Donnerstag, 15. Januar 2015

Apropos Pressefreiheit: Gefährliche Bilder

Unter der Überschrift "Gefährliche Bilder" brachte die Rheinische Post am 30. Dezember 1950 (Jg. 5/ Nr. 303) auf Seite 1 folgende Meldung:
"Der Stern" von den Alliierten verboten

Hamburg, 29. Dezember. (AP) Wegen "Schädigung des Ansehens und Gefährdung der Sicherheit der Besatzungsmächte" wurde die illustrierte Zeitschrift "Der Stern" von der Hohen Kommission für zwei Wochen verboten. Der "Stern" hatte in seiner letzten Ausgabe eine Bildreportage mit der Überschrift veröffentlicht "Hoppla, wir leben (auf Besatzungskosten)". Darin wurde behauptet, daß französische, britische und amerikanische Besatzungsmitglieder in Westdeutschland ein luxuriöses Leben führten, das durch die Besatzungskosten finanziert werde. Besonders hervorgehoben wurde dabei die fanzösische Besatzungsmacht. Zu dem Verbot seiner Zeitschrift erklärte der Chefredakteur: "Mir wäre es lieber, wenn sie mir beweisen würden, daß die von uns veröffentlichen Zahlen unrichtig sind."

Die genannten Zahlen aus dem westdeutschen Besatzungshaushalt 1950/51 wurden bereits am 21. Oktober 1950 in einer Interpellation des Abgeordneten Strauß (CSU) im Bundestag genannt und sind bis heute unwidersprochen geblieben.

Genaueres über den Vorfall berichtet der damalige Chefredakteur und langjährige Herausgeber des "Stern", Henri Nannen: "Meine Stern-Stunde" - Zum 40-jährigen Stern-Jubiläum 1988 (14.-17. Absatz)


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