefallen neben deiner inhaltlichen Auseinandersetzung der sachliche, aber dennoch engagierte Stil und der Versuch, nicht ins Polemische bzw. Bevormundende abzugleiten.

    Gerne kommentiere ich deine Anmerkungen hier bei dir, hätte aber auch Lust, in einen blog-übergreifenden Dialog einzutreten, wenn du damit einverstanden bist. (Ich würde dann z.B. diesen Kommentar dort posten.) Solltest du dich im Folgenden von mir angegriffen fühlen, sei versichert, dass das nicht meine Intention ist! Da ich außerhalb der "Blogoezese" niemand kenne, der etwas mit einem Katechismus anfangen kann, finde ich eine solche Diskussion sehr bereichernd und habe nicht vor, dich absichtlich zu verärgern.

    Dass für dich das Zitieren von anderen wichtig ist, weil du dich offensichtlich in diesen Ansichten wiederfindest und dich damit identifizieren kannst, habe ich verstanden. Dennoch finde ich deine eigenen Worte und Bewertungen, so wie in diesem Post, einfach interessanter. Es ist dein Blog, du entscheidest über das Was und Wie, ich möchte nur anmerken, was mein Interesse wäre.

    Was du online stellst "beherzigen" werde ich sicherlich nicht, es aber aufmerksam lesen, mir durchaus darüber meine Gedanken machen und, soweit kommunizierbar, sie dir auch mitteilen.

    Du verstehst meine Gedanken zum Katechismus so, als würde ich Glaubenswissen gegen Glaubenserfahrung ausspielen wollen. Wegen des großen Umfangs habe ich meine Gedanken auf drei Posts mit verschiedenen Schwerpunkten aufgeteilt. Darin sollte eigentlich deutlich geworden sein, dass ich von einer individuellen Balance dieser beiden Akzente spreche. In Kontakt mit Jesus Christus zu kommen zählt für mich z.B. zur Glaubenserfahrung. Kann es sein, dass du das Glaubenswissen überbetonst? Welche Rolle spielt denn für dich die persönliche Glaubens- und Lebenserfahrung, die nach meiner Erfahrung schwer von einander zu trennen sind?

    Für dich ist der Katechismus ein wertvolles, sehr besonderes "Hilfsmittel". Das bewerten du und ich sehr unterschiedlich. Die Quellen, die ich stattdessen bevorzuge, sind die biblischen Texte selbst, die Konzilsdokumente, ggf. die Dogmen, den CIC oder Texte (Prosa oder Lyrik) von Kirchenlehrer_innen bzw. Heiligen und anderen, aktuellen Autor_innen, je nach Anlass und Thema. Der persönliche Bezug der Teilnehmenden (Vorwissen, Erfahrungen, Fragen) und sie selbst mit ihren aktuellen Gedanken, Gefühlen, Ideen, Geschichten, Bildern und Vergleichen gehören darüber hinaus für mich als "lebendige Quelle" grundsätzlich unabdingbar dazu.

    Ich bin gespannt auf deine weiteren Überlegungen und grüße dich herzlich

    Ameleo

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    1. Liebe Ameleo,

      bleiben wir dabei, dass Du obenstehende Antwort auf Deine Gründe gegen einen Gebrauch eines Katechismus HIER kommentieren kannst. Du kannst jederzeit hierher verlinken, ich bitte Dich aber, davon abzusehen, mein Post anderswo zu veröffentlichen. Ich bin der Meinung, dass eine ausufernde Diskussion über dieses Thema weder bereichernd noch fruchtbringend sein wird.

      Wir feiern das "Jahr des Glaubens". In diesem Jahr sind alle Katholiken dazu aufgerufen, den Glauben zu vertiefen und Christus besser kennenzulernen. Viele Katholiken in allen Ländern der Welt tun das mit Begeisterung und in Liebe zur Kirche: Sie beten allein und gemeinsam, nehmen an der Liturgie der Kirche teil, leben aus der Liturgie in ihrem Alltag, empfangen die Sakramente, studieren die Hl. Schrift und den Katechismus. Auch ich werde das nach meinen Möglichkeiten tun. Und in dieser Zeit wird man vieles an Glaubenserfahrungen sammeln können.

      Dieses Jahr soll nicht dazu herhalten, den Glauben in Frage zu stellen oder ständig Glaubenswahrheiten zu bestreiten oder zu ignorieren (Du weißt schon, was ich alles meinen könnte…), dafür ist die Zeit zu schade und am Ende wären wir wieder nicht dazu gekommen unseren Glauben durch Gebet, in der Liturgie und durch das Studium von Katechismus und Hl. Schrift zu vertiefen. Wir hätten das Jahr dann schlecht genutzt.

      Wenn Du (außerhalb der Blogoezese) niemanden kennst, der etwas mit dem Katechismus anfangen kann, dann ist das eine Bestätigung dafür, wie notwendig der Aufruf des Hl. Vaters (und anderer Bischöfe) ist, den Katechismus (endlich) zur Hand zu nehmen und zu entdecken, was darin steht. Ich nehme an, dass diese Katholiken, von denen Du sprichst, nicht wissen, was in dem Buch steht. Das kann doch sehr spannend sein: zu erfahren, was mein Glaube alles enthält. Wie reich und wie schön der Glaube ist, wie wunderbar Gott alles geordnet und zum Heile des Menschen gefügt hat. Hier findet Glaubenserfahrung (!) statt, die Begegnung mit Jesus Christus, mit dem Wort Gottes.

      Du, als "Mitverantwortliche für den Unterricht der Gläubigen" hättest da eine große Aufgabe in der Diaspora. Aber die kannst Du leider nicht wahrnehmen, weil Du selbst den Katechismus ablehnst. Also liegt der Weinberg weiter brach.

      Es freut mich, dass Du meinst, mich verstanden zu haben, allerdings habe ich den Eindruck, dass Du mich völlig missverstanden hast: Es geht bei der Empfehlung, den Katechismus zur Hand zu nehmen, nicht um Deine persönliche Einschätzung ob Du die Idee gut oder schlecht findest und ob Du persönlich glaubst, was im Katechismus steht oder nicht. Da gibt es gar keine „Meinung“ und auch Deine „Erfahrungen“ sind völlig nebensächlich: es gibt nur die Entscheidung FÜR oder GEGEN Jesus Christus. Mit allen Katholiken und der Kirche FÜR den Katechismus oder mit den „ewigen Neinsagern“ GEGEN den Katechismus.

      Katholiken, die den Katechismus ablehnen, gibt es nicht, denn sie würden damit bezeugen, dass sie den Glauben ablehnen. Und darüber brauchen wir auch nicht weiter diskutieren, weil es hier „keinen Spielraum mehr gibt“ wie Erzbischof Müller sagen würde.

      Dir Gottes Segen wünschend

      Frischer Wind






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    2. Liebe "Frischer Wind",

      sehe ich das richtig, dass du den Katechismus mit Jesus Christus gleichsetzt? (So verstehe ich deinen vorletzten Abschnitt.) Das tue ich nicht. Trotz Entscheidung für Christus kann man sicherlich über ein Buch diskutieren und es nach Form und methodischer Gestaltung ablehnen sowie seinen Inhalt auf Korrektheit hinterfragen. Es gab in der Vergangenheit ja nicht ohne Grund immer neue Katechismen, eben weil sie vergänglich sind im Gegensatz zur Lehre der Kirche oder gar Gott selbst. Wenn das Zitat von Erzbischof Müller also den Katechismus meint, irrt er schlicht und einfach.

      Katholiken, die den Katechismus ablehnen, gibt es durchaus jede Menge, denn diese Art von Lehrbuch war von Beginn seiner Existenz an umstritten. Mit der Auseinandersetzung, die wir hier führen, stehen wir also in einer guten hunderte Jahre alten Tradition.

      Dir auch gute Wünsche

      Ameleo

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    3. @Ameleo
      Deine Quellen sind - nach eigenem Bekunden - bevorzugt (statt Katechismus):
      "die biblischen Texte selbst, die Konzilsdokumente, ggf. die Dogmen, den CIC oder Texte (Prosa oder Lyrik) von Kirchenlehrer_innen bzw. Heiligen".

      Gute Quellen!
      Aber wo, frage ich mich, finden sich darin die Positionen, die Du so vehement vertrittst, wie z. B.

      - dass Christus eigentlich KEINE Kirche gegründet hat
      - dass die hierarchische Struktur der Kirche "Blödsinn" ist
      - dass das Priester- und Kirchenbild der katholischen Kirche falsch ist
      - dass die (römisch-)katholische Kirche nicht die Kirche Jesu Christi ist
      - Forderung von Laienpredigt in der Eucharistiefeier
      - Forderung von Frauenpriestertum/ -diakonat
      (z. B.)

      Irgendwie passt das nicht zusammen.

      Clarissa

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    4. @ Clarissa: Hä? Wo vertrete ich dieses Gesamtpaket? Damit du es klarer hast hier in aller Kürze:
      - Christus hat das Reich Gottes verkündet. Die Kirche entstand nach seinem Tod in Folge der Auferstehung durch seine Anhänger und Anhängerinnen. Das Gott dabei seine Finger im Spiel hatte, bezweifle ich nirgendwo.
      - Hierarchische Strukturen erklären sich durch die enge Verknüpfung von Kirche und Staat durch die Jahrhunderte. Biblisch gesehen ist Christus das alleinige Haupt. Dass es Strukturen braucht, ist keine Frage, ihr Sosein eine innerkirchliche Entscheidung.
      - Das Kirchen- und Priesterbild ist nicht falsch, muss sich aber Kritik und Anfragen gefallen lassen, in guter jahrtausendalter Tradition.
      - Natürlich ist die römisch-katholische Kirche ein Teil der Kirche Jesu Christi. Warum auch nicht? Allerdings wurde die vorvatikanische Fehlinterpretation von "Außerhalb der Kirche kein Heil" in den Konzilsdokumenten wieder richtig gestellt.
      - Auch die Laienpredigt ist eine sogar biblisch belegte Tradition, die aufgrund der aktuellen Priesterzentriertheit nicht mehr erlaubt ist. Was sonst sollte dagegen sprechen?
      - Frauenpriestertum etc. ... Och nö, nicht schon wieder. Theologisch ist da alles geklärt, die kirchliche Entscheidung wurde dagegen getroffen.

      Dass Kirchenvolk und Theolog_innen vorarbeiten und das Lehramt erst zögerlich nachzieht, ist ebenfalls eine alte Tradition, also erleben wir im Moment nichts Neues.

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    5. @Ameleo
      Quod erat demonstrandum.

      Damit hast Du sämtliche Punkte bestätigt, wenn ich das richtig sehe. Danke.

      Dass "Kirchenvolk und Theolog_innen vorarbeiten und das Lehramt erst zögerlich nachzieht" ist ziemlicher Quatsch.

      Das Lehramt ist einzig der Wahrheit Jesu Christi verpflichtet, was nicht ausschließt, dass sich diese Wahrheit immer weiter entfaltet.
      Das heißt aber NICHT, dass das Lehramt Dinge deswegen übernimmt, weil Ameleo meint, dass etwas so und nicht so zu sein hat.

      Clarissa

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    6. @Ameleo

      Oha.
      Vielleicht solltest Du doch mal in einen Katechismus gucken...

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  2. An der Diskussion kann und mag ich mich nicht beteiligen. Nur kurz:

    Der Katechismus ist jedenfalls ein gutes Mittel gegen "religiösen Analphabetismus" zum einen, gegen subjektive Irrtümer zum anderen. Darüberhinaus eine reiche Quelle (nicht nur) geistlicher Bildung und auch der persönlichen Erforschung und Betrachtung der aus der Offenbarung gewonnenen Lehre jener Kirche, zu der ich in der Firmung "Ja!" gesagt habe.
    Unser Glaube kann nicht ohne Katechesen bestehen; z.B. schon, das Gott Vater,Sohn und Hl. Geist ist, muß gewußt werden und das geschieht durch das offenbarende Wort,durch etwas gelehrtes also. Zwar ist der Gottesbezug, davon bin ich überzeugt, in jedem Menschen von Geburt an angelegt; doch rein durch die Erfahrung würde er niemals zu dieser Wahrheit gelangen. Denn sonst würde jeder ja zwangsläufig erkennen können,daß es den dreieinen Gott gibt. Das ist aber nicht der Fall. Geschweige denn beim Mysterium von Kreuztod und Auferstehung des Herrn.
    Ich will und kann es hier nur kurz andeuten:die persönliche Erfahrung kann mich zwar tiefer und tiefer in die Mysterien aber auch in den Sinn kirchlicher Gebote führen, dennoch brauche ich die Richtschur des vermittelten, über Jahrtausende erprobten Wissens und seiner Ordnung, das sich mir dann auch als Wahrheit persönlich offenbart, eben weil es göttliche Wahrheit ist.
    Und welchen Katechismus nehme ich dann als Katholik? Na den meiner Kirche, wer könnte sich sonst dieser Wahrheit besser genähert haben, wer sie greifbarer machen! Weil dort in sorgsamer Exegese der Schrift, Zeugnisse der Kirchenlehrer und Heiligen, das ganze lebendige Atmen und die Erfahrung dieser Kirche von ihrem Anfang bis heute enthalten ist. Und all das hindert mich in nichts, mich in immer tieferer persönlichen Erfahrung auch anderen Quellen zuzuwenden, das ergänzt sich. Und ich öffne mich nur solchen Katecheten,von denen ich unmittelbar weiß, daß sie mir helfen können, noch unverstandenes zu erhellen im Licht des Glaubens und verschließe mich denen,die antreten, um in mir ihre eigenen Zweifel zu vermehren.

    Ich verstehe in nichts, wie Katholiken andere Katholiken sozusagen vom Katechismus fernhalten wollen. Das müßte ich spekulierend versuchen, und käme dann zum Verdacht, da sähe einer eine unliebsame Konkurrenz zu divergierenden Glaubensvorstellungen, die er anderen vermitteln möchte. Und das laß ich jetzt doch lieber. Und empfehle die gründliche Lektüre jedem wärmstens an.


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  3. Es gibt keine "Kirchenlehrer_innen".

    Es gibt nur Kirchenlehrer und Kirchenlehrerinnen.

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    1. "Kirchenlehrer_innen"...

      Sieht wirklich komisch aus.
      Innen im Lehrer?


      Clarissa

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    2. Und es gibt verschiedene Schreibweisen: die Nennung beider Formen, das Binnen-I, das Bindestrich-innen. ... Manches hat sich mehr anderes weniger durchgesetzt.

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    3. Ich find Elsas Schreibweise am logischsten und sinnvollsten.
      Alles andere ist elende Faulheit!

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  4. Also... Hm...Selber denken...Wenn ich mich morgens ins Auto setzte, dann vertraue ich weitest gehend den Ings und Schraubern, die die Karre zusammen gebastelt haben. Das heißt nicht, dass ich nicht weiß wie das Teil funktioniert, ich weiß wie ein Motor aufgebaut ist, ich kenne auch die Gesetze der Dynamik, ich kann sogar was mit dem Drehmoment anfangen... aber aber ich setzte mich nicht jeden Morgen hin und überlege mir, ob die physikalischen Gesetze, die da in Technik übertragen wurden auch grundsätzlich stimmen
    Aber wäre es nicht besser für uns, wenn wir das Bauen von Autos nicht irgendwelchen Fachidioten überlassen würden, die u.U. sklavisch an den Buchstaben der physikalischen Gesetze hängen? Die da überhaupt keine eigenen oder andere Erfahrungen wertschätzen? Die einfach immer nur das alt hergebrachte Zeug neu verpacken und für wirklich Neues gar nicht mehr offen sind? Wie können die mir überhaupt ein Auto bauen, wo die doch gar nicht wissen, wie ich Geschwindigkeit empfinde. Wäre es da nicht besser ich würde zum Anfang zurückkehren, alles über den Haufen werfen, alles in Frage stellen und das Rad neu erfinden? Oder ein ganz anderes Bewegungssystem, das auch wirklich in mein Leben und in meine Zeit passt. Wäre das nicht das einzig Richtige, gerade angesichts der Energiekrise?
    Ja, villt, aber nicht morgens um sieben, wenn ich um acht meinen ersten Termin habe. Dann stöpsel ich einfach nur den Schlüssel ein und drück auf Start. Ich weiß aus Erfahrung, der Motor wird Anspringen. Er hat das bisher immer getan, die Leute, die das Teil gebaut haben, die können was und manchmal staune ich, welche eleganten Lösungen sie für die immer wieder mal auftretenden Probleme gefunden haben.
    Und es fährt sich recht gut damit. Ich würde auch nie auf die Idee kommen meinen Nichten und Neffen, die Autofahren lernen möchten, zu sagen, sie müssten erst alles Vergessen, was sie je über Physik gehört haben und das Rad neu erfinden, um ein echter Autofahrer zu werden. Ich würde mit ihnen auf den Idiotenhügel fahren und sie ein bisschen ausprobieren lassen. Irgendwann werden sie wissen, wie man die Kupplung kommen lässt etc. Natürlich würde ich ihnen auch sagen, dass das rote Lämpchen mit der Kanne drauf, was mit Öl zu tun hat usw. Aber viel wichtiger wäre die Straßenverkehrsordnung und die Fahrtest mit ihnen zu üben. Wenn sie dann irgendwann mal Bock haben, können sie sich immer noch ihre eigene Karre zusammenschrauben oder ein Ing-Studium beginnen.
    Ich bin im Grunde auch nicht bereit, mir von irgendwem sagen zu lassen, ich sein nur wenig kreativ und würde mein Gehirn nicht benutzen, nur weil ich den Regeln der Straßenverkehrsordnung folge und nicht jeden Morgen wieder das Rad neu erfinde.
    Man kann nämlich auch beim Autofahren denken.
    Man kann sich sogar die Straßenverkehrsordnung nehmen und über sie nachdenken.

    http://abaptistreadsthecatholiccatechism.becomingblogs.com/

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    1. Liebe B.,

      Du hast recht, es wäre eine maßlose Selbstüberschätzung, wenn man sich einbilden würde, man könne sich alles selber ausdenken und selbst irgendwie begründen - und jede Hilfe kategorisch ablehnt, weil man selbst es besser weiß...

      Wenn ich nicht aus der lebendigen Quelle trinken will, werde ich verdursten - oder ich suche mir andere, fremde Quellen, die möglicherweise ganz woanders ihren Ursprung haben und Keime in sich tragen, die mich krank machen werden.

      Danke auch für den sehr interessanten Link! Erstaunlich. Und sehr erbaulich.

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    2. Als Autofahrerin bleibt es aber in meiner Verantwortung, meine Fahrweise den Gegebenheiten und Umständen anzupassen und z.B. entsprechend zu reagieren, wenn ein Wildschwein die Straße kreuzt. Dann kann ich mich hoffentlich auf die Arbeit der Mechaniker und Mechanikerinnen verlassen und hoffen, dass die Bremsen in Ordnung sind. Handeln, also bremsen und mich auf einen möglichen Zusammenstoß einstellen, muss ich trotzdem selber.

      Heißt übersetzt: Das Vertrauen in das, was andere vor mir geglaubt und mir überliefert haben, kann meinen eigenen Glauben und das Leben dieses Glaubens nicht ersetzen.

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    3. @Ameleo
      Ich fürchte, Du wirst ohne Auto unterwegs sein müssen, da Du der Werkstatt gesagt hast, sie könne das Auto behalten...

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    4. Nee, denen habe ich nur die unzumutbare Betriebsanleitung zurückgegeben!

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    5. @Ameleo

      Die Betriebsanleitung war schon okay.
      Du hast sie nur nicht verstanden, weil Du meinst, das Auto hätte nach Deinen Vorstellungen konstruiert sein müssen.

      Vielleicht hättest Du Dir in der Werkstatt auch Hilfe holen sollen. Man hätte Dir sicher gerne alles (auch anhand der Betriebsanleitung) erklärt.
      Das Problem: Du meinst, Du weißt es besser als die Leute aus der Werkstatt. Da können die dann auch nicht mehr helfen.

      Aber Du willst doch nicht wirklich ohne Betriebsanleitung fahren, oder? (Ohne Betriebsanleitung weißt Du noch nicht einmal, wie der Tankdeckel aufgeht...)

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    6. @ Frischer Wind:
      Wer ohne Betriebsanleitung keinen Tankdeckel öffnen kann, sollte wirklich besser nicht Autofahren ...

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    7. @Ameleo

      Du scheinst den Ernst der Sache nicht zu verstehen.
      Der Tankdeckel ist nur EIN Problem, das Du haben wirst. Aber Du wirst noch ganz andere Probleme haben, solltest Du wirklich ohne Anleitung fahren wollen... Merkst Du eigentlich nicht, wie gefährlich das ist? Du gefährdest Dich selbst und alle anderen Verkehrsteilnehmer.

      Glaub mir, Du brauchst die Anleitung. Und wenn Du mir nicht glaubst, glaub es der Werksleitung.

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  5. Richtig, Ameleo, gerade die Straßenverkehrsordnung hält fest, dass angepasste Fahrweise und Rücksichtnahme auf andere u.U. auch vierbeinige und unfreiwillige Verkehrsteilnehmer pflicht ist. Daher bekommen wir bei Glatteis ohne Winterreifen Tickets und bekommen Post vom Oberstadtdirektor, wenn wir auf der Autobahn drängeln oder mit 80 Sachen durch die Innenstadt fahren. Du kennst bstimmt dieses merkwürdige Dreieck mit dem springenden Hirschen drauf. Das zeigt nicht an, dass in wenigen Metern das Rasthaus Zum Hirschen erreicht wird, sondern warnt u.a. auch vor Wildschweinen auf Kreuzungen. Das Problem ist, dass ich eine Menge Leute kenne, die felsenfest der Überzeugung sind, dass dieses Schild den Weg zum Rasthaus weisen will, und dass das auch so in der Straßenverkehrsordnung steht. Ich kenne sogar Ortsausschüsse in deren letzten Sitzung beschlossen wurde, das Rasthaus Zum Hirschen beim Zentral Komitee zu unterstützen und leider auch Verkehrserzieher, die den Kindern erzählen, dass sie sich wegen Wildwechsel keine Gedanken machen müssen und Geschichten vom Rasthaus eh für pädagogisch hilfreicher halten.

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  6. Also ich finde, das Auto- und Verkehrsbeispiel ist langsam zu Tode geritten. Sprechen wir es mal aus wie's ist:

    Ameleo meint, sie braucht den Katechismus nicht. Und das Lehramt wird auch eher als Hort guten oder schlechten Rates wahrgenommen, nicht aber als Lehrstuhl, demgegenüber der Katholik zum Gehorsam verpflichtet ist. Hl. Schrift und Dogmen erkennt sie aber an.

    Frischer Wind und die übrigen Komentatoren gehen hingegen davon aus, dass sie den Katechismus brauchen und sehen den Papst als obersten Hirten und Lehrer, Verkünder und Ausleger der von Christus offenbarten Wahrheit an.

    Damit haben wir zwei Meinungen, die so nicht miteinander kompatibel sind und für eine Diskussion über den Katechismus keine gemeinsame Grundlage.

    Wobei ich hier die Diskussion nicht abwürgen möchte. Ich finde sie sehr spannend. Aber des Vorgenannten sollten wir uns klar machen (wenn meine Analsye zutreffend ist, was ja nicht stimmen muss), sonst wird's bald persönlich.

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  7. Ach ja. Ich beschäftige mich selbst auch mit dem Thema. Aktueller Beitrag zu lesen hier:
    http://demut-jetzt.blogspot.de/2012/10/katechismus-nein-danke-versuch-einer.html

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