Samstag, 20. September 2014

Eigenartig: Kardinal Kasper instrumentalisiert den Heiligen Vater und bezichtigt andere Kardinäle der ideologischen Kriegshetze

Starker Tobak von Seiner Eminenez Walter Kardinal Kasper: In einem Interview mit der italienischen Zeitung "Il Mattino" unterstellt der Kardinal Mitbrüdern, die es gewagt haben, ihm zu widersprechen, einen "ideologischen Krieg" zu wollen. Und er geht noch weiter: Das Ziel dieser Kontroversen, so Kasper, sei nicht er, sondern "der Papst".

Es stellt sich die Frage, warum ein renommierter Theologe es nötig hat, eine sachliche Diskussion auf eine persönliche Ebene zu ziehen - und dafür selbst den Heiligen Vater zu instrumentalisieren.

Kasper hatte in seiner umstrittenen Rede "Das Evangelium von der Familie" vor dem Kardinalskollegium im Februar diesen Jahres die Frage gestellt, ob man einem zivil wiederverheirateten und geschiedenen Gläubigen nach einer Zeit der neuen Orientierung das Sakrament der Buße und dann der Kommunion verweigern könne oder müsse? Und er ließ keinen Zweifel daran, dass er es für möglich hält, zivil Wiederverheirateten Geschiedenen nach einem solchen Weg der Neuorientierung - trotz fehlendem Willen zur Umkehr - den Zugang zu den Sakramenten zu gestatten.

Die Lehre der Kirche von der Unauflöslichkeit der Ehe solle, dürfe und könne nicht angetastet werden, beteuert Kardinal Kasper; und eine zweite sakramentale Ehe sei zu Lebzeiten beider Ehepartner nicht möglich! Völlig ausgeschlossen, so Kasper. So weit, so katholisch.

Gleichzeitig aber hält es der Kardinal für möglich, dass - trotz bestehendem Eheband zwischen zwei Eheleuten - die Ehepartner unter bestimmten Bedingungen eine zweite zivile Ehe mit weiteren Personen eingehen können. Für Christen aber gibt es nur die sakramentale Ehe als Form des Zusammenlebens in ehelicher Gemeinschaft, denn durch die Taufe haben sie Anteil an einer höheren Wirklichkeit (vgl. CIC can 1055 §2: "Deshalb kann es zwischen Getauften keinen gültigen Ehevertrag geben, ohne daß er zugleich Sakrament ist."). Was aber ist diese zweite "Ehe", wenn es sich nicht um eine sakramentale Ehe handelt?

Wie also passt das aber zusammen: bestehendes Eheband und gleichzeitige neue "Ehe"? Es ist die Quadratur des Kreises. Man ist versucht zu meinen, der Kardinal spreche mit gespaltener Zunge... Aber vielmehr liegt das Problem in einem Verständnis des Kardinals von den Sakramenten Ehe, Buße und Eucharistie sowie von dem Wesen der christlichen Barmherzigkeit, die von dem der authentischen Lehre der Kirche abweicht.

Aber an seiner Theorie lässt der ehemalige Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart nicht rütteln, wie (nicht nur) seine Reaktion auf die Erwiderung des ganz und gar mit der Materie vertrauten Ehepaares Norbert und Renate Martin, beide Mitglieder im Päpstlichen Rat für die Familie, zeigte. Er, der selbst das Bemühen der Martins um einen sachlichen und fairen Dialog lobt, wird in der Auseinandersetzung selbst unsachlich und persönlich: Da werden dann keine Argumente abgewogen oder auf solche eingegangen, sondern die vermeintlichen Gegner werden schnell einmal als solche abgestempelt, die "von Gottes Barmherzigkeit noch garnichts verstanden" haben oder es wird ihnen einfach das Wort im Munde umgedreht und die Dialogpartner als sich angeblich selbst widersprechend entlarvt.

Wie bereits acht US-amerikanische Bischöfe im Juli diesen Jahres, haben nun fünf Kardinäle eine Schrift verfasst (Echter Verlag, s. hier), die in ihren Beiträgen aufzeigt, dass die Theorien Kaspers der traditionellen Lehre der Kirche über Ehe, Buße und Eucharistie entgegenstehen. "In der Wahrheit Christi bleiben - Ehe und Gemeinschaft in der katholischen Kirche" heißt der Sammelband und seine Verfasser sind die Kardinäle Gerhard Ludwig Müller (hier), Carlo Cafarra (hier), Walter Brandmüller (hier), Velasio De Paolis (hier und hier) und Raymond Burke (hier und hier). Alle fünf Kardinäle hatten bereits während der Aussprache im Kardinalskollegium unmittelbar nach Kaspers Vortrag Bedenken über die Vereinbarkeit von dessen Vorschlägen und der kirchlichen Lehre angemeldet. Neben den fünf Kardinälen zählt außerdem der 49jährige Erzbischof Cyril Vasil’ SJ, Sekretär der Ostkirchenkongregation, zu den Autoren des Buches.

Kasper empfindet die Stellungnahmen offensichtlich als Kriegserklärung, wie er gegenüber dem "Il Mattino" äußerte. Allerdings habe er selbst die Schrift der fünf Kardinäle noch nicht gelesen...

Und warum ist eine Stellungnahme, die die Lehre der Kirche darlegt, ein Angriff auf den Heiligen Vater? Hat da jemand vielleicht Angst, der Heilige Vater könne vielleicht doch noch von der Richtigkeit und Vernünftigkeit der kirchlichen Position überzeugt werden (falls er es noch nicht - oder nicht mehr - ist)?

Seit Jahrzehnten versuchen einige der deutschen Bischöfe die Diskussion um den Umgang der Kirche mit zivil wiederverheirateten Geschiedenen in die Weltkirche zu lancieren. In vielen anderen Ländern wird diesbezüglich die Lehre der Kirche nicht infrage gestellt. In Deutschland jedoch gab es immer wieder Bestrebungen, die Pastoral von der Dogmatik zu trennen und Formen der kirchlichen Anerkennung zu etablieren, z. B. durch die Zulassung zum Empfang der heiligen Kommunion, durch Segensfeiern von Zweitehen usw. (s. Würzburger Synode, Hirtenwort der oberrheinischen Bischöfe zum Thema im Jahre 1993, Freiburger Handreichung 2013).

Jedesmal hatte der Vatikan solchen Bestrebungen eine Absage erteilt und dazu aufgefordert, dem Wort Christi und der Lehre der Kirche treu zu bleiben. Die Mahnungen und Richtlinien aus Rom wurden jedoch überwiegend von Bischöfen, Priestern und Laien ignoriert. So weigerte sich zuletzt der inzwischen emeritierte Bischof von Freiburg, Dr. Robert Zollitsch, die Freiburger Handreichung zurückzuziehen. Bis heute warten die Gläubigen in Deutschland vergeblich auf eine authentische Verkündigung der kirchlichen Ehelehre, die auf dem Wort Christi gründet. Und anlässlich des Magdeburger Dialogprozesses verkündete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, dass die Mehrheit der Bischöfe in dieser Frage "in eine Richtung gehen, wie sie Kardinal Walter Kasper vorgeschlagen hat".

Walter Kasper (wohl unterstützt von Erzbischof em. Robert Zollitsch, Karl Kardinal Lehmann und Reinhard Kardinal Marx, der inzwischen Zollitsch auf den Posten des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz folgte) hat es nun geschafft, dieses in der Weltkirche an sich längst abgehandelte Thema nach ganz oben zu bringen...

Immerhin haben die "Fragen" von Kardinal Kasper auch einen positiven Effekt: Schon lange nicht mehr haben sich so viele Kirchenmänner so intensiv mit der kirchlichen Ehelehre beschäftigt und so zahlreiche Veröffentlichungen zu diesem Thema verfasst! Neben den oben genannten z. B. auch der australische Kardinal und K9-Mitglied George Pell in einem Vorwort zu einem Buch mit dem Titel "Das Evangelium der Familie" (s. hier) und der Mailänder Kardinal Angelo Scola mit einem Beitrag in der Zeitung "La Stampa" (hier und hier) sowie viele andere.



Weiteres zum Thema Kardinal Kasper und die zivil Wiederverheirateten:


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