Sonntag, 10. September 2017

Verdunkelt "Amoris Laetitia" die Wahrheit von Gut und Böse?

Der Philosoph Josef Seifert verteidigt dankenswerterweise mit einer neuen Stellungnahme zu Amoris Laetitia die Wahrheit und die ihr entsprechende katholische Morallehre gegen deren Relativierung. Dafür wurde er - für gläubige Katholiken völlig unverständlich - von Erzbischof Javier Martinez Fernandez (Granada, Spanien) scharf kritisiert und aus dem Lehrbetrieb entlassens. LifeSiteNews vom 05.09.2017 und kath.net vom 06.09.2017.


Im Folgenden die Anfrage des renommierten Philosophen im Wortlaut:

 

Droht reine Logik die gesamte Morallehre der katholischen Kirche zu zerstören?


Josef Seifert*


Dies ist eine aus dem englischen Original vom Autor ins Deutsche übersetzte Fassung des Aufsatzes, die jedoch – in Antwort auf erste Einwände gegen den englischen Text – einige Zusätze enthält, die im Original fehlen.


Der Text wird hier unter der Creative-Commons-Namens-nennung-Lizenz (CC BY 3.0) veröffentlicht.

Erscheinungsdatum 09.09.2017


Zusammenfassung


Die Titelfrage dieses Beitrags richtet sich an Papst Franziskus und alle katholischen Kardinäle, Bischöfe, Philosophen und Theologen. Es handelt sich um einen Zweifel, eine rein logische Konsequenz einer Aussage in Amoris Laetitia betre ffend, und endet mit einem Appell an Papst Franziskus, mindestens eine These in AL zurückzuziehen, wenn die Titelfrage dieses kurzen Aufsatzes mit Ja beantwortet werden muß. Und wenn in der Tat aus dieser einen Behauptung in AL eine reine Logik, aus evidenten logischen Gesetzen, die Zerstörung der gesamten katholischen Morallehre ableiten kann.

Amoris Laetitia hat zweifellos viel Verunsicherung und widersprüchliche Auslegungen in der katholischen Welt hervorgerufen. Ich möchte hier nicht diese ganze Kontroverse erneut darlegen und die Stellungnahme, die ich zu diesem Thema in einem vorangegangenen Artikel in drei Sprachen verteidigt habe, wiederholen. (1)

Hier geht es uns jedoch um eine einzige Aussage in AL, die nichts mit einer Anerkennung der Rechte des subjektiven irrenden Gewissens oder der Willensschwäche zu tun hat (unter Bezugnahme auf die Rocco Buttiglione die volle Harmonie zwischen dem moralischen Lehramt des heiligen Papstes Johannes Paul II und Papst Franziskus behauptet) – gegen die von Robert Spaemann und anderen geäußerte Feststellung eines vollständigen Bruches zwischen beiden. Buttiglione argumentiert, daß, in Bezug auf ihre grundverschiedene Lehre über die sakramentale Disziplin, der hl. Papst Johannes Paul II dann recht hat, wenn man nur den objektiven Inhalt der menschlichen Handlungen berücksichtige, während Papst Franziskus recht habe, wenn man, nach der nötigen Prüfung und Unterscheidung, den subjektiven Faktoren und fehlenden Bedingungen der Todsünde (mangelhafter ethischer Erkenntnis und Schwäche des freien Willens) die von ihnen verlangte Anerkennung zuteil werden läßt.

Im Gegensatz zu Passagen, in denen AL von diesen subjektiven Elementen spricht, behauptet jedoch die Stelle von AL, die ich hier untersuchen möchte, einen völlig objektiven göttlichen Willen, den wir laut AL (mit gewisser Sicherheit) erkennen können. Man kann daher diesen Text wohl unmöglich als eine „Verteidigung der Rechte der menschlichen Subjektivität,“ wie Buttiglione behauptet, deuten, sondern er besagt, daß diese intrinsisch ungeordneten und objektiv schwer sündhaften Handlungen, deren objektiv sündhaften Charakter Buttiglione zugibt, von Gott erlaubt, ja sogar von Ihm geboten werden (Sein Wille sein) können.

Wenn dies nun wirklich das ist, was AL behauptet, so bezieht sich aller Alarm über AL’s direkte Aussagen zu Fragen der Änderung der sakramentalen Disziplin,(2) nur auf die Spitze eines Eisbergs, auf den schwachen Beginn einer Lawine oder auf die ersten wenigen, durch eine moraltheologische Atombombe zerstörten Gebäude. Bei näherer Betrachtung scheint diese Atombombe das ganze moralische Gebäude der 10 Gebote und der katholischen Morallehre niederzureißen.

In der vorliegenden Arbeit werde ich jedoch nicht behaupten, daß dies der Fall ist. Im Gegenteil, ich überlasse die Beantwortung der Frage, ob es zumindest eine Aussage in Amoris Laetitia gibt, deren logische Konsequenz die Zerstörung der gesamten katholischen Morallehre nach sich zöge, oder nicht, ganz dem Papst oder anderen Lesern. Ich muß jedoch zugeben, daß das, was ich über eine Kommission lese, die vom Papst einberufen wurde, um Humanae Vitae, eine Enzyklika, die, wie später Veritatis Splendor, Jahrzehnten der ethischen und moraltheologischen Debatten ein definitives Ende setzte, „erneut zu prüfen", diese Titelfrage meiner Abhandlung provoziert hat und vielen Katholiken große Sorge bereitet.

Betrachten wir den entscheidenden Text (AL-303), der von Papst Franziskus auf den Fall der ehebrecherischen Beziehungen oder sonstiger sexueller Aktivitäten von Paaren „in unregelmäßigen Situationen“ angewendet wird, die sich entscheiden, die Aufforderung der Enzyklika Familiaris Consortio des heiligen Papstes Johannes Paul II an solche „unregelmäßige Paare“ nicht zu befolgen.

Papst JohannesPaul II lehrt diese Paare, daß sie sich entweder völlig trennen, oder, ist dies nicht möglich, ganz enthaltsam leben und auf Geschlechtsverkehr verzichten müssen. Papst Franziskus hingegen schreibt (AL 303):
„Doch dieses Gewissen kann nicht nur erkennen, dass eine Situation objektiv nicht den generellen Anforderungen des Evangeliums entspricht. Es kann auch aufrichtig und ehrlich das erkennen, was vorerst die großherzige Antwort ist, die man Gott geben kann, und mit einer gewissen moralischen Sicherheit entdecken, dass dies die Hingabe ist, die Gott selbst inmitten der konkreten Vielschichtigkeit der Begrenzungen fordert, (3) auch wenn sie noch nicht völlig dem objektiven Ideal entspricht. (4)
Dieser Satz heißt wohl, neben der euphemistisch klingenden Bezeichnung eines objektiven Zustands einer (nach dem Urteil der Kirche) schweren Sünde als „noch nicht vollständig das ideale Ziel erreichend“, daß wir mit „einer gewissen moralischen Sicherheit“ wissen, daß Gott selbst will, daß wir, um „größere Übel zu verhindern“, weiterhin in sich schlechte Handlungen begehen, wie Ehebruch oder aktive Homosexualität.

Demnach könnten wir erkennen, daß wir in bestimmten Situationen Handlungen begehen dürfen, ja sogar, wie aus einer anderen Stelle von AL hervorgeht, begehen sollen, die in sich schlecht sind und immer von der Kirche als solche betrachtet wurden.

Da man Gott sicherlich nicht ein fehlendes oder mangelhaftes ethisches Erkennen, ein „irrendes Gewissen“ oder eine Schwäche des freien Willens zuschreiben kann, geht es hier nicht um einen rein subjektiven Glauben des Gewissens, oder gar um ein irrendes Gewissen.

Der Papst spricht hier ferner nicht von einer (potentiell falschen) Überzeugung des Gewissens, sondern von einer Erkenntnis. Und eine Erkenntnis kann man nie von etwas Falschem haben. Der Grad der Gewißheit hat damit nichts zu tun. Er bestimmt nur, ob ein problematisches, assertorisches oder apodiktisches Urteil begründet werden kann. Doch hat dies nichts mit der Wahrheit zu tun. Denn aus der Wahrheit eines problematischen oder assertorischen Urteils folgt auch die Wahrheit eines apodiktischen Urteils. Und sicher kann der von uns betrachtete Text nicht meinen, daß die Erkenntnis, daß Gott einen in sich schlechten Akt erlaubt oder gar fordert, niemals wahr sein und dieser Fall nie eintreten kann.

Kann und muß reine Logik unter dieser Annahme nicht fragen:

„Wenn nur ein Fall einer in sich unsittlichen Handlung von Gott erlaubt und sogar gewollt werden kann, muß dies nicht für alle Handlungen, die vom Lehramt der Kirche bisher als „intrinsece malum“ („intrinsisch schlecht“) bezeichnet wurden, gelten? Wenn es stimmt, daß Gott wollen kann, daß ein ehebrecherisches Paar weiterhin im Ehebruch leben soll, sollte dann nicht auch das Gebot „Du sollst nicht ehebrechen!“ neu formuliert werden: „Wenn Ehebruch in Deiner konkreten Situation nicht das kleinere Übel ist, begehe keinen Ehebruch!Wenn Ehebruch in Deiner Lage das kleinere Übel ist, lebe ihn weiter!“?

„Müssen dann nicht auch die anderen 9 Gebote, Humanae Vitae, Evangelium Vitae, und alle vergangenen, gegenwärtigen und künftigen kirchlichen Dokumente, Dogmen oder Konzilsbeschlüsse, die die Existenz von in sich schlechten Handlungen lehren, fallen? Muß dann nicht die neue, von Papst Franziskus zur Überprüfung von Humanae Vitae einberufene Kommission schlußfolgern, daß dieVerwendung von Verhütungsmitteln in manchen Situationen gut oder sogar obligatorisch und von Gott gewollt sein kann? Stimmt es dann nicht mehr, wenn die Kirche unter Berufung auf das Naturrecht verboten hat, Verhütungsmittel zu verwenden, und war dann nicht die Lehre von Humanae Vitae ein gewaltiger Fehler, eine Lehre, die unzweideutig besagt hat, daß (absichtliche) Empfängnisverhütung in keiner Situation moralisch gerechtfertigt ist, geschweige denn von Gott befohlen werden kann?

„Können dann nicht auch Abtreibungen, wie Mons. Fisichella, der damalige Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, behauptete, in einigen Fällen gerechtfertigt und jene Antwort sein, ‘die Gott selbst inmitten der konkreten Vielschichtigkeit der Begrenzungen fordert, auch wenn sie noch nicht völlig dem objektiven Ideal entspricht’“? (AL 303) „Müssen dann nicht nach den Gesetzen reiner Logik Euthanasie, Selbstmord und Beihilfe zum Selbstmord, Lügen, Diebstähle, Meineide,Verleugnungen Christi, wie die des hl. Petrus oder auchMord, unter manchen Umständen und nach sorgfältigen ‘Unterscheidungen’, aufgrund der Komplexität einer konkreten Situation gut und lobenswert genannt werden? Kann dann nicht Gott auch verlangen, daß ein Sizilianer, der sich verpflichtet fühlt, die unschuldigen Glieder einer Familie auszulöschen, deren Haupt ein Mitglied seiner Familie ermordet hat, mit seinem Mordplan getrost voranzuschreiten?

Wenigstens dann, wenn z.B. sein Handeln verhindert, daß sein radikalerer Bruder gleich vier Familien auslöscht? Kann dann auch Mord jene Antwort sein, ‘die Gott selbst inmitten der konkreten Vielschichtigkeit der Begrenzungen fordert, auch wenn sie noch nicht völlig dem objektiven Ideal entspricht’“ (AL 303)?

„Verlangt die reine Logik also nicht, daß wir diese Konsequenz aus der zitierten Aussage von AL ziehen?“

Wenn jedoch die Titelfrage dieses Aufsatzes bejahend beantwortet werden muß, wie es der Fall zu sein scheint, würde es dann nicht folgen, daß die gesamte Morallehre der Kirche von Amoris Laetitia zerstört würde? Wenn die Titel-Frage dieses Essays bejaht wird, muß dann nicht eine eiserne und kühle Logik unweigerlich verlangen, die zitierte Aussage von Papst Franziskus zurückzuziehen? Sollte dieser Satz daher nicht zurückgezogen und von Papst Franziskus selbst, der zweifellos solche ethischen Folgen verabscheut, verurteilt werden?

Wenn Papst Franziskus dieser logischen Schlußfolgerung zustimmt, und die Titelfrage dieses Aufsatzes bejahend beantwortet, so möchte ich mit der Heiligen Katharina von Siena unseren obersten geistlichen Vater auf Erden, unseren ‘süßen Christus auf Erden’, wie diese Heilige einen der Päpste nannte, unter dessen Pontifikat sie lebte, während sie ihn heftig kritisierte, leidenschaftlich bitten, die genannte Aussage zurückzuziehen. Wenn die eisernen logischen Konsequenzen dieser Aussage nichts weniger als eine totale Zerstörung der Morallehren der katholischen Kirche androhen, sollte dann nicht der ‘geliebte Christus auf Erden’ seine eigene Aussage zurückziehen? Wenn die genannte These die unweigerliche logische Konsequenz mit sich führt, die Existenz in sich moralisch unrechter Handlungen zu leugnen, die unter allen Umständen und in allen Situationen verboten sind, und wenn diese Behauptung daher, nach Familiaris Consortio und Veritatis Splendor, ebenso Humanae Vitae und viele andere feierliche Lehren der Kirche niederrisse, sollte sie dann nicht verworfen werden?

Gibt es nicht offenbar solche Handlungen, die immer in sich schlecht und daher niemals gerechtfertigt oder gottgewollt sein können, so wie es andere Handlungen gibt, die immer gut sind? (5) Und sollte dann nicht jeder Kardinal und Bischof, jeder Priester, Mönch, jede geweihte Jungfrau und jeder Laie in der Kirche ein sehr lebhaftes Interesse an diesem Thema haben und dieses leidenschaftliche Plädoyer eines „armseligen Laien“, eines einfachen Professors der Philosophie, und unter anderem der Logik, sich zu eigen machen?


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(1)
(Ich überlege, auch dies noch in einer Antwort auf einige kritische Bemerkungen meines engen persönlichen Freundes Rocco Buttiglione, mit dem ich hinsichtlich fast aller anderen philosophischen und kirchlichen Fragen übereinstimme, zu tun.) Siehe Josef Seifert, „Amoris Laetitia. Joy, Sadness and Hopes“. In: Aemaet 5.2 (2016), 160-249, http://aemaet.de, urn:nbn:de:0288-2015080654. Josef Seifert „Die Freude der Liebe: Freuden, Betrübnisse und Hoffnungen“. In: Aemaet 5.2 (2016), 2-84, http://aemaet.de, urn:nbn:de:0288-2015080660. Josef Seifert „La Alegría del Amor: Alegrías, Tristezas y Esperanzas“. In: Aemaet 5.2 (2016), 86-158, http://aemaet.de, urn:nbn:de:0288-2015080685.

(2)
Nämlich, auf Grund gewissenhafter Unterscheidung, manche Ehebrecher, aktive Homosexuelle und andere „irreguläre“ Paare in ähnlichen Situationen zu den Sakramenten der Beichte und der Eucharistie (und logischerweise auch der Taufe, der Firmung und der Ehe) zuzulassen, ohne deren Bereitschaft, ihr Leben zu ändern und in voller sexueller Enthaltsamkeit zu leben. (Dies hat Papst Johannes Paul II in Familiaris Consortio als Bedingung der Zulassung solcher Paare zu den Sakramenten gefordert).

(3)
Amoris Laetitia 303. Aus dem vorherigen ebenso wie aus dem späteren Kontext geht klar hervor, daß dieser „Wille Gottes“ sich hier darauf bezieht, weiterhin das, was objektiv eine schwere Sünde ist, zu leben. Vgl. z. B. AL 298, Fußnote 329:
„Viele, welche die von der Kirche angebotene Möglichkeit, ‘wie Geschwister’ zusammenzuleben, kennen und akzeptieren, betonen, dass in diesen Situationen, wenn einige Ausdrucksformen der Intimität fehlen, ‘nicht selten die Treue in Gefahr geraten und das Kind in Mitleidenschaft gezogen werden’ [kann].“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst. Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute, 51).

In Gaudium et Spes, 51, woher das letzte Zitat entnommen ist, wird dieser Gedanke als ungültiger Einspruch gegen die moralische Forderung, nie einen Akt der Empfängnisverhütung zu begehen, genommen. AL hingegen löst sie erstens vom Zusammenhang mit der Ehe, in dem sie in GS steht, los, und wendet sie auf die „Treue“ ehebrecherischer Paare einander gegenüber an, und versteht sie zweitens in dem oben erläuterten Sinne als eine Rechtfertigung, weiterhin objektiv gesehen schwer sündhafte, ehebrecherische Handlungen zu begehen. Und zwar versteht AL diese nicht nur als subjektiv entschuldbare Folgen eines Gewissensirrtums, sondern behauptet, daß es sogar dem objektiven Willen Gottes entspricht und als gottgewollt erkannt werden kann, Akte des Ehebruchs und andere, die ein intrinsece malum sind, zu begehen.

(4)
346 Relatio Finalis 2015 85.235.

(5)
Dies ist die Grundaussage von Veritatis Splendor. Vgl. auch Josef Seifert, „The Splendor of Truth and Intrinsically Immoral Acts: A Philosophical Defense of the Rejection of Proportionalism and Consequentialism in ‘Veritatis Splendor’.“ In: Studia Philosophiae Christianae UKSW 51 (2015) 2, 27-67. „The Splendor of Truth and Intrinsically Immoral Acts II: A Philosophical Defense of the Rejection of Proportionalism and Consequentialism in ‘Veritatis Splendor’.“ In: Studia Philosophiae Christianae UKSW 51 (2015) 3, 7-37.




* Der Autor ist Gründungsrektor der Internationalen Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein; Inhaber des Dietrich von Hildebrand Lehrstuhls für realistische Phänomenologie an der IAP-IFES Granada, Spanien; vom heiligen Papst Johannes Paul II als ordentliches (lebenslanges) Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben berufen; (eine Aufgabe, die mit der Statutenänderung und der Entlassung aller PAV Mitglieder durch Papst Franziskus im Jahr 2016 und der Nicht-Wiederwahl als Mitglied einer, grundlegend veränderten, PAV im Jahr 2017 endete).

Epost: jmmbseifertXYZcom (ersetze ‘XYZ’ durch ‘12@gmail.’)
Der Autor ist postalisch zu erreichen über: Calle Angel Ganivet 5/7 D - 18009
Granada (Granada) - Spanien/España.


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Samstag, 18. März 2017

Ein Jahr "Amoris laetitia" - ein Jahr des Ringens um die authentische Interpretation des Schreibens

Eines ist klar: Es gibt für Katholiken weder Ehescheidung noch eine zweite oder weitere Eheschließung (nach einer gültig geschlossenen und vollzogenen Ehe): solange der Ehepartner lebt. Schon die alten Propheten sahen in der Ehe ein Abbild des Bundes zwischen Gott und seinem Volk.

Der Völkerapostel Paulus beschreibt die Ehe  als Abbild Christi und seiner Kirche (vgl. Eph 5,32) und niemals würde Christus sich von seiner Kirche trennen, oder eine Andere zur Braut nehmen. Die katholische, sakramentale Ehe ist kein Ideal, sondern eine Wirklichkeit - so wie ein getaufter Mensch eine neue Schöpfung ist. "Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden." (2. Kor. 5,17)

Jesu Worte zur Ehescheidung und Heirat eines bzw. einer Anderen sind unmissverständlich und gelten auch heute noch (s. Lk 16,18, Mt 5,31ff, Mk 10,11). Niemand kann Jesu Wort relativieren, auch nicht mit dem Verweis auf seine (Pseudo-)Barmherzigkeit. Denn Gottes Gesetz ist Barmherzigkeit und Wahrheit - wie sollte seine Nichtbeachtung oder Verkehrung denselben Anspruch erheben können?


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Verlorene Einheit in der Lehre durch AL

Die sog. Exhortation (Mahnschreiben) von Papst Franziskus wurde am 19. März 2016 veröffentlicht. Das päpstliche Dokument ist großenteils Frucht der beiden vorausgegangenen Bischofssynoden 2014 und 2015 zum Thema Ehe und Familie. Hier der Wortlaut von "Amoris laetitia", zu deutsch: "Die Freude der Liebe".

Während sich zahlreiche - "liberale" wie "konserative" - Gläubige und Theologen darüber einig sind, dass "Amoris Laetitia" einen Bruch mit der bisherigen Lehre der Kirche darstellt - vor allem über die Eucharistie, die Ehe und das Bußsakrament, bis hin zu einem anderen "Verständnis von Kirche" (Magnus Striet)  (s. z. B. hier oder hier) -, versuchen nicht wenige glaubenstreue Gläubige, Priester, Bischöfe und Kardinäle, "Amoris laetitia" (AL) im Lichte der Tradition des Lehramtes zu lesen und zu deuten. Letztere Lesart ist denn auch die einzige, die - ohne Rücknahme, Konkretisierung oder Korrektur des Textes - die Glaubwürdigkeit der Kirche nicht infrage stellen würde.

Dass dies kein leichtes Unterfangen ist, wird deutlich, wenn man z. B. die klaren, in der 2000jährigen Tradition der Kirche wurzelnden Ausführungen von Weihbischof Athanasius Schneider (Astana/ Kasachstan) zur Problematik von AL und seine Bitte an den Heiligen Vater um eine authentische, dem Willen Gottes entsprechende verbindliche Interpretation liest:

"Amoris laetitia": Klärungsbedarf zur Vermeidung einer allgemeinen Verwirrung (April 2016) (als Broschüre zu bestellen bei der Priesterbruderschaft St. Petrus, z. B. hier im Online-Shop)

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Papst Franziskus äußert sich zum Verständnis von AL

Die Behauptung, dass Papst Franziskus sich nicht zum Streit um die Auslegung einiger Aussagen von "Amoris laetitia" geäußert habe, ist falsch. Abgesehen von der denk- und merkwürdigen Aussage über Kritiker - jene ("einige") würden "es noch immer nicht verstehen" (vgl. hier und hier) -  hat Franziskus wenigstens zwei Male klar formuliert, welche Interpretation für die umstrittenen Formulierungen aus AL, die die Möglichkeit des Sakramentenempfangs für zivil wiederverheiratete Geschiedene betreffen, gelten soll:

1. sagte Franziskus am 16. April 2016 während der Pressekonferenz auf dem Rückflug von Lesbos auf die Frage des Journalisten des Wall Street Journal, Francis Rocca, ob es neue, konkrete Möglichkeiten in Bezug auf die Disziplin, die den Zugang der wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten regelt, gebe - oder nicht gebe:
"Ich könnte sagen: „Ja“ und nichts weiter. Aber das wäre eine zu enge Antwort. Ich empfehle Ihnen allen, die Präsentation zu lesen, die Kardinal Schönborn gehalten hat, der ein großer Theologe ist. Er ist Mitglied der Kongregation für die Glaubenslehre und kennt die Lehre der Kirche gut. In jener Präsentation wird Ihre Frage ihre Antwort finden. Danke."
Dort resümiert Kardinal Schönborn: "Im Sinne dieser 'via caritatis' (AL 306) sagt der Papst dann schlicht und einfach in einer Fußnote (351), dass auch die Hilfe der Sakramente in gewissen Fällen gegeben werden kann, wenn 'irreguläre' Situationen vorliegen."

Franziskus bestätigt durch sein "Ja" gegenüber dem Journalisten Rocca und dem Verweis zu den durch ihn autorisierten Aussagen von Kard. Schönborn die - bis dahin unmögliche - kasuistisch begründete Möglichkeit, dass Personen, die in irregulären Verhältnissen leben, guten Gewissens die Sakramente empfangen können (vgl. dazu die Ausführungen von Ludwig Gerhard Kardinal Müller in Oviedo s. unten).

2. beglückwünschte er am 05. September 2016 schriftlich die argentinischen Bischöfe zu ihrer Richtlinie zur situationsbedingten (kasuistisch begründeten) Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion und nannte diese eine den vollen Sinn erfassende Auslegung des VIII. Kapitels von AL. Und wörtlich: "Es gibt keine anderen Auslegungen."


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Amoris laetitia und kein Ende

Seit dem Erscheinen von "Amoris laetitia" im März 2016 nimmt die Diskussion um die Interpretation des Textes kein Ende. Fast täglich gibt es - auch fast ein Jahr nach der Veröffentlichung - noch immer neue Statements, in denen AL von interessierter Seite entweder als vermeintlicher Aufbruch in eine neue Ära des kirchlichen Verständnisses von Ehe und Familie, also als Änderung der Doktrin - oder zumindest der Pastoral, wenn dies möglich wäre - gedeutet und gefeiert wird, oder aber als Bestätigung der bisherigen Lehrverkündigungen.

Das große Problem von "Amoris laetitia" besteht nicht darin, dass es (auch) im Sinne der Tradition und in Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche gelesen und verstanden werden kann, sondern darin, dass AL durch mangelnde Eindeutigkeit, unklare Formulierungen und Zweideutigkeiten unterschiedlich - und eben auch in Widerspruch zur Lehre der Kirche verstanden werden könnte. Dies bedeutet Verunsicherung bzw. Verwirrung unter den Gläubigen sowie in der pastoralen Anwendung von AL und somit eine Gefahr für das Heil der Seelen.






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Aus dem Redemanuskript des Vortrags "Was dürfen wir von der Familie erwarten?", den Kard. Müller am 04. Mai 2016 im Priesterseminar von Oviedo (Spanien) gehalten hat:

"Der Grundsatz ist, dass niemand ein Sakrament – die Eucharistie – wirklich empfangen wollen kann, ohne gleichzeitig den Willen zu haben, den anderen Sakramenten, darunter dem Ehesakrament, gemäß zu leben. Wer auf eine dem Eheband entgegengesetzte Art und Weise lebt, widersetzt sich dem sichtbaren Zeichen des Ehesakraments. Was seine Existenz im Leib betrifft, macht er sich zum „Gegenzeichen“ der Unauflöslichkeit, auch wenn ihn subjektiv keine Schuld trifft.

Gerade deshalb, weil sich sein Leben im Leib dem Zeichen entgegenstellt, kann er nicht am höchsten eucharistischen Zeichen teilhaben, in dem sich die menschgewordene Liebe Jesu manifestiert, indem er die Kommunion empfängt. Würde ihn die Kirche zur Kommunion zulassen, so würde sie das begehen, was Thomas von Aquin „Falschheit in den sakramentalen Zeichen“ nennt.(1)

Dies ist keine überzogene Schlussfolgerung der Lehre, sondern die Grundlage selbst der sakramentalen Verfassung der Kirche (...). Die Kirche kann diese Architektur nicht verändern, weil sie von Jesus selbst stammt, weil die Kirche hier entstand und sich hierauf stützt, um auf den Wassern der Sintflut zu fahren. Die Disziplin in diesem bestimmten Punkt zu ändern, einen Widerspruch zwischen Eucharistie und Ehesakrament zuzulassen, würde notwendigerweise bedeuten, das Glaubensbekenntnis der Kirche zu ändern. Denn sie lehrt und übt die Harmonie zwischen allen Sakramenten, die sie von Jesus empfangen hat. Über den Glauben an die unauflösliche Ehe – nicht als fernstehendes Ideal, sondern als konkrete Handlungsweise – ist Märtyrerblut vergossen worden."
 (1) Vgl. Thomas von Aquin, S.Th. III q. 68 a. 4 co.

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Linkliste zum Nachsynodalen Apostolischen Schreiben "Amoris Laetitia":



Correctio filialis de haeresibus propagatis
 
August/ September 2017: Veröffentlichung einer "Correctio filialis de haeresibus propagatis", einer "Zurechtweisung wegen verbreiteter Irrlehren", die gläubige Katholiken an Papst Franziskus gerichtet hatten, dieser jedoch nicht willens war zu beantworten. Mit der Correctio gibt es einen weiteren Versuch von katholischen Gläubigen, Papst Franziskus für die Zweifelhaftigkeit der in Amoria Laetitia gemachten Aussagen zu sensibilisieren und die daraus erfolgenden Gefahren für den Glauben und für das Seelenheil der Gläubigen aufzuzeigen.

Die "Correctio filialis" steht in der Nachfolge der Mahnschrift von Weihbischiof Schneider (Astana) sowie der "Dubia"-Note von fünf Kardinälen, die ebenfalls an Papst Franziskus adressiert ist und ebenfalls von diesem (bis jetzt) nicht beantwortet wurde.



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Pater Engelbert Recktenwald FSSP: Amoris laetitia und das Gewissen (soundcloud Februar 2017)



Verwirrung und Widersprüchliches durch Amoris laetitia:


Weiterführende Links:

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Montag, 13. März 2017

Besuch der "alten Messe" in Frasselt

Seit einiger Zeit findet die zuvor in Kleve am Niederrhein verortete "Indultmesse" im Kranenburger Ortsteil Frasselt statt. In dem Knapp-500-Seelen-Dorf gibt es eine stattliche neugotisch ausgestattete Dorfkirche (erbaut 1860-1862), die dem heiligen Antonius geweiht ist.

Seelsorglich betreut werden die Besucher der hl. Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus ("alte Messe") von Pfarrer Thomas Burg, der zuvor 19 Jahre lang Pfarrer in Rheinberg-Borth war. So wird z. B. vor der Sonntagsmesse regelmäßig Gelegenheit zur Beichte angeboten.

Ein Messbesuch in Frasselt lässt sich wunderbar verbinden mit einer Wanderung im angrenzenden Klever Reichswald oder einem Ausflug zu anderen niederrheinischen Sehenswürdigkeiten. Der Marienwallfahrtsort Kevelaer ist etwa 30 km weit entfernt.








Mittelschiff von St. Antonius Frasselt











Kirchenpatron Mönchsvater Antonius
(rechter Seitenaltar)


Johannes der Täufer



Hlst. Herz Jesu


neugotische Predigtkanzel


Gnadenbild Maria zur immerwährenden Hilfe
(linker Seitenaltar)


Maria Königin mit Jesuskind


hl. Barbara



Rückblick ins rechte Seitenschiff und ins Mittelschiff


Krieger-Gedächtnistafel



Maria, Trösterin der Betrübten 
(nach dem Kevelaerer Gnadenbild)





Filialkirche St. Antonius, Gocher Str. 57
47559 Kranenburg-Frasselt (Bistum Münster)
Hl. Messe in der Forma extraordinaria 
nach dem MP Summorum pontificum von 2007
sonntags um 8.30 Uhr




 Fotos © Frischer Wind

Mittwoch, 8. März 2017

Stippvisite bei St. Anna

Im Klever Stadtteil Materborn befindet sich an der Ecke Kapellenstraße-Dorfstraße das älteste Annenheiligtum im Bistum Münster. Die St. Anna-Kapelle wurde bereits um das Jahr 1480 erbaut und beherbergt einen Hochaltar zu Ehren der heiligen Anna, Mutter der unbefleckten Jungfrau und Gottesgebärerin Maria, sowie der heiligen Elisabeth (linke Seitenfigur) und der heiligen Monika (rechte Seitenfigur).

Zu Seiten des Altares befindet sich je ein großes Kirchenfenster, rechts die Darstellung der hl. Anna und links ihr Gemahl, der hl. Joachim.

Zur Ausstattung der Kapelle gehören außerdem zwei fast lebensgroße Holzschnitzereien: Jesus Christus als guter Hirte und der hl. Josef, Bräutigam Mariens und folglich Schwiegersohn der hll. Anna und Joachim.

Ursprünglich befand sich in der Kapelle eine Anna-Statue, deren Entstehung um das Jahr 1400 datiert ist. Sie befindet sich heute in der neugotischen Pfarrkirche, deren Patronat - in Nachfolge der alten Annenkapelle - ebenfalls der Mutter Mariens anvertraut wurde. Nach dem Neubau der neuen, größeren Kirche 1861 wurde die Annenkapelle zum Teil - bis auf den - die heutige Kapelle bildenden - Chorraum abgerissen. (s. auch hier und hier).

Das Patrozinium am 26. Juli wird in Materborn jedes Jahr feierlich mit Prozession und Gemeindefest begangen.


















Heilige Mutter Anna,
bitte für uns und alle Familien, damit alle das ewige Heil erlangen indem sie den Willen Gottes erkennen, von der Liebe Gottes ergriffen werden und in Gedanken, Worten und Werken die Liebe und Güte Gottes verkünden, durch Deinen göttlichen Enkelsohn Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.


Weiterführende Literatur:
Klemens Kiser: Die heilige Mutter ANNA;  Die Geschichte ihrer Verehrung


Fotos: © Frischer Wind

Samstag, 14. Januar 2017

Modische Strömungen





Die große, die lehrende Kirche weiß immer mehr
als ihre gerade modischen Strömungen.


Ida Friederike Görres in "Aus der Welt der Heiligen" (s. Quellen)





Foto: © Frischer Wind

Donnerstag, 21. Juli 2016

Wegen Amoklauf vom 22. Juli abgesagt: München, 24. Juli 2016: Weckruf-Demo gegen regierungsgeförderten Kindesmissbrauch durch Gender-Ideologie

ACHTUNG: Wegen des tragischen Amoklaufs eines jungen Mannes in München am 22. Juli 2016, bei dem außer dem Attentäter neun weitere - meist ebenfalls junge - Menschen ums Leben kamen, wurde die DEMO für ALLE abgesagt. Weitere Info dazu hier!


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Es  kann doch wohl nicht wahr sein, dass den Menschen in unserem ach so aufgeklärten Land eine völlig unhaltbare und unwissenschaftliche - ja unvernünftige - Ideologie aufgezwungen wird und allem voran unsere Kinder - schon in KiTa und Schule - unter dem Deckmantel von Vielfalt und Toleranz mit dieser kranken, schamlosen und intoleranten Genderlüge indoktriniert werden.

Deshalb ist es wichtig und notwendig, Widerstand zu leisten gegen eine solche Indoktrination. Gender mainstreaming zerstört ein friedliches Mit- und Nebeneinander der Bürger des Landes und macht es Familien unmöglich, Kinder zu selbstbewussten, gesunden und starken Persönlichkeiten zu erziehen, da sie von klein auf frühsexualisiert und damit in persönlichkeitszerstörende Abhängigkeiten getrieben werden.

Versuchen wir zu retten, was noch zu retten ist! Wer eben kann, möge am kommenden Sonntag zur DEMO für ALLE nach München kommen:


Weckruf-Demo

gegen Gender und "Sexualpädagogik der Vielfalt"
in Bayerns Schulen

München, am Sonntag, den 24. Juli, 14 Uhr 
Elisenstr. 1 (Justizpalast)



Infos zur Demo unter demofueralle.de


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Weiteres zum Thema "Gender-Ideologie":


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Donnerstag, 14. Juli 2016

Predigt zum 25jährigen Weihejubiläum von P. Hans-Achim Räder am 12. Juni 2016

von P. Bernward Deneke FSSP, Wigratzbad


„Ist das Leben nicht schön?“ Das ist der deutsche Titel eines amerikanischen Films aus dem Jahr 1946, dessen Originaltitel lautet It’s a Wonderful Life.

Der Inhalt des Streifens: Ein Mann und Familienvater namens George hat sein Leben völlig dem selbstlosen und oft kämpferischen Einsatz für andere gewidmet. Aufgrund eines Vorfalles gerät er ausgerechnet am Heiligabend in eine tiefe Krise und verzweifelt am Sinn seines Daseins. Die Lage treibt ihn bis zum Selbstmord. 

Bevor er sich aber tatsächlich von der Brücke in den eisigen Fluss stürzt, sieht er einen anderen Mann, der gerade von irgendwoher in das Wasser gefallen ist und um Hilfe schreit. George, der Freund und Helfer aller Notleidenden, vergisst seinen eigenen, finsteren Vorsatz. Er springt dem Mann nach und rettet ihn. 

Nachher erfährt er von dem Fremden, dieser sei sein Schutzengel. Eine scheinbar absurde Aussage, die George verständlicherweise nicht glauben kann und will. Bis der Fremde dann mit ihm eine merkwürdig-irreale und doch ganz realistische Tour unternimmt: Er führt George durch seine Stadt und zeigt ihm, wie es um sie und die für ihn wichtigen Menschen – seine Ehefrau eingeschlossen – jetzt bestellt wäre, hätte er dort nie gelebt und gewirkt.

Ich erspare mir Einzelheiten und sage nur so viel: Was George da schaut, erschüttert und entsetzt ihn. Und es schenkt ihm neue Einsicht in den Sinn seines Lebens, seines Kämpfens. Dieser fremde Mann, der so plötzlich verschwindet, wie er gekommen war, ist tatsächlich sein Schutzengel! Alles ändert sich nun zum Guten, und es kommt zum unvermeidlichen Happy End. Man feiert glücklich Weihnachten, glücklicher denn je. It’s a wonderful life!

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„Ist das Leben nicht schön?“ Heute, anläßlich eines 25. Weihejubiläums, können wir auch fragen: „Ist das Priesterleben nicht schön?“ Obwohl unser lieber und hochverehrter Pater Hans-Achim Räder sich offensichtlich nicht in einer ähnlichen Krise wie jener George befindet und keine Neigung verspüren dürfte, seinem menschlichen und priesterlichen Leben ein abruptes Ende zu setzen: Der Gedanke daran, wie es hier ohne das vierteljahrhundertlange Wirken eines treuen Priesters aussehen würde, ist durchaus lohnend.

Unser Blick mag die mehr quantitative Seite überschauen: Die Zahl der Heiligen Messen liegt bei täglicher Zelebration nach 25 Jahren weit über 9000. Was das Bußsakrament betrifft, so ist die Summe gar nicht zu ermitteln. Unser Jubilar verbringt wöchentlich viele, viele Stunden im Beichtstuhl und kommt dadurch auf eine kaum noch zu schätzende Anzahl.

Wir könnten auch versuchen, die Menge anderer priesterlicher Tätigkeiten zu erfassen: Taufen, Eheschließungen, Krankenkommunionen und Versehgänge, Personen- und Sachsegnungen, nicht zu vergessen die Predigten und die seelsorglichen Gespräche, zudem die Unterrichtsstunden für unsere Seminaristen. Wir sehen jedenfalls, was allein in quantitativer Hinsicht fehlen würde, wäre P. Räder nicht seit 25 Jahren als Priester tätig.

Und in qualitativer Hinsicht? Hier müssten wir wirklich begreifen können, was es denn bedeutet, mehr als neuntausendmal die Konsekrationsworte gesprochen und die „reine, heilige, makellose Opfergabe“ dargebracht zu haben „zum Lob und Ruhme des Namens Gottes, zum Segen für uns und die ganze Heilige Kirche“.

Wir müssten wahrhaft verstehen, was es heißt, abertausendemale jenes „Et ego te absolvo“ gesprochen zu haben, das die versklavende Macht der Sünde bricht und dem Menschen die Würde und Freiheit eines Gotteskindes zurückschenkt. Wir müssten es erfassen können – und können es doch nicht ganz.

Eine gewisse Vorstellung von der Höhe, der Tiefe und der Weite eines solchen Wirkens aber haben wir bereits. Ja: „Ist das Priesterleben nicht schön?“

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Ausgerechnet zum heutigen Festtag schenkt uns die kirchliche Liturgie das Evangelium vom wunderbaren Fischfang. Die Verbindung selbst zum Beispiel aus dem amerikanischen Film ist unschwer zu erkennen. Auch Petrus und die anderen Apostel dürfen erfahren, dass kein Grund zur Verzweiflung besteht. Der Herr greift da, wo sich die Vergeblichkeit menschlichen Sich-Abmühens zeigt, mit Phantasie, ja mit göttlichem Humor ein. Dass jetzt plötzlich ein großer Fischfang bevorstehen soll, scheint ebenso unglaubwürdig zu sein wie die Behauptung eines beinahe ertrunkenen Mannes, er sei mein Schutzengel!

Aber in anderer Hinsicht passt das Evangelium gleichfalls zu den vorausgegangenen Gedanken. Ein Priester hat es nun einmal nicht nur mit Fischen, er hat es auch mit Netzen zu tun. Sein Wirken knüpft vielfältige Netze, in denen Menschen miteinander verbunden werden. Der Radius reicht dabei weiter, als wir es uns zunächst denken mögen. 

Da nimmt beispielsweise jemand die Gelegenheit des Bußsakramentes wahr. Der Priester kann ihm in persona Christi die Lossprechung spenden. Darüber hinaus lässt der Heilige Geist ihn Worte sprechen, die gute Aufnahme im Herzen des Beichtenden finden und sein Leben tiefgehend verändern. 

Dieser wird nun für seine Umgebung zum Segen und trägt – ob er es weiß oder nicht – dazu bei, dass sich auch andere Gott neu zuwenden. Und sie stecken vielleicht wiederum andere an, und so ziehen sich die Fäden vom Beichtstuhl bis in Fernen, die wir nur erahnen, nicht kennen können. 

Könnte der Schutzengel eines treuen Priesters, der in schwerer Lage an seinem Beruf zweifelt, ihm nicht genau diese Zusammenhänge zeigen, um ihn wieder mit Freude erkennen zu lassen, wofür er da ist? Die Außenstehenden sehen das manchmal deutlicher als der Priester selbst.

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Ja, was würde Wigratzbad und uns doch fehlen, wenn hier nicht allmorgendlich um 5.40 Uhr die früheste Messe durch Pater Räder zelebriert würde? Wenn das Licht an seinem Beichtstuhl nicht leuchten und uns die wartende Liebe des himmlischen Vaters zeigen würde? Wenn der Jubilar nicht mit Rat und Tat so vielen, die hierher kommen, beistehen und sie mit dem berühmten Satz verabschieden würde: „Ich gebe Ihnen noch den Segen“? 

Und wie groß wäre der Verlust für die Stätte der Gottesmutter, wäre nicht dieser Priester unter uns, der keine Gelegenheit umgeht, die Heilige Messe zu Ehren Mariens zu zelebrieren, ihr zum Lob Lieder anstimmen zu lassen und die Gläubigen anzueifern, sie anzurufen!

Das sind nur einige wenige Hinweise. Sie mögen uns mit Dankbarkeit erfüllen. Mit Dankbarkeit gegenüber Gott, der seinen Priester berufen, geweiht, mit reichen Gaben und mit Eifer ausgestattet hat. Und auch mit Dankbarkeit gegenüber dem Diener selbst, der sich zur Verfügung gestellt und der Gnade seiner Weihe, seiner Sendung treu geblieben ist. Gott vergelte es und segne Deinen weiteren Weg überreich, lieber hochwürdiger Jubilar!

Jetzt aber geht das Wirken weiter. Gleich wird wieder durch die heiligsten Worte der Gottmensch selbst unter uns gegenwärtig sein und sich durch die Hände des Priesters dem himmlischen Vater darbringen. Und dann warten auch heute Menschen auf die befreienden, lebenspendenden Worte: Ego te absolvo. P. Räder wird die Netze wieder auswerfen. So soll es lange noch weitergehen bis zum verdienten himmlischen Ruhestand.

Ist das Priesterleben nicht schön? Ja, it’s a wonderful life!

Sonntag, 10. Juli 2016

Priesterbäume

(Eine Primizpredigt von P. Bernward Deneke FSSP)

Große Gnadentage für die kleine Gemeinde Opfenbach im bayrischen West-Allgäu - und die meisten ihrer Einwohner werden es vielleicht nicht einmal bemerkt haben: denn im Ortsteil Wigratzbad feierte man im Priesterseminar der Priesterbruderschaft St. Petrus die Priesterweihe von fünf jungen Männern (vier weitere in Wigratzbad ausgebildete Diakone französischer Herkunft wurden bereits zwei Wochen zuvor im französischen Auxerre zu Priestern geweiht - siehe hier).

Die Weihe selbst fand am Samstag, den 02. Juli 2016 in der Kirche St. Margareta im Nachbarort Heimenkirch statt. Weihespender war Erzbischof und Sekretär der Kommission "Ecclesia Dei" Guido Pozzo aus Rom (Bilder der Weihe auf dem französischsprachigen Blog des Seminars).

Am darauffolgenden Sonntag fanden in und um den Gnadenort Wigratzbad die Primizen, die ersten Heiligen Messen der Neupriester statt. So auch in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt zu Maria Thann die Primiz des Neupriesters Gregor Pal, dessen Primizpredigt Pater Bernward Deneke hielt. Diese Predigt sei hier mit freundlicher Genehmigung des Verfassers im Wortlaut wiedergegeben:



Predigt zur Primiz von P. Gregor M. Pal FSSP am 3. Juli 2016 in Maria Thann 

Herzlich lade ich Euch und Sie alle zu einem kleinen Ausflug ein! Sein Ziel ist ein Arboretum, also eine Anpflanzung verschiedenartiger Bäume. 

Aber keine Sorge: Wenn wir dorthin gehen, verfehlen wir keineswegs den großen Anlass, der uns jetzt versammelt, nämlich die erste Heilige Messe unseres Neupriesters Gregor Maximilian Pal. 

Das Ausflugsziel ist nicht mutwillig gewählt. Vielmehr leitet uns Jesus Christus selbst im Evangelium dazu an, die Bäume anzuschauen. Er spricht davon, dass man die guten und die schlechten an ihren Früchten erkennen kann. Also wollen wir seinem Hinweis folgen und uns mit diesen Gewächsen beschäftigen. 

Der Grundgedanke unserer Betrachtung ist dabei sehr einfach: Auch das Priestertum ist eine Pflanzung, und der einzelne Priester gleicht einem Baum. 

Wenn wir nun jenen Garten betreten, erblicken wir eine stattliche Anzahl von Bäumen. Sie stimmen miteinander im Wesentlichen überein: Wurzel, Stamm, Geäst. Schließlich handelt es sich ja um das eine und einzige Priestertum Jesu Christi, das er selbst, der ewige Hohepriester, beim Letzten Abendmahl eingesetzt hat und das er durch den Bischof im heiligen Sakrament der Weihe verleiht. 

Aber doch: Wie unterschiedlich sind diese Bäume! Da gibt es alte und sehr junge (wie unseren Gregor). Hohe stehen neben niedrigen, gewaltige neben zarten. Manche rufen im Betrachter ehrfürchtige Bewunderung hervor, andere Mitleid, vielleicht sogar – Gott bewahre uns davor! – Verachtung. 

Wir sehen Bäume, die in Saft und Kraft stehen, deren Wurzeln tief in eine nährstoffreiche Erde ausgeschlagen sind, während sich die Krone majestätisch dem Himmel entgegenreckt und die Zweige sich ausladend in die Weite spannen. Aber auch solche Bäume zeigen sich uns, die mickrig sind und verkümmert wegen des kargen Bodens, gekrümmt von den Winden. Wegen grassierender Krankheiten sind manche von ihnen sterbenskrank und vielleicht schon ganz abgestorben.

Kennzeichnend sind vor allem die Früchte. Von manchen dieser Priesterbäume gilt, was Du, lieber Gregor, heute in der Matutin mit den Worten des ersten Psalms gebetet hast: Selig der Mann, der seine Freude am Gesetz des Herrn hat, denn „er wird sein wie der Baum, der gepflanzt ist an Wasserbächen und seine Frucht gibt zu seiner Zeit und dessen Laub nicht abfällt.“ Andere dieser Pflanzungen des Herrn hingegen scheinen wenige oder gar keine Frucht zu tragen. 

Und dann gibt es leider noch solche Bäume, die zwar Früchte bringen, oft sogar viele Früchte bringen. Aber was für Früchte sind das? Im günstigeren Fall sind sie geschmacklos, ungenießbar, ohne Nährwert, im schlimmeren Fall sogar giftig. 

Ach, liebe Gläubige, welcher Schaden ist nicht durch diese Bäume entstanden. Omne malum a clero, lautet ein altes Sprichwort. Man kann es auf zweierlei Weise übersetzen, denn malum bedeutet sowohl „Apfel“ als auch „Übel“. Leider ist hier nicht vom Klerus als einem Apfelbaum die Rede („Jeder Apfel stammt vom Klerus“), sondern der Sinn lautet: „Alles Übel stammt vom Klerus“. 

Ja, jene geweihten Diener des Heiligtums, die den Glauben entstellen, die Gnadenquellen verstopfen, den Gottesdienst verschandeln, die Menschen durch ihr schlechtes Beispiel und durch falsche Weisung in die Irre führen – sie sind Bäume mit giftigen Früchten. Unzählige Menschen, ganze Generationen können durch sie geschädigt werden. Die Geschichte zeigt es uns leider nur allzu oft.


Lieber Gregor, gestern bist Du als Priesterbaum in den Garten des Herrn gepflanzt worden. Oder, anders gesagt: Als Geschöpf Gottes, der Spross der gesegneten und glaubensfrohen Familie Pal, wurdest Du schon im Jahr 1989 – und zwar hier in Wigratzbad durch den unvergessenen und unvergesslichen Prof. Leopold Nestmann – in den Boden der Kirche eingepflanzt, gestern aber hast Du die höchste Veredelung durch das Weihesakrament empfangen. Jetzt also soll sich der Baum entwickeln hin zu reicher Frucht. 

Eine Frucht kann jeder Priesterbaum bringen, und zwar ganz unabhängig von seinen sonstigen Qualitäten oder Fehlern. Und, Gott sei Dank, dies ist die kostbarste aller Früchte. Gleich wirst Du sie hier auf den Altar legen. Es ist diejenige, die wir tagtäglich so viele Male erwähnen, wenn wir die Mutter des Herrn anrufen: „Und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes, Jesus.“ 

Diese Frucht wird in der Kirche empfangen und geboren. Empfangen durch die Überschattung des Heiligen Geistes, der die Wandlungsworte des Priesters wirkmächtig erfüllt. Und geboren, wenn die Gaben zur Anbetung emporgehoben und später in die Herzen der Gläubigen gelegt werden. 

Lieber Neupriester, die Hervorbringung dieser Frucht, also die Heilige Messe, ist es wert, mit tiefster Ehrfurcht und innigster Hingabe vollzogen zu werden. Nie soll die Haltung, die sich in Deinem Primizbildspruch ausdrückt, schwinden: Ich will hintreten zum Altare Gottes, zu Gott, der mich erfreut von Jugend an. 

Es ist tatsächlich möglich, dass diese Freude bleibt, ein langes Priesterleben hindurch bleibt, und dass sie sich sogar vermehrt. Dafür bedarf es allerdings der Mitwirkung: der oftmaligen Betrachtung der heiligen Geheimnisse, einer ausreichenden Vorbereitung und Danksagung. Und nicht zu vergessen: des persönlichen Eingehens in das Opfer Jesu, des Mitopferns und Mitleidens. 

Wie wahr ist die Botschaft Deines Primizbildes, das auf der Rückseite von der Freude beim Aufstieg zum Altar spricht, auf der Vorderseite jedoch zeigt, wie Jesus seinen Priester mit Dornen krönt. Beides gehört zusammen. Und wenn Du freudig leiden und leidend Dich freuen wirst, dann wird auch die Darbringung dieser Frucht nochmals reiche Fruchtbarkeit erzeugen in den Herzen der Gläubigen. 

Daher der berühmte Rat, der von Priestergeneration zu Priestergeneration weitergegeben wurde: Jede Heilige Messe sollst Du feiern sicut prima, ultima, unica – wie Deine erste (also diese!), wie Deine letzte und so, als wäre es die einzige. 

Auch die anderen Früchte im sakramentalen Bereich – vor allem die Taufe, die Beichte, die Krankensalbung, die Assistenz bei der Eheschließung und vielfältige Segnungen – kann der Priesterbaum selbst dann, wenn er gering und krank ist, spenden. 

Hervorgehoben sei die Verwaltung des Bußsakramentes. Wo sonst außer bei der Heiligen Messe kann dem Priester jemals so deutlich seine hauptsächliche Bestimmung bewusst werden, als dort, wo er die versklavende Macht der Sünde aus einem Herzen vertreibt und es mit den Lebensströmen der Gnade erfüllt? Und wie bemitleidenswert sind auf der anderen Seite jene Priester, die diese Gnade oft weder für sich selbst in Anspruch nehmen noch davon durchdrungen sind, sie möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen? 

Lieber Gregor, wärest Du, ähnlich dem heiligen Pfarrer von Ars, zukünftig ein Gefangener des Beichtstuhls – vielleicht demnächst im Wiener Stephansdom, wer weiß? – und hättest sonst (wie man so sagt) kaum etwas vom Leben, könntest keine Jugendfahrten und -lager abhalten, hättest auch keine irgendwie herausragenden Stellungen und Auftritte: Es wäre das doch ein erfülltes Dasein. Dein vielleicht ganz unscheinbarer Priesterbaum würde seine fruchtbeladenen Zweige weit ausstrecken zum Segen für viele. 


Wenden wir nun unseren Blick nochmals auf die anderen Gewächse des Arboretum, namentlich auf diejenigen, die uns irgendwie als missraten erscheinen. Dann stellt sich uns die Frage: Wie kommt es eigentlich, dass manche Bäume trotz des guten Bodens, trotz anhaltender Sorge des Gärtners und trotz günstiger Wetterverhältnisse doch kaum Frucht bringen? Weshalb stehen manche wie tot da und bar jeder Frucht, während andere geradezu überladen sind, ihre Lasten kaum tragen können? 

Ja, im Frühjahr sieht oft alles sehr verheißungsvoll aus. Die Äste treiben Blätter, an den Obstbäumen treten die bezaubernden Blüten hervor. Es kommt aber bald der lange Sommer mit glühender Hitze und heftigen Gewittern. In dieser Zeit kann vieles geschehen, das sich sehr ungünstig für den Baum auswirkt. 

So ist es auch mit dem Priestertum, auch mit Deinem Priestertum, lieber Gregor. Mit der gestrigen, strahlenden Weiheliturgie ist der Frühling eingetreten. Wir alle freuen uns an Deiner Freude, an der wundervollen Ausstrahlung eines jungen, ganz jungen Priesters. So ist es, und es ist gut so. 

Doch nach und nach werden die Prüfungen über Dich kommen, von innen und von außen. Du wirst mit Deiner eigenen Natur zu kämpfen haben, die sich nicht immer dem Anruf Gottes zu Höherem fügen will. Du wirst wohl auch Schwierigkeiten mit anderen Menschen – hoffentlich möglichst wenig mit Mitbrüdern! – mit Gläubigen, mit Außenstehenden erleben. Anfeindungen bleiben nie ganz aus, ebenso Misserfolge trotz aller Bemühungen. Manchmal wird man Dich ausbremsen dort, wo Du rennen, und Dich antreiben dort, wo Du ruhen möchtest. Physische Krankheit und psychische Belastungen kommen hinzu. 

Nicht zu vergessen das Wirken derjenigen Mächte und Gewalten, die es darauf angelegt haben, Dich von der Höhe Deiner Berufung herabzuziehen, koste es, was es wolle. Und da Du ein passionierter Schachspieler bist: Dein Gegner setzt alles daran, Dir unauffällig einige Bauern, später dann Pferde, Läufer, Türme, die hohe Dame – Maria, die Königin Deines Herzens – und am Ende den König, Jesus selbst, zu nehmen. 

In diesen Auseinandersetzungen entscheidet sich, in welcher Art sich Dein Baum entwickelt: Ob er den Eifer des Wachstums bewahrt oder langsam verkümmert; ob er sich in die Höhe und Weite ausstreckt oder in sich zusammenkrümmt; ob er saftig bleibt oder langsam austrocknet, verhärtet und verbittert wird. 

Deshalb empfehle ich Dich dem Gebet aller anwesenden Gläubigen, vor allem Deiner lieben Eltern und Geschwister. Wir alle wollen ja, dass Dein Priesterbaum als ein besonders edles Gewächs im Garten Gottes wachse, sich entfalte und überreiche Frucht bringe. Darum müssen wir Deinen weiteren Weg auch in dieser Weise begleiten. 


Und nun verlassen wir das Arboretum und treten zum Altare Gottes, zu Gott, der uns von Jugend an erfreut, ja der unsere Jugend erfreut und uns ewige Jugend schenken will. Gleich, lieber Gregor, wirst Du die kostbarste Frucht Deines priesterlichen Daseins, die Frucht des jungfräulichen Leibes der Gottesmutter, bringen. Du wirst es ein hoffentlich langes Priesterleben lang tun. 

Schließe Dich ihr, der dieses Heiligtum Maria Thann geweiht ist, innig an. Maria wird Dich lehren, Jesus treu zu sein. Sie begleitet Dich auch dann, wenn er dir die Dornenkrone auf das Haupt legt. Und sie garantiert Dir jene Fruchtbarkeit, die für Zeit und Ewigkeit Segen über Segen bringen wird. 

Amen.

P. Bernward Deneke, Wigratzbad


Bilder und Beiträge zu den Priesterweihen des Jahres 2016:
  • Fotos zur Priesterweihe in Heimenkirch am 02. Juli 2016 hier und hier
  • Bilder der Primizmesse des Neupriesters James Mawdsley FSSP in der Dreifaltigkeitskapelle zu Mywiler nahe Wigratzbad am 03. Juli 2016 hier und hier


Bild: Palmen im Innenhof eines toskanischen Krankenhauses ©FW
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