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Freitag, 2. März 2012

Zum Nachdenken - Geduld und Ertragen (3)

sel. Anna Schäffer
Ertrage nicht nur das Leid als solches, sondern auch alle seine Umstände. Manche möchten das Leid annehmen, nicht aber die damit verbundenen Unannehmlichkeiten.

Der eine sagt: „Es macht mir nichts aus, dass ich arm geworden bin, wenn es mich nicht hinderte, meinen Freunden Dienste zu erweisen, meine Kinder gut zu erziehen und standesgemäß zu leben, wie ich wünschte.“

Ein anderer: „Ich würde mir darum keinen Kummer machen, wenn man nicht dächte, ich sei schuld daran.“ Einem dritten wäre es gleich, dass man schlecht von ihm spricht, er würde das geduldig ertragen, wenn nur keiner dieser üblen Nachrede Gehör schenkte.

Andere wollen wohl einen Teil der Unannehmlichkeiten ihres Leides auf sich nehmen, aber nicht alle: nicht das Kranksein macht sie ungeduldig, sondern dass sie kein Geld haben, sich pflegen zu lassen, oder auch dass sie ihrer Umgebung zur Last fallen.

Ich sage aber: Man muss nicht nur das Kranksein ertragen, sondern auch die Art der Krankheit, wie Gott sie will, wo er sie will, bei welchen Menschen und mit allen Unannehmlichkeiten, die er will. Und so müssen wir auch jedes andere Leid ertragen.


Hl. Franz von Sales
Philothea, 3. Teil, 3. Kap. Vom Ertragen
(s. Philothea, Online-Ausgabe) 

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