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Donnerstag, 1. März 2012

Zum Nachdenken - Geduld und Ertragen (2)

Begnüge dich nicht mit dem Ertragen dieser oder jener Widerwärtigkeit, sondern sei bereit, alles zu erdulden, was Gott schickt oder zulässt.

Manche möchten nur ehrenvolles Leid auf sich nehmen, z. B. im Krieg verwundet oder gefangen, für die Religion verfolgt werden oder in einem siegreichen Prozess verarmen. Sie lieben nicht das Leid, sondern den Ruhm, den es mit sich bringt.

Der wahre Dulder, der wahre Diener Gottes erträgt in gleicher Weise das schmachvolle wie das ruhmreiche Leid. Von schlechten Menschen angefeindet, getadelt und angeklagt zu werden, macht dem mutigen Mann nur Freude. Dasselbe von guten Menschen, von Freunden und Verwandten zu erfahren, das tut aber weh.

Ich schätze die Ruhe des hl. Karl Borromäus, mit der er lange Zeit hindurch den öffentlichen Tadel eines strengen Ordensmannes hinnahm, höher als alle Angriffe, die er von anderen Seiten erdulden musste.

Wie die Stiche der Bienen mehr schmerzen als Mückenstiche, so schmerzt auch das Leid mehr, das gute Menschen zufügen, und ihre Gegnerschaft ist viel schwerer zu ertragen als jede andere; und doch geschieht es oft, dass gute Menschen, beide guten Willens, durch die Verschiedenheit ihrer Ansichten einander große Schwierigkeiten und viel Leid bereiten.

Hl. Franz von Sales
Philothea, 3. Teil, 3. Kap. Vom Ertragen
(s. Philothea, Online-Ausgabe)



Foto: Lawrence OP

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